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Samstag, 10. Oktober 2026

Ein neues Friedhofsmuseum in Tübingen

Grabmal für Friedrich Hölderin 
Im Frühjahr wurde auf dem Stadtfriedhof in Tübingen ein neues Museum feierlich eröffnet, das die Bestattungsschichte der Universitätsstadt zum Thema hat und ein Ableger des Stadtmuseums ist. Das Museum befindet sich im ehemaligen Haus des Friedhofsaufsehers direkt am Friedhofsrand. Der Stadtfriedhof ist seit 1829 der zentrale Begräbnisort Tübingens und ein Kulturdenkmal mit geschützter Parkanlage. 

Die Ausstellung des Museums beschäftigt sich anhand eines Friedhofsmodells mit der Geschichte der Anlage und stellt exemplarisch dort begrabene Persönlichkeiten vor. Unter ihnen sind zahlreiche Universitätsangehörige und so bekannte Dichter wie Friedrich Hölderlin (1770-1843) und Ludwig Uhland (1787-1862). Auch Schriftstellerinnen und Schriftsteller wie Ottilie Wildermuth (1817-1877), Hermann Kurz (1813-1873) und seine Tochter Isolde Kurz (1853-1944) sind hier bestattet worden. Daneben werden Formen der Trauerkultur vermittelt. Ein Rechercheraum widmet sich Menschen, die Opfer des nationalsozialistischen Regimes waren und zwischen 1933 und 1945 auf dem Gräberfeld X begraben wurden. Bis 1963 war dieses Gräberfeld der ein Bestattungsplatz des anatomischen Instituts der Universität und wurde in den 1980er Jahren in eine Gedenkstätte umgewandelt.

Das Museum Stadtfriedhof ist täglich während der Öffnungszeiten des Friedhofs zugänglich.Adresse und Kontakt: Stadtfriedhof-Museum, Gmelinstraße 20, 72076 Tübingen. Das Stadtfriedhof-Museum ist Teil des Stadtmuseums Tübingen: Telefon 07071 204-1711, E-Mail: stadtmuseum@tuebingen.de
https://www.stadtmuseum-tuebingen.de/dein-besuch/stadtfriedhof/


Mittwoch, 22. Juli 2026

Virtuelles Kolloquium über Friedhöfe 2026: Call for Papers

Die Cemetery Research Group lädt ein, am "Virtual Colloquium on Cemeteries" teilzunehmen. Dieses Colloquium wird am 20. November 2026 vollständig online (über Zoom) stattfinden. Es wird von der englischen Cemetery Research Group veranstaltet. Thematisch soll es um Orte und Praktiken im Zusammenhang mit der Entsorgung der Toten gehen, einschließlich Bestattung, Einäscherung und anderer Bestattungsmethoden.

Dazu hat die Forschungsgruppe eine Call for Papers herausgegeben, mit dem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die in den Sozial- und Geisteswissenschaften arbeiten, sowie Doktoranden und Postdoktoranden eingeladen sind Beiträge einzureichen. Diese sollen möglichst theoretische Erkenntnisse mit empirischer Forschung zu dem vorgeschlagenen Thema kombinieren.

Jeder Präsentation wird ein 30-minütiger Slot zugewiesen, der etwa 20 Minuten für die Präsentation umfasst, gefolgt von Zeit für Fragen und Diskussionen. Die Veranstaltung ist offen für Mitwirkende aus der ganzen Welt, und die Panels werden für verschiedene Zeitzonen geplant. Alle Vorträge müssen in englischer Sprache gehalten werden.

Abstracts können über dieses Google-Formular bis zum 2. Oktober 2026 eingereicht werden.

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Dr. Julie Rugg unter julie.rugg@york.ac.uk.

Dienstag, 7. April 2026

Zum Umgang mit Friedhofsfreiflächen

 

Im Rahmen des Dresdner Modellprojekts „Vom
Parkfriedhof zum Friedhofspark“ auf dem Neuen Annenfriedhof der Stadt hat die Friedhofsverwalterin Lara Schink eine "Handreichung zum Umgang mit Friedhofs-Freiflächen" erstellt, die unter diesem Link zum kostenlosen Download bereit steht. Vorab möchte ich diesen Text schon einmal allen empfehlen, die mit der Entwicklung von Friedhöfen und besonders der Bewahrung historischer Begräbnisplätze zu tun haben. Oder wie es im Vorwort heißt: Die an dem Projekt Beteiligten "möchten mit dieser Publikation Mut machen, Friedhöfe mit anderen Augen zu sehen: ihre vielfältigen Potenziale zu erkennen, anzuerkennen und bedarfsgerecht weiterzuentwickeln - mit frischen Ideen, zugleich aber stets Hand in Hand gehend mit ihrer jahrhundertealten Kulturtradition".

Die Publikation ist als Teil des ExWoSt-Forschungsvorhabens1 „Green Urban Labs II“ entstanden. In diesem Projekt wurden die Potenziale von Friedhofsfreiflächen im Rahmen eines partizipativen Umgestaltungsprozesses unter Einbindung einer Vielzahl von Akteuren aus Bürgerschaft, Ämtern, Hochschul- und Vereinswesen erforscht. 

Sonntag, 5. Oktober 2025

HALT - Das Jahrbuch für Sepulkralkultur 2024 und 2025

Seit dem letzten Jahr hat die Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal die Herausgabe der seit 1956 erschienenen Zeitschrift „Friedhof und Denkmal“ eingestellt, in deren Redaktion auch ich eine ganze Zeit mitgearbeitet habe. Statt ihrer ist im selben Jahr zum ersten Mal das Jahrbuch mit dem sprechenden Titel „HALT“ erschienen, das in diesem Jahr zum zweiten Mal herausgegeben worden ist. 

