Sonntag, 7. Februar 2010

Transmortale 2010 in Hamburg - Ein Workshop-Bericht

Gestern fand in der Hamburger Uni der interdisziplinäre Workshop „transmortale“ statt, auf den hier schon hingewiesen wurde. Mit über 40 Teilnehmer/innen aus der ganzen Bundesrepublik (und sogar aus Dänemark) war er sehr gut besucht. Insgesamt wurden sechs Projekte vorgestellt und diskutiert.
Für Friedhofsfreunde dürften die Arbeiten von Anna Götz zur „bürgerlichen Grabmalkultur um 1900“, von Dagmar Kuhle über „Friedhofspläne im ländlichen Raum“ und von Dana Vick und Andreas Ströbl über „Bestattungen der Neuzeit in der interdisziplinären Forschung“ von besonderem Interesse sein.
Terrakottafigur vom Grabmal Gerhard
(Foto Leisner)
Anna Götz arbeitete am Beispiel der Gestalt der Trauernden, die auf städtischen Friedhöfen in ganz Europa zuhause ist, die Funktion der Grabmalfigur als Repräsentationobjekt und zugleich sozusagen als Stellvertreterin des von den Angehörigen empfundenen Verlustgefühls hin. Dabei wies sie auch auf die Erfahrung beim Besuch der Grabstätten hin, der als neues Ritual aus einem bis dahin unbekannt langen Weg zum Grab, dem Aufenthalt und der Sorge um seine Ausgestaltung (Pflege von Blumen und Anpflanzungen/Reinigung der Anlage und des Grabmals) und des Abschied vom Grab bestand, bei dem die Gestalt der Trauernden sozusagen anstelle der Angehörigen am Grab „zurückbleibt“.
Dagmar Kuhles Interesse gilt sowohl den Unterschieden in der konfessionellen (katholisch/evangelisch) Plangestaltung von Friedhöfen im mitteldeutschen Raum wie auch der Frage nach der Einbeziehung der Natur durch die Auseinandersetzung mit den neuen konfessionslosen Bestattungswäldern.
Dana Vick stellte ihre zusammen mit Andreas Ströbl durchgeführten Untersuchen in verschiedenen Gruften in Kirchen und auf Friedhöfen im Bild vor. Über die Untersuchung der Gruften unter St. Michaelis in Hamburg haben sie ja schon in der letzten Ausgabe von „Ohlsdorf – Zeitschrift für Trauerkultur“ ausführlich berichtet. An ihrem Beitrag zeigte sich deutlich, wie vernachlässigt dieses Thema bisher noch ist und wie viele interessante Aufschlüsse über die Bestattungs- und Trauerkultur aus solchen Untersuchungen noch zu erwarten sind. So wies sie unter anderem auf die häufige „Bindung“ der Toten durch querlaufende Bänder im Sarg hin, deren Bedeutung noch nicht erschlossen ist, oder auch auf die Sitte der Nonnen im Lüneburger Frauenkloster ihren Toten Eier mit in den Sarg zu legen.
Insgesamt war es eine sehr anregende Veranstaltung, die mit der Hoffnung auf jährliche Wiederholungen und eine bessere Vernetzung aller, die an den Themen um Sterben, Tod, Bestattung und Trauer wissenschaftlich arbeiten, zu Ende ging.

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