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Dienstag, 11. Oktober 2022

Auszeichnung für die Europäische Friedhofskulturroute

In diesem Jahr gab es erstmals die Ausschreibung des "Cultural Routes Best Practices Award", den das zuständige Büro des Europarates (EPA) ins Leben gerufen hat. Mit diesem Preis sollen die besten Praktiken der zertifizierten Kulturstraßen des Europarates gewürdigt werden. Zu diesen gehört auch die Route der Europäischen Friedhofskultur. In Deutschland sind bisher eine Reihe von Berliner Friedhöfen sowie der Ohldorfer Friedhof in Hamburg Mitglieder dieser Route (diese Karte zeigt alle zugehörigen Friedhöfe in Europa). 

Die Europäische Friedhofsroute beteiligte sich an der Ausschreibung und erhielt die außergewöhnliche Auszeichnung für ihr Projekt "Schulen auf Friedhöfen", das seit vielen Jahren von Mitgliedern der Europäischen Friedhofsroute in ganz Europa durchgeführt und entwickelt wird. In diesem Projekt entstehen z.B. kulturelle Tage, Führungen, Spiele für mobile Apps, Schultheater, Forschungs- und Kunstprojekte mit jungen Europäern von der Grundschule bis zur Oberschule. Die Mitglieder der Route haben Schulen dabei besonders deswegen im Blick, weil Schulen verschiedene kulturelle Programme benötigen, um Jugendlichen die Gesellschaft und Kultur näher zu bringen; und Friedhöfe können eine unerwartete, aber wirkungsvolle Erfahrung bieten. Dabei hängt die Zukunft der Friedhöfe von der Einstellung ab, die diese Kinder entwickeln werden, wie die ASCE als Trägerin der Friedhofsroute schreibt. Wenn die Kinder Friedhöfe als kulturelles Erbe ihrer Stadt erleben, kann sich ihre Sichtweise ändern und sie werden eher bereit sein, ihre Erhaltung und zuhörige Projekte zu unterstützen.

Die diesjährige Auszeichnung ist eine wichtige Anerkennung für die Bedeutung dieses Projekts, das weiter gefördert und entwickelt werden soll. Dazu sind alle Mitglieder eingeladen, sich die eingestellten Beispiele und insbesondere das offizielle Modell des Projektprogramms genauer anzusehen.

Freitag, 14. Dezember 2018

"Remember. Journey through memories. European Cemeteries Route"

 2012 habe ich hier über die Route der Europäischen Friedhofskultur berichtet. In diesem Jahr nun ist eine Neuauflage der damaligen Guidebooks erschienen (das veraltete Guidebook ist inzwischen aus dem Internet verschwunden).

Das neue - auch wieder englischsprachige - Buch ist mit vielen farbigen Fotos aufgemacht und stellt ähnlich wie das frühere Guidebook nach zwei kurzen Einleitungskapiteln auf jeder Seite einen historischen Friedhof vor. Die Abfolge scheint dabei relativ beliebig zu sein - jedenfalls erschließt sie sich mir nicht. Insgesamt sind in diesem Buch 63 europäische Friedhöfe anzutreffen, so dass man einen sehr guten Überblick über den kulturellen und historischen Reichtum erhält, der an diesen besonderen Orten Europas erhalten geblieben ist. Allerdings findet man im Internet noch einmal deutlich mehr Mitglieder der Route, denn offenbar sind nicht alle dem Aufruf gefolgt, Material für die neue Broschüre einzusenden.

Seiten für den Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg und
den südlichen Friedhof in München
Da der Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof e.V., für den ich hier ja auch stehe, Mitglied sowohl der Association of Significant Cemerteries wie der Europäischen Kulturroute ist (und weil wir auf die Aufforderung Bilder und Text neu zu übersenden auch reagiert haben), ist er auch in der neuen Broschüre vertreten und die Association hat dem Förderkreis vorab drei gebundene Exemplare des neuen Buches zugesandt.

