Montag, 15. Dezember 2014

Die Verwandlung - Sterben und Tauer 1914 -1918

Friedhof und Denkmal 5-2014. Die Zeitschrift
enthält einen ausführlichen Beitrag zur Ausstellung.
Auch im Kasseler Sepulkralmuseum wird in diesem Jahr mit einer Ausstellung an den Beginn des Ersten Weltkriegs erinnert. Zusammengetragen wurde sie aus den Beständen mehrerer selbstständiger Museen, die sich vor längerer Zeit zu einem Arbeitskreis (AsKI) zusammen geschlossen haben. Dadurch liegt der Schwerpunkt auf sehr persönlichen Erinnerungsstücken aus dem Krieg, die durch ihre Direktheit den Besucher stärker zu berühren vermögen als historisch noch so genaue Berichte.

Natürlich geht es dabei auch um die Erfahrung des massenhaften Todes und den Umgang mit der Bestattung der Soldaten im Feld, sowie Trauer und Leid in der Heimat.

Montag, 8. Dezember 2014

Der Hoppenlaufriedhof in Stuttgart wird saniert!

Eingang zum Hoppenlaufriedhof (Foto Leisner 2009)
Das ist eine Rettung in letzter Minute! Die im letzten Jahrhundert restaurierten und dabei mit Kunstharz an der Außenhaut gefestigten Grabmale zeigen schwere Verfallserscheinungen. Im letzten Jahr schon hat sich beim Schwäbischen Heimatbund ein Arbeitskreis Stuttgarter Hoppenlaufriedhof gegründet und mit einem Flyer um Spenden geworben.

Freitag, 28. November 2014

Historische Friedhöfe auf dem Jahresplaner des BHU

Jahresplaner des BHU zum Kulturdenkmal des Jahres 2015
Wie hier schon berichtet hat der Bund Heimat und Umwelt (BHU) den historischen Friedhof zum Kulturdenkmal des Jahres 2015 erkoren. Jetzt hat er dazu einen Jahresplaner mit Bildern von Friedhöfen und Grabmalen herausgegeben. Daneben sind alle Landesverbände des Bund mit ihren Anschriften und Webseiten aufgelistet. 

Zu bestellen ist der Kalender beim Bund Heimat und Umwelt in Deutschland (BHU), Adenauerallee 68, 53113 Bonn  Fax-Nr. 0228 215503, E-Mail: bhu@bhu.de. Die Schutzgebühr beträgt 1,00 Euro pro Stück. Für den Versand werden pauschal 4,-- Euro Versandkosten berechnet.




Samstag, 22. November 2014

Projekt Ohlsdorf 2050

Wow! Wenn das keine tolle Nachricht ist:
Grabmal Eckler in der Nähe des
Eingangs des Ohlsdorfer Friedhofs
Der Ohlsdorfer Friedhof informiert, dass das Bundesbauministerium im Rahmen des Bundesprogramms „Nationale Projekte des Städtebaus“  die „nachhaltige Sicherung und Entwicklung des weltgrößten Parkfriedhofs als bedeutende denkmalgeschützte Gartenanlage“ mit 2 Millionen Euro fördert. Weiter heißt es in der Pressemitteilung:

"Schwerpunkte der Förderung sind Denkmalensembles, bauliche Kulturgüter von nationalem Rang, energetische Maßnahmen und das Stadtgrün. Insgesamt werden im Rahmen des Bundesprogramms 50 Millionen Euro bereitgestellt. Die Förderung stellt das einzige geförderte Projekt in Hamburg dar, die übrigen Mittel entfallen auf die anderen Bundesländer.
Die Förderung, eingeworben von der Hamburger Friedhöfe -AöR- und der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt, erfolgt für die Jahre 2015 bis 2018. Weitere Projektkosten in Höhe von einer Million Euro werden von der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt, der Hamburger Friedhöfe -AöR- sowie dem Denkmalschutzamt getragen. Der Anteil der Hamburger Friedhöfe -AöR- beträgt bis 2018 160.000 Euro.
Im Einzelnen werden die Mittel eingesetzt für:
-  Nutzung und Gestaltung der Parkanlage und des Friedhofs,
-  Erhaltung und Pflege von Gebäuden und Infrastruktur,
-  denkmalgerechte Sanierung und Weiterentwicklung von Grünflächen,
- einen Ideenwettbewerb mit Preisverleihung zu neuen Erholungsformen,
- die Kommunikation des Projektes in Abstimmung mit  der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt.
Projekt- und Bereichsleiter Rainer Wirz dazu: 'Der Ohlsdorfer Friedhof wird bundesweit als beispielhaft wahrgenommen, insbesondere, wie es immer wieder gelungen ist, seinen grünen und kulturellen Reichtum zum Nutzen für alle Hamburgerinnen und Hamburger zu bewahren. Für den Friedhof eröffnet sich mit der Förderung durch das Bundesbauministerium die Perspektive einer langfristigen und visionären Entwicklung.' "


Donnerstag, 20. November 2014

Die Kunst im Stillen - Band 5 ist erschienen!

Die Kunst im Stillen. Kunstschätze auf Leipziger
Friedhöfen, Bd. 5 von Alfred E. Otto Paul 
Mich hat der 5. Band der Reihe "Die Kunst im Stillen - Kunstschätze auf Leipziger Friedhöfen" von Alfred E. Otto Paul erreicht.

Gerade habe ich nochmal nachgesehen: Ich begleite seit 2009 die Publikationen dieses Autors mit meinen Besprechungen (Band 1, Band 2, Band 3, Band 4 dieser Reihe, sowie das Buch über den Leipziger Johannisfriedhof). Von Band zu Band habe ich mich immer mehr für die umfangreichen Recherchearbeiten begeistert, die der Autor für die Grabstätten leistet, die er vorstellt. Besonders imponiert mir dabei der lange Atem, mit dem Alfred E. Otto Paul es durchhält über die Jahre hinweg dem Friedhofsthema in Leipzig immer neue Facetten abzugewinnen. Das lässt sich eigentlich nur damit erklären, dass Friedhöfe und Grabstätten nicht so "tot" und abgestorben sind, wie viele Menschen glauben, sondern eben viele unterschiedliche Lebensgeschichten erzählen. So bilden sie, wenn man die Geschichten zu lesen versteht, ein höchst lebendiges Buch der jeweiligen Ortsgeschichte. Muss ich noch hinzufügen, dass Alfred E. Otto Paul darin zu lesen versteht?


Dienstag, 18. November 2014

Der Ohlsdorfer Friedhof im Fernsehen

Ankündigung im NDR
Unter dem Titel "die nordstory - Im Wald der Engel" sendet der NDR am

Freitag, 21. November 2014, 20:15 Uhr

einen einstündigen Beitrag über den Ohlsdorfer Friedhof.

Unter dieser Webadresse findet sich zur Zeit im Netz eine Vorschau, in der der Friedhof als Oase mitten in der Großstadt Hamburg vorgestellt wird. Der Film will Ohlsdorf als "Lebensraum" zeigen, wo gearbeitet, erlebt, erzählt, musiziert, gelacht und natürlich auch geweint wird, den auf den Wegen und zwischen den Gräbern sind täglich Menschen unterwegs. Von ihnen, den Gärtnern, Bestattern, Vogelfreunden, Schulkindern, einem Märchenerzähler, berittenen Polizisten, einem Busfahrer, Freunden der Rosen und der bildhauerischen Erotik wird berichtet.

Inzwischen findet man den Beitrag unter http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/die_nordstory/die-nordstory-Der-Ohlsdorfer-Friedhof,sendung305648.html. Wie lange, weiß ich nicht (23.11.2014)

Visit Cemetery - eine europäische Website zu historischen Friedhöfen

Logo der Webseite http://www.visitcemetery.eu/en/
http://www.visitcemetery.eu/en/ ist eine Webseite, auf die ich vor Kurzem "gestoßen" bin. Gestoßen ist eigentlich nicht das richtige Wort, denn dabei hat das "Netzwerken" über Facebook mitgewirkt. Wie das ging? Ich bin vor einiger Zeit einer Gruppe zu Grabmalfotografie beigetreten und habe dort zum ersten Mal einen Beitrag gepostet, der auf dieses Blog hier führte. Daraufhin erhielt ich jede Menge Rückmeldung und darunter war auch der Hinweis auf die Facebookseite von visitcemetery.eu und von dort natürlich auf die Webseite. Wurde ich also eher selbst gestoßen?

Aber das schreibe ich hier nur am Rande. Eigentlich will ich auf die Webseite aufmerksam machen, die mich optisch sofort für sich eingenommen hat. Sie nennt sich selbst die erste Webseite für alle Reisenden, die an einem unbekannten Ort nicht nur Architektur und Kunstmuseen besuchen, sondern die Kunst und Kultur des Ortes gern aus einer anderen Perspektive betrachten und nach etwas Untypischen suchen; also kurz gesagt gern auf Friedhöfe gehen und dort die Kunst der Vergangenheit betrachten.

Leider erfährt man unter "who we are" nichts über die Macher. Da es aber neben einer Seite zu Friedhöfen in Italien, einer weiteren zu Europa und einer dritten zu Begräbnisplätzen in der Welt nur noch eine Seite mit dem Titel "'Friedhofsfotografen" gibt, nehme ich an, dass sich die dort genannten professionellen Fotografen zusammengetan haben und gemeinsam den Inhalt verantworten. Übrigens habe ich natürlich sofort vorgeschlagen auch den Ohlsdorfer Friedhof mit aufzunehmen und warte jetzt darauf, dass er dort auftaucht!

