Dienstag, 25. Juni 2024

Ohlsdorfer Friedensfest 2024

 Auch in diesem Jahr findet Ende Juli/Anfang August wieder das Friedensfest auf dem Ohlsdorfer Friedhof statt. Sein Name leitet sich nicht so sehr von der Bombardierung der Stadt durch die Alliierten Ende Juli bis Anfang August 1943 und dem dadurch ausgelösten entsetzlichen Feuersturm her, sondern soll vielmehr, wie die veranstaltenden Initiativen schreiben, an die Befreiung vom Nationalsozialismus erinnern, zu der dieser Krieg schließlich durch das militärische Eingreifen der Allierten führte. So ist das Fest "ein Bekenntnis zu den heute geltenden demokratischen Werten, insbesondere der Anerkennung der Würde des Menschen. Werte, die das damalige NS-Regime verachtete und permanent missachtete".

Hier folgt der Einladungsflyer, den man auch hier downloaden kann. Und natürlich wird auch der Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof e.V. mit Führungen zum Thema vertreten sein:




Mittwoch, 12. Juni 2024

Neue "Frauenpower" für Dresdens Friedhofskultur

Familiengruft von Seydlitz und Kurzbach auf dem Alten Annenfriedhof in Dresden (Von SchiDD - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=56975254)

Wie die Verwalterin der Annen-Friedhöfe und Sprecherin des Netzwerkes Dresdner Stadtteilfriedhöfe, Lara Schink, auf ihrer Facebook-Seite schreibt, unterstützt seit Mai diesen Jahres die 28-jährige Kunsthistorikerin und gebürtige Dresdnerin Nathalie Reith die Friedhofs-Kulturarbeit in Dresden. Für sie wurde eine neue Stelle geschaffen. Der Schwerpunkt ihrer Projektarbeit soll vor allem im Planen und Koordinieren gemeinsamer Projekte in den Bereichen Öffentlichkeits- und Kulturarbeit liegen. 

Damit sollen Dresdnerinnen und Dresdner generationsübergreifend an Friedhöfe und deren Mehrwert in ökologischer, erinnerungskultureller und lokalgeschichtlicher Hinsicht herangeführt werden. Die Inhaberin dieser neuen Stelle ist stark mit der Stadt verwurzelt und begeisterte sich bereits während ihres Studiums für Sepulkralarchitektur und Friedhofskultur. Wie sie sagt, liegt ihr der Gedanke, die lokalen Friedhöfe als bedeutende kulturelle Institutionen zu bewahren und weiterzuentwickeln, besonders am Herzen. Friedhöfe sind für sie nicht nur Orte des Abschieds, sondern auch zentrale Ankerpunkte für Erinnerungskultur und Gemeinschaft.  

In Dresden gibt es mit beinahe 60 verschiedene Friedhöfe und damit auch einen großen Reichtum an historischen Grabmalen und Anlagen. Träger von 49 Friedhöfen in der Stadt ist die Evangelisch-Lutherische Kirche, die diese neue Stelle geschaffen hat. Lara Schink, die durch ihre Arbeit stark daran mitgewirkt hat, dass der Bedarf für eine solche personelle Verstärkung der sepulkralen Öffentlichkeitsarbeit erkannt worden ist, erhofft sich davon, dass die Vielfalt und Vielseitigkeit der Dresdner Friedhofslandschaft so noch erlebbarer wird und dadurch auch Berührungsängste mit dem Ort Friedhof abgebaut werden können. Die Projekte auf den Friedhöfen sollen zudem auch Angehörige bei der Trauerverarbeitung unterstützen – zum Beispiel durch Seelsorge- und Begegnungsangebote.      

Freitag, 24. Mai 2024

"HALT" - Das Jahrbuch für Sepulkralkultur 2024


Cover des neuen Jahrbuchs

Die Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal e.V. in Kassel hat auf ihrer letzten Jahresversammlung beschlossen die vierteljährlich erscheinenden Zeitschrift "Friedhof und Denkmal", die seit 1956 zuerst als Informationsblatt für die Mitglieder später als anspruchsvolle Vierteljahresschrift herausgegeben wurde zugunsten anderer Medien einzustellen. Für die Mitglieder und Freunde des Vereins gibt es inzwischen einen Newsletter, der per Mail verschickt wird und im Augenblick relativ häufig im Postfach landet. Als "wertige" Publikation ist nun kurz vor der diesjährigen Mitgliederversammlung das erste Jahrbuch des Vereins mit dem aussagekräftigen Titel "Halt" erschienen und kam heute zusammen mit der letzten Ausgabe der Zeitschrift mit der Post. 

