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Donnerstag, 16. Oktober 2025

Call for papers - Transmortale XV

Eingang zum Gräberfeld für die Toten des Konzentrationslagers in Moorkaten (Foto Leisner) 
In diesem Blog wird seit Jahren über den Tagungsworkshop "transmortale" berichtet. Im kommenden Jahr findet er zum fünfzehnten Mal statt und zwar am 6./7. März 2026 im Museum für Sepulkralkultur (Kassel). Er beginnt am Freitagabend, 6. März mit einem Kolloquium im Rahmen einer Buchpräsentation. Der Samstag, 7. März, steht – thematisch offen – Nachwuchs-Wissenschaftler:innen zur Vorstellung ihres an Sepulkralkultur ausgerichteten Forschungsprojektes oder ihrer Qualifikationsarbeit zur Verfügung. Es können auch Vorschläge für Posterpräsentationen eingereicht werden. 

Die Themen rund um den Tod beschäftigen im Bereich von Friedhof und Grab schon immer Disziplinen wie Archäologie, Ethnologie, Kulturanthropologie oder Kunstgeschichte. Inzwischen interessieren sich jedoch ganz unterschiedliche Disziplinen für den Wandel der Trauer- und Bestattungskultur, zum Beispiel die Soziologie, Psychologie, Geschichte, Medizin(-Ethik), Gesundheits- und Pflegewissenschaften, Geschlechterforschung sowie Kultur- und Medienwissenschaften. Der Workshop transmortale richtet sich an junge Wissenschaftler:innen, die sich in der Abschlussphase einer Qualifikationsschrift befinden, aber auch an Postdocs und andere interessierte Forschende. Ihnen wird die Möglichkeit gegeben, neue Perspektiven zu entwerfen und sie in größerer Runde zu diskutieren. Ziel ist eine interdisziplinäre Auseinandersetzung, die empirische und theoretische Ansätze zusammenführt und einen intensiven Austausch eröffnet. 

Tagungssprache ist Deutsch, es sind aber auch englischsprachige Beiträge möglich. Für Referierende werden die Kosten für maximal eine Übernachtung und die Verpflegung während der Tagung übernommen.

Wer Interesse hat, sein Forschungsprojekt in einem Vortrag/einer Präsentation (max. 20 Minuten) oder in Form eines Posters vorzustellen, sendet bitte seinen Themenvorschlag bis zum 31. Oktober 2025 (mit Abstract von max. einer Seite inkl. Curriculum Vitae) an die folgende E-Mail-Adresse: niedermeyer@sepulkralmuseum.de
 

Weitere Informationen sind hier zu finden.

Sonntag, 5. Oktober 2025

HALT - Das Jahrbuch für Sepulkralkultur 2024 und 2025

Seit dem letzten Jahr hat die Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal die Herausgabe der seit 1956 erschienenen Zeitschrift „Friedhof und Denkmal“ eingestellt, in deren Redaktion auch ich eine ganze Zeit mitgearbeitet habe. Statt ihrer ist im selben Jahr zum ersten Mal das Jahrbuch mit dem sprechenden Titel „HALT“ erschienen, das in diesem Jahr zum zweiten Mal herausgegeben worden ist. 

Beide Jahrbücher versammeln Interviews und Gastbeiträge von und mit renommierten Gesprächspartnern und Wissenschaftlerinnen, Berichte aus der Forschung des Zentralinstituts für Sepulkralkultur, Neuigkeiten und Einblicke in die Sammlung, Artikel zu Themen aus der Friedhofs- und Bestattungskultur sowie künstlerisch-ästhetische Zwischenspiele. Dazu gibt es eine Fülle von illustrativen Bildern und Fotografien. Gestaltet wurden beide Jahrbücher von Pascal Kress (The Floor Show, Berlin), die künstlerischen Illustrationen stammen von der in Kassel lebenden Malerin Aliaa Abbou Khaddour.