Schaut man sich die Friedhofsseiten an, so erhält man zuerst einen Überblick über die Orte und wird dann durch Anklicken auf die einzelnen Friedhöfe weitergeleitet. Dort gibt es (mehrsprachig, allerdings nicht deutsch) Infos zu dem jeweiligen Friedhof und auch zu besonders berühmten Personen, die dort begraben sind. Darauf folgt eine Fotostrecke und zum Schluß´noch die passende Landkarte von Google. Damit erhält man einen wunderbaren optischen Einblick, denn die Fotos zeigen interessante Perspektiven und ungewöhnliche Details, so dass man im Grunde einen Rundgang mit den Augen der jeweiligen Fotografen macht. Es liegt auf der Hand, dass der Schwerpunkt dabei nicht auf der ausführlichen Information über Friedhofsgeschichte und Persönlichkeiten liegt. Was aber nicht heißt, dass nicht zu einzelnen Persönlichkeiten auch längere Beiträge zu lesen sind.

Montag, 17. November 2014

Denk Mal Fort e.V. - Verein zur Erhaltung des sowjetischen Garnisonsfriedhofs in Dresden

Abteilung A, Obelisk von Friedrich Press (ich danke Susan
Donath für die Fotos in diesem Post)
In diesem Jahr hat sich in Dresden der Verein "Denk Mal Fort! e.V." gegründet. Er ist aus der  2011 gegründeten Bürgerinitiative „Freundeskreis Sowjetischer Garnisonfriedhof Dresden“ hervorgegangen. Diese kleine Gruppe engagierte sich gegen die Umgestaltungspläne des Friedhofseigentümers (Freistaates Sachsen) für den Nordflügel dieser historischen Friedhofsanlage, mit der die Anlage auf Kosten der Kultur pflegeleichter gemacht werden sollte. Geplant ist die Friedhofsarchitektur einzuebnen und durch eine schlichte Grünfläche mit kleinem Gedenkbereich ersetzen.

Grabmalreihen Abteilung A 
Dagegen betrachtet der neue Verein den Sowjetischen Garnisonfriedhof in Dresden als ein einmaliges historisches Zeitzeugnis und damit Dokument für die 50 Jahre währende Epoche der Anwesenheit sowjetischer Truppen; und damit als eine Anlage, die ganz und gar als Denkmal in ihrem derzeitigen Erscheinungsbild dauerhaft erhalten bleiben sollte. Er schreibt in seiner Selbstdarstellung, dass die "Grabmal- und die Friedhofssubstanz, die nun durch die Pläne des Eigentümers zur Disposition steht, ... dem Besucher die Bedeutsamkeit dieses Ortes , wie es keine neu geschaffene Gedenkstätte könnte. Erst beim Abschreiten der Grabreihen wird deutlich, wie viele junge Menschen hier in Dresden und ganz Sachsen Jahr um Jahr infolge teils unmenschlicher Bedingungen innerhalb des sowjetischen Militärs den Tod fanden." Der zur Disposition stehende Nordflügel bildet dabei die folgerichtige Fortsetzung der Hauptanlage. Nur dadurch wird ein halbes Jahrhundert sowjetischer Präsend lückenlos dokumentiert. Dabei zeugen die Inschriften auf den Grabmalen von "sowjetischer Beerdigungs- und Trauerkultur, unterscheiden zwischen Frauen und Kindern, zwischen Soldaten, Sergeanten und Armeeangestellten". Ihre Entfernung würde zur Anonymisierung der Gräber. 

Zugleich sieht der Verein in dem Friedhof die Chance, Stadtgeschichte auch für junge Leute nacherlebbar zu machen und weist auf "ein enormes noch zu erschließendes Potenzial für die schulische und außerschulische Bildungsarbeit" hin und ihn in ein "diskurs- und demokratieorientiertes Gedenkkonzept" der Stadt  zu integrieren.

Facebookseite von "Denk Mal Fort"
Mit der Vereinsgründung will man nun das historischen Erbes der Stadt Dresden bewahren und in der lokalen Gedenk- und Erinnerungskultur verankern. Zweck des gemeinnützigenVereins ist laut Satzung "die dauerhafte Erhaltung und Pflege von Denkmälern und Gräbern der Toten der Reichseinigungskriege, des Ersten Weltkrieges, des Zweiten Weltkrieges, der NS-Diktatur, des Kalten Krieges und des Stalinismus auf dem Territorium der Landeshauptstadt Dresden. Weiterhin zielt er darauf ab, einen Beitrag zur Ausgestaltung der lokalen und regionalen Erinnerungskultur zu leisten, Bildungs- und Jugendarbeit durchzuführen, völkerverbindenden, generationsübergreifenden Dialog zu fördern und die wissenschaftliche Erforschung der Entstehungsgeschichte der vorstehend genannten historischen Stätten sowie der Schicksale der durch diese gewürdigten Menschen zu unterstützen." Der Verein besitzt auch schon seine eigene Facebookseite unter dem Namen: Denk-Mal-Fort-eV-Die-Erinnerungswerkstatt-Dresden. (Die können aber natürlich nur alle jene sehen, die sich auf Facebook registrieren. Deshalb kann ich hier auch nicht darauf verlinken. Aber vielleicht entchließt sich der Verein ja noch dazu, auch ein Weblog oder eine eigene Website einzurichten.)

Donnerstag, 13. November 2014

Friedhofsgeflüster auf dem Rostocker Friedhof

Jeden Monat bei Vollmond hat Anja Kretschner, deren Dissertation über die Mausoleen in Norddeutschland hier schon besprochen wurde, in diesem Jahr zu einer besonderen Friedhofsführung eingeladem, dem  "Friedhofsgeflüster". Beim letzten Vollmond vor einigen Tagen ging sie im Dunkeln mit ihren Besuchern zu verschiedenen historischen Gräbern auf dem Neuen Rostocker Friedhof und erzählte von den verstorbenen Persönlichkeiten, ebenso wie von Aberglauben und Bräuchen, die in Verbindung mit Tod und Bestattung stehen. Der Andrang war groß: Es kamen über hundert Besucher, die sich einmal so richtig gruseln wollten!

Dabei ist für Anja Kretschmer der Friedhof auch im Dunkeln einer der sichersten Orte in der ganzen Stadt, wie sie in dem Film sagt, den das Regionalfernsehen von dieser Führung gedreht hat. Durch ihn bekommt man einen schönen Eindruck von dieser besonderen Führung mit Kerzenschein und Taschenlampen. (Achtung der Link ist wahrscheinlich in den nächsten sieben Tagen aufzurufen, da die Fernsehanstalten ihre Filme nicht dauerhaft ins Netz stellen!)


Mittwoch, 12. November 2014

Erinnerung: CfP zur geplanten Tagung über historische Friedhöfe

Nur zur Erinnerung:
Am 15. 11. endet der Call for Papers für die geplante Tagung über Historische Friedhöfe in Kassel Juni 2015. alles Nähere ist hier zu finden.

Montag, 3. November 2014

Wo sie ruhen.de

http://wo-sie-ruhen.de/#0
Heute morgen ist sie nun wirklich freigeschaltet worden, die neue Website "wo sie ruhen.de"!

Vor etwa einem Jahr haben Herr Schoenfeld und ich die Texte für die Grabmale des Ohlsdorfer Friedhofs geschrieben, jetzt sind sie, vorgelesen von dem bekannten Schauspieler und Rezitator Hans-Jürgen Schatz, über die neue Website zu hören und dort auch nachzulesen, dazu gibt es Bilder der Grabmale, der Persönlichkeiten und teilweise auch des historischen Umfeldes und natürlich Infos zu dem jeweiligen Friedhof inklusive eines interaktiven Plans mit Einzeichnung der Grabstätten.

Da gibt es viel zu entdecken. Insgesamt sind 1007 Grabmale aufgenommen, die auf 37 national bedeutsamen historischen Friedhöfen in Deutschland stehen. Das heißt man kann jetzt mit einem mobilen Gerät über die Friedhöfe gehen, sich mit Hilfe der GPS-Koordinaten zu den einzelnen Grabmale leiten lassen und vor Ort hören, was es Interessantes über die Menschen zu berichten gibt, die dort beerdigt sind, oder über die Grabmale, vor denen man steht.

Ich habe schon mal ein bißchen hineingehört und bin begeistert, wieviel Neues so zu erfahren ist. Kennen Sie oder ihr, liebe Blogleser/innen, z.B. noch Paulinchen aus dem Struwelpeter, die mit den Zündhölzern spielte und dabei das Haus anzündete? Auf dem Frankfurter Hauptfriedhof findet sich das Grab von Pauline Schmidt, dem Kind, das der Figur im Struwelpeter ihren Namen gab. Was es mit den Zündhölzern dabei für eine Bewandtnis hatte, das wird auf der Website  (unter 09. Pauline Schmidt) lebendig erzählt.

Freitag, 31. Oktober 2014

Jedes Jahr wieder - Halloween

Offene Särge im fürstlichen Mausoleum, Putbus auf Rügen
(Foto Leisner 2014)
Historische Friedhöfe haben ja eigentlich ganz viel mit dem Fest von Allerheiligen und Allerseelen zu tun, das die katholischen Christen in aller Welt am 1. und 2. November begehen. Die Kirche feiert am 2. November das Gedächtnis ihrer Verstorbenen, also aller toten Seelen. Und deren ehemalige Körper befinden sich schließlich in der geweihten Erde der Kirch- und Friedhöfe. In katholischen Gegenden werden die Gräber geschmückt und es werden dort Lichter angezündet. Fürbitte, Almosen, Friedhofsgänge und natürlich die Segnung der Gräber gehören kirchlicherseits dazu.

