Freitag, 14. April 2017

OHLSDORF 2050 – NACHHALTIGE FRIEDHOFSENTWICKLUNG

Grabfeld aus den 50er Jahren auf dem Ohlsdorfer Friedhof
(Foto Leisner)
Ein kurzer Hinweis auf die Tagung "OHLSDORF 2050" im Forum Ohlsdorf am 27. und 28. April 2017. Die Anmeldefrist ist leider schon abgelaufen. Ich selbst werde dort sein und hier berichten.

Die Tagung mit internationalen Gästen gehört zur Entwicklung der "Nachhaltigkeitsstrategie Ohlsdorf 2050", die im Rahmen des Bundesprogramms „Nationale Projekte des Städtebaus“ gefördert wird. Dabei soll die Friedhofsentwicklung "auch mit einem Blick über die Grenzen Deutschlands" beleuchtet werden. Der aktuelle Stand der Strategie für den Ohlsdorfer Friedhof wird ebenfalls vorgestellt werden. Das Programm ist hier veröffentlicht.

Montag, 3. April 2017

Die Zukunft des Todes - Heterotopien des Lebensendes

Cover von
Benkel, Die Zukunft des Todes
Thorsten Benkel hat zusammen mit Matthias Meitzler inzwischen eine mehrere Bücher und eine Vielzahl von Beiträgen verfasst, in denen der Umgang mit dem Tod und besonders die Friedhöfe aus dem Blickwinkel soziologischer Forschung betrachtet werden. Über ihre Untersuchungen zum Wandel der Bestattungskultur berichten sie auf einer eigenen Website. Außerdem läuft seit noch nicht allzu langer Zeit am Lehrstuhl für Soziologie der Universität Passau ihr neues empirisches Forschungsprojekt mit dem Titel "Die Pluralisierung des Sepulkralen".

Für den von ihm herausgegebenen Sammelband zur Zukunft des Todes hat Thorsten Benkel eine Reihe von namhaften Persönlichkeiten um Beiträge gebeten (s. Inhaltsverzeichnis). Es geht ihm dabei, wie der Untertitel "Heterotopien des Lebensendes" deutlich macht um die Räume, in denen das Lebensende und das Abschiednehmen vor sich gehen. Im Rückgriff auf Foucault definiert er schon im Titel diese Räume als Heterotopien, grob übersetzbar als "Andersräume" oder (mit Wikipedia) als "Räume bzw. Orte und ihre ordnungssystematische Bedeutung" und das bedeutet zugleich Räume, die Normen, welche zu ihrer Zeit gelten, "nur zum Teil oder nicht vollständig umgesetzt haben oder die nach eigenen Regeln funktionieren".  

Donnerstag, 30. März 2017

Vor 25 Jahren wurde das Museum für Sepulkralkultur in Kassel eingeweiht

Ausstellungsbereich zum Tod in Mexiko
im Museum für Sepulkralkultur (Foto Leisner 2014)
Ist es wirklich schon 25 Jahre her? Oder sollte man besser fragen, gibt es das Museum wirklich erst seit so kurzer Zeit? Tatsächlich hatte der Tod lange keinen Stellenwert in der deutschen "Nachkriegswelt". Die Menschen hatten den Krieg erlebt. Sie hatten ihre Verwandten und Freunde verloren. Tod und Trauer wurden tabuisiert.

Der Gründungsvater des Museums aber, der damalige Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal Hans-Kurt Boehlke, setzte sich trotzdem beharrlich dafür ein ein Museum, das die Kultur des Todes bewahren und ausstellen sollte, in seiner Geburtsstadt Kassel einzurichten. Ihm war es 1960 gelungen den Sitz der Arbeitsgemeinschaft von Bonn nach Kassel zu verlegen. 1979 entstand dann parallel dazu ein neues Institut für Sepulkralkultur, aus dessen Arbeit und Sammeltätigkeit das Museum hervorging. Ein Ziel war es dabei den Besuchern die Berührungsängste mit dem Tod zu nehmen. Das scheint gelungen. Nachdem anfangs der Schwerpunkt auf der Ausstellung volkskundlich-thematischer Objekte lag, also Zeugnisse der Bestattungs- und Trauerkultur zu sehen waren, rückten nach der Jahrtausendwende der Tod und die Toten, ja das Sterben selbst weiter in den Focus. Mit aufsehenerregenden Ausstellungen wie z.B. "Noch mal Leben", in der die Fotografien von Walter Schels und die Texte von Beate Lakotta zu sehen waren, die Totgeweihte vor und nach ihrem Tod zeigen, kamen neue Besucherschichten in das Museum.

