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Freitag, 3. Dezember 2021

Ein Friedhof für alle Bekenntnisse - Der Zentralfriedhof Friedrichsfelde in Berlin

Cover: Ein Friedhof für alle Bekenntnisse
Dieses Buch über den Zentralfriedhof Friedrichsfelde von Jürgen Hofmann ist vom Kommunalpolitischen Forum e.V. in Berlin herausgegeben worden. Es beginnt mit einer zehnseitigen Friedhofsgeschichte. Ausgehend von der Anlage als Parkfriedhof - die Anregungen dazu kamen von dem Hamburger Friedhof Ohlsdorf - sollte der 1881 in einem ersten Teilstück eröffnete Friedhof allen Berliner ohne "Unterschied der Stände und des religiösen Bekenntnisses" offen stehen. Zugleich wurde dieser Friedhof zu einem Wegbereiter für die Feuerbestattung, da dort lange bevor sie in Preußen 1911 offiziell zugelassen wurde, schon die Möglichkeit zur Urnenbeisetzung vorhanden war. 

Zum "Sozialistenfriedhof", wie dieser Friedhof im Volksmund heißt, wurde der Ort schließlich durch die Beisetzung Wilhelm Liebknechts. Er war einer der Gründerväter der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD). Seine Bestattung fand am 12. August 1900 unter Teilnahme von tausenden Besuchern statt. Später wurden in der Nähe seines Grabes weitere wichtige Parteimitglieder bestattet. Dazu kam die Grabstätte, in der 1919 Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, sowie 31 weitere Opfer der Januarkämpfe ihre letzte Ruhe fanden. Zu diesem Ort kommt jährlich im Januar eine große Zahl von Menschen um ihrer zu gedenken. 

Der Autor, der auch auf die Rolle eingeht, die dieser Begräbnisplatz unter den Nationalsozialisten und in der DDR spielte, stellt danach die Bauwerke und Grabanlagen des Friedhofes vor, zu denen auch das 1935 abgerissene und später provisorisch wieder aufgebaute Revolutionsdenkmal, sowie die Gedenkstätte der Sozialisten und der Erhenhain für Verfolgte des Nationalsozialismus gehören. Darauf folgt ein biografischer Führer, der die einzelnen Bestatteten mit Lebensdaten und kurzen Lebensgeschichten vorstellt, wobei diese nicht alphabetisch, sondern nach Grablage geordnet sind. Namensregister, Literaturangaben und ein Friedhofsplan runden diesen Friedhofsführer ab, durch den man im 140. Jahr nach seiner Eröffnung ausführlich über diesen für Sozialdemokraten und Kommunisten bedeutenden Bestattungsplatz informiert wird.

Jürgen Hofmann, Ein Friedhof für alle Bekenntnisse. Der Zentralfriedhof Friedrichsfelde in Berlin, Berlin 2021, 148 S. zahlr. Farbabb. 10,00 EUR zzgl. Porto.


Sonntag, 19. April 2020

Die Münchener Friedhöfe - Wegweiser zu Orten der Erinnerung

Cover von "Die Münchener Friedhöfe"
München hat mehrere berühmte Begräbnisplätze, wie z.B. den alten südlichen Friedhof und den Waldfriedhof, den Hans Grässel angelegt hat. Welche unterschiedlichen und besonderen Beerdigungsplätze noch in dieser Stadt zu finden sind, haben die beiden Autor*innen des oben genannten Buches zusammengetragen. Ihre Spaziergänge erlauben es fast alle Münchener Friedhöfe näher kennen zu lernen. Das geht von den historischen Friedhöfen, des 19. Jahrhunderts über die großen Friedhöfe der Jahrhundertwende, die in allen vier Himmelsrichtungen der damaligen Stadt angelegt worden sind, bis zu den ehemaligen Dorffriedhöfen, die heute eingemeindet sind. Ein Stadtplan auf der vorderen Umschlagseite zeigt ihre Lage an, während die einzelnen Spaziergänge nach einer kurzen Vorrede zum Friedhof die wichtigsten Grabmäler und Persönlichkeiten benennen, die auf dem jeweiligen Friedhof beerdigt sind. Zahlreiche großformatige Fotos untermalen die Beschreibungen in diesem besonders für Münchener Friedhofsfreunde ungemein nützlichen Buch.            

Lioba Betten/Thomas Multhaup, Die Münchner Friedhöfe. Wegweiser zu Orten der Erinnerung. Chr. Belser Gesellschaft für Verlagsgeschäfte, Stuttgart 2019,  144 Seiten mit zahlreichen Farbfotos, 20,00 Euro

Donnerstag, 15. Februar 2018

Berliner Friedhöfe - Spaziergänge zu den wichtigsten Ruhestätten

Cover "Berliner Friedhöfe"
In der Reihe "Berlin Kompakt" des Jaron Verlages ist der Friedhofsführer von dem Historiker und Geograf Ingolf Werknicke, Geschäftsführer des Landesverbandes Berlin im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., neu aufgelegt worden. Darin stellt er fünfzehn ausgesuchte Friedhöfe der Hauptstadt vor. Das Buch kam schon 2010 unter dem Titel "Berliner Friedhofsspaziergänge" auf den den Markt und wurde jetzt aktualisiert und der Aufmachung der Buchreihe angepasst.

Zu den einzelnen Beschreibungen gehörten dabei jeweils ein historischer Abriss, ein Hinweis auf die voraussichtliche Dauer eines Rundgangs, ein Plan mit Einzeichnung der Lage der erwähnten Grabstätten und die Beschreibung der Grabstätten, Grabmale und Persönlichkeiten, die auf dem Rundgang besucht werden. Die Texte sind reich illustriert, so dass man schon beim Lesen dieses Führers einen guten Überblick bekommt. Interessant ist dabei, dass nicht nur so berühmte historische Orte wie der Dorotheenstädtisch-Friedrichswerdersche Friedhof, der Alte Garnisonsfriedhof, der Invalidenfriedhof oder die Friedhöfe vor dem Halleschen Tor mit ihrer reichen Geschichte aufgenommen worden sind. Auch das Sowjetische Ehrenmal Treptow wird zum Beispiel genau beschrieben ebenso wie der relativ unbekannte Russisch-Orthodoxe Friedhof der Hl. Konstantin und Helena Kirche. Dorthin wurden übrigens, wie der Autor vermerkt, vier Eisenbahnwaggons mit Erde aus Russland gebracht, damit die Toten in ihrer Heimaterde ruhen.

