Dienstag, 17. Juli 2018

Erinnerungslandschaften - Friedhöfe als kulturelles Gedächtnis

Cover des Buches "Erinnerungs-landschaften"
Aleida Assmann erhält in diesem Jahr zusammen mit ihrem Mann Jan Assman den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Da ihr Forschungsschwerpunkt seit den 1990er Jahren insbesondere auf den Themen kulturelles Gedächtnis, Erinnerung und Vergessen liegt, hat ihre Arbeit auch die Beiträge stark beeinflusst, die 2015 auf Tagung "Funerale 5" in Rostock gehalten worden sind. Entsprechend häufig wird sie in dem im Titel genannten Buch zitiert, in dem die Vorträge der Tagung inzwischen publiziert worden sind.

Schon in der Einführung der beiden Herausgeber Thomas Klie und Sieglinde Sparre werden die Friedhöfe in ihrer Zwitterform als "Trauerorte und langlebige Biotope des regionalen Gedächtnisses" benannt. Damit weisen die beiden Autoren auch auf eine Grundlage dieser besonderen Orte im gesellschaftlichen Lebensraum hin, die nicht immer von allen Akteuren gesehen wird: Verstorbene und ihre letzten Ruhestätten gehören nicht nur ihren Angehörigen, sondern sind auch Teil des kollektiven Gedächtnisses. Auf Friedhöfen vermischen sich "Privates und Öffentliches, individuelle Grabstelle und öffentlicher Raum". Damit nimmt das kulturelle Gedächtnis dort eine räumliche Gestalt an, die durch das Aufsuchen eines bestimmten Platzes (Grabes) oder durch das Durchwandern erfahren werden kann. So war denn auch das Anliegen dieser Tagung den Kirchen und Kommunen als Friedhofsträgern und Erinnerungsgemeinschaften ein Diskussionsforum darüber zu eröffnen, wie öffentliches und privates Gedenken in eine sinnvolle Gestalt gebracht werden können. Gleichzeitig sollte diese Diskussion interdisziplinär an den Wissenschaftsdiskurs angeschlossen werden. 

Zusammengekommen sind Beiträge, die nicht nur den Friedhof sondern auch andere Räume des Todes aus sehr unterschiedlichen Perspektiven beleuchten. Als erstes zeigt Ulrike Wagner-Rau in praktisch-theologischer Perspektive die unterschiedlichen Räume auf, die der Tote auf seinem Weg zur "ewigen" Ruhe durchmisst (nur als Anmerkung: die ewige Ruhe ist auf christlichen Friedhöfen ebenso befristet wie auf kommunalen Begräbnisplätzen!). Ihr geht es dabei nicht vorrangig um das kulturelle Gedächtnis, sondern auf die psychologische Bedeutung der verschiedenen Orte für die Trauerarbeit. Norbert Fischer wirft einen Blick auf die Kulturgeschichte des Friedhofes bis in die Gegenwart hinein und interpretiert den Friedhof als Landschaftsraum, der immer wieder von Neuem mit Bedeutung versehen wird. Annette Dogerloh verweist "auf einige ungewöhnliche Varianten und Ansätze" der Friedhofskultur um 1800. Dabei geht es ihr um wegweisende Lösungsversuche im Spannungsfeld zwischen individuellem und kollektiven Totengedenken und dem damaligen Umgang mit "Natur". Birgit Franz und Georg Maybaum gehen auf denkmalpflegerische und bau-kulturelle Aspekte der Gegenwart ein, verbunden mit der Beziehungsarbeit des Erinnerns, die ihrer Ansicht nach verlässliche Orte braucht. Antje Mickan deutet typische räumliche Charakteristiken und Ordnungen öffentlicher Grabangebote semiotisch und plädiert dafür die Gedächtnis- und Erinnerungsfunktion von Räumen, die in ritueller Praxis bei Bestattungsfeiern konstituiert werden, weiter zu erforschen. Von der anderen Seite her untersucht Sieglinde Sparre den Übergang vom kommunikativen ins kulturelle Gedächtnis an verschiedenen Bestattungsformen, wie z.B. dem anonymen und dem halb-anonymen Urnengrab. Thorsten Benkel und Matthias Meitzler nähern sich aus soziologischer Perspektive dem Erinnerungsraum Friedhof und fragen zum einen, was genau erinnert wird, beziehungsweise zum anderen wie die Form der Erinnerung - am Beispiel der Fotografie auf Grabmalen - aussieht. 

Während dies Beiträge sich alle mehr oder weniger auf Bestattungsorte im realen Raum beziehen, weitet sich der Blick mit dem Beitrag von Anne-Katrin Hillebrand auf Übergänge und Überlagerungen des individuellen und des kulturellen Gedächtnisses, die in literarischen Räumen zu finden sind. Nach diesem Text findet sich sofort wieder ein inhaltlicher Sprung hin zu einer Perspektive, die das kollektive Gedächtnis fast ganz außer Acht lässt, wenn David Roth - bekannt durch den ersten privaten Friedhof in Deutschland - fordert, dass Friedhöfe für Angehörige Orte sein müssen, die ihnen alle Möglichkeiten der Gestaltung offen lassen. 

Ein weiteres Thema führen Anja Kretschmer und Michael Wolf ein, die aus unterschiedlichen Blickwinkeln zeigen, wie "Erinnerungslandschaften unter den Bedingungen enttraditionalisierter Lagen kultur-bzw. religionspädagogisch inszeniert werden können". Beide stellen ihre jeweils spezifische Art vor, durch Führungen die kulturelle beziehungsweise theologische Dimension des Erinnerungsraumes Friedhof einem größeren Publikum sicht- und erlebbar zu machen. Der Gerhard Voß berichtet schließlich über die Bestandsaufnahme jüdischer Friedhöfe in Mecklenburg. Der Letzte Beitrag, von Herausgeber Thomas Klie als Nachlese verfasst, weist schließlich am seinem Ende noch einmal auf das touristische Interesse an historischen Friedhöfen hin, das sich gerade aus der "Vielgestalt und dem individuellen (auch kitschigen) Formenspiel" aus üppigem Grabschmuck ergibt. Seiner Meinung nach stellt die Summe aller an die Grabstätten gebundenen Artefakte neben ihrem denkmalpflegerischen wert "eben auch ein Ensemble mit großer ästhetischer Anziehungskraft dar." Deswegen ruft er die Entscheidungsträger auf, "nicht alles einzuebnen, was die sepulkrale Ökonomie fordert bzw. dem aktuellen Zeitgeschmack entgegensteht."  
Insgesamt zeichnet diesen Band die bunte Mischung der Beiträge aus, die sich kaum in Untergruppen strukturieren lassen. Dass einige Autoren dabei sind, von denen schon öfter in diesem Blog die Rede war, liegt in der Natur der Sache. Friedhofskultur ist insgesamt wohl immer noch eher ein Thema für Wenige.