Jetzt wird geplant die Schausammlung komplett neu zu strukturieren. Und wenn das Museum endlich einen neuen Leiter hat, wird wahrscheinlich auch noch gefeiert!


Mittwoch, 29. März 2017

Kulturprogramm für die Zwölf-Apostel-Kirchhöfe in Berlin

Gerade habe ich eine Mail erhalten, die den Start des diesjähriges Kulturprogramm auf den Zwölf-Apostel-Kirchhöfen in Berlin mit zahlreichen Veranstaltungen ankündigt.

Leider finde ich im Netz kein Gesamtprogramm, aber ich möchte immerhin auf die erste Veranstaltung in diesem Jahr hinweisen. Mit dem Dokumentarfilm "PFARRERS KINDER- Punks, Politiker und Philosophen" von Angela Zumpe,wird die Reihe  „Kino in der Kapelle“ fortgesetzt und zwar am Freitag, den 7. April 2017, um 19 Uhr, Alter Zwölf-Apostel-Kirchhof, Kolonnenstraße 24-25, 10829 Berlin-Schöneberg. Die Regisseurin ist anwesend, der Eintritt frei. Für den Film wurde auch im Gemeindehaus von Zwölf Apostel gedreht. Nach dem Film gibt es die Möglichkeit zum Gespräch mit der Filmemacherin bei einem Glas Wein oder Saft.


Montag, 13. Februar 2017

Das Mittelmeer und der Tod

Titelseite von Das Mittelmeer und der Tod
In dem Band "Das Mittelmeer und der Tod. Mediterrane Mobilität und Sepulkralkultur" sind die Beiträge einer gleichnamigen Tagung im Jahr 2015 versammelt, in der ein interdisziplinärer Blick auf die sepulkrale Geschichte und Gegenwart des Mittelmeerraumes geworfen wurde.

Für das Thema "Historische Friedhöfe", dem dieses Blog gewidmet ist, sind allerdings nur wenige Beiträge relevant, da sich viele mit abgelegen archäologischen Einzelthemen befassen, wie man dem Inhaltsverzeichnis leicht entnehmen kann. Trotzdem sei hier auf einzelne Studien hingewiesen: So fasst Norbert Fischer in seinem einführenden Aufsatz seine Forschungen über den maritimen Tod und maritime Gedächtnislandschaften zusammen. Hans-Peter Laquer fragt nach den sozialen Aspekten, die die Wahl des Bestattungsortes in Istanbul hatte, und gibt dabei zugleich einen kenntnisreichen Überblick über die Friedhofsgeschichte dieser Weltstadt. Dieter Richter stellt an den in Italien angelegten „Cimiteri acattolici“ die Ausgrenzung Andersgläubiger im Sinne einer Schärfung der eigenen Identität dar, die sich historisch erst im Rahmen monotheistischer Religionen fassen lässt. Ihr ältestes Beispiel, der Friedhof für Protestanten in Rom, feiert übrigens gerade in diesem Jahr sein 300 jähriges Bestehen. Thorsten Kruse stellt dar, wie sich die zerrissenen politischen Verhältnisse auf Zypern nach der Teilung der Insel im Jahr 1974 im Umgang mit den Grabstätten der jeweils anderen Partei widerspiegeln. Jürgen Hasse berichtet über seine Forschungen über den Umgang mit Strandleichen im Mittelmeerraum, deren Bestattung kaum durch Quellen belegt ist. Dagegen wenden sich Nefeli Angeliki Bami und Reiner Sörries der Gegenwart zu und haben jeweils unter einer bestimmten Perspektive das Thema Migration in den Mittelpunkt ihrer Untersuchungen gestellt.

