Sonntag, 1. Dezember 2019

Herbstmondnacht auf dem Wismarer Friedhof

Herbstmondnacht auf dem Wismarer Friedhof 
(Foto Nicole Hollatz. Ich danke Dr. Anja Kretschmer, dass sie mir alle Bilder dieses Posts zur Verfügung gestellt hat.)

Gerlind Grosig mit ihrer Geige (Foto Nicole Hollatz)
Die Herbstmondnacht ist eine ganz besondere Veranstaltung, bei der Kirchengrüfte und Mausoleen auf Friedhöfen für Besucher geöffnet werden. Dr. Anja Kretschmer hat sie 2013 ins Leben gerufen und an verschiedenen Orten realisiert. Im ersten Jahr waren so das Beinhaus und die Grüfte im Doberaner Münster zugänglich; im Jahr darauf die Grüfte auf dem Alten Friedhof sowie im Dom St. Nikolai in Greifswald; 2015 fand die Veranstaltung dann in der Stralsunder St. Marien Kirche und 2017 im Lübecker Dom statt. 2018 gab es erstmalig eine zweitägige Veranstaltung, einmal in der Rostocker Marienkirche und dann auf dem Wismarer Friedhof. 
Mondnacht im Raum (Foto Thomas Reimann)

In diesem Jahr nun war der Wismarer Friedhof am 23. November von 17.00 bis 21.00 Uhr geöffnet und dazu gab es ein Programm, das sowohl die Bestattungskultur und die Jenseitsvorstellungen der Vergangenheit thematisierte. So gehörte dazu eine Theateraufführung mit dem Titel „Geistertrommler, wilde Jagd und Moortrieden“ – Mythen und Legenden aus Wismar erwachen zum Leben, ein Vortrag "Sargenhaftes Wismar“ – Hanseatische Sargkultur mit der Forschungsstelle Gruft, und eine Lesung „Geschichten aus der Gruft“ – Amüsantes und Besinnliches vom Lebensende. In den Mausoleen erklangen Musik und Gesänge. Robert Meyer spielte das Theremin, das älteste Instrument, das ohne Berührung gespielt wird; Gerlind Brosig ließ Meisterwerke der Vergangenheit erklingen; außerdem gab es Gitarrenklänge mit Gesang von Scarrow und "Gänsehauttexte" erzählt bzw. vorgeführt von dem Schauspieler Roman Shamov. Ungefähr 100 Besucher kamen dazu auf den mit Kerzen und Fackeln beleuchteten Friedhof.

Dienstag, 12. November 2019

Der Alte Friedhof der Stadt Freiburg i. Br.

Cover der neuen Broschüre aus Freiburg
Die Gesellschaft der Freunde und Förderer des Alten Friedhofs in Freiburg i.B. (e.V.) hat diese neue Broschüre herausgegeben, die ohne weitere Vorreden nach dem Inhaltsverzeichnis gleich mit einer ausführlichen Beschreibung der St. Michaelskapelle beginnt, die 1722 gestiftet wurde und heute noch als Neubau aus der Mitte des 18. Jahrhunderts erhalten ist. Zwar wurde sie im Zweiten Weltkrieg durch Bomben stark beschädigt, doch konnten die ausgelagerten Altäre und Deckengemälde restauriert werden. Danach wird die historische Entwicklung des Friedhofs mit seinen besonderen Wahrzeichen dargestellt. Das Bekannteste unter ihnen dürfte das Grabmal mit der Plastik der jungen, auf einem Bett ruhenden Caroline Christine Walter /1859-1867) sein, das immer wieder mit Blumen geschmückt wird. Bevor die Grabstätten von Freiburger Professoren vorgestellt werden, geht ein kurzer Beitrag auf den Bildhauer, Maler und Architekten Johann Christian Wentzinger (1710-1797), der im Breisgauer Raum bekannt war. Auch dem sogenannten Uhrenpater, Thaddäus Rinderle (1748-1824), wird ein eigener Beitrag gewidmet.

Grabmal der Caroline Christine Walter (Von user:Joergens.mi
- Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0,
https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7355852
Es folgen Betrachtungen des Friedhofs als Park, bemerkenswerte Inschriften, Grabmale aus Eisen, Holzkreuze und ein längerer Artikel zur Restaurierung von Grabmalen. Besonders aufschlussreich ist ein Beitrag über verborgene Symbole, der sich den sogenannten Grotten-Grabmalen widmet und zeigt, was man alles entdecken kann, wenn man genau hinschaut: Da können sich Eidechsen, Weinbergschnecken, Efeu und Schlangen zwischen den wie Felsbrocken ausgehauen Oberflächen verstecken! Ein Plan mit Einzeichnung der wichtigsten Grabmale, sowie ein Literatur- und Abbildungsverzeichnis schließen zusammen mit einem Aufruf zum Engagement für den Friedhof die Broschüre ab, die reich bebildert ist.

Gesellschaft der Freunde und Förderer des Alten Friedhofs in Freiburg i. Br. e.V., Der Alte Friedhof der Stadt Freiburg,  68 Seiten, Broschur, zahlreiche Farbfotos, € 10,00

Mittwoch, 6. November 2019

Friedhofsleuchten in Siegburg

Friedhofsleuchten in Siegburg
(Foto Simone Kuhl - zur Verfügung gestellt vom Verein Tod und Leben e.V. Vielen Dank!)
In Siegburg hat sich der Verein TOD und LEBEN e.V. gegründet, der beim Nordfriedhof das Cafe T.O.D. (T.abu O.ffen D.iskutieren) unterhält. Es befindet sich direkt neben der Trauerhalle auf dem Friedhof und wird von ehrenamtlichen Helfern geführt. Alle Gäste sind willkommen, ob Kinder, Erwachsene oder die Angehörigen eines Verstorbenen. Im Café-T.O.D. wird bewusst über das Thema "Tod" gesprochen, wie es auf der Website des Vereins heißt, der auch Friedhofsführungen anbietet.

Friedhofsleuchten in Siegburg (Foto Simone Kuhl)
Zusammen mit der städtischen Friedhofsverwaltung hat der Verein gerade das "Friedhofsleuchten" wiederholt, zu dem viele Besucher auf den Friedhof strömten. Dazu erstrahlte er am Abend vor Allerheiligen und am Feiertag in farbigem Licht: Vom Eingang bis zum Friedhofs-Kreuz - eine 150 m lange Strecke - tauchten 40 LED-Spots und 20 große LED-Fluter Bäume und Gräber in Regenbogenfarben. Das Friedhofs-Kreuz erstrahlte als Zielpunkt in hellem, weißen Licht. Die Symbolkraft des Regenbogens führte so als Weg zum christlichen Symbol des Todes und der Auferstehung. In der Trauerhalle gab es außerdem Musik zu hören und Rüdiger Kaun, Germanist und Philosoph, las aus seinem Buch "Rechtfertigung eines Heiratsschwindlers und andere Texte".

Auch zur Auftaktveranstaltung der Siegburger Literaturwochen am folgenden Wochenende war der Friedhof noch angestrahlt. Alexandra Friedmann stellte in der Trauerhalle ihr neues Buch "Sterben für Anfänger" vor, in dem um das Leben und die Konfrontation mit dem Tod geht. Auch die Siegburger Zeitung hat über diese Aktion berichtet.



Dienstag, 5. November 2019

Mein Stadtteil - Mein Friedhof

Friedhofskampagne: Plakatierung in Dresden (Foto Lara Schink)
Der Wandel der Bestattungskultur hat auf vielen Friedhöfen in Deutschland das Problem der sogenannten Überhangflächen mit sich gebracht und einige Friedhöfe sind inzwischen sogar von Schließung bedroht. Überhangflächen nennt man jene Bereiche, die sich immer mehr leeren und eigentlich nicht mehr gebraucht werden; zum Beispiel weil die Menschen die Kremation bevorzugen und deshalb nicht mehr so viel Platz für Erdgräber gebraucht wird, oder weil man sich ganz vom Friedhof abwendet und Bestattungswäldern oder einer Seebestattung den Vorzug gibt.

Inzwischen wird diese Problematik auch in der Öffentlichkeit stärker wahrgenommen. Auf den großen Kongress "Heilsame Abschiede", der gerade in Köln stattfand und in dem das Thema Friedhof als Ort der Trauer im Mittelpunkt stand, ist in diesem Blog im letzten Post ja gerade hingewiesen worden. Zugleich engagieren sich nicht nur Friedhofsvereine, sondern auch Friedhofsverwalterinnen (Männer dürfen sich in diese Bezeichnung eingeschlossen fühlen) dafür, ihre Friedhöfe in der Öffentlichkeit zu bewerben und auf ihre Bedeutung hinzuweisen.

Friedhofskampagne: Plakatierung in Dresden (Foto Lara Schink)
Auf bisher ungewöhnliche Weise ist man in Dresden aktiv geworden. Dort haben sich die Verwalterinnen der kirchlichen Stadtteilfriedhöfe zu einem Netzwerk zusammengeschlossen und sind erstmals mit einer "Imagekampagne" an die Öffentlichkeit getreten: In diesem November machen einfarbige Großplakate in der Stadt auf das Thema aufmerksam. Darauf sind unter dem Titel "Mein Stadtteil, mein Friedhof" Graphiken mit Grab- und Friedhofsmotiven zusammen mit Texten zu lesen, die sozusagen augenzwinkernd auf das Thema Friedhof und Bestattung hinweisen, indem sie die Vorzüge der Stadtteilfriedhöfe hervorheben: "Eine gute Adresse in der Nachbarschaft: denkmalgeschützt mit eigenem Gartengrundstück", "Wohnen bleiben, wo das Leben spielt - mit idealer Verkehrsanbindung mitten im Grünen" oder "Nach dem letzten Umzug immer gut erreichbar - individueller Wohnraum in ruhiger Nachbarschaft". Dazu gibt es Postkarten mit denselben Motiven und auch im Fahrgastfernsehen werden die Bilder gezeigt.