Von diesem Führer kenntnisreich angeleitet können auch Menschen, die die Berliner Friedhöfe zu kennen glauben, neue Entdeckungen machen.

Ingolf Wernicke, Berliner Friedhöfe. Spaziergänge zu den wichtigsten Ruhestätten, Jaron Veralg, 144 Seiten, 125 farbige Fotos,15 Lageskizzen, 1 Übersichtskarte, 1 Liniennetzplan € 10,00

Samstag, 18. November 2017

#digina17 und die Zunkunft der Friedhöfe

Grabstätte Mackentum, Ohlsdorf
(Foto Leisner 1993)
Die digina, die gerade in München stattgefunden hat, ist eine Konferenz, in der es um das digitale Leben und speziell um den digitalen Nachlass und das digitale Nachleben geht; besonders um die Frage, wie man seine Daten organisiert, schützt, regelt und weitergibt. Das ist natürlich ein Thema, dass jeden angeht, der oder die das Internet nutzt und dort bewusst oder unbewusst Spuren hinterlässt. Doch inwieweit geht es auch Friedhofsfreunde an, die sich für historische Friedhöfe einsetzen?

Offenbar ist der Tod und sind die Friedhöfe inzwischen wieder mitten in der Gesellschaft angekommen. Die Verbindung zu historischen Friedhöfen und zu dort bestatteten bekannten Persönlichkeiten gilt anscheinend sogar als geschäftsfördernd - zumindest im virtuellen Bereich. So kommt die Seite friedhofguide.de/ sowohl mit ihrem Namen wie mit ihrer Startseite als Führer über deutsche Friedhöfe daher und springt damit auf den wachsenden Trend auf, historische Friedhöfe als touristische Ziele zu besuchen. Tatsächlich steht als Geschäftsmodell hinter dieser Seite aber ein viel breiteres virtuelles Dienstleistungsangebot. Es wendet sich sowohl an Friedhofsverwaltungen, Bestatter und andere Berufe, die mit dem Friedhof in Verbindung stehen, wie an Trauernde.

Erstere sollen über dieses Portal virtuelle Friedhofsrundgänge erstellen und damit auf ihre Geschichte und die historischen Persönlichkeiten, die dort bestattet sind, hinweisen. Bestatter sollen ihre Dienstleistungen um digitale Angebote erweitern können - z.B. indem sie Digitale Gedenkseiten für Hinterbliebene anbieten und Führer, die per Smartphone und GPS-Koordinaten Trauernde zum realen Grab bringen und mit Informationen darüber versorgen (sozusagen die neue "Digitale Grabpflege"!). Trauernden wird angeboten, die Erinnerung an Verstorbene dadurch lebendig zu erhalten, dass sie über das Portal die Friedhöfe mit ihren Gräbern, auf denen ihre Angehörigen beigesetzt sind, digitalisieren und virtuell miteinander verbinden. (Hier stehen mehr Infos zu dieser Website!)

Werden wir in Zukunft also nur noch virtuell Friedhöfe besuchen? Das ist nicht zu erwarten, obwohl es tatsächlich schon viele Angebote gibt, am Computer historische Friedhöfe zu entdecken oder sich mit Hilfe des Smartphones über ihre verschlungenen Pfade zu Grabmälern bedeutender Persönlichkeiten führen zu lassen (siehe meinen nicht gehaltenen Vortrag in der Schwabenakademie Irsee). Gerade ist eine solche App auch für den Ohlsdorfer Friedhof auf den Markt gekommen.

Solche neuen Angebote machen aber auch klar, dass Start-ups in den Startlöchern stehen um nun auch die Realität des Todes mit seinen vielfältigen Facetten in der virtuellen Welt abzubilden und daraus neue Verdienstmöglichkeiten zu generieren. Verwaltungen von historischen Friedhöfe sollten sich überlegen, ob sie nicht lieber selbst endlich damit beginnen, den Hinterbliebenen und damit ihren eigenen Kunden virtuelle Angebote zu machen, anstatt diese Möglichkeit an andere zu verschenken.

Samstag, 28. Mai 2016

Der Friedhof Riensberg - Ein Handbuch von A-Z

Cover des neuen Handbuchs über den
Riensberger Friedhof in Bremen
Bisher gab es über den historischen Friedhof Riensberg und den gleichzeitig geplanten und eröffneten Friedhof Walle in Bremen nur jeweils ein schmales Informationsheft von der - ehemals Stadtgrün Bremen - genannten heutigen Umweltbehörde. Die beiden Landschaftarchitekten Uta Nüller-Glaßl und Frank Glaßl hatten sie 1995 und 1996 verfasst und beide Hefte sind anscheinend im Jahr 2005 neu aufgelegt worden. Und das ist ja schon eine ganze Weile her.

Deshalb ist es also umso mehr zu begrüßen, dass jetzt wenigstens über den Riensberger Friedhof ein Taschenbuch erschienen ist, das die Grabmalkultur und Friedhofsgeschichte in Form eines Handbuches von A-Z lexikalisch aufbereitet. (Ich kann mir den Hinweis nicht verkneifen, dass dafür wohl das zur Zeit vergriffene Ohlsdorfbuch von Helmut Schoenfeld Vorbild war. An einer Neuauflage wird übrigens gerade gearbeitet.)

Zwei Kulturwissenschaftlerinnen - Gerda Engelbracht M.A. und Dr, Andrea Hauser - stellen in diesem Buch ungefähr 200 Kurzbiografien von in Riensberg bestatteten Persönlichkeiten der Bremer Geschichte vor,vermischt mit ungefähr 170 Stichworten zum Thema Friedhof und Sepulkralkultur. Die Stichworte thematisieren zum Beispiel bestimmte Symbole auf Grabmalen, Besatttungsarten, Pflanzen oder auch die Hochbauten des Friedhofs.

