Dienstag, 7. Dezember 2021

Grüfte und Mumien - Band 66 der Zeitschrift "Das Alterum"

Der Band 66/1 der Zeitschrift das Altertum widmet sich ausführlich dem Thema Gruft verbunden mit der darin stattfindenden Mumifizierung von Leichen. Die Hauptautoren dieses Bandes sind die beiden Gruftforscher*innen Regina und Andreas Ströbl. Sie stellen in ihrer Einführung den Gruselfaktor der Ausstellung von Mumien ethischen Überlegungen gegenüber. Die folgenden Beiträge spannen einen Bogen von der Renaissance bis ins 20. Jahrhundert. Bei der Frage nach der der Technik von Konservierungsmethoden wird zugleich auch ihr Zweck untersucht. Zudem geht es um den Umgang mit Grablegen, die in den vergangenen zwei Jahrzehnten interdisziplinär erforscht und restauriert wurden, wobei in diesem Heft erstmalig neue Ergebnisse dieser Forschung vorgestellt werden und besondere Einblicke in das Leben der Menschen früherer Epochen und in ihre ganz individuellen Geschichten möglich werden.
Der Einstieg in das Thema wird mit einer Annäherung an Gruften als Phänomene der Bestattungskultur und der Frage, ob es eine Tradition der bewussten Mumifizierung im christlichen Europa gibt, ermöglicht. Darauf folgt ein Beitrag von Johanna Preuß-Wössner u.a. über die abschließende Klärung der Todesursache des Prinzen Adolf aus der Schleswiger Fürstengruft der Herzöge zu Schleswig-Holstein-Gottorf. Bettina Jungklaus stellt die Ergebnisse von osteoanthropologischen Analysen an den sterblichen Überresten von Bestatteten aus der „Unteren Fürstengruft“ im Schleswiger Dom vor. Danach widmen sich die Ströbls der weltberühmten, aber kaum erforschten Catacombe dei Cappuccini in Palermo und stellen zum Schluss Aspekte zur Leichenkonservierung in der Frühen Neuzeit zur Diskussion. Damit ermöglicht dieser Band einen guten Überblick über die zeitgenössische Gruftforschung und ihre interessanten Ergebnisse. 

Hier das Inhaltsverzeichnis: 

Regina und Andreas Ströbl, Zum Geleit: Mumien und Grüfte – Faszination ohne Gruselfaktor 

Regina und Andreas Ströbl, Warum Familiengrüfte? – Annäherung an ein Phänomen der Bestattungskultur 

Regina und Andreas Ströbl, „...und werde in meinem Fleisch Gott sehen“ – der Leib im christlichen Grab 

Johanna Preuß-Wössner, Fürstlicher Besuch im CT – Klärung der Todesursache bei u.a. einer Mumie durch Bildgebung 

Bettina Jungklaus „Das Leben ist nur ein Moment, der Tod ist auch nur einer.“ Ergebnisse der osteoanthropologischen Analysen an den sterblichen Überresten der Bestatteten aus der „Unteren
Fürstengruft“ im Schleswiger Dom 

Regina und Andreas Ströbl, Weltberühmt und kaum erforscht – Die Catacombe dei Cappuccini in Palermo 

Regina und Andreas Ströbl, „...wie man die verstorbene Leichnam und Todten Cörper einwürtzen und Balsamieren soll“ – Aspekte zur Leichenkonservierung in der Frühen Neuzeit 

DAS ALTERTUM, Band 66/1, ISENSEE VERLAG ISSN 0002-6646 Band 66 (2021)

Freitag, 3. Dezember 2021

Ein Friedhof für alle Bekenntnisse - Der Zentralfriedhof Friedrichsfelde in Berlin

Cover: Ein Friedhof für alle Bekenntnisse
Dieses Buch über den Zentralfriedhof Friedrichsfelde von Jürgen Hofmann ist vom Kommunalpolitischen Forum e.V. in Berlin herausgegeben worden. Es beginnt mit einer zehnseitigen Friedhofsgeschichte. Ausgehend von der Anlage als Parkfriedhof - die Anregungen dazu kamen von dem Hamburger Friedhof Ohlsdorf - sollte der 1881 in einem ersten Teilstück eröffnete Friedhof allen Berliner ohne "Unterschied der Stände und des religiösen Bekenntnisses" offen stehen. Zugleich wurde dieser Friedhof zu einem Wegbereiter für die Feuerbestattung, da dort lange bevor sie in Preußen 1911 offiziell zugelassen wurde, schon die Möglichkeit zur Urnenbeisetzung vorhanden war. 

