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Montag, 15. August 2022

Online-Petition zur Rettung der Dresdener Friedhöfe

 

Zur Unterstützung des Erhalts der historischen Dresdener Friedhöfe wurde von den Friedhofsfreunden eine Online-Petition gestartet, die unbedingt noch Unterschriften bekommen sollte: https://www.openpetition.de/petition/online/retten-sie-die-historischen-dresdener-friedhoefe-vor-dem-verfall#petition-main

Freitag, 24. Januar 2020

Friedhöfe unter Denkmalschutz

Inzwischen ist im Internet die "Dokumentation zum 28. Kölner Gespräch zu Architektur und Denkmalpflege" veröffentlicht worden, auf die ich hier schon hingewiesen hatte. Zur Einführung gibt Kerstin Walter einen typologischen Überblick über die Friedhofsarten und weist darauf hin, dass die Vereinigung der Landesdenkmalpfleger eine Arbeitsgruppe beauftragt hat, im bundesweiten Austausch zwei Erfassungsbögen als empfehlenswerte Methode der Inventarisation zu erarbeiten – einen für Friedhofsanlagen und einen für Grabmale. Eine Handreichung zur Erfassung und die Bögen kann man inzwischen aus dem Netz herunterladen (Handreichung; Erfassungsbogen Friedhöfe, Erfassungsbogen Grabstätte)

Im ersten Themenblock über die Grundlagen hat der Leiter des Kasseler Sepulkralmuseums Dirk Pörschmann über "Entwicklungen und Veränderungen in der Bestattungskultur" referiert. Antje Clausmeyer stellt, bezogen auf Nordrheinwestfahlen, rechtliche Möglichkeiten der Unterschutzstellung von Friedhöfen und ihre Folgen für die praktische Denkmalpflege in den Mittelpunkt ihrer Ausführungen, während Jörg Deter das Friedhofsentwicklungskonzept für die Stadt Düsseldorf erläutert und Heike Blondin am Beispiel Krefeld feststellt, dass Friedhöfe sowohl in Bezug auf ihre Funktionen, wie auf neue Friedhofsträger in Konkurrenz zu den bisherigen und damit in Bezug auf ihre Finanzierung an einen Wendepunkt stehen.

Freitag, 12. Mai 2017

Tagungsbericht: Ohlsdorf 2050 - Nachhaltige Friedhofsentwicklung


Vortrag von Prof. Dr. Gabriele Dolff-Bonekämper
Gartenarchitekten, Friedhofsverwalter, Gärtner, ebenso wie Historiker und Denkmalpfleger kamen auf dem Ohlsdorfer Friedhof, um sich über die Friedhofentwicklung und speziell die aktuellen Planungen für die Ohlsdorf zu informieren. Die international angelegte Tagung fand im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie "Ohlsdorf 2050" statt und war mit etwa hundert Teilnehmern sehr gut besucht. Gefördert wird die Zukunftsstrategie vom Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“. Modelle für eine angepasste und nachhaltige Friedhofspflege sollen dabei erarbeitet und eine dauerhafte Finanzierbarkeit gesichert werden. Außerdem besteht die Vorgabe wirtschaftliche und umweltrelevante Ziele sowie Denkmalpflege und kulturelle Anforderungen zusammenzuführen, so dass die Ergebnisse auf andere Friedhöfe übertragbar sind.

In den Begrüßungsansprachen wurde betont, dass es nicht nur um die Bewahrung von Grünflächen für die Zukunft und die Verstetigung des bürgerschaftlichen Engagements geht, sondern auch darum Konfliktpotentiale zwischen unterschiedlichen Nutzungsansprüchen zu erkennen. Dreh- und Angelpunkt ist dabei die Frage: Was sind Friedhöfe heute? Einige Antworten ergaben die anschließenden Vorträge, die in die vier Bereiche „Friedhöfe als kulturhistorische Orte“, „Zukünftige Friedhöfe“, „Erinnerung und Trauer verändern sich“ und „Aufbruch in Ohlsdorf“ gegliedert waren.