Beide Jahrbücher versammeln Interviews und Gastbeiträge von und mit renommierten Gesprächspartnern und Wissenschaftlerinnen, Berichte aus der Forschung des Zentralinstituts für Sepulkralkultur, Neuigkeiten und Einblicke in die Sammlung, Artikel zu Themen aus der Friedhofs- und Bestattungskultur sowie künstlerisch-ästhetische Zwischenspiele. Dazu gibt es eine Fülle von illustrativen Bildern und Fotografien. Gestaltet wurden beide Jahrbücher von Pascal Kress (The Floor Show, Berlin), die künstlerischen Illustrationen stammen von der in Kassel lebenden Malerin Aliaa Abbou Khaddour.

In der zugehörigen Presseinformation zu diesem Jahrbuch heißt es, dass man darin transdisziplinär auf die Endlichkeit blickt und so den Dialog über dieses – für viele Menschen schwierige – Thema weiter führt. „Halt! So wie es bisher war, wird es nie wieder sein“, diese Einsicht und Erfahrung wird den Lesern schon mit der kräftigen Schrift und den sprechenden Titelbildern des Covers direkt vor Augen gehalten. 

Donnerstag, 26. Juni 2025

Kultur auf dem Friedhof

Die letzten beiden Ausgaben unserer Ohlsdorf-Zeitschrift befassen sich mit der Frage, welche kulturellen Ereignisse auf Friedhöfen stattfinden. 

Wir haben dafür Beiträge sowohl aus Deutschland wie aus dem benachbarten Ausland zusammengetragen. Beide Hefte kann man inzwischen auch auf der Website des Förderkreises Ohlsdorfer Friedhof nachlesen bzw. anschauen kann. Man kann sie aber auch gedruckt beim Förderkreis direkt bestellen. 

Im Schwerpunkt der Ausgabe 168/2025 berichten wir über die "Herbstmondnacht – Eine Reise durch die Endlichkeit" auf dem Friedhof Wismar, die aber auch schon auf anderen Friedhöfen stattgefunden hat. Außerdem geht es um das "Ohlsdorfer Friedensfest" und das "Mexikanische Totenfest auf dem Ohlsdorfer Friedhof: Neue Perspektiven
der Erinnerung".

 In der Folge-Ausgabe 169/2025 wird dann über "Kultur auf Wiener Friedhöfen" und das Jubiläum des Zentralfriedhofes im letzten Jahr berichtet; "Das Friedhof Forum – die schweizweit einzigartige Kulturinstitution über Leben und Tod" wird vorgestellt; in dem Beitrag "Der lebendige Friedhof – Friedhöfe als Orte der Verbindung" kommt der Direktor des Museums "Tot zover" in Amsterdam zu Wort und der langjährige Vertreter der Öffentlichkeitsarbeit auf den Zwölf-Apostel-Friedhöfen in Berlin berichtet von seinen spannenden Aktivitäten. 

Da gibt es viele Anregungen zu den Möglichkeiten, die Friedhöfe haben um die Menschen in ihrer Umgebung einzuladen und auf sich als besondere Kulturorte aufmerksam zu machen. 




Sonntag, 25. Mai 2025

Farbe auf dem Friedhof II

Im Oktober letzten Jahres habe ich hier schon etwas zum Thema Farbe auf dem Friedhof gepostet. Inzwischen habe ich dazu in der Friedhofkultur (Mai/ Juni 2025, S. 26-28) einen längeren Beitrag veröffentlicht. Weil dort aber nicht alle Fotos untergekommen sind, die eigentlich dazu gehören. Stelle ich den Text und alle Bilder hier noch einmal ein:

Farbe auf dem Friedhof

Schwarz gilt spätestens seit dem 19. Jahrhundert in Europa als die Farbe des Todes und der Trauer. Nicht nur die bürgerliche Trauerkleidung musste schwarz sein, auch auf den neuen parkartigen Friedhöfen wurden mit Vorliebe tiefschwarz polierte Grabmale aufgestellt, sofern man nicht den weiß leuchtenden italienischen Carrara-Marmor für Skulpturen und Reliefs wählte. Wenn das Geld für so kostbare Gesteine nicht ausreichte, so erhielten kleinere Grabmale wenigstens tiefschwarz eingefärbte Glasplatten als Träger von bildlichen Symbolen und Inschriften.
 

Schwarz-Schwedischer Obelisk, Buschey-Friedhof, Hagen
 
Trauernde aus weißem Marmor, Grabmal Dralle von Hans Damman 1913, Ohlsdorfer Friedhof Hamburg

Schwarze Glasplatte mit Engelsfigur, Grabstätte Roosen, Ohlsdorfer Friedhof Hamburg
Dass Grabmale in früheren Zeiten farbig gefasst sein konnten, war in dieser Zeit weitgehend in Vergessenheit geraten. Tatsächlich aber wurden in Deutschland schon in der Römerzeit bunte Grabsteine aufgestellt. Im Jahr 1834 wurde im Landkreis Mainz-Bingen ein Grabmal aus der Zeit der römischen Besatzung gefunden, dessen Farbfassung fast vollständig erhalten war. Aufgestellt worden war es für den Kelten Silius, der als Soldat gedient hatte. Dank eines zeitgenössischen Aquarells ist die Farbigkeit gut dokumentiert, während das Grabmal heute aufgrund von Wind und Wetter nur noch die Steinansicht zeigt. An vielen weiteren Grabmalen aus dieser Zeit sind Farbreste festgestellt worden bzw. historisch überliefert. Dementsprechend wurde auch die Nachbildung der Stele für den römischen Offizier Marcus Caelius im Römermuseum Xanten farbig gefasst.