Aber wir leben in einer sich schnell wandelnden Kultur. Früher bekam ich hier im protestantischen Norden wenig von diesem katholischen Brauchtum mit, denn hier wird der Toten erst am "Ewigkeitssonntag", der früher einfach Totensonntag hieß, gedacht. (Sprachlich soll selbst an diesem Tag der Tod vermieden werden, ein Widerspruch in sich oder?) Inzwischen schwappt seit zwei oder drei Jahrzehnten katholisches Brauchtum aus den USA zu uns herüber und beginnt unsere Kultur am 31. Oktober zu bestimmen. Es wird zu Halloween-Parties eingeladen. Dazu verkleidet man sich als Toter, Untoter, Vogelscheuche oder in anderer möglichst morbider oder geisterhafter Form. Selbst beim Bezahlen eben im Supermarkt hatten sich die Kassiererinnen entsprechende Kopfbedeckungen aufgesetzt. Jetzt nach Einbruch der Dunkelheit warte ich auf die Kindergruppen, die Süßes verlangen und sonst Saures versprechen.
Da sind sie schon, die kleinen Geister vor meiner Haustür
(Foto Leisner 2014)

Und selbst ich übernehme mit Vergnügen einen Tweet mit Bildern von echten Geisterhäusern, der mir heute auf Twitter gut gefallen hat, und den ich gleich hier noch einmal veröffentliche:  @Miss_Macabre: An American horror story: 'real' haunted houses – in pictures | The Guardian http://buff.ly/1sQ0C66.
Verfall und die Vergänglichkeit werden in diesen Bildern sichtbar und zugleich kommt die Frage auf: Was stecken wohl für Geschichten hinter all den verlassenen Räumen und den aufgefundenen Skeletten?

Mittwoch, 15. Oktober 2014

Garten der Erinnerung - 200 Jahre Nienstedtener Friedhof 1814-2014

Jubiläumsbuch für den Nienstedtener Friedhof, 
Nienstedten war einstmals ein Dorf weit vor den Toren der Hansestadt Hamburg. Heute ist es ein Stadtteil - genauer gesagt einer der teueren Stadtteile in der Kette der Hamburger Elbvororte. Nicht weit von der Nienstedtener Fachwerkkirche auf dem Elbhochufer liegt der Gemeindefriedhof, der in diesem Jahr sein zweihundertjähriges Bestehen feiert.

Die Jubiläumsveranstaltung fand im Mai statt; mit einem Abendvortrag von Prof. Dr. Franklin Kopitzsch über „Nienstedten, Altona und Hamburg vor 200 Jahren“ und mit Führungen, Angeboten für Kinder und einem kostenlosen Jubiläumskonzert. Leider habe ich das alles verpaßt!

Gleichzeitig erschien das gebundene Buch mit dem oben genannten Titel, das mir jetzt vorliegt. Zusammen mit zahlreichen Fotografien von Andreas Fromm sind darin Beiträge von insgesamt fünfzehn verschiedenen Autoren versammelt, die unter den Obertiteln "Unser Friedhof", "Gehen und Erinnern", "Zwischen Himmel und Erde", "Tod und Hoffnung" und schließlich "Zur Orientierung" zusammengestellt sind. Gleich zu Anfang referiert Tilmann Präckel die Geschichte des Friedhofes und beschreibt seine Entwicklung vom Begräbnisplatz in und um die Nienstedtener Kirche über die neue Anlage des Jahres 1814 bis zur Gegenwart. Ausführlicher geht er auf die erste prominente Beisetzung ein: die Gruft für den 1839 verstorbenen Baron Caspar Voght, dessen Landgut im nahen Klein Flottbek viele berühmte Gäste angezogen hatte. Diese erste große Grabanlage wurde zum Vorbild für das Hamburger Bürgertum, das immer mehr Villen am Elbhang errichtete und in Nienstedten seine letzte Ruhe fand.

Donnerstag, 9. Oktober 2014

Friedhofsapp geht online

3. November 2014 ist es soweit: Die neue Friedhofsapp, über die ich hier schon berichtet habe, wird in Berlin - in der Friedrichswerderschen Kapelle im Ensemble „Friedhöfe an der Bergmannstraße“ - und sicher noch auf einer Reihe von weiteren historischen Friedhöfen, die in der App vertreten sind, vorgestellt. Punkt 11.40 Uhr soll dabei die Webseite www.wo-sie-ruhen.de freigeschaltet werden. Weitere Informationen zu den geplanten Veranstaltungen werden hier folgen, sobald ich mehr erfahre. 
Muster: Flyer zur Friedhofsapp für den Stadtfriedhof Tübingen.
Alle beteiligten historischen Friedhöfe werden solche Flyer auslegen.

Dienstag, 30. September 2014

Geplante Tagung Historische Friedhöfe

Die Trauernde von Hans Damman,
in dem´damals noch nicht restaurierten
Mausoleum Höfele (Foto Leisner 1996)
Oh, da ist mir ein Fehler unterlaufen: 

In dem Post vom 18. Juli mit dem Call for Papers für die geplante Tagung zu historischen Friedhöfen in Kassel, veranstaltet vom BHU (Bund Heimat und Umwelt) und der AFD (Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal) habe ich mich im Datum versehen. Das richtige Datum (ich habe es jetzt auch in dem Post vom Juli geändert) wird der 12./13.6.2015 sein.

Im Übrigen ist der Call for Papers aber immer noch aktuell. Bis zum 15.11.2014 können noch Themenvorschläge eingereicht werden!

Montag, 22. September 2014

Grüfte retten!


Titelseiste Fachhochschulverlag
Dieses Buch ist zugleich eine grundlegende Informationsschrift und ein praktischer Ratgeber für alle, die mit historischen Grüften zu tun haben – also Friedhofsverwalter, Kirchengemeinden, Denkmalämter, Architekten, aber auch Historiker, Adelshäuser und Privatpersonen sollen damit angesprochen werden.
Hervorgegangen ist es aus einem Symposium, zu dem die Herausgeber Fachleute unterschiedlicher Disziplinen eingeladen hatten. Vierundzwanzig Beiträge sind in dem Buch versammelt. Damit werden alle wichtigen Aspekte abgehandelt, die im Umgang mit historischen Gruftanlagen zu beachten sind. Zu Recht heißt denn auch der Untertitel: "Ein Leitfaden zum pietätvollen Umgang mit historischen Grüften". 

Einführend wird ein Überblick über die Geschichte der Gruftbestattungen zusammen mit ihrer Einschätzung als äußerst wertvolles historisches Erbe gegeben. Leider werden Grüfte nur allzu oft von den Verantwortlichen nicht als bedeutende Kunstwerke anerkannt und manchmal sträflich vernachlässigt. Zu den besonders schweren Fehlern im Ungang mit diesen gemauerten unterirdischen Räumen zählt im Übrigen der Verschluss der Belüftungsöffnungen, wodurch der Luftaustausch verhindert wird und die Feuchtigkeit nicht mehr entweichen kann. Gruftbestattungen vereinen - wie Andreas Ströbl und Dana Vick formulieren - "mehrere kulturhistorische Aspekte in sich. Prachtvolle Gruftportale, Epitaphien für Familien oder Einzelpersonen, die Gruftgewölbe und die Särge mit den Leichnahmen reagieren miteinader und bilden den verdichteten Komplex einer Memorialkultur, welche die Zeit vom sptäen Mittelalter bis ins frühe 20. Jahrhundet entscheiden mitgeprägt hat" (S. 17).                    

Gründlich werden nach den einführenden Texten die rechtlichen Grundlagen für den Umgang mit Grüften und den darin geborgenen Leichnamen, bzw. Knochen und Mumien, dargestellt. Ein weiterer Beitrag setzt sich ausführlich mit den ethischen Frage eines pietätvollen Umgangs mit den Verstorbenen auseinander. Den größten Teil des Buches aber machen die praktische Kapitel aus. Zum einen geht es um die denkmalpflegerische Praxis und damit vorwiegend um bauliche Aspekte, wissenschaftliche Dokumentation, Grabbeigaben - bei denen speziell die Verwendung von Pflanzen eine besondere Rolle spielt -, sowie allgemeine Möglichkeiten der Konservierung und Restaurierung und speziell den Umgang mit Metallen, Holz und Textilien. Eine Besonderheit von Grüften ist ja, dass darin so viele unterschiedliche Materialien verwendet worden sind. Allerdings wird auch auf die Gefahren für Mensch und Material hingewiesen, die mit der Entstehung von Feuchtigkeit und Schimmelbildung in lange verschlossen gehaltenen Grufträumen verbunden sind. Zum anderen werden Fallbeispiele vorgestellt, mit denen die vielen Möglichkeiten des Umgangs und der sinnvollen Erhaltung von Grüften verdeutlicht werden. Prinzipiell lassen sie sich unterscheiden in musealie Präsentationen, konservatorische Sicherung mit eingeschränkter Besichtigungsmöglichkeit, Umnutzung zum Beispiel als Lapidarien und Kolumbarien, sowie Patenschaften mit und ohne Neubelegungen. 
Ein Glossar, denkmalpflegerische Fachbegriffe und das Autorenverzeichnis schließen diesen nützlichen 5. Band der Reihe "Friedhofskultur heute" ab, die von der Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal e.V. herausgegeben wird.  
Preuß, D., Ströbl, A., Ströbl, R., Vick, D. (Hg.), Grüfte retten! Ein Leitfaden zum pietätvollen Umgang mit historischen Grüften (Friedhofskultur heute, Bd. 5). Fachhochschulverlag Frankfurt/M. 2014,.ISBN: 978-3-943787-29-0, 156 Seiten, 16 Seiten farbig Abb., 18,00 Euro

Donnerstag, 4. September 2014

Attrakives Programm in Barcelona


Association of Significant Cemeteries of EuropeMitglieder der ASCE (Association of significant cemeteries in Europe) treffen sich vom 2. bis 4. Oktober 2014 in Barcelona zu ihrem Jahreshaupttreffen. Gerade ist das Tagungsprogramm veröffentlicht worden, das eine Reihe von interessanten Vorträgen und Exkursionen enthält. 
Unter anderem spricht zum Beispiel Nick Lloyd (Iberianature) über den "Fossar de la Pedrera" auf dem Friedhof Montjuic, einen Erinnerungsort und Massengrab, in dem 4000 Opfer des "Weißen Terrors" in Spanien beerdigt sind, oder der Brasilianer Thiago Nicolau de Araujo über Friedhöfe als Quelle von Geschichte, Kultur und Religion in den Gräbern der deutschen Immigranten in Brasilien. 


