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Dienstag, 15. Oktober 2013

Fachsymposium: Das Gedächtnis einer Stadt pflegen – Denkmal historischer Friedhof

Am 31. Oktober findet in Osnabrück das 2. Fachsymposium statt, in dem das - vom DBU geförderten - Forschungsprojekt zur Erhaltung des Hase- und Johannisfriedhofs vorgestellt wird. (Über das Projekt wurde schon in diesem Blog berichtet.)
Ziel ist die schrittweise Umwandlung von historischen Friedhöfen in Parks mit Friedhofscharakter durch Denkmalpflege, Grünplanung und Naturschutz fachlich zu begleiten und eine langfristige Finanzierung zu sichern. Expertenvorträge und Workshops widmen sich Themen wie der Frage nach der Finanzierung der Anlagen ohne Gebühreneinnahmen; den möglichen Konflikten zwischen Denkmalschutz, Naturschutz und Freiraumplanung; der Nutzung von aufgelassenen Friedhöfen ohne, dass ihr Charakter verändert oder ihre Substanz gefährdet wird; der Entwicklung von erfolgreichen Projekte zur Umsetzung einer solchen Art der Erhaltung, z.B. durch die Gewinnung neuer Nutzergruppen unter Berücksichtung des "Kerngedankens der Kontemplation und der Stille". 

Damit ist die Veranstaltung für alle interessant, die sich mit dem Thema der Erhaltung  und Nutzung historischer Friedhöfe auseinandersetzen. 

Freitag, 15. Juni 2012

"Neues Leben zwischen alten Gräbern" - neue Veranstaltungen in Osnabrück

Wie schon am 27.4. hier berichtet, findet auf dem Hase- und Johannisfriedhof in Osnabrück eine Veranstaltungsreihe statt, mit der diese Friedhöfe stärker in das Blickfeld der Bevölkerung gerückt werden sollen. Die Vorträge, Führungen und weitere Aktivitäten finden jeweils am ersten Sonntag im Monat statt. Trotz schlechten Wetters waren die ersten Veranstaltungen sehr gut besucht und die Organisatoren erhielten nur positive Resonanz.

Im Juli und August folgen nun die nächsten beiden Tage, an denen "neues Leben" zwischen alten Gräbern Einzug hält. Das Tagungsprogramm findet sich in dem abgebildeten Flyer.

Mittwoch, 6. Juni 2012

Fußball zwischen Grabsteinen

Im Jahr 2007 habe ich hier zum ersten Mal über die Berliner Bürgerinitiative „Friedhof an der Heinrich-Roller-Straße“ berichtet. Sie wurde von Anwohnern des St. Marien - Friedhofs gegründet, weil sie erfahren hatten, dass die zuständige evangelische Kirchengemeinde "den Verkauf von Teilen ihres Friedhofes als Bauland vorbereitet und damit wertvolle Grünflächen für die Bewohner der angrenzenden Wohngebiete vernichten würde". Die Bürgerinitiative forderte anstatt dessen den langfristigen Erhalt als Friedhofs- und Grünfläche und Biotop. Ihre Proteste trugen Früchte: Der zuständige Bezirk Pankow leitete ein Bauleitplanverfahren ein. Die umstrittene Fläche wurde als Grünfläche ausgewiesen und jetzt ist es soweit: Die Berliner Zeitung meldet, dass Berlins neueste Grünanlage "Leise-Park" heißt, wobei man ihren Friedhofscharakter immer noch sieht: Hängematten, Hochstände, Podeste und Spielgeräte befinden sich inmitten von Grabsteinen und Steinplatten. Die parkordnung fordert von den Besuchern Ruecksichtnahme, weil die alten Grabsteine inmitten der neuen Spielgeräte noch „Orte der Andacht und Trauer“ sind und so sind auch Hunde ebenso verboten, wie Grillen und Partys und Nachts sind die Tore verschlossen. Das ist ein grossartiger Erfolg des bürgerschaftlichen Engagements! Herzlichen Glückwunsch nach Berlin!

Freitag, 27. April 2012

"Neues Leben zwischen alten Gräbern" - der Hase- und Johannisfriedhof in Osnabrück laden ein


Niels Biewer vom Forschungsprojekt zur Folgenutzung von Friedhöfen am Beispiel des Hase- und der Johannisfriedhof in Osnabrück informiert über die neue Veranstaltungsreihe auf diesen beiden Friedhöfen. Sie werden Ende 2015 entwidmet, so dass dann dort keine Beisetzungen mehr stattfinden. In diesem Blog wurde schon darüber berichtet. 