Ziel ist es damit sowohl auf den individuellen Charakter der Stadtteilfriedhöfe aufmerksam zu machen, wie ihre gute Erreichbarkeit und die gepflegten Grünanlagen in dem Mittelpunkt zu stellen. Gleichzeitig präsentieren sich die evangelischen Stadtteilfriedhöfe Friedhöfe gemeinsam online (www.dresdner-stadtteilfriedhoefe.de) und werden dort als Orte der Besinnung, des Gedenkens, aber auch der Kultur und Begegnung beworben. Die Initiatorinnen hoffen so, auch die Wahrnehmung ihrer Arbeit zu stärken, in der sie sich für Flora, Fauna und das historische Erbe der Anlagen engagieren, aber auch für trauernde Angehörige da sind. Zugleich sind gerade die Dresdener Friedhöfe in ihre jeweiligen Stadtteile eingebunden und gut an den öffentlichen Personennahverkehr angebunden. Mit solchen Argumenten wollen sie dem Wandel begegnen und die Bewohner Dresdens überzeugen, die letzte Ruhestätte vor Ort anderen Bestattungsmöglichkeiten vorzuziehen. Wer mehr darüber wissen will, kann sich dazu auch ein Interview mit der Sprecherin des Netzwerks und Friedhofsverwalterin im Verband der Annenfriedhöfe Dresden, Lara Schink, ansehen.

Montag, 4. November 2019

trauer/now - ein Kongress und eine neue Website

Matthias Horx und Dirk Pörschmann
beim Podiumsgespräch (Pressefoto: THOMAS SCHLORKE)
Der Kongress "Heilsame Abschiede" in Köln am 25.10.2019 hat über 300 Besucher angelockt, obwohl das Thema eigentlich nicht besonders medienwirksam ist. Es ging hauptsächlich um den Ort der Trauer und speziell um Friedhöfe. Leider konnte ich nicht daran teilnehmen, aber es gibt im Netz schon einige Berichte. Gefunden habe ich sie bei Aeternitas, Friedhof-Ansichten und Naturstein-Online, aber es werden sicher noch weitere dazu kommen z.B. in Friedhof und Denkmal, Friedhofskultur oder Bestattungskultur. Will man einige Beiträge selbst lesen, so sei hier auf die Presseseite des Kongresses hingewiesen.

Den drei o.g. Berichten kann man entnehmen, dass es in diesem Kongress vorrangig um die Bedürfnisse der Trauernden auf dem Friedhof ging. Zu diesem Thema haben die beiden Soziologen Thorsten Benkel und Matthias Meitzel geforscht, die in diesem Blog schon öfter erwähnt wurden. Ihre These ist, dass Menschen ihr Leben immer individueller gestalten können und sich deshalb auch am Ort der letzten Ruhe diese Individualität abbilden müsse. Gesetzliche Regelungen, die dem entgegenstehen, sollten geändert werden.

Die Experten für Landschaftsplanung Constanze Petrow und der Holländer Bart Brands stellten ihre Konzepte zur Friedhofsplanung vor, die unterschiedliche Freiräume für kulturell unterschiedlich geprägte Menschen enthalten, während David Roth, Sohn und Nachfolger des innovativen Bestattungsunternehmers in Bergisch Gladbach seinen privaten Urnen-Friedhof, der Hinterblieben viel Freiraum für individuelle Gestaltung erläuterte.

Daneben wurde auch die psychologische Sicht auf die Trauer zum Thema gemacht. Fazit war offenbar, dass es den heutigen Bestattungsgesetzen an Lebensnähe fehlt, weil es für die Trauer zwar verbindliche Orte, aber nicht unbedingt Vorschriften für ihre Ausgestaltung braucht. Deutlich wird dabei der gesellschaftliche Wandel der letzten hundert Jahre, der ausgehend von einer Gesellschaft, in der jedes Grab - um mit den Friedhofsreformern um 1920 zu sprechen - ein ästhetisch ansprechender Platz in einer Reihe ähnlich gestalteter Gräber sein sollte, hin zur vollständigen persönlichen Freiheit in der Grabgestaltung ohne oder mit sowenig Richtlinien wie möglich.

Parallel zum Kongress wurde die neue Website https://trauer-now.de/ und darauf die "Erste menschliche Sterbeuhr - Rechtzeitig über Trauer reden" veröffentlicht; eine neue Initiative, mit der die Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal e.V. Denkanstöße für eine neue Trauerkultur in Deutschland geben will. Die Website soll als "DAS ONLINE­MA­GAZIN FÜR HEIL­SAMES TRAUERN" Antworten auf die Fragen geben, welche Orte die Trauer braucht, welche Rituale helfen, und wie andere Menschen oder Kulturen mit der Trauer umgehen.

Donnerstag, 31. Oktober 2019

Halloween

Dieses Foto habe ich vor zwei Monaten in einer Fußgängerzone gemacht. Da warf das "Fest" sozusagen schon seine Schatten voraus. Und jetzt hat gestern das mit dem "Planen" der Veröffentlichung in den Post-Einstellungen von Google-Blogspot wieder mal nicht richtig funktioniert, deswegen kommen die Skelette einen Tag zu spät!
Halloween


Donnerstag, 24. Oktober 2019

Autonomie der Trauer - Zur Ambivalenz des sozialen Wandels

Cover des neuen Buches von Benkel,
Meitzel, Preuß im Nomos Verlag
Die beiden Soziologen Thorsten Benkel und Matthias Meitzler publizieren sich schon lange zu Friedhofsphänomenen. Darüber wurde auch in diesem Blog schon berichtet. Zwischen 2015 und 2018 haben sie Menschen interviewt, die sich - entgegen dem in Deutschland geltendem Recht - die Asche ihrer verstorbenen Angehörigen aushändigen ließen, um sie nicht auf einem Friedhof zu bestatten, sondern in den eigenen Räumen aufzubewahren, im eigenen Garten beizusetzen oder in der Natur auszustreuen. Eine erste Auswertung ihrer Interviews legen sie zusammen mit dem Theologen Dirk Preuß in dieser Studie vor.

Einleitend definieren die Autoren die im Titel genannte "Autonomie der Trauer" als einen "Aspekt der Mit- bzw. Selbstbestimmung", die sich auch nicht nur auf das eigene Leben sondern auch auf den Tod, bzw. genauer den Umgang mit den Überresten Verstorbener bezieht. In den folgenden Kapiteln beschreibt dann Thorsten Benkel unter dem Titel "Mitbestimmte Trauer - Soziologie einer Sinnkonstruktion" die Trauer soziologisch einerseits "unter den Vorzeichen von Individualisierung und Pluralisierung" und andererseits in Bezug auf die Normen, denen die Bestattung in Deutschland unterliegt. Matthias Meitzel diskutiert danach die von den beiden Wissenschaftlern angewandte Interviewmethode mit ihren Möglichkeiten und Grenzen für die Erforschung der Trauer als kultureller Praxis. Dass solche Gespräche sehr intensiv sein können und dass in dieser Situation Gefühle eine besondere Rolle spielen, zeigt schon der Titel dieses Abschnitts: "Keine Angst vor echten Tränen. Die Erforschung von Trauer als methodologische Herausforderung".

Die Interviews bilden die Grundlage für den folgenden Abschnitt "Rekonstruktion von Trauererfahrungen", in dem die Autoren den Mentalitätswandel mit Passagen aus den Interviews belegen. Für sie hat sich anhand ihrer Interviews und auch anhand von Umfrage- und ethnografischen Daten herausgestellt, "dass eine immer stärkere Ausdifferenzierung das öffentliche Image von Trauer und Trauern kennzeichnet. Mit anderen Worten: Es gibt nicht 'die Trauernden', sondern kultur-subjekt- und durchaus auch situationsspezifische Trauerfigurationen." Dabei geht es den Autoren "um ein Kaleidoskop kursierender Einstellungen und Einschätzungen am Beispiel eines im Umbruch befindlichen gesellschaftlichen Phänomens". Die Interviewpassagen sind dann unter sechszehn Obertiteln kategorisiert, die von den Gründen für die Teilnahme an der Studie, über die Entscheidungsfindung; Kommunikationskonflikte im persönlichen Bereich; die eigene Trauer; die Reflexion des rechtlichen Rahmens; den Aufbewahrungsort der Asche; die Frage, ob Trauer einen Ort braucht; zu den Gründen für die Entscheidung gegen den Friedhof und den Wünschen für die eigene Bestattung reichen.

Den Abschluss bildet die ethischen Überlegungen, die Dirk Preuß über die Normen im Umgang mit Trauernden anstellt. Sein Fazit ist, dass man Angehörigen nicht unbedingt empfehlen sollte, die Asche eines Angehörigen mit nach Hause zu nehmen und/oder sie außerhalb eines Friedhofs auszustreuen. Allerdings zieht er daraus nicht die Schlussfolgerung, dass man diese Mitnahme verbieten sollte. Immerhin würde seiner Ansicht nach eine "nicht geringe Zahl von Menschen" davon profitieren, wenn der Umgang mit der Totenasche liberalisiert würde. Als Alternative schlägt er vor, auf Friedhöfen kostenfrei Gräber anzubieten, die "im Sinne der Daseinsvorsorge z.B. steuerfinanziert sind". Dann würden bei der Freigabe der Urnen, diese nämlich nicht aus Kostengründen, sondern nur aus Überzeugung mit nach Hause genommen werden. Zudem könnte man sie dann später immer noch einem Friedhof übergeben, wenn die akute Trauer soweit abgeklungen ist, dass die Nähe der Totenasche nicht mehr von derselben Bedeutung ist wie direkt nach dem Tod.

Abschließend stellen die Autoren acht Vorschläge vor, wie dem von ihnen beobachteten Einstellungswandel begegnet werden könnte. Sie fordern so zum Beispiel weitere wissenschaftliche Expertise im sepulkralen Bereich und schlagen vor die bisherigen normativen Regelungen zu hinterfragen und zwar besonders deshalb, weil ihrer Meinung nach der Friedhof oft als Ort der Verbote wahrgenommen wird anstelle eines Ortes, an dem sich "Trauer frei und uneingeschränkt entfalten kann". Sie stellen die Einzigartigkeit der jeweiligen Trauer im Gegensatz zu dem kollektiv normierten Trauerverhalten der Vergangenheit heraus und glauben, dass die heute zu beobachtende Friedhofsflucht reversibel ist, wenn Friedhöfe eigene Alternativen zu den sogenannten alternativen Bestattungsformen entwickeln. In Zukunft erwarten sie zudem eine größere Nachfrage nach "funeraler Vielfalt". Für die Aufbewahrung der Totenasche schlagen sie kluge "Interimslösungen" vor, die den Friedhofszwang einerseits nicht vollständig aufheben, andererseits aber eine längere Frist zum Abschiednehmen ermöglichen. Zum Schluss weisen sie zudem auf die Verbindung des konkretem Bestattungsort mit den unterschiedlichen Gedenk-Orten hin, die z.B. im Internet bestehen und dort immer weiter anwachsen.