Freitag, 2. Mai 2025

Zwei Friedhofsjubiläen in Bremen

Mausoleum Schmiedell, Riensberger Friedhof (QuelleVon Joern M - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0,)
Die beiden Bremer Friedhöfe Riensberg und Walle  feiern in diesem Jahr kurz hintereinander ihr 150-jähriges Bestehen. Der Umweltbetrieb Bremen (UBB) lädt für Riensberg am 10.  und für Walle am 17. Mai 2025 jeweils zu einer Jubiläumsveranstaltung ein. 

In Riensberg gibt es als Festveranstaltung am Nachmittag Kurzvorträge und Reden in der Kapelle und dazu ein kreatives Begleitprogramm für Groß und Klein, bei dem Steinmetze, Gärtnereien und andere Ausstellende ein buntes, Mitmach-Programm anbieten. Außerdem kann man an Friedhofsführungen teilnehmen. Es gibt dabei sowohl berührende Geschichten und Poesie, aber man kann auch auf einer vogelkundlichen Führung die vielen kleinen Sänger auf dem Friedhof kennen lernen. Abends findet dann ein Cellokonzert mit Lesung in der Kapelle statt. Dort hat außerdem die Kunstinstallation TRANSITUM von Anke Bär und Beate C. Koehler Raum gefunden und es gibt eine Ausstellung zum Kolumbarium, das heute als edle Begräbnisstätte dient. Zudem kann man am "Baum der Hoffnung" einer frisch gepflanzten jungen Eiche Wünsche für die Zukunft anvertrauen und es gibt einen Treffpunkt mit Café - Bereich. Musikalisch wird der Tag von der Flötistin Jette Beyer begleitet.
Als eine weitere Veranstaltung im Rahmen des Jubiläums ist zur Zeit auf der Website des Umweltbetriebs Bremen eine Führung zum Thema "Bremer Frauen" am 11. Juni angekündigt. 

Eine Woche später am 17. Mai beginnt das Jubiläumsprogramm in Walle ebenfalls am Nachmittag mit Kurzvorträgen und Reden in der Kapelle und mit dem schon bekannten kreativen Begleitprogramm, sowie thematisch gleichen Führungen. Zu den das Thema "3 Stationen bewegte Leben" hinzukommt, zu drei Stätten, die vom Mut, dem Kampf um soziale Gerechtigkeit und vom Überleben in Gewalt und Verfolgung erzählen. Abends dann gibt es ein Konzert mit meditativen Klänge mit orientalischen Einflüssen. Auch der Baum der Hoffnung findet sich auf diesem Friedhof wieder, ebenso wie das Café und die musikalische Flötenbegleitung. 

Weitere Veranstaltungen im Rahmen des Jubiläums sind eine Mausoleumsführung am 1. Juli und eine Führung zu Grabstätten von Bremer Frauenrechtlerinnen am 21.9. Auch hier werden möglicherweise weitere Programmpunkte noch später angeboten, die dann von der Website abgerufen werden können.

Samstag, 25. Januar 2025

Friedhofsausstellung und Vorträge in Dresden

 Hier ein kurzer Hinweis darauf, dass in Dresden in Kürze eine Ausstellung zum Thema Friedhöfe eröffnet wird https://www.zfbk.de/ und https://www.zfbk.de/programm/ausstellung-friedhof/:




Dienstag, 14. Januar 2025

Neue Schauplätze der Trauer

Norbert Fischer und Simon J. Walter (Hrsg.), Neue Schauplätze der Trauer. Fachverlag des deutschen Bestattungsgewerbes, Düsseldorf 2025, 162 Seiten

Hier eine Information für alle, die in oder in der Nähe von Hamburg wohnen: Am Montag, 7. April 2025, 15.00 Uhr findet die Öffentliche Buchvorstellung dieser Publikation durch die Herausgeber Norbert Fischer und Simon Walter auf dem Ohlsdorfer Friedhof im Forum Ohlsdorf (Cordeshalle) statt. Veranstalter sind der Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof e.V., die Hamburger Gesellschaft für Empirische Kulturwissenschaft e.V. und die Stiftung Deutsche Bestattungskultur. Der Eintritt ist frei, für Getränke wird gesorgt. Um formlose Anmeldung wird gebeten, unter: norbertfischer@t-online.de

Mit dem Buch „Neue Schauplätze der Trauer“ thematisieren die Herausgeber eine öffentliche Erscheinungsform der Trauer, die sich seit den 1990er Jahren immer häufiger in spontanen Gedenkstätten außerhalb von Friedhöfen manifestiert. Die Autorinnen und Autoren dieses Buches gehören dabei teilweise zu den Studierenden der Empirischen Kulturwissenschaft an der Universität Hamburg.