Die Teilnehmer werden außerdem noch über die Friedhöfe Poblenu und Montjuic in Barcelona, sowie durch den Sant Pau Catalan Modernisme geführt.
Man kann sich noch im Internet zur Teilnahme anmelden!

Donnerstag, 21. August 2014

25 Jahre Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof e.V. - Gründung und Festprogramm

Plakat zum Vortrag über die
Vergänglichkeit des Kulturerbes
 auf dem Ohlsdorfer Friedhof 
Heute vor 25 Jahren, genau am 21.8.1989 (das Datum 29.8. in meinem Post zum 20jährigen Jubiläum ist eindeutig falsch, die Satzung ist am 21.8. unterschrieben worden), habe ich zwölf Menschen, die aus privaten und beruflichen Gründen an der Erhaltung des Kulturerbes auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg interessiert waren, zur Gründungsversammlung des Förderkreises Ohlsdorfer Friedhof in das Hinterzimmer eines Lokales gegenüber dem Ohlsdorfer Verwaltungsgebäude eingeladen, um den ersten Förderkreis für einen Friedhof zu gründen. Den Wortlaut der Satzung hatte ich vorher ausgearbeitet und schon mit einigen Gründungsmitgliedern abgesprochen. Die Versammelten stimmten nach den üblichen Formularien und der Verleseung der Satzung für ihre Annahme und wählten mich zur ersten Vorsitzenden des neuen Vereins.


Dienstag, 19. August 2014

150 Jahre Stadtfriedhof Engesohde in Hannover

Wie in Darmstadt wird auch in Hannover ein ganzes Jahr lang ein Friedhofsjubiläum begangen. Der Stadtfriedhof Engesohde feiert sein 150jähriges Bestehen.

Ein Höhepunkt des Jubiläumsjahres scheint mir die Kunstinstallation "Sonnenallee" der Street Art-Künstlerin Mansha Friedrich zu sein, die die zentrale Lindenalle seit dem 25. Juli (und noch bis zum 31.12.2014) in ein ganz neues Farbenkleid gehüllt hat.
Kunstinstallation "Sonnenalle" von Mansha
Friedrich 2014 (Foto Manscha Friedrich)

Kunstinstallation "Sonnenalle" von Mansha
Friedrich 2014 (Foto Manscha Friedrich)
Die Stämme der Lindenbäume sind nämlich "bestrickt" und zwar in Farben, die von Orange bis Hellgelb verlaufen. Dadurch entsteht ein optischer Tunnel, der sich - je nach Blickrichtung - öffnet oder schließt. Durch die vereinzelnd durch das Blätterwerk dringenden Lichtstrahlen werden gezielt helle Lichtmomente erzeugt. Damit wirkt die Allee zugleich verfremdet und durch das Farbspiel wird sie zu einem Korridor zum Licht. Mit dem Farbwechsel der Blätter im Herbst wird sich das Bild erneut verändern. Durch die fallenden Blätter erreicht die Kronen mehr Licht und der Tunnel wird heller erscheinen und mit dem Fallen der Blätter aufbrechen. Diese Information habe der Ankündigung entnommen. Die Installation gehört im Übrigen zugleich zu der Veranstaltungsreihe "Die Gartenregion bewegt", mit der in Hannover für das städtische und private Grün geworben wird.

Freitag, 15. August 2014

Ein buntes Jubiläumsprogramm für den Waldfriedhof in Darmstadt

Flyer zum Jubiläum des
Waldfriedhofs (Quelle)
Der Waldfriedhof in Darmstadt besteht in diesem Jahr seit hundert Jahren. Dazu hat man ein umfangreiches Programm zusammengestellt, das in einem eigenen Flyer veröffentlicht ist. Die Jubiläumsfeierlichkeiten sind schon im Mai offiziell eröffnet worden und laufen noch bis zum 2. November 2014.

Liest man das Programm durch, so fallen die besonders zahlreichen und vielfältigen Aktionen auf, die in diesem Jahr in Darmstadt auf dem Friedhof angeboten werden. Der Schwerpunkt liegt auf Ausstellungen, Lesungen und Führungen mit künstlerischem, interkulturellem und kindgerechtem Hintergrund, aber auch Gottesdienste, Theaterstücke und Musik werden auf dem Friedhof stattfinden. Darunter sind viele Aktionen, die Kinder an das Thema Tod heranführen sollen. Für die Sommerferien sind sogar Ferienspiele zu verschiedenen Themen angesetzt.

Am Programm beteiligt sind verschiedene Ämter der Stadt, sowie Einrichtungen, Vereine und Betriebe, die jeweils in eigener Regie für die Umsestzung sorgen. Mit allen Programmpunkten will man das Interesse am Thema Friedhof, Trauer und Tod wecken und "den Waldfriedhof als ein architektonisches Juwel stärker ins Bewusstsein rücken“, wie es auf der Internetseite zum Jubiläum heißt.

Außerdem hat am zur Eröffnung des Jubiläumsjahres im ehemaligen Verwalterhaus des Friedhofs ein neues Café eröffnet, das vom Eigenbetrieb Darmstädter Werkstätten und Wohneinrichtungen als Inklusionsprojekt betrieben wird.

Besonders interessant scheint mir an dem Programm die interaktive Ausstellung mit dem rätselhaften Titel „leben aus gestorben“, die man in den Trauerhallen des Friedhofs im wahrsten Sinne des Wortes "erleben" kann. Die Ausstellung wird nähmlich als theatrale Veranstaltung von Schauspielern bespielt, die sozusagen durch die Hallen und auch die Kellerräume führen. Damit sollen Gegenakzente zur gesellschaftlichen Tabuisierung des Todes gesetzt werden. Mit "morbidem Charme" wollen die Macher dazu anregen, eigene Wege im Umgang mit Abschied und Trauer zu finden. Eine ausführlichere Beschreibung kann man hier lesen. Ab dem 14. September wird die Ausstellung an Sonntagen ohne theatral-interaktive Führung von 11-16 Uhr geöffnet sein. Will man sie theatral erleben, kann man hier einen Termin buchen und hier den Flyer der Ausstellung ansehen.

Mittwoch, 13. August 2014

"Geheimnis Friedhof - Historisches über den Alten Friedhof Vaihingen"

Buchtitel im Bärenfelser Verlag (Quelle)
Der Alte Friedhof in Vaihingen (Stuttgart) wurde 1874 eingeweiht und besteht damit seit 140 Jahren. Im Internet konnte ich keine Veranstaltungen zu diesem Jubiläum finden, aber immerhin ist die Friedhofsgeschichte gerade in dem oben genanntenn neuen Buch veröffentlicht worden.

Der Autor Folkmar Schiek, der nach seinem Studium der Personalwirtschaft und einer Ausbildung als Mediator heute als Bestatter arbeitet, hat dazu in mühevoller Kleinarbeit die Unterlagen im Stuttgarter Stadtarchiv, im Archiv des Bezirksrathauses und in zwei Privatsammlungen ausgewertet. Herausgekommen ist eine Friedhofsgeschichte, die auch wissenschaftlicher Nachfrage standhält: Die Quellen sind in insgesamt 111 Anmerkungen penibel angegeben. Dazu enthält das Buch viele Abbildungen und Pläne, die den historischen Teil illustrieren.

Dienstag, 12. August 2014

Friedhofs-App soll im November 2014 freigeschaltet werden

Über die neue Friedhofsapp habe ich hier schon ausführlich berichtet. Jetzt lese ich in der neuesten Ausgabe der Zeitschrift Friedhofskultur, dass sie Anfang November 2014 freigeschaltet werden soll und zugleich im Internet unter der Adresse: wo-sie-ruhen.de aufzurufen sein wird. Zur Zeit ist auf dieser Seite allerdings nur der Titel und die Aussage "in Arbeit" zu finden. Aber bis November sind ja auch noch einige Monate hin.  

Freitag, 18. Juli 2014

Call for Papers (CfP) - Tagung des BHU und der AFD "Historische Friedhöfe in Deutschland"

Alter Friedhof (Foto Leisner)
Der Bund Heimat und Umwelt (BHU) und die Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal (AFD) planen für Juni 2015 die gemeinsame Tagung

Historische Friedhöfe in Deutschland – Zum Umgang in unterschiedlichen Epochen

Dazu geben sie folgenden Call for Papers heraus:

"Gegenwärtig ist die kulturhistorische Bedeutung von Friedhöfen unbestritten. In vielen Orten sind Dokumentationen erstellt und Grabmal-Museumsbereiche eingerichtet worden. Friedhofsführungen finden viel Zulauf, zahlreiche Bücher über lokale Friedhöfe und Grabmäler sind erschienen.

