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Donnerstag, 23. Juli 2026

Die Gräber der deutschen Romantik

Es gibt inzwischen Mengen von Büchern über Grabstätten berühmter Persönlichkeiten auf bestimmten historischen Friedhöfen. Demgegenüber ist die Zusammenstellung von Grabstätten von Schriftstellerinnen und Dichtern in Buchform eher selten. Christoph Palmer und Henning Kreitel legen mit ihrem Buch eine solche Zusammenstellung für die Zeit der Romantik vor; also für jene  literarische Epoche, die sich besonders intensiv dem Dunkel und den Nachtseiten des Lebens gewidmet hat. 

Am Anfang steht ein längerer Essay zum „Tod in der Romantik“ von Christoph Palmer. Dabei handelt es sich im Grunde um eine Auflistung und jeweils kurze Abhandlung der verschiedenen Aspekte des Todesgedankens. Vorgestellt werden – in dieser Reihenfolge – die Vorstellungen im Werk der Romantiker zum Thema der christlichen Auferstehungshoffnung, zum Tod als Weltflucht und als Teil des immerwährenden Naturkreislaufes, sowie als erotischer Wende- und Höhepunkt, zur unheimlichen Welt, zum Tod als Folge des idealisierten Leidens, zu Nihilismus und den Tod, sowie zum Suizid. 

Die Leser erhalten damit jeweils einen Überblick über die Themenvielfalt, die in der romantischen Literatur mit Sterben, Tod und Bestattung verbunden ist. In jedem Abschnitt werden die Dichter und Dichterinnen, Schriftsteller und Schriftstellerinnen zitiert, die dem jeweiligen Thema zuzurechnen sind. Da ich keine Spezialistin im Gebiet der Romantik bin, kann ich inhaltlich dazu nicht viel anmerken. 

(Irritiert hat mich allerdings die "Listenform" dieser Zusammenstellung. Das hat für mich die Frage aufgeworfen, ob hier KI die Recherche erleichtert oder sogar bestimmt hat. Die Nutzung von Künstlicher Intelligenz ist dabei ja solange nicht als "fragwürdig" einzuordnen, wie ein Autor sie als Erleichterung und Beschleunigung der Recherche genutzt hat. Allerdings erscheint mir die direkte Übernahme der Ergebnisse der Künstlichen Intelligenz ohne weitere Prüfung und Bearbeitung und ohne Hinweis auf die KI als Urheberin fragwürdig. Das aber nur als Anmerkung und keinesfalls als konkreter Vorwurf an den Autor. Wie gesagt: Ich kann das nicht wirklich beurteilen... )

Der zweite umfangreichere Teil besteht aus einer Zusammenstellung der stimmungsvollen Grabmalfotos von Henning Kreitel jeweils mit einem kurzen Lebenslauf der dort bestatteten Persönlichkeit und einem Auszug aus dessen oder deren Werk, der Bezug zum Thema Tod hat. Damit ermöglichen die Verfasser einen neuen Einblick in das Verhältnis dieser Epoche zum Tod und zeigen zugleich, dass unerwartet viele Erinnerungsstätten für diesen besonderen Personenkreis auf den deutschen Friedhöfen tatsächlich über die Jahrhunderte bewahrt worden sind, obwohl normalerweise die Gräber, wenn sich keine Angehörigen mehr darum kümmern, aufgehoben werden. Darüber, wo sich die Grabstätten finden und wer erwähnt wird, geben  ein Plan und ein Register der Grabstätten am Ende des Buches einen guten Überblick.

Christoph Palmer, Die Gräber der deutschen Romantik. Literarische Bilder mit Fotografien von Henning Kreitel. MitteldeutscherVerlag, 2026, Text-Bild-Band, 196 S., Farbabb. 24,00 Euro

Mittwoch, 22. Juli 2026

Virtuelles Kolloquium über Friedhöfe 2026: Call for Papers

Die Cemetery Research Group lädt ein, am "Virtual Colloquium on Cemeteries" teilzunehmen. Dieses Colloquium wird am 20. November 2026 vollständig online (über Zoom) stattfinden. Es wird von der englischen Cemetery Research Group veranstaltet. Thematisch soll es um Orte und Praktiken im Zusammenhang mit der Entsorgung der Toten gehen, einschließlich Bestattung, Einäscherung und anderer Bestattungsmethoden.

Dazu hat die Forschungsgruppe eine Call for Papers herausgegeben, mit dem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die in den Sozial- und Geisteswissenschaften arbeiten, sowie Doktoranden und Postdoktoranden eingeladen sind Beiträge einzureichen. Diese sollen möglichst theoretische Erkenntnisse mit empirischer Forschung zu dem vorgeschlagenen Thema kombinieren.

Jeder Präsentation wird ein 30-minütiger Slot zugewiesen, der etwa 20 Minuten für die Präsentation umfasst, gefolgt von Zeit für Fragen und Diskussionen. Die Veranstaltung ist offen für Mitwirkende aus der ganzen Welt, und die Panels werden für verschiedene Zeitzonen geplant. Alle Vorträge müssen in englischer Sprache gehalten werden.

Abstracts können über dieses Google-Formular bis zum 2. Oktober 2026 eingereicht werden.

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Dr. Julie Rugg unter julie.rugg@york.ac.uk.