Das Jahrbuch soll, so steht es in der letzten Ausgabe der Zeitschrift, "sowohl in Form wie auch Inhalt die Arbeit des Vereins, des Museums und des Zentralinstituts für Sepulkralkultur sowie das Alleinstellungsmerkmal dieser Konstellation sichtbar" machen. Zudem wird damit eine "Öffnung in die Gesellschaft" angestrebt, wodurch auch das Netzwerk erweitert werden soll.

Cover der letzten Ausgabe

Die letzte Ausgabe der Zeitschrift trägt auf der Rückseite eine Art Todesanzeige mit den Daten: "* Juni 1956 - + April 2024". Die Texte stammen teilweise von Anna Lischper M.A., die im Museum für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, das Museumsmarketing und die Redaktion zuständig ist. Dabei überschneidet sich der Inhalt in einigen Teilen mit dem des neuen Jahrbuchs. In den Rubriken "Museum", "Ausblick", "Sammlung und Forschung", "Verein" und "Termine" werden unter anderem vergangene und gegenwärtige Ausstellungen des Museum und seine Neukonzeption thematisiert. 

Rückseite der letzten Ausgabe
Ebenso wie die letzte Ausgabe der Zeitschrift hat das auch neue Jahrbuch ein ambitioniertes und ansprechendes Layout. Dazu kommt in der 88seitigen, großformatien Broschüre eine für ältere Augen sehr freundliche Schriftgröße und Gestaltung. 

Aufgelockert werden die Beiträge durch Kurzgeschichten und immer einmal wiederkehrende Seiten mit dem Thema "Mein Friedhofsmoment", auf denen Friedhofsbilder und die zugehörigen Gedanken jener, die sie fotografiert haben, abgedruckt sind. Inhaltlich bietet das Jahrbuch einen bunten Mix, der von in und ausländischen Kurzporträts von historisch interessanten Friedhöfen, über Interviews - sowohl TV-Moderator Ralph Caspers wie der Holzbildhauer Stephan Balkenhol werden über den Tod befragt -, einem Essay des Soziologen Thorsten Benkel zum Thema Sozialer Tod, einem Gastbeitrag von P. Anselm Grün OSB zum Thema Trost und Trösten, sowie Beiträgen zum eigenen Selbstverständnis und der zukünftigen Entwicklung von Verein, Museum und Zentralinstitut reicht. Auffällig ist, dass für das Jahrbuch - anders als bisher in der Zeitschrift - in der Öffentlichkeit bekannte Persönlichkeiten interviewt bzw. um einen Beitrag gebeten worden sind. Eine Fülle von teilweise großformatigen Abbildungen runden die Textbeiträge ab. 

 

Editorial des Herausgebers

Friedhof und Denkmal, Zeitschrift für Sepulkralkultur 3/4 2023, 46 S., zahlr. farb. Abb.
 
Halt. Das Jahrbuch für Sepulkralkultur. 2024, Hrsg. Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal e.V., Kassel 2024, 88 S., Format DinA4, zahlr. farb. Abb., 12 Euro, Bezugsquelle: Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal  info@sepulkralmuseum.de



Freitag, 3. Mai 2024

R.I.P. Die letzte Adresse - Tod und Bestattungskultur in Leipzig

Cover der Ausstellungsbroschüre
Im Stadtgeschichtlichen Museum in Leipzig findet zur Zeit - vom 20.3. bis 1.9.2024 - eine Sonderausstellung zu Tod und Bestattung in der eigenen Region statt. Dazu gibt es ein Begleitprogramm, bei dem neben Vorträgen, Musikdarbietungen zum Thema, auch Ausstellungs- und Friedhofsführungen angeboten werden.
 
Das Das Begleitbuch zu der Sonderausstellung geht auf die unterschiedlichen Aspekte der Bestattungskultur der Stadt näher ein. Doreen Zerbe, die sich schon in ihrer Dissertation mit den Denkmalen in der Stadtkirche Wittenberg als Zeugnisse lutherischer Memorialkultur befasst hat, zeichnet die Entwicklungsgeschichte der Leipziger Friedhöfe und der jeweiligen zeitgenössichen Bestattungskultur nach. Der folgene Beitrag geht auf die jüdischen Friedhöfe am Ort ein. Besonders interessant ist, dass die sozialistische Bestattungskultur in der Stadt in einem eigenen Kapitel thematisiert wird und ein weiteres speziell auf den Sozialistischen Ehrenhain auf dem Leipziger Südfriedhof eingeht. 

