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Freitag, 17. September 2021

Garten der Frauen

Der Garten der Frauen auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg ist weit über Hamburg hinaus bekannt. 
Der Sonderbereich in der Nähe des Wasserturms wird vom Verein Garten der Frauen e.V. getragen und enthält einerseits Grabstätten, die von weiblichen Vereinsmitgliedern erworben worden sind und andererseits eine im Sommer 2001 eröffnete Gedenkstätte, in die historische Grabsteine übertragen worden sind. Es handelt sich dabei um Grabmale, die jeweils auf den Gräbern von Frauen in Ohlsdorf standen, welche regionale und manchmal auch überregionale Bedeutung erlangt haben. 

Rita Bake, der die Idee des Gartens der Frauen zu verdanken ist, hatte schon 1997 in dem Buch "Stadt der toten Frauen" zusammen mit weiteren Autorinnen 127 Porträts von Frauen zusammengetragen, die in Ohlsdorf bestattet worden sind. 2009 erschien dann das Buch "Der Garten der Frauen. Ein Ort der Erinnerung mit historischen Grabsteinen von Gräbern bedeutender Frauen und eine letzte Ruhestätte für Frauen auf dem Friedhof Ohlsdorf in Hamburg" (2013 in aktualisierter Auflage). Neu erschienen ist jetzt, ebenfalls von Rita Bake herausgegeben und wieder von einem Autorinnen- und Autorenteam zusammentragen, ein zweiter Band zum Garten der Frauen. 

2013 hielten 52 historische Grabmale die Erinnerung an bedeutende Frauen Hamburgs wach und in einer "Erinnerungsspirale", die aus einzelnen Gedenksteinen besteht, wurde an weitere 42 Frauen erinnert. Inzwischen sind dreißig historische Grabmale dazu gekommen und es wird an weitere 21 Frauen erinnert. So findet man nun 73 weitere Biografien in der neuen Publikation. Das Buch beginnt allerdings mit einer Bildstrecke mit Impressionen von dem Vereinsaktivitäten, sowie Fotos des Gartens zu verschiedenen Jahreszeiten und Bildern von verschiedenen Einrichtungen, wie dem Infohäuschen in Form eines viktorianisch gestalteten Gewächshauses. Dazu kommen Hinweise auf weitere Informationsmöglichkeiten z.B. durch einen Audioguide und ein Quiz. Besonders gestaltete Erinnerungsmale werden vorgestellt, sowie eine Installation für die Tanzpädagogin Lola Rogge und die Skulptur "Erinnerung", die auf Frauen aufmerksam macht, deren Gräber auf dem Friedhof und nicht im Garten der Frauen zu finden sind. 

Erinnerungsspirale (Quelle Von Histho-Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0)
Die folgenden Seiten sind den Veranstaltungen des Vereins in den letzten Jahren gewidmet, dazu gehört auch der Hinweis auf eine interaktive Karte mit den Wohnorten sowie eine Aufarbeitung vielfältiger Verbindungen und Vernetzungen der im Garten erinnerten Frauen. Erst nach diesem auf den Verein bezogenen Teil folgen dann die Lebenswege jener Mitglieder, die in den letzten Jahren verstorben und beigesetzt worden sind, sowie - nach Berufen geordnet - jene der vor Ort erinnerten Persönlichkeiten, zu denen Künstlerinnen, Politikerinnen, aber auch "weibliche Opfer des Patriarchats" gehören. Ein letzter nicht unwichtiger Teil ist den Ruhestätten bedeutender Frauen auf anderen Hamburger Friedhöfen gewidmet.

Wer sich also speziell für die Lebenswege von Frauen in Hamburg interessiert, erhält mit diesem neuen Band zum Garten der Frauen nicht nur über den Ohlsdorfer Friedhof neue, sorgfältig zusammengetragene Informationen. Dazu gehören auch die durchgehend schwarz-weißen Abbildungen von Grabsteinen und Porträts der Verstorbenen, mit denen die Texte aufgelockert sind.

Rita Bake: Der Garten der Frauen Band 2. Ein Ort der Erinnerung mit historischen Grab- und Erinnerungssteinen bedeutender Frauen und eine letzte Ruhestätte für Frauen. Verein Garten der Frauen, Hamburg 2021, 300 Seiten mit zahlr. schw-w. Abb., Selbstkostenpreis von 15,- Euro, Versand 3,- Euro. Zu bestellen bei info@garten-der-frauen.de

Samstag, 30. Mai 2020

Corona-Update 7: Grabmale für Frauen und Frauen auf Grabmalen - eine virtuelle Führung im Live-Stream

Trauernde Frauenfigur lehnt über Grabmal
In der Kapelle und auf dem Alten Zwölf-Apostel-Kirchhof in Berlin können zwar immer noch keine kulturellen Veranstaltungen durchgeführt werden. Aber man hat dort inzwischen sehr positive Erfahrungen mit Live-Streams (über Youtube) gesammelt, so dass ein weiterer Punkt des Jahres-Programms am Pfingstmontag wieder auf diese Weise der Öffentlichkeit präsentiert wird.