In der zugehörigen Presseinformation zu diesem Jahrbuch heißt es, dass man darin transdisziplinär auf die Endlichkeit blickt und so den Dialog über dieses – für viele Menschen schwierige – Thema weiter führt. „Halt! So wie es bisher war, wird es nie wieder sein“, diese Einsicht und Erfahrung wird den Lesern schon mit der kräftigen Schrift und den sprechenden Titelbildern des Covers direkt vor Augen gehalten. 

Freitag, 24. Mai 2024

"HALT" - Das Jahrbuch für Sepulkralkultur 2024


Cover des neuen Jahrbuchs

Die Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal e.V. in Kassel hat auf ihrer letzten Jahresversammlung beschlossen die vierteljährlich erscheinenden Zeitschrift "Friedhof und Denkmal", die seit 1956 zuerst als Informationsblatt für die Mitglieder später als anspruchsvolle Vierteljahresschrift herausgegeben wurde zugunsten anderer Medien einzustellen. Für die Mitglieder und Freunde des Vereins gibt es inzwischen einen Newsletter, der per Mail verschickt wird und im Augenblick relativ häufig im Postfach landet. Als "wertige" Publikation ist nun kurz vor der diesjährigen Mitgliederversammlung das erste Jahrbuch des Vereins mit dem aussagekräftigen Titel "Halt" erschienen und kam heute zusammen mit der letzten Ausgabe der Zeitschrift mit der Post. 

Das Jahrbuch soll, so steht es in der letzten Ausgabe der Zeitschrift, "sowohl in Form wie auch Inhalt die Arbeit des Vereins, des Museums und des Zentralinstituts für Sepulkralkultur sowie das Alleinstellungsmerkmal dieser Konstellation sichtbar" machen. Zudem wird damit eine "Öffnung in die Gesellschaft" angestrebt, wodurch auch das Netzwerk erweitert werden soll.

Cover der letzten Ausgabe

Die letzte Ausgabe der Zeitschrift trägt auf der Rückseite eine Art Todesanzeige mit den Daten: "* Juni 1956 - + April 2024". Die Texte stammen teilweise von Anna Lischper M.A., die im Museum für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, das Museumsmarketing und die Redaktion zuständig ist. Dabei überschneidet sich der Inhalt in einigen Teilen mit dem des neuen Jahrbuchs. In den Rubriken "Museum", "Ausblick", "Sammlung und Forschung", "Verein" und "Termine" werden unter anderem vergangene und gegenwärtige Ausstellungen des Museum und seine Neukonzeption thematisiert. 

Rückseite der letzten Ausgabe
Ebenso wie die letzte Ausgabe der Zeitschrift hat das auch neue Jahrbuch ein ambitioniertes und ansprechendes Layout. Dazu kommt in der 88seitigen, großformatien Broschüre eine für ältere Augen sehr freundliche Schriftgröße und Gestaltung. 

Aufgelockert werden die Beiträge durch Kurzgeschichten und immer einmal wiederkehrende Seiten mit dem Thema "Mein Friedhofsmoment", auf denen Friedhofsbilder und die zugehörigen Gedanken jener, die sie fotografiert haben, abgedruckt sind. Inhaltlich bietet das Jahrbuch einen bunten Mix, der von in und ausländischen Kurzporträts von historisch interessanten Friedhöfen, über Interviews - sowohl TV-Moderator Ralph Caspers wie der Holzbildhauer Stephan Balkenhol werden über den Tod befragt -, einem Essay des Soziologen Thorsten Benkel zum Thema Sozialer Tod, einem Gastbeitrag von P. Anselm Grün OSB zum Thema Trost und Trösten, sowie Beiträgen zum eigenen Selbstverständnis und der zukünftigen Entwicklung von Verein, Museum und Zentralinstitut reicht. Auffällig ist, dass für das Jahrbuch - anders als bisher in der Zeitschrift - in der Öffentlichkeit bekannte Persönlichkeiten interviewt bzw. um einen Beitrag gebeten worden sind. Eine Fülle von teilweise großformatigen Abbildungen runden die Textbeiträge ab. 

 

Editorial des Herausgebers

Friedhof und Denkmal, Zeitschrift für Sepulkralkultur 3/4 2023, 46 S., zahlr. farb. Abb.
 
