Donnerstag, 17. Oktober 2019

Tiertod in den Medien

Tweet vom 17.10.2019 in meiner Twittertimeline
Trauer um Tiere gibt es im Übrigen nicht nur auf Tierfriedhöfen (siehe den vorherigen Post).

Gerade sah ich, dass auch auf Twitter getrauert wird, wenn ein Heimtier stirbt. Wahrscheinlich kann man solche Anzeigen auch in anderen sozialen Netzwerken finden. Der Link in dem Tweet führt zu einer Reihe von Fotos der verstorbenen Katze.

Dienstag, 15. Oktober 2019

Tier und Tod - Mensch und Tier am Beispiel von Tierbestattungen

Cover von: Ulrike Neurath, Tier und Tod
Über Tierfriedhöfe habe ich auf diesem Blog schon mehrere Beiträge veröffentlicht (sie sind am besten über die Suchfunktion des Blogs auf der rechten Seite zu ermitteln). Jetzt ist die Dissertation von Ulrike Neurath, der Konservatorin des Kasseler Sepulkralmuseums, erschienen, die sich intensiv mit diesem Thema auseinandersetzt. Ausgangspunkt der Untersuchung von Tierfriedhöfen in Deutschland ist die Frage nach dem Wandel der Beziehung zwischen Mensch und Tier. Dazu umreißt die Autorin, bevor sie auf das tote Tier eingeht, zuerst die Geschichte des menschlichen Umgangs mit Tieren: ausgehend von jener Zeit, in der Tiere vorrangig als Rohstofflieferanten dienten, über die Verwendung als Arbeitskraft in ganz unterschiedlichen Kontexten, bis zum Heimtier als engen häuslichen Gefährten des Menschen. Auch der Umgang mit toten Tieren hat sich im Laufe der Jahrhunderte gewandelt und reicht von der Nichtbeachtung über die Verwertung der Kadaver durch Angehörige der unehrlichen Berufe bis zur auch heute noch bestehenden Tierkörperbeseitigungsanstalt.

Beide Abschnitte bilden die notwendige Vorinformation für den Hauptteil der Arbeit, in dem es zuerst um die Geschichte der Tierbestattung im Allgemeinen geht, die von den Katzenmumien im Alten Ägypten bis zu den Gräbern der Hunde Friedrich II. auf der Terrasse von Sanssouci und darüber hinaus reicht. Dagegen sind Tierfriedhöfe noch eine relativ junge Erscheinung, die mit dem Erstarken des Bürgertums verbunden werden kann.

Das Hauptaugenmerk der Autorin liegt allerdings auf den neuen Tierfriedhöfen, die seit dem ausgehenden 20. Jahrhundert in Deutschland in immer größerer Zahl entstehen. Auf einer ausgesuchten Anzahl dieser neuen Friedhöfe hat sie die Anlagen selbst und besonders die Grabstätten für die "kleinen Lieblinge" genau unter die Lupe genommen. Sie hat dafür die Grabstätten inventarisiert und kategorisiert und im Anschluss daran sowohl die Grabmale mit ihren Inschriften, wie die Gestaltung der Grabflächen einer genauen Analyse nach Themen und Motiven unterzogen.
Farbige Abbildungen von Tiergrabstätten (S. 166/67)


Dabei sind die zahlreichen schwarz-weißen Abbildungen der Gräber, sowie die farbigen Grabfotos in der Mitte des Buches sehr hilfreich, weil sie die Einzelanalysen jeweils bildlich belegen. Das überraschende Ergebnis dieser Untersuchung ist die Erkenntnis, dass die religiösen Jenseitsvorstellungen, die offiziell im Christentum nur für den Menschen gelten, ungefragt für die Tiere übernommen werden. Zudem sind die Grabstätten der Heimtiere nicht nur denen der Menschen und besonders denen der Kinder ähnlich, sondern gehen in ihrer überbordenden Gestaltung emotional sogar weit über die Möglichkeiten der Humangrabstätten hinaus. Das lässt für mich übrigens die Schlussfolgerung zu, dass die auf Humanfriedhöfen geregelte Grabgestaltung den Bedürfnissen der Trauernden wahrscheinlich nicht gerecht wird. Mit den Gestaltungssatzungen, die z.T. noch aus der Zeit der Friedhofsreformbewegung stammen, werden offensichtlich ästhetische Vorstellungen transportiert, bei denen der Wunsch der Angehörigen ihrer eigenen Trauer einen persönlichen Ausdruck zu geben mehr oder weniger ignoriert wird.

