Mittwoch, 6. November 2019

Friedhofsleuchten in Siegburg

Friedhofsleuchten in Siegburg
(Foto Simone Kuhl - zur Verfügung gestellt vom Verein Tod und Leben e.V. Vielen Dank!)
In Siegburg hat sich der Verein TOD und LEBEN e.V. gegründet, der beim Nordfriedhof das Cafe T.O.D. (T.abu O.ffen D.iskutieren) unterhält. Es befindet sich direkt neben der Trauerhalle auf dem Friedhof und wird von ehrenamtlichen Helfern geführt. Alle Gäste sind willkommen, ob Kinder, Erwachsene oder die Angehörigen eines Verstorbenen. Im Café-T.O.D. wird bewusst über das Thema "Tod" gesprochen, wie es auf der Website des Vereins heißt, der auch Friedhofsführungen anbietet.

Friedhofsleuchten in Siegburg (Foto Simone Kuhl)
Zusammen mit der städtischen Friedhofsverwaltung hat der Verein gerade das "Friedhofsleuchten" wiederholt, zu dem viele Besucher auf den Friedhof strömten. Dazu erstrahlte er am Abend vor Allerheiligen und am Feiertag in farbigem Licht: Vom Eingang bis zum Friedhofs-Kreuz - eine 150 m lange Strecke - tauchten 40 LED-Spots und 20 große LED-Fluter Bäume und Gräber in Regenbogenfarben. Das Friedhofs-Kreuz erstrahlte als Zielpunkt in hellem, weißen Licht. Die Symbolkraft des Regenbogens führte so als Weg zum christlichen Symbol des Todes und der Auferstehung. In der Trauerhalle gab es außerdem Musik zu hören und Rüdiger Kaun, Germanist und Philosoph, las aus seinem Buch "Rechtfertigung eines Heiratsschwindlers und andere Texte".

Auch zur Auftaktveranstaltung der Siegburger Literaturwochen am folgenden Wochenende war der Friedhof noch angestrahlt. Alexandra Friedmann stellte in der Trauerhalle ihr neues Buch "Sterben für Anfänger" vor, in dem um das Leben und die Konfrontation mit dem Tod geht. Auch die Siegburger Zeitung hat über diese Aktion berichtet.



Dienstag, 5. November 2019

Mein Stadtteil - Mein Friedhof

Friedhofskampagne: Plakatierung in Dresden (Foto Lara Schink)
Der Wandel der Bestattungskultur hat auf vielen Friedhöfen in Deutschland das Problem der sogenannten Überhangflächen mit sich gebracht und einige Friedhöfe sind inzwischen sogar von Schließung bedroht. Überhangflächen nennt man jene Bereiche, die sich immer mehr leeren und eigentlich nicht mehr gebraucht werden; zum Beispiel weil die Menschen die Kremation bevorzugen und deshalb nicht mehr so viel Platz für Erdgräber gebraucht wird, oder weil man sich ganz vom Friedhof abwendet und Bestattungswäldern oder einer Seebestattung den Vorzug gibt.

Inzwischen wird diese Problematik auch in der Öffentlichkeit stärker wahrgenommen. Auf den großen Kongress "Heilsame Abschiede", der gerade in Köln stattfand und in dem das Thema Friedhof als Ort der Trauer im Mittelpunkt stand, ist in diesem Blog im letzten Post ja gerade hingewiesen worden. Zugleich engagieren sich nicht nur Friedhofsvereine, sondern auch Friedhofsverwalterinnen (Männer dürfen sich in diese Bezeichnung eingeschlossen fühlen) dafür, ihre Friedhöfe in der Öffentlichkeit zu bewerben und auf ihre Bedeutung hinzuweisen.

Friedhofskampagne: Plakatierung in Dresden (Foto Lara Schink)
Auf bisher ungewöhnliche Weise ist man in Dresden aktiv geworden. Dort haben sich die Verwalterinnen der kirchlichen Stadtteilfriedhöfe zu einem Netzwerk zusammengeschlossen und sind erstmals mit einer "Imagekampagne" an die Öffentlichkeit getreten: In diesem November machen einfarbige Großplakate in der Stadt auf das Thema aufmerksam. Darauf sind unter dem Titel "Mein Stadtteil, mein Friedhof" Graphiken mit Grab- und Friedhofsmotiven zusammen mit Texten zu lesen, die sozusagen augenzwinkernd auf das Thema Friedhof und Bestattung hinweisen, indem sie die Vorzüge der Stadtteilfriedhöfe hervorheben: "Eine gute Adresse in der Nachbarschaft: denkmalgeschützt mit eigenem Gartengrundstück", "Wohnen bleiben, wo das Leben spielt - mit idealer Verkehrsanbindung mitten im Grünen" oder "Nach dem letzten Umzug immer gut erreichbar - individueller Wohnraum in ruhiger Nachbarschaft". Dazu gibt es Postkarten mit denselben Motiven und auch im Fahrgastfernsehen werden die Bilder gezeigt.