Damit sind die Beiträge zu historischen Friedhöfen benannt. Daneben enthält der umfangreiche Band natürlich noch eine Reihe von weiteren Beiträgen, die weit in die antiken Kulturen zurückreichen und sehr unterschiedliche Quellen untersuchen.

Insgesamt ergeben die unterschiedlichen thematischen Kombinationen und die interdisziplinäre Ausrichtung in diesem Tagungsband spannende Korrelationen bzw. Gegensätze zwischen einzelnen Aspekten und Herangehensweisen. Wie die Herausgeber anmerken, ist das Thema damit allerdings noch lange nicht abschließend behandelt, was bei der Fülle der zeitlichen, kulturellen und räumlichen Aspekte, die darin angerissen werden, auch nicht verwundert.

Alexander Berner, Jan-Marc Henke, Achim Lichtenberger, Bärbel Morstadt, Anne Riedel (Hg.)
Das Mittelmeer und der Tod. Mediterrane Mobilität und Sepulkralkultur. Verlag Wilhelm Fink, Paderborn 2016, 543 Seiten, zahlr. schw.-w. Abb.

Sonntag, 29. Januar 2017

Transmortality International: "Materiality and Spatiality of Death, Burial and Commemoration


In diesem Jahr findet zwar keine Transmortale in Kassel statt, dafür aber die "Transmortality International", die mit einem breiten Themenspektrum zur Materialität und Räumlichkeit von Tod, Bestattung und Erinnerung aufwartet, an dem auch deutsche Vortragende beteiligt sind. Das Programm und die Anmeldungsmöglichkeiten stehen im Flyer.

Flyer der Transmortality International




Dienstag, 17. Januar 2017

Bd. 5 "Großes Lexikon der Bestattungskultur" ist erschienen!


Bd. 5, Großes Lexikon der Bestattungskultur
Das Kasseler „Große Lexikon der Bestattungskultur“, herausgegeben vom Kasseler Zentralinstitut für Sepulkralkultur, ist jetzt um den Band 5 angewachsen. Allerdings steht der Band 4 noch aus. Das gerade herausgekommene Buch ist den Männern und Frauen – die Männer befinden sich auch hier einmal wieder eindeutig in der Mehrzahl – gewidmet, deren Wirken in den Bereichen der Sterbe-, Bestattungs-, Friedhofs-, Trauer- und Erinnerungskultur besonders bedeutsam war und ist. Es werden sowohl Persönlichkeiten der Gegenwart vorgestellt, die innovativ an der Entwicklung der Sepulkralkultur teil hatten und haben, wie historische Personen, die für die Geschichte der Bestattung bedeutsam waren.

Da ich selbst an diesem Buch mitgeschrieben habe, kann ich sagen, dass man darin eine Vielzahl von interessanten Charakteren kennen lernen kann. Gerade über die jüngste Vergangenheit mit ihren vielen neuen Ideen und Protagonisten kann man sich hervorragend informieren, besonders da das Stichwortverzeichnis am an Ende die unterschiedlichen Namen noch einmal unter verschiedenen Aspekten zusammenfasst. So kann man sich z.B. umfassend ebenso über die Friedhofsreformer im 20. Jh. wie über Extropianer der Gegenwart informieren. Extropianer sind übrigens Jünger von Thimothy Leary, der im letzten Jahrhundert durch seine Drogenexperimente auf sich aufmerksam machte. Er propagierte den Glauben an eine mögliche Lebensverlängerung bis zur Unsterblichkeit.

Querverweise auf die bisher erschienenen Bände 1-3 – sie decken die Bereiche Volkskunde und allgemeine Kulturgeschichte, Archäologie und Kunstgeschichte, sowie Gegenwart und Praxis ab – ermöglichen zudem einen breiten Zugang zu den unterschiedlichsten Themenbereichen. So ist mit dem neuen Band das groß angelegte Lexikon der Bestattungskultur noch umfassender geworden.

Zentralinstitut für Sepulkralkultur Kassel (Hg.), Großes Lexikon der Bestattungs- und Friedhofskultur. Wörterbuch zur Sepulkralkultur, Band 5: Biographien, bearbeitet von Reiner Sörries u.a., Fachhochschulverlag 2017, 265 S., zahlreiche schw.-w. Abb.  Preis: 44.00 €