Thomas Klie / Sieglinde Sparre (Hrsg.), Erinnerungslandschaften - Friedhöfe als kulturelles Gedächtnis. Kohlhammer Stuttgart 2017, 213 Seiten, 27 Abb., 35,99 Euro










Mittwoch, 11. Juli 2018

Türkischer Mokka am Grab


Alle Bilder in diesem Post zeigen die Grabstätte von Julius Eutin (Bildquelle
Manchmal stößt man im Internet auf ganz spezielle Grabgeschichten. Diese hier handelt von Prof. Dr. Julius Euting (* 11. Juli 1839 in Stuttgart; † 2. Januar 1913 in Straßburg). Aufgrund seiner umfassenden Sprachkenntnisse wurde er manchmal auch als „Sechzehnsprachenmännle“ bezeichnet. Er war Bibliothekar und Orientalist und wurde nach dem Ende des Deutsch-Französischen Krieges im Juli 1871 zum Ersten Bibliothekar an der Universitätsbibliothek Straßburg und später zu ihrem Direktor. Daneben führten ihn mehrere Forschungsreisen in den Mittelmeerraum und den vorderen Orient. Während dieser Reisen füllte er zahlreiche Skizzenbücher, die inzwischen im Internet veröffentlicht sind. Bekannt wurde er, als er 1896 sein "Tagebuch einer Reise in Inner-Arabien" drucken ließ.

Aber Euting war auch eng mit seiner Heimat, dem Schwarzwald und den Vogesen, verbunden. Er wanderte besonders gern am Ruhestein im Schwarzwald und setzte sich tatkräftig für die Erschließung von Wanderwegen und den Ausbau der damals noch einfachen Wirtshäuser zu Hotels ein. Daneben gab er für den Schwarzwald eine der ersten Wanderkarten sowie Wanderführer zum Bereich "Zuflucht" und "Hornisgrinde" heraus.

Für seine eigene Grabstätte suchte sich der begeisterte Naturliebhaber und Wanderer eine der schönsten Stellen des Schwarzwalds aus. Allerdings brauchte es viele Eingaben an die Forstverwaltung um für diesen Platz eine Ausnahmegenehmigung zu erstreiten. Angeblich hat er dann zusammen mit dem zuständigen Förster seine Grabanlage ausgestaltet. In der Mitte wurde ein Gedenkstein aufgestellt, vor dem er sich noch zu Lebzeiten fotografieren ließ.

Auf der Inschrifttafel steht: "Er ist der Lebendige der Ewigen./ Wenn mein
Bett zu Staub geworden ist/ undich in der Nähe des allbarmherzigen Herren
weile,/ dann beglückwünscht mich meine Freunde und sprechet:/ 'Frohe
Botschaft dir, du bist zu einem Gütigen eingegangen!'
Aus dem Arabischen stammender Grabspruch von Professor Euting
Wiedergabe nach seiner eigenhändigen Übersetzung"
Nach seinem Tod verwilderte die Grabstätte mit der Zeit, bis der aus Freudenstadt stammende Landvermesser Hermann Notz anfing sich darum zu kümmern und nach Informationen über den Toten und nach seinen Nachkommen suchte. Euting selbst hatte zwar keine Kinder, aber es fanden sich Urgroßneffen wie Hans Winter aus Stuttgart, Rolf Euting aus Überlingen und Johannes Ernst aus der Schweiz. Sie gründeten 2002 die Julius-Euting-Gesellschaft, die die Erhaltung und Erforschung des wissenschaftlichen und persönlichen Nachlasses ihres Namensgebers zum Ziel hat. Sie ließ die Grabanlage neu befestigen und mit einer bronzenen Gedenkplatte versehen.

Und sie erfüllt  auch den Wunsch, den der Orientforscher in seinem Testament festgelegt hat: Seit 2004 wird am 11. Juli, dem Geburtstag des Verstorbenen, an seinem Grab Mokka ausgeschenkt; zuerst nur an die zufällig vorbeikommende Wanderer. Inzwischen aber ist der Mokka am Grab fast zu einem Event geworden, zu dem die Besucher neben dem belebenden Getränk auch Geschichten aus seinen Tagebüchern hören, Anekdoten und Wissenswertes aus dem Leben des Bibliothekars und Reisenden erfahren.

Wer mehr über den Reisenden wissen will, sei hier noch auf auf die Internetseite www.schwarzwald-informationen.de hingewiesen, von der auch die Bilder der Grabstätte stammen.









Dienstag, 3. Juli 2018

10. Ohlsdorfer Friedensfest

Schon seit 10 Jahren wird auf dem Ohlsdorfer Friedhof zur Erinnerung an die Bombennächte des Jahres 1943 das Friedensfest begangen, das von einem breiten Bündnis von Initiativen, Vereinen und Institutionen getragen wird und als Antwort auf provozierende rechte Auftritte auf dem Friedhof entstanden ist.

Das diesjährige Programm ist besonders umfangreich, denn in diesem Jahr wird nicht nur das Jahr 1918 erinnert, das für das Kriegsende des Ersten Weltkriegs, den Zusammenbruch des Wilhelminischen Deutschlands und die sich anschließende Revolution steht. Dazu kommt, dass die Machtergreifung der Nationalsozialisten vor 85. Jahren stattfand, sowie die Reichspogromnacht vor 80 Jahren und der eigentliche Anlass der Veranstaltung, das die „Operation Gomorrha“  vor 75 Jahren.

