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Dienstag, 5. April 2022

Zukunft gestalten. Dokumentation des Projekts Ohlsdorf 2050

Cover der Publikation des Ohlsdorfer Friedhofes

Seit 2014 unterstützt das Bundesbauministerium herausragende Projekte der Baukultur und des Städtebaus in Deutschland. Eines der sogenannten Premiumprojekte dieses Programms war der Ohlsdorfer Parkfriedhof, für den schon im Jahr 2014 zwei Millionen Euro bereitgestellt worden sind. Dazu kam noch eine weitere Million vonseiten der Hansestadt Hamburg. Mit diesen Mitteln wurde eine „umfassende städtebauliche Entwicklungs- und Nachhaltigkeitsstrategie“ für den Friedhof, der - wie andere Friedhöfe auch - dem Wandel der Bestattungskultur ausgesetzt ist, erarbeitet. Jetzt hat die Friedhofverwaltung einen umfassenden Abschlussbericht über das Projekt und die daran Beteiligten vorgelegt. Nach einem Vorwort vonseiten des Bundes werden die Friedhofsgeschichte und das Projekt „Ohlsdorf 2050“ dargestellt, bevor in den folgenden Kapiteln näher auf die „Projektbausteine und Teilprojekte“, „Konzepte“, „Teilprojekte und Handlungsperspektiven“ eingegangen und ein „Ausblick“ auf die in Aussicht genommenen und zum Teil schon umgesetzten Maßnahmen gegeben wird.

Nicht nur im Vorwort, sondern auch bei der Vorstellung der Geschichte wird die besondere Bedeutung des Friedhofes für die Stadt Hamburg herausgestellt und mehrfach darauf hingewiesen, dass der Ohlsdorfer Friedhof nicht nur ein Beisetzungsort ist, sondern auch als Denkmal von internationaler Bedeutung und Vorbild für die Friedhofsgestaltung allgemein angesehen werden muss, sowie daneben auch ein Naturraum für eine unverwechselbare Flora und Fauna und auch ein Park ist, in dem Menschen Erholung suchen. Dabei wird darauf hingewiesen, dass dieses Neben- und Miteinander die Möglichkeit von Nutzungskonflikten enthält.

Freitag, 12. Mai 2017

Tagungsbericht: Ohlsdorf 2050 - Nachhaltige Friedhofsentwicklung


Vortrag von Prof. Dr. Gabriele Dolff-Bonekämper
Gartenarchitekten, Friedhofsverwalter, Gärtner, ebenso wie Historiker und Denkmalpfleger kamen auf dem Ohlsdorfer Friedhof, um sich über die Friedhofentwicklung und speziell die aktuellen Planungen für die Ohlsdorf zu informieren. Die international angelegte Tagung fand im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie "Ohlsdorf 2050" statt und war mit etwa hundert Teilnehmern sehr gut besucht. Gefördert wird die Zukunftsstrategie vom Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“. Modelle für eine angepasste und nachhaltige Friedhofspflege sollen dabei erarbeitet und eine dauerhafte Finanzierbarkeit gesichert werden. Außerdem besteht die Vorgabe wirtschaftliche und umweltrelevante Ziele sowie Denkmalpflege und kulturelle Anforderungen zusammenzuführen, so dass die Ergebnisse auf andere Friedhöfe übertragbar sind.

In den Begrüßungsansprachen wurde betont, dass es nicht nur um die Bewahrung von Grünflächen für die Zukunft und die Verstetigung des bürgerschaftlichen Engagements geht, sondern auch darum Konfliktpotentiale zwischen unterschiedlichen Nutzungsansprüchen zu erkennen. Dreh- und Angelpunkt ist dabei die Frage: Was sind Friedhöfe heute? Einige Antworten ergaben die anschließenden Vorträge, die in die vier Bereiche „Friedhöfe als kulturhistorische Orte“, „Zukünftige Friedhöfe“, „Erinnerung und Trauer verändern sich“ und „Aufbruch in Ohlsdorf“ gegliedert waren.

Freitag, 14. April 2017

OHLSDORF 2050 – NACHHALTIGE FRIEDHOFSENTWICKLUNG

Grabfeld aus den 50er Jahren auf dem Ohlsdorfer Friedhof
(Foto Leisner)
Ein kurzer Hinweis auf die Tagung "OHLSDORF 2050" im Forum Ohlsdorf am 27. und 28. April 2017. Die Anmeldefrist ist leider schon abgelaufen. Ich selbst werde dort sein und hier berichten.