Thorsten Benkel, Matthias Meitzler , Dirk Preuß, Autonomie der Trauer. Zur Ambivalenz des sozialen Wandels. Nomos Verlag 2019, 220 S., broschiert, 44,- €*

Donnerstag, 17. Oktober 2019

Tiertod in den Medien

Tweet vom 17.10.2019 in meiner Twittertimeline
Trauer um Tiere gibt es im Übrigen nicht nur auf Tierfriedhöfen (siehe den vorherigen Post).

Gerade sah ich, dass auch auf Twitter getrauert wird, wenn ein Heimtier stirbt. Wahrscheinlich kann man solche Anzeigen auch in anderen sozialen Netzwerken finden. Der Link in dem Tweet führt zu einer Reihe von Fotos der verstorbenen Katze.

Dienstag, 15. Oktober 2019

Tier und Tod - Mensch und Tier am Beispiel von Tierbestattungen

Cover von: Ulrike Neurath, Tier und Tod
Über Tierfriedhöfe habe ich auf diesem Blog schon mehrere Beiträge veröffentlicht (sie sind am besten über die Suchfunktion des Blogs auf der rechten Seite zu ermitteln). Jetzt ist die Dissertation von Ulrike Neurath, der Konservatorin des Kasseler Sepulkralmuseums, erschienen, die sich intensiv mit diesem Thema auseinandersetzt. Ausgangspunkt der Untersuchung von Tierfriedhöfen in Deutschland ist die Frage nach dem Wandel der Beziehung zwischen Mensch und Tier. Dazu umreißt die Autorin, bevor sie auf das tote Tier eingeht, zuerst die Geschichte des menschlichen Umgangs mit Tieren: ausgehend von jener Zeit, in der Tiere vorrangig als Rohstofflieferanten dienten, über die Verwendung als Arbeitskraft in ganz unterschiedlichen Kontexten, bis zum Heimtier als engen häuslichen Gefährten des Menschen. Auch der Umgang mit toten Tieren hat sich im Laufe der Jahrhunderte gewandelt und reicht von der Nichtbeachtung über die Verwertung der Kadaver durch Angehörige der unehrlichen Berufe bis zur auch heute noch bestehenden Tierkörperbeseitigungsanstalt.

Beide Abschnitte bilden die notwendige Vorinformation für den Hauptteil der Arbeit, in dem es zuerst um die Geschichte der Tierbestattung im Allgemeinen geht, die von den Katzenmumien im Alten Ägypten bis zu den Gräbern der Hunde Friedrich II. auf der Terrasse von Sanssouci und darüber hinaus reicht. Dagegen sind Tierfriedhöfe noch eine relativ junge Erscheinung, die mit dem Erstarken des Bürgertums verbunden werden kann.

Das Hauptaugenmerk der Autorin liegt allerdings auf den neuen Tierfriedhöfen, die seit dem ausgehenden 20. Jahrhundert in Deutschland in immer größerer Zahl entstehen. Auf einer ausgesuchten Anzahl dieser neuen Friedhöfe hat sie die Anlagen selbst und besonders die Grabstätten für die "kleinen Lieblinge" genau unter die Lupe genommen. Sie hat dafür die Grabstätten inventarisiert und kategorisiert und im Anschluss daran sowohl die Grabmale mit ihren Inschriften, wie die Gestaltung der Grabflächen einer genauen Analyse nach Themen und Motiven unterzogen.
Farbige Abbildungen von Tiergrabstätten (S. 166/67)


Dabei sind die zahlreichen schwarz-weißen Abbildungen der Gräber, sowie die farbigen Grabfotos in der Mitte des Buches sehr hilfreich, weil sie die Einzelanalysen jeweils bildlich belegen. Das überraschende Ergebnis dieser Untersuchung ist die Erkenntnis, dass die religiösen Jenseitsvorstellungen, die offiziell im Christentum nur für den Menschen gelten, ungefragt für die Tiere übernommen werden. Zudem sind die Grabstätten der Heimtiere nicht nur denen der Menschen und besonders denen der Kinder ähnlich, sondern gehen in ihrer überbordenden Gestaltung emotional sogar weit über die Möglichkeiten der Humangrabstätten hinaus. Das lässt für mich übrigens die Schlussfolgerung zu, dass die auf Humanfriedhöfen geregelte Grabgestaltung den Bedürfnissen der Trauernden wahrscheinlich nicht gerecht wird. Mit den Gestaltungssatzungen, die z.T. noch aus der Zeit der Friedhofsreformbewegung stammen, werden offensichtlich ästhetische Vorstellungen transportiert, bei denen der Wunsch der Angehörigen ihrer eigenen Trauer einen persönlichen Ausdruck zu geben mehr oder weniger ignoriert wird.

Durch die Arbeit von Ulrike Neurath wird aber auch die Intensität des – relativ neuen – Wandels vom Nutz- und Haustier zum Heimtier deutlich. Die Autorin zeigt auf, wie das Heimtier immer stärker anthropomorphisiert und damit zum Partner und sogar „besseren Menschen“ gemacht wird, um den z.T. tief getrauert wird. Mit dieser grundlegenden Untersuchung hat sie so ein neues Kapitel in der kulturwissenschaftlichen Betrachtung des Verhältnisses von Mensch und Tier aufgeschlagen, durch das auch für Humanfriedhöfe weitergehende Fragen aufgeworfen werden.

Ulrike Neurath, Tier und Tod. Mensch und Tier am Beispiel von Tierbestattungen. Fachhochschulverlag Frankfurt a. M. 2019, 344 S., zahlreiche schw.-w. und farbige Abbildungen, 25,00 Euro

Sonntag, 29. September 2019

München - 200 Jahre kommunales Friedhofs- und Bestattungswesen

Schmiedeeiserne Grabmale
auf dem Waldfriedhof in München (Foto Hofmann)
Ich hab's verpasst :-(! Also nicht ganz, aber eigentlich hätte hier schon am Anfang des Jahres ein Hinweis auf das Jubiläum" 200 Jahre kommunales Friedhofs- und Bestattungswesen in München" in München stehen sollen. Es ist der Anlass für eine ganze Reihe interessanter Veranstaltungen, von denen ein Großteil natürlich schon vorüber gegangen ist.

Immerhin bieten der Oktober und der November in München noch einige Veranstaltungen, die man den Münchenern und ihren Nachbarn nur wärmstens empfehlen kann. Das Programm lässt sich hier herunterladen. So wird am 8.10. darüber diskutiert werden, wie man beerdigt werden möchte. Es referiert das Künstlerpaar Daniel und Karolin Bräg, die danach fragen, was man tun würde, wenn man einen geliebten Menschen beerdigen müsste, es aber keinen Bestatter, keinen Gärtner, keinen Steinmetz gäbe?

Natürlich gehören verschiedene Friedhofsführungen und eine Krematoriumsführung zum Programm, so über den Alten Nördlichen Friedhof, den Friedhof Bogenhausen, wo auch Liesl Karlstadt, Erich Kästner, Rainer Werner Fassbinder, Annette Kolb, Oskar Maria Graf und Helmut Fischer („Monaco-Franze“) ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Es gibt eine "Eucharistiefeier mit Bildbetrachtung“; die Filmvorführung "Trauer.Wege.Finden" mit anschließendem Filmgespräch. Über den Alten Südlichen Friedhof wird nicht nur geführt, sondern dort wird auch in der Langen Nacht der Münchner Museen (19.10.2019 // 19:00 – 24:00 Uhr) alle 30 Minuten ein 3D-animierter Film über die historische Entwicklung des unter Denkmal- und Naturschutz stehenden Friedhofs gezeigt. Am 1. November folgt dann eine GEDENKFEIER für die Bombenopfer Münchens auf dem Nordfriedhof und am 9.November wird auf dem Friedhof am Perlacher Forst der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Dort wurden nicht nur die jungen Mitglieder der "Weißen Rose" nach ihrer Hinrichtung bestattet.

Haus der Ewigkeit - Der jüdische Friedhof Stockelsdorf

Cover Haus der Ewigkeit (Foto Leisner)
Lübeck besitzt zwei jüdische Friedhöfe, von denen derjenige in Moisling als größter jüdischer Friedhof in Schleswig-Holstein gilt. Über den in relativ kleinen Begräbnisplatz in Stockelsdorf ist gerade ein - meiner Ansicht nach - sehr schön gestaltetes Buch herausgekommen, an dem ein siebenköpfiges Autoren-/Künstler-/Fotografenteam gearbeitet hat. Durch die ganz unterschiedlichen Blickrichtungen der Autoren sind die verschiedenen Aspekte des Friedhofs umfassend in den Blick genommen worden.

Das beginnt mit der Geschichte der Juden in Schleswig-Holstein und speziell Stockelsdorf, das früher Falckenburg hieß; gefolgt von einem Beitrag über Trauer und Grabinschriften in der jüdischen Tradition, bei dem auch die Grabinschriften und die Datierungen in den Blick genommen werden. Danach wird der Stockelsdorfer Friedhof mit seiner Geschichte und seinen heute noch erhaltenen - insgesamt 36 - Grabsteinen vorgestellt. Jeder einzelne Stein erscheint dabei mit mindestens einem Bild, dazu werden die Inschriften wiedergegeben und in einem Text erläutert, an wen der Stein erinnert.

Bildseite mit Grafik von René Blättermann (Foto Leisner)
Die Bestattungen fanden in zwei Phasen statt. Aus der Zeit von von 1812 bis 1845 sind 17 Steine erhalten, die übrigen stammen aus der Zeit ab 1864 bis 1919. Doch schon 1848 wurde die jüdische Schule der Gemeinde geschlossen und, als Lübeck "1852 endlich sein rückständiges Niederlassungsverbot für Juden aufhob", wie der Verleger und Autor Stefan Eick schreibt, löste sich die Stockelsdorfer Gemeinde langsam ganz auf. Auf dem Friedhof wurden allerdings auch später, als es keine Juden mehr in Stockelsdorf gab, noch Angehörige ehemaliger Stockelsdorfer Familien beerdigt.

