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Dienstag, 15. Oktober 2019

Tier und Tod - Mensch und Tier am Beispiel von Tierbestattungen

Cover von: Ulrike Neurath, Tier und Tod
Über Tierfriedhöfe habe ich auf diesem Blog schon mehrere Beiträge veröffentlicht (sie sind am besten über die Suchfunktion des Blogs auf der rechten Seite zu ermitteln). Jetzt ist die Dissertation von Ulrike Neurath, der Konservatorin des Kasseler Sepulkralmuseums, erschienen, die sich intensiv mit diesem Thema auseinandersetzt. Ausgangspunkt der Untersuchung von Tierfriedhöfen in Deutschland ist die Frage nach dem Wandel der Beziehung zwischen Mensch und Tier. Dazu umreißt die Autorin, bevor sie auf das tote Tier eingeht, zuerst die Geschichte des menschlichen Umgangs mit Tieren: ausgehend von jener Zeit, in der Tiere vorrangig als Rohstofflieferanten dienten, über die Verwendung als Arbeitskraft in ganz unterschiedlichen Kontexten, bis zum Heimtier als engen häuslichen Gefährten des Menschen. Auch der Umgang mit toten Tieren hat sich im Laufe der Jahrhunderte gewandelt und reicht von der Nichtbeachtung über die Verwertung der Kadaver durch Angehörige der unehrlichen Berufe bis zur auch heute noch bestehenden Tierkörperbeseitigungsanstalt.

Beide Abschnitte bilden die notwendige Vorinformation für den Hauptteil der Arbeit, in dem es zuerst um die Geschichte der Tierbestattung im Allgemeinen geht, die von den Katzenmumien im Alten Ägypten bis zu den Gräbern der Hunde Friedrich II. auf der Terrasse von Sanssouci und darüber hinaus reicht. Dagegen sind Tierfriedhöfe noch eine relativ junge Erscheinung, die mit dem Erstarken des Bürgertums verbunden werden kann.

Das Hauptaugenmerk der Autorin liegt allerdings auf den neuen Tierfriedhöfen, die seit dem ausgehenden 20. Jahrhundert in Deutschland in immer größerer Zahl entstehen. Auf einer ausgesuchten Anzahl dieser neuen Friedhöfe hat sie die Anlagen selbst und besonders die Grabstätten für die "kleinen Lieblinge" genau unter die Lupe genommen. Sie hat dafür die Grabstätten inventarisiert und kategorisiert und im Anschluss daran sowohl die Grabmale mit ihren Inschriften, wie die Gestaltung der Grabflächen einer genauen Analyse nach Themen und Motiven unterzogen.
Farbige Abbildungen von Tiergrabstätten (S. 166/67)


Dabei sind die zahlreichen schwarz-weißen Abbildungen der Gräber, sowie die farbigen Grabfotos in der Mitte des Buches sehr hilfreich, weil sie die Einzelanalysen jeweils bildlich belegen. Das überraschende Ergebnis dieser Untersuchung ist die Erkenntnis, dass die religiösen Jenseitsvorstellungen, die offiziell im Christentum nur für den Menschen gelten, ungefragt für die Tiere übernommen werden. Zudem sind die Grabstätten der Heimtiere nicht nur denen der Menschen und besonders denen der Kinder ähnlich, sondern gehen in ihrer überbordenden Gestaltung emotional sogar weit über die Möglichkeiten der Humangrabstätten hinaus. Das lässt für mich übrigens die Schlussfolgerung zu, dass die auf Humanfriedhöfen geregelte Grabgestaltung den Bedürfnissen der Trauernden wahrscheinlich nicht gerecht wird. Mit den Gestaltungssatzungen, die z.T. noch aus der Zeit der Friedhofsreformbewegung stammen, werden offensichtlich ästhetische Vorstellungen transportiert, bei denen der Wunsch der Angehörigen ihrer eigenen Trauer einen persönlichen Ausdruck zu geben mehr oder weniger ignoriert wird.

Durch die Arbeit von Ulrike Neurath wird aber auch die Intensität des – relativ neuen – Wandels vom Nutz- und Haustier zum Heimtier deutlich. Die Autorin zeigt auf, wie das Heimtier immer stärker anthropomorphisiert und damit zum Partner und sogar „besseren Menschen“ gemacht wird, um den z.T. tief getrauert wird. Mit dieser grundlegenden Untersuchung hat sie so ein neues Kapitel in der kulturwissenschaftlichen Betrachtung des Verhältnisses von Mensch und Tier aufgeschlagen, durch das auch für Humanfriedhöfe weitergehende Fragen aufgeworfen werden.

Ulrike Neurath, Tier und Tod. Mensch und Tier am Beispiel von Tierbestattungen. Fachhochschulverlag Frankfurt a. M. 2019, 344 S., zahlreiche schw.-w. und farbige Abbildungen, 25,00 Euro

Donnerstag, 16. Mai 2019

Tier und Tod - Schwerpunkt der neuen Ausgabe von Friedhof und Denkmal

Titelseite der neuen Ausgabe von Friedhof und Denkmal
Die neue Ausgabe der Kasseler Zeitschrift Friedhof und Denkmal sammelt unter dem Schwerpunkt Tier und Tod eine Reihe von interessanten Beiträgen, in denen es um den Tod und die Bestattung von Tieren geht. Ulrike Neurath widmet sich den Tierfriedhöfen als altes und neues Kulturphänomen und misst in einem zweiten Beitrag die Beziehung zwischen dem Mensch und seinem Heimtier an dem Erscheinungsbild der Tiergräber aus. Um Tiere im Kriegseinsatz geht es bei Reiner Pöppinghagen, während Eberhard Goebel zeigt, dass es erstaunlicherweise im 19. Jahrhundert nicht nur Totenfotografien von Menschen, sondern auch solche von Tieren gegeben hat. Auch Lukasz Nieradzik siedelt seinen Beitrag über Technik und das Schlachten von Tieren im 19. Jahrhundert an, während Andreas Kahs die Tiergräer am Beispiel der Friedhöfe in Wien thematisiert und der Besuch in einem Pferdekrematorium in die unmittelbare Gegenwart führt. Insgesamt ist dieses Heft für alle, die das Thema interessiert eine echte Fundgrube!

Dienstag, 20. Februar 2018

Tierfriedhöfe

Die neue Ausgabe von "Ohlsdorf - Zeitschrift für Trauerkultur" ist gerade mit dem Schwerpunktthema "Tierfriedhöfe" erschienen. Ulrike Neurath, Kustodin im Museum für Sepulkralkultur in Kassel, die im letzten Jahr über dieses Thema promoviert hat, beschreibt darin in zwei Beiträgen die Geschichte und Gegenwart der Tierbestattungen.

Ein weiterer Beitrag führt auf den Tierfriedhof am Wiener Zentralfriedhof. Und es gibt unter anderem auch eine Geschichte vom Ohlsdorfer Friedhof zu lesen, die mit einer toten Katze und dem Diebstahl einer Tasche zu tun hat ...

Die gedruckte Zeitschrift kann beim Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof e.V. bestellt werden (Das Jahresabo kostet 15,00 Euro, aber es können auch Einzelhefte gekauft werden).

(Übrigens findet man dieses Thema auch hier und hier in diesem Blog.)