Diese allgemeine Wertschätzung historischer Friedhöfe ist ein relativ neues Phänomen. In früheren Epochen ging man ganz unterschiedlich mit Friedhöfen um. Frühe Anzeichen, dass Friedhöfe mehr waren als Schauplätze privater Trauer und Erinnerung, stammen aus dem 18. Jahrhundert. Neuartige, reformerische Friedhöfe, wie in Herrnhut und Dessau, wurden in der aufgeklärten Öffentlichkeit viel beachtet, die Grabstätten von Klopstock und Rousseau wurden zu Pilgerstätten des gebildeten Bürgertums. Im 19. Jahrhundert entwickelten sich die Parkfriedhöfe zu städtischen Promenaden, die man zum kontemplativen Spaziergang aufsuchte. Zugleich aber wurden innerstädtische Friedhofsanlagen vielerorts zugunsten von städtebaulichen Maßnahmen aufgegeben und unwiderruflich zerstört. Das hatte Folgen: In der Epoche um und nach 1900 entwickelte sich im Kontext der anti-urban eingestellten Heimatschutzbewegung eine neue Sensibilität gegenüber Grabmälern wie auch ganzen Friedhofsensembles. Während der Diktatur der Nationalsozialisten wurden spezielle „heimat“-bezogene Grabmaltypen als schutzwürdig erachtet, andere hingegen – teils in Wechselwirkung mit der Friedhofsreformbewegung – als minderwertig stigmatisiert. Jüdische Friedhöfe und Grabmäler sollten im Prinzip vollkommen zerstört werden, allerdings reichte die Zeit dafür zum Glück nicht. Historische christliche Begräbnisplätze wurden gern aufgehoben und zum Beispiel in Aufmarschplätze umgestaltet. Nach 1945 herrschte zunächst jahrzehntelang wenig Interesse an historischen Friedhöfen, bevor in den 1980er-Jahren eine Renaissance mit zahlreichen Projekten einsetzte – frühzeitig dokumentiert im AFD-Band „Umgang mit historischen Friedhöfen“ (1984).

Mit der geplanten Tagung soll einerseits eine historische Längsschnittanalyse zum Umgang mit historischen Friedhöfen und Grabstätten von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart entstehen. Andererseits soll in einem zweiten Block das bürgerschaftliche Engagement für historische Friedhöfe in den Fokus stehen und in einem dritten Teil soll es um die Wiederbelebung dieses besonderen kulturhistorischen Erbes und darum gehen, wie man – auch mit Hilfe der neuen Medien – seinen Wert am besten kommunizieren kann.

Erwünscht sind Themenvorschläge zu den genannten und weiteren, vergleichbaren Bereichen. Diese können lokal situiert oder übergreifend angelegt sein.

Bitte senden Sie für Ihren Vorschlag bis zum 15.11.2014 eine ca. 1-seitiges Zusammenfassung (abstract) inkl. wissenschaftlicher Kurzbiografie an folgende Anschrift: Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal, Stichwort Tagung historische Friedhöfe, Weinbergstraße 25, 34117 Kassel, Mail: niedermeyer(bei)sepulkralmuseum.de

Organisation: Norbert Fischer, Inge Gotzmann, Barbara Leisner, Reiner Sörries"
Als Termin für die Tagung ist der 12./13.6.2015 geplant.

Donnerstag, 17. Juli 2014

Stadtgrün und Friedhof

Das neueste Heft unserer Zeitschrift "Ohldorf - Zeitschrift für Trauerkultur" widmet sich dem Stadtgrün in Hamburg, das in diesem Jahr sein hundertjähriges Jubiläum feiert, natürlich im Zusammenhang mit dem Ohlsdorfer Friedhof.

Über seine Bedeutung als Stadtgrün schreibt Klaus Happe, Leiter des Amtes für Landes- und Landschaftsplanung der Umweltbehörde Hamburg. Helmut Schoenfeld widmet seinem Text dem lebendigen Grün des Friedhofs, während ich selbst auf die Geschichte der Gartenkunst eingehe, die sich an der Friedhofsgestaltung besonders gut ablesen lässt.

Natürlich gibt es außerdem wie immer die Rubliken Aktuelles, Kultur und Geschichte, Neue Bücher, Aus dem Verein und Veranstaltungen.

Journalistenwettbewerb "Friedhof heute"

Mausoleum auf dem Friedhof in Barmsted (Foto Leisner 2012)
Aeternitas e.V., die Verbraucherinitiative Bestattungskultur, schreibt in diesem Jahr zum ersten Mal einen Medienpreis mit dem Titel „Friedhof heute“ aus. Eigentlich hört sich das nicht an, als ob es dabei um historische Friedhöfe ginge, die in diesem Blog das Hauptthema sind. 

Aber der mit insgesamt 5.000 € dotierte Preis würdigt, wie es in der Ausschreibung heißt, 

"journalistische Arbeiten, die sich dem Thema Friedhof jenseits der klassischen Totengedenktage unbefangen und mit gegenwärtigem Bezug widmen. Denn der Friedhof ist nicht nur eine traditionelle Institution, sondern auch ein moderner Ort für Erinnerung und Gedenken.
Weitere thematische Einschränkungen für die Beiträge gibt es nicht: Bestattungsformen und aktuelle Entwicklungen auf diesem Gebiet, Friedhofsportraits, Portraits von Menschen, die dort arbeiten, die Bedeutung des Friedhofs für Angehörige, kulturgeschichtliche und künstlerische Aspekte, Tier- und Pflanzenwelt oder auch wirtschaftliche, juristische, religiöse oder praktische Fragen – all dies und vieles mehr kann Gegenstand der Berichterstattung sein.
Eingereicht werden können journalistische Texte und Beiträge aller Themenbereiche, aller Medien (Print, Hörfunk, Fernsehen, Internet) und jeder Darstellungsform (Meldung, Reportage, Bericht, Feature, Interview, Kommentar). Sie sollen durch ihre Veröffentlichung eine besondere Wirkung erzielt haben und sich durch journalistisches Können auszeichnen. Zwischen dem 1. Januar und dem 30. November 2014 müssen sie in einem öffentlich zugänglichen Medium publiziert worden sein.
Teilnahmeberechtigt sind Arbeiten von freien und fest angestellten Journalisten sowie Volontären, die in deutschsprachigen Medien publizieren. Die Beiträge können auch durch Dritte vorgeschlagen und eingesandt werden. Einsendeschluss ist der 30. November 2014.
Weitere Informationen zum Medienpreis „Friedhof heute“ gibt es unter: gruenes-presseportal.de und aeternitas.de "

Soweit der Ausschreibungstext und ich finde, dass das eine richtig gute Idee ist, um das Thema Friedhof - und damit auch die Erhaltung historischer Anlagen - weiter in die Öffentlichkeit zu tragen. 

Sonntag, 13. Juli 2014

"Kunst und Memoria - Der Alte Südliche Friedhof in München"

Titelseite: Kunst und Memoria (Quelle)
Mit diesem Titel ist ein opulentes Werk auf meinem Schreibtisch gelandet und meines Wissen lässt sich in Bezug auf Umfang und Ausstattung kaum eine andere Friedhofsgeschichte mit ihm vergleichen. Die beiden Autoren Claudia Denk und John Ziesemer haben in diesem Werk die Ergebnisse ihrer zehnjährigen Forschungsarbeit vorgelegt, die schon 2005 mit der Tagung "Der bürgerliche Tod - Städtische Bestattung von der Aufklärung bis zum frühen 20. Jahrhundert" und der anschließenden Publikation der Vorträge und einer Reihe von Beiträgen zu anderen inhaltlich passenden Tagungen ansehnliche Früchte getragen hatte.

Das neue Buch teilt sich in zwei große Bereiche: zum einen die Geschichte des Alten Südfriedhofs verbunden mit Beiträgen zur Grabmalkultur, zum a
nderen ein ausführliches Inventar von 186 ausgewählten Grabstätten. Beiden Bereichen merkt man immer wieder das vorausgegangene umfängliche Quellenstudium der Autoren an. Künstlerbiographien, eine Auswahl der wichtigsten Quellen im Original, ein Literatur- und ein gesondertes Quellenverzeichnis, sowie ein Personen- und Grabstättenregister runden die vorangestellten Texte ab.

Untersucht wird das Gesamtpaket jener memorialen Fragestellungen, die historische Friedhöfe zu einer einzigartigen Quelle von Stadt-, Gesellschafts-, Kultur- und Kunstgeschichte machen, als die sie inzwischen immer mehr anerkannt werden. Exemplarisch für den aufblühenden Gedenkkult und die neue gartenkünstlerische Aufgabe der immer mehr ästhetisch durchgestalteten Begräbnisplätze des 19. Jahrhunderts wird die Geschichte der Anlage unter Zugrundelegung sozial- und kunsthistorischer Fragestellungen untersucht und in den Rahmen der industriellen Revolution mit ihren wachsenden Großstädten eingeordnet. Dabei kommen die Autoren zu einer Reihe neuer Erkenntnisse, speziell zur historischen und künstlerischen Einordnung der Grabmalplastiken.

Wilhelm Scheuchzer: Der Alte Südfriedhof 1830
Sie können aufzeigen, wie sich die oberen Schichten der Münchener Stadtbevölkerung - zusammengesetzt aus dem alten städtischen Patriarchat und dem aufsteigenen Bürgertum, sowie der Residenz mit ihrer höfischen Gesellschaft und einer neuen künstlerischen Boheme - es vermochten über die Grabmale und ihren Aufstellungsort in der neuen Anlage sich selbst zu präsentierten und Prestigegewinne zu erzielen, indem sie die Kunst in ihren Dienst stellten. Grabmale wurden damit zugleich zu bürgerlichen Denkmalen, bei deren Stiftung nicht mehr wie bei den städtischen Denkmalen fürstlicher Großmut oder Dank im Vordergrund stand, sondern die Suche nach neuen Vorbildern.

Freitag, 11. Juli 2014

100 Jahre Hauptfriedhof Saarbrücken

Programmflyer Saarbrücken
Vom 12.-14.7.2014 feiert der Hauptfriedhof sein hundertjähriges Jubiläum und dazu hat man ein dichtes Programm auf die Beine gestellt. Am Sonnabend um 16 Uhr eröffnet die Oberbürgermeisterin Charlotte Britz die Feier vor und in der alten Einsegnungshalle im alten Teil des Friedhofs. Den Festvortrag zur Zukunft der Friedhöfe hält Prof. Dr. Norbert Fischer. Ab 19.30 Uhr setzt sich dann das Liquid Penguin Ensemble kritisch mit dem Ersten Weltkrieg auseinander. Der Sonntag beginnt mit einem ökumenischen Festgottesdienst in der alten Einsegnungshalle. 