Durch die Arbeit von Ulrike Neurath wird aber auch die Intensität des – relativ neuen – Wandels vom Nutz- und Haustier zum Heimtier deutlich. Die Autorin zeigt auf, wie das Heimtier immer stärker anthropomorphisiert und damit zum Partner und sogar „besseren Menschen“ gemacht wird, um den z.T. tief getrauert wird. Mit dieser grundlegenden Untersuchung hat sie so ein neues Kapitel in der kulturwissenschaftlichen Betrachtung des Verhältnisses von Mensch und Tier aufgeschlagen, durch das auch für Humanfriedhöfe weitergehende Fragen aufgeworfen werden.

Ulrike Neurath, Tier und Tod. Mensch und Tier am Beispiel von Tierbestattungen. Fachhochschulverlag Frankfurt a. M. 2019, 344 S., zahlreiche schw.-w. und farbige Abbildungen, 25,00 Euro

Sonntag, 29. September 2019

München - 200 Jahre kommunales Friedhofs- und Bestattungswesen

Schmiedeeiserne Grabmale
auf dem Waldfriedhof in München (Foto Hofmann)
Ich hab's verpasst :-(! Also nicht ganz, aber eigentlich hätte hier schon am Anfang des Jahres ein Hinweis auf das Jubiläum" 200 Jahre kommunales Friedhofs- und Bestattungswesen in München" in München stehen sollen. Es ist der Anlass für eine ganze Reihe interessanter Veranstaltungen, von denen ein Großteil natürlich schon vorüber gegangen ist.

Immerhin bieten der Oktober und der November in München noch einige Veranstaltungen, die man den Münchenern und ihren Nachbarn nur wärmstens empfehlen kann. Das Programm lässt sich hier herunterladen. So wird am 8.10. darüber diskutiert werden, wie man beerdigt werden möchte. Es referiert das Künstlerpaar Daniel und Karolin Bräg, die danach fragen, was man tun würde, wenn man einen geliebten Menschen beerdigen müsste, es aber keinen Bestatter, keinen Gärtner, keinen Steinmetz gäbe?

Natürlich gehören verschiedene Friedhofsführungen und eine Krematoriumsführung zum Programm, so über den Alten Nördlichen Friedhof, den Friedhof Bogenhausen, wo auch Liesl Karlstadt, Erich Kästner, Rainer Werner Fassbinder, Annette Kolb, Oskar Maria Graf und Helmut Fischer („Monaco-Franze“) ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Es gibt eine "Eucharistiefeier mit Bildbetrachtung“; die Filmvorführung "Trauer.Wege.Finden" mit anschließendem Filmgespräch. Über den Alten Südlichen Friedhof wird nicht nur geführt, sondern dort wird auch in der Langen Nacht der Münchner Museen (19.10.2019 // 19:00 – 24:00 Uhr) alle 30 Minuten ein 3D-animierter Film über die historische Entwicklung des unter Denkmal- und Naturschutz stehenden Friedhofs gezeigt. Am 1. November folgt dann eine GEDENKFEIER für die Bombenopfer Münchens auf dem Nordfriedhof und am 9.November wird auf dem Friedhof am Perlacher Forst der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Dort wurden nicht nur die jungen Mitglieder der "Weißen Rose" nach ihrer Hinrichtung bestattet.

Haus der Ewigkeit - Der jüdische Friedhof Stockelsdorf

Cover Haus der Ewigkeit (Foto Leisner)
Lübeck besitzt zwei jüdische Friedhöfe, von denen derjenige in Moisling als größter jüdischer Friedhof in Schleswig-Holstein gilt. Über den in relativ kleinen Begräbnisplatz in Stockelsdorf ist gerade ein - meiner Ansicht nach - sehr schön gestaltetes Buch herausgekommen, an dem ein siebenköpfiges Autoren-/Künstler-/Fotografenteam gearbeitet hat. Durch die ganz unterschiedlichen Blickrichtungen der Autoren sind die verschiedenen Aspekte des Friedhofs umfassend in den Blick genommen worden.