Die Tagung mit internationalen Gästen gehört zur Entwicklung der "Nachhaltigkeitsstrategie Ohlsdorf 2050", die im Rahmen des Bundesprogramms „Nationale Projekte des Städtebaus“ gefördert wird. Dabei soll die Friedhofsentwicklung "auch mit einem Blick über die Grenzen Deutschlands" beleuchtet werden. Der aktuelle Stand der Strategie für den Ohlsdorfer Friedhof wird ebenfalls vorgestellt werden. Das Programm ist hier veröffentlicht.

Mittwoch, 6. April 2016

Ohlsdorf - Projekt 2050

Titelseite Nr. 132
Frühjahrsausgabe der Ohlsdorfzeitschrift
Ich bin mit dem Posten etwas in Verzug gekommen, weil ich im letzten Monat verreist war. Aber jetzt soll es wieder wie gewohnt weiter gehen.

Als erstes hier der Hinweis auf die Frühjahrsausgabe unserer Ohlsdorfzeitschrift, die sich in ihrem Schwerpunktthema mit dem Projekt "Ohlsdorf 2050" befasst, dass ja auch hier und hier im Blog schon Thema war. Es geht uns vom Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof e.V. dabei natürlich besonders um die Frage des Denkmalschutzes auf dem Friedhof! Die Beiträge kann man online nachlesen.

Das Projekt selbst ist im Augenblick in eine wichtige Phase gekommen. Es geht jetzt um die vorgeschriebene Bürgerbeteiligung. Alles, was man darüber wissen muss, steht auf der Website der Stadt Hamburg, auf der man noch "bis zum 25. Mai 2016 Ideen, Fragen und Vorschläge äußern und so die Zukunft des Parkfriedhofs mitgestalten kann". 

Außerdem wird es dazu von seiten der Stadt Hamburg verschiedene Veranstaltungen geben, zu der die interessierten Bürger eingeladen sind. Eine Anmeldung ist dabei nicht erforderlich. Folgende Veranstaltungen sind vorgesehen:

Impulsabend
  • Freitag, den 29.04.2016 von 17:30 bis 21:00 Uhr.
  • Ort: Friedhof Ohlsdorf. Bestattungsforum. Fritz-Schumacher-Halle 
  • Thema: Informationen und Dialog zur Ohlsdorf 2050 
Erste Entwurfswerkstatt
  • Samstag, den 30.4.2016 von 9.30 bis 13.15 Uhr.  
  • Ort: Friedhof Ohlsdorf. Bestattungsforum. Cordes-Halle 
  • Thema: Neue Nutzungskonzepte für den Parkfriedhof Ohlsdorf 
Friedhofsführungen zum Thema Ohlsdorf 2050
  • Im April: 10.4., 12.4., 17.4., 19.4. und 26.4.2016 - jeweils von 15.00 bis 16.30 Uhr
  • 24.4.2016 von 10.00 bis 11.30 Uhr 
  • Thema: Friedhofsentwicklung Ohlsdorf 2050 
  • Treffpunkt: Friedhofsseite des Ohlsdorfer Verwaltungsgebäudes  
Tag der Städtebauförderung
  • Samstag, den 21.5.2016 von 11.00 bis 17.00 Uhr.  
  • Ort: Hamburger Bestattungsforum Ohlsdorf 
  • Themen: Ausstellungseröffnung, Erkundungstouren (1 1/2 Stunden) und Vorträge zu Ohlsdorf 2050
Zweite Entwurfswerkstatt
  • Mittwoch, 15. bis Freitag, 17.6.2016 
  • Ort: Friedhof Ohlsdorf, Bestattungsforum.  
  • Thema: Entwicklung von umsetzbaren Bürgerprojekten für den Parkfriedhof Ohlsdorf
 
Auf der Internetseite www.hamburg.de/ohlsdorf2050 finden man weitere Informationen zum Projekt Ohlsdorf 2050. Dort kann man auch Beiträge verfassen und an einer Umfrage teilnehmen.




