Montag, 17. November 2014

Denk Mal Fort e.V. - Verein zur Erhaltung des sowjetischen Garnisonsfriedhofs in Dresden

Abteilung A, Obelisk von Friedrich Press (ich danke Susan
Donath für die Fotos in diesem Post)
In diesem Jahr hat sich in Dresden der Verein "Denk Mal Fort! e.V." gegründet. Er ist aus der  2011 gegründeten Bürgerinitiative „Freundeskreis Sowjetischer Garnisonfriedhof Dresden“ hervorgegangen. Diese kleine Gruppe engagierte sich gegen die Umgestaltungspläne des Friedhofseigentümers (Freistaates Sachsen) für den Nordflügel dieser historischen Friedhofsanlage, mit der die Anlage auf Kosten der Kultur pflegeleichter gemacht werden sollte. Geplant ist die Friedhofsarchitektur einzuebnen und durch eine schlichte Grünfläche mit kleinem Gedenkbereich ersetzen.

Grabmalreihen Abteilung A 
Dagegen betrachtet der neue Verein den Sowjetischen Garnisonfriedhof in Dresden als ein einmaliges historisches Zeitzeugnis und damit Dokument für die 50 Jahre währende Epoche der Anwesenheit sowjetischer Truppen; und damit als eine Anlage, die ganz und gar als Denkmal in ihrem derzeitigen Erscheinungsbild dauerhaft erhalten bleiben sollte. Er schreibt in seiner Selbstdarstellung, dass die "Grabmal- und die Friedhofssubstanz, die nun durch die Pläne des Eigentümers zur Disposition steht, ... dem Besucher die Bedeutsamkeit dieses Ortes , wie es keine neu geschaffene Gedenkstätte könnte. Erst beim Abschreiten der Grabreihen wird deutlich, wie viele junge Menschen hier in Dresden und ganz Sachsen Jahr um Jahr infolge teils unmenschlicher Bedingungen innerhalb des sowjetischen Militärs den Tod fanden." Der zur Disposition stehende Nordflügel bildet dabei die folgerichtige Fortsetzung der Hauptanlage. Nur dadurch wird ein halbes Jahrhundert sowjetischer Präsend lückenlos dokumentiert. Dabei zeugen die Inschriften auf den Grabmalen von "sowjetischer Beerdigungs- und Trauerkultur, unterscheiden zwischen Frauen und Kindern, zwischen Soldaten, Sergeanten und Armeeangestellten". Ihre Entfernung würde zur Anonymisierung der Gräber. 

Zugleich sieht der Verein in dem Friedhof die Chance, Stadtgeschichte auch für junge Leute nacherlebbar zu machen und weist auf "ein enormes noch zu erschließendes Potenzial für die schulische und außerschulische Bildungsarbeit" hin und ihn in ein "diskurs- und demokratieorientiertes Gedenkkonzept" der Stadt  zu integrieren.

Facebookseite von "Denk Mal Fort"
Mit der Vereinsgründung will man nun das historischen Erbes der Stadt Dresden bewahren und in der lokalen Gedenk- und Erinnerungskultur verankern. Zweck des gemeinnützigenVereins ist laut Satzung "die dauerhafte Erhaltung und Pflege von Denkmälern und Gräbern der Toten der Reichseinigungskriege, des Ersten Weltkrieges, des Zweiten Weltkrieges, der NS-Diktatur, des Kalten Krieges und des Stalinismus auf dem Territorium der Landeshauptstadt Dresden. Weiterhin zielt er darauf ab, einen Beitrag zur Ausgestaltung der lokalen und regionalen Erinnerungskultur zu leisten, Bildungs- und Jugendarbeit durchzuführen, völkerverbindenden, generationsübergreifenden Dialog zu fördern und die wissenschaftliche Erforschung der Entstehungsgeschichte der vorstehend genannten historischen Stätten sowie der Schicksale der durch diese gewürdigten Menschen zu unterstützen." Der Verein besitzt auch schon seine eigene Facebookseite unter dem Namen: Denk-Mal-Fort-eV-Die-Erinnerungswerkstatt-Dresden. (Die können aber natürlich nur alle jene sehen, die sich auf Facebook registrieren. Deshalb kann ich hier auch nicht darauf verlinken. Aber vielleicht entchließt sich der Verein ja noch dazu, auch ein Weblog oder eine eigene Website einzurichten.)



Im Gras versunkene Liegeplatte, Abteilung D
Den folgenden Text zur Geschichte des Sowjetischen Garnisonfriedhofes Dresden entnehme ich ungekürzt der Pressemitteilung des Vereins: "Der Sowjetische Garnisonfriedhof Dresden befindet sich seit 1945 im Stadtteil Alberstadt, am Rande der Dresdner Heide. Auf ihm wurden anfangs sowjetische Soldaten beerdigt, die im benachbarten ehemaligen Standort-Lazarett der Dresdner Garnison ihren Verwundungen erlegen waren. Ab 1946 kamen Umbettungen von kleineren Friedhöfen aus der näheren Umgebung dazu. Der Friedhof wurde im Laufe der Jahrzehnte mehrmals erweitert. Heute hat er eine Gesamtfläche von 2 ha. Auf ihm ruhen 2.268 Tote. Er ist der einzige Friedhof in Dresden, auf dem ausschließlich ausländische BürgerInnen beigesetzt wurden, und somit ein Unikat in der sächsischen Bestattungskultur.