Das beginnt mit der Geschichte der Juden in Schleswig-Holstein und speziell Stockelsdorf, das früher Falckenburg hieß; gefolgt von einem Beitrag über Trauer und Grabinschriften in der jüdischen Tradition, bei dem auch die Grabinschriften und die Datierungen in den Blick genommen werden. Danach wird der Stockelsdorfer Friedhof mit seiner Geschichte und seinen heute noch erhaltenen - insgesamt 36 - Grabsteinen vorgestellt. Jeder einzelne Stein erscheint dabei mit mindestens einem Bild, dazu werden die Inschriften wiedergegeben und in einem Text erläutert, an wen der Stein erinnert.

Bildseite mit Grafik von René Blättermann (Foto Leisner)
Die Bestattungen fanden in zwei Phasen statt. Aus der Zeit von von 1812 bis 1845 sind 17 Steine erhalten, die übrigen stammen aus der Zeit ab 1864 bis 1919. Doch schon 1848 wurde die jüdische Schule der Gemeinde geschlossen und, als Lübeck "1852 endlich sein rückständiges Niederlassungsverbot für Juden aufhob", wie der Verleger und Autor Stefan Eick schreibt, löste sich die Stockelsdorfer Gemeinde langsam ganz auf. Auf dem Friedhof wurden allerdings auch später, als es keine Juden mehr in Stockelsdorf gab, noch Angehörige ehemaliger Stockelsdorfer Familien beerdigt.

Die Textseiten vor dem ausführlichen Grabsteinkatalog sind von künstlerisch bearbeiteten Foto-Grafiken des Bad Kreuznacher Grafikers René Blättermann unterbrochen. Auf seinen Bildern scheinen sich Grabsteine in Farben und Formen aufzulösen und erinnern so an die Vergänglichkeit alles Irdischen. Das Ende des gebundenen Buches bilden schließlich sechs Großaufnahmen einzelner Steine.

Rolf Verleger & Nathanja Hüttenmeister (Hg.), HAUS DER EWIGKEIT – בית־עולם
Der jüdische Friedhof Stockelsdorf. Solivagus Verlag 2019, ca. 162 Seiten, ca. 40 Fotografien, ca. 10 Grafiken, 24,00 €

Dienstag, 17. September 2019

transmortale X - call for papers

Detail eines Grabsteines in der Marienkapelle in Würzburg (Foto Leisner 2019)
Am Samstag, 21. März 2020, findet die transmortale X statt, gemeinsam veranstaltet von der Universität Hamburg (Institut für Volkskunde/Kulturanthropologie) und dem Museum/Zentralinstitut für Sepulkralkultur. Veranstaltungsort ist das Museum für Sepulkralkultur in Kassel, Weinbergstraße 25-27, 34117 Kassel. Am Freitag, 20. März, wird die Gelegenheit geboten, die Dauerausstellung des Museums durch eine Führung kennen zu lernen und gemeinsam die anstehende Neukonzeption zu diskutieren. Aus Anlass des zehnjährigen Bestehens der transmortale ist für den Freitagabend ein Festvortrag geplant.

Alle Epochen und Kulturen zeigen, dass der Tod nicht nur die Toten betrifft, sondern vor allem die Lebenden. Für die Wissenschaft bedeutet das, dass alle Fächer und Forschungsfelder, die sich mit den Menschen und dem Leben beschäftigen, auch Berührungspunkte mit dem Tod, dem Abschied oder der Endlichkeit haben. Die Themen Sterben, Tod und Trauer sind in den letzten Jahren in den Fokus der fächerübergreifenden Forschung gerückt. Disziplinen wie Archäologie, Ethnologie, Volkskunde/Kulturanthropologie oder Kunstgeschichte beschäftigten sich seit jeher mit Gräbern und Begräbnisplätzen. Inzwischen interessieren sich jedoch ganz unterschiedliche Disziplinen für den Wandel der Trauer- und Bestattungskultur, zum Beispiel die Soziologie, Psychologie, Geschichte, Medizin(-Ethik), Gesundheits- und Pflegewissenschaften, Geschlechterforschung sowie Kunst- und Medienwissenschaften.

Der Workshop ist offen für junge Wissenschaftler*innen aus der Nachwuchsforschung, zum Beispiel Studierende in der Abschlussphase oder Doktorand*innen, aber auch für Postdocs und interessierte Forschende. Ziel des Workshops ist es, Wissenschaftler*innen die Möglichkeit zu bieten, neue Forschungsperspektiven in Kurzreferaten vorzustellen und diese in einer größeren Runde zu diskutieren. Auf diese Weise können aktuelle Fragen und Ergebnisse interdisziplinär beleuchtet und inhaltliche Gemeinsamkeiten transdisziplinär zusammengeführt werden. Die transmortale findet jährlich statt und bietet über den Workshop hinaus eine Plattform für das Forschungsfeld Sterben, Tod und Trauer. Tagungssprache ist Deutsch, es sind aber auch englischsprachige Beiträge möglich. Für Referierende werden die Kosten für maximal eine Übernachtung und die Verpflegung während der Tagung übernommen.