Ziel ist es damit sowohl auf den individuellen Charakter der Stadtteilfriedhöfe aufmerksam zu machen, wie ihre gute Erreichbarkeit und die gepflegten Grünanlagen in dem Mittelpunkt zu stellen. Gleichzeitig präsentieren sich die evangelischen Stadtteilfriedhöfe Friedhöfe gemeinsam online (www.dresdner-stadtteilfriedhoefe.de) und werden dort als Orte der Besinnung, des Gedenkens, aber auch der Kultur und Begegnung beworben. Die Initiatorinnen hoffen so, auch die Wahrnehmung ihrer Arbeit zu stärken, in der sie sich für Flora, Fauna und das historische Erbe der Anlagen engagieren, aber auch für trauernde Angehörige da sind. Zugleich sind gerade die Dresdener Friedhöfe in ihre jeweiligen Stadtteile eingebunden und gut an den öffentlichen Personennahverkehr angebunden. Mit solchen Argumenten wollen sie dem Wandel begegnen und die Bewohner Dresdens überzeugen, die letzte Ruhestätte vor Ort anderen Bestattungsmöglichkeiten vorzuziehen. Wer mehr darüber wissen will, kann sich dazu auch ein Interview mit der Sprecherin des Netzwerks und Friedhofsverwalterin im Verband der Annenfriedhöfe Dresden, Lara Schink, ansehen.

Montag, 4. November 2019

trauer/now - ein Kongress und eine neue Website

Matthias Horx und Dirk Pörschmann
beim Podiumsgespräch (Pressefoto: THOMAS SCHLORKE)
Der Kongress "Heilsame Abschiede" in Köln am 25.10.2019 hat über 300 Besucher angelockt, obwohl das Thema eigentlich nicht besonders medienwirksam ist. Es ging hauptsächlich um den Ort der Trauer und speziell um Friedhöfe. Leider konnte ich nicht daran teilnehmen, aber es gibt im Netz schon einige Berichte. Gefunden habe ich sie bei Aeternitas, Friedhof-Ansichten und Naturstein-Online, aber es werden sicher noch weitere dazu kommen z.B. in Friedhof und Denkmal, Friedhofskultur oder Bestattungskultur. Will man einige Beiträge selbst lesen, so sei hier auf die Presseseite des Kongresses hingewiesen.

Den drei o.g. Berichten kann man entnehmen, dass es in diesem Kongress vorrangig um die Bedürfnisse der Trauernden auf dem Friedhof ging. Zu diesem Thema haben die beiden Soziologen Thorsten Benkel und Matthias Meitzel geforscht, die in diesem Blog schon öfter erwähnt wurden. Ihre These ist, dass Menschen ihr Leben immer individueller gestalten können und sich deshalb auch am Ort der letzten Ruhe diese Individualität abbilden müsse. Gesetzliche Regelungen, die dem entgegenstehen, sollten geändert werden.

Die Experten für Landschaftsplanung Constanze Petrow und der Holländer Bart Brands stellten ihre Konzepte zur Friedhofsplanung vor, die unterschiedliche Freiräume für kulturell unterschiedlich geprägte Menschen enthalten, während David Roth, Sohn und Nachfolger des innovativen Bestattungsunternehmers in Bergisch Gladbach seinen privaten Urnen-Friedhof, der Hinterblieben viel Freiraum für individuelle Gestaltung erläuterte.

Daneben wurde auch die psychologische Sicht auf die Trauer zum Thema gemacht. Fazit war offenbar, dass es den heutigen Bestattungsgesetzen an Lebensnähe fehlt, weil es für die Trauer zwar verbindliche Orte, aber nicht unbedingt Vorschriften für ihre Ausgestaltung braucht. Deutlich wird dabei der gesellschaftliche Wandel der letzten hundert Jahre, der ausgehend von einer Gesellschaft, in der jedes Grab - um mit den Friedhofsreformern um 1920 zu sprechen - ein ästhetisch ansprechender Platz in einer Reihe ähnlich gestalteter Gräber sein sollte, hin zur vollständigen persönlichen Freiheit in der Grabgestaltung ohne oder mit sowenig Richtlinien wie möglich.

Parallel zum Kongress wurde die neue Website https://trauer-now.de/ und darauf die "Erste menschliche Sterbeuhr - Rechtzeitig über Trauer reden" veröffentlicht; eine neue Initiative, mit der die Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal e.V. Denkanstöße für eine neue Trauerkultur in Deutschland geben will. Die Website soll als "DAS ONLINE­MA­GAZIN FÜR HEIL­SAMES TRAUERN" Antworten auf die Fragen geben, welche Orte die Trauer braucht, welche Rituale helfen, und wie andere Menschen oder Kulturen mit der Trauer umgehen.