An beiden Tagen wird die Feier musikalisch vom Mellika Meskine Duo begleitet und es gibt es Führungen zu verschiedenen Themen. Dr. Rainer Knauf wird die Bedeutung des Friedhofs als Begräbnisplatz für gefallene Soldaten beider Weltkriege aufzeigen und dazu wird die Schauspielerin Michaela Auinger passende Texte vorlesen; eine botanische Führung widmet sich der Fauna und Flora des Friedhofs; unterschiedliche Grabarten werden bei einer Rundfahrt im Panorama-Oldtimerbus gezeigt und am Sonntag kann man außerdem in einer Pferdekutsche wie anno dazumal über den Friedhof rollen!

Impressionen vom Saarbrücker Hauptfriedhof“ vom saarländischen Künstler Werner Constroffer sind in der alten Aussegnungshalle ausgestellt und an beiden Tagen finden Zeichenexkursionen mit dem Künstler zu spannenden Stellen auf dem Hauptfriedhof statt.

Für Kinder gibt es ein Mitmachprogramm, wo Blumensträuße gebunden oder Skulpturen angefertigt und am Sonntag Grenzen beim pädagogischen Klettern überwunden oder bei begleiteten Erlebnistouren eine interessante Seite des Friedhofs erlebt werden kann.

Köstlichkeiten aus der Region runden die Veranstaltung kulinarisch ab.

Der Saarbrücker Hauptfriedhof wurde ab 1912 als Zentralfriedhof für die gerade entstandene Großstadt geplant. Der Ersten Weltkrieg brachte es mit sich, dass er 1914 zunächst als Ehrenfriedhof für die gefallenen Soldaten angelegt wurde. Zwei Jahre später wurde er für die Allgemeinheit geöffnet, aber erst 1926 fiel der Beschluß ihn endgültig zum Hauptfriedhof auszubauen.

Das Programm kann man hier herunterladen.

Freitag, 4. Juli 2014

Jahrestagung der ASCE in Barcelona

Die ASCE (Association of significant cemeteries in Europe - Vereinigung bedeutender Friedhöfe in Europa) lädt zu Ihrer Jahrestagung in Barcelona vom 2.-4.Oktober 2014 ein.

Der Titel der Tagung lautet dieses Jahr "Beyond death: Remembrance, Memory and Heritage" (Über den Tod hinaus: Gedenken, Erinnerung und Erbe).

Gedenken ist dabei als der Weg gemeint, wie individuelle Erinneung gemeint externalisiert und aus dem Blickwinkel der Kunst, Literatur und Musik wiedergegeben wird. Erinnerung meint den Zugang durch den Blick auf unterschiedliche Bereiche auf Europäischen Friedhöfen, die dem privaten und dem kollektiven Gedächtnis gewidmet sind. Unter dem Stichwort Erbe, soll die Idee des unantastbaren Wertes des Kultureres im Bereich des Bestattungsbrauchtums, der Sitten, Rituale und Symbole fokussiert werden. Das Programm allerdings noch ohne Angabe der Vorträge - sie werden meistens auf Englisch gehalten -, findet man unter diesem Link. Unterbrochen werden die Vorträge durch geführte Besichtigungen und freie Zeit, so dass man auch Barcelona kennenlernen kann.

Registrieren kann man sich online

Donnerstag, 5. Juni 2014

"Ein schöner Garten Gottes" - 200 Jahre Alter Friedhof in Flensburg

Titelbild "Ein schöner Garten Gottes" (Foto Leisner)
Dieses Buch ist im letzten Jahr zum Friedhofsjubiläum von der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte herausgegeben worden. Schon auf den ersten Blick besticht es durch sein schönes Layout und die vielen - meistenteils farbigen - Abbildungen. Sie zeigen nicht nur historische Ansichten, sondern ermöglichen auch einen sehr stimmungsvollen Blick auf die heutige Gestalt dieses Begräbnisplatzes, der als erster kommunaler Friedhof Schleswig-Holsteins am 25. Juni 1813 eingeweiht wurde und seit 1953 nicht mehr zum Beerdigen dient.

Einleitend gibt von Heiko K.L. Schulze einen kurzen Überblick über die Friedhofsge-schichte Schleswig-Holsteins. Ein doppelseitigen Foto des Alten Friedhofs und seiner berühmten Kapelle bildet dann den Einstieg in den Hauptteil des Buches, in dem Thomas Messerschmidt der "Idee, Planung und Ausführung" des Begräbnisplatzes ein umfangreiches Kapitel widmet. Interessant ist, wie dabei am Anfang die spätere Anlage mit Vorläufern in Form der ersten Gartenbegräbnissen in Flensburg verbunden wird. Schon 1788 stellte nämlich der Kaufmann und Tabakfabrikanten N. Schmitt den Antrag im eigenen Garten ein Familiengrab einrichten zu dürfen. Die Begründung lässt einen Blick auf das Aussehen der damaligen Friedhöfe zu, wenn es darin heißt, dass der Fabrikant nicht dort ruhen wollte, wo die Knochen "von den Hunden benagt und von Knaben herumgeworfen wurden", sondern "mitten unter Blumen im Schatten der Bäume".

Danach wird aufgezeigt, wie der Alte Friedhof durch landschaftliche Elemente an den beiden Endseiten zu einem frühen Vertreter der Parkfriehofsidee in Deutschland wurde, sozusagen in direkter Nachfolge des Pariser "Pere Lachaise". Daneben steht der wichtige Hinweis auf den sarkophagförmigen Grundriss des Friedhofs und seine Verbindung mit der "architecture parlante" (sprechende Architektur), die in der französischen Revolutionsarchitektur eine Rolle spielte, sowie der Vergleich mit dem Plan des 1818/21 umgestalteten Alten Südfriedhofs in München.

Dieser Stil findet sich auch in der Kapelle von Axel Bundsen wieder, deren symbolischer Gehalt als "Tor zur Ewigkeit" sich in ihrer Form als monumentaler Torbau  über quadratischem Grundriss widerspiegelt. Ausführlich wird auf die Hintergründe dieses Bauwerkes eingegangen, das nicht zu Unrecht als eines der Hauptwerke des Klassizismus im Norden gilt.

Erhalten haben sich auf dem Friedhof eine Fülle klassizistischer Grabmale. Ca. 500 Grabstätten sind zum Teil mit mehreren Grabsteinen besetzt. Leider werden in dem Buch nur einige wenige Grabmale vorgestellt. Eine Inventarisation und anschließende Publikation aller erhaltenen historischen Grabmale wäre wünschenwert. immerhin werden den wichtigsten Kunstwerken umfangreichere Beiträge gewidmet. Darunter sind besonders die Ausführungen zu Karl Friedrich Schinkel und seinen beiden gußeisernen Grabmalen für Andreas Christiansen und Jacob Pertersen Schmidt hervorzuheben.

In weiteren Kapiteln werden die Kriegergräber und die zugehörigen Gedenkstätten thematisiert, zu denen seit 2011 auch der Idstedt-Löwe gehört, dessen "bewegtes" Schicksal geschildert wird. Ein Text zu den Gehölzen rundet die Darstellung des Alten Friedhofes ab. Zum Schluss erhält der Leser dann noch einen Überblick über die neueren Flensburger Friedhofsanlagen, also den Mühlenfriedhof von 1872 und den Friedhofs am Friedenhügel von 1911.

Damit haben die elf Autoren - die meisten Beiträge stammen allerdings von Thomas Messerschmidt - einen angenehm lesbaren und äußerst informativen Abriss über die Geschichte des Alten Friedhofes in Flensburg vorgelegt, der auch nach dem Jubiläumsjahr nicht an Aktualiät verlieren wird.

Donnerstag, 22. Mai 2014

Wieso hat jemand einen Hund begraben?

Ein Hundegrab in Wladivostok (Russland), 
Foto Ondřej Žváček, entnommen 

Da habe ich gerade das Büchlein, zu den Tiergräbern hier besprochen und auf die Tagung in Irsee hingewiesen, da erzählt mir das Netz, dass da gar nicht der Hund begraben ist, sondern, "dass man im Mittelalter nicht den »hunt«, sondern die »hunda« (Beute) vergrub. Das Wort »hunda« verschwand, die Redewendung aber blieb. Und so liegt jetzt der Hund begraben da." Das verraten etymologischen Wörterbücher und sie "erzählen uns ... noch mehr: Was sahen unsere Vorfahren im Hund? Ein Nutztier, einen treuen Weggefährten, eine Plage? Und wieso taucht der Hund so oft in Schimpfwörtern auf?" Ich zitiere hier aus der Ankündigung zur Ausstellung "Spurensuche in der Welt der Wörter"'  in der Sächsischen Akademie der Wissenschaften in Leipzig vom 23.05.2014 – 27.06.2014.

So kommt man auf den Hund! "Da liegt der Hund begraben" heißt umgangsprachlich übrigens soviel wie "dies ist die Ursache der (unüberwindlichen) Schwierigkeiten; dies ist der Kern der (unangenehmen) Angelegenheit/Sache".


Mittwoch, 21. Mai 2014

Grabmalgesteine auf dem Städtischen Friedhof Görlitz

In meinem Post vom 17. April  habe ich schon auf das neue Heft "Geokommunen 5 - Geologie in sächsischen Städten" mit dem oben genannten Titel hingewiesen, das in der Reihe "Miniaturen zur Geologie Sachsens" erschienen ist. Schon vor Jahren habe ich die damals noch recht klein geratenen Hefte Geokommunen 2 und 3 zum Johannisfriedhof und zum Urnenhain in Dresden-Tolkewitz hier besprochen. Jetzt kann ich als erstes die erfreuliche Tatsache vermerken, dass das neue Friedhofsheft aus dieser Reihe in einem deutlich größeren Format (A5) erschienen ist. Dadurch ist es natürlich sehr viel angenehmer zu lesen und anzuschauen als die älteren Hefte.