Die Textseiten vor dem ausführlichen Grabsteinkatalog sind von künstlerisch bearbeiteten Foto-Grafiken des Bad Kreuznacher Grafikers René Blättermann unterbrochen. Auf seinen Bildern scheinen sich Grabsteine in Farben und Formen aufzulösen und erinnern so an die Vergänglichkeit alles Irdischen. Das Ende des gebundenen Buches bilden schließlich sechs Großaufnahmen einzelner Steine.

Rolf Verleger & Nathanja Hüttenmeister (Hg.), HAUS DER EWIGKEIT – בית־עולם
Der jüdische Friedhof Stockelsdorf. Solivagus Verlag 2019, ca. 162 Seiten, ca. 40 Fotografien, ca. 10 Grafiken, 24,00 €

Dienstag, 17. September 2019

transmortale X - call for papers

Detail eines Grabsteines in der Marienkapelle in Würzburg (Foto Leisner 2019)
Am Samstag, 21. März 2020, findet die transmortale X statt, gemeinsam veranstaltet von der Universität Hamburg (Institut für Volkskunde/Kulturanthropologie) und dem Museum/Zentralinstitut für Sepulkralkultur. Veranstaltungsort ist das Museum für Sepulkralkultur in Kassel, Weinbergstraße 25-27, 34117 Kassel. Am Freitag, 20. März, wird die Gelegenheit geboten, die Dauerausstellung des Museums durch eine Führung kennen zu lernen und gemeinsam die anstehende Neukonzeption zu diskutieren. Aus Anlass des zehnjährigen Bestehens der transmortale ist für den Freitagabend ein Festvortrag geplant.

Alle Epochen und Kulturen zeigen, dass der Tod nicht nur die Toten betrifft, sondern vor allem die Lebenden. Für die Wissenschaft bedeutet das, dass alle Fächer und Forschungsfelder, die sich mit den Menschen und dem Leben beschäftigen, auch Berührungspunkte mit dem Tod, dem Abschied oder der Endlichkeit haben. Die Themen Sterben, Tod und Trauer sind in den letzten Jahren in den Fokus der fächerübergreifenden Forschung gerückt. Disziplinen wie Archäologie, Ethnologie, Volkskunde/Kulturanthropologie oder Kunstgeschichte beschäftigten sich seit jeher mit Gräbern und Begräbnisplätzen. Inzwischen interessieren sich jedoch ganz unterschiedliche Disziplinen für den Wandel der Trauer- und Bestattungskultur, zum Beispiel die Soziologie, Psychologie, Geschichte, Medizin(-Ethik), Gesundheits- und Pflegewissenschaften, Geschlechterforschung sowie Kunst- und Medienwissenschaften.

Der Workshop ist offen für junge Wissenschaftler*innen aus der Nachwuchsforschung, zum Beispiel Studierende in der Abschlussphase oder Doktorand*innen, aber auch für Postdocs und interessierte Forschende. Ziel des Workshops ist es, Wissenschaftler*innen die Möglichkeit zu bieten, neue Forschungsperspektiven in Kurzreferaten vorzustellen und diese in einer größeren Runde zu diskutieren. Auf diese Weise können aktuelle Fragen und Ergebnisse interdisziplinär beleuchtet und inhaltliche Gemeinsamkeiten transdisziplinär zusammengeführt werden. Die transmortale findet jährlich statt und bietet über den Workshop hinaus eine Plattform für das Forschungsfeld Sterben, Tod und Trauer. Tagungssprache ist Deutsch, es sind aber auch englischsprachige Beiträge möglich. Für Referierende werden die Kosten für maximal eine Übernachtung und die Verpflegung während der Tagung übernommen.

Wenn Sie Interesse haben, Ihr Forschungsprojekt in einem Vortrag/einer Präsentation vorzustellen (max. 20 Minuten), senden Sie Ihren Themenvorschlag bitte bis zum 3. November 2019 (mit Abstract von max. einer Seite nebst Curriculum Vitae) an die folgende Email-Anschrift: niedermeyer@sepulkralmuseum.de

Diesen Aufruf veröffentliche ich hier im Wortlaut der Veranstalter. BL

Montag, 2. September 2019

Geschichte des Neuendorfer Friedhofs in Koblenz

Titelseite der Internet-Veröffentlichung
zum Neuendorfer Friedhof bei Koblenz
Neuendorf ist ein Stadtteil von Koblenz, der auf der linken Rheinseite liegt und erstmals 1289 unter dem Namen Nova villa erwähnt wurde. Seit dem 14. Jahrhundert wurden die Einwohner des Dorfes zu den Bürgern von Koblenz gezählt. Das Stadtarchiv Koblenz hat nun im Internet eine Publikation von Ortsarchivar Willi Gabrich und Diplom-Psychologin Anke Sürtenich mit dem Titel "Der Neuendorfer Friedhof - Stätte der Erinnerung der Orts- und Familiengeschichte" veröffentlicht, die für jedermann abrufbar ist.

Die beiden Autoren gehen zuerst kurz auf die Ortsgeschichte und den Bau einer ersten Kapelle, der Jobskapelle ein, die 1494 eingeweiht wurde und sicher auch einen anliegenden Kirchhof besaß. 1670 wurde ein neuer Kirchhof eingeweiht, der mehrfach vergrößert werden musste. Dazu führen die beiden Autoren u.a. einige interessante Archivalien zur Nutzung des Kirchhofes und zum Glockengeläut an. 1828 entstand dann der jetzige Friedhof, dessen Einrichtung detailgetreu aus den Akten nachgezeichnet wird. Interessant dabei ist die Bewerbung eines Totengräbers, aus der zu ersehen ist, dass dieser damals schon eine Reihe von Aufgaben übernahm, die heute von Bestattern ausgeführt werden.

Auch den historischen Grabkreuzen des nun Alten Friedhofs sind die Autoren nachgegangen. Sie wurden anscheinend nach der Aufgabe des Friedhofs teilweise von Privatleuten - möglicherweise den Grabbesitzern? - abgeräumt und privat aufbewahrt bzw. weiterverwendet. Die 30 übrig gebliebenen - inzwischen denkmalgeschützten - Steinkreuze stehen seit 1980 an gesonderter Stelle auf dem jetzigen Friedhof. Die ältesten der stammen aus der Mitte bis Ende des 16. Jahrhunderts. An die Geschichte der Friedhofserweiterungen im 19. Jahrhundert schließt sich dann ein Bericht vom Kauf eines Leichenwagens an, von dem sogar eine Skizze abgebildet ist.

Ausführlich haben die beiden Autoren die Geschichte der Ehrenanlagen für die Gefallenen des I. und II. Weltkrieges erforscht und berichten schließlich unter dem Titel "Grabstätten erzählen Geschichte/-n" sowohl von den Pastoren der Gemeinde, die auf dem Friedhof bestattet sind, wie von einigen ausgewählten Grabstätten. Den Schluss macht ein Ausblick auf die Zukunftswünsche der Bewohner von Neuendorf für ihren Friedhof.

Insgesamt haben die beiden Forscher eine interessante und sehr sorgfältige Studie über diesen Stadtteil-Friedhof vorgelegt, der durch einen ausführlichen Anhang abgerundet wird. Dort ist auch eine fotografisch-textliche Aufstellung der historischen Grabkreuze zu finden, sowie die Porträtfotos der Gefallenen der beiden Weltkriege.









Sonntag, 11. August 2019

Der Kieler Südfriedhof - Bestattungskultur und Gartenkunst seit 1869

Cover "Der Kieler Südfriedhof"
Unter diesem Titel ist das neue Buch über den Kieler Südfriedhof von Walter Arnold mit den Fotografien von Bettina Fischer erschienen. Damit ist diesem Friedhof - endlich - ein ausführliches Werk gewidmet, mit dem sowohl die Friedhofsgeschichte wie die Grabkultur dieser für die Friedhofsgeschichte im Norden Deutschlands wichtigen Anlage ausführlich in Text und Bild dargestellt wird. Das gebundene Buch begrüßt seine Leser mit einer mehrseitigen Bildfolge, deren stimmungsvolle Friedhofsfotografien teilweise über eine Doppelseite gehen, und stimmt sie damit gleich am Anfang auf die Idee des Parkfriedhofes ein, die nach einem einleitenden Text ausführlich vorgestellt wird. Darin geht es zuerst um die Entwicklung der Gartenkunst vom Barockgarten zum Englischen Landschaftsgarten und um die Ideen dieser Gartenkunst, die in Kiel erstmals die Friedhofsgestaltung von Grund auf bestimmt haben.

Als zweiter Aspekt wird die Kieler Stadt- und damit auch die Friedhofsgeschichte dargestellt, wobei natürlich die Erhebung der Stadt zum Reichskriegshafen im Jahr 1871 und ihr sprunghaftes Anwachsen von besonderer Bedeutung sind. Eine Doppelseite widmet der Autor dem Gartengestalter und Journalisten Wilhelm Benque und seinem bewegten Lebenslauf, dessen - teilweise aus Amerika stammende Ideen - für den Friedhof maßgebend waren, bevor er sich ausführlich mit diesen Ideen auseinandersetzt.

Plan des Südfriedhofs von Wilhelm Benque, 1866
Die damals neuartige Gestaltung der Bestattungsanlage als Park mit künstlichen Aufschüttungen von Hügeln, geschwungener Wegeführung und der Anlage einer kleinen Wasserfläche ging nicht ohne heftige Auseinandersetzungen von statten, die in einer öffentlichen Zeitungsfehde gipfelten. Der Autor kann durch seine Quellenforschung erstmals genauer darstellen, wie kontrovers diese - für die Zeitgenossen gewöhnungsbedürftige - Gestaltungsideen in der Fachwelt und bei den zuständigen Verwaltern der Friedhofsangelegenheiten in Kiel diskutiert wurde.