Die Themen „Menschen ohne Grabstein“, „Bestattung in einer globalisierten Welt“ und ein Interview mit einem Bestatter, sowie ein Hinweis auf die Paul-Benndorf-Gesellschaft zu Leipzig e.V., die sich der Erhaltung der Friedhofskultur verschrieben hat, runden das Buch ab. 

Zwischen den Beiträgen findet sich auf schwarzem Grund jeweils die Frage „Hätten Sie’s gewusst?“ und dazu werden kurze allgemeine Informationen zum Thema gegeben.    

Insgesamt ist es sehr zu begrüßen, dass gerade ein Stadtmuseum so ausführlich dieses besondere Thema bezogen auf die eigene Region untersucht und seinen Besuchern vorstellt. Ungewöhnlich ist dabei auch das Titelbild der Website, das ein Aquarell von Leipzigs erstem Bestattungsinstitut zeigt. 

                Screenshot der Ausstellungswebsite mit Aquarell des ersten Leipziger Beerdigungsinstitutes

 Allerdings würde ich die Aussage auf dieser Seite, dass heute der Tod weithin als größtes Tabuthema des modernen Menschen gilt, nicht unterschreiben.

R.I.P. – DIE LETZTE ADRESSE. Tod und Bestattungskultur in Leipzig. Begleitbuch zur gleichnamigen Sonderausstellung. Herausgegeben von Ulrike Dura, Anselm Hartinger, Steffen Poser im Auftrag der Stadt Leipzig. 2024 Leipzig, 119 Seiten, zahlr. Abb.

Mittwoch, 17. April 2024

Das Totengräberhaus in Nürnberg-Wöhrd

Grab von Veit Stoß auf dem St. Johannisfriedhof in Nürnberg
Das ehemalige Totengräberhaus des evangelischen Friedhofs in Nürnberg-Wöhrd entstand im 17. Jahrhundert und wurde vor einiger Zeit als Baudenkmal aufwändig instandgesetzt. (Ein hübsches Bild des Friedhofs aus dem 18. Jh., der wie die beiden berühmteren Nürnberger St. Johannis- und St. Rochusfriedhof ebenfalls mit liegenden Grabsteinen - s. Abb rechts - besetzt ist, gibt es hier zu sehen.)

 Seit dem letzten November ist dort eine  Dauerausstellung zu sehen, in der am authentischen Ort, also in den früheren Wohnräumen des jeweiligen Totengräbers, die Geschichte von Wöhrd mit dem Schwerpunkt auf dem Friedhof, der heute noch in Betrieb ist, vorgestellt wird. Neben der einstigen Begräbniskultur, werden auch die Lebensumstände der Menschen beleuchtet, die in Wöhrd lebten und begraben sind, aber auch die jener Menschen, die auf dem Friedhof arbeiteten. Audiostationen und besondere Objekten aus dem Alltag des Totengräbers laden zudem dazu ein, sich auch mit der eigenen Vergänglichkeit auseinander zu setzen.

Zusammen mit dem heutigen Wöhrder Friedhof wurde eine Kapelle an der Südwestecke errichtet, die im Zweiten Weltkrieg völlig zerstört wurde. Zuvor hatte die Einwohner von Wöhrd ihre Toten bei der dortigen St. Bartholomäuskirche beerdigt. Dieser Kirchhof wurde am 16. Mai 1529 geschlossen und an den heutigen Ort vor die östlichen Stadtmauern an der Kreuzung der Wege nach St. Jobst und Mögeldorf verlegt. Der historische Teil des - 1562 und 1642 nach Süden, 1882 nach Norden erweiterten - Friedhofs weist die für Nürnberg typischen liegenden, genormten Grabsteine auf. 1632/34 wurden dort viele Pestopfer aus dem schwedischen Regiment von Hastver beerdigt. 1662 wurde das noch stehende Totengräberhäuschen in der Mitte des Friedhofs errichtet. 

Angeregt wurde die Dauerausstellung von der Gemeinde St. Bartholomäus in Wöhrd, der der Friedhof gehört. Die Umsetzung wurde durch die Altstadtfreunde e. V., den Verein für Geschichte der Stadt Nürnberg e. V., den Vorstadtverein Nürnberg Wöhrd von 1877 e. V. sowie durch private Spendenbeiträge gefördert und von Dr. Antonia Landois, Alice Olaru M. A. und Helge Weingärtner M. A. vom Stadtarchiv Nürnberg inhaltlich erarbeitet.