Konkret geht es um Fragen wie: "Was soll mit den beiden Friedhöfen geschehen, wenn sie nicht mehr als Begräbnisplatz genutzt werden? Wie kann die wertvolle Substanz dieser für die Stadt Osnabrück bedeutenden Denkmale dauerhaft erhalten bleiben und wie kann deren Wertschätzung in der Bürgerschaft gesteigert werden? Welche Nutzungen sind auf diesen Friedhöfen denkbar? Können sich regelmäßige kulturelle Veranstaltungen wie Konzerte, Lesungen oder Filmvorführungen dauerhaft etablieren? Können sie langfristig im Angebot der Osnabrücker Schulen und weiteren Bildungsträgern integriert werden?" 

So steht es in der Pressemitteilung zu lesen, die auf mögliche Antworten hinweist, die die Veranstaltungsreihe „Neues Leben zwischen alten Gräbern“ bringen könnte. Vielfältige kulturelle Aktivitäten werden damit angekündigt. Sie 
werden in diesem Jahr zum ersten Mal in Zusammenarbeit der Hochschule mit dem Osnabrücker ServiceBetrieb und vielen weiteren Beteiligten auf  beiden Friedhöfen stattfinden und sollen - unter dem Untertitel "Geschichte(n) Osnabrücks zwischen 1808 bis 2012" - den Bürgern die Friedhöfe mit ihren historischen Grabmalen als wertvolles Kulturgut näher bringen.


Thematisch geht es dabei am 6. Mai 2012 um Klassizismus und Romantik, am 3. Juni 2012 um Historismus und Jugendstil, am 1. Juli 2012 um die Klassische Moderne und Krieg, sowie am 5. August 2012 um Aufschwung und Pluralisierung.  

Der hier eingestellte Flyer nennt genaue Informationen sowie Uhrzeiten für die ersten zwei Veranstaltungstermine.

Dienstag, 4. Oktober 2011

"Das Gedächtnis einer Stadt pflegen" Tagungsband der Osnabrücker Tagung steht zum Download bereit

Wie berichtet, fand in Osnabrück vor kurzem eine Tagung zum Thema "Historische Friedhöfe" statt. Jetzt wurden die Beiträge zusammengestellt und stehen zum Download bereit, so dass jeder, der nicht dabei war, sich einen Überblick über die Fragestellungen verschaffen kann.

Sonntag, 18. September 2011

Tagungsbericht: Das Gedächtnis einer Stadt pflegen – Denkmal historischer Friedhof

Ein Beitrag von Luisa Fassbender (Osnabrücker ServiceBetrieb) und Niels Biewer (Hochschule Osnabrück)

Seit Ende des Jahres 2010 fördert die Deutsche Bundesstiftung Umwelt das Projekt „Erarbeitung und modellhafte Umsetzung eines innovativen Pflegekonzepts zur nachhaltigen Bewahrung des Hasefriedhofs und Johannisfriedhofs in Osnabrück unter Berücksichtigung von Naturschutz und Denkmalpflege“. Dieses Projekt läuft innerhalb des von der Stadt initiierten Konzeptes „Historisches Bewahren“, welches die Sicherung der langfristigen Pflege und die Entwicklung dieser beiden Friedhöfe gewährleisten soll.

In der ersten Phase des DBU-Projekts wurde jetzt - wie hier berichtet - am 02. September 2011 ein Fachsymposium in Osnabrück veranstaltet. Damit sollte einerseits die Öffentlichkeit eingebunden, andererseits sollten aber auch  private und öffentliche Träger ähnlicher Flächen herangezogen werden. Die Gruppe der knapp 40 Teilnehmer bestand sowohl aus kommunalen und kirchlichen Verwaltungsfachleuten, als auch aus Fachleuten aus dem Denkmalschutz, Planern und Mitgliedern von Fördervereinen.