Dass der historische Friedhofplan von Wilhelm Benque von 1866 und ein historischer Stadtplan von Kiel von 1869, auf dem die im Westen der Stadt bestehenden Friedhöfe eingezeichnet sind, auf den Innenseiten der Buchdeckel abgedruckt sind, rundet dabei das Bild ab, wobei im Text nach der Einweihung des Friedhofs am 30. April 1869 ein weiteres Kapitel der späteren Friedhofserweiterung und Nutzung gewidmet ist.

Bild- und Textseite: Kapellenberg und Grabmalkultur
(Alle Fotos Leisner 2019)
Der zweite Teil des Buches geht auf den heutigen Charakter des Friedhofs und besonders auf die noch vorhandenen historischen Grabmale ein, die sozusagen von unten nach oben abgehandelt werden, denn neben der Bepflanzung  geht es zuerst allgemein um Grabmäler, dann um verschiedene Grabformen und zuletzt um die Besonderheit des Südfriedhofs, den Kapellenberg mit seinen Mausoleen und Grüften. Dabei erfahren Leser viel über die Persönlichkeiten, die das Leben in Kiel einst prägten, und zugleich gibt der Autor umfangreiche Informationen zur Grabmalkultur und Grabmalkunst des 19. und 20. Jahrhunderts in der Fördestadt. Kongenial werden diese Texte ergänzt durch die opulenten Farbfotos von Bettina Fischer, in denen die unterschiedliche Friedhofsstimmung durch den Wechsel der Jahreszeiten ebenso festgehalten ist, wie einzelne Grabmale und Grabmaldetails. Insgesamt haben die Autoren damit ein Buch vorgelegt, das einerseits die Erforschung der Friedhofsgeschichte in Deutschland bereichert, andererseits für Liebhaber von Friedhöfen und Grabmalen eine Augenweide ist und zugleich einen guten Einstieg in die Grabmalkultur der beiden letzten Jahrhunderte bietet.

Walter Arnold, Bettina Fischer, Der Kieler Südfriedhof. Bestattungskultur und Gartenkunst seit 1869. Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Band 90, Husum Verlag 2019, 159 Seiten, zahlr. farb. Abb., geb., € 17,95

Dienstag, 9. Juli 2019

"Heilsame Abschiede" - Ein Kongress zur Zukunft von Friedhöfen

"Der Lebensgarten" - Symbolischer Trauerweg auf dem Hauptfriedhof Karlsruhe (Foto Leisner 2011)
Die Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal e.V. in Kassel ist der ideelle Träger des Kongresses, der unter dem Titel "Heilsame Abschiede. Vom Wandel der Trauerkultur im Zeitalter der Individualität" am 25.10.2019 in Köln stattfinden wird.

Der Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft und Direktor des Museums für Sepulkralkultur, Dr. Dirk Pörsch­mann, und Matthias Horx, Pionier der Zukunftsforschung und Gründer des Zukunftsinstituts rufen gemeinsam dazu auf den "immateriellen Nutzen" von Friedhöfen und damit "die wirkungs­spe­zi­fi­sche Funktion der dort angebotenen Beiset­zungs­orte, in den Mittelpunkt" zu rücken und diesen als gesellschaftlich akzeptierten, für Hinterbliebene attraktiven „Raum für Trauer“ zu gestalten und ihn damit als wertvollen Ort für trauernde Menschen zu etablieren. Es geht also bei dieser Tagung um die Friedhöfe der Zukunft und zugleich um „Orte der Trauer“, die Menschen helfen sollen. Wie solche "hilfreichen Beiset­zungs­orte" aussehen können soll Thema der Tagung sein.

Das Tagungsprogramm enthält einen ersten Themenblock am Vormittag zu "Trauern, Friedhof und Abschied nehmen heute - so sieht die Realität aus." Am Nachmittag geht es dann um "Die neue Trauer in ihren Aspekten" mit "Gesprächen über den Umgang mit Tod", "Trauern im Netz – geht das?", "Die innere Verwandlung – über die neurologisch-spirituelle Sicht des Trauerns" und zur "
absoluten Bedeutung des Ortes für die Trauer". Mit dabei sind eine Reihe von bekannten Persönlichkeiten aus unterschiedlichen sepulkralen Bereichen.
Der Kongress finde im Maternushaus in Köln statt: https://www.heilsame-abschiede.de/

Montag, 8. Juli 2019

Neuer Friedhofsverein in Tornesch

Alte Kapelle, Tornescher Friedhof (Foto Leisner 2019)
Letzte Woche war ich beim Vorstand des neuen Förderverein Friedhof Tornesch e.V. eingeladen. Tornesch ist ein kleiner Ort in der Nähe von Hamburg (und liegt damit auch in meiner Nachbarschaft). Der Verein hat sich gerade erst im März dieses Jahres zur "Förderung der Erhaltung und Pflege" des Friedhofes als Kulturgut der Allgemeinheit einschließlich Denkmalschutz und Naturschutz gegründet, wie es in der Satzung heißt. Der Verein soll - ich zitiere die Satzung - den "Eigentümer des Friedhofs bei der Erfüllung seiner ihm aus dem öffentlichen Interesse erwachsenden Pflicht, den Friedhof mit der alten Kapelle von 1909 und der Gedenkstätte als bedeutendem Denkmal der Tornescher Stadtgeschichte dauerhaft zu erhalten, zu pflegen und öffentlich zugänglich zu machen" unterstützen und hat sich, wie so viele andere Vereine von Friedhofsfreunden die Öffentlichkeitsarbeit zur Aufgabe gemacht, mit der über die Bedeutung des Friedhofes als stadt- und kulturgeschichtliches Zeugnis informiert werden soll, sowie die Unterstützung von Maßnahmen zur Bestandserfassung sowie zur Sicherung, Erhaltung, Instandsetzung und Pflege des Friedhofes.

Donnerstag, 13. Juni 2019

Südfriedhof Kiel - Schwerpunkt der Ohlsdorf-Zeitschrift

Das Jubiläum des Südfriedhofs in diesem Jahr habe ich hier schon einmal erwähnt. Inzwischen ist auch unsere Ohlsdorf-Zeitschrift, in der dieser Friedhof besonders gewürdigt wird, herausgekommen. Sie ist wie immer sowohl als gedrucktes Heft (beim Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof e.V.) zu erhalten, als auch im Internet zu lesen.

(Selbstlob ist eigentlich nicht so gut, aber ich muss hier mal schreiben, dass ich das Heft richtig gut finde - nicht nur inhaltlich, auch optisch!)

Inzwischen habe ich auch den Flyer mit dem Jubiläumsprogramm des Südfriedhofs erhalten. Morgen findet übrigens ein Vortrag zur Geschichte dieser Anlage statt, wer also in Kiel ist und Zeit hat: Auf zum Südfriedhof!



Donnerstag, 16. Mai 2019

Tier und Tod - Schwerpunkt der neuen Ausgabe von Friedhof und Denkmal

Titelseite der neuen Ausgabe von Friedhof und Denkmal
Die neue Ausgabe der Kasseler Zeitschrift Friedhof und Denkmal sammelt unter dem Schwerpunkt Tier und Tod eine Reihe von interessanten Beiträgen, in denen es um den Tod und die Bestattung von Tieren geht. Ulrike Neurath widmet sich den Tierfriedhöfen als altes und neues Kulturphänomen und misst in einem zweiten Beitrag die Beziehung zwischen dem Mensch und seinem Heimtier an dem Erscheinungsbild der Tiergräber aus. Um Tiere im Kriegseinsatz geht es bei Reiner Pöppinghagen, während Eberhard Goebel zeigt, dass es erstaunlicherweise im 19. Jahrhundert nicht nur Totenfotografien von Menschen, sondern auch solche von Tieren gegeben hat. Auch Lukasz Nieradzik siedelt seinen Beitrag über Technik und das Schlachten von Tieren im 19. Jahrhundert an, während Andreas Kahs die Tiergräer am Beispiel der Friedhöfe in Wien thematisiert und der Besuch in einem Pferdekrematorium in die unmittelbare Gegenwart führt. Insgesamt ist dieses Heft für alle, die das Thema interessiert eine echte Fundgrube!

Mittwoch, 8. Mai 2019

Aufruf zur Vernetzung der Fördervereine (zum Zweiten)

Alter Friedhof Hamburg-Harburg (Foto Leisner 2019) 
Hier kommt nun der Aufruf der Initiativgruppe zur Vernetzung an alle Fördervereine historischer Friedhöfe, dem ich mich persönlich unbedingt anschließe. Wer Interesse hat dabei zu sein und diesen Brief noch nicht erhalten hat, möge direkt an die unten angegebene Adresse schreiben!


"An
Friedhofsfreundes-/Fördervereine deutscher Friedhöfe

Sehr geehrte Damen und Herren,
wir haben als Freunde unserer jeweiligen Friedhöfe viele Gründe, uns für diese einzusetzen: als Orte der Begegnung mit der Geschichte unserer Stadt und ihren wichtigen Persönlichkeiten und der örtlichen Kulturgeschichte, aber auch mit Flora und Fauna und natürlich jeweils auch als Ort persönlicher Erinnerung und Gedenkens.