Mittwoch, 22. Juni 2016

Denkmalschutz auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg - Ohlsdorf 2050

Ausschnitt aus dem Plan des Ohlsdorfer
Friedhofes, mit Einzeichnung der erhaltens-
werten Grabmale, farblich nach Zeitperioden
gekennezeichnet.  
Am 17.6. war ich zusammen mit Vertretern des Vorstandes des Ohlsdorfer Förderkreises und weiteren ExpertInnen zur Anhörung des Kulturausschusses der Hamburger Bürgerschaft eingeladen. Thema war der Denkmalschutz auf dem Ohlsdorfer Friedhof und besonders die Frage der Erhaltung der Grabmale aus den 50er - 80er Jahren. 

Zum Thema Denkmalschutz auf Ohsldorf habe ich schon in der Zeitschrift des Förderkreises einen längeren Beitrag geschrieben. Für die Anhörung habe ich eine Präsentation zum Thema erhaltenswerte Grabmale zusammengestellt. Auswahlkriterien für ihre Einschätzung waren im Rahmen des Forschungsprojektes der VW-Stiftung und des Denkmalschuztamtes (1981 bis 1986) ausgearbeitet worden. Aufgrund dieser Kriterien war eine Auswahl aus der fast unübersehbaren Menge der Grabmale auf diesem größten Friedhof Europas getroffen worden. Über diesen Link kann man die Präsentation herunterladen.

Der Förderkreis hat außerdem eine Liste von Kriterien zur Auswahl erhaltenswerter Grabmale aus der Zeit nach 1950 zusammengestellt. Der Grund dafür ist, dass im Forschungsprojekt der1980er Jahre bei seiner Endauswahl nur Grabmale bis 1950 berücksichtigen konnte. Jetzt werden die Grabmale aus den 1950-1980er Jahren in großer Zahl abgeräumt. Zudem hat man mit dem Projekt Ohlsdorf 2050 eine groß angelegte Diskussion über den zukünftigen Umgang mit dem Friedhof eröffnet. 

Aus Sorge umd die Erhaltung der Grabmale aus der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg hat sich der Förderkreis - besonders ist da Frau Dr. Christine Behrens zu nennen - sehr aktiv in den Prozess der Grabmalabräumung eingeschaltet. Dieser Sorge ist es auch zu verdanken, dass sich jetzt der Kulturausschuss der Hamburger Bürgerschaft intensiv mit diesem Thema befasst. Man darf gespannt sein, wie es mit Ohlsdorf 2050 weiter geht.    




Donnerstag, 21. Januar 2016

"Neues" altes Denkmal im Lindenpark in Rostock

M
Soldatenfriedhof 1870/71 in Rostock, Figur
von Bildhauer Ludwig Brunow,
Denkmal 1978 zerstört (Quelle) 
Der Alte Friedhof in Rostock wurde schon im Jahr 1980 zum "Lindenpark". Doch offenbar wollen die Rostocker nicht vergessen, dass 1831 an dieser Stelle der erste städtische Friedhof außerhalb der Stadtmauern angelegt worden war. Noch immer ist die Fläche unter dem Namen Alter Friedhof bekannt.

Dort war noch bis ins Jahr 1959 beerdigt worden. Erst danach verlor der Friedhof immer mehr an Bedeutung und Substanz. Mit der Zeit verfielen nicht nur die Kapellenbauten bekannter Rostocker Familien. Ab 1978/79 räumte man auf und riß dabei auch diese Kapellen ab. Der Friedhof sollte zu einem Wohngebietspark umgestaltet werden. Allerdings wurde die Planung nur teilweise umgesetzt. 1984 wurde dann die Fläche „einschließlich verbliebener Objekte des früheren Friedhofes“ unter Denkmalschutz gestellt. Der benachbarte ehemalige Jüdische Friedhof war sogar schon 1978 in seiner gesamten Anlage "mit Mahnmal mit allen Grabsteinen“ zum Denkmal erklärt worden und besteht noch heute in seiner geschlossenen Form. Doch auch nach der Wende setzte sich die Vernachlässigung fort. Vandalismus herrschte und Bäume und Büsche waren dem Wildwuchs überlassen.