Schon in den letzten Jahren ist die Veranstaltung auf dem Ohlsdorfer Friedhof immer umfangreicher geworden und in diesem Jahr liegt ein besonders vielfältiges Programm vor mit einer ganzen Reihe von interessanten Einzelveranstaltungen, wie Lesungen, Buchvorstellungen - darunter auch das hier schon besprochene Buch der Willi-Bredel-Gesellschaft zum Ohlsdorfer Friedhof - Diskussionen und Gesprächen, die jetzt immer mehr die Nachkommen der Täter und Opfer des Nationalsozialismus in den Blick nehmen. Alle Veranstaltungen finden beim Bombenopfermahnmal des Ohlsdorf Friedhofes statt:


Donnerstag, 28. Juni 2018

Germania und die Kirchhöfe - Eine Spurensuche

Grabstätten vom Zwölf-Apostel-Kirchhof auf demStahnsdorfer Friedhof (Foto Leisner 2012)  




Zum 80. Jahrestag laden die Zwölf-Apostel-Kirchhöfe in Berlin laden zusammen mitdem Südwestkirchhof Stahnsdorf und in Kooperation mit den Berliner Unterwelten e.V.zu einer besonderen Tagestour ein. Die Teilnehmer gehen dabei gemeinsam mit dem Verein Berliner Unterwelten auf eine Spurensuche nach den großspurigen Plänen der Nationalsozisalisten, Berlin zur "Reichshauptstadt Germania" umzugestalten. Das führte vor 80 Jahren zur teilweisen Zerstörung der Zölf-Apostel-Kirchhöfe, als mit den Vorarbeiten begonnen wurde.

Damals sollten monumentale Magistralen Berlin durchschneiden undüberdimensionierte Kolossalbauten den Herrschaftsanspruch der Nazis demonstrieren. Dafür wurde ein Drittel der Gräber - darunter große Wandgräber und Mausoleen - vom Alten St.-Matthäus Kirchhof auf den Südwestkirchhof in Stahnsdorf umgebettet. Der Neue Zwölf-Apostel-Kirchhof wurde zur Hälfte geräumt, wobei die Toten in Stahnsdorf wiederbestattet wurden. Erst der Kriegsbeginn im Jahr 1939 stoppte die Räumungsarbeiten. Die Spuren der Umbettungsaktionen sind noch heute auf den beiden Friedhöfen zu erkennen und erinnern an die Maßlosigkeit nationalsozialistischer Stadtplanung, die auch in anderen Städten vor Toten und - besonders vor den jüdischen Toten - nicht Halt machte.

Aber auch auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf findet sich diese Erinnerung: Dort sind in den beiden Bereichen der Alten und der Neuen Umbettung zum einen die großen Mausoleen und Wandgräber zu sehen, zum anderen aber - heute fast zugewucherte - eine große Fläche mit den Grabfeldern, auf denen jene einstmals umgebettteten Toten und ihre Grabmäler zu finden sind.

Zum ersten Mal werden bei dieser Veranstaltung Ausgangspunkt und Ziel dieser gewaltigen Umbettungsaktion miteinander verbunden: Nach der Exkursion in Schöneberg geht es mit dem Bus nach Stahnsdorf. Die Führungen werden von Mitgliedern des Vereines „Berliner Unterwelten“ die seit Jahren zum Thema „Reichshauptstadt Germania“ forschen und publizieren, durchgeführt.

Wer dabei sein will, sollte sich bald anmelden: stahnsdorf.apostel@gmail.com
Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Die Teilnahme kostet 15 Euro Pro Person

Tagesfahrt Sonntag, 23. September 2018, 11 Uhr
Treffpunkt: Eingang Alter St.-Matthäus-Kirchhof  • Busfahrt zum Neuen Zwölf-Apostel-Kirchhof • Anschließend Busfahrt zum Südwestkirchhof Stahnsdorf • Rückkehr mit dem Bus am Abend
Für Verpflegung wird gesorgt

Veranstalter:
Zwölf-Apostel-Kirchhöfe, Öffentlichkeitsarbeit, Kolonnenstraße 24-25,10829 Berlin
Südwestkirchhof Stahnsdorf, Bahnhofstraße 2, 14532 Stahnsdorf

 

Samstag, 16. Juni 2018

Bloomsday auf dem Dubliner Glasnevin-Cemetery

Grabstätte von James Joyce auf dem Friedhof Flundern
in Zürich (Foto: von Lars Haefner - uploaded by Albinfo -
de:Grab James Joyce.jpg, CC BY-SA 3.0,
https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4584861)
Am 16.Juni wird der Bloomsday in Irland begangen; der Gedenktag, der nach der Hauptfigur des Romans Ulysses von James Joyce, Leopold Bloom, benannt ist und an dem jedes Jahr an diesen Schriftsteller und sein Werk erinnert wird.

Da ein Kapitel des Romans von einer Beerdigung auf dem berühmten Dubliner Friedhof Glasnevin handelt, findet auch auf diesem Friedhof jedes Jahr der Bloomsday statt. Geboten wird eine Lesung unter dem Titel "ReJOYCE", in der die 6. Episode mit dem Titel "Hades" aus dem Roman von den 'Joycestagers' vorgelesen wird. Dazu gibt es eine Führung über den Friedhof, die sich dem Werk von James Joyce und seiner Zeit widmet. Stilvoll beginnt der Tag mit einem speziellen "Joycean" Frühstück, im Tower Café des Museums.

Auf der Website des Friedhofs ist außerdem zu lesen, dass es nicht ungewöhnlich ist, Joyce-Verehrer zu sehen, die - nach dem Vorbild ihres Romanhelden - eine Tour zum Friedhof in gemieteten Pferdekutschen machen. Manche von ihnen mieten dazu sogar noch einen passenden Leichenwagen um ganz authentisch zu sein.

Gibt es eigentlich keine Schriftsteller in Deutschland, die man ähnlich feiern könnte?