Wir setzen uns nachdrücklich ein für das Prinzip der Friedhofsbestattung, wir wissen aber auch, dass die traditionelle Friedhofkultur im Wandel ist, neue Bestattungsformen vermindern die Flächenbedarfe, mit größerer wirtschaftlicher Unabhängigkeit erhöht sich auch der betriebswirtschaftliche Druck auf die Verwaltungen, so erzeugt der Erhalt besonderer, aber „verlassener“  Grabmale, die an sich denkmalwürdig sind und den Charakter der Anlage bestimmen, Kosten, die schwer zu schultern sind. Wir merken, dass unsre Friedhöfe als Geschichtsorte in der Gesellschaft weniger Beachtung finden, und bei kommunalen Friedhöfen in Zeiten von Wohnungsmangel sogar begehrliche Blicke auf scheinbar ungenutzte Flächen fallen.
Die Unterzeichner dieses Schreibens haben den Eindruck, dass es in diesen Zeiten sinnvoll ist, dass die aktiven Freundes-/Förderkreise in Deutschland sich über die Landesgrenzen hinaus zum gegenseitigen Nutzen vernetzten und austauschen sollten über Erfahrungen und Strategien zur Stärkung unserer Friedhöfe. Dabei können Vorstände von Freundeskreisen in der Öffentlichkeit freier notwendige politische Prozesse anstoßen als die oft weisungsgebundenen Friedhofsverwaltungen. Mit solchem Rollenspiel haben wir in Hamburg gute Erfahrungen gemacht.
Zu welchen Themen könnten wir uns austauschen? Hier einige für uns aktuelle Komplexe:
1. Friedhofsentwicklung bei zurückgehenden Flächenbedarfen
2. Denkmalschutz für erhaltenswerte Grabmale und Friedhöfe als Gartendenkmale
3. Patenschaften für abgelaufene Grabmale als wichtiges Mittel, engagierte, kulturaffine Menschen an unsere Friedhöfe zu binden -  aber dafür ist die Klärung der Eigentumsverhältnisse an aufgegebenen Grabmalen notwendig…
4. Friedhöfe als Parkflächen, besinnliche Orte der Erkundung von Flora und Fauna
5. Erschließung des Friedhofs als Kulturort, Führungen, örtliche Erklärungen über QR-Code und Informationen über das Handy
6. Vernetzung angesichts der aktuellen Diskussionen um neue Bestattungsgesetze und Friedhofssatzungen, hier sind  zivilgesellschaftliche Aktivitäten zu entfalten
7. Erfahrung mit Mitgliederwerbung und Fundraising
8. Erfahrungen bei der Verwendung der eingeworbenen Mittel.

Wer sind „wir“? Dieser Brief ist das Ergebnis eines Treffens von Aktiven um den „Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof e.V.“ (FOF)  in Hamburg anlässlich einer Veranstaltung, in der der Olaf Ihlefeldt, Vorsitzende des Fördervereins des Stahnsdorfer Friedhofs über seine Arbeit berichtete. Dabei wurde uns deutlich, dass ein bundesweiter Austausch für unsere Arbeit sehr nützlich, erhellend und auch politisch gewichtig sein kann. In Hamburg für Ohlsdorf kann der FOF einige Erfahrungen und Erfolge verzeichnen, so mit der  aktiven beratenden Teilnahme an dem aus Bundesmitteln geförderten Veränderungsprozesses "Ohlsdorf 2050". Außerdem haben wir ein Abkommen mit dem Denkmalschutzamt, das die Expertise unseres Vereins (mit einer Aufwandsentschädigung für diesen) und der Verwaltung des Friedhofs nutzt, um denkmalwürdige Grabmale zu identifizieren und unter Schutz zu stellen. Wir sind sicher, dass es sehr viele Erfahrungen im Kreise der der deutschen Fördervereine gibt, auf die sich andere Vereine beziehen können, wenn sie mit ihren Friedhofsverwaltungen und den zuständigen Gremien „darüber“ Ideen diskutieren.
Sind Sie an einem solchen Austausch interessiert? Haben Sie von besonderen Erfolgen zu berichten oder suchen Sie Anregungen für bestimmte Fragen?

Die Unterzeichner sind bereit, als Initiativkreis für eine denkbare Arbeitsgemeinschaft von Friedhofsförderkreisen in Deutschland eine erste Koordinationsphase zu übernehmen, ggf. bis hin zu einer förmlichen vereinsrechtlichen Konstruktion. Die Korrespondenzarbeit könnte vorläufig die (hochgradig datenschutzbewusste!) Geschäftsstelle des FOF übernehmen. Wir haben hier in Hamburg dabei die moralische und fachliche Unterstützung der Verwaltung des Ohlsdorfer Friedhofs und des Landesdenkmalschutzamtes. Wir sind so mutig, uns sogar für eine mittelferne Zukunft eine Wochenendtagung vorstellen zu können.
Für die Kommunikation haben wir schon mal eine e-Adresse eingerichtet, über die Sie Ihr Interesse bekunden und Ihre Anregungen senden können:                                                                 
ini-friedhofsvereine@fof-ohlsdorf.de

Wir sind gespannt auf alle Reaktionen!
Mit freundlichen Grüßen,
gez. Dr. Reinhard Behrens, Theda Dessaules, Jan Gawryluk, Hella Häusler, Olaf Ihlefeldt (Vors. Stahnsdorf), Michael Karbenk  (Vors. FOF), Andreas Morgenroth"

Montag, 6. Mai 2019

Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof e.V. wird 30!

Der Rosengarten mit dem Cordesdenkmal auf dem Ohlsdorfer Friedhof 2017 (Foto Leisner)
Als "Gründungsmutter" dieses Förderkreises - und ich sage stolz: des ersten Fördervereins, der ausschließlich für einen historischen Friedhof gegründet wurde - freue ich mich riesig, dass wir jetzt schon seit 30 Jahren aktiv sind! Wer mehr über unsere Arbeit wissen will, kann in diesem Blog (2009 und 2014) und in unserer Zeitschrift nachlesen, wie sich das "bürgerliche Engagement" für diesen besonderen Friedhof entwickelt hat.

Deshalb weise ich hier auf die Festveranstaltung hin, die im Rahmen des Bürgerfestes auf dem Ohlsdorfer Friedhof am 26.Mai 2019 stattfinden wird. Es wird eine Feierstunde „30 Jahre Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof“ geben, auf der Prof. Dr. Norbert Fischer die Laudatio hält, musikalisch begleitet von der "Weltkapelle Wilhelmsburg".

Hier das Programm des Ohlsdorftages

14-18 Uhr Veranstaltungsorte auf dem Friedhof Ohlsdorf: Cordesallee am Haupteingang, Garten der Frauen und Kapelle 6

Bühnenprogramm

14.00 Uhr       Begrüßung durch Michael Pollmann, Staatsrat der Behörde für Umwelt und Energie
14:30 Uhr       Feierstunde „30 Jahre Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof“. Laudatio von Prof. Dr.
Norbert Fischer, musikalisch begleitet von der Weltkapelle Wilhelmsburg.
16.00 Uhr       Magical Mystery Show mit Hempels Beatles Band. Stefanie Hempel erfand die
musikalische Beatles-Tour zwischen Millerntor und Großer Freiheit und zelebrierte dort eine ganz eigene Beatlemania. Mit ihrer „Beatles-Show“ holt sie jetzt ihre Geschichten und Songs auf die Bühne. Hören die Klassiker von „Twist And Shout“ bis „Let It Be“ - Mitsingen ist erwünscht.

Rundgänge und Touren

Alle Rundgänge und Touren beginnen am Treffpunkt, der auf einem Plan vor Ort eingezeichnet ist und dauern jeweils 1 Stunde.

15.30 und 17.00 Uhr Rundgänge zu den Aktionsflächen Haupteinfahrt, Südteich und Dichterhügel
sowie Kapellen 1 und 3.

14:15 und 15:30 Uhr  Radtouren (bitte eigenes Rad mitbringen)

15.00 und 16.00 Uhr  Fahrt mit dem Bus zu Kapelle 3 und 6, zum Hamburger Grab und dem Ohlsdorfer Ruhewald, dem Wildblumengarten und zurück über die Haupteinfahrt.

 Im Garten der Frauen

15.00 - 16.00 Uhr  70 Jahre Grundgesetz und Gleichberechtigungsartikel - Rita Bake und Herma Koehn erinnern mit historischen Grab- und Erinnerungssteinen an Frauen, die sich für Gleichberechtigung und das Wahlrecht für Frauen stark gemacht haben. Präsentiert vom Garten der Frauen e.V.. Musik: Deutscher Tonkünstlerverband. www.garten-der-frauen.de

Kapelle 6, Nordring

17.00 Uhr  usik zur Rhododendronblüte mit Musikerinnen des Deutschen Tonkünstlerverbands, die ausschließlich Werke von Komponistinnen spielen.

Pianistin Friederike Haufe führt ein in Leben und Werk von Fanny Hensel, Babette Koblenz, Ilse Fromm- Michaels, Hélène Fleury und Ewelina Nowicka. Es erklingt Musik für Streichinstrumente, Klarinette, Gesang und Klavier. Präsentiert von KulturKleinBorstel e.V.. www.kapelle6.de

Außerdem

Kunstpassage - Basteln mit Naturmaterialien mit Leslie Wegers Phantasiewerkstatt - Mitmach-Aktion für Groß und Klein, Kulinarisches

Kunstpassage 2019        25. und 26. Mai        11 – 18 Uhr

Zum zweiten Mal gestalten wir die Kunstpassage auf dem Ohlsdorfer Friedhof und begleiten für ein Wochenende Ohlsdorf 2050. Die Kunstpassage spielt mit der Wahrnehmung von Raum und Fläche, lässt für kurze Zeit eine andere Atmosphäre einziehen, schafft Lebendigkeit, Diskussion und Begegnung. Sie greift auf, demonstriert, untermalt, abstrahiert, provoziert. 50 Künstler/-innen präsentieren ihre Werke in der Kapelle 1 und in Pavillons auf dem Weg von der Kapelle 1 zur Cordesallee. Die Kapelle 1, ehemals ein Raum für Abschied, wird zum Raum für neue Begegnungen. www.kunstpassage-hamburg.de



Freitag, 3. Mai 2019

"Wo die Musik begraben liegt"

Grabmal von Johann Strauß in Wien (Quelle: Von Dr.
Bernd Gross - Eigenes WerkOriginaltext: Eigenes Foto,
CC BY-SA 3.0 de,
https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=73605678
Unter dem Titel "Wo die Musik begraben liegt" gibt es am 5.5.2019 von 17:00 - 18:00 Uhr einen musikalischen Spaziergang zu den letzten Ruhestätten berühmter Komponisten in der Auferstehungskapelle des Friedhofs von Bad Oldesloe.

Die Sopranistin Martina Doehring hat - wo immer es sich auf ihren Konzertreisen einrichten ließ - einen Abstecher auf den Prominentenfriedhof der Stadt gemacht und ihre Eindrücke in Wort und Bild festgehalten. Das Ergebnis ist ein multimediales Programm, ein vergnüglicher Spaziergang auf den Spuren berühmter Komponisten, bei dem Martina Doehring mit scharfem Blick und freundlichem Augenzwinkern die schönsten Geschichten um Kummer und Kult, Kommerz und Konkurrenz erzählt.