Das Buch ist mit über zweihundert farbigen und zum Teil phantastisch fotografierten Abbildungen optisch hervorragend ausgestattet und bietet mit seinen Einzelbeiträgen einen umfassenden und in seiner Kurzform sehr interessanten Überblick über die Persönlichkeiten und Geschichte der Stadt Bremen.

Donnerstag, 8. Oktober 2015

Berlin - Der Friedhofsführer

Berlin - Der Friedhofsführer, 2015,
Edition Braus
Nachdem Norbert Fischer und ich vor Jahren (1999) das Buch "Der Friedhofsführer - Spaziergänge zu bekannten und unbekannten Gräbern in Hamburg und Umgebung" geschrieben haben, interessiert mich ein Buch mit dem Titel "Berlin - Der Friedhofsführer. Wegweiser zu 50 historischen Friedhöfen" natürlich ganz besonders (ein bißchen Eigenwerbung darf sein oder? ;-)

Der Kunsthistoriker, Fotograf und Autor Boris von Brauchitsch hat, soweit ich sehen kann, zwar eine ganze Reihe von Publikationen aber bisher noch nichts über Friedhöfe veröffentlicht. Doch zeugt seine Einleitung davon, dass er sich mit dem Thema intensiv auseinandergesetzt hat.

Mit seinem Buch will er offenbar unter anderem auch die Ehrengräber der Stadt in den Focus rücken, denn in seiner Einleitung geht er auf ihren teilweise ungepflegten Zustand, näher ein. Er hat fünfzig der insgesamt 224 Berliner Friedhöfe - von ihnen sind immerhin noch 182 geöffnet - für sein Buch ausgewählt und stellt mit ihnen über fünfhundert Grabstätten von Prominenten vor.

Friedhof Steglitz mit dem Hinweis auf den Bärliner
Tierfriedhof  (S. 150/1)
Die Friedhöfe sind im Buch in einer chronologischen angeordnet, auch wenn auf den ältesten Anlagen nichts oder kaum noch etwas auf die Ursprungszeit hindeutet und diese Reihenfolge für spätere Zeiten eher etwas beliebig wirkt. Immerhin zeigt eine Karte im rückwärten Umschlag die Lage der behandelten Orte an, so dass man auf diese Weise leicht finden kann, ob der Friedhof, den man gerade besuchen will, in den Führer aufgenommen worden ist. Und natürlich sind alle wichtigen historischen Friedhöfe in dem Band zu finden, daneben hat der Autor aber auch eine Reihe von kleineren und unbekannteren Dorffriedhöfen und Einzelgrabstätten aufgenommen.


Montag, 25. Mai 2015

Der Bremgartenfriedhof - Ein Spaziergang mit Geschichten

Jubiläumsbroschüre über den
Bremgartenfriedhof in Bern
Anfang Mai hatte ich von dem Jubiläum des Bremgartenfriedhofs in Bern berichtet, das noch mit mehreren Höhepunkten das ganze Jahr über gefeiert wird. Inzwischen hat mir das Amt für Stadtgrün auch die dort erwähnte Broschüre zugeschickt. Ein Plan zum Herausklappen macht den Rundgang deutlich, den diese Broschüre beschreibt.

Nach einer Einführung zur Geschichte der Anlage, werden insgesamt 28 Stationen beschrieben, die mit sehr schönen, teils modernen, teils auch historischen Bildern illustriert sind. Dabei erreicht man über den Haupteingang den alten Friedhofszugang, die Abdankunkshalle aus den 1950er Jahren, die historische Grabstätte einer alteingesessenen Berner Familie an der Friedhofsmauer, die schon auf dem Vorgängerfriedhof existierte, und eine ganze Reihe von weiteren Grabstätten und Grabmälern.

Zu ihnen gehört übrigens auch das berühmteste Grab des Friedhofs, wo der russische Revolutionär Michail Bakunin bestattet ist. Aber auch der Hinweis auf alte Obstsorten, ein sogenanntes Föhrenwäldchen, moderne Kunst auf dem Friedhof, den Werkplatz und die Wildhecke fehlen nicht. Den Friedhofsbesuchern sei vielschichtige und sorgfältig gestaltete Führer unbedingt ans Herz gelegt.

Der Bremgartenfriedhof. Ein Spaziergang mit Geschichten. Hrsg. Direktion für Tiefbau, Verkehr und Stadtgrün. Stadtgrün Bern, Monbijoustraße 36, Postfach 8332, 3001 Bern mail:stadtguen@bern.ch www.bern ch/stadtgruen    

Dienstag, 18. November 2014

Visit Cemetery - eine europäische Website zu historischen Friedhöfen

Logo der Webseite http://www.visitcemetery.eu/en/

Update März 2023: Diese Seite existiert nicht mehr

http://www.visitcemetery.eu/en/ ist eine Webseite, auf die ich vor Kurzem "gestoßen" bin. Gestoßen ist eigentlich nicht das richtige Wort, denn dabei hat das "Netzwerken" über Facebook mitgewirkt. Wie das ging? Ich bin vor einiger Zeit einer Gruppe zu Grabmalfotografie beigetreten und habe dort zum ersten Mal einen Beitrag gepostet, der auf dieses Blog hier führte. Daraufhin erhielt ich jede Menge Rückmeldung und darunter war auch der Hinweis auf die Facebookseite von visitcemetery.eu und von dort natürlich auf die Webseite. Wurde ich also eher selbst gestoßen?

Aber das schreibe ich hier nur am Rande. Eigentlich will ich auf die Webseite aufmerksam machen, die mich optisch sofort für sich eingenommen hat. Sie nennt sich selbst die erste Webseite für alle Reisenden, die an einem unbekannten Ort nicht nur Architektur und Kunstmuseen besuchen, sondern die Kunst und Kultur des Ortes gern aus einer anderen Perspektive betrachten und nach etwas Untypischen suchen; also kurz gesagt gern auf Friedhöfe gehen und dort die Kunst der Vergangenheit betrachten.

