Dienstag, 18. Juli 2017

Die Grabmalkunst von Karl Friedrich Schinkel

Buchcover: Rehberger, Schinkel
Mit diesem Buch hat Lena Rebakka Rehberger erstmals einen breit angelegten wissenschaftlichen Katalog der von Schinkel entworfenen Grabmäler vorgelegt, verbunden mit einer ausführlichen kunsthistorischen und gesellschaftspolitischen Einordnung dieser sepulkralen Werke. Dabei besticht ihr Werk als opulenter Bild- und Textband durch seine zahlreichen exzellenten Abbildungen, die teilweise in Farbe wiedergegeben sind.

In der Einleitung definiert Rehberger als die Entwurfszeichnungen Schinkels für Grabmale und Mausoleen sowie die davon ausgehenden ausgeführten Werke als ihren Untersuchungsgegenstand. Bis dato waren diese Kunstwerke noch nie als Konvolut behandelt worden. Deshalb nennt sie als Ziel, "durch Analyse und Deutung von Schinkels gesamter Grabmalkunst mit Bezugnahme auf die zeitgenössische Trauerbewältigung und den kulturpolitischen Hintergrund die spezifische Rolle" des Künstlers für die Entwicklung der Sepulkralkunst herauszuarbeiten.

Dabei vergisst Rehberger nicht den bisherigen Forschungsstand zu umreißen und ihre Quellen zu benennen, deren Fülle beeindruckend ist. Die Autorin hat sowohl die in Stein oder in Metall ausgeführten Grabmale und Mausoleen in ganz Deutschland und Polen ermittelt und persönlich besichtigt, wie bei der Zuordnung der Entwurfszeichnungen zu den ausgeführten Werken zahlreiche Archive und Museen zu Rate gezogen.

Sonntag, 2. Juli 2017

Audiowalk über den Alten Friedhof in Gießen

Webseite mit dem neuen Audiowalk für den Gießener Alten Friedhof
Vor wenigen Tagen haben Studierende der Fachjournalistik Geschichte ihren neuen Audiospaziergang „Erzählungen vom Tod – Begräbniskultur und Mentalität im Wandel der Zeit“ auf dem Alten Friedhof in Gießen vorgestellt.

Das Projekt ist im letzten Semester an der Justus Liebig Universität entstanden, geleitet von der Historikerin Dr. Eva Maria Gajek und dem Redakteur des Hessischen Rundfunks Kevin Arnold. Zusammengearbeitet haben die Studenten zudem mit einer Produktionsfirma und dem Garten- und Friedhofsamt der Stadt Gießen.

Der Audiowalk ist im Internet veröffentlicht und kann so auch mit Smartphone oder Tablet vor Ort abgerufen werden. In insgesamt zwölf Audios von bis zu sechs Minuten Länge erzählen die Studierenden Geschichten über bekannte Persönlichkeiten der Stadt, aber auch über die Baugeschichte und die Begräbniskultur auf dem Alten Friedhof. Erarbeitet wurden die Beiträge anhand von Dokumenten im Stadtarchiv Gießens, Interviews, zeitgenössischen Berichten und Literatur.

Mit eindrucksvollen Audios, in denen die Erzählstimmen mit unterschiedlichen Klangkulissen hinterlegt sind, werden Geschichte und Gegenwart an Ort und Stelle akustisch erfahrbar. Auch wenn mir beim Ansehen der neuen Internetseite auffiel, dass auf der Seite mit dem Friedhofsplan unter dem Punkt "Stationen des Audiowalks" nur sieben Audios zu erkennen und anzuklicken sind, und auch wenn ich anfangs verwirrt war, als ich beim Audio "Friedhofssymbolik" erst einmal etwas über die Figur des Thanatos hörte, aber auf dem Bild einen Engel sah - auf den im Audio später dann noch eingegangen wird, beglückwünsche ich die Studenten zu ihrer gelungenen Arbeit und wünsche mir solche Audiospaziergänge für mehr historische Friedhöfe!

Dienstag, 13. Juni 2017

Neue Ideen - Friedhofsführungen und Veranstaltungen 2017

Grabmal auf dem Ohlsdorfer Friedhof (Foto Leisner)
Ich versuche immer mal wieder aus dem Internet neue Ideen zu fischen und darauf hinzuweisen, welche interessanten Aktivitäten die Fördervereine für historische Friedhöfe anbieten. Manchmal kann man ja auch von anderen etwas lernen!