Halt. Das Jahrbuch für Sepulkralkultur. 2024, Hrsg. Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal e.V., Kassel 2024, 88 S., Format DinA4, zahlr. farb. Abb., 12 Euro, Bezugsquelle: Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal  info@sepulkralmuseum.de



Mittwoch, 15. Dezember 2021

Das Symposium zur Friedhofsreformbewegung in Dresden 2021

Heute kam die neue Ausgabe der Zeitschrift Friedhof und Denkmal ( 4/2021) bei mir an. Ein Schwerpunkt der Ausgabe liegt auf dem Symposium zur Friedhofsreformbewegung, zu dem die ARGE aus Anlass des 100. Jahrestages ihrer Gründung am 16.10.2021 nach Dresden eingeladen hatte. Von mir ist darin ein Symposiumsbericht zu lesen, der auf den Videos der Tagungsvorträge beruht. Zugleich sind auch vier Beiträge der Tagung in diesem Heft publiziert, nämlich Norbert Fischer "100 Jahre Friedhofs- und Grabmalreform" und "Über die Feuerbestattung in Österreich als Reformprojekt von Arbeiterbewegung und Sozialdemokratie", Gerold Eppler "Waldo Wenzel. Die Friedhofsreform zwischen den beiden Weltkriegen" und Julie Rugg, "Rasenfriedhöfe und die 'Demokratisierung' des Todes in Großbritannien". 
 
Mein eigener Text folgt hier leicht gekürzt: Bei dem Symposium ging es um die Friedhofsreformbewegung im europäischen Kontext. Die Wahl auf Dresden als Tagungsort war natürlich deshalb gefallen, weil die Vorgängerorganisation der Arbeitsgemeinschaft, der Reichsausschuss Friedhof und Denkmal, dort am 15. Oktober 1921 ihre erste Sitzung abhielt. Bereits 1996 hatte sich die Arbeitsgemeinschaft intensiv mit der Friedhofsreform bewegung befasst. Damals hatte Gerold Eppler erstmals die Rolle näher beleuchtet, die Waldo Wenzel (* 12. November 1879 in San Fernando, Chile, † 24. November 1952 in Dresden) im Nationalsozialismus gespielt hatte.

Bei seiner Begrüßung ging Dirk Pörschmann, Geschäftsführer Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal e. V. und Direktor des Zentralinstituts und Museums für Sepukralkultur, darauf ein, dass die Arbeitsgemeinschaft sich schon relativ früh um die Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit gekümmert habe. Gleichzeitig legte er dar, wie sich das Tätigkeitsfeld der ARGE inzwischen gewandelt habe, da die Bedürfnisse der der Angehörigen und Trauernden, immer mehr Gewicht erhalten und zu Veränderungen der Sepulkralkultur führen. Die Vorträge begannen mit einem erneuerten Blick von Gerold Eppler auf die prägende Persönlichkeit Waldo Wenzels und seiner Anhänger. Norbert Fischer weitete die Sicht auf das Nachbarland Österreich, bevor Guus Sluiter die moderne Entwicklung der Friedhofs- und Bestattungskultur in den Niederlanden vorstellte. Da die geplante Internetschaltung zu Julie Rugg nach England nicht möglich war, gab Norbert Fischer in Kurzform eine Vorstellung von ihrer Forschung zur Friedhofsreform in England. Den Schluss bildete die kenntnisreiche Betrachtung des Tolke witzer Krematoriums von Fritz Schumacher durch Ulrich Hübner.

Gerold Eppler ging in seinem Vortrag von den Reformbestrebungen Hans Grässls in München aus und zeigte auf, dass Waldo Wenzel die Traditionslinie dieser ersten rigorosen Bestimmungen zur Friedhofsgestaltung konsequent fortsetzte. Die entsprechenden Impulse des Reichsausschusses reichen weit in die Nachkriegszeit hinein. So wurde die während des Nationalsozialismus durchgesetzte „Reichsmusterfriedhofsordnung“ mit ihren teilweise rigiden Richtlinien zur Grabmalgestaltung von Wenzels Nachfolger, dem Begründer der Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal Werner Lindner (1883 – 1964), weiterhin propagiert und blieb bis in die 1960er Jahre unverändert gültig.