Samstag, 26. Mai 2018

Ein Jubiläum und die Frage nach der Zukunft unserer Friedhöfe - Veranstaltungen in Kassel

Die Stadt Kassel und das Sepulkralmuseum laden zu einer Abendveranstaltung ein, die man sicher auch im Rahmen des 175-jährigen Jubiläums des Kasseler Hauptfriedhofs sehen kann, das am 10. Juni 2018 mit einem „Tag der offenen Tür“ begangen wird.  Hier das Programm:
Samstag, 09. Juni 2018, um 21:00 Uhr, Erlebnisführung „Friedhofsgeflüster“ mit Dr. Anja Kretschmer. Treffpunkt: Hauptfriedhof – Eingang Halitplatz, gegenüber Scheidemannhaus.

Sonntag, 10. Juni 2018, um 10:00 Uhr, Gottesdienst „Laudatio si – Sei gepriesen“ in der Auferstehungskirche Mombachstraße.

Am Sonntag, 10. Juni 2018, gibt es folgende Themenführungen:

9:00 Uhr          “Vogelkundlicher Spaziergang“ mit Herrn Teubert      Treffpunkt: Eingang Halitplatz

11:00 Uhr bis 15:00 Uhr stündliche Führungen im Krematorium    Treffpunkt: Eingang Krematorium

Führungen mit Treffpunkt am Brunnen auf der Wiese hinter der Trauerhalle:
13:00 Uhr        „Brüder Grimm – auch auf dem Hauptfriedhof“ mit Herrn Gerner
14:00 Uhr        „Ein Engel steht Dir zur Seite“ mit Frau Kuhle
14:30 Uhr        „Dendrologische Führung – Bäume und Sträucher“ mit Herrn Ebert
15:00 Uhr        „Sechs Frauen – sechs Ehrengräber“ mit Frau Dr. Wolff und Frau Kuhle
15:30 Uhr        „Pflegelose Grabarten“ mit Herrn Rehs oder Herrn Werner

Dazu gibt ein Kinderprogramm (Tontöpfe bemalen und mit Kressesamen bepflanzen; 11:00 Uhr  Kurzfilm „Lukas und Oma nehmen Abschied“ mit Frau Geipel

Außerdem Musikalische Höhepunkte:
14:00 Uhr Orgelmusik in der Trauerhalle mit Herrn Heger-Schöfthaler
15:00 Uhr Ensemble „Scharfes Blech“ mit bunten Melodiereigen (Mausoleum Hauptfriedhof)

Ab 11:00 Uhr können Sie die Grüfte im Mausoleum zu besichtigen.

Fahrten mit der Pferdekutsche über den Friedhof mit Infos zu Grabarten und Gräbern.

Würstchen und Kaffee, Kuchen und Waffeln.

Veranstaltungsort: Hauptfriedhof – Tannenheckerweg 6 / Karolinenstraße – 34127 Kassel – Wiese hinter der Trauerhalle

Dienstag, 24. April 2018

Tod und Tourismus - Schwerpunkt der neuen Ausgabe von "Friedhof und Denkmal"

Die neueste Ausgabe der Zeitschrift der Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal in Kassel widmet sich dem Tourismus im Zusammenhang mit Tod und Friedhof.

Ich sitze in der Redaktion und verantworte in dieser Ausgabe sowohl das Editorial wie den ersten Beitrag "Friedhöfe als touristische Attraktionen und die Route der Europäischen Friedhofskultur", das heißt, ich mache hier auch Eigenwerbung.

Das hat sein Gründe. Es geht dabei nicht so sehr um meinen Beitrag, der die Überarbeitung des Vortrages ist, den ich nicht auf der Tagung in Irsee halten konnte.  Danach folgt eine ganze Reihe von interessanten Aspekten zum "Thana-Tourismus": Andreas Ströbl und Oskar Terč berichten über den Besuch von Grüften in Deutschland und in Wien; Stephan Hadraschek stellt das Seminar "Mythos Friedhof" der "Berliner Unterwelten e.V." vor und Anja Kretschmer berichtet über ihr "Friedhofsgeflüster", das im Lauf der letzten Jahre immer populärer geworden ist. Auch in Kassel selbst wird aktiv daran gearbeitet, das Interesse für historische Friedhöfe zu verstärken. Schon seit längerer Zeit gibt es dort die beliebten Seminare für Friedhofsführer, über die Gerold Eppler schreibt, während Ulrike Neurath, wie Eppler Mitarbeiterin des Kasseler Museums, den Aspekt der "Trauerreisen - Zwischen Verlustschmerz und Fernweh" behandelt.

Insgesamt ist damit meiner unmaßgeblichen Meinung nach ein ganz besonderes Heft dieser Zeitschrift entstanden, das ich allen jenen besonders empfehlen möchte, die sich mit der Erhaltung und Pflege historischer Friedhöfe und der Frage auseinandersetzen, wie man diesem Kulturgut in der Öffentlichkeit zu stärkerem Gewicht verhelfen kann.

Donnerstag, 12. April 2018

Neuer Band des Lexikons der Bestattungs- und Friedhofskultur in Arbeit - Begriffe aus Literatur, Musik, Fotografie und Film

Vom Lexikon der Bestattungskultur sind in Kassel inzwischen die Bände 1-3 und der Band 5 erschienen. Schon an dem zuletzt erschienenen Band 5 haben Mitglieder des damaligen Beirates für Grundlagenforschung der Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal in Kassel mitgearbeitet. Er ist den Persönlichkeiten der Sepulkralkultur - also Personen, die einen wichtigen Beitrag zum Thema Sterben, Tod, Bestattung und Erinnerung geleistet haben - gewidmet. Auch ich habe dazu verschiedene Beiträge geschrieben und verantworte auch die Schlussredaktion.