Und damit haben wir auch das Problem dieses Buches. Der Förderkreis müsste 200 Euro für die Druckvorlage bezahlen und könnte dann auf eigene Kosten so viele Exemplare des Buches drucken lassen, wie er möchte. Der Vorstand hatte gewichtige Gründe sich dagegen zu entscheiden: Zu den 200 Euro Honorar kämen noch die nicht unerheblichen Druckkosten für jedes Buch, so dass man nur einige wenige Exemplare zu einem hohen Preis herstellen und verkaufen könnte. Aber wer hat Interesse ein solches Buch mit englischen Texten zu kaufen, wenn er dasselbe und mehr im Internet lesen und ansehen kann?  Und so stelle ich hier ein wunderbares Buch vor, von dem ich nicht weiß, ob man es irgendwo auch erwerben kann...

Montag, 26. August 2013

"Wo sie ruhen" - neue "Friedhofs-App" ist in Arbeit

Header der zukünftigen Friedhofs-App vorgestellt auf der
Pressekonferenz in Ohlsdorf am 23.8.2013 (Foto Leisner)
Bis zum Herbst 2014 soll im Netz eine neue App abrufbar sein, die - besonders jungen Leuten? - den Besuch von historischen Friedhöfen schmackhafter machen soll. Auf insgesamt 37 ausgewählten historischen Friedhöfen in 16 deutschen Bundesländern kann man sich dann vom dem Routenplaner seines Smartphone zu den wichtigsten Grabmalen leiten lassen und dort vor Ort Informationen zu der verstorbenen Persönlichkeit und seinem oder ihrem Grabmal abhören. Insgesamt 1000 Grabstätten sollen in Bild, Text und Ton sowie mit ihren GPS-Koordinaten verfügbar gemacht werden. Dabei handelt es sich vorwiegend um Ehrengrabstätten, Gräber berühmter Persönlichkeiten, Grabmale mit herausragender architektonischer wie kunsthistorischer Bedeutung sowie solche mit außerordentlichen
Restaurierungsleistungen.

Grabstätte Borchert auf dem Ohlsdorfer Friedhof auf
der zukünftigen Website "Wo sie ruhen" (Foto Leisner)
Der Plan zu diesem „Leitsystem für historische Friedhöfe – Audio-virtueller Rundgang als App“ – so die offizielle Bezeichnung  – wurde maßgeblich von dem Hamburger Bundestagsabgeordneten Rüdiger Kruse entwickelt. Er ist Berichterstatter für Kultur und Medien im Haushaltsausschuss und konnte so die Finanzierung des Projekts sicherstellen, das insgesamt mit einer Summe von über 500 000 Euro vom Bund gefördert wird. Der Schauspieler und Rezitator Hans-Jürgen Schatz, der zu den Ideengebern gehört, wird die Kurzporträts zu den Grabstätten lesen, die derzeit von fachlich versierten Autoren geschrieben werden - dazu gehöre auch ich und deswegen kann ich hier schon über die App berichten. Christa Ringkamp vom Büro HORTEC zeichnet für die Projektsteuerung verantwortlich. Projektträger ist die Stiftung Historische Friedhöfe in Berlin. Eine erste Probeseite der App wurde letzte Woche auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg vorgestellt, wo Hans-Jürgen Schatz u.a. meinen Text zur Grabstätte Hanssen, Laeisz, Canel und Meerwein vor Ort vorlas. 

Krsue, MdB, und Schatz bei der Textlesung mit dem Grabmal
Laeisz im Hintergrund (Foto Leisner)
Man kann die Texte aber nicht nur vor Ort hören, sondern auch die zu der App gehörende Website im Internet aufsuchen, den entsprechenden Friedhof anklicken und auf der interaktiven Karte, die Grabstätten aufsuchen und die Texte sowohl lesen wie abhören. Zurzeit ist die Website allerdings noch nicht freigeschaltet. Zusätzlich wird im Rahmen des Projektes zu jedem ausgewählten Friedhof ein Faltblatt mit Nennung und Lokalisierung der Grabstätten erstellt werden.

Dienstag, 22. Mai 2012

Die Europäische Route der Friedhofskultur

Titelbild von "Ohlsdorf - Zeitschrift für
Trauerkultur" mit dem Thema "Europäische
Route der Friedhofskultur"
Vor einiger Zeit habe ich hier auf die Europäische Route der Friedhofskultur hingewiesen. Inzwischen sind zwei Hefte von "Ohlsdorf - Zeitschrift für Trauerkultur" erschienen, in denen ich ausführlicher über diese Kulturroute berichte.