Musikalisch unterstützt wird sie bei ihrem Bummel über die historischen Friedhöfe Europas von Henning Münther - passend zum jeweiligen Musikstück wahlweise am Klavier oder an der Orgel.

Ort: Auferstehungskapelle, Lindenkamp 99, 23843 Bad Oldesloe (Der Eingang zur Kapelle liegt  gegenüber vom Restaurant "Glacehaus" an der Ecke zur Hamburger Straße)
Eintritt frei, Spenden erbeten

Samstag, 27. April 2019

Friedhofsgeflüster

Buchcover Garamond Verlag
Endlich komme ich dazu, etwas über das neue Buch "Friedhofsgeflüster. Von Totenkronen, Wiedergängern und der Angst vor dem Scheintod" von Dr. Anja Kretschmer zu schreiben, das im März auf der Leipziger Buchmesse vorgestellt worden ist. Ich habe diesem Blog ja schon öfter mal auf die Führungen hingewiesen, die die Autorin als "Schwarze Witwe" - inzwischen deutschlandweit - auf Friedhöfen veranstaltet. Jetzt hat sie ihr über die Jahre immer mehr vertieftes Wissen zum sepulkralen Brauchtum und dem zugehörigen (Aber-)Glauben zu einem Buch zusammengefasst.

Und sie hat eine Menge zu erzählen: Da geht es um Todesvorzeichen, ebenso wie um das schwere Sterben; um die Totenfrauen und Leichenbitter und das Herrichten der Verstorbenen; die Totenwache, bei dem Nachbarn und Angehörige sich nicht immer nur pietätvoll verhalten haben; die Beisetzung und den anschließenden Leichenschmaus; die unruhigen Toten in ihren unterschiedlichen Erscheinungen; das Trauerkleid, das besonders für die Witwen ein Muss war; den Kindertod; die Angst lebendig begraben zu werden und zum Schluss einen Ausblick auf die "Aufhocker", Geister, die sich unbemerkt an Grenzen auf die Schulter setzen können. Abgerundet wird das Thema durch den Abdruck jeweils passender Sagen und Märchen.

Durchmischt sind die Geschichten mit eigenen Erfahrungen der Autorin, die sich - auf den ersten Blick etwas irritierend, dann aber durchaus logisch - in blauer Farbe von den in schwarz gedruckten historischen Texten unterscheiden. Erfrischend und persönlich berichtet Anja Kretschmer darin davon, wie sie selbst ein Relikt der Glaubensvorstellungen, nämlich einen Schwamm, mit dem einstmals ein Toter gewaschen wurde, in einer Gruft entdeckt hat; wie wichtig es für sie war trotz ihrer Angst persönlich von einer verstorbenen Verwandten Abschied zu nehmen; von ihren Erfahrungen als Trauer-Rednerin und ihrer Arbeit in einem Bestattungsinstitut. Besonders berührend ist zu lesen, was die Autorin in diesem Zusammenhang über den Abschied von einem toten Kind schreibt. Offenbar liegen ihr auch die Totenkronen, die man verstorbenen Kindern aufgesetzt oder auf den Sarg gestellt hat, besonders am Herzen, denn es gibt am Ende des Buches eine Lister jener Orte, an denen diese Relikte einer vergangenen Kultur noch aufbewahrt werden.

Wissenschaftlich korrekt gibt die Autorin jeweils genau die Quellen an, aus denen sie die unterschiedlichen Formen des sepulkralen Brauchtum zusammengetragen hat. Natürlich stammen viele Angaben aus dem berühmten Handbuch des Aberglaubens, aber Anja Kretschmer hat auch regionale volkskundliche Untersuchungen und andere Quellen herangezogen. Neben dem Anmerkungsverzeichnis rundet ein Literaturnachweis die Arbeit ab. Mit diesem Buch gibt die Autorin - erstmals - einen gut lesbaren und reichhaltigen Überblick über die volkstümlichen Vorstellungen zu Sterben, Tod, Bestattung und Trauer.

Dankenswerter Weise bezieht dabei ein, dass Leser und Leserinnen eines solchen Buches zugleich auch mit ihren eigenen Erfahrungen zu diesem Thema konfrontiert werden und gibt immer wieder einmal Hinweise zu einem hilfreichen Umgang mit dem Abschiednehmen. Deshalb scheint mir dieses Buch - ebenso wie die Führungen der "Schwarzen Witwe" - als ein Einstieg in das schwierige und im persönlichen Bereich immer noch weitgehend tabuisierte Thema, das um das eigene Sterben und den Tod naher Angehöriger kreist, besonders geeignet.

Anja Kretschmer, Friedhofsgeflüster. Von Totenkronen, Wiedergängern und der Angst vor dem Scheintod. Garamond Der Wissenschaftsverlag. Reihe Post mortem, Bd. 1, Gera/Jena 2019, 152 Seiten, zahlr. Abb.

(P.S.: Eine kleine persönliche Anmerkung am Rande zu den Totenkronen: Schon auf dem Grabmal für Heinrich und Elisabeth von Nassau, gest. 1394, in der Elisabethkirche in Marburg sind die beiden verstorbenen Kinder mit Kränzen bekrönt. s. Barbara Leisner, Grabmale für Kinder. In: Grabkultur in Deutschland, S. 323) 

Dienstag, 23. April 2019

150 Jahre Südfriedhof Kiel - Das Jubiläumsprogramm

Kapellenberg auf dem Kieler Südfriedhof
(Quelle:Von Isderion - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 de,
https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=14837025) 
Am 30. April 1869 wurde der Südfriedhof in Kiel unter dem Namen Neuer Kirchhof eingeweiht. Er gilt als der erste echte Parkfriedhof in Deutschland, auch wenn es natürlich Vorläufer und mit dem Ohlsdorfer Friedhof einen sehr viel bekannteren Nachfahren gibt. Dieses Jahr feiert der Kirchenkreis Altholstein das Jubiläum mit einem mehrtägigen Programm:

Am 30. April wird die Kieler Pröpstin Almut Witt das Jubiläumsjahr mit einem Gottesdienst für Mitarbeiter und geladene Gäste in der Kapelle an der Saarbrückenstraße eröffnen.

Am 26. Mai gibt es dann einen "Mitmach-Tag für Kinder und Erwachsene", an dem zwischen 11 und 16 Uhr bienenfreundliche Beete angelegt werden können. Man kann sich auch über die neuesten Trends der Grabbepflanzung informieren und bei kurzen Führungen stellt Jörgen Schulz, der stellvertretende Leiter der Friedhöfe des Ev.-Luth. Kirchenkreises Altholstein, Besonderheiten der der Flora und Fauna des Friedhofs vor, wie zum Beispiel die denkmalgeschützten Trauerbuchen, die in mehr als 100 Jahren zu einem Baum zusammengewachsen sind.

Am 14. Juni, um 19 Uhr, wird Uwe Steinhoff, der in mühevoller Kleinarbeit Bilder, Pläne und Stiche zusammengetragen hat, die Geschichte des Südfriedhofs in Bildern erzählen.

Am 21. August, um 19 Uhr, führt ab der Friedhofskapelle Dr. Anja Kretschmer als Dienstmädchen zu den gruseligen Ecken des Friedhofs und erzählt auf verschlungenen Pfaden von mysteriösen Mordfällen und Geistermessen und anderen sagenhaften Geschichten aus Kiel.

Am 4. September, 18.15 Uhr, führt Dr. Bernd Schedlitz über den Friedhof unter dem Titel "Persönlichkeiten erzählen Stadtgeschichte". Denn wer es sich leisten konnte, setzte sich auf dem Südfriedhof ein Denkmal über seinen Tod hinaus. So prägten Kieler Unternehmer nicht nur die Wirtschaft an der Förde, sondern auch den Friedhof.

Am 27. September, 15 Uhr, zeigt der Steinmetzmeister Jörn Goos deutlich, dass selbst Grabsteine der Mode unterworfen sind und erklärt die Symbole, die auf ihnen abgebildet sind.

Am 23. Oktober, 19 Uhr, erinnert ein herbstlicher Abend in der Kapelle mit Lyrik und Musik an das Sterben. Die Schauspielerin Ritta Kristensen rezitiert Texte von Autoren verschiedener Jahrhunderte. Dazu singt der Bass-Solist Julian Redlin an der Orgel begleitet von Kreiskantor Reinfried Barnett stimmungsvolle Kompositionen.

Am 8. November, um 19.30 Uhr, gibt es einen Kinoabend in der Friedhofskapelle. In dem Spielfilm "Nokan - Die Kunst des Ausklangs", erfährt der Cellist Diaigo erfährt, dass er in seinem neuen Job bei einem Veranstalter für besondere Reisen Verstorbene nach einem traditionellen japanischen Ritual für die sogenannte letzte Reise vorbereiten soll. Aber das darf niemand aus seiner Umgebung mitbekommen. Der Kinoabend wird in Kooperation mit dem Kommunalen Kino in der Pumpe veranstaltet.

Der Eintritt zu den meisten Veranstaltungen kostet nichts.

Außerdem wird zum Jubiläum im Mai das neue Buch "Der Kieler Südfriedhof. Bestattungskultur und Gartenkunst seit 1869" von Walter Arnold und der Fotografin Bettina Fischer erscheinen (Sonderveröffentlichungen der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte herausgegeben von Jürgen Jensenm, Band 90 Husum Verlag 2019), das sich ausführlich der Geschichte des Friedhofs widmet. Eine Besprechung folgt demnächst in diesem Blog.



Freitag, 19. April 2019

Friedhöfe unter Denkmalschutz: Erhaltung - Anforderungen - Perspektiven

In Köln finden zwei Mal im Jahr Gespräche zu Architektur und Denkmalpflege statt. Sie sollen sich einem denkmalpflegerischen Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln nähern und sind als Fortbildungsveranstaltungen gedacht. Am 13. Mai widmet sich diese Tagung den Denkmalschutz auf Friedhöfen. Das Programm findet sich hier.