Der älteste Teil des Friedhofes ist der im Süden gelegene Teil A. Hier befinden sich ausschließlich Kriegsgräber aus der unmittelbaren Nachkriegszeit. Auch steht hier der 16 Meter hohe Sandsteinobelisk, welcher 1947 bis 1949 vom Bildhauer Friedrich Press geschaffen wurde. Die Auftragsarbeit der Stadt Dresden entstand in Zusammenarbeit mit dem Architekten Emil Leibold. Im Teil A liegen 153 Einzelgräber sowie 83 Sammelgrabanla-gen. Insgesamt fanden dort rund 550 Menschen ihre letzte Ruhe.

Das Gräberfeld in der Mitte (B) war Resultat einer ersten Erweiterung, die bereits kurz nach der Eröffnung im Jahr 1946 vorgenommen wurde, als der Platz im Südflügel für die vielen Toten der Nachkriegszeit nicht mehr ausreichte. Das Areal wurde bis in das Jahr 1959 für Bestattungen genutzt und beherbergt heute circa 260 Einzel- und 202 Sammelgräber von insgesamt rund 1040 Menschen. An den Mittelflügel schließt der Nordflügel (C+D) an. Dieser wurde ab 1950 terrassenförmig in das zum Prießnitzgrund hin abfallende Gelände eingepasst und für die Bestattung von einfachen Soldaten sowie Zivilisten genutzt.

Den Auftakt bildet eine zivile Gedenkreihe mit Stand- und Liegemalen. Insgesamt ruhen hier 195 Menschen, darunter circa 100 Kinder sowie in einem Sammelgrab 71 Kriegsgefangene und ZwangsarbeiterInnen, die in den Jahren 1941 bis 1945 an den Folgen ihrer Internierung starben. Sie wurden ab 1949/50 hierher umgebettet. Auf abgesenktem Terrain folgen weitere Gräberfelder, in denen ab Juli 1952 vorrangig einfache Soldaten und Zivilisten beerdigt wurden. Im hinteren Bereich befinden sich nochmals 65 Kindergräber. Insgesamt fanden auf dem Nordflügel zwischen 1950 und 1987 etwa 670 Menschen ihre letzte Ruhe. Er umfasst somit sowohl Kriegs- als auch Nachkriegsgräber. Fast alle Verstorbenen waren jünger als 30 Jahre. Die letzte Beerdigung fand im September 1987 statt – es handelte sich um ein zwei Monate altes Mädchen.

Der Sowjetische Garnisonfriedhof wurde bereits in den 1950er Jahren im Auftrag der Stadt Dresden aufwendig künstlerisch gestaltet. Ab 1953 legte die Dresdner Firma Ernst Burkhardt Entwürfe für einen weiteren Ausbau des Friedhofes vor. Diese umfassten die Schaffung des heutigen Westflügels, des Offiziershains (Südwestflügel) sowie die Fortführung des Nordflügels in Ebene I (innerhalb des Eisenzaunes). Verwendet wurden Grabmale aus Cottaer Sandstein, wie sie heute noch auf der Hauptanlage und im Westflügel zu finden sind.

Der Friedhof wurde ab 1973 einer umfassenden Umgestaltung und Rekonstruktion unterzogen, da die Grabmale aus Cottaer Sandstein weitgehend verwittert waren. Die Grabmale auf der Hauptanlage erfuhren dabei eine Aufarbeitung, die Grünflächen- und Wegesituation gleichzeitig eine Umgestaltung im Hinblick auf eine kostengünstigere Pflege. Der Nordflügel wurde ab 1976 zu einem Modellprojekt für eine dauerhafte, auf Kostenersparnis ausgerichtete Rekonstruktion. Bis zur Fertigstellung 1978 wurden sämtliche Grabmale und Grabfeldeinfassungen zurückgebaut und durch Liegeplatten und Grabsteine aus Löbejüner Quarzporphyr mit erhabener Beschriftung ersetzt.
Der Sowjetische Garnisonfriedhof wurde von 1945 bis 1996 von der Stadt Dresden erhalten und gepflegt, danach übernahm ihn der Freistaat Sachsen in seine Verwaltung. Die zuständigen Landesbehörden entschieden sich zu einer Generalüberholung der gesamten Anlage in den Jahren 1998 bis 2007. Die gesamte Maßnahme kostete damals nach den offiziellen Angaben des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales und Verbraucherschutz 1,25 Millionen Euro. Dabei wurden ca. 700 Grabmale der Hauptanlage abgebaut, von einem Steinmetz aufwendig rekonstruiert und anschließend unter Verzicht auf vorhandene Sockel wieder aufgebaut. Wege, Treppen und Grünflächen wurden instandgesetzt. Die gleichen Arbeiten (ohne Grabmalrekonstruktion) wurden parallel auch für den erheblich kleineren Nordflügel durchgeführt. Text: Holger Hase, 2014"


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