Die Vorträge informierten über die Entwicklung der beiden historischen Friedhöfe Hase- und Johannisfriedhof in Osnabrück und den aktuellen Forschungsstand, gingen aber auch weiterführend auf allgemeingültige Themen ein, die aufgelassene Friedhöfe betreffen. Forschungsfragen wurden dabei in den Vorträgen erläutert, zur Diskussion gestellt und am Nachmittag in Arbeitsgruppen vertieft und erweitert, um so für die Fortführung des Forschungsprojekts wertvolle Impulse in Form offener Fragen oder guter Beispiele anderer Friedhofsträger zu gewinnen.

In ihrer Begrüßung betonte dabei die Leiterin der Abteilung Friedhöfe und Bestattungswesen des Osnabrücker ServiceBetriebs, Frau Eva Güse: „Der Stadt Osnabrück und dem Osnabrücker ServiceBetrieb (OSB) ist es ein großes Anliegen, die historischen Friedhöfe und deren Bestandteile in ihrer Qualität dauerhaft zu sichern.“ Danach leitete sie die Tagung mit der Vorstellung der Ziele und Strukturen des Konzeptes „Historisches Bewahren“ ein, erläuterte die damit verbundenen, erfolgreichen Anträge von Teilprojekten und beschrieb die praktischen Arbeitsgänge.

Der Projektbearbeiter des Büro Beck für Gartendenkmalpflege in Hannover, Herr Volker Gehring, gab wichtige Hintergrundinformationen zu den  1808 eröffneten Friedhöfen, z. B. zu ihrer  stadt- und baugeschichtliche Entwicklung. Außerdem präsentierte er den aktuellen Forschungsstand des Projekts: „Schrittweise sollen Pflegekonzept und dessen praktische Umsetzung entwickelt, erprobt und aufeinander abgestimmt werden“. Auf Grundlage der in den letzten Monaten durchgeführten Bestandserfassungen der denkmalrelevanten Substanz wie Baumbestand, Grabstätten und -male und Wegesystem, sowie der Kartierung von Flora und Fauna durch das Büro BMS-Umweltplanung, wird zurzeit ein Pflegekatalog entwickelt, der modellhaft umgesetzt werden soll.

Der Direktor des Diözesanmuseums des Bistum Osnabrück, Herr Dr. Hermann Queckenstedt, führte die Teilnehmer in seinem Vortrag mit dem Arbeitstitel "Pietät auf aufgelassenen Friedhöfen - Wo 'das Vieh die Gräber umwühlt' und 'Buben mit den Resten der Verstorbenen spielen'“ in eine Art Zeitreise. Er veranschaulichte die Entwicklung des Bestattungsverhaltens und den Umgang mit dem allgegenwärtigen Thema Tod vom Mittelalter bis heute. Die Diskussion des pietätvollen Verhaltens auf Friedhöfen fasste Herr Queckenstedt zu folgender These für die Zukunft der historischen Friedhöfe in Osnabrück zusammen: „Nicht die lange Liste als notwendig empfundener Verbote an den Eingängen wird über die Nachhaltigkeit der Friedhofszukunft entscheiden, sondern die möglichst breite Akzeptanz der Bürger mit ihren Selbstregulierungskräften. Wo reges Leben herrscht, schwindet der Raum für Unfug.“

Herr Niels Biewer, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Hochschule Osnabrück, stellte in seinem Vortrag "Folgenutzung aufgelassener Friedhöfe – Erste Forschungsergebnisse" ein Forschungsprojekt der Hochschule vor, mit dem bis Ende 2012 ein Konzept zur dauerhaften Nutzung aufgelassener historischer Friedhöfe am Beispiel des Hase- und Johannisfriedhofs in Osnabrück erarbeitet werden soll. Nachdem er auf das Problem hinwies, dass das Gros der ehemaligen Friedhöfe sehr einseitig bzw. fehlgenutzt werden, ging er auf die ersten Untersuchungen (zum Beispiel Nutzungsanalyse, Befragungen, Leitfadeninterviews, Landschafsbilderfassung, Inventarisierung) ein. Anschließend wurden Ansätze für Folgenutzungen vorgestellt, die sich zumeist in Verbindung mit anderen Institutionen im Bildungssektor ergaben. Das große Problem sei, so schloss er den Vortrag, dass zwar häufig ein Pflege- und Entwicklungskonzept für ehemalige Friedhöfe erarbeitet, dass aber dem Thema der Folgenutzung nur unzureichend Beachtung geschenkt würde. Nutzung sei aber die beste Denkmalpflege.