Leider erfährt man unter "who we are" nichts über die Macher. Da es aber neben einer Seite zu Friedhöfen in Italien, einer weiteren zu Europa und einer dritten zu Begräbnisplätzen in der Welt nur noch eine Seite mit dem Titel "'Friedhofsfotografen" gibt, nehme ich an, dass sich die dort genannten professionellen Fotografen zusammengetan haben und gemeinsam den Inhalt verantworten. Übrigens habe ich natürlich sofort vorgeschlagen auch den Ohlsdorfer Friedhof mit aufzunehmen und warte jetzt darauf, dass er dort auftaucht!

Schaut man sich die Friedhofsseiten an, so erhält man zuerst einen Überblick über die Orte und wird dann durch Anklicken auf die einzelnen Friedhöfe weitergeleitet. Dort gibt es (mehrsprachig, allerdings nicht deutsch) Infos zu dem jeweiligen Friedhof und auch zu besonders berühmten Personen, die dort begraben sind. Darauf folgt eine Fotostrecke und zum Schluß´noch die passende Landkarte von Google. Damit erhält man einen wunderbaren optischen Einblick, denn die Fotos zeigen interessante Perspektiven und ungewöhnliche Details, so dass man im Grunde einen Rundgang mit den Augen der jeweiligen Fotografen macht. Es liegt auf der Hand, dass der Schwerpunkt dabei nicht auf der ausführlichen Information über Friedhofsgeschichte und Persönlichkeiten liegt. Was aber nicht heißt, dass nicht zu einzelnen Persönlichkeiten auch längere Beiträge zu lesen sind.

Montag, 26. August 2013

"Wo sie ruhen" - neue "Friedhofs-App" ist in Arbeit

Header der zukünftigen Friedhofs-App vorgestellt auf der
Pressekonferenz in Ohlsdorf am 23.8.2013 (Foto Leisner)
Bis zum Herbst 2014 soll im Netz eine neue App abrufbar sein, die - besonders jungen Leuten? - den Besuch von historischen Friedhöfen schmackhafter machen soll. Auf insgesamt 37 ausgewählten historischen Friedhöfen in 16 deutschen Bundesländern kann man sich dann vom dem Routenplaner seines Smartphone zu den wichtigsten Grabmalen leiten lassen und dort vor Ort Informationen zu der verstorbenen Persönlichkeit und seinem oder ihrem Grabmal abhören. Insgesamt 1000 Grabstätten sollen in Bild, Text und Ton sowie mit ihren GPS-Koordinaten verfügbar gemacht werden. Dabei handelt es sich vorwiegend um Ehrengrabstätten, Gräber berühmter Persönlichkeiten, Grabmale mit herausragender architektonischer wie kunsthistorischer Bedeutung sowie solche mit außerordentlichen
Restaurierungsleistungen.

Grabstätte Borchert auf dem Ohlsdorfer Friedhof auf
der zukünftigen Website "Wo sie ruhen" (Foto Leisner)
Der Plan zu diesem „Leitsystem für historische Friedhöfe – Audio-virtueller Rundgang als App“ – so die offizielle Bezeichnung  – wurde maßgeblich von dem Hamburger Bundestagsabgeordneten Rüdiger Kruse entwickelt. Er ist Berichterstatter für Kultur und Medien im Haushaltsausschuss und konnte so die Finanzierung des Projekts sicherstellen, das insgesamt mit einer Summe von über 500 000 Euro vom Bund gefördert wird. Der Schauspieler und Rezitator Hans-Jürgen Schatz, der zu den Ideengebern gehört, wird die Kurzporträts zu den Grabstätten lesen, die derzeit von fachlich versierten Autoren geschrieben werden - dazu gehöre auch ich und deswegen kann ich hier schon über die App berichten. Christa Ringkamp vom Büro HORTEC zeichnet für die Projektsteuerung verantwortlich. Projektträger ist die Stiftung Historische Friedhöfe in Berlin. Eine erste Probeseite der App wurde letzte Woche auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg vorgestellt, wo Hans-Jürgen Schatz u.a. meinen Text zur Grabstätte Hanssen, Laeisz, Canel und Meerwein vor Ort vorlas. 

Krsue, MdB, und Schatz bei der Textlesung mit dem Grabmal
Laeisz im Hintergrund (Foto Leisner)
Man kann die Texte aber nicht nur vor Ort hören, sondern auch die zu der App gehörende Website im Internet aufsuchen, den entsprechenden Friedhof anklicken und auf der interaktiven Karte, die Grabstätten aufsuchen und die Texte sowohl lesen wie abhören. Zurzeit ist die Website allerdings noch nicht freigeschaltet. Zusätzlich wird im Rahmen des Projektes zu jedem ausgewählten Friedhof ein Faltblatt mit Nennung und Lokalisierung der Grabstätten erstellt werden.

Dienstag, 6. August 2013

Der Alte Friedhof von Buttstädt - Neuauflage

Buchtitel 
 In Deutschland gibt es nur wenige Friedhöfe aus der Zeit der Reformation, die in der Form des Campo Santo erhalten geblieben sind. So handelt es sich bei allen diesen Begräbnisorten - neben dem Friedhof in Buttstädt gehört der Stadtgottesacker in Halle und der Kronenfriedhof in Eisleben heute noch zu diesem Typus - um echte Kleinode der Friedhofsgeschichte.

Einen Überblick und einen kleinen Führer zum Buttstädter "Gottesacker" gibt Nils-Christian Engel in dem ersten Bändchen seiner Reihe "destinatio planquadrat", das gerade in zweiter, deutlich erweiterter Auflage erschienen ist.

Am Anfang wird Buttstädt kurz vorgestellt, dessen einstiger Reichtum aus der Lage als Knotenpunkt von Fernverbindungen und damit zugleich dem Standort eines großen Ochsen- und späteren Pferdemarktes resultierte. Erst nach dem Bau einer Eisenbahnlinie im 19. Jahrhunderts verlor die Stadt ihre hervorgehobene Stellung. Den ehemaligen Reichtum der Bewohner aber erkennt man noch heute an den vielen barocken Grabmalen des Friedhofes.