Samstag, 2. Januar 2016

Ruhe bewahren - Ein Exkurs über die Qualiätten von Begräbnisstätten anhand des Ohlsdorfer Friedhof

Bachelorarbeit Nina Borowska 2015
Nina Borkoska hat 2015 eine Bachelorarbeit/ Masterthesis im Rahmen des Masterstudienganges Urban Design an der Hafencity Universität Hamburg geschrieben, die sich mit dem Ohlsdorfer Friedhof beschäftigt. Die Arbeit besticht besonders durch ihr sorgfältig gestaltetes Design und die vielen Grafiken, mit denen die Autorin ihre Aussagen bildlich verdeutlicht.

Nach der üblichen Vorstellung ihres Forschungsfeldes stellt Borowska die Frage nach der Rolle des Friedhofes für die Stadt und seinen notwendigen Elementen, die sich nicht verändern können oder düfen, um ihn seiner Daseinsberechtigung zu berauben.

Danach gibt sie einen kurzen Abriss über die Entwicklung der Bestattungskultur und nennt als treibende Faktoren des gegenwärtigen Wandels "unsere von der Verdrängung des Todes geprägte, Gesellschaft"; "das vermeintliche Desinteresse der Hinterbliebenen"; die wachsende Bedeutung "pflegefreier Grabstätten" sprich die sogenannte "Ökonomisierung" der Bestattung, die in einem Zirkelschluss zu "steigenden Überhangflächen des Friedhofes" und damit steigenden "Kosten für Gräber und Grabpflege" führen, was wiederum aufgefangen werden müsse durch "günstigere Bestattungen und Bestattungsformen". Daneben führt sie die Entwicklung zur Kleinfamilie und zu alternativen Lebensweisen an, durch die "auch die Themen- bzw. Gemeinschaftsgrabstätten" entstehen, die gleichzeitig als ein Zeichen der wachsenden Individualisierung gesehen werden. Natürlich kann man von einer Masterarbeit nicht verlangen, dass sie umfassend und strukturiert die vielfältigen Faktoren beleuchtet, die zum Wandel der Friedhofskultur führen.

Im Folgenden widmet die Autorin sich dem Ohlsdorfer Friedhof und seiner Bedeutung für die Stadt, die sie unter die Schlagworte "Bestatten & Trauern", "Erholung", "Begegnungspunkt", "Biotopschutz", "Erinnern und Mahnen", "Erlebnis  & Erfahren", "Raum für Rituale" und "Entsorgung", "Stadt der Lebenden/Stadt der Toten" subsummiert. Bei der Untersuchung der "notwendigen Elemente eines heutigen Friedhofs", geht sie von der Frage aus, wie wir in Erinnerung bleiben wollen und fasst ihre Antworten jeweils unter Stichworten zusammen: als da sind soziale Identität, individuelle Grabstätte-Grabsteine, Vergemeinschaftung und virtuelle Erinnerung. Etwas unvermittelt folgt darauf die Frage nach dem Verhalten auf dem Friedhof, das sie verschiedenen Typen zuordnet - erst an zweiter Stelle folgt dabei auf den "Spaziergänger" der "Grabbesucher". Nicht ganz ersichtlich wird, wie sich der "flüchtige Besucher" vom "Touristen" unterscheidet und warum "Liebespaare" und "Individuen" - darunter werden sowohl Diebe wie Grufties genannt - eigene Kategorien bilden.

Im Vergleich mit dem Winterhuder Stadtpark stellt sie der reinen Erholungsfunktion des Parks die Doppelfunktion des Friedhofs als Ruheort Verstorbener und als Erholungsort gegenüber und bestimmt damit den Friedhof im Gegensatz zum Park als Ort der Besinnung und Ruhe, wo pietätvolles Verhalten eine wichtige Rolle spielt. Dabei erwähnt sie die Gefahr, dass durch eine Verschiebung der Funktionen auf dem Friedhof, dieser "seine jetzigen Qualitäten verliert. Wandelt sich ein Friedhof immer mehr zu einem Park bzw. zu einer grünen Fläche, so entstehen Orte zweifelhafter Bedeutung". Für das zukünftige Konzept "Ohlsdorf 2050" konstatiert sie dabei:  "Fest steht, dass ein großer Teil des Friedhofs entwidmet wird und kleine Bestattungsoasen entstehen sollen. Die Flächen dazwischen werden wahrscheinlich Parkflächen. Das Konzept Ohlsdorf 2050 sieht in seiner jetzigen Form vor die jetzige Einfriedung zu erhalten. Sieht jedoch das Problem, dass eine friedhofsinterne Begrenzung der Bestattungsoasen zu den Park- oder Naturflächen entstehen muss."

