Samstag, 25. Juli 2026

Mausoleum von Schröder in Ohlsdorf - Rettung naht!

Das opulente Mausoleum der Bankiersfamilie von Schröder wurde 1906 von dem Architekten Edmund Gevert auf dem Ohlsdorfer Friedhof als großer Zentralbau errichtet. Sein historisierender Stil lehnt orientiert sich hauptsächlich an der Romanik. Für das Gebäude wurde roter Mainsandstein verwendet; eine Steinsorte, die der erste Friedhofsdirektor Wilhelm Cordes besonders bevorzugte. Man findet sie bei den Treppenanlagen des älteren Friedhofsteils ebenso wie bei einigen großen Grabmalen wieder. An den achteckigen Bau sind außen insgesamt 24 Gruftzellen angebaut, die mit Erde angeschüttet einen Hügel um die Rückseite des Gebäudes bilden. Die Kuppel ist aus Eisenbeton und hatte ursprünglich eine Eindeckung aus Kupfer. Sie wird von einem Tambour mit umlaufenden Fensteröffnungen getragen, die ehemals vollständig bunt verglast waren. Die Scheiben zeigten - und einige zeigen sie auch heute noch - Szenen aus dem Leben Jesu sowie Aposteldarstellungen. Der Tambour wird von Säulen und Pilastern getragen. Das Portal ist nach nach Südwesten ausgerichtet und reich geschmückt. Mit seiner gedrungenen Form und der flachen Kuppel auf einem hohen Tambour erinnert der Gruftbau der Familie von Schröder an das berühmte Mausoleum des Theoderich in Ravenna, das im 6. Jh. n. Chr. errichtet worden ist. 

Dadurch, dass die Abdeckung der Kuppel schon seit Jahrzehnten nicht mehr vorhanden ist und nur zeitweise durch eine Plane verhindert wurde, dass Regenwasser in die Kuppel eindringt und die Eisenarmierung im Beton rosten lässt, rottet das Gebäude schon lange vor sich. Putz fällt von der Decke und aufgrund von Einsturzgefahr wurde darf der Innenraum nicht mehr betreten werden. 

Vor fünfzehn Jahren kam schon einmal dann Hoffnung auf, dass das Gebäude gerettet werden könnte. Der Hamburger Kulturinvestor Klaus Martin Kretschmer übernahm das Objekt in Patenschaft und wollte es sanieren lassen. Doch er kam in finanzielle Schwierigkeiten, so dass ihm schließlich die Patenschaft wieder aberkannt wurde. 

Vor einem Jahr gab das Hamburger Denkmalschutzamt bekannt, dass eine kurzfristige Sicherung durch Bundes- und Friedhofsmittel vorgesehen sei. Jetzt ist die endgültige Zusage der notwendigen Mittel durch die Bundesrepublik Deutschland gekommen. Damit soll das Mausoleum so schnell wie möglich ein Schutzdach bekommen, um es endlich vor den witterungsbedingten Einflüssen zu bewahren und weitere Arbeiten vor Ort zu ermöglichen. Die Kosten für dieses "schwebende Schutzdach" mit extensiver Begrünung und die Sanierung des Innenraums werden mit 18 Millionen Euro angegeben. Das Geld kommt je zur Hälfte vom Bund und vom Hamburger Staat.

Fotos: Marianne Didié 2006

Donnerstag, 23. Juli 2026

Die Gräber der deutschen Romantik

Es gibt inzwischen Mengen von Büchern über Grabstätten berühmter Persönlichkeiten auf bestimmten historischen Friedhöfen. Demgegenüber ist die Zusammenstellung von Grabstätten von Schriftstellerinnen und Dichtern in Buchform eher selten. Christoph Palmer und Henning Kreitel legen mit ihrem Buch eine solche Zusammenstellung für die Zeit der Romantik vor; also für jene  literarische Epoche, die sich besonders intensiv dem Dunkel und den Nachtseiten des Lebens gewidmet hat. 

Am Anfang steht ein längerer Essay zum „Tod in der Romantik“ von Christoph Palmer. Dabei handelt es sich im Grunde um eine Auflistung und jeweils kurze Abhandlung der verschiedenen Aspekte des Todesgedankens. Vorgestellt werden – in dieser Reihenfolge – die Vorstellungen im Werk der Romantiker zum Thema der christlichen Auferstehungshoffnung, zum Tod als Weltflucht und als Teil des immerwährenden Naturkreislaufes, sowie als erotischer Wende- und Höhepunkt, zur unheimlichen Welt, zum Tod als Folge des idealisierten Leidens, zu Nihilismus und den Tod, sowie zum Suizid. 