Zuerst geht es dabei um die Idee der Kulturroute und im zweiten Teil um die Vorstellung einiger europäischer Friedhöfe und des im Internet veröffentlichten zugehörigen Guidebooks, das bisher nur auf Englisch und Spanisch veröffentlicht ist.

Natürlich enthält die neue Ausgabe der Zeitschrift noch weitere interessante Artikel, so gibt es unter der Rubrik "Aktuelles" einen Bericht von der Transmortale III und unter "Kultur und Geschichte" wird von die Restaurierung des Friedhofes in Nebel auf Amrum vorgestellt. Nicht zu vergessen auch die beiden Beiträge über die Friedhofskultur in Belfast von Claudia Schmidt, wo sich die schwierigen politischen Verhältnisse natürlich auch in der Gestaltung der Gräber widerspiegeln.

Sonntag, 9. Oktober 2011

Europäische Friedhofs-Vereinigung ASCE feiert 10jähriges Bestehen in Wien


Pausengespräche im Museumsquartier in Wien (Foto Leisner)
Dieses Jahr fand die 10. Jahresversammlung der Europäischen Friedhofs-Vereinigung (ASCE - Association of significant cemeteries in Europe) in Wien statt, großzügig ausgerichtet von den "Friedhöfen Wien". Es stand sowohl die Neuwahl der Vorstandsvorsitzenden als auch die Neu- bzw. Wiederwahl der neun Vorstandsmitglieder an. Dazu war das Programm gedrängt voll mit der Vorstellung der Arbeiten an der Europäischen Friedhofskulturroute (European Cemeteries Route) und Vorträgen zum Thema: "Bedeutende Friedhöfe vor neuen sozialen Gewohnheiten", sowie je einer  Exkursion zum Zentralfriedhof und dem Hietzinger Friedhof der Stadt Wien. Natürlich kam während der ganzen Zeit der Erfahrungsaustausch zwischen den über 90 Teilnehmern aus den europäischen Ländern nicht zu kurz.

Auf dem Hietzinger Friedhof
(Foto Leisner)
Die scheidende Vorsitzende, Frau Yzaguirre aus Barcelona, blickte auf ein sehr erfolgreiches Wirken zurück. Denn die ASCE ist inzwischen auf 63 Mitglieder aus 20 Ländern angewachsen und bildet damit die größte derartige Vereinigung Europas. Auch nach Südamerika, wo das europäische Vorbild Schule macht, gibt es Kontakte. Weitere neue Mitglieder haben sich schon angemeldet. Mitglied können übrigens historisch und/oder künstlerisch bedeutende Friedhöfe selbst mit ihren Verwaltungen sein, aber auch Förder- und Freundeskreise, Stadtverwaltungen, Museen und Universitäten sind vertreten, die sich für die Erhaltung von Friedhöfen engagieren. Zum Beispiel gehört der Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof e.V. schon seit dem Gründungsjahr 2001 der ASCE an. Die neu gewählte Vorsitzende Lidija Plibersek, Direktorin der Friedhöfe und des Krematoriums in Maribor in Slowenien, führte in ihrem Beitrag aus, dass die ASCE das Ziel und die Fähigkeit hat, alle Menschen in Europa mit dem Kulturgut "historischer Friedhof" vertraut zu machen. Das Vortragsprogramm ist hier abgebildet. Wer möchte, kann die meisten Präsentation, die in Wien gezeigt wurden, aus dem Internet herunterladen. Sie sind zur Zeit unter dieser Adresse veröffentlicht.

(Darunter befindet sich übrigens auch meine Präsentation über den Ohlsdorfer Friedhof.) Besonders empfehlen möchte ich die Präsentation und das Video vom Glasnevin Trust in Dublin Irland. Das Friedhofmuseum dort und die Öffentlichkeitsarbeit des Friedhofs fand ich wirklich ausgesprochen beeindruckend und vorbildlich für alle, die sich für historische Friedhöfe engagieren.

Über die Friedhofskulturroute wollen wir in der Januar-Ausgabe unserer Zeitschrift "Ohlsdorf - Zeitschrift für Trauerkultur" ausführlicher berichten. Ich werde dann hier darauf hinweisen.