Samstag, 13. August 2011

Der Assistens Kirkegård in Kopenhagen

Hauptweg mit Pappelallee, der viel von
 Radfahrern, Joggern und Spazier-
gängern genutzt wird (Foto Biewer)
Autor: Niels Biewer, Hochschule Osnabrück Fakultät Agrarwissenschaften und Landschaftsarchitektur Dipl.-Ing. (FH)

Da ich mich innerhalb eines Forschungsprojekts an der Hochschule Osnabrück mit der Folgenutzung aufgelassener, historischer Friedhöfe auseinandersetze (siehe Beitrag vom 27. Mai 2011), weckte der Assistens Kirkegård in Kopenhagen und die Planungen zu diesem Friedhof großes Interesse bei mir.


Der Assistens Kirkegård wurde im Jahre 1711 eröffnet und gilt als der kulturhistorisch bedeutendste Friedhof Dänemarks. Bestattet sind hier unter anderen Persönlichkeiten wie der Physiker Niels Bohr (gest. 1926), der Schriftsteller H. C. Andersen (gest. 1875) oder der Phi-losoph S. A. Kierkegaard (gest. 1855).

Übersichtskarte des Friedhofs. Geplante Aufteilung
 zum Jahr 2020: Museumsbereich (Abteilung A),
Erholungsbereich (Abteilungen B bis F), Bereich für
Bestattungen (Abteilungen J bis N) und Bereich für
Park (Abteilungen H, P bis V, X und Z) (Foto Biewer)


Mit seinem parkartigen Charakter und seiner innenstadtnahen Lage wird der Friedhof von den Bürgern vielfältig genutzt. Familien veranstalten ein Picknick zwischen den alten Grabsteinen, Pärchen sonnen sich auf der Wiese, kulturell interessierte Besucher betrachten ausgiebig den vielfältigen Bestand an Grabmalen, Jogger nutzen die Großflächigkeit der Anlage für ihr Training und Hinterbliebene besuchen die Grabstätten ihrer Verstorbenen.

Dieser etwa 20 ha große Friedhof der dänischen Hauptstadt soll ab 2020 in vier unterschiedlich genutzte Bereiche untergliedert werden. Der älteste Teil des Friedhofs wird ein Museumsbereich, ein Teil ein Erholungsbereich mit kulturhistorischem Potential, der dritte Teil reiner Park und der letzte ist als Fläche für neue Beisetzungen vorgesehen.

Spaziergänger und sonnenbadende Dame
im ältesten Teil des Friedhofs,
baldiger Museumsbereich (Foto Biewer)

Dieses Konzept nimmt zum einen die gegenwärtige Problematik auf, dass durch die Veränderung im Bestattungsverhalten (mehr Urnenbestattungen usf.) zunehmend weniger Platz benötigt wird. Zudem kommt es dem Bedürfnis der Bürger nach innerstädtischen Grünflä-chen nach.

Diese Tendenz zeigt sich auch in den Großstädten Deutschlands: Zum Beispiel
auf dem Alten Nord- und auf dem Alten Südfriedhof in München, die beide aufgrund der Nutzung durch sonnenbadende, picknickende oder joggende Besucher immer wieder in den Medien auftauchen. Auch die vielen Friedhöfe in Berlin werden in unterschiedlicher Weise von den Bürgern genutzt.



Eine Gruppe junger Kopenhagener 
verbringt den Nachmittag zwischen 
den alten Grabmalen unter dem 
alten Baumbestand. Dieser Bereich 
des Friedhofs soll bald als Erholungs-
bereich dienen (Foto Biewer)
Wichtige Fragen dabei sind, wie der jeweilige - noch in Nutzung befindliche oder ehemalige - Friedhof von dem Träger präsentiert wird bzw. was für ein Nutzungsangebot vorgegeben wird, wie die Fläche von den Bürgern angenommen wird und wie tolerant die verschiedenen Nutzer sich gegenseitig begegnen. Mit diesen Fragen beschäftigt sich auch das Forschungsprojekt, an dem ich derzeit arbeite.


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