Mit vierzehn Stationen stellt der kleine Führer einzelne Grabmale und Grabmalgruppen in ausgezeichneten Bildern - man muss warten können und den Friedhof kennen, damit man weiß, wann das Licht die Reliefs und Schriften so hervorhebt, dass man sie gut sehen kann - und mit knappen Texten vor dem Besucher vor. Dabei sind die Inschriften genau wiedergegeben, soweit sie lesbar sind, und bei den lateinischen Texten hilft eine deutsche Übertragung den Inhalt zu verstehen. Anmerkungen zur Gestaltung der Grabmale verdeutlichen dazu das jeweilige Bildprogramm. Überblicksfotos zeigen den Reichtum der Gesamtanlage, um deren Erhalt und Restaurierung sich  ein rühriger Förderkreis seit Jahrzehnten bemüht.

So verhiflt dieses Bändchen nicht nur den Besuchern sondern auch Lesern, die den Friedhof noch nicht kennen, zu einem informativen ersten Überblick über die Anlage und ihre Kulturschätze. Hat man es durchgelesen, so wünscht man sich eigentlich nur, dass ein umfangreicherer Band gleicher Machart den ganzen historischen Reichtum wiedergeben würde.

Nils-Christian Engel, Der Alte Friedhof von Buttstädt, destinatio planquadrat Nr. 1, 40 Seiten, zahlreiche Farbabbildungen, 14 x 15,4 cm, ISBN 3-938819-00-6, 4,50 €   

Sonntag, 11. November 2012

"Bäume in Ohlsdorf" von Helmut Schoenfeld

Titelseite des neuen Buches von Helmut Schoenfeld
(veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung der Edition Temmen)
Helmut Schoenfeld leitete von 1970 bis 1990 die Planungsabteilung der Friedhöfe Ohlsdorf und Öjendorf in Hamburg und war danach bis zu seiner Pensionierung in der Umweltbehörde für das Friedhofswesen zuständig. Ohlsdorf-Liebhabern und den Mitgliedern des Förderkreises ist er durch sein Friedhofshandbuch ebenso bekannt, wie durch seine Führungen und Vorträge. Zugleich ist er innerhalb des Förderkreises ein unermüdlicher Organisator und Archivar. Jetzt hat er seinen reichen Wissensschatz geöffnet und ein Buch geschrieben, das allen Pflanzenliebhabern und unter ihnen besonders den Freunden der Bäume zu einem unentbehrlichen Ratgeber werden dürfte.

"Bäume in Ohlsdorf" ist gibt sich auf den ersten Blick als Führer, in dem auf insgesamt 10 Rundgängen die ungewöhnlichsten Bäume und Sträucher auf dem großen kommunalen Friedhof erläutert werden, wobei ein Rundgang auf die Besonderheiten des kleineren jüdischen Nachbars aufmerksam macht. Bekannte und unbekannte Bäume und Sträucher werden beschrieben und ungewöhnlich schön und farbenprächtig abgebildet. Als Laie entdeckt man beim Lesen immer wieder neue Facetten dieses großen Themas. Oder kannten Sie, lieber Leser, liebe Leserin, schon den Liebesperlenstrauch, wie die "chinesische Schönfrucht" auch genannt wird, die mit lila Früchten den Herbst und Winter erleuchtet?

Schoenfelds neues Buch ist aber zugleich ein Baum-Kompendium geworden. Nicht nur der Wuchs, die Blatt- und Blütenformen und die Früchte der Bäume werden in Bild und Wort vorgeführt und ihre Standorte auf dem Friedhof benannt. Das Buch bietet noch viel mehr: Das Thema Baum wird in die Kulturgeschichte eingebettet, an passender Stelle werden Gedichte zitiert und auch eine "Baumlese" wird gehalten, in der literarische "Baum-Texte" die Leser erfreuen. Immer wieder wird der gegenwärtige Zustand mit der Vergangenheit verglichen. Die Überalterung eines großen Teiles des Bestandes im Waldteil wird dabei konsequent gleich am Anfang als Problem angesprochen. Von nun an kann niemand mehr sagen, man habe nicht gewusst, dass das Waldgebiet im Norden und Osten des älteren Cordesteils aufgrund der Bestattungen und der Überwucherung mit Rhododendren eigentlich schon lange keine richtiger Wald mehr ist. Der Baumbestand kann sich dort nicht mehr selbst verjüngen und Schoenfeld macht eindringlich auf die Gefahr aufmerksam, dass einer der nächsten schweren Stürme die hohen alten Schwarzkiefern umlegen und schweren Schaden anrichten kann.

Bevor der Autor mit den Rundgängen anfängt, stellt er ausgesuchte Einzelbäume vor und so bildet natürlich die Beschreibung der lebendigen Bäume den Hauptteil dieses Buches. Doch widmet er auch eine Reihe von Kapiteln verwandten Themen: So wird das Rosarium am Südteich behandelt, in dem in einer Rosenuhr alte Sorten wieder neu angepflanzt worden sind. Das nur bei Insidern bekannte kleine Aboretum an der Kirschenallee wird mit seinen besonderen Bäumen und Sträuchern vorgestellt. In einem besinnlich-vergnüglichen Kapitel werden besonders kuriose Baumgestalten besucht, zum Beispiel solche, die wie auf dem Titelbild eine enge Verbindung mit einem Grabstein eingegangen sind, aber auch ungewöhnliche Wuchsformen. In Stein gehauenen Bäumen und Grabmalen, die als Bäume und Baumstümpfe gestaltet worden sind, wird ein eigenes Kapitel gewidmet, und last not least geht es auch um die ökologische Bedeutung des Parkfriedhofes, die mit dem ungewöhnlichen Bild eines Uhu-Paares auf einem Grabmal eindrucksvoll unterstrichen wird.

Insgesamt ist dieses Buch gerade für Laien - ob auch für Fachleute entzieht sich meinem Beurteilungsvermögen - ein äußerst interessanter und anregender Lesestoff, der dazu einlädt, sich intensiver mit dem Thema Baum auseinanderzusetzen und seine vielen Facetten genauer kennen zu lernen.