Ingesamt gibt die Arbeit eher einen allgemein gehaltenen Überblick über die Friedhofsentwicklung und -Gestaltung in Hamburg und damit eher einen Einstieg in das Thema und nicht so sehr eine tiefere und kausal strukturierte Durchdringung der Problematik des Bedeutungswandels der Bestattungsflächen in unserer Zeit. 

Nina Borkowska, R U H E BEWA H R E N. Masterthesis entstanden im Rahmen des Masterstudienganges Urban Design an der Hafencity Universität Hamburg. Sommersemester 2015 

Donnerstag, 22. Oktober 2015

Nachhaltigkeitsstrategie „Ohlsdorf 2050“: Szenarien und Leitbilder – ein Workshop

Prof. Dr. Norbert Fischer hat mir erlaubt seinen Artikel zum Workshop in Ohlsdorf hier zu veröffentlichen. Leider konnte ich nicht teilnehmen. Umso größer mein Dank, dass ich hier berichten kann:

Das Schumacherkrematorium im Bestattungsforum
auf dem Ohlsdorfer Friedhof (Foto Leisner 2014)
"Am 12. Oktober 2015 fand im „Bestattungsforum“ des Ohlsdorfer Friedhofs in Hamburg ein Experten-Workshop über die künftige Entwicklung des Friedhofs statt. Dabei ging es in erster Linie um Nutzung und Gestaltung der sich angesichts verändernder Bestattungsstile (u.a. weiterer Anstieg der Feuerbestattungen, Beisetzungen außerhalb des Friedhofs) zu erwartenden zunehmenden Freiflächen auf dem Friedhof. Mit dem Projekt, das durch den Bund finanziell gefördert wird, wurde das Berliner Büro „bgmr Landschaftsarchitekten“ zusammen mit der Berliner Garten- und Landschaftsarchitektin Karin Lesser beauftragt.

Begrüßt wurden die Teilnehmer von Wolfgang Purwin (Geschäftsführer Hamburger Friedhöfe AöR), Michael Pollmann (Staatsrat der Hamburger Behörde für Umwelt und Energie) sowie Bastian Wahler-Zak (Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung). Auf eine Kurzvorstellung des Projektes durch Heino Grunert (Hamburger Behörde für Umwelt und Energie) folgten unter der Moderation von Carlo W. Becker (bgmr Landschaftsarchitekten) vier Impulsvorträge aus unterschiedlichen Perspektiven: Norbert Fischer (Institut für Volkskunde/Kulturanthropologie, Universität Hamburg) erläuterte aus kulturhistorischer Perspektive den sich wandelnden Zusammenhang zwischen Stadtgesellschaft und Begräbnisplätzen. Thomas E. Hauck (Fachgebiet Freiraumplanung, Universität Kassel) stellte unter dem Stichwort „Animal-Aided Design“ neue Konzepte und Trends zwischen Naturschutzentwicklung und Landschaftsarchitektur vor. Christoph Keldenich (Aeternitas e.V., Königswinter) referierte über aktuelle Tendenzen in der Bestattungskultur, die er unter anderem durch Umfrageergebnisse belegte. Die Berliner Garten- und Landschaftsarchitektin Katrin Lesser beschrieb an Hand zahlreicher historischer Fotos die Entwicklung des „Gartendenkmals Ohlsdorfer Friedhof“. Nach der Mittagspause erläuterte Dirk Christiansen (bgmr Landschaftsarchitekten, Berlin) die bisher entwickelten möglichen Szenarien zur neuen Gestaltung und Nutzung der Friedhofsflächen. Er stellte vier Modelle vor, die für den Ohlsdorfer Friedhofs ein Zusammenspiel von Belegungsflächen und parkähnlichen Nutzungen in jeweils unterschiedlichen Konstellationen vorsehen.

Anschließend diskutierten die Teilnehmer des Workshops in vier Arbeitsgruppen im Tischwechsel die in den Impulsvorträgen bzw. von Dirk Christiansen dargelegten Themen und Konzepte. Die Ergebnisse wurden anschließend von den Arbeitsgruppen im Plenum vorgetragen. Abgeschlossen wurde der Workshop durch ein Resümée von Carlo W. Becker (bgmr Landschaftsarchitekten, Berlin) und einer Führung über den Ohlsdorfer Friedhof mit Marc Templin (Hamburger Friedhöfe AöR). Eine Dokumentation der Ergebnisse ist vorgesehen."