Im Live-Stream führt  Claudia v. Gélieu zu dem Thema:

Frauengräber und weibliche Symbole der Begräbniskultur auf dem Alten Zwölf-Apostel-Kirchhof

am 1. Juni 2020, um 15 Uhr Live- Stream https://youtu.be/nYa8bsHCwcg
(Youtube Kanal Bertram von Boxberg)

Dazu schreiben die Veranstalter: "Im 19. Jahrhundert waren Grabgestaltungen mit Frauenskulpturen weit verbreitet. Warum war das so? Welches Frauenbild vermitteln sie? Und warum gibt es erotische Darstellungen auf Friedhöfen? Diesen Fragen geht die Frauengeschichtsforscherin Claudia von Gélieu bei ihrer virtuellen Führung  über den Alten Zwölf-Apostel-Kirchhof nach. Virtuell besucht werden auch Gräber von interessanten Frauenpersönlichkeiten. Und es wird an Frauen erinnert, deren Gräber verschwunden sind. Vor Zwei Jahren haben die Zwölf-Apostel-Kirchhöfe Gedenksteine für diese Frauen gesetzt. Eine von Ihnen ist die Schriftstellerin Dora Duncker.

Claudia von Gèlieu betreibt seit 1994 das Projekt „Frauentouren“. Sie gehört dem bundesweiten Netzwerk „Miss Marples Schwestern – Historische Spurensuche nach Frauen vor Ort“ an. Für die Zwölf-Apostel-Kirchhöfe hat sie das Projekt „Die vergessenen Schriftstellerinnen“ initiiert und begleitet. 2001 wurde sie mit dem Frauenpreis des Berliner Senats ausgezeichnet."

Samstag, 25. August 2018

Gedenksteine auf "Verschwundenen Gräbern"

Auf dem Alten Zwölf-Apostel-Kirchhof in Berlin findet am Sonntag, 2. September, um 16 Uhr
eine besondere Veranstaltung statt: 

Bildnis von Clementine Helm 1896
(Quelle: Von unbekannt - Illustrirte Zeitung
vm 12. Dezember 1896, PD-alt-100,
https://de.wikipedia.org/w/index.
php?curid=9572275)
Mit der feierlichen Enthüllung von vier Gedenksteinen werden die Grabstätten von vier, im 19. Jahrhundert bekannten Schriftstellerinnen kenntlich gemacht. Die Namen und Werke von Clementine Helm (1825 - 1896), Fanny Blaschnik-Arndt (1827 – 1906), Sara Hutzler (1853 -1893) und Dora Duncker (1855 -1906) werden dadurch wieder dauerhaft in das öffentliche Gedächtnis zurückgerufen.

Ihre Bücher kann man teilweise noch heute kaufen, bzw. kostenlos im Internet lesen. Clementine Helm und Sara Hutzler wurden vor allem als Jugend- und Kinderbuch-Autorinnen bekannt, Fanny Blaschnik-Arndt (für die leider noch niemand einen Wikipedia-Eintrag geschrieben hat) hat sich intensiv mit der Geschichte der Frauen auseinandergesetzt, Dora Duncker veröffentliche Romane, Erzählungen, Essays, Gedichte und Theaterstücke, schrieb Theaterkritiken und gab von 1885 bis 1897 den Kinderkalender "Buntes Jahr" heraus. 
Foto von Dora Duncker (Quelle: Von
Unbekannt - Berliner Leben,
1. Jahrgang, Heft 3, Gemeinfrei,
https://commons.wikimedia.org/w
/index.php?curid=17667533)
Doch ihre Grabstellen sind wie bei so vielen anderen Frauen verschwunden und nicht zuletzt dadurch geriet auch ihr Leben und ihr Werk in Vergessenheit, Die Setzung dieser neuen Gedenksteine ist Teil der Initiative „Die Frauen auf den Kirchhöfen“. Die Zwölf-Apostel-Gemeinde macht mit Führungen auf die Geschichte bedeutender Frauen und ihre Gräber aufmerksam und hat durch das Setzen von neuen Gedenksteinen schon die Schriftstellerin und Frauenrechtlerin Hedwig Dohm und Kitty Kuse geehrt. 

Anschließend an die Enthüllung wird Claudia von Gélieu in der Kapelle an die interessanten Biographien dieser Frauen erinnern und die Schauspielerin Silke Jensen wird aus ihren Werken lesen.

Ort: Alter Zwölf-Apostel-Kirchhof, Kolonnenstraße 24-25, Berlin