Zum "Sozialistenfriedhof", wie dieser Friedhof im Volksmund heißt, wurde der Ort schließlich durch die Beisetzung Wilhelm Liebknechts. Er war einer der Gründerväter der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD). Seine Bestattung fand am 12. August 1900 unter Teilnahme von tausenden Besuchern statt. Später wurden in der Nähe seines Grabes weitere wichtige Parteimitglieder bestattet. Dazu kam die Grabstätte, in der 1919 Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, sowie 31 weitere Opfer der Januarkämpfe ihre letzte Ruhe fanden. Zu diesem Ort kommt jährlich im Januar eine große Zahl von Menschen um ihrer zu gedenken. 

Der Autor, der auch auf die Rolle eingeht, die dieser Begräbnisplatz unter den Nationalsozialisten und in der DDR spielte, stellt danach die Bauwerke und Grabanlagen des Friedhofes vor, zu denen auch das 1935 abgerissene und später provisorisch wieder aufgebaute Revolutionsdenkmal, sowie die Gedenkstätte der Sozialisten und der Erhenhain für Verfolgte des Nationalsozialismus gehören. Darauf folgt ein biografischer Führer, der die einzelnen Bestatteten mit Lebensdaten und kurzen Lebensgeschichten vorstellt, wobei diese nicht alphabetisch, sondern nach Grablage geordnet sind. Namensregister, Literaturangaben und ein Friedhofsplan runden diesen Friedhofsführer ab, durch den man im 140. Jahr nach seiner Eröffnung ausführlich über diesen für Sozialdemokraten und Kommunisten bedeutenden Bestattungsplatz informiert wird.

Jürgen Hofmann, Ein Friedhof für alle Bekenntnisse. Der Zentralfriedhof Friedrichsfelde in Berlin, Berlin 2021, 148 S. zahlr. Farbabb. 10,00 EUR zzgl. Porto.


Freitag, 12. November 2021

CEMETOURISM - CEMETERIES WITH STORIES TO TELL

Gestern und heute (11. und 12. November 2021) hat die Jahreskonferenz der ASCE online auf Zoom stattgefunden. Es war ein sehr interessantes Programm, das zum Glück auf aufgenommen wurde. So gebe ich hier nur das Programm wieder und werde mit Sicherheit auf die Seite der ASCE verlinken, wenn die Vorträge dort veröffentlicht sind. Also am besten später noch mal vorbeischauen!





Dienstag, 26. Oktober 2021

Achtung: Grabstättenübernahme als Provokation!

Partie auf dem Stahnsdorfer Friedhof in Berlin
Friedhofsverwaltungen und Förderkreise, die Grabmalpatenschaften anbieten und bewerben, müssen darauf gefasst sein, dass Menschen mit kruden Ideologien diese Orte nicht nur zur Beisetzung sondern auch als Mittel zur Provokation benutzen.

Warum ich das schreibe? Es gibt immer wieder Fälle, in denen Friedhöfe und Gräber ideologisch mißbraucht werden. Der jüngste Zwischenfall fand auf dem Stahnsdorfer Friedhof statt. Dort wurde das historische Grab des 1934 verstorbenen Wissenschaftlers Max Friedlaender, der aus einer jüdischen Familie stammte und zum Protestantismus übergetreten war, neu vergeben; zwar nicht in Patenschaft, aber auf dem Grab steht das historische Grabmal Friedlaenders. Wie wie der ganze Friedhof steht auch dieses Grabmal unter Denkmalschutz. 

Das Grab selbst war seit langem abgelaufen. Nun wurde es vom einem Berliner NPD-Funktionär für den an einem anderen Ort Verstorbenen justizbekannten Shoahleugner Henry Hafenmayer erworben. Dessen Urne wurde dort vor kurzem beigesetzt. Dabei wurde der historische, schlichte Gedenkstein des deutschen Juden schwarz verhangen und auf dem Überzug wurden die persönlichen Daten Hafenmayers angebracht. Auf dem Grab wurden Kränze mit neonazistischer Symbolik drapiert (nähere Infos dazu auf Friedensdemo-Watch, sowie die Presseinformationen des evangelischen Friedhofsträgers). 

Offensichtlich wurde die Grabstätte bewusst ausgesucht und ziemlich wahrscheinlich ist die Beisetzung an dieser Stelle auch als Provokation geplant worden. Und weil dieses Beispiel auch anderswo in den entsprechenden Kreisen Schule machen könnte, denke ich, dass alle, die Grabmalpatenschaften anbieten, gut beraten sind ihre Listen daraufhin zu überprüfen, ob sich Grabstätten von Menschen mit jüdischer Abstammung darunter befinden. Unorthodoxe und konvertierte Juden haben sich im 19. und 20. Jahrhundert selbstverständlich auf christlichen und kommunalen Friedhöfen beerdigen lassen. Und außerdem haben die Nationalsozialisten  nach 1939 in vielen Städten die jüdischen Friedhöfe geschlossen, so dass Glaubensgenossen sich dort nicht mehr beerdigen lassen konnten und auf andere Friedhöfe ausweichen mussten.