Titelbild des neuen Friedhofsheftes
der Geokommunen, Senckenbergmuseum
(Copyright Titelfoto:
Martin Menz, Senckenbergmuseum)
Wieder ist ein Büchlein entstanden, dass durch sein schönes Layout genauso zum Anschauen verleitet, wie es natürlich auch dazu geeignet ist sich mit der Materie der Grabmalgesteine intensiver auseinanderzusetzen. Zugleich bildet dieses Heft aber auch einen Friedhofsführer, Es gibt Artikel über die Geschichte des Städtischen Friedhofs in Görlitz und über seine Bauten, zu denen die neoklassizistische Feierhalle aus den 1870er Jahren ebenso gehört, wie das 1913 erbaute Krematorium mit seinem modernen Anbau. Darauf folgen die wichtigsten Grabstätten, die nicht nur mit ihren unterschiedlichen Gesteinsarten, sondern auch mit ihrer Geschichte und teilweise auch mit kurzen Lebensläufen und Porträts der Bestatteten vorgestellt werden. Ganz nebenher erhält man so einen Überblick über die Ortsgeschichte.

Gleichzeitig ist das Heft aber auch vor Ort als Friedhofsführer zu nutzen, denn die vorgestellten Grabmale sind durchnummeriert und in einen in der Mitte ausklappbaren Plan eingezeichnet, der zudem Aufschlüsse über die unterschiedliche geologische Ausformung des Friedhofsgebietes enthält.

Damit ist auch dieses Heft der Geokommunen wieder viel mehr als ein Gesteinsführer und man kann die Autoren, Fotografen und den Gestalter nur dazu beglückwünschen.


Montag, 19. Mai 2014

Cemetery Resource Protection Training (CRPT) Conference

Auch anderswo auf der Welt interessieren sich Menschen für historische Friedhöfe und wollen sie erhalten. Mir fiel dieser Hinweis auf die erste Konferenz/Workshop zur Erhaltung von Friedhofskultur in Florida auf. Am 3. und 4. Juni 2014 werden in Gainesville Experten für historische Friedhöfe und andere Leute, die sich mit Friedhofserhaltung befassen, Vorträge halten und Workshops leiten. Die Tagung wird vom "Florida Public Archaeology Network" veranstaltet in Kooperation mit der Stadt Gainesville und der "Historic Evergreen Cemetery Association". Wer sich für die Tagung näher interessiert findet das Programm hier.

Mittwoch, 14. Mai 2014

Solange ich lebe, kriegt mich der Tod nicht

Das ist der Titel einer Ausstellung im Sepulkralmuseum in Kassel, die am 4. Mai zuende gegangen ist. Ich habe sie gerade noch sehen können und komme erst jetzt dazu darüber zu schreiben. Eigentlich ist es auch keine Ausstellung nur zum Sehen, sondern eher eine zum Hören. Sie ist das Ergebnis eines langfristigen Projektes von Friedhofsgängen mit Schriftstellern. Zu sehen ist jeweils das Bild eines Autors oder einer Autorin auf dem Friedhof, den er oder sie sich ausgewählt hat. Dazu bekam man einen Audioguide und konnte die Interviews auf den - zum größten Teil historischen - Friedhöfen hören, die der Initiator und Journalist Tobias Wenzel jeweils geführt hat.

So hat zum Beispiel Cees Notteboom das Grab der deutschen Rekordfliegerin Marga Wolf von Etzdorf auf dem Invalidenfriedhof in Berlin gesucht oder der argentinische Autor Felix Bruzzone hat auf der Miltärbasis Campo de Mayo bei Buenos Aires von dem Grab seiner Eltern erzählt, das nicht existiert, weil sie von der Junta ermordet wurden. Es sind viele verschiedene Leben und ganz unterschiedliche Gedanken zum Tod und zum Friedhof, mit denen man in dieser Ausstellung konfrontiert wird. Die Begräbnisplätze sind dabei sozusagen die Ideenträger, die dazu anregen sich mit dem eigenen Leben und dem Tod auseinander zu setzen.
Buchcover
"Solange ich lebe, kriegt mich der Tod nicht"
(Abbildung mit freundlicher Erlaubnis
des Knesebeck Verlages vom 14.5.2014) 

Aber die Ausstellung ist doch schon zu Ende, warum also berichte ich so spät noch darüber? Erstens, weil das Sepulkralmuseum in Kassel immer einen Besuch wert ist - am 23. Mai wird dort übrigens die neue Ausstellung "Totentänze aus dem Ersten Weltkrieg" eröffnet und darauf folgen weitere, die sich in der einen oder anderen Weise mit dem Weltkrieg auseinandersetzen. Das Programm ist hier einzusehen.

Zweitens aber auch, weil man die Audios weiterhin im Internet hören kann, da sie im Deutschlandradio Kultur veröffentlicht worden sind. Außerdem wird die Ausstellung vom 27.09.2014 - 02.11.2014 in der Rostocker Kunsthalle zu sehen sein und zu dem Projekt gibt es ein Buch:

Tobias Wenzel: Solange ich lebe, kriegt mich der Tod nicht. Friedhofsgänge mit Schriftstellern
Mit einem Vorwort von Jussi Adler-Olsen, München: Knesebeck Verlag. 224 Seiten. 29,95 Euro

Montag, 12. Mai 2014

"Alle hernach" 450 Jahre Friedhof Münchberg

"Alle hernach" 450 Jahre Friedhof
Münchberg, 2006
Der Münchberger Friedhof hat sein Jubiläum zwar schon im Jahr 2006 gefeiert, doch ist mir das Buch dazu erst jetzt bekannt geworden. Auch "verspätet" stelle ich es gern hier vor, weil es mir gut gefallen hat. Es ist in der Reihe der Beiträge zur Münchberger Stadtgeschichte als 9. Band erschienen und zeigt, wie konstruktiv und informativ es sein kann, wenn in einer relativ kleineren Stadt - mit über 10.000 Einwohnern ist Münchberg laut Wikipedia die größte Stadt im Landkreis Hof - die historisch interessierten Kräfte gebündelt werden um sich mit einem Thema zu befassen.

Insgesamt neun Autoren werden im Titel genannt. Ihre Beiträge spannen sich von einem einleitenden Teil zur kirchlichen Grabkultur und zur Friedhofsgeschichte, zu den Gebäuden - besonders zu nennen ist die 1745 errichtete Gottesackerkirche "Zur Himmelspforte", die älteste Kirche der Stadt - und den Besonderheiten des Friedhofs. 

Zu diesen zählen auf jeden Fall die historischen Grabsteine aus dem 17. Jahhrundert, die nach dem 1. Weltkrieg bei Bauarbeiten entdeckt wurden. Erhalten geblieben sind sie, weil sie einen Bach abdeckten! Aber auch die beiden Grufthäuschen der Familien Schneider und Kirchhof, die den im 19. und 20. Jahr mehrfach drohenden Abriss einigermaßen heil überstanden haben, sind es wert dargestellt zu werden. Ein ausführlicher Gang über den Gottesacker schließt diesen Teil ab. 

Ein dritter Teil ist dem Brauchtum um Sterben und Begräbnis gewidmet. Berichte von Heimatforschern aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts geben ein anschauliches Bild über Bräuche und Gewohnheiten. Im Anhang sind außerdem ein Auszug aus einer Leichenpredigt des 17. Jahrhunderts, sowie die "Leichenhaus- und Begräbnißordnung " von 1868 abgedruckt. 


Donnerstag, 8. Mai 2014

"Letzte Heimat" - Theater für und auf dem Friedhof

Das "Junge Theater Augsburg" und das "bfz" (Berufliches Fortbildungszentrum, ebendort) führen zusammen ein ungewöhnliches Theaterprojekt mit dem Titel „Letzte Heimat“ durch. Die Frage nach der buchstäblich "letzten" Heimat aller Menschen, die in Deutschland leben, steht im Mittelpunkt des Stücks, das durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gefördert wird.

Denn es wird darin danach gefragt, ob man in der eigenen Stadt so bestattet werden kann, wie man es sich wünscht, egal welcher Glaubensgemeinschaft man angehört. Dazu treten sogenannte "Experten des Alltags" auf, deren Biografien die Grundlage für den Text und die Gestaltung des Stücks bilden. Aufgeführt wird das Stück als "Stationentheater" auf einem Augsburger Friedhof und es endet mit einem "Leichenschmaus". Auf diese leibliche Stärkung weist auch das schöne Foto der Kekse in Totenkopfform von der Website des Theatersücks hin, die ich hier mit freundlicher Genehmigumg der Fotografin veröffentliche (danke!).
Totenkopfkekse (Letzte Heimat, Foto: Sonja Gastl,
 bfz Augsburg)

Die 26 Mitspieler haben Wurzeln in 12 Ländern und es spielen Angehörige ganz unterschiedlicher Religionen mit (Islam, Buddhismus, Katholizismus, Protestantismus, russische Orthodoxie, Judentum und Nichtgläubige) und - generationenübergreifend - ist der jüngste Darsteller 9 und die älteste 83 Jahre alt.

Ort: Friedhof Göggingen, Von-Cobres-Straße 19, 86199 Augsburg, Zeit: 19:00 Uhr, 

Termine: 
Im Juli 2014: 19., 20., 25., 26. (im Grandhotel Cosmopolis), 27., 31. 
Im August 2014: 2., 3., 7., 8. (Augsburger Friedensfest).