Am Anfang der Beiträge steht ein Rückblick auf öffentliche Gedenkorte aus älteren Zeiten. Klein- und Flurdenkmäler, also zum Beispiel Bildstöcke und Sühnesteine, erinnern besonders im süddeutschen Raum noch heute an Unglücksfälle oder Mordtaten in vergangenen Jahrhunderten und prägen so die Kulturlandschaft. Oft wird dort zum Gebet für die Toten aufgerufen und es werden Blumen niedergelegt oder Kerzen entzündet, also rituelle Trauerhandlungen ausgeführt, die auch heute noch an Trauerorten aktuell sind. Die darauf folgenden Beiträge stellen dann Schauplätze vor, die erst in neuerer Zeit entstanden sind. In ihnen manifestiert sich Trauer und Gedenken in sehr unterschiedlichen Gestaltungsweisen. So wird dem Konzept der Trauerhaltestelle nachgegangen, die erstmals auf dem Ohlsdorfer Friedhof eingerichtet worden ist. Dieser spezielle und neuartige Ort für das öffentliche Gedenken bietet explizit die Möglichkeit, private Trauer um einen Verlust in Form von Text, Bild oder Gegenständen anonym und für einen – wetterbedingt – begrenzten Zeitraum der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Mittwoch, 6. November 2024

Friedhof. Der letzte Garten

Die Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur (DGGL) hat zusammen mit mehreren dem Friedhof verbundenen Organisationen und Firmen ein neues Themenbuch herausgegeben, in dem der „Letzte Garten“ von unterschiedlichen Seiten beleuchtet wird. 

Unter dem Obertitel "Abschiedskultur" blickt Oliver Hoch auf das Todesverständnis im Spiegel der Friedhofsentwicklung, während Mechthild Engert die Mainfränkische Friedhofskultur vorstellt und Tobias Pehle das immaterielle Erbe Friedhofskultur erläutert.

Der folgende Abschnitt ist mit „Kultur- und kunsthistorische Entwicklung“ überschrieben und macht sowohl die gartenkünstlerische Entwicklung der Friedhöfe allgemein zum Thema, wie die besondere Geschichte der Jüdischen Friedhöfe und die relativ neue Erfahrung, dass Friedhöfe zu Integrationsräumen für die Herkunftskulturen jener Menschen werden, die aus fremden Ländern nach Deutschland gekommen sind. Auf die Herausforderungen, die diese Veränderungen für kirchliche Friedhöfe bedeuten, geht die Leiterin der beiden ältesten Nürnberger Friedhöfe, Elfi Heider, näher ein.

Freitag, 11. Oktober 2024

Farbe auf dem Friedhof

Drei verschiedene Informationen zum Thema Farbe und Friedhof sind bei mir gerade zusammengetroffen und zeigen, wie unterschiedlich die Einstellung zur Farbe in Verbindung mit Tod und Bestattung sind. Allerdings wird auch deutlich, dass sich diejenigen mehr oder weniger auf dem Rückzug befinden, die meinen auf Friedhöfen müsse alles dunkel und trist sein:

In der neuen Ausgabe der Friedhofskultur wird - mit etwas Kopfschütteln - berichtet, dass in Wallhausen (Kreis Schwäbisch Hall) Eltern gegen die Gemeinde geklagt haben, die eine Statue auf dem Grab ihres Sohnes nicht genehmigt hat. Die Richter des Stuttgarter Verwaltungsgerichts haben in diesem Jahr die Klage abgewiesen, so dass die Skulptur abgebaut werden musste. Es handelt sich um eine anderthalb Meter hohe Figur des Verstorbenen in auffällig orange-gelber Farbe.  

Gestaltung von Urnenstelen auf dem Friedhof Solingen-Wald. (weitere Infos s.u.)
Vor kurzem wurden dagegen die farbigen Urnenstelen mit Glasmalerei des Künstlers Jörgen Habedank auf dem Friedhof Solingen Wald eingeweiht. Die Initiative dazu ging vom Pfarrer aus, der nach Aussage des Künstlers mit Mut zu unkonventionellen Gestaltungen das Motto lebt  "Farbe gehört ins Leben – und auch zum Tod". Der Künstler schreibt dazu: "Die Reaktionen waren durchweg positiv. Das darf gerne Schule machen, solch farbige Kraft am Ort der Erinnerung – Erinnerung ist farbig!"

Und tatsächlich ist auch historisch die Verwendung von auffälligen Farbgestaltungen auf dem Friedhof belegbar: Auf dem Alten und Neuen Annenfriedhof in Dresden ist ein Freundeskreis aktiv, der sich ganz praktisch für historische Grabanlagen einsetzt. Gerade wurde eines der eisernen Grabgitter von Rost befreit und neu gestrichen. Die Farbreste waren vorher vom Denkmalschutzamt analysiert worden, und die Verwalterin Lara Schink hat ganz begeistert ein Bild auf Facebook gepostet, auf dem das Gitter in leuchtendem Wasserblau neu erstrahlt!

Dresden, Neuer Annenfriedhof, Der neue Anstrich auf dem Anstett-Ulbrich-Grab (Foto: Jana Licht 2024)

 

Info zu den Urnenstelen:  Das locker aufgestellte Kolumbarium hat handgemalte Glasfronten, die von J.Habedank entworfen wurden. Die Urnenstelen haben weiter vorne eine Reihe von Liegesteinen, auf denen die Namen ihren Platz finden. Gestaltung von Urnenstelen auf dem Friedhof Solingen-Wald. Konzept und Entwicklung: Firma Weiher (Freiburg) mit dem Künstler Jörgen Habedank und der Glasfirma vitrago (Paderborn).

Fotos: © Jörgen Habedank, Tornesch, Konzept: © Firma Weiher, Freiburg





Dienstag, 24. September 2024

Tagung "Friedhöfe – Aufgaben und Bedeutung im Wandel"

Ohlsdorfer Friedhof, Grabanlage neben dem Garten der Frauen (Foto Leisner)

Am 07. November 2024 findet im Museum für Sepulkralkultur von 10.30 – 17 Uhr die Tagung "Friedhöfe – Aufgaben und Bedeutung im Wandel" statt, die von der Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal e.V. in Kassel und der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur e.V. (DGGL) in Berlin gemeinsam organisiert wird. 