Im Jahr 2010 wurde dann für den Lindenpark eine denkmalpflegerische Zielstellung entwickelt, die auf historischer Recherche und einer Bestandsanalyse basierte. Konsequent wird dort u.a. festgelegt, dass alle gepflanzten und gebauten Zeugnisse der Friedhofsgeschichte, also Alleen, Wegenetz, Grabkapelle, Grabsteine u.a. zu erhalten sind und Eingriffe in vorhandene Strukturen der Friedhofsanlage, einschließlich der Grabanlagen oder ihrer Überreste, nicht erlaubt sind. Grabsteine und Grabzubehör, das sich nicht mehr am Originalstandort befindet, sollten Aufbewahrungs- und Präsentationsmöglichkeiten geschaffen werden. Alle noch vorhandenen Alleen sollten im Bestand erhalten und gepflegt werden. Außerdem sollte die Geschichte der Anlage durch geeignete Informationsmöglichkeiten kenntlich gemacht und der Lindenpark als Gartendenkmal herausgestellt werden. Tatsächlich sind es besonders die stattlichen Lindenalleen mit bis ihren zu 170 Jahre alten Bäumen, die den botanischen Reiz der Anlage ausmachen.

Ein Jahr zuvor hatte sich der Verschönerungs-Verein zu Rostock e.V. gegründet. Er wird seit seiner Gründung von dem Garten- und Landschaftsarchitekten Hannes Rother geleitet, der auch die denkmalpflegerische Zielstellung entwickelt hat. Inzwischen hat sich in Rostock ein gewisses Bewusstsein dafür entwickelt, dass man mit dem Lindenpark ein botanisches und kulturhistorisches Juwel besitzt. 

Der Verschönerungs-Verein selbst lädt alljährlich zum Arbeitseinsatz ein um den Friedhofspark in Ordnung zu halten. Daran nehmen immer mehr Bürger aus der näheren Umgebung aber auch von weiter weg teil. Auch im letzten Oktober waren pakcten sie wieder packten fleißig mit an. Nach getaner Arbeit warteten übrigens auf dem Bauhof des Grünamtes im hinteren Teil des Parks schon traditionell Bratwurst, Salat und Bier auf sie! 

Der Verein erforscht außerdem die Geschichte einzelner Grabstellen. pflegt die Grabsteine bedeutender Rostocker Familien, bietet Führungen durch den Park an und kümmert sich um die Erhaltung von Grabmalen und Grabstätten. Ihm ist es auch zu verdanken, dass die beiden fast vergessene Kriegsgräberstätten für im Lazarett verstorbene Soldaten des deutsch-französische Krieges von 1870/1871 nicht verloren gegangen sind.
Einweihungszeremonie für die beiden Denkmäler an den Krieg 1870/71 (Foto Hannes Rother)

Sie bestanden einst aus zwei Bereichen, der eine mit einen großen Denkmal für die deutschen Gefallenen mit einem Trauerengel und der andere mit einer Stele mit Namenstafel für die Franzosen. Der Engel verschwand zu DDR-Zeiten, die Stele blieb - allerdings ohne ihre die Namen - erhalten. Der Verschönerungs-Verein 2013 den Anstoß gab eine neue Gedenkstätte einzurichten, konnte er die Jahresköste der Rostocker Kaufmannschaft gewinnen, das Projekt mit dreißigtausend Euro zu unterstützen. Im November 2014 begann das Grünamt der Hansestadt mit der Rekonstruktion und am 9. Oktober 2015 fand die offizielle Einweihung statt, an der auch der Militärattachés der Botschaft der Republik Frankreich teilnahm. Zwei Stelen, eine aus Granit, eine aus Stahl, deuten heute den ehemaligen Eingang zum alten Friedhof an. An einer der beiden Stelen sind die Namen der 12 französischen und 26 deutschen Soldaten zu lesen, in alphabethischer Reihefolge. Wenigsten an dieser Stelle macht es keinen Unterschied mehr, welcher Nation die Toten einstmals angehörten. Ein Mahnmal dafür, das Krieg immer sinnlos ist, wie der Oberbürgermeister Rostocks in seiner Rede bestonte.