Die Leser erhalten damit jeweils einen Überblick über die Themenvielfalt, die in der romantischen Literatur mit Sterben, Tod und Bestattung verbunden ist. In jedem Abschnitt werden die Dichter und Dichterinnen, Schriftsteller und Schriftstellerinnen zitiert, die dem jeweiligen Thema zuzurechnen sind. Da ich keine Spezialistin im Gebiet der Romantik bin, kann ich inhaltlich dazu nicht viel anmerken. 

(Irritiert hat mich allerdings die "Listenform" dieser Zusammenstellung. Das hat für mich die Frage aufgeworfen, ob hier KI die Recherche erleichtert oder sogar bestimmt hat. Die Nutzung von Künstlicher Intelligenz ist dabei ja solange nicht als "fragwürdig" einzuordnen, wie ein Autor sie als Erleichterung und Beschleunigung der Recherche genutzt hat. Allerdings erscheint mir die direkte Übernahme der Ergebnisse der Künstlichen Intelligenz ohne weitere Prüfung und Bearbeitung und ohne Hinweis auf die KI als Urheberin fragwürdig. Das aber nur als Anmerkung und keinesfalls als konkreter Vorwurf an den Autor. Wie gesagt: Ich kann das nicht wirklich beurteilen... )

Der zweite umfangreichere Teil besteht aus einer Zusammenstellung der stimmungsvollen Grabmalfotos von Henning Kreitel jeweils mit einem kurzen Lebenslauf der dort bestatteten Persönlichkeit und einem Auszug aus dessen oder deren Werk, der Bezug zum Thema Tod hat. Damit ermöglichen die Verfasser einen neuen Einblick in das Verhältnis dieser Epoche zum Tod und zeigen zugleich, dass unerwartet viele Erinnerungsstätten für diesen besonderen Personenkreis auf den deutschen Friedhöfen tatsächlich über die Jahrhunderte bewahrt worden sind, obwohl normalerweise die Gräber, wenn sich keine Angehörigen mehr darum kümmern, aufgehoben werden. Darüber, wo sich die Grabstätten finden und wer erwähnt wird, geben  ein Plan und ein Register der Grabstätten am Ende des Buches einen guten Überblick.

Christoph Palmer, Die Gräber der deutschen Romantik. Literarische Bilder mit Fotografien von Henning Kreitel. MitteldeutscherVerlag, 2026, Text-Bild-Band, 196 S., Farbabb. 24,00 Euro

Mittwoch, 22. Juli 2026

Virtuelles Kolloquium über Friedhöfe 2026: Call for Papers

Die Cemetery Research Group lädt ein, am "Virtual Colloquium on Cemeteries" teilzunehmen. Dieses Colloquium wird am 20. November 2026 vollständig online (über Zoom) stattfinden. Es wird von der englischen Cemetery Research Group veranstaltet. Thematisch soll es um Orte und Praktiken im Zusammenhang mit der Entsorgung der Toten gehen, einschließlich Bestattung, Einäscherung und anderer Bestattungsmethoden.

Dazu hat die Forschungsgruppe eine Call for Papers herausgegeben, mit dem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die in den Sozial- und Geisteswissenschaften arbeiten, sowie Doktoranden und Postdoktoranden eingeladen sind Beiträge einzureichen. Diese sollen möglichst theoretische Erkenntnisse mit empirischer Forschung zu dem vorgeschlagenen Thema kombinieren.

Jeder Präsentation wird ein 30-minütiger Slot zugewiesen, der etwa 20 Minuten für die Präsentation umfasst, gefolgt von Zeit für Fragen und Diskussionen. Die Veranstaltung ist offen für Mitwirkende aus der ganzen Welt, und die Panels werden für verschiedene Zeitzonen geplant. Alle Vorträge müssen in englischer Sprache gehalten werden.

Abstracts können über dieses Google-Formular bis zum 2. Oktober 2026 eingereicht werden.

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Dr. Julie Rugg unter julie.rugg@york.ac.uk.