Helmut Schoenfeld. Bäume in Ohlsdorf. 10 Rundgänge mit Karten. Mehr als 500 Standorte. Kurioses und Rares. Edition Temmen, Bremen 2012. ISBN 978-3-8378-2025-6, 263 S. 284 farb. Abb. 19,90 Euro


Samstag, 15. September 2012

Evangelische Friedhöfe in Braunschweig - ein Taschenführer

Broschüre der mit Rundgang über den Hauptfriedhof
in Braunschweig (Foto Leisner, mit freundlicher
Erlaubnis der  Ev.-Luth. Kirchenverband 
Braunschweig, Friedhofsverwaltung)
Zwar nicht direkt als Jubiläumsbuch, aber doch zum Friedhofsjubiläum in Braunschweig erschienen ist eine handliche kleine Broschüre mit dem Titel "Erkunden - Erinnern - Erfahren. Die Friedhöfe des Ev.-luth. Kirchenverbandes in Braunschweig". Der Titel führt ein wenig in die Irre, denn der Hauptfriedhof nimmt mit 35 der  insgesamt 95 Seiten, den größten zusammenhängenden Teil ein. Er wird kurz mit seinen historischen Daten vorgestellt, bevor dann insgesamt 40 einzelne Stationen eines Weges über den Friedhof in Bild und Text vorgestellt werden.

Darunter sind so interessante Grabmale wie der Obelisk auf dem Grabmal der Familie Büssing, deren Omnibusse und Lastwagen berühmt sind, oder das Grabmal des Arztes P. Stahl, auf dessen Rückseite zu lesen ist: "P. Stahl war es der 1939 in Breslau die Methode der intravenösen Dauertropfinfusion erfand und entwickelte". Aber auch Plastiken, ein Mausoleum und eine Teich-Partie sind in den reich bebilderten Rundgang eingeschlossen. Im Rückumschlag findet sich zudem eine Friedhofskarte mit den eingezeichneten Stationen.

Auf den übrigen Seiten werden die zwölf übrigen kirchlichen Friedhöfe Braunschweigs mit jeweils zwei Text- und Bildseiten vorgestellt und am Ende des Bändchens geht es dann noch um ganz praktische Fragen nämlich um eine Übersicht über die Grabarten, die auf den Friedhöfen angeboten werden. Darunter fehlt nicht der Hinweis auf Patenschaftsgräber. Eine Doppelseite  zu den Friedhofsgebäuden des Hauptfriedhofes rundet die Broschüre ab.

Natürlich gäbe es ein paar kleine Anmerkungen, wie z.B. die Frage, warum der Hauptfriedhof nicht gleich an den Anfang gestellt worden ist, wenn er doch den bedeutendsten Teilaspekt der Broschüre darstellt. Und auch der Hinweis, dass sich Lorbeerkränze von Immortellenkränzen unterscheiden soll hier nicht fehlen und dass vielleicht nicht alle Symbole nur in kirchlich-christlichen Sinne zu interpretieren sind. Insgesamt aber ist diese Broschüre sehr schön gestaltet und eine gelungene Bereicherung der Friedhofsliteratur.

Erkunden - Erinnern - Erfahren. Die Friedhöfe des Ev.-luth. Kirchenverbandes in Braunschweig. Hrsg. Ev.-Luth. Kirchenverband Braunschweig, Friedhofsverwaltung, Helmstedter Straße 38., Tel.: 0531-27370-0. http://www.kirchenverband-braunschweig.de/



Mittwoch, 5. September 2012

Der Braunschweiger Hauptfriedhof wird 125 Jahre alt


Am 1. Oktober 1887 wurde der Hauptfriedhof in Braunschweig eingeweiht, der zu den größten kirchlichen Friedhöfen in Deutschland gehört.

Aus diesem Anlass lädt der evangelische Kirchenverband und die Propstei Braunschweig am Tag des Friedhofes zu einer Reihe von Festveranstaltungen ein, zu denen neben dem Eröffnungsgottesdienst auch Vorträge und Führungen, Kutschfahrten und Ausstellungen bzw. Beamer-Präsentationen gehören.

Ein Programm-Flyer findet sich auf der Internetseite der Propstei.

Mittwoch, 4. April 2012

Seminare für Friedhofsführer in Kassel



Schon jetzt soll hier auf die Seminare aufmerksam gemacht werden, die für Friedhofsführer und -führerinnen in diesem Jahr in Kassel angeboten werden:

Am 8. September von 10:00 - 17:30 findet das Tagesseminar: "In jede Friedhofsführung gehört der Friedhof", das auch schon im Vorjahr lief, statt.

Und weil diese Seminare so gut besucht sind, wird diesmal ein Aufbauseminar angeboten mit dem Titel: "Todesgenius, Engel und 'anmutig' Trauernde", das einen Monat später am 6.10. zur gleichen Zeit stattfinden wird.

Freitag, 25. März 2011

Der Hasefriedhof in Osnabrück

Wie in diesem Blog seinerzeit berichtet, hat der Hasefriedhof in Osnabrück 2008 sein 200jähriges Jubiläum gefeiert. Letztes Jahr nun hat der Förderkreis dieses Friedhofs einen handlichen Friedhofsführer herausgegeben, in dem sich die Geschichte dieses Ortes nachlesen lässt. Wie üblich lädt auch dieses Buch dazu ein den Friedhof selbst zu erkunden, enthält er doch auf der Rückseite einen herausklappbaren Friedhofsplan, auf dem die Lage aller im Textteil vorgestellten Grabmale mit Nummern verzeichnet ist. Die zugehörige Legende wird gleich nebenan mitgeliefert.

Mit großer Sorgfalt und viel Sachkenntnis hat der Autor Ernst Kosche in diesem Führer interessante Informationen zur Friedhofsgeschichte, zu den einzelnen Grabstätten und den dort bestatteten Persönlichkeiten zusammengetragen. Damit ermöglicht er  dem Besucher einen tiefen Einblick in die Stadtgeschichte der letzten zweihundert Jahre. Die zahlreichen Bilder geben, obwohl sie meistens sehr klein sind, einen guten Eindruck von der vielfältigen Grabmalsubstanz wieder, die sich dadurch auszeichnet, dass auch aus dem Beginn des 19. Jahrhunderts eine Reihe von schlichten Steinen erhalten geblieben ist.