Im Jahr 2015 soll das Projekt in anderen deutschen Städten nachgespielt werden. Kontakt: bfz Augsburg und Junges Theater Augsburg, Susanne Reng, 0821 4442995, reng@letzteheimat.net, www.letzteheimat.net




Sonntag, 4. Mai 2014

Bronzeklau

Der inzwischen gestohlene Löwe auf dem
Grab der Familie Hagenbeck, 2012
(Foto Marianne Didiér)
Es ist traurig, aber man muss wirklich alle Friedhofsfreunde und besonders die Fotografen unter ihnen warnen: 

Veröffentlicht keine Fotos von bronzenen Grabmalplastiken und schreibt auf keine Fall das Wort "Bronze" dazu! 

Bronzediebe gehen gezielt auf Friedhöfe um diese Plastiken zu stehlen und auf Nimmerwiedersehen verschwinden zu lassen. 

Spektakulärstes Beispiel war im letzten Winter der bronzene Löwe auf der Grabstätte der Familie Hagenbeck auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg. Aber nicht nur er wurde rabiat an den Tatzen - ihre Reste sind noch vorhanden - abgeflext und vom Grab entfernt. 

Noch weitere große Bronzeplastiken wurden in dieser Zeit in Ohlsdorf gestohlen: die beiden Statuen des Bildhauers Auguste Moreau (1834-1917) "Venus in der Muschel" und "Am Brunnen vor dem Tore". Sie standen auf einem Grab, das nah am Friedhofseingang liegt. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Täter mit einem größeren Fahrzeug vorgefahren seien müssen, um die schweren Kunstwerke vom Friedhof abzutransportieren. Zur Zeit überwacht die Polizei den Ohlsdorfer Friedhof verstärkt, u.a. auch mit ihrer Reiterstaffel. Auf den Pferden können die Polizisten nämlich besonders gut über das hohe Gebüsch im Gelände hinüberschauen. 

Natürlich sollte jeder Diebstahl auf Friedhöfen sofort der örtlichen Polizei gemeldet werden. Weitere - teilweise schon früher gestohlene - Bronzen dieses Friedhofs sind in dem Blog "Gottesacker" abgebildet.

In Ohlsdorf soll übrigens jetzt ein knopfgroßes Gerät an den Bronzestatuen angebracht werden, das jede Bewegung sofort per Funk an die zuständige Polizeistation meldet, so dass die Diebe noch vor dem Verlassen des Friedhofs gefasst werden können. 


Freitag, 2. Mai 2014

Osternacht im Mausoleum - Nachlese

In meinem Post vom 14. April  habe ich auf diese Veranstaltung auf dem Ohlsdorfer Friedhof hingewiesen. Von Julia Wachsman erhielt ich diese kurze Rückschau:

Die liturgische Performance zur Auferstehung Jesu, die im Mausoleum Kretschmer erstmalig stattfand, dauerte von 0 Uhr bis Sonnenaufgang an. InitiatorInnen dieser außergewöhnlichen Inszenierung waren die Prädikantin Petra Roedenbeck-Wachsmann und der Hochschulpastor Bernd Vogel. Neben biblischen und lyrischen Lesungen, Sologesang- und Tanzeinlagen wurden Videoanimationen – „Christusimpulse im Raum“ – auf Grabplatten projiziert. Die Teilnehmenden durchschritten in alten und neuen Texten, Bildern und Liedvortrag Jesu Weg vom Himmel ins Totenreich bis hin zur Auferstehung. Die bis zum Sonnenaufgang Ausharrenden wurden mit dem wunderbaren Frühgesang der zahllosen Vögel des Friedhofes belohnt, die den österlichen Morgensegen vorweg zu nehmen schienen.

Davon noch etwas mehr lesen kann man demächst auch in der Nr. 125 von "Ohlsdorf - Zeitschrift für Trauerkultur". Dort wird unter Aktuellesvon einer weiteren Veranstaltung im Mausoleum zu lesen und Bilder werden zu sehen sein.

Die "Digitale Invasion" des Assistens Kirkegaard in Kopenhagen

Digital Invasions vom Assistens Kirkegaard auf Storyfy
In meinem Post vom 21.4.2014 habe ich schon auf die neue Kommunikationsform der "digital invasions" als Möglichkeit für der Öffentlichkeitsarbeit hingewiesen. Sie eignet sich auch für solche kulturell und geschichtlich aufgeladenen Orte, wie historische Friedhöfe es sind.

Die Tweets von der "ersten" digitalen Invasion eines Friedhofs von der Journalistin Marlene Hofmann kann man hier nachlesen.

Donnerstag, 24. April 2014

Da liegt der Hund begraben.

Inzwischen liegt das kleine Buch vor mir, das ich im Post vom 21. März angekündigt habe. Susanna Kolbe hat sich auf modernen Tierfriedhöfen umgesehen und zur historischen Tierbestattung geforscht. Daraus ist ein Buch entstanden, das - reich bebildert - einen gut lesbaren Überblick über die Geschichte und Gegenwart der Bestattung von Tieren gibt. 

Der handliche Band teilt sich in zwei Hauptteile. Begonnen wird mit einem Überblick über die Geschichte der Tierbestattung, die von den ägyptischen Tiermumien bis zu den teilweise anrührenden Geschichten besonders treuer Hunde reicht, für die – nicht nur, aber doch sehr oft – eigene Erinnerungsmale in den Landschaftsparks des 18. und 19. Jahrhunderts aufgestellt wurden.
Grabmal des Folichon in Bayreuth 
Dabei ist mir übrigens ein kleiner Fehler aufgefallen: Auf Seite 16 geht es um das Grabmal des Zwergspaniels Folichon. Er gehörte Wilhelmine von Preußen der späteren Markgräfin von Bayreuth und Schwester des Friedrichs II. und erhielt im Park Eremitage in der Nähe von Bayreuth ein opulentes Grabmal in Form einer antiken Säulenstellung. Allerdings ist dieses Grabmal nicht dem Grabmal des Vergil in Neapel nachgebildet, wie es im Text heißt. Nur als Anmerkung: Wilhelmine von Preußen hat das Grab Vergils tatsächlich persönlich besucht und sogar einen Lorbeerzweig von dort mitgenommen, den sie ihrem Bruder verehrt hat. (Siehe dazu die Abbidlungen des Grabmals des Vergil und vgl. auch: Konstanze Baum: Ein Lorbeerzweig für Friedrich den Großen. Wilhelmine von Bayreuth am Grab Vergils (1755).In: Italien in Preußen - Preußen in Italien. Hg. von der Winckelmann-Gesellschaft. Stendal 2006, S. 11-34.)


Historische Postkarte vom Eingangstor zum Cimitière des chiens
(Quelle: http://en.wikipedia.org/wiki/File:Dog_cimeti%C3%A8re.jpg)
Doch das schmälert natürlich nicht den Wert des Buches, in dem neben den Einzelgräbern auch historische Tierfriedhöfe vorgestellt werden. Besonders dem „Cimetière des chiens“ am Rande von Paris wird breiter Raum gegeben. Seine mit Tieren geschmückten Grabmale werden in einem ausführlichen Bildteil gezeigt. Ein kurzer Exkurs führt außerdem zur Tierbestattung in der Literatur, für die sicher noch viel mehr Beispiele zu finden sind, als der Friedhof der Kuscheltiere und einige andere Stellen in englischsprachigen Romanen.

Nach diesem geschichtlichen Abriß geht es um den gegenwärtigen Umgang mit toten Tieren. Als erstes wird die Begrifflichkeit geklärt. Der Unterschied zwischen Haustier und Heimtier war mir persönlich bisher nicht geläufig. Es macht aber Sinn, wenn neben den Nutztieren in Haus und Hof - Hofhund, Hühner, Schweine - die mehr oder weniger verhätschelten tierischen Hausbewohner wie Schoßhund, Katze und andere „Familienmitglieder“ als Heimtiere definiert werden. Die innigen Beziehungen, die Menschen mit ihren tierischen Lebenspartnern verbinden, sind das eigentliche Thema, wenn es um Tiertod, Tierkörperbeseitigung und die (Tier-)bestattungskultur in Vergangenheit und Gegenwart geht. Dabei wird der Beruf des Tierbestatters ebenso wie die Feuerbestattung für Tiere – am Beispiel des Portaleums in Berlin – thematisiert. Zahlreiche Fotos von modernen Tierfriedhöfen untermalen die persönlichen Eindrücke, die die Autorin beim Besuch dieser Anlagen gesammelt hat. 

Insgesamt legt Susanna Kolbe einen knappen Abriss des gegenwärtigen Zustandes der Tierbestattung vor. Frappierend ist dabei, wie sehr Tiere in unserer Zeit vermenschlicht werden. Ihre Bestattungen und ihre Friedhöfe ähneln den letzten Ruhestätten ungemein, die für Herrchen und Frauchen angelegt werden. Die tierische Nähe zum Menschen in Verbindung mit dem zunehmenden Flächenüberhang auf Friedhöfen hat inzwischen sogar dahin geführt, dass selbst kirchliche Friedhöfe damit liebäugeln Flächen für die Bestattung von Tier und Mensch zu öffnen. Ein erstes konkretes Beispiel ist der Tierfriedhof im Wiesengrund in Karlshorst (Berlin), dessen Fläche von dem bestehenden evangelischen Friedhof abgetrennt und für Tiere hergerichtet worden ist. Und mehr noch: Während viele Menschen einsam in Einrichtungen wie Kliniken und Altenheimen sterben, findet der Tiertod oft zuhause statt, wie die Autorin konstatiert.


Susanna Kolbe: Da liegt der Hund begraben. Von Tierfriedhöfen und Tierbestattungen. Marburg 2014, 135 S. zahlreiche farbige u. s.-w. Abb., Jonas-Verlag