(Vgl. dazu auch das Interview mit Hannes Rother vom 13.10.2015 auf "Das war Rostock") 

Dienstag, 18. August 2015

Friedhof und Grabmal - Geschichte, Gestaltung und Bedeutungswandel

Friedhof und Grabmal, Inhaltsangabe

Der fünfte Band der Schriftenreie des Bayrischen Landesvereins für Heimatpflege e.V. widmet sich dem Thema Friedhof und Grabmal mit einem großformatigen Buch, in dem Beiträge von insgesamt 30 Autoren unterschiedlicher Fachrichtungen versammelt sind. Gegliedert sind die unterschiedlichen Texte - nach Vorwort und Einleitung mit dem Titel "Tod und Gesellschaft" - in die Themen "Historisches", "Forschen, Dokumentieren, Retten" "Gegenwart und Zunkunft", wobei die Themenbereiche auch optisch durch ganzfarbige Zwischenseiten mit den Titel deutlich voneinander abgetrennt sind. Insgesamt ist der Band sehr reich und farbig bebildert, so dass das Lesen der relativ knappen Beiträge immer wieder durch das Betrachten der dazu passenden Bilder unterbrochen werden kann.

Besonderes Vergnügen hat mir persönlich dabei gleich die Einleitung des Pastoralreferenten Benno Littger gemacht, die den "Wandel" und die "Ungleichzeitigkeiten" in der heutigen Trauerkultur thematisiert, ist sie doch von einer Reihe sehr schlagkräftiger Karikaturen begleitet.

Friedhof und Grabmal, S. 11, Text in der Sprechblase:
"Auf Facebook soll er viele Freunde gehabt haben."
Eindrucksvoll ist auch die darauf folgende historische Fotoreise durch Bayern, in der Bilder Bayrischer Friedhöfe aus den Jahren zwischen 1895 und 1956 zusammengestellt sind. Nicht alle Friedhöfe waren einheitlich mit Schmiedeeisen- oder Holzkreuzen in gleichem Format besetzt, wie es manche Friedhofsreformer glauben machen wollten! Gleich danach wird von Andrea Kluxen auf zwölf Seiten die Grabmalentwicklung vom Mittelalter bis in die Gegenwart dargestellt, was notwendigerweise zu starken Verkürzungen führt. Neu für mich war dabei der Hinweis auf den Friedhof der Kirchengemeinde Segringen, auf dem seit dem 19. Jahrhundert einheitliche, schwarze Holzkreuze mit vergoldeten Schnitzereien aufgestellt werden. Dieselbe Autorin gibt in dem darauf folgenden Beitrag auch einen Überblick über Friedhofsbauten, die von den Mauern über Torhäuser, Beinhäuser, Gruftarkaden auch Friedhofskanzeln und moderne Urnenaufbauten oder -hallen einschließen. Weitere Beiträge dieses Themenkreises beschäftigen sich mit den fremden Friedhofskulturen in Bayern, worunter zunächst die Friedhöfe der Juden, sovie der Evanglischen Christen, Glaubensflüchtlinge und Freidenker zu verstehen sind, bevor die relativ neue muslimische und die buddhistische Bestattung - nicht nur in Bayern - thematisiert werden. Die jüdische Bestattungs- und Friedhofskultur speziell in Bayern wird dann in zwei weiteren Beiträgen noch einmal aufgenommen.