Dazu heißt es auf der Website des Museums: "Friedhof Ort des sozialen Miteinanders und der Entschleunigung, Ort des Übergangs zwischen Tod und einem Danach, Ort des Friedens – ein Friedhof kann vieles sein. So vielfältig die Nutzung dieses Kulturerbes, so groß ist die Spannweite an Bedürfnissen, die mit dem Friedhof als gesellschaftlichem Ort verbunden sind." Und weiter: "Auf Friedhöfen können wir ein wichtiges Kulturerbe unserer Gesellschaft direkt erleben. Wir erfahren Geschichten von Menschen, Gemeinden, Städten und Ländern. Nicht wenige Friedhöfe stehen daher unter Denkmalschutz. Zusätzlich übernehmen sie als würdig gestaltete Orte der Trauer und der Erinnerung eine wichtige soziale Funktion. Hierzu gehört auch, dass sie für die Menschen ein unverzichtbarer Bestandteil des grünen Netzes für die Naherholung sind. Gestalterisch und funktional ähneln Friedhöfe den Parkanlagen. Das gilt für große Anlagen (z.B.  Ohlsdorfer Friedhof, Hamburg) genauso wie für Kleinode (z.B. Friedhof Georgen-Parochial, Berlin). Darüber hinaus leisten Friedhöfe durch ihre ökologischen Funktionen einen nicht zu vernachlässigenden Beitrag zur Biodiversität und Klimaausgleich.

Kultur ist im Wandel

Unsere Gesellschaft verändert sich seit einigen Jahrzehnten im Hinblick auf die Friedhofskultur sehr stark. Andere Familienstrukturen, viele Singlehaushalte, Zurücktreten religiöser Verbundenheit, ein anderes Verhältnis zum Tod etc. erfordern daher ein besonderes Augenmerk, wenn wir wollen, dass Friedhöfe weiterhin Gärten für die Toten, aber auch für die Lebenden sein sollen.
Die Tagung Friedhöfe – Aufgaben und Bedeutung im Wandel spannt vor diesem Hintergrund einen breiten Bogen über die wichtigen Facetten des Themas. Fragen der Friedhofsplanung und des Bestattungsrechtes der Zukunft werden genauso angesprochen wie Friedhöfe als Orte der Integration und ihrer Bedeutung für Diversität und Klimawandel." 

Das Programm

Dr. Martin Venne: Den „letzten Garten“ planen
Rechtsanwältin Farnaz Punke, Rechtsanwalt Henning Walter: Quo Vadis Friedhofs- und Bestattungsrecht?
Frederike Dirks: Der Friedhof als Ort der Integration
Prof. Dr. Ingo Kowarik: Biodiversität und Klimabedeutung von Friedhöfen
Gabriele Bindert: Sterben muss bezahlbar bleiben

Tagungsbeitrag: 130 Euro einschl. Verpflegung und Tagungsband „Friedhof – Der letzte Garten“. (Ermäßigt für Mitglieder der AG Friedhof und Denkmal e.V. und der DGGL: 104 Euro)

Anmeldung bis 24. Oktober 2024: info@sepulkralmuseum.de
Ort: Museum für Sepulkralkultur, Weinbergstraße 25–27, 34117 Kassel


Donnerstag, 22. August 2024

Gestorben wird immer! - Online-Ausstellung von Studierenden

Friedhof mit Mauer und Beinbrecher, 15. Jh. (Bildnachweis s.u.)
 Studierende der Universität Würzburg haben sich im Rahmen eines Projektseminars am Lehrstuhl für Europäische Ethnologie/Empirische Kulturwissenschaft mit Friedhöfen als „lebendige Ausdrucksformen, die von menschlichem Wissen und Können getragen, von Generation zu Generation weitervermittelt und stetig neu geschaffen und verändert werden“ (UNESCO) beschäftigt und dabei diese Orte, wie sie selbst etwas umständlich schreiben "als soziale Kulturräume begriffen, welche weit über ihre Funktionen als Orte der Erinnerung oder Begegnungsräume hinausweisen. Handwerkliche Techniken und Praktiken werden auch als spezifisches Wissen berücksichtigt, welche diese 'Kulturform' erhalten und (neu)gestalten. Auch müssen sie als Abbilder pluralistischer Gesellschaft gelesen werden."
 
Während des Seminars haben die Studierenden Friedhöfe besucht und sind dabei unterschiedlichen Perspektiven nachgegangen. Die Ergebnisse haben sie unter dem vielleicht etwas zu hoch gegriffenen Titel einer Onlineausstellung im Internet veröffentlicht. Ihre Seminararbeiten verweisen dabei auf verschiedene Arbeitsbereiche des Faches, das einst als Volkskunde firmierte: Historisch geht es um so interessante Themen wie "Beinbrecher, Hexengitter, Laurentiusrost -Reste populären Glaubens historischer Alltagswelt?" und "Soldatenfriedhöfe - Besonderer Orte des Gedenkens am Beispiel des Uettinger Friedhofs". Eine kleine Anmerkung: Der Schreibfehler im Text wurde von der Internetseite übernommen und ist nicht der einzige auf den Seiten der Ausstellung. Auch die Grammatik ist leider nicht immer lupenrein. 
Bei dem Thema "Grabgestaltung im Wandel?" geht es nicht, wie zu vermuten wäre, um Grabmäler, sondern um die Verwendung von Schmuckelemten und Grababdeckungen auf Gräbern, während der Beitrag "Die Menschen, der Friedhof und die (un)gewollten Pflanzen. Der Hauptfriedhof Würzburg als Multi-Spezies-Raum" die Pflanzen in Augenschein nimmt. Eine andere Perspektive nimmt das Interview ein, das mit einer Bestattungsfachkraft geführt wurde. Der Beitrag heißt "Frauen im Bestattungswesen - Besonderer Orte des Gedenkens am Beispiel des Uettinger Friedhofs", wobei der Untertitel verwirrend ist, weil in Text und Bildern nur das augenblickliche Bestattungswesen und die Rolle der Frauen darin thematisiert wird.
Insgesamt aber geben die Arbeiten einen interessanten Einblick in die Vielfalt dieses Studienfaches und zeigen, wie die Studierenden sich mit ihren Theman auseinandersetzen. 