Inzwischen ist der noch fehlenden Band 4 vom Beirat anvisiert worden. Ursprünglich sollte er das Thema der Bestattungs- und Friedhofskultur im Bereich der Medien beinhalten. Doch wurde bald klar, dass diese Aufgabe zur Zeit noch zu hoch gesteckt ist, da die Grundlagenforschung in vielen Bereichen fehlt. Deswegen wird sich dieser Band auf 100 (oder mehr) Begriffe aus Literatur, Musik, Fotografie und Film beschränken, die mit Tod und Sterben zusammenhängen. Die Arbeitsgruppe für diesen Band, der auch ich angehöre, hat sich inzwischen auf eine Liste von Stichworten geeinigt, die zwar noch nicht endgültig, aber doch schon umfangreich ist. Es liegt auch schon eine ganze Reihe von Artikeln vor. Doch sind noch längst nicht alle geschrieben.

Falls jemand von meinen Lesern Interesse hat, das eine oder andere Stichwort zu bearbeiten, möge er oder sie sich bitte direkt bei mir melden (barbara.leisner(at)gmail.com). Ich stelle dann die Stichwortliste zur Verfügung. Es fehlen zum Beispiel noch Texte zu den Stichworten: Bestatter (Thema in Literatur/im Film) und Bestattung allgemein; Blut; Bühnentod; Giftmord; Heldentod; Henker; Kriegsfilm; Opfertod und andere.

Mittwoch, 11. April 2018

Ein neuer Verein für den jüdischen Friedhof in Münster


Grabmäler auf dem Jüdischen Friedhof in Münster
(Foto: Von Suedwester93 15:13, 6. Mai 2008 (CEST) -
Selbst fotografiert, Gemeinfrei,
https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=50526964
Ende letzten Jahres hat sich in Münster ein neuer „Verein zur Förderung des Jüdischen Friedhofs an der Einsteinstraße Münster“ gegründet. Ein wichtiges Ziel des Vereins ist die Fortführung und Pflege der Website des Friedhofs mit ihrer wissenschaftlichen Dokumentation. Diese Dokumentation wurde seit 2012 in einem Projekt am Seminar für Exegese des Alten Testaments der Katholisch-Theologischen Fakultät erarbeitet und mit einem Festakt im März 2015 im Gemeindesaal der Jüdischen Gemeinde Münster freigeschaltet. Unter der Leitung von Prof. Dr. Marie-Theres Wacker haben der Theologe Ludger Hiepel, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Seminar, und andere über 400 Grabsteine des Friedhofes, die aus dem 19. und 20. Jahrhundert stammen, für diese virtuelle Präsentation bearbeitet. Die Gräber können über einen interaktiven Plan oder über Personennamen angewählt werden. Die Seiten für die einzelnen Personenseiten zeigen Fotos der Grabsteine und ihre Inschriften mit Übersetzung aus dem Hebräischen, sowie weitere Informationen.

Zu den Gründungsmitgliedern gehören sowohl der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Münster, wie weitere Gemeindemitglieder und die Universitätsangehörigen, die das Erfassungsprojekt initiiert haben. Inzwischen hat die Regierungspräsidentin die Schirmherrschaft für den Verein übernommen und unterstreicht damit das öffentliche Interesse an diesem besonderen Kulturdenkmal in Münster.

Als Ziele des Vereins werden u.a. die umfassende Aufarbeitung der Friedhofsgeschichte und eine kunsthistorische Erschließung der Grabsteine genannt, sowie die Auswertung der in den Inschriften greifbaren Informationen zur sozialen Zusammensetzung der Gemeinde.

Donnerstag, 22. März 2018

DenkMal Friedhof Ohlsdorf

Cover von "DenkMal Friedhof Ohlsdorf
Dieses neue Buch. das von der Willi-Bredel-Gesellschaft - Geschichtswerkstatt e.V herausgegeben worden ist, versammelt "33 Stätten der Erinnerung und Mahnung" auf dem Ohlsdorfer Friedhof, wie es im Untertitel heißt. Damit schließt es sich an den Führer derselben Gesellschaft an, der 1992 von Herbert Diercks herausgebracht wurde. Damals waren erstmals explizit die Grabstätten von Opfern der Naziherrschaft und des Widerstandes Thema eines Ohlsdorf-Buches. 

Das neue Buch ist umfassender angelegt. Es zeigt die Hamburger Geschichte anhand der Erinnerungsmale und Grabanlagen auf, in denen die Opfer von Krieg und Revolution, Diktatur und Widerstand, aber auch von Epidemien und Naturkatastrophen bestattet sind, beziehungsweise an denen ihrer gedacht wird. Diese besonderen Orte spiegeln wie in einem Kaleidoskop wichtige historische Ereignisse und sind zum Teil die einzigen Punkte innerhalb der Stadt, an denen die Erinnerung sozusagen noch mit den Händen zu greifen ist.

Zeitlich reicht die "Ohlsdorfer Erinnerungsskala" von der Hamburger Franzosenzeit am Beginn des 19. Jahrhunderts mit ihren Befreiungskämpfen bis zur Flutopferkatastrophe von 1962. Wie wichtig es ist, dass sachlich über diese geschichtlich bedeutenden Anlagen informiert wird, zeigen immer wieder die Versuche von unterschiedlichen Seiten diese Orte für die jeweils eigenen Ziele zu vereinnahmen und die Geschichte einseitig zu interpretieren.

Insgesamt haben sechszehn verschiedene Autoren an diesem Buch gearbeitet. Als Historiker, Psychologen und/oder interessierte Laien stellt jede und jeder eine oder mehrere Grabanlagen oder Gedenkstätten vor. (Auch ich habe drei Kapitel verfasst.) Das vollständige Inhaltsverzeichnis ist auf der Verlagswebsite einzusehen. Alle Autoren haben akribisch genau geforscht und belegen ihre Aussagen mit Zitat- und Literaturangaben. So machen viele bisher unbekannte Informationen über die Bestatteten und die Zeitumstände dieses Buch zu einer wichtigen Geschichtsquelle und einer bedeutenden Ergänzung der bisher vorliegenden Werke über den Ohlsdorfer Friedhof. Dabei sind auch frühere und heutige Auseinandersetzungen um Gedenkrituale in die Texte eingeflossen und zeigen die Bedeutung dieser Orte für den politischen Diskurs und für eine Erinnerungskultur, die nicht in dumpfe Heldenverehrung abgleitet. Zahlreiche bisher gar nicht oder nur selten veröffentlichte Fotos veranschaulichen dabei die Texte. Insgesamt ist dem Herausgeber Hans Matthaei zu danken, dass er die mühsame Arbeit auf sich genommen hat, die unterschiedlichen Autoren mit ihrem speziellen Fachwissen an dieser Stelle zusammenzubringen. Damit hat er dieses Buch erst möglich gemacht. 