Mittwoch, 17. Juni 2015

Tagungsbericht "Historische Friedhöfe"

Diese Tagung war - wenn ich das als Mitorganisatorin sagen darf - sehr erfolgreich. Es gab über 100 Anmeldungen, so dass die Letzten sogar nicht mehr berücksichtigt werden konnten. Wer schon einmal in Sepulkralmuseum in Kassel eine Tagung mitgemacht hat, erinnert sich vielleicht, dass die Lichtverhältnisse für Projektionen dort nicht günstig sind, um es wohlwollend auszudrücken. Diesmal aber stand die Leinwand besser zum Licht und ein neuer, stärkerer Beamer ließ die Bilder deutlich hervortreten. Und das Wichtigste: Die Mischung von Vortragenden und Teilnehmern war interessant. An beiden Tagen kamen Menschen zusammen, die aus ganz verschiedenen Gründen an der Erhaltung historischer Friedhöfe interessiert waren. Sie kamen sowohl aus der Denkmalpflege, wie aus den Friedhofsverwaltungen, aus dem bürgerschaftlichen Engagement, der Gartenarchitektur und der Wissenschaft und diskutieren nach den Vorträgen lebhaft. Natürlich war der Tenor nicht zu überhören, dass es bei der Erhaltung historischer Friedhöfe und ihrer Grabmale meistens am Geld mangelt. Aber zugleich wurden viele Ideen und Prasxiserfahrungen über den erfolgreichen Einsatz für dieses Kulturgut vorgeführt und ausgetauscht.

Ich versuche einmal kurz zusammenzufassen, worum es in den Vorträgen so ungefähr ging und hangele mich dabei an dem Programm entlang, dass der Ankündigung fast vollständig entsprach.

Neuer Begräbnisplatz Dessau, Friedhofsportal,
Zustand 2007, zur Zeit ist der Putz abgeschlagen
und die Figuren sind entfernt. Wann und ob die Restaurierung
fertig gestellt wird, ist nicht bekannt (aus Wikipedia
CC BY-SA 3.0 Hochgeladen von M H.DE Erstellt: 2. April 2007
In seiner Begrüßung führte Prof. Reiner Sörries vom Kasseler Sepulkralmuseum in das Thema der Tagung ein, indem er auf die Bedeutung der Toranlagen historischer Friedhöfe hinwies und dabei besonders die stückweise Restaurierung des Torgebäudes von Dessau bemängelte, immerhin eine der bedeutendsten deutschen Friedhofsanlagen. Seine Bilder zeigten den traurigen Zustand dieses Gebäudes, das zwar von seinem schädlichen Verputz befreit worden ist, dem aber jeglicher Figurenschmuck fehlt, dessen Inschriften kaum lesbar sind und dessen Nebengebäude verrotten. Mit dem Bild eines Engels auf einem Türgriff, dem die Worte "Gehet in Frieden" eingeschrieben waren, wünschte er dann der Tagung gutes Gelingen.

Dr. Inge Gotzmann vom BHU moderierte den ersten Vortragsblock, der mit "Engagement und Umgang mit historischen Friedhöfen" überschrieben war.

In seiner Keynote über den Friedhof in der Landschaft definierte Prof. Hansjörg Küster die Grundlagen der Friedhöfe als stets vom Ort und von der Religion bestimmt, während er den Begriff "Landschaft" mit den drei Aspekten "Natur", "Kultur" und "Idee" verband. Natur steht für das, was wächst und vergeht, und Kultur für das, was der Mensch in der Natur und als Teil der Natur erschafft, während Idee als die zugrundelegende Vorstellung gedacht ist.

Freitag, 22. Mai 2015

Umgang mit alten Friedhöfen

Titelseite der Ohlsdorf-Zeitschrift Nr. 129
Die Tagung "Historische Friedhöfe" in Kassel vom 12. – 13. Juni 2015 wirft ihre Schatten voraus. Der Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof e.V. nimmt jetzt mit dem Schwerpunktthema "Umgang mit alten Friedhöfen" in seiner "Zeitschrift für Trauerkultur" darauf Bezug. Drei Beiträge beschäftigen sich mit verschiedenen Aspekten: Helmut Schoenfeld beleuchtet die Herkunft der Ohlsdorfer Anlage; Sylvina Zander stellt den historischen Friedhof zu Horst und seine Grabsteine vor und ich habe über "Alte Grabmale - moderne Medien" geschrieben. Dazu gibt es noch eine ganze Reihe von kleineren Beiträgen, die man alle wie immer online oder in gedruckter Form nachlesen kann.