Besonders phantasievoll ist diesem Jahr zum Beispiel das Programm des Stahnsdorfer Südwestkirchhofes. Dort gibt es Anfang Juli dreimal einen Musikalischen Sommerabend mit dem Titel "Ich liebe meines Wesens Dunkelstunden" zu erleben, in dem in einer Symbiose aus Poesie, Tanz, Musik und Videoprojektionen versucht wird, dem Geheimnis von Leben und Tod nachzuspüren. Verbunden ist diese Veranstaltung mit Kurzführungen, Jazzmusik & Catering in der norwegischen Holzkapelle, sowie einer Bilderausstellung im Mausoleum Caspary.

Aufgefallen ist mir auch das Programm der Gesellschaft der Freunde und Förderer des Alten Friedhofes in Bonn e.V., die 2017 bei ihren Führungen ausgesuchte Themen anbieten, so gibt es dort zum Beispiel eine Führung zu Frauengräbern, zu Ruhestätten von Musikerinnen und Musikern, es werden Grabstätten als Spiegelbild geistiger Strömungen des 19. Jahrhunderts besucht, Portrait-Darstellungen besichtigt, die Denkmalpflege als neue kulturpolitische Aufgabe des 19. Jhs. an neugotischen Grabmalen erläutert oder die Geschichte der Bonner Universität an Hand von Professorengräbern vorgestellt. Besonders ungewöhnlich finde ich aber, dass es nicht nur regelmäßig Konzerte und Lesungen auf dem Friedhof gibt, sondern auch zu einer musikalischem Führung mit dem Bläserquintett Eigelstein Brass und Mitgliedern des Philharmonischen Chores der Stadt Bonn eingeladen wird. Auf diesem Rundgang gibt es Wissenswertes zu den verschiedenen Kunst- und Grabdenkmälern ebenso zu hören wie musikalische Beiträge.

Die weibliche Seite der Bestattungskultur ist auch anderswo Thema. Hier nurnoch ein Beispiel: Die Freunde der Zwölf-Apostel-Kirchhöfe in Berlin werden zu einer Führung mit dem Titel "Weibliche Symbole in der Begräbniskultur" eingeladen. Dazu heißt es im Informationsstext unter anderem: Im 19. Jahrhundert waren Grabgestaltungen mit Frauenskulpturen weit verbreitet. Warum war das so? Welches Frauenbild vermitteln sie? Und warum gibt es erotische Darstellungen auf Friedhöfen? Besucht werden auch Gräber von interessanten Frauenpersönlichkeiten. Und es wird an Frauen erinnert, deren Gräber verschwunden sind.

Auf demselben Friedhof werden auch "Pflanzenerlebnisführungen" angeboten, bei denen man auf dem Friedhof Pflanzen entdecken, sich über ihre Heilwirkung informieren und sie sogar gleich vor Ort verkosten kann, da viele essbar sind. Und es gibt sogar Führungen zum Thema Honig, da sich auf diesem Friedhof eine Imkerin um die Bienen kümmert.

Natürlich veranstaltet auch Dr. Anja Kretschmer wieder ihr Friedhofsgeflüster, das inzwischen auf immer mehr Friedhöfen stattfindet. Aber darauf habe ich hier ja schon öfter hingewiesen.


Freitag, 9. Juni 2017

Versunkene Seelen - Begräbnisplätze ertrunkener Seeleute im 19. Jahrhundert

Cover von Jürgen Hasse, Versunkene Seelen
Schon in meinem Post zu dem Buch "Das Mittelmeer und der Tod" habe ich auf den Beitrag von Jürgen Hasse über den Umgang mit Strandleichen im Mittelmeerraum hingewiesen. Dadurch bin ich auf sein Buch über den Umgang mit vom Meer angeschwemmten Toten aufmerksam geworden, das im letzten Jahr im Herder Verlag erschienen ist. Das Inhaltsverzeichnis und die Einleitung sind im Internet nachzulesen.

Hasse verortet seine Untersuchung theoretisch in der Phänomenologie. Das heißt, dass er für die Erkenntnisgewinnung unmittelbar von gegebenen Erscheinungen, also den Phänomenen, ausgegeht. Er setzt dabei auf das Konzept der "leiblichen Kommunikation" als eine grundlegende Form der menschlichen Wahrnehmung. Das Fernbleiben des Seemanns und sein immer wahrscheinlicher werdender Tod ist deshalb für ihn nicht ein "einfaches Beispiel für die Trauer; es steht vielmehr für die tragische Trauer".  In diesem Fall spende die Kunst in besonderer Weise Trost, "indem sie dem Gefühl der Trauer durch Innewerden zu Autorität und Geltung verhelfe" (S. 39). So gibt er denn auch schon in seiner Einleitung einen - sehr knappen - Überblick über "Schiffbruch und Seemannstod im Spiegel der Kunst" und erkennt in den Kunstwerken die "Ästhetische Veredelung des Grauen im Erhabenen" und die "Evozierung von Stimmungen".