Vielleicht sollte man niemandem aus politischen Gründen ein Grab auf einem Friedhof verweigern. Aber sicher kann man dafür sorgen, dass jüdische Gräber - und dazu zählen auch Gräber von deutschen Juden, die zu einem anderen Glauben übergetreten sind, - nicht zur Provokation von Leugnern der Shoa benutzt werden! Friedhofsverwaltungen und Förderkreise sollten solche Gräber und Grabsteine auf dem eigenen Friedhof kennen und sie sollten nicht für Neubelegungen oder Patenschaften freigegeben werden.

Montag, 25. Oktober 2021

Totentage im November

Beleuchtete Gräber auf dem St. Barbara Friedhof in Linz (Pressebild)
Der November rückt heran und damit auch die christlichen und staatlichen Totengedenkttage, zuerst Allerheiligen und Allerseelen, dann der Volktstrauertag und der Ewigkeitssonntag. Für die Zeitshrift "Ohlsdorf-Zeitschrift für Trauerkultur" haben wir das zum Schwerpunkt des nächsten Heftes genommen. Olga Reher schreibt über die den "Tag der Toten" in Mexiko, Norbert Fischer berichtet vom Friedhofsgeschehen an diesem Tag in Murcia in Spanien und ich habe mich ein wenig mit Geschichte und Brauchtum von Allerseelen in Deutschland und Europa beschäftigt. Hier eine Kurzfassung meiner Erkenntnisse, die dann noch ausführlich in der Zeitschrift zu lesen sind, die Mitte November erscheinen wird:

Montag, 11. Oktober 2021

Fumerale 10: "Ciao Bello" - Bestattungen für verstorbene Haustiere?

 Das ist jetzt leider total an mir vorbeigegangen und dabei hätte ich sogar online dabei sein können. Wie schade! Vom 7.-10.10.2021 hat nämlich die 10 Funerale in Rostock stattgefunden, bei der es um die gemeinsame Bestattung von Haustieren und ihren Menschen ging. Hier wenigstens der Flyer und der Link zum Pressetext:

Funerale 2021 Flyer Vorderseite

Funerale 2021 Flyer Rückseite


Montag, 20. September 2021

Das Ewig-Weibliche zieht uns hinan

Grabskultur auf dem Friedhof Montparnasse, Paris - Foto von Semira Mis 
Das Buch von Isolde Ohlbaum "Denn alle Lust will Ewigkeit", das schon 1986 erschienen ist, gilt als Klassiker für Taphophile (Liebhaber und Liebhaberinnen von Friedhöfen). Aber das Thema Frau und Tod ist viel älter und wurde immer wieder in Literatur und Kunst bearbeitet, wie ja auch die Gedichte und Text, die Isolde Ohlbaum in ihrem Buch zitiert, zeigen (siehe dazu auch das Stichwort Frau und Tod im Lexikon der Bestattungskultur Bd. 4). 

Und das Thema regt immer wieder neue Werke an: So erreichte mich gerade die Information, dass die junge Fotografin Semira Mis ihre Debütausstellung unter dem Titel eröffnet "Das Ewig-Weibliche zieht uns hinan - L’éternel féminin nous tire vers le haut. Erotische Skulpturen auf Pariser Friedhöfen". 

Die Fotografin dokumentiert seit mehreren Jahren erotisch-anmutende Frauenskulpturen auf europäischen Friedhöfen und präsentiert in Berlin eine Auswahl ihrer Paris-Sammlung (Fotografien von den Friedhöfen Montmartre, Père Lachaise, Montparnasse). 

Zur Vernissage am 1. Oktober wird die Sängerin Gerhild mit französischen Chansons für das passende, musikalische Flair sorgen. Begleitend zur Ausstellung wird es eine kleine Veranstaltungsreihe mit Vorträgen und einem Philosophischen Café geben.

Die Ausstellung ist vom 1. - 24. Oktober 2021 in der Berliner Novilla (Hasselwerderstraße 22, Berlin-Schöneweide) zu sehen. Die Vernissage findet am 1. Oktober um 19:00 statt.

Semira Mis PhotoArt Facebook / Novilla, Hasselwerderstraße 22, 12439 Berlin-Schöneweide, https://movingpoets.org/concrete5/index.php/novilla