Zu bestellen ist die gedruckte Form beim Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof e.V., Fuhlsbüttler Strasse 756, 22337 Hamburg, Telefon: 040 / 50 05 33 87 | E-Mail: info@fof-ohlsdorf.de

Montag, 8. Dezember 2014

Der Hoppenlaufriedhof in Stuttgart wird saniert!

Eingang zum Hoppenlaufriedhof (Foto Leisner 2009)
Das ist eine Rettung in letzter Minute! Die im letzten Jahrhundert restaurierten und dabei mit Kunstharz an der Außenhaut gefestigten Grabmale zeigen schwere Verfallserscheinungen. Im letzten Jahr schon hat sich beim Schwäbischen Heimatbund ein Arbeitskreis Stuttgarter Hoppenlaufriedhof gegründet und mit einem Flyer um Spenden geworben.

Samstag, 22. November 2014

Projekt Ohlsdorf 2050

Wow! Wenn das keine tolle Nachricht ist:
Grabmal Eckler in der Nähe des
Eingangs des Ohlsdorfer Friedhofs
Der Ohlsdorfer Friedhof informiert, dass das Bundesbauministerium im Rahmen des Bundesprogramms „Nationale Projekte des Städtebaus“  die „nachhaltige Sicherung und Entwicklung des weltgrößten Parkfriedhofs als bedeutende denkmalgeschützte Gartenanlage“ mit 2 Millionen Euro fördert. Weiter heißt es in der Pressemitteilung:

"Schwerpunkte der Förderung sind Denkmalensembles, bauliche Kulturgüter von nationalem Rang, energetische Maßnahmen und das Stadtgrün. Insgesamt werden im Rahmen des Bundesprogramms 50 Millionen Euro bereitgestellt. Die Förderung stellt das einzige geförderte Projekt in Hamburg dar, die übrigen Mittel entfallen auf die anderen Bundesländer.
Die Förderung, eingeworben von der Hamburger Friedhöfe -AöR- und der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt, erfolgt für die Jahre 2015 bis 2018. Weitere Projektkosten in Höhe von einer Million Euro werden von der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt, der Hamburger Friedhöfe -AöR- sowie dem Denkmalschutzamt getragen. Der Anteil der Hamburger Friedhöfe -AöR- beträgt bis 2018 160.000 Euro.
Im Einzelnen werden die Mittel eingesetzt für:
-  Nutzung und Gestaltung der Parkanlage und des Friedhofs,
-  Erhaltung und Pflege von Gebäuden und Infrastruktur,
-  denkmalgerechte Sanierung und Weiterentwicklung von Grünflächen,
- einen Ideenwettbewerb mit Preisverleihung zu neuen Erholungsformen,
- die Kommunikation des Projektes in Abstimmung mit  der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt.
Projekt- und Bereichsleiter Rainer Wirz dazu: 'Der Ohlsdorfer Friedhof wird bundesweit als beispielhaft wahrgenommen, insbesondere, wie es immer wieder gelungen ist, seinen grünen und kulturellen Reichtum zum Nutzen für alle Hamburgerinnen und Hamburger zu bewahren. Für den Friedhof eröffnet sich mit der Förderung durch das Bundesbauministerium die Perspektive einer langfristigen und visionären Entwicklung.' "


Montag, 19. Mai 2014

Cemetery Resource Protection Training (CRPT) Conference

Auch anderswo auf der Welt interessieren sich Menschen für historische Friedhöfe und wollen sie erhalten. Mir fiel dieser Hinweis auf die erste Konferenz/Workshop zur Erhaltung von Friedhofskultur in Florida auf. Am 3. und 4. Juni 2014 werden in Gainesville Experten für historische Friedhöfe und andere Leute, die sich mit Friedhofserhaltung befassen, Vorträge halten und Workshops leiten. Die Tagung wird vom "Florida Public Archaeology Network" veranstaltet in Kooperation mit der Stadt Gainesville und der "Historic Evergreen Cemetery Association". Wer sich für die Tagung näher interessiert findet das Programm hier.