„Ein Friedhof ist ein Friedhof ist ein Friedhof“. Der Direktor vom Museum für Sepulkralkultur in Kassel, Herr Prof. Dr. Reiner Sörries referierte über das Thema "Der Wert und die Finanzierung historischer Friedhöfe in der Gesellschaft". Den „Wert“ historischer Friedhöfe unterteilte Prof. Dr. Sörries in den kunsthistorischen, ästhetischen Wert sowie den Naturwert und stellte zudem seine emotionale und pädagogische Wirkung heraus. Er wies darauf hin, dass die Fragestellung des Umgangs mit historischen Friedhöfen erstmals in den 1980er Jahren aufkam und somit noch recht jung sei. Seit diesem Zeitpunkt gäbe es jedoch mehr Publikationen, Forschung zu diesem Themenbereich, sowie Fördervereine, die sich für einzelne Friedhöfe einsetzen. Im zweiten Themenblock zur „Finanzierung“ hob er hervor, dass es schwer sei, Mittel für die laufende Unterhaltung zu bekommen; einfacher sei jedoch die Akquise für Einzelmaßnahmen. Die Wahl der richtigen Strategie und die Möglichkeiten für die weitere Finanzplanung sei vor allem dadurch bestimmt, in welchem Status sich der historische Friedhof befände, also ob er noch der Beisetzung diene, oder aber zwar nicht mehr der Beisetzung diene, aber noch als Friedhof gewidmet sei, oder ob er bereits entwidmet sei.

Frau Dr. Sylvia Butenschön, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Technischen Universität Berlin beendet die Vortragsreihe mit dem Thema Gehölze auf historischen Friedhöfen. Einleitend wurde dargelegt, wie sich die geschichtliche Entwicklung Gehölz bestandener Friedhöfe vollzogen hat, um beispielhaft aufzuzeigen, wie sich heute ein typisches Gehölz-Sortiment historischer Friedhöfe darstellt und welche Eigenheiten er meist aufweist. Mit Hilfe einer Tabelle konnte Frau Dr. Butenschön die Besonderheiten auf dem Hase- und Johannisfriedhof hervor-heben. Abschließend ergaben sich Hinweise zur zukünftigen Verwendung und zu dem Umgang mit Gehölzen auf historischen Friedhöfen.

Am Nachmittag bildeten die Teilnehmer kleine Arbeitsgruppen, um vorgegebene Themen zu diskutieren. Das Moderatorenteam der Gruppe „Pietät und Folgenutzung – Ein Widerspruch?“ erläuterte in der Abschlussdiskussion, dass eine abschließende Lösung nicht zu benennen sei, da individuell mit dem Thema Pietät umgegangen werde. Vorschläge zur pietätvollen Weiternutzung wurden genannt und müssten nun in der Friedhofsverwaltung weiter diskutiert werden.

Die Gruppe „Schritte auf dem Weg zur Treuhandstiftung“ erarbeitete Lösungsvorschläge für zukünftige Finanzierungsmöglichkeiten. Diskutiert wurden die Möglichkeiten einer Stiftungsgründung, eines möglichen Bürgerengagements, gezielter Projektförderung und umfangreicher Öffentlichkeitsarbeit.

In der Diskussion zum Thema „Gehölzpflege auf denkmalgeschützten Friedhöfen“ wurde mehrheitlich die Bedeutung, Akzeptanz und Qualität der historischen Baumstrukturen herausgestellt im Verbund mit der These, dass die Friedhöfe sich nach der Entwidmung zu einem „Park mit Friedhofscharakter“ entwickeln lassen.

Am Abend führte dann Matthias Rinn, der erste Vorsitzende des Förderkreises Hasefriedhof – Johannisfriedhof e.V., die Teilnehmer über den Hasefriedhof, womit das interessante und erfolgreiche Symposium einen angenehmen Abschluss fand.

Es kommt ein Tagungsband heraus, in dem alle Vorträge in Bild und Text digital veröffentlicht werden, damit man auch später noch darauf zurückgreifen kann.