Wenn Sie Interesse haben, Ihr Forschungsprojekt in einem Vortrag/einer Präsentation vorzustellen (max. 20 Minuten), senden Sie Ihren Themenvorschlag bitte bis zum 3. November 2019 (mit Abstract von max. einer Seite nebst Curriculum Vitae) an die folgende Email-Anschrift: niedermeyer@sepulkralmuseum.de

Diesen Aufruf veröffentliche ich hier im Wortlaut der Veranstalter. BL

Montag, 2. September 2019

Geschichte des Neuendorfer Friedhofs in Koblenz

Titelseite der Internet-Veröffentlichung
zum Neuendorfer Friedhof bei Koblenz
Neuendorf ist ein Stadtteil von Koblenz, der auf der linken Rheinseite liegt und erstmals 1289 unter dem Namen Nova villa erwähnt wurde. Seit dem 14. Jahrhundert wurden die Einwohner des Dorfes zu den Bürgern von Koblenz gezählt. Das Stadtarchiv Koblenz hat nun im Internet eine Publikation von Ortsarchivar Willi Gabrich und Diplom-Psychologin Anke Sürtenich mit dem Titel "Der Neuendorfer Friedhof - Stätte der Erinnerung der Orts- und Familiengeschichte" veröffentlicht, die für jedermann abrufbar ist.

Die beiden Autoren gehen zuerst kurz auf die Ortsgeschichte und den Bau einer ersten Kapelle, der Jobskapelle ein, die 1494 eingeweiht wurde und sicher auch einen anliegenden Kirchhof besaß. 1670 wurde ein neuer Kirchhof eingeweiht, der mehrfach vergrößert werden musste. Dazu führen die beiden Autoren u.a. einige interessante Archivalien zur Nutzung des Kirchhofes und zum Glockengeläut an. 1828 entstand dann der jetzige Friedhof, dessen Einrichtung detailgetreu aus den Akten nachgezeichnet wird. Interessant dabei ist die Bewerbung eines Totengräbers, aus der zu ersehen ist, dass dieser damals schon eine Reihe von Aufgaben übernahm, die heute von Bestattern ausgeführt werden.

Auch den historischen Grabkreuzen des nun Alten Friedhofs sind die Autoren nachgegangen. Sie wurden anscheinend nach der Aufgabe des Friedhofs teilweise von Privatleuten - möglicherweise den Grabbesitzern? - abgeräumt und privat aufbewahrt bzw. weiterverwendet. Die 30 übrig gebliebenen - inzwischen denkmalgeschützten - Steinkreuze stehen seit 1980 an gesonderter Stelle auf dem jetzigen Friedhof. Die ältesten der stammen aus der Mitte bis Ende des 16. Jahrhunderts. An die Geschichte der Friedhofserweiterungen im 19. Jahrhundert schließt sich dann ein Bericht vom Kauf eines Leichenwagens an, von dem sogar eine Skizze abgebildet ist.

Ausführlich haben die beiden Autoren die Geschichte der Ehrenanlagen für die Gefallenen des I. und II. Weltkrieges erforscht und berichten schließlich unter dem Titel "Grabstätten erzählen Geschichte/-n" sowohl von den Pastoren der Gemeinde, die auf dem Friedhof bestattet sind, wie von einigen ausgewählten Grabstätten. Den Schluss macht ein Ausblick auf die Zukunftswünsche der Bewohner von Neuendorf für ihren Friedhof.

Insgesamt haben die beiden Forscher eine interessante und sehr sorgfältige Studie über diesen Stadtteil-Friedhof vorgelegt, der durch einen ausführlichen Anhang abgerundet wird. Dort ist auch eine fotografisch-textliche Aufstellung der historischen Grabkreuze zu finden, sowie die Porträtfotos der Gefallenen der beiden Weltkriege.