Mittwoch, 30. Oktober 2013

Eine Stiftung zur Erhaltung des Horster Friedhofes in Stade

Im Februar dieses Jahres wurde in Stade die gemeinnützige "Siegel-Stiftung für den Horstfriedhof Stade" ins Leben gerufen. Mit einem Startkapital von 100 000 Euro - die Hälfte des Geldes kommt vom Gesamtverband der evangelisch-lutherischen Kirchen in Stade, die andere stiftet der Ideengeber Dr. Arnd Siegel (75) - soll sie sich um den Erhalt des Stader Horstfriedhofs mit seinen historischen Grabmalen kümmern. Arnd Siegel, ein Hamburger Chirurg im Ruhestand, stammt aus der bekannten Stader Ärzte- und Klavierfabrikanten-Dynastie Siegel, die insgesamt drei Familiengräber auf dem Horstfriedhof besitzt.

Der sieben Hektar große Friedhof mit seinen mehr als 6000 Grabstellen aus unterschiedlichen Epochen der Begräbniskultur wurde 1789 eingeweiht. Mit den Mitteln der neuen Stiftung sollen kulturhistorisch wertvolle Gräber, für die es keine Nachkommen gibt, erhalten und ältere Grabsteine (der älteste Stein ist von 1799) gepflegt werden.

Arnd Siegel selbst hat ein Buch zur Geschichte des Friedhofs mit dem Titel „Der Horstfriedhof
– Ein Spiegel für Stader Bürgerleben“ herausgegeben (Für 9,50 Euro ist es bei der Stader Buchhandlung Schaumburg erhältlich). Zahlreiche Abbildungen zeigen darin den reichen Bestand an alten Kalksandsteinen mit klassizistischen Symbolen, wie der Sanduhr mit Engelsflügeln oder dem Schmetterling. Als erstes will sich die Stiftung voraussichtlich um die zahlreichen verwitterten Sandsteingrabsteine kümmern. 

Man kann die Stiftung mit Zustiftungen und Spenden unterstützen (Einfach den Betrag auf das Konto des Kirchenamtes - Kontonr.: 8094 bei der Sparkasse Stade-Altes Land, Stichwort "Siegelstiftung" - überweisen).

Dienstag, 15. Oktober 2013

Fachsymposium: Das Gedächtnis einer Stadt pflegen – Denkmal historischer Friedhof

Am 31. Oktober findet in Osnabrück das 2. Fachsymposium statt, in dem das - vom DBU geförderten - Forschungsprojekt zur Erhaltung des Hase- und Johannisfriedhofs vorgestellt wird. (Über das Projekt wurde schon in diesem Blog berichtet.)
Ziel ist die schrittweise Umwandlung von historischen Friedhöfen in Parks mit Friedhofscharakter durch Denkmalpflege, Grünplanung und Naturschutz fachlich zu begleiten und eine langfristige Finanzierung zu sichern. Expertenvorträge und Workshops widmen sich Themen wie der Frage nach der Finanzierung der Anlagen ohne Gebühreneinnahmen; den möglichen Konflikten zwischen Denkmalschutz, Naturschutz und Freiraumplanung; der Nutzung von aufgelassenen Friedhöfen ohne, dass ihr Charakter verändert oder ihre Substanz gefährdet wird; der Entwicklung von erfolgreichen Projekte zur Umsetzung einer solchen Art der Erhaltung, z.B. durch die Gewinnung neuer Nutzergruppen unter Berücksichtung des "Kerngedankens der Kontemplation und der Stille". 