Samstag, 13. August 2011

Der Assistens Kirkegård in Kopenhagen

Hauptweg mit Pappelallee, der viel von
 Radfahrern, Joggern und Spazier-
gängern genutzt wird (Foto Biewer)
Autor: Niels Biewer, Hochschule Osnabrück Fakultät Agrarwissenschaften und Landschaftsarchitektur Dipl.-Ing. (FH)

Da ich mich innerhalb eines Forschungsprojekts an der Hochschule Osnabrück mit der Folgenutzung aufgelassener, historischer Friedhöfe auseinandersetze (siehe Beitrag vom 27. Mai 2011), weckte der Assistens Kirkegård in Kopenhagen und die Planungen zu diesem Friedhof großes Interesse bei mir.


Der Assistens Kirkegård wurde im Jahre 1711 eröffnet und gilt als der kulturhistorisch bedeutendste Friedhof Dänemarks. Bestattet sind hier unter anderen Persönlichkeiten wie der Physiker Niels Bohr (gest. 1926), der Schriftsteller H. C. Andersen (gest. 1875) oder der Phi-losoph S. A. Kierkegaard (gest. 1855).

Übersichtskarte des Friedhofs. Geplante Aufteilung
 zum Jahr 2020: Museumsbereich (Abteilung A),
Erholungsbereich (Abteilungen B bis F), Bereich für
Bestattungen (Abteilungen J bis N) und Bereich für
Park (Abteilungen H, P bis V, X und Z) (Foto Biewer)


Mit seinem parkartigen Charakter und seiner innenstadtnahen Lage wird der Friedhof von den Bürgern vielfältig genutzt. Familien veranstalten ein Picknick zwischen den alten Grabsteinen, Pärchen sonnen sich auf der Wiese, kulturell interessierte Besucher betrachten ausgiebig den vielfältigen Bestand an Grabmalen, Jogger nutzen die Großflächigkeit der Anlage für ihr Training und Hinterbliebene besuchen die Grabstätten ihrer Verstorbenen.

Dieser etwa 20 ha große Friedhof der dänischen Hauptstadt soll ab 2020 in vier unterschiedlich genutzte Bereiche untergliedert werden. Der älteste Teil des Friedhofs wird ein Museumsbereich, ein Teil ein Erholungsbereich mit kulturhistorischem Potential, der dritte Teil reiner Park und der letzte ist als Fläche für neue Beisetzungen vorgesehen.

Spaziergänger und sonnenbadende Dame
im ältesten Teil des Friedhofs,
baldiger Museumsbereich (Foto Biewer)

Dieses Konzept nimmt zum einen die gegenwärtige Problematik auf, dass durch die Veränderung im Bestattungsverhalten (mehr Urnenbestattungen usf.) zunehmend weniger Platz benötigt wird. Zudem kommt es dem Bedürfnis der Bürger nach innerstädtischen Grünflä-chen nach.

Diese Tendenz zeigt sich auch in den Großstädten Deutschlands: Zum Beispiel
auf dem Alten Nord- und auf dem Alten Südfriedhof in München, die beide aufgrund der Nutzung durch sonnenbadende, picknickende oder joggende Besucher immer wieder in den Medien auftauchen. Auch die vielen Friedhöfe in Berlin werden in unterschiedlicher Weise von den Bürgern genutzt.



Eine Gruppe junger Kopenhagener 
verbringt den Nachmittag zwischen 
den alten Grabmalen unter dem 
alten Baumbestand. Dieser Bereich 
des Friedhofs soll bald als Erholungs-
bereich dienen (Foto Biewer)
Wichtige Fragen dabei sind, wie der jeweilige - noch in Nutzung befindliche oder ehemalige - Friedhof von dem Träger präsentiert wird bzw. was für ein Nutzungsangebot vorgegeben wird, wie die Fläche von den Bürgern angenommen wird und wie tolerant die verschiedenen Nutzer sich gegenseitig begegnen. Mit diesen Fragen beschäftigt sich auch das Forschungsprojekt, an dem ich derzeit arbeite.