Montag, 22. Mai 2017

140 Jahre Ohlsdorfer Friedhof

Im Förderverein Ohlsdorfer Friedhof e.V. haben wir das zweite Heft unserer vierteljährlichen Zeitschrift dem 140. Jubiläum der Friedhofseinweihung gewidmet.

Wir berichten nicht nur von der Friedhofsgeschichte und der gegenwärtigen Entwicklung (siehe auch meinen Tagungsbericht), sondern auch von den ersten beiden Friedhofsdirektoren, deren Tod einhundert bzw. siebzig Jahre zurück liegt, sowie von anderen Hamburger Persönlichkeiten, deren Todesdaten sich ebenfalls jähren.

Wie immer kann man das Heft im Druck vom Förderkreis beziehen und auch Internet lesen (der Förderkreis freut sich natürlich über Spenden!)

Sonntag, 21. Mai 2017

Friedhof der Unschuldigen - Ein "Friedhofsroman"

Cover von Miller, Friedhof
der Unschuldigen
Diesmal habe ich kein Sachbuch gelesen, sondern einen spannenden Roman, der im Paris des ausgehenden 18. Jahrhunderts spielt und die Räumung des Cimetière des Innocents zum Thema hat.  Der englische Autor Andrew Miller ist dazu durch die Lektüre von Philippe Ariès berühmter „Geschichte des Todes“ angeregt worden. Er beschreibt, wie der junge Ingenieur Jean-Baptiste Baratte beauftragt wird, den Friedhof und die angrenzende Kirche zu zerstören.

Der Roman ist spannend zu lesen und enthält dazu eine ganze Menge Information über die Ausräumung des überbelegten Friedhofs, der seine Umgebung verpestete und mit dem eine Welle von Friedhofs-Verlegungen in Frankreich begann, die auf ganz Europa übergriff.

Andrew Miller, Nikolaus Stingl (Übersetzer), Friedhof der Unschuldigen. Roman bzw. Hörbuch. Das Original erschien 2011 unter dem englischen Titel "Pure" (auf Französisch heißt er "Dernier Requiem pour les innocents")

Montag, 15. Mai 2017

Tagung: Öffentliche Leistungen und Funktionen aktiver Friedhöfe

Grabmal auf dem Ohlsdorfer Friedhof (Foto Leisner 2017)
Am Montag, 29. Mai 2017, veranstaltet der DBU eine Tagung, in der die Ergebnisse der von ihm geförderten interdisziplinären Forschungsarbeit zur Zukunftssicherung der Friedhöfe vorgestellt werden. Sie reichte über den Zeitraum von 2013 bis 2016 und weist nach, dass öffentliche Haushaltsmittel sinnvoll angelegt sind, weil die Zukunftssicherung der Friedhöfe von großem
öffentlichem Interesse ist. Mit der Tagung soll eine Diskussion zur Bedeutung aktiver Friedhöfe im urbanen Raum angeregt werden, die natürlich auch historische Friedhöfe betrifft. Darüber hinaus wird ein Pilotprojekt zur weiteren Validierung der Forschungsergebnisse vorgestellt, das ebenfalls fachlich diskutiert werden soll.

Das Programm der Tagung ist im Internet veröffentlicht. Der Tagungsort ist das DBU Zentrum für Umweltkommunikation gGmbH, An der Bornau 2, 49090 Osnabrück. Anmeldeschluss ist der 22. Mai 2017, online an unter: https://www.dbu.de/veranstaltungFriedhof oder per E-Mail an j.spanier(bei)dbu.de.

Freitag, 12. Mai 2017

Tagungsbericht: Ohlsdorf 2050 - Nachhaltige Friedhofsentwicklung


Vortrag von Prof. Dr. Gabriele Dolff-Bonekämper
Gartenarchitekten, Friedhofsverwalter, Gärtner, ebenso wie Historiker und Denkmalpfleger kamen auf dem Ohlsdorfer Friedhof, um sich über die Friedhofentwicklung und speziell die aktuellen Planungen für die Ohlsdorf zu informieren. Die international angelegte Tagung fand im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie "Ohlsdorf 2050" statt und war mit etwa hundert Teilnehmern sehr gut besucht. Gefördert wird die Zukunftsstrategie vom Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“. Modelle für eine angepasste und nachhaltige Friedhofspflege sollen dabei erarbeitet und eine dauerhafte Finanzierbarkeit gesichert werden. Außerdem besteht die Vorgabe wirtschaftliche und umweltrelevante Ziele sowie Denkmalpflege und kulturelle Anforderungen zusammenzuführen, so dass die Ergebnisse auf andere