Sonntag, 11. August 2019

Der Kieler Südfriedhof - Bestattungskultur und Gartenkunst seit 1869

Cover "Der Kieler Südfriedhof"
Unter diesem Titel ist das neue Buch über den Kieler Südfriedhof von Walter Arnold mit den Fotografien von Bettina Fischer erschienen. Damit ist diesem Friedhof - endlich - ein ausführliches Werk gewidmet, mit dem sowohl die Friedhofsgeschichte wie die Grabkultur dieser für die Friedhofsgeschichte im Norden Deutschlands wichtigen Anlage ausführlich in Text und Bild dargestellt wird. Das gebundene Buch begrüßt seine Leser mit einer mehrseitigen Bildfolge, deren stimmungsvolle Friedhofsfotografien teilweise über eine Doppelseite gehen, und stimmt sie damit gleich am Anfang auf die Idee des Parkfriedhofes ein, die nach einem einleitenden Text ausführlich vorgestellt wird. Darin geht es zuerst um die Entwicklung der Gartenkunst vom Barockgarten zum Englischen Landschaftsgarten und um die Ideen dieser Gartenkunst, die in Kiel erstmals die Friedhofsgestaltung von Grund auf bestimmt haben.

Als zweiter Aspekt wird die Kieler Stadt- und damit auch die Friedhofsgeschichte dargestellt, wobei natürlich die Erhebung der Stadt zum Reichskriegshafen im Jahr 1871 und ihr sprunghaftes Anwachsen von besonderer Bedeutung sind. Eine Doppelseite widmet der Autor dem Gartengestalter und Journalisten Wilhelm Benque und seinem bewegten Lebenslauf, dessen - teilweise aus Amerika stammende Ideen - für den Friedhof maßgebend waren, bevor er sich ausführlich mit diesen Ideen auseinandersetzt.

Plan des Südfriedhofs von Wilhelm Benque, 1866
Die damals neuartige Gestaltung der Bestattungsanlage als Park mit künstlichen Aufschüttungen von Hügeln, geschwungener Wegeführung und der Anlage einer kleinen Wasserfläche ging nicht ohne heftige Auseinandersetzungen von statten, die in einer öffentlichen Zeitungsfehde gipfelten. Der Autor kann durch seine Quellenforschung erstmals genauer darstellen, wie kontrovers diese - für die Zeitgenossen gewöhnungsbedürftige - Gestaltungsideen in der Fachwelt und bei den zuständigen Verwaltern der Friedhofsangelegenheiten in Kiel diskutiert wurde.

Dass der historische Friedhofplan von Wilhelm Benque von 1866 und ein historischer Stadtplan von Kiel von 1869, auf dem die im Westen der Stadt bestehenden Friedhöfe eingezeichnet sind, auf den Innenseiten der Buchdeckel abgedruckt sind, rundet dabei das Bild ab, wobei im Text nach der Einweihung des Friedhofs am 30. April 1869 ein weiteres Kapitel der späteren Friedhofserweiterung und Nutzung gewidmet ist.

Bild- und Textseite: Kapellenberg und Grabmalkultur
(Alle Fotos Leisner 2019)
Der zweite Teil des Buches geht auf den heutigen Charakter des Friedhofs und besonders auf die noch vorhandenen historischen Grabmale ein, die sozusagen von unten nach oben abgehandelt werden, denn neben der Bepflanzung  geht es zuerst allgemein um Grabmäler, dann um verschiedene Grabformen und zuletzt um die Besonderheit des Südfriedhofs, den Kapellenberg mit seinen Mausoleen und Grüften. Dabei erfahren Leser viel über die Persönlichkeiten, die das Leben in Kiel einst prägten, und zugleich gibt der Autor umfangreiche Informationen zur Grabmalkultur und Grabmalkunst des 19. und 20. Jahrhunderts in der Fördestadt. Kongenial werden diese Texte ergänzt durch die opulenten Farbfotos von Bettina Fischer, in denen die unterschiedliche Friedhofsstimmung durch den Wechsel der Jahreszeiten ebenso festgehalten ist, wie einzelne Grabmale und Grabmaldetails. Insgesamt haben die Autoren damit ein Buch vorgelegt, das einerseits die Erforschung der Friedhofsgeschichte in Deutschland bereichert, andererseits für Liebhaber von Friedhöfen und Grabmalen eine Augenweide ist und zugleich einen guten Einstieg in die Grabmalkultur der beiden letzten Jahrhunderte bietet.

Walter Arnold, Bettina Fischer, Der Kieler Südfriedhof. Bestattungskultur und Gartenkunst seit 1869. Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Band 90, Husum Verlag 2019, 159 Seiten, zahlr. farb. Abb., geb., € 17,95