DenkMal Friedhof Ohlsdorf, 33 Stätten der Erinnerung und Mahnung. Herausgegeben von der Willi-Bredel-Gesellschaft – Geschichtswerkstatt e.V., VSA Verlag, Hamburg 2018, 160 S., zahlreiche schw-w. Abb.,  12.80 Euro

Montag, 12. März 2018

100 Jahre Hauptfriedhof & Krematorium Plauen 1918-2018

Broschüre zum 100jährigen
Bestehen des Hauptfriedhofs in Plauen
Der Hauptfriedhof in Plauen feiert dieses Jahr sein hundertjähriges Bestehen. Dazu ist eine umfangreiche Broschüre erschienen und zugleich gibt es ein ganzjähriges Programm aus Festveranstaltungen und Führungen.

Die großformatige Broschüre widmet sich in einer bunten Reihe von kurzen Aufsätzen der Geschichte und den Grabdenkmälern des Hauptfriedhofes und beginnt dabei mit der allgemeinem Friedhofsge-schichte des Ortes, an der man sehr schön die Auslagerung der Bestattungen im 19. und 20. Jahrhundert verfolgen kann.
Breiten Raum nimmt der Bau des Krematoriums und damit der zentralen Feierhalle des Friedhofs ein. Der Bauplatz für dieses imposante Gebäude mit seiner wuchtigen Doppelturmfassade liegt so auf der Anhöhe inmitten des Geländes, dass die Trauergäste beim Verlassen der Haupthalle von einem großartigen Blick in die Ferne erwartet werden.

Der damalige Stadtbaudirektor Goette, der die parkartige Anlage entworfen hat, kommt mit einem Aufsatz aus dem Jahr 1927 selbst zu Worte. Gewürdigt wird daneben auch der Apotheker und Stadtverordnete Rudolph Bauer, der seine gärtnerischen und naturwissenschaftlichen Kenntnisse in die Friedhofsanlage einbrachte. Ein Rundgang zu einigen wichtigen Grabmalen schließt diesen Abschnitt ab. Im letzten Teil der Broschüre werden schließlich Aspekte von Bestattung und Trauer angesprochen: Es geht um den Wandel der Bestattungskultur, um Trauerarbeit, die Gestaltung von Urnen und die kirchliche Abschiedsfeier.

Insgesamt ist die informative Jubiläumsschrift reich mit eindrucksvollen Bildern vom Friedhof und vom Krematorium aufgelockert und professionell mit einem ansprechenden Layout durchgestaltet. Sie in Plauen in der Tourist-Information, im Stadtarchiv, im Vogtlandmuseum sowie in der Friedhofsverwaltung erhältlich und kostet 5 Euro.
  

Dienstag, 20. Februar 2018

Tierfriedhöfe

Die neue Ausgabe von "Ohlsdorf - Zeitschrift für Trauerkultur" ist gerade mit dem Schwerpunktthema "Tierfriedhöfe" erschienen. Ulrike Neurath, Kustodin im Museum für Sepulkralkultur in Kassel, die im letzten Jahr über dieses Thema promoviert hat, beschreibt darin in zwei Beiträgen die Geschichte und Gegenwart der Tierbestattungen.

Ein weiterer Beitrag führt auf den Tierfriedhof am Wiener Zentralfriedhof. Und es gibt unter anderem auch eine Geschichte vom Ohlsdorfer Friedhof zu lesen, die mit einer toten Katze und dem Diebstahl einer Tasche zu tun hat ...

Die gedruckte Zeitschrift kann beim Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof e.V. bestellt werden (Das Jahresabo kostet 15,00 Euro, aber es können auch Einzelhefte gekauft werden).

(Übrigens findet man dieses Thema auch hier und hier in diesem Blog.)

Freitag, 16. Februar 2018

Alles klar? Glas und Tod

Ausstellungseinladung
Heute kam die nebenstehende Einladung zur neuen Sonderausstellung im Museum für Sepulkralkultur in Kassel, in der "transparente Dinge und transzendente Vorstellungen" an Werken aus Glas aus der eigenen Sammlung präsentiert werden.

Gleichzeitig wird bei der Ausstellungseröffnung am 22.Februar um 19:00 Uhr auch der neue Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal e.V. und Direktor des Zentralinstituts und Museums für Sepulkralkultur, Dr. Dirk Pörschmann, offiziell vorgestellt, der seit dem 1. Januar im Amt ist.

Ich werde zwar nicht dabei sein, wünsche aber dem neuen Direktor alles Gute und bin gespannt auf die neuen Impulse, die er den Kasseler Einrichtungen geben wird.

Donnerstag, 15. Februar 2018

Berliner Friedhöfe - Spaziergänge zu den wichtigsten Ruhestätten

Cover "Berliner Friedhöfe"
In der Reihe "Berlin Kompakt" des Jaron Verlages ist der Friedhofsführer von dem Historiker und Geograf Ingolf Werknicke, Geschäftsführer des Landesverbandes Berlin im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., neu aufgelegt worden. Darin stellt er fünfzehn ausgesuchte Friedhöfe der Hauptstadt vor. Das Buch kam schon 2010 unter dem Titel "Berliner Friedhofsspaziergänge" auf den den Markt und wurde jetzt aktualisiert und der Aufmachung der Buchreihe angepasst.