Bildnachweis: Abbildung eines Friedhofs mit Mauer und Beinbrecher in: Miracles de Nostre Dame von Jean Mielot. Bodleian Library MS. Douce 374, fol 15v,

Donnerstag, 8. August 2024

Förderprojekt "Mehr Grün auf dem Friedhof"

Cover der Broschüre zum Förderprojekt des Bezirks Unterfranken
Der Bezirksverband Unterfranken für Gartenbau und Landespflege e.V. ist nicht nur Mitveranstalter der Tagung "Friedhöfe neu denken" im Oktober dieses Jahres, sondern hat zum Thema "Mehr Grün auf dem Friedhof..." auch eine interessante Broschüre herausgegeben, mit der auf sein Förderprojekt zur Grünbepflanzung hingewiesen wird. Zugleich würdigt diese Publikation die Friedhöfe und die Friedhofskultur und spricht sich für ihre Erhaltung durch Wandel aus. 

Aufgelockert von einer Vielzahl von Farbabbildungen gehen die einzelnen Texte auf das Kulturgut Friedhof, den gesellschaftlichen Wandel und speziell die Transformationsprozesse für die Friedhöfe und damit auch die Chance für neue Bestattungsformen und Grünkonzepte ein. Am Ende wird das Förderprojekt und seine Zielsetzung vorgestellt. Gefördert werden mit einer Summe von maximal 500 Euro die gestalterische und ökologische Aufwertung von Freiflächen auf Friedhöfen speziell durch die Pflanzungen von Bäumen und Gehölzen. Die Friedhöfe werden bei der Planung und Umsetzung der Vorhaben durch fachliche Beratung sowie praktische Hilfestellung vor Ort unterstützt. Ausgewählt werden sollen vorrangig klimarobuste Gehölze, die den veränderten klimatischen Bedingungen besser gerecht werden. Zum Antrag auf diese Fördermittel gehört eine Kurzbeschreibung der Maßnahme sowie ein Angebot für das Pflanzenmaterial. 

Die Broschüre, sowie Förderrichtlinien und Antragsvordruck, sind sowohl im Druck wie im Netz veröffentlicht.

Sonntag, 4. August 2024

Tagung "Friedhöfe neu denken"

Blick auf den historischen Friedhof um die Schlosskirche in Bentheim (Foto Leisner)
Im Tagungs- und Kulturzentrum "Schüttbau" in Hofheim findet am 04.10.2024 und 05.10.2024 die Tagung "Friedhöfe neue denken statt, die sich an Personen aus der bayerischen Heimat- und Archivpflege und an Aktive im Ehrenamt, an die Kommunen, an Architekten und Architektinnen, Planer und Planerinnen sowie alle interessierten Bürgerinnen und Bürger richtet. Veranstalter sind der  Bezirk Unterfranken, Referat Kulturarbeit und Heimatpflege, und der Bayerische Landesverein für Heimatpflege e. V., unterstützt werden sie vom Archäologischen Spessartprojekt e. V. und dem Bezirksverband Unterfranken für Gartenbau und Landespflege e. V.

Als Hintergrund wird daran erinnert, dass Friedhöfe, "ob in der Stadt oder auf dem Land, ... in den letzten Jahren einem krassen Wandel unterworfen" sind: "Brachliegende Grabstellen prägen häufig ihr Aussehen. Immer mehr Menschen entscheiden sich für eine Urnenbestattung – sei es im Friedhof oder im Friedwald. Das fordert ein Umdenken bei der Gestaltung der Friedhöfe. Im Fokus steht dabei ebenso der ökologische Wert dieser grünen Oasen: Wie kann man Friedhöfe klimafest machen? Welche Möglichkeiten gibt es, ihre Bedeutung als Orte der Begegnung mit sich und anderen zu stärken? Nicht zuletzt sind Friedhöfe Archive in freier Natur mit historischen und neu errichteten Denkmälern."

Den Auftakt bildet nach der obligaten Begrüßung der Vortag von dem Geschäftsführer des Kuratoriums Immaterielles Erbe Friedhofskultur, Tobias Pehle, der den Kulturraum Friedhof und das Immaterielle
Erbe Friedhofskultur vorstellt. Außerdem wird das Thema aus den Perspektiven Theologie, Denkmalpflege, Ökologie und Bestattungswesen erörtert und es soll die Zukunft der Friedhöfe diskutiert werden.

Hier das genaue Programm:

Freitag, 3. Mai 2024

R.I.P. Die letzte Adresse - Tod und Bestattungskultur in Leipzig

Cover der Ausstellungsbroschüre
Im Stadtgeschichtlichen Museum in Leipzig findet zur Zeit - vom 20.3. bis 1.9.2024 - eine Sonderausstellung zu Tod und Bestattung in der eigenen Region statt. Dazu gibt es ein Begleitprogramm, bei dem neben Vorträgen, Musikdarbietungen zum Thema, auch Ausstellungs- und Friedhofsführungen angeboten werden.
 