Damit ist die Veranstaltung für alle interessant, die sich mit dem Thema der Erhaltung  und Nutzung historischer Friedhöfe auseinandersetzen. 

Donnerstag, 27. Juni 2013

Zum Umgang mit historischen Friedhöfen in Russland

Seitdem ich mich über die Friedhöfe in Tula informiert habe, stehe ich offenbar auf einer E-mail-Liste des Verbandes Russischer Beerdigungs- und Krematoriumsunternehmer. So habe ich auch eine Einladung mit dem Programm der Tagung und der Hauptversammlung der Union der Begräbnis- und Krematoriumsorganisationen (SPOC) erhalten, die vom 4. bis 6. Juli in St. Petersburg stattfinden. Nun gehört das Beerdigungsgeschäft in Russland eigentlich nicht wirklich zu meinen Hauptinteressen, aber neugierig, wie ich nun einmal bin, habe ich mir das Programm vom Google-Übersetzer denn doch einmal ins Deutsche übertragen lassen.

Grabmal des Kanzlers Nesselrode
auf dem Smolensker lutheraischem Friedhof
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license Foto: Vitold Muratov.
Da geht es um professionelle Standards und staatliche Dekrete, aber auch um die Krise der Beerdigungs-industrie in Russland und "Die Zukunft der Bestattungskultur". In Workshops werden dann unter anderem "Aktuelle Probleme der Organisation der Friedhöfe", regionale und internationale Erfahrungen mit der Organisation von Friedhöfen und Probleme der ehemaligen Grabstätten, sowie um eine Analyse des Denkmalmarktes und die Ergebnisse einer Bestandsaufnahme der Friedhöfe der Stadt Ulyanovosk behandelt; der Stadt, in der Lenin geboren wurde.

Ich habe im Internet gesucht und gefunden, dass es in dieser Stadt mindestens einen aktiven Historiker gibt, der sich auch für Friedhöfe interessiert. Vyatcheslav Nikolayevitch Ilyin hat 2001 ein Buch über "Kirchen und Friedhöfe in Ulyanovosk" herausgegeben. Möglicherweise ist er die treibende Kraft hinter dieser Bestandsaufnahme. 

Abends besuchen die Teilnehmer den Serafim-Friedhof, auf dem auch die Toten der deutschen Belagerung St. Petersburgs im 2. Weltkrieg bestattet sind. Weitere Besuche führen am letzten Tag zum Alexander-Newski-Kloster mit seiner Nekropole aus dem XVIII. Jahrhundert, zur Nekropole der Künstler, zum orthodoxen Friedhof von Smolensk mit der Kapelle der Heiligen  Xenia, sowie zu dem lutherischen und dem armenischen Friedhof dieser Stadt, die zusammen mit orthodoxen Friedhof auf der Dekabristen-Insel liegen.

Der lutherische Friedhof ist einer der größten und ältesten nicht-orthodoxen Friedhöfe der Stadt. Bis in das frühe 20. Jahrhundert war er einer der wichtigsten Bestattungsplätze der deutschen Bevölkerung. Darauf, dass es dort Probleme gibt, weist eine kurze Nachricht auf der Website der oben genannten Organisation hin: Man glaubt es kaum, aber auf diesem berühmten Friedhof, dessen Ursprünge aus dem 12. Jahrhundert stammen, soll gerade ein Hotel errichtet werden! Der Friedhof ist heute aufgelassen, aber es sind noch Grabsteine mit Inschriften erhalten. Allerdings macht der Ort einen deprimierenden Eindruck. Eine russische Zeitung schreibt, dass er Obdachlosen und Liebhabern von Picknicks als Aufenthaltsort dient, wobei besonders die letzteren offenbar ihren Müll überall herum liegen lassen.

Immerhin scheint sich an diesem Bebauungsplan ein Konflikt zu entzünden. Vielleicht setzen sich ja auch die Beerdigungsunternehmer und Krematoriumsbetreiber nach ihrem Besuch für die Erhaltung dieses und anderer historischer Friedhöfe in Russland ein.