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Donnerstag, 28. Juni 2018

Germania und die Kirchhöfe - Eine Spurensuche

Grabstätten vom Zwölf-Apostel-Kirchhof auf demStahnsdorfer Friedhof (Foto Leisner 2012)  




Zum 80. Jahrestag laden die Zwölf-Apostel-Kirchhöfe in Berlin laden zusammen mitdem Südwestkirchhof Stahnsdorf und in Kooperation mit den Berliner Unterwelten e.V.zu einer besonderen Tagestour ein. Die Teilnehmer gehen dabei gemeinsam mit dem Verein Berliner Unterwelten auf eine Spurensuche nach den großspurigen Plänen der Nationalsozisalisten, Berlin zur "Reichshauptstadt Germania" umzugestalten. Das führte vor 80 Jahren zur teilweisen Zerstörung der Zölf-Apostel-Kirchhöfe, als mit den Vorarbeiten begonnen wurde.

Damals sollten monumentale Magistralen Berlin durchschneiden undüberdimensionierte Kolossalbauten den Herrschaftsanspruch der Nazis demonstrieren. Dafür wurde ein Drittel der Gräber - darunter große Wandgräber und Mausoleen - vom Alten St.-Matthäus Kirchhof auf den Südwestkirchhof in Stahnsdorf umgebettet. Der Neue Zwölf-Apostel-Kirchhof wurde zur Hälfte geräumt, wobei die Toten in Stahnsdorf wiederbestattet wurden. Erst der Kriegsbeginn im Jahr 1939 stoppte die Räumungsarbeiten. Die Spuren der Umbettungsaktionen sind noch heute auf den beiden Friedhöfen zu erkennen und erinnern an die Maßlosigkeit nationalsozialistischer Stadtplanung, die auch in anderen Städten vor Toten und - besonders vor den jüdischen Toten - nicht Halt machte.

Aber auch auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf findet sich diese Erinnerung: Dort sind in den beiden Bereichen der Alten und der Neuen Umbettung zum einen die großen Mausoleen und Wandgräber zu sehen, zum anderen aber - heute fast zugewucherte - eine große Fläche mit den Grabfeldern, auf denen jene einstmals umgebettteten Toten und ihre Grabmäler zu finden sind.

Zum ersten Mal werden bei dieser Veranstaltung Ausgangspunkt und Ziel dieser gewaltigen Umbettungsaktion miteinander verbunden: Nach der Exkursion in Schöneberg geht es mit dem Bus nach Stahnsdorf. Die Führungen werden von Mitgliedern des Vereines „Berliner Unterwelten“ die seit Jahren zum Thema „Reichshauptstadt Germania“ forschen und publizieren, durchgeführt.

Wer dabei sein will, sollte sich bald anmelden: stahnsdorf.apostel@gmail.com
Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Die Teilnahme kostet 15 Euro Pro Person

Tagesfahrt Sonntag, 23. September 2018, 11 Uhr
Treffpunkt: Eingang Alter St.-Matthäus-Kirchhof  • Busfahrt zum Neuen Zwölf-Apostel-Kirchhof • Anschließend Busfahrt zum Südwestkirchhof Stahnsdorf • Rückkehr mit dem Bus am Abend
Für Verpflegung wird gesorgt

Veranstalter:
Zwölf-Apostel-Kirchhöfe, Öffentlichkeitsarbeit, Kolonnenstraße 24-25,10829 Berlin
Südwestkirchhof Stahnsdorf, Bahnhofstraße 2, 14532 Stahnsdorf

 

Freitag, 12. Mai 2017

Tagungsbericht: Ohlsdorf 2050 - Nachhaltige Friedhofsentwicklung


Vortrag von Prof. Dr. Gabriele Dolff-Bonekämper
Gartenarchitekten, Friedhofsverwalter, Gärtner, ebenso wie Historiker und Denkmalpfleger kamen auf dem Ohlsdorfer Friedhof, um sich über die Friedhofentwicklung und speziell die aktuellen Planungen für die Ohlsdorf zu informieren. Die international angelegte Tagung fand im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie "Ohlsdorf 2050" statt und war mit etwa hundert Teilnehmern sehr gut besucht. Gefördert wird die Zukunftsstrategie vom Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“. Modelle für eine angepasste und nachhaltige Friedhofspflege sollen dabei erarbeitet und eine dauerhafte Finanzierbarkeit gesichert werden. Außerdem besteht die Vorgabe wirtschaftliche und umweltrelevante Ziele sowie Denkmalpflege und kulturelle Anforderungen zusammenzuführen, so dass die Ergebnisse auf andere Friedhöfe übertragbar sind.