Das Das Begleitbuch zu der Sonderausstellung geht auf die unterschiedlichen Aspekte der Bestattungskultur der Stadt näher ein. Doreen Zerbe, die sich schon in ihrer Dissertation mit den Denkmalen in der Stadtkirche Wittenberg als Zeugnisse lutherischer Memorialkultur befasst hat, zeichnet die Entwicklungsgeschichte der Leipziger Friedhöfe und der jeweiligen zeitgenössichen Bestattungskultur nach. Der folgene Beitrag geht auf die jüdischen Friedhöfe am Ort ein. Besonders interessant ist, dass die sozialistische Bestattungskultur in der Stadt in einem eigenen Kapitel thematisiert wird und ein weiteres speziell auf den Sozialistischen Ehrenhain auf dem Leipziger Südfriedhof eingeht. 

Die Themen „Menschen ohne Grabstein“, „Bestattung in einer globalisierten Welt“ und ein Interview mit einem Bestatter, sowie ein Hinweis auf die Paul-Benndorf-Gesellschaft zu Leipzig e.V., die sich der Erhaltung der Friedhofskultur verschrieben hat, runden das Buch ab. 

Zwischen den Beiträgen findet sich auf schwarzem Grund jeweils die Frage „Hätten Sie’s gewusst?“ und dazu werden kurze allgemeine Informationen zum Thema gegeben.    

Insgesamt ist es sehr zu begrüßen, dass gerade ein Stadtmuseum so ausführlich dieses besondere Thema bezogen auf die eigene Region untersucht und seinen Besuchern vorstellt. Ungewöhnlich ist dabei auch das Titelbild der Website, das ein Aquarell von Leipzigs erstem Bestattungsinstitut zeigt. 

                Screenshot der Ausstellungswebsite mit Aquarell des ersten Leipziger Beerdigungsinstitutes

 Allerdings würde ich die Aussage auf dieser Seite, dass heute der Tod weithin als größtes Tabuthema des modernen Menschen gilt, nicht unterschreiben.

R.I.P. – DIE LETZTE ADRESSE. Tod und Bestattungskultur in Leipzig. Begleitbuch zur gleichnamigen Sonderausstellung. Herausgegeben von Ulrike Dura, Anselm Hartinger, Steffen Poser im Auftrag der Stadt Leipzig. 2024 Leipzig, 119 Seiten, zahlr. Abb.

Montag, 19. Februar 2024

Der Friedhof als kommunales Erfolgsprojekt der Zukunft

Dieses von der Initiative „Raum für Trauer“ herausgegebene Buch verspricht im Titel, dass der Friedhof der Zukunft ein kommunales Erfolgsprojekt werden kann. Dafür wird zugleich "Theorie und Praxis für Entscheider" geliefert. Der ideelle Träger der Initiative ist die Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal e. V. in Kassel. Die Initialzündung dazu aber ist aus der Kunstgießerei Strassacker in Süßen gekommen, deren stellvertretender Geschäftsführer Günter Czasny das Projekt des "Campus Vivorum", um das es in diesem Buch geht, am Firmensitz ins Leben gerufen hat. Elf Autorinnen und Autoren aus unterschiedlichen mit dem Friedhof verbundenen Berufsfeldern stellen ihre Sicht auf die zukunftigen Räume der Trauer in insgesamt elf Beiträgen dar. Nach einem gemeinsamen Vorwort der Herausgeber geht es dabei um die Oberthemen "Friedhof und Gesellschaft", "Friedhof und Trauer", "Friedhof und Raum" und "Friedhof und Experimente".

Das Thema Trauer wird dabei von unterschiedlichen Seiten beleuchtet, wobei die Beiträge oft zu der in den letzten Jahren immer stärker hervorgehobenen Erkenntnis kommen, dass Trauer einen Ort braucht und dass Trauernde an diesem Ort, also am Grab, Trauerhandlungen durchführen möchten. Gemeint ist damit das Ablegen von Blumen und Gegenständen; das Gedenken an die oder den Verstorbenen, z.B. auch in Form von Bildern; die Aufstellung eines Grabsteins; das Schmücken und Pflegen der Grabstelle. 

Samstag, 4. November 2023

Die Trauerhaltestelle auf dem Ohlsdorfer Friedhof

Die Trauerhaltestelle – Ein Raum für Trauer, Video des Bundesverbandes deutscher Bestatter https://www.youtube.com/watch?v=766wS8s0lLQ; englische Fassung: Mourning Stop – A Space for Mourning

Seit Sommer 2021 steht auf dem Ohlsdorfer Friedhof die sogenannte Trauerhaltestelle; gedacht als Rückzugsort, an dem – obwohl öffentlich zugänglich – Menschen sich geborgen fühlen und in ihrer Trauer aktiv sein können. Zugleich sollen von diesem Ort neue Impulse für die Trauerkultur ausgehen. 

Wie dieser architektonisch offen gestaltete Raum innerhalb des Friedhofs von Menschen angenommen wird, zeigt jetzt ein Kurzfilm des Videokünstlers und Filmemachers Pavel Franzusov. Darin treten Menschen auf, die hier einen Raum für ihr ganz persönliches Gedenken gefunden haben. Durch das Hinterlassen von Botschaften und kleinen Erinnerungsstücken geben sie ihrer Trauer einen persönlichen Ausdruck. Offenbar ist dieser Raum besonders geeignet für Menschen, deren Angehörige fern von ihnen verstorben und begraben worden sind, die also kein Grab in ihrer Nähe haben um sich zu erinnern und zu trauern.