Friedhof Wöhrd, Totengräberhaus Wöhrd, 1. Stockwerk, Bartholomäusstraße 44, 90489 Nürnberg. Der Zugang zur Ausstellung ist aufgrund der historischen Bausubstanz nicht barrierefrei. Öffnungszeiten Di-Fr 10-16 Uhr 

Laut der Website des Nürnberger Stadtarchivs soll im zweiten Quartal 2024 eine Online-Präsentation der Ausstellungsinhalte erfolgen. Die Informationen zu dem Friedhof sind der Zeitschrift Norica, Sept. 2018, S.85 entnommen. 

Zu dem Bild oben: Es zeigt jene liegenden Platten, die seit dem Erlaß des Nürnberger Rates von 1520 vorgeschrieben waren, um die Gleichheit im Tode zu sichern. So ähnlich sehen auch die Grabmale auf dem Wöhrder Friedhof aus. Bildnachweis: Von Tilman2007 - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=62339852


Dienstag, 16. April 2024

Jubiläumsjahr: 160 Jahre Zwölf-Apostel-Kirchhof

Screenshot der Seite der Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde zu den Jubiläumsveranstaltungen
Der Zwölf-Apostel-Kirchhof in Berlin feiert in diesem Jahr sein 160jähriges und die zugehörige Kirche ihr 150jähriges Bestehen mit einem Jubiläumsjahr, zu dem eine Reihe von Veranstaltungen gehören. So gibt es schon am Freitag 19.4. einen Vortrag: "Schöneberg auf dem Weg nach Berlin" und am 26.4. macht der Friedhof mit einer Lesung auf "Die Affäre Kießling" von 1984 aufmerksam. Bis zum Oktober folgen dann mindestens zwei bis drei interessante Veranstaltungen im Monat, darunter Konzerte, Führungen und eine große Jubiläumsnacht des Friedhofs. Man findet alle Veranstaltungen unter diesem Link. Darunter ganz am Ende im Dezember dann leider auch eine Abschiedveranstaltung für den langjährigen und sehr aktiven Öffentlichkeitsbeauftragten des Friedhofs "Au Revoir - Bertram von Boxberg sagt auf Wiedersehen!", bei der ein Rückblick auf die Vielzahl von Veranstaltungen und Ereignissen gewagt wird, mit denen die Kirchhöfe in den letzten elf Jahren der Öffentlichkeit präsentiert wurden. Dabzu heißt es: "Es gibt unter anderem kleine Video Beispiele, die von Stephan von Bothmer begleitet werden. Hinter allem steht die Frage - wie funktioniert das eigentlich - Öffentlichkeitsarbeit für Friedhöfe?" - ein wichtiges und interessantes Thema!

Dienstag, 12. März 2024

Florian Greiner: Die Entdeckung des Sterbens

Cover von "Die Entdeckung des Sterbens", De Gruyter Wissenschaftsverlag
Obwohl das Buch von Florian Greiner sich nicht direkt auf historische Friedhöfe bezieht, möchte ich es hier doch vorstellen, weil darin die Entwicklung des Themas Tod und Sterben in unserer jüngsten - deutsch-deutschen - Geschichte grundlegend untersucht wird. Dieses Thema und die Einstellungen zu Sterben und Tod beeinflussen auch den Umgang mit Bestattungen, Friedhöfen und Orten der Erinnerung.

Der Historiker hat in seiner Habilitationsschrift die kulturellen und zeithistorischen Veränderungen des Umgangs mit dem Sterben nach 1945 untersucht. Dabei stehen, wie erwähnt, nicht so sehr Bestattungs- und Erinnerungskultur, sondern sozusagen die „Sterbekultur“ im Focus. Allerdings erfolgen im Laufe der Arbeit immer wieder kursorische Seitenblicke auf den Bereich der Trauer-, Friedhofs- und Bestattungskultur. Die sehr umfangreiche und akribisch recherchierte Studie wurde mit dem Mieczysław-Pemper-Forschungspreis der Universitätsstiftung Augsburg ausgezeichnet.

Der Titel der Untersuchung bildet zugleich die zentrale These der Arbeit (S. 3): Dem Autor geht es dabei darum, dass seiner Lesart nach das Sterben nach 1945 zu keiner Zeit etwas „Unsagbares“ darstellte. Er will „vielmehr zeigen, dass die bis heute omnipräsente These von der vermeintlichen Tabuisierung von Tod und Sterben in der modernen Gesellschaft einen wichtigen Bestandteil jener kulturkritischen Problemdiagnosen … markierte, die die Zeitgeschichte des Lebensendes prägten.“ Ihm geht es darum, „das Verdrängungsnarrativ aufzubrechen und konsequent zu historisieren, seinen Erfolg zu erklären und seine Folgen zu analysieren.“