In den Begrüßungsansprachen wurde betont, dass es nicht nur um die Bewahrung von Grünflächen für die Zukunft und die Verstetigung des bürgerschaftlichen Engagements geht, sondern auch darum Konfliktpotentiale zwischen unterschiedlichen Nutzungsansprüchen zu erkennen. Dreh- und Angelpunkt ist dabei die Frage: Was sind Friedhöfe heute? Einige Antworten ergaben die anschließenden Vorträge, die in die vier Bereiche „Friedhöfe als kulturhistorische Orte“, „Zukünftige Friedhöfe“, „Erinnerung und Trauer verändern sich“ und „Aufbruch in Ohlsdorf“ gegliedert waren.

Mittwoch, 16. September 2015

Tagung: Erinnerungslandschaften - Friedhöfe als kulturelles Gedächtnis

Im Dezember findet in Rostok zum fünften Mal die Funerale statt, veranstalte von der Theologischen Fakultät der Universität und der Verbraucherinitiative Aeternitas e.V. In diesem Jahr werden Friedhöfe als historische Erinnerungslandschaften von verschiedenen Seiten in den Blick genommen. Hier das Tagungsprogramm (kann man auch hier herunterladen):



Samstag, 4. Juli 2015

Friedhof und Denkmal - das Heft zur Tagung "Historische Friedhöfe"

Das Heft zur Tagung!
Titelseite der Ausgabe 2/3-2015 von Friedhof und Denkmal
Die Tagung ist vorbei, der Bericht steht im vorherigen Post, und auch das Doppelheft von "Friedhof und Denkmal" ist schon eine Weile herausgekommen.

Zur Tagung lag es schon in der Mappe, aber leider war es zu einer Panne gekommen, die Bilder waren nicht scharf gedruckt, so dass man bei einigen das Gefühl hatte doppelt zu sehen. Die Auflage ging zurück und eine Woche später war dann ein verbessertes Ergebnis zu haben.

Da ich an dem Heft mitgearbeitet und mitgeschrieben habe, mag ich es hier nicht rezensieren, sondern veröffentliche nur die Titelseite und das Inhaltsverzeichnis. Aber ich kann versprechen, die Aufsätze sind alle interessant und werfen ein facettenreiches Bild auf das Thema "Historische Friedhöfe".

Inhaltsverzeichnis von Friedhof und Denkmal 2/3 2015
Wer sich für meinen Beitrag über die Grabmalerhaltung am Beispiel des Ohlsdorfer Friedhofs interessiert, kann den Text unter diesem Link herunterladen.

Montag, 8. Juni 2015

Der Heidefriedhof in Dresden

Gerade bereite ich mich auf die Tagung historische Friedhöfe in Kassel vor, bei der ich den II. Block mit dem Titel "Vermittlung" moderieren werde. Vorstellen werde ich der Reihe nach:
- Dipl.-Ing. Niels Biewer von der Hochschule Osnabrück, Fakultät Agrarwissenschaften und Landschaftsarchitektur. Er wird über die Nutzung ehemaliger Friedhöfe sprechen, da er sich intensive im Rahmen eines Froschungsprojektes mit der Folgenutzung von Friedhöfen auseinandergesetzt hat. Dabei hat er unter anderem eine Geocache-Tour auf dem Jüdischen Friedhof und dem Johannisfriedhof in Osnabrück.entwickelt, die mit modernster Technik eindrucksvollem Geschichtsunterricht: bietet.
- Dipl.-Ing. und Historiker Matthias Neutzner aus Dresden, dessen Vortrag den Titel trägt:
"Vom Memorialkombinat zum Lernort? Der Dresdner Heidefriedhof als Beispiel für die konflikthafte Neuorientierung im öffentlichen Umgang mit historischen Grabanlagen". Im Internet bin ich auf dieses interessante Video   über den Dresdener Heidefriedhof gestoßen, in dem er die besondere Geschichte des Erinnerns in Dresden kompetent erläutert. Bekannt geworden ist er außerdem durch seinen innovativen Forschungsansatz zur Frage der Opferzahlen des Luftangriffes auf Dresden. Auf der Tagung wird er sicher von den allerneuesten Entwicklungen der Erinnerungskultur auf dem Heidefriedhof berichten.
. Lanschaftsarchitektin Christa Ringkamp, Gründerin und Leiterin des Büros HORTEC Berlin, das seit 1984 Garten- und Landschaftsplanung und Gartendenkmalpflegeprojekte durchführt. Sie berichtet für die Stiftung Historische Kirchhöfe und Friedhöfe in Berlin und Brandenburg über das Projekt der Friedhofs-APP: „Wo sie ruhen“.