Gerold Epplers zeigte auf, dass Waldo Wenzel sich selbst dann nicht vom Nationalsozialismus abwandte, als er direkt am Ort eines schweren Verbrechens tätig war: 1941 leitete er den Umbau der „Landesheil- und Pflegeanstalt“ auf dem Sonnenstein in Pirna zur ersten Reichsverwaltungsschule. Dort waren bis dahin körperlich und geistig behinderte Menschen, sowie Häftlinge aus Konzentrationslagern im Rahmen der Aktion T4 systematisch ermordet worden.

Diese Verstrickung darf aber nicht die Ideen der Reformbewegung in allen ihren Facetten diskreditieren. In der anschließenden Diskussion machte Norbert Fischer deutlich, dass es sich in gewisser Weise um eine typisch deutsche Biografie handelt, die nach 1945 ungebrochen fortgesetzt werden konnte. Dirk Pörschmann wies darauf hin, dass die Reformbewegung in einer Zeit entstand, in der das Individuum noch keine so große Rolle spielte wie heute und man der Meinung war, dass es nicht in der Lage sei weitreichende Entscheidungen zu treffen. Deshalb hielt man es für angemessen Entscheidungen von außen zu lenken. Allerdings fügte er hinzu, dass Geschmackserziehung nicht funktioniert und die Reformbestrebungen als gescheitert anzusehen sind. Die Frage, warum es so lange gedauert hat, bis in der Arbeitsgemeinschaft die Ideen der Reformbewegung nicht mehr vertreten wurden, beantwortete Gerold Eppler mit dem Hinweis auf die Zielgruppe und erläuterte, dass besonders die Handwerker ab 1954 durch den Vorsitzenden Hans-Kurth Boehlke Anerkennung und Heimat in der Arbeitsgemeinschaft gefunden hätten, wobei die nationalsozialistische Vergangenheit nicht nur in Kassel „kollektiv beschwiegen“ wurde.

Sonntag, 25. Oktober 2020

Dinge, die bleiben - Reliquien im interdisziplinären Diskurs

Buchcover
Seit acht Jahren findet an der Theologischen Fakultät Rostock (Praktische Theologie) die "funerale" statt, die sich mit Themen der Bestattungskultur im religiösen Kontext auseinandersetzt und über die hier auch schon berichtet wurde. 

Im Tagungsband der 8. funerale geht es um die Vermessung des Begriffs Reliquie oder anders gesagt, um die Frage, was von einem Menschenleben - sei es nun profan oder heilig - bleibt. Dabei ist der Bogen dessen, was in diesem Band thematisiert wird, weit gespannt. Interdisziplinarität ist in Rostock Programm, auch wenn naturgemäß ein theologischer Schwerpunkt vorhanden ist.

Zusammengefasst werden die unterschiedlichen Beiträge unter den Oberbegriffen Theorietraditionen, Theologie im Dingdiskurs, Phänomene und Funerale Praxis. Eine ausführliche Einleitung der beiden Herausgeber skizziert die Bandbreite der "Dinge, die bleiben". Sie reicht von Fotos, Erbstücken, anderen Hinterlassenschaften und auch Gräbern auf dem Friedhof, die alle jeweils die Verstorbenen gegenwärtig werden lassen, über Reliquien, also im katholischen Glauben als wirkmächtig angesehene Überreste von Heiligen, zu sozusagen säkularen Privatreliquien, z.B. in Form von aus der Kleidung Verstorbener hergestellten Puppen als Seelentröstern oder Erinnerungsdiamanten aus dem Kohlenstoff der Kremierungsasche. Letztere betreten nach Einschätzung der Herausgeber "die religionskulturelle Bühne gewissermaßen in der Mitte zwischen katholischem Kult und privaten Lieblingsdingen" (S. 11).