Allerdings muss man etwas suchen, wenn man nur zu einer einzelnen Grabstätte Informationen will: Die zugehörigen Nummern sind in dem laufenden Text kaum hervorgehoben. Man tut also gut daran, sich dem Gang dieses Führers anzuvertrauen und die Grabmale, die meist am Rand der einzelnen Friedhofsbereiche liegen,  beim Lesen zuhause im Geiste oder direkt vor Ort der Reihe nach abzuwandern. Dabei wird  auch jene Besonderheit deutlich, dass der Hasefriedhof durch seine Erweiterungen im Grunde aus sechs einzelnen Friedhöfen besteht. Die neuen Flächen wurden nämlich jeweils mit einer eigenen Mauer eingefasst, an die sich wie üblich die größeren Familien angelagert haben. Da es anfangs keine Verbindung zwischen den Teilen gab, half sich übrigens die Familie Gosling selbst und ließ hinter ihrer Grabstelle die Mauer durchbrechen, um leichter zu dem zweiten Familiengrab im neueren Friedhofsteil zu gelangen (siehe Hasefriedhof, S. 43).

Aber nicht nur historische Informationen werden gegeben, auch die Grabmäler selbst werden mit ihren Symbolen und Formen ausführlich vorgestellt, so dass der Leser zugleich einen kleinen Einblick in die sepulkrale Kulturgeschichte erhält. Insgesamt werden 87 Grabstätten so erläutert, daneben geht der Autor auch auf die Friedhofsgebäude und Kleinarchitekturen ein, so erfährt man zum Beispiel auch Näheres zu der ältesten Wageneinfahrt des Friedhofs, die mit zwei Reliefpfeilern geschmückt ist: Die zierlichen Gestalten von Thanatos und Hypnos, Tod und Schlaf, halten dort mit gesenkten Fackeln Wache und mahnen die vorübergehenden - ganz in klassizistischem Sinnen - sanft daran zu denken, dass sie Sterblich sind.

Diese Vergänglichkeit betrifft allerdings nicht nur die Menschen, sondern in diesem Falle auch den Friedhof selbst. Auf dem Hasefriedhof und dem Johannisfriedhof von Osnabrück wird seit fünfzehn Jahren nicht mehr bestattet. In vier Jahren, also 2015, werden sie entwidmet. Auch wenn sie als Parkanlagen mit Friedhofscharakter weitergeführt werden sollen, so ist es doch wichtig, dass der Förderkreis, unterstützt von den Bürgern der Stadt, dafür wirbt, dass so viel wie möglich von dem "Friedhofscharakter" und damit der einmaligen sepukralen und kulturellen Geschichte der Stadt erhalten bleibt. Und dazu ist dieser Friedhofsführer ein wichtiger Beitrag, dessen Verkaufserlös der Erhaltung und Restaurierung von Grabmalen dienen soll.

Ernst Kosche: Der Hasefriedhof. Ein Führer zu den bedeutenden Grabdenkmälern und Besonderheiten des Friedhofs. Hrsg. Förderkreis Hasefriedhof-Johannisfriedhof. 106 S., viele Farbabb., 8,00 Euro. Zu erhalten beim Förderkreis Hasefriedhof-Johannisfriedhof e.V., Spichernstraße 31, 49074 Osnabrück

Donnerstag, 11. November 2010

"Un deit d'r Herrjot mich ens rofe"

Bei diesem Buch war es unumgänglich mit der Vorstellung auf ein bestimmtes Datum zu warten: Passend zum Jubiläumsjahr des Friedhofs Melaten in Köln hat der Marzellen Verlag nämlich einen sehr speziellen Friedhofsführer ganz neu bearbeitet und ergänzt in vierter Auflage wieder herausgebracht. 
Titelseite des Buches (Foto Leisner, mit
fr. Genehmigung des Marzellen Verlag Köln)
Der karnevalsbegeisterte Autor Wolfgan Oelsner, der sich für den Friedhof und den Erhalt von Grabstätten sehr engagiert einsetzt, hat darin seine kenntnisreichen Friedhofsführungen zu seinem Thema, dem Kölner Karneval, zusammengefasst. Der Verlag unterstreicht die merkwürdige Ernsthaftigkeit, die der Tod dem heiteren Thema der "verkehrten Welt" und des "carne vale" - Fleisch ade! - der Tage vor dem Aschermittwoch, an dem bekanntlich "alles vorbei ist", unter dem eigentlichen Buchtitel mit den Worten "pietätvoll, lehrreich und unterhaltsam", so als ob er sich nicht ganz sicher ist, ob man Tod und weltliche Lustbarkeit miteinander in Verbindung bringen darf.

Der Verfasser hat damit zu Recht keine Probleme. Er erinnert an den Grabstätten der unterschiedlichsten Vertreter des Kölner Karnevals an die spezielle Geschichte dieses ortgebundenen Brauchtums, das nach der Franzosenzeit am Anfang des 19. Jahrhunderts vom Bürgertum neu belebt wurde. In zahlreichen Einschüben erklärt er dazu einzelne Besonderheiten, wie zum Beispiel das "Lappenkostüm", das sich alle diejenigen aus Flicken zusammennähten, die zwar gern verkleidet sein wollten, aber dafür kein Geld ausgeben konnten. Mit einer roten Pappnase wurden sie zu "Lappenclowns", wie die nebenstehende kleine Grabfigur zeigt..

Dazu verweist er in vielen Details auf die Herkunft von Liedern und Evergreens, die teilweise weit über Köln hinaus ausgestrahlt haben, wie der schon fast klassische - oben zitierte - Liedtext von "Am Aschermittwoch ist alles vorbei", der von dem Kölner Heimatschriftsteller Hans Jonen stammt, zu dem der Führer natürlich noch viel mehr zu erzählen weiß.