Zu den einzelnen Beschreibungen gehörten dabei jeweils ein historischer Abriss, ein Hinweis auf die voraussichtliche Dauer eines Rundgangs, ein Plan mit Einzeichnung der Lage der erwähnten Grabstätten und die Beschreibung der Grabstätten, Grabmale und Persönlichkeiten, die auf dem Rundgang besucht werden. Die Texte sind reich illustriert, so dass man schon beim Lesen dieses Führers einen guten Überblick bekommt. Interessant ist dabei, dass nicht nur so berühmte historische Orte wie der Dorotheenstädtisch-Friedrichswerdersche Friedhof, der Alte Garnisonsfriedhof, der Invalidenfriedhof oder die Friedhöfe vor dem Halleschen Tor mit ihrer reichen Geschichte aufgenommen worden sind. Auch das Sowjetische Ehrenmal Treptow wird zum Beispiel genau beschrieben ebenso wie der relativ unbekannte Russisch-Orthodoxe Friedhof der Hl. Konstantin und Helena Kirche. Dorthin wurden übrigens, wie der Autor vermerkt, vier Eisenbahnwaggons mit Erde aus Russland gebracht, damit die Toten in ihrer Heimaterde ruhen.

Von diesem Führer kenntnisreich angeleitet können auch Menschen, die die Berliner Friedhöfe zu kennen glauben, neue Entdeckungen machen.

Ingolf Wernicke, Berliner Friedhöfe. Spaziergänge zu den wichtigsten Ruhestätten, Jaron Veralg, 144 Seiten, 125 farbige Fotos,15 Lageskizzen, 1 Übersichtskarte, 1 Liniennetzplan € 10,00

Sonntag, 28. Januar 2018

Tod & Ritual - Kulturen von Abschied und Erinnerung

Katalog der Ausstellung 
Unter diesem Titel ist bis zum 21. Mai 2018 eine Ausstellung im Staatlichen Museum für Archäologie Chemnitz zu sehen, zu der ein umfangreicher Katalog erschienen ist. Wahrscheinlich werde ich die Ausstellung nicht besuchen können, doch der opulente, grafisch ansprechend gestaltete Katalog entschädigt ein wenig dafür.

Ausgangspunkt der Ausstellung ist die im 19. Jahrhundert in Niederkaina bei Bautzen in der Oberlausitz entdeckte frühgeschichtliche Gräberstätte mit mehr als 1800 Gräbern. Unter ihnen sind die Grabstätten aus der Zeit um 1200 bis 500 v Chr. besonders aufschlussreich, weil sich an ihnen sich ein aufwendiges Bestattungsritual ablesen lässt. Mit der Ausstellung wird damit erstmals ein wichtiger Aspekt der Landesarchäologie Sachsens herausgestellt, zugleich aber wird der Bezug zum gegenwärtigen Umgang mit dem Tod und mit den Ritualen, die notwendig sind um Abschied zu nehmen, hergestellt.

Samstag, 20. Januar 2018

Funerale 7

Titelmotiv des Flyers zur Funerale 7
in Rostock [Sargladen A. Opiolka, Wertach]
In Rostock findet vom 22.–24. Februar 2018 zum siebten Mal die "Funerale" statt, eine Tagung der Theologischen Fakultät der Universität und der Verbraucherinitiative Aeternitas. Thema ist diesmal "Bestattung als Dienstleistung". Hier kann man den Flyer mit dem ausführlichen Programm herunterladen.

Die Vorträge befassen sich unter anderem mit dem "Wald als sepulkralkultureller Gestaltungsraum" und "Kirchenkolumbarien in Niedersachsen", sowie Berichten aus der Praxis z.B. von einem "Friedhofsfest" und dem "Friedhof am Meer" in Keitum.

Falls jemand Lust hat einen Tagungsbericht zu schreiben, werde ich ihn gern hier veröffentlichen!

Mittwoch, 10. Januar 2018

transmortale VIII: Neue Forschungen zum Thema Tod

Grabmal Albers, Ohlsdorfer Friedhof
(Foto Leisner 1987)
Es ist wieder soweit, wie in jedem Frühjahr seit 2010 wird wieder zum Workshop der transmortale in Kassel eingeladen, der dieses Jahr vom Arbeitskreis transmortale VIII der Universität Hamburg und dem Museum für Sepulkralkultur veranstaltet wird. Er findet dieses Jahr am 10. März 2018 von 10.00 bis 17.30 Uhr im Museum für Sepulkralkultur in Kassel statt.

Es geht dabei wie immer darum, fächerübergreifend Forschungen ebenso zu Gräbern und Begräbnisplätzen wie zum Wandel der Trauer- und Bestattungskultur Raum zu geben und die vielseitigen und vielschichtigen Forschungsansätze zum Thema Sterben, Tod und Trauer zu verknüpfen. Die Veranstaltungen transmortale II bis VII haben in einem erweiterten Rahmen als Tagung und Workshop im Museum für Sepulkralkultur in Kassel stattgefunden. 2017 gab es mit der Transmortality International eine internationale Konferenz in Luxembourg, organisiert durch das Research Project: Material Culture and Spaces of Remembrance. Die Programme aus den einzelnen Jahren können hier unter dem Stichwort "transmortale" aufgefunden werden, Tagungsberichte und Programme finden sich auch auf der Homepage des Museums für Sepulkralkultur. Eine Auswahl von Beiträgen wurde veröffentlicht in: Moritz Buchner und Anna-Maria Götz (Hrsg.): transmortale. Sterben, Tod und Trauer in der neueren Forschung (Kasseler Studien zur Sepulkralkultur Band 22), Köln: Böhlau, 2016.