Freitag, 22. Mai 2015

Umgang mit alten Friedhöfen

Titelseite der Ohlsdorf-Zeitschrift Nr. 129
Die Tagung "Historische Friedhöfe" in Kassel vom 12. – 13. Juni 2015 wirft ihre Schatten voraus. Der Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof e.V. nimmt jetzt mit dem Schwerpunktthema "Umgang mit alten Friedhöfen" in seiner "Zeitschrift für Trauerkultur" darauf Bezug. Drei Beiträge beschäftigen sich mit verschiedenen Aspekten: Helmut Schoenfeld beleuchtet die Herkunft der Ohlsdorfer Anlage; Sylvina Zander stellt den historischen Friedhof zu Horst und seine Grabsteine vor und ich habe über "Alte Grabmale - moderne Medien" geschrieben. Dazu gibt es noch eine ganze Reihe von kleineren Beiträgen, die man alle wie immer online oder in gedruckter Form nachlesen kann.

Zu bestellen ist die gedruckte Form beim Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof e.V., Fuhlsbüttler Strasse 756, 22337 Hamburg, Telefon: 040 / 50 05 33 87 | E-Mail: info@fof-ohlsdorf.de

Donnerstag, 21. Mai 2015

Vom Kirchhof zum Friedhof - Mecklenburgische Sepulkralgeschichte der Neuzeit

Titelseite: Scheidig, Vom Kirchhof
zum Friedhof 
Dieter Scheidig hat für seine Publikation über die Mecklenburgische Friedhofsgeschichte den ehrwürdigen Titel "Vom Kirchhof zum Friedhof" gewählt. Ähnlich benannte schon in den 1950er Jahren Johannes Schweizer seine Abhandlung "Kirchhof und Friedhof : eine Darstellung der beiden Haupttypen europäischer Begräbnisstätten" (Linz an der Donau : Oberösterr. Landesverl., 1956) und denselben Titel "Vom Kirchhof zum Friedhof" erhielt dann 1984 der zweite Band der Kasseler Studien zur Sepulkralkultur, der das Mühlheimer Symposium zum Forschungsprojekt "Erfassung und Dokumentation der Sepulkralkultur des Klassizismus der Romantik und des Biedermeiers" dokumentierte.

Auch Scheidig befasst sich in seiner Publikation hauptsächlich mit der ersten Verlegungswelle der Friedhöfe seit den Ende des 18. bis in das 19. Jahrhundert hinein, auch wenn er zwischendurch bis in die Reformationszeit zurückgeht. Sein Forschungsgebiet ist die Entwicklung der Sepulkralkultur im Mecklenburger Raum, wobei er von einzelnen Begräbnissen des Adels im Landschaftspark ausgeht, in einem längeren Kapitel die Friedhofsentwicklung im allgemeinen und dann diejenige von 15 ausgesuchten unterschiedlich großen Städten darstellt. Anschließend geht er in vier sogenannten Fallstudien ausführlicher auf die Friedhofsentwicklung in Schwerin, Rostok, Parchim und Wismar ein und ruft am Schluß eindringlich zum Erhalt des sepulkralen Kulturerbes auf.