Als "karnevalsabstinente" Norddeutsche habe ich in diesem vergnüglichen und interessanten Führer viel über den Karneval in Köln am Rhein, über seine einzelnen Protagonisten und auch über seine Organisation gelernt. Schön wäre es gewesen, wenn die Einleitung noch etwas tiefer in die Geschichte und die Frühzeit des bürgerlichen Karnevals geführt hätte, denn einer Nicht-Kölnerin  wie mir fehlt das Wissen um die innere Organisation, die historischen Wurzeln und die Entwicklung dieses Festes. Die einzelnen Stationen des Rundgang sind sowohl mit historischem Material wie mit Fotos der aktuellen Grabstätten reich bebildert, so dass man eine gute Vorstellung von der Vielfalt der "Karnevalserinnerung" auf Melaten erhält.

Verständlich ist, dass der Autor am Schluss ein Erinnerungsmal besonders hervorhebt. Er hat schließlich mit seinen Führungen und dem hier vorgestellten Buch die nötigen finanziellen Mittel für die Anfertigung und Aufstellung mitgesammelt: Johann Christoph Winters (1772-1862), dem Begründer des Kölner Hänneschen-Theaters, einer Puppenspielbühne mit feststehenden "köllschen" Typen, wie dem "Hänneschen" - auf Hochdeutsch dem "kleinen Hans" - war einst im Armengrab in einer Ecke des Melatenfriedhofs beigesetzt worden. Seine Grabstätte war lang vergessen. Nun wurde dem Puppenspieler eine eigene Plastik gewidmet, die seine Büste zusammen mit seinen typischen Stabpuppen zeigt.

Wolfgang Oelsner, "Un deit d'r Herrjot mich ens rofe". Eine Führung durch den Kölner Karneval auf dem Friedhof Melaten. Marzellen Verlag Köln, 2010, 144 S. zahlr. farb. Abb. und eine Karte, 12,90 (ISBN 798-3-937795-16-4). Hingewiesen sei an dieser Stelle auch auf ein weiterer Kölner Friedhofsbuch aus demselben Verlag: Günter Schwanenberg, "Em Himmel es d'r Düvel loss". Musikalisch-literarische Streifzüge über den Südfriedhof.

Freitag, 4. September 2009

Friedhofsführer

Cover des ersten
Friedhofsführers (Foto Leisner)
Zum Jubiläum des Ohlsdorfer Förderkreises haben die Mitglieder und die Abonennten der Ohlsdorf-Zeitschrift gerade ein ganz besonderes Geschenk erhalten:

Der Förderkreis hat den ersten Friedhofsführer von 1897 als Faksimilie nachdrucken lassen und zusammen mit der neuen Ausgabe seiner Zeitschrift verschickt. Diesen Führer (links im Bild) hat der erste Friedhofsdirektor Wilhelm Cordes anläßlich der internationalen Gartenbauaustellung in Hamburg im Jahr 1897 herausgegeben.
Der Südteich (Foto im ersten Friedhofsführer)
Zwar sieht das Heft auf den ersten Blick eher unscheinbar aus, doch ist es ein kostbarer Zeuge der Hamburger Friedhofs-geschichte: Der erste Friedhofsdirektor hat in dieser Publikation seine Ideen für die Friedhofsanlage allgemeinverständlich beschrieben und mit einer Reihe von Fotografien den damaligen Zustand des Friedhofes und seiner speziellen Anlagen illustriert. Im Bild ist hier der Südteich mit seiner niedrig bewachsenen Insel und der noch heute vorhandenen schmiedeeisernen Brücke zu sehen.
Cover der Ohlsdorfzeitschrift

Passend dazu hat die Redaktion der Ohlsdorf-Zeitschrift das Thema "Friedhofsführer" in den Mittelpunkt gestellt und berichtet sowohl über die "Geschichte der Ohlsdorfer Friedhofsführungen", wie über seine umfangreiche Sammlung von publizierten Führern und anderen Büchern über den Ohlsdorfer Friedhof wie in verschiedenen Beiträgen auch über das Handwerk der Führungen und eine unvergessliche Führung in Berlin. Natürlich sind auch die Rubriken "Aktuelles", "Kultur und Geschichte", "Neue Bücher" und "Aus dem Verein" wieder gut gefüllt. Besonder interessant ist dabei der Beitrag von Christine Behrens über den "Tod in Venedig" (und damit sind natürlich die Bestattungsplätze der Stadt gemeint!).

Wie immer kann man alle Artikel der Zeitschrift im Netz unter http://www.fof-ohlsdorf.de/zeitschriftindex.php nachlesen.

Wer allerdings das Faksimilie des Friedhofsführers gern selbst besitzen möchte, sollte ihn rasch beim Förderkreis bestellen. Für Außenstehende kostet er 5 Euro + Versandkosten.

Die Adresse ist: Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof e.V., Fuhlsbüttler Strasse 756, 22337 Hamburg Telefon: 040 / 50 05 33 87 | E-Mail: info@fof-ohlsdorf.de

Samstag, 1. August 2009

Neu aufgelegt: Führer über den Melatenfriedhof in Köln

Cover Friedhofsführer (Foto Leisner, mit fr.
Genehmigung J.P.Bachem Verlag)
Friedhofsfreunde, die Köln besuchen, werden wahrscheinlich kaum "Melaten", den wichtigsten historichen Friedhof der Stadt, auslassen. Gut beraten sind sie, wenn sie sich dafür den schmalen aber gehaltvollen Führer von Ilona Priebe aus dem J.P.Bachem Verlag anschaffen.

Er enthält drei umfangreiche Führungen: zu den Prominenten und ihren Grabstätten, zu Musikern, Malern und Mäzenen und zu Grabstätten von Frauen und solchen Grabmalen, auf denen Frauen dargestellt sind. Dazu wird in einem vorangestellten Text die Geschichte des Friedhofes erzählt.

Gerade ist eine überarbeitete Neuauflage erschienen, die auch die jüngsten Grabstätten mit einbezieht. Mit 6,00 Euro ist die reich und farbig bebilderte Broschüre eine preiswerte Möglichkeit sich einen ersten Eindruck von der Kölner Geschichte und ihren deutschlandweit bekannten Persönlichkeiten zu verschaffen: zum Beispiel von Schwester Anna Maria Clementine Martin - jener Nonne, die das Produkt "Klosterfrau Melissengeist" auf den Markt brachte, oder dem ItalienerJohann Maira Farina, der das Eau de Cologne erfand.