Programm Samstag, 10. März 2018
10.00 – 12.15     Block I
Begrüßung und Einführung
Nina Kreibig (Berlin): Vom Ende geordneter Verhältnisse? Zur Interpretation der historischen Berliner Leichenhäuser im Diskurs um Ordnung an der Schwelle zur Moderne

Moritz Buchner und Anna-Maria Götz: Kurze Vorstellung der Publikation: Moritz Buchner [Hrsg./Autor), Anna-Maria Götz (Hrsg./Autorin), transmortale. Sterben, Tod und Trauer in der neueren Forschung, Köln: Böhlau, 2016

Kaffeepause
Jonas Milde (Berlin): Alles nur „Teufels Jahrmarkt“? Ein Plädoyer für
die Abendmahlsfeier in der evangelischen Bestattungspraxis

Daniel Ribeiro (Paderborn): Auseinandersetzung mit dem Sterben im persönlichen Umfeld anhand von Indie-Games (am Beispiel von That Dragon, Cancer)

12.15 – 13.30     Mittagspause

13.30 – 15.00     Block II
Susanne Lohmann (Hamburg): Technik(en) der Palliative Care. Die Bedeutung assistiver Systeme für das Leitbild vom guten Sterben

Marlene Lippok (Augsburg): „Achtsame Totenfürsorge“ – ethnografische Betrachtungen sogenannter
alternativer BestatterInnen und der Hospizbewegung

Florian Greiner (Augsburg): Säkulares Sterben? Die Kirchen und das Lebensende nach 1945

15.00 – 15.30     Kaffeepause

15.30 – 17.30     Block III
Andrea Knittel (Freiburg):  Das tote Ich in der Kunst – Selbstdarstellungen von Künstlern als Tote

Isabelle Künzer (Gießen): „Ich habe einen keïschen Becher geleert …“ – Der altruistische Alterssuizid im antiken Griechenland

Abschlussdiskussion

Veranstalter:
Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal e.V., Zentralinstitut und Museum für Sepulkralkultur, Kassel: Dr. Dirk Pörschmann, Dipl.-Ing. Dagmar Kuhle

Universität Hamburg - Institut für Volkskunde/Kulturanthropologie: Prof. Dr. Norbert Fischer

Kooperationspartner in Berlin: Dr. Moritz Buchner, Stephan Hadraschek M. A., Jan S. Möllers M. A.

Kooperationspartnerin in Bonn: Dr. Anna-Maria Götz

Anmeldeschluss: 5. März 2018
Teilnahme-Beitrag inkl. Mittagsimbiss: 45,– Euro / 20,– Euro erm. (Studenten)

Anmeldung über:  Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal e.V., Zentralinstitut und Museum für Sepulkralkultur Weinbergstraße 25–27, 34117 Kassel,  info@sepulkralmuseum.de www.sepulkralmuseum.de
Ines Niedermeyer  Tel.: 0561 91893-40
Rücktrittsbedingungen: Bei Verhinderung nach der Anmeldung bitten wir um Nachricht bis 7 Tage vor Tagungsbeginn. Andernfalls müssen wir Ihnen den vollen Kostenbeitrag in Rechnung stellen. Sie haben jederzeit die kostenfreie Möglichkeit, eine/n Ersatzteilnehmer/ Ersatzteilnehmerin  zu benennen.

Freitag, 5. Januar 2018

Die Ohlsdorfer Krematorien - Hamburger Bauheft 22

Bauheft 22, Cover
Die verdienstvolle Reihe der "hamburger bauhefte" des Schaff-Verlages, die sich schon im Band 17 mit dem Ohlsdorfer Friedhof befasst hat, ist inzwischen auf 22 Bände angewachsen. Der 22. Band, der Ende 2017 veröffentlicht wurde, ist den beiden Krematoriumsbauten in Ohlsdorf gewidmet. Wobei angemerkt werden muss, dass das Alte Krematorium an der Alsterdorfer Straße im letzten Jahr sein 125jähriges Jubiläum feiern konnte.

Wie schon Band 17 ist auch dieser neue und mit 56 Seiten deutlich umfangreichere Band, den wieder der Kunsthistoriker und Inhaber des Schaff-Verlages Dr. Jörg Schilling verantwortet, sorgfältig recherchiert und mit Anmerkungen und Literaturhinweisen versehen. Der einführende Text zur Feuerbestattungs-Bewegung und speziell zu der damals neuen Bauaufgabe eines Gebäudes, das einen Raum für Abschiedsfeiern und die technischen Einbauten für die Leichenverbrennung unter einem Dach vereinigen sollte, bietet ebenso
sowie der erste Hauptteil zum Alten Krematorium eine sorgfältige Zusammenfassung bisheriger Forschungsergebnisse.

Vielleicht gehört es nicht ganz hierher, aber ich möchte doch in diesem Zusammenhang darauf aufmerksam machen, dass wir im Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof  1992 zum 100jährigen Jubiläum eine Ausstellung zur Geschichte des Alten Krematoriums erarbeitet hatten. Sie fand in dem damals noch desolaten Gebäude statt, dessen heruntergekommenen Zustand zwei im bauheft abgedruckte Bilder des Denkmalschutzamtes drastisch vor Augen führen. Dazu gaben wir sozusagen als Ausstellungskatalog den Band 4 unserer Schriftenreihe mit dem Titel "Tod und Technik - 100 Jahre Feuerbestattung in Hamburg" heraus, der inzwischen lange vergriffen ist.

Im Band 22 der hamburger bauhefte wird die Geschichte des Gebäude durch Informationen zur Rezeption und zur Restaurierung und neuen Nutzung des Gebäudes ergänzt. (Den Text zur Geschichte nach 1992 durften wir dankenswerter Weise in dem Heft Nr. IV/2017 unserer Ohlsdorf-Zeitschrift vorabdrucken, das dem Jubiläum des Alten Krematoriums gewidmet ist.)

S, 32-33 mit dem Modell des unverwirklichten
und dem Grundriss des verwirklichten Projekts
Ausführlich wird dann die Geschichte des Neuen Krematoriums, das der Hamburger Baudirektor Fritz Schuhmacher entworfen hat, dargestellt. Für diese Bauaufgabe plante Schumacher anfangs eine zentrale Lage in der Stadt. Doch wurde das zweite Hamburger Krematorium schließlich - in deutlich kleinerem Umfang - auf dem Ohlsdorfer Friedhof errichtet. Schilling schildert als erstes die Standortsuche und erläutert dabei zwei frühe Entwürfe, die auch als Modelle im Bild vorgestellt werden. Danach stellt er das umfangreiche und unverwirklichte Projekt Schumachers für den Ohlsdorfer Friedhof vor und beschreibt anschließend die Umstände und die Ausgestaltung des schließlich errichteten Bauwerks.