Freitag, 27. Mai 2011

Nutzungskonzept für aufgelassene Friedhöfe - ein neues Projekt an der Hochschule Osnabrück

Ein Beitrag von Niels Biewer

Der Hase- und der Johannisfriedhof in Osnabrück, Baudenkmale nach § 3 Abs. 3 Niedersächsisches Denkmalschutzgesetz (NLD 2004), befinden sich in der Entwidmungsphase. Diese 1808 angelegten Friedhöfe sollen zum Ende 2015 entwidmet und in der Folge voraussichtlich als Parkanlage mit Friedhofscharakter weiter unterhalten werden.
Johannisfriedhof: Weitgehend abgeräumte
Fläche in der V. Abt. (Foto Biewer)
Viele Beispiele in Deutschland (wie der Neustädter Friedhof in Hannover, der Überwasser-Friedhof in Münster, der Albani-Friedhof in Göttingen, der St.-Petri-Friedhof in Braunschweig und viele mehr) machen deutlich, dass die schlichte Umwidmung in eine Grünanlage meist mit einem großen Verlust bezüglich Grabmalen, Wegeführung, Pflanzenbestand etc. einhergeht. Aus diesem Grund sollte bereits vor der Entwidmung ein Konzept vorliegen, welches klar aufzeigt, wie weiterhin mit den jeweiligen Flächen umzugehen ist. Dies betrifft sowohl die Pflege als auch die Nutzung.

Vor diesem Hintergrund wird zurzeit an der Hochschule Osnabrück (Fakultät Agrarwissenschaften und Landschaftsarchitektur) in Kooperation mit zehn Partnern aus der Verwaltung, der Wirtschaft sowie eines Vereins, ein Konzept zur nachhaltigen Nutzung von Kulturdenkmalen mit Grünbestand am Beispiel der zwei Denkmale Hase- und Johannisfriedhof erarbeitet. Gefördert wird dieses zweijährige Projekt durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE).

Unter Berücksichtigung des § 9 des Niedersächsischen Denkmalschutzgesetzes (NLD 2004), der besagt, dass für Baudenkmale eine Nutzung anzustreben ist, die die Erhaltung des Denkmals auf Dauer gewährleistet, sollen für die zwei Untersuchungsgebiete mit ihren alten Baumbeständen, parkähnlichen Strukturen, historisch bedeutenden Einfriedungen und Grabstätten Szenarien im Sinne einer denkmalverträglichen Nutzung entwickelt werden.
Hasefriedhof: Die ältesten
Pfeilgrabmale in der I. Abt. (Foto Biewer)
Nachdem zu Beginn des Projekts Thesen, Leitbilder und Ziele formuliert sowie mögliche Funktionen historischer Friedhöfe herausgestellt wurden, wird momentan eine solide und aktuelle Grundlagenforschung vor Ort und im näheren Umfeld der Untersuchungsgebiete durchgeführt. Zum einen werden die gegenwärtigen Nutzungsformen anhand von regelmäßigen Begehungen und Befragungen analysiert: Wer nutzt die Friedhöfe wie und warum, was für ein Bezug besteht zwischen den Nutzern und der Fläche und welche Erwartungen, Wünsche und Ängste spielen mit? Zum anderen wird das Nutzungspotential analysiert: Durch die Erfassung der Naturelemente und der Bausubstanz soll aufgezeigt werden, inwiefern einzelne Bestandteile für den Besucher erfahrbar gemacht werden können und wie sie sich mit Bestandteilen der Stadt Osnabrück verknüpfen lassen? Große Beachtung kommt auch der Beantwortung der Frage zuteil, welche Interessensgruppen zu welchen Themenfeldern für die Denkmale gewonnen werden können.
Johannisfriedhof: Blick durch den
Torbogen von der V. in die IV. Abt. (Foto Biewer)
Anschließend sollen auf Grundlage der Ergebnisse konkrete Nutzungs-Szenarien erarbeitet werden. Die mit konzeptionellen Maßnahmenvorschlägen angefüllten Szenarien sollen gegeneinander abgewogen und bewertet werden, um zu durchführbaren Ergebnissen zu gelangen.

Die Ergebnisse sollen unter Beachtung wirtschaftlicher, kultureller, ökologischer und die Bildung betreffender Aspekte auf andere Flächen, die Parallelen zu den zwei Untersuchungsgebieten aufweisen, übertragbar sein. Das Projekt berücksichtigt zudem die Belange von kleinen und mittleren Unternehmen, insbesondere die als Kooperationspartner beteiligt sind.

Hochschule Osnabrück
Fakultät Agrarwissenschaften und Landschaftsarchitektur
Dipl.-Ing. (FH) Niels Biewer

Oldenburger Landstraße 24
49090 Osnabrück