In zwei Themenblöcken werden zum einen Grundlagen und zum anderen Beispiele aus der Praxis besprochen. Bei den Grundlagen geht es um die Veränderungen in der Bestattungskultur, rechtliche Möglichkeiten der Unterschutzstellung und ihre Folgen, das Friedhofsentwicklungskonzept Düsseldorf und "Friedhöfe am Wendepunkt: Funktionen, Trägerschaft, Finanzierung, Denkmalschutz". Bei den Beispielen aus der Praxis werden das Parkpflegewerk für den Melatenfriehof in Köln, die Umntuzung des Friedhofs von Velbert-Langenberg, die Instandsetzungen jüdischer Grabsteine und die Arbeit des Fördervereins Evangelischer Friedhof Kölnstraße e.V. in Düren vorgestellt. 

Ein wirklich interessantes Programm, das sicher auch für Mitglieder anderer Fördervereine interessant sein dürfte. Wer meldet sich an und hat Lust hier zu berichten?
 



Freitag, 12. April 2019

Die Europäischen Kulturrouten werden geehrt!

Signet der Fundación Yuste mit dem Logo
des europäischen Preises des ehemaligen spanischen
Königs Carlos V. 
Die Europäische Route der Friedhofskultur, über die hier schon mehrfach berichtet wurde, ist Teil des Programmes der Europäischen Kulturrouten des Europa-Rates und dieses Programm wird jetzt mit dem "Carlos V European Award" der spanischen "Fundación Academia Europea e iberoamericana de Yuste" ausgezeichnet. Die prestigeträchtige Auszeichnung wird zum ersten Mal nicht an eine Person, sondern an ein europäisches Programm verliehen. Sie wurde ins Leben gerufen, um die Arbeit von Personen, Organisationen, Projekten oder Initiativen zu belohnen, die zum allgemeinen Wissen und zur Verbesserung der kulturellen, sozialen, wissenschaftlichen und historischen Werte Europas beigetragen haben. Die Kulturrouten des Europarates erhalten dieses Jahr den Preis, weil sie, wie es in der Begründung heißt, die europäischen Werte wie Menschenrechte, kulturelle Vielfalt und interkulturellen Dialog in die Praxis umsetzen und ein vielfältiges Erbe fördern, indem Menschen und Orte in Netzwerken der gemeinsamen Geschichte vereint werden.

Der Preis wird dem Europarat in einer Zeremonie am 9. Mai 2019 - dem Europatag - von Felipe VI, dem König von Spanien, offiziell übergeben. Die Festveranstaltung findet in der Kirche des königlichen Klosters von Yuste in Spanien statt. Der Preis umfasst Stipendien für Forschungen und Reisen zum Thema Europäische Integration in den Human- und Sozialwissenschaften, die unter dem Namen des Preisträgers vergeben werden. Auch die Prioritäten für die Vergabe setzt der Preisträger fest.

Dienstag, 2. April 2019

Friedhofsvereine vernetzt euch!

Ausschnitt von einem Grabmal auf dem Leipziger Südfriedhof
(Foto Leisner 2011)
Olaf Ihlefeld, der Friedhofsverwalter des Stahnsdorfer Friedhofes, kam am 17. Februar zum Ohlsdorfer Förderkreis in Hamburg und hat dort von "seinem" Friedhof und den Aktivitäten seines Förderkreises berichtet. Das war so inspirierend, dass sich nach dem Vortrag eine Gruppe zusammenfand, die nach englischem Vorbild einen Dachverein für die deutschen Friedhofsfreundes- und -fördervereine gründen will. Die Initiatoren stammen zum größten Teil aus dem Ohlsdorfer Förderkreis, aber natürlich ist auch Olaf Ihlefeld dabei. Sie wollen eine erste Koordinationsphase übernehmen.

Als Ziele formulieren sie vorab, dass die Vernetzung der aktiven Freundes- und Förderkreise in Deutschland dazu genutzt werden kann, Erfahrungen auszutauschen und Strategien zur Stärkung der Friedhöfe zu entwickeln. Ein Vorteil kann dabei sein, dass ein solcher Verband freier in der Öffentlichkeit agieren und notwendige politische Prozesse anstoßen können als einzelne Vereine oder die oft weisungsgebundenen Friedhofsverwaltungen.

Da ich selbst diese Idee schon lange mit mir herumgetragen habe und richtig gut finde, rufe ich hier alle Interessierten auf, sich per E-Mail bei der Initiativgruppe zu melden:

ini-friedhofsvereine@fof-ohlsdorf.de

Donnerstag, 7. März 2019

„Mehr Stolz, ihr Frauen!“ - Ehrengrab für Hedwig Dohm

Zum Frauentag: feiert der Alte St.-Matthäus-Kirchhof dieses Jahr die große Schriftstellerin,
Frauenrechtlerin und Pazifistin, Hedwig Dohm, deren Ruhestätte auf diesem Friedhof vom Berliner Senat den Ehrengrabstatus bekommen hat. Damit ist die Grabstätte für 20 weitere Jahre vor dem Abräumen gesichert. Im Rahmen des FrauenMärz 2019 wird die Enthüllung des Ehrengrabes gefeiert am Sonntag, 24. März 2019, 12 Uhr, Kapelle, Alter St.- Matthäus-Kirchhof, Großgörschenstraße 12-14, 10829 Berlin.

Mit der Anerkennung des Grabes als Ehrengrab würdigt das Land Berlin die immensen Verdienste von Hedwig Dohm für Demokratie und Frauenrechte. Nach Grußworten von Bürgermeisterin Angelika Schöttler, der Bundestagsabgeordneten Renate Künast und der Vorsitzenden des Journalistinnenbundes Rebecca Beerheide nehmen Historikerin Nikola Müller und Biografin Isabel Rohner die Besucherinnen mit in Leben und Wirken Hedwig Dohms: eine Lesung, bei der es viel zu lernen und auch einiges zu lachen geben wird. Das berühmte Hedwig Dohm Zitat ist das Motto der Veranstaltung: „Mehr Stolz, ihr Frauen!“

Die Einladung zu dieser Veranstaltung, deren Eintritt frei ist, zitiere ich hier aus einer Pressemitteilung der Zwölf-Apostelkirche. Ich persönlich finde, dass historische Friedhöfe gut daran tun, besonders an jene Frauen zu erinnern, die gesellschaftlich Bedeutendes geleistet haben.


Donnerstag, 7. Februar 2019

Steine erzählen Geschichte(n)

Cover der neuen Broschüre aus Dresden
Das Dresdener Friedhofs-Ärar hat mit der Veröffentlichung "Steine erzählen Geschichte(n). Der Evangelisch-Lutherische Johannisfriedhof Dresden-Tolkewitz. Bd. 1: Bedeutende Grabdenkmale" die erste Folge einer neuen Publikationsreihe vorgelegt, die diesen historischen Ort einem breiteren Publikum bekannt und zugänglich machen soll.

Wie bei anderen Friedhöfen auch stehen die Verantwortlichen in Dresden vor der Frage, wie man das besondere sepulkrale Erbe der Stadt erhalten soll und kann. In Dresden wurden die Beteiligten darunter - wenn nicht gar federführend - der Freundeskreis Trinitatis- und St. JohannisFriedhof Dresden vor einigen Jahren aktiv und gewannen in der Denkmalpflege Sachsens eine Reihe von Mitstreitern. So konnte ein Gutachten über den Friedhof in Auftrag gegeben werden, in dem der Kunsthistoriker Dr. Kuhn aus Berlin besonders auf die nationale Bedeutung des Friedhofes hinwies. 2015 wurde dann ein Antrag auf Fördermittel bei der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien gestellt, den nicht nur das städtische Amt für Kultur und Denkmalschutz, sondern auch das Amt für Stadtgrün in Dresden unterstütze. Der Erfolg war, dass der Friedhof in das Denkmalpflegeprogramm 2017 für  "National wertvolle Kulturdenkmäler" aufgenommen und damit verbunden Bundes- und Landesfördermittel bewilligt wurden, um dringend notwendige Restaurierungsarbeiten an wertvollen Grabmalen durchzuführen. 

Dem Vorwort des Herausgebers, dem die obigen Informationen entnommen sind - die übrigens auch andere Freunde historischer Friedhöfe lebhaft interessieren dürften, zeigen sie doch einen Weg auf an Mittel für Restaurationen zu kommen - folgt ein zweites Vorwort des Landesamtes für Denkmalpflege Sachsen, in dem noch einmal auf die besondere Bedeutung der Grabmalkunst auf dem Johannisfriedhof hingewiesen wird. Unter dem Titel "Im Tännicht vor der Stadt" gibt es dann einen kurzen Überblick über die Friedhofsgeschichte. Danach werden in Kurzform typische Grabmalgesteine vorgestellt und ein weiterer Beitrag widmet sich der imposanten Trauerhalle von Paul Wallot.

Linke und rechte Seite "Grabstätte Eschebach"
mit der Figur der Trauernden von Hans Damman
Das ist der Auftakt für die folgenden siebenundzwanzig Grabstätten, die zum Teil mit sehr aufwändigen Grabmalen ausgeschmückt sind. Sie werden einzeln in Text und Bild vorgestellt. Die Texte erzählen Geschichten von Mäzenen, in ihrer Zeit berühmten Bildhauern und stadtgeschichtlich bedeutenden Persönlichkeiten. Großformatige Farbfotos, teilweise zusammen mit kleineren Detailaufnahmen, vermitteln neben den Beschreibungen einen guten Eindruck von dem Reichtum der Grabstättengestaltung.

Ein ausklappbarer Plan erlaubt es zudem die Broschüre als Führer zu den Gräbern vor Ort zu benutzen. Ein Aufruf zur Übernahme von Grabmalpatenschaften schließt die Broschüre ab, die durch ihrer reichhaltige Bebilderung ebenso wie durch ihre prägnanten und informativen Texte beeindruckt.

In Vorbereitung ist ein zweiter Band mit dem Titel "Lebensspuren - Grabstätten bedeutender Persönlichkeiten".

Steine erzählen Geschichte(n). Der Evangelisch-Lutherische Johannisfriedhof Dresden-Tolkewitz, Bd. 1: Bedeutende Grabdenkmale. Dresden 2018. ISBN 978-3-91000663-8, 82 Seiten, 90 größtenteils farbige Abb., herausklappbarer Lageplan, 14,90 €, zzgl. Porto. Zu erhalten bei: Ärar des Elias-, Trinitatis-, und Johannisfriedhofes zu Dresden. Wehlener STraße 13, 01279 Dresden. Tel: 0351-2525202 Mail: info@johannisfriedhof-dresden.de