Außer den Trauernden wird auch Prof. Norbert Fischer interviewt, der die Offenheit des Raumes besonders hervorhebt. Dr. Simon J. Walter, Kulturbeauftragter in der Stiftung Deutsche Bestattungskultur, weist zusätzlich auf die Freiheit hin, die es den Besuchern und Trauernden ermöglicht eigene Rituale und Trauerhandlungen zu kreieren, wobei auch der Gegensatz zu den Beschränkungen mit anklingt, die es mancherorts auf Friedhöfen noch gibt.

In der Pressemitteilung zum Film heißt es dazu: „Die Trauerhaltestelle ist ein konkreter, niedrigschwelliger Zugang zu einer neuen und individuellen Trauerkultur. Die Akzeptanz und Selbstverständlichkeit, mit der die Menschen in Hamburg diesen Ort seit der Fertigstellung im Sommer 2021 im besten Sinne vereinnahmt und gestaltet haben, zeigt, wie gut das Konzept funktioniert. Die Trauerhaltestelle steht symbolisch für neue Wege und Möglichkeiten der Friedhofsgestaltung in Deutschland – und weltweit.“

Weitergehende Informationen gibt es auf diesen Seiten:  

https://www.stiftung-deutsche-bestattungskultur.de/projekte/trauerhaltestelle-hamburg/

https://www.friedhof2030.de/trauerhaltestelle/




Freitag, 6. Oktober 2023

Leipziger Spaziergänge - Südfriedhof

Cover des Buches zum Südfriedhof

Über die Grabstätten auf Leipziger Friedhöfen hat seinerzeit Alfred E. Otto Paul eine Reihe von Broschüren veröffentlicht (die auch in diesem Blog besprochen wurden), in denen er die beigesetzten Persönlichkeiten und die künstlerisch gestalteten Grabmale gewürdigt hat. 

Jetzt ist in der handlichen Reihe "Leipziger Spaziergänge" ein 136 Seiten starker Führer von der Autorin und Historikerin Doris Mundus erschienen, die zuletzt stellvertretende Direktorin des Stadtgeschichtlichen Museums in Leipzig war. Darin werden sieben Wege zu den besonders interessanten Grabstätten vor Ort beschrieben. Vorangestellt ist die Geschichte des 1888 eingeweihten Friedhofs und seiner ungewöhnlich großen Trauerhallenanlage. Es folgen die - nach ihrer Lage zusammengefassten - Kurzbeschreibungen von insgesamt 214 Grabstellen, die entweder an herausragende Persönlichkeiten erinnern oder sich durch eine künstlerisch besonders wertvolle Gestaltung auszeichnen. Jeder Text ist mit einem kleinen Bild der entsprechenden Grabstätte verbunden und den Spaziergängen ist jeweils ein nummerierter Plan vorangestellt, so dass man sich anhand der Beschreibungen leicht vor Ort orientieren kann. 

Eine ganze Reihe von Grabmalen werden außerdem ganzseitig abgebildet, so z.B. das große Grabmalrelief der Familien Lodde-Dodel, die zu den bedeutendsten Pelz- und Rauchwarenhändlern der Stadt gehörten. Ein Personenregister und ein Übersichtsplan über alle Spaziergänge schließen das informative Buch ab, das nicht nur als praktischer Friedhofsführer dienen, sondern zugleich eine solide Grundlage für weitergehende stadtgeschichtliche Forschungen bilden kann. 

Doris Mundus, Leipziger Spaziergänge - Südfriedhof, Lehmstedt Verlag, Leipzig 2022, 136 S., 250 Farbfotos, 1 Karte, 10,00 Euro

Freitag, 29. September 2023

"Zwischen:Welten"- Kunstausstellung auf dem evangelischen Friedhof Regensburg

Screenshot von der Webseite des ev. Zentralfriedhofs zur Kunstausstellung
Seit dem 11. Mai und noch bis zum 5. November 2023 ist auf dem evangelischen Zentralfriedhof in Regensburg die Kunstausstellung "Zwischen:Welten" von Martin Rosner zu erleben. 

Sie ist ein Teil der Veranstaltungen anlässlich des 125-jährigen Bestehens dieses Friedhofs. Allerdings konnte ich über weitere Veranstaltungen im Internet nur finden, dass es am 27.9.2023 einen Festakt zum Jubiläum und zur Einweihung des Gedenkortes für Sternenkinder auf dem Friedhof und dass eine Broschüre mit ausführlichen Informationen von Frau Bettina Bauer-Spandl mit dem Titel "Der Evangelische Zenralfriedhof in Regensburg" erschienen ist, die sowohl im Kirchengemeindeamt, als auch auf dem Friedhof selbst ausliegt.

Für seine Kunstausstellung hat der Regensburger Künstler über längere Zeit und in verschiedenen Jahreszeiten die Besonderheit dieses Friedhofs fotografisch erkundet. Dabei geht es ihm vor allem um Details, "die man oft übersieht und die mittels fotografischer Abstraktion sichtbar gemacht, verfremdet und in einen neuen Kontext gerückt werden." (aus dem Text der ELKB) Seine Werke sind in Schwarz-Weiß auf Acrylglasplatten gedruckt an zehn ausgewählten Orten auf dem Friedhof ausgestellt und treten dort in einen Dialog mit ihrer Umgebung. Dazu gibt es einen Lageplan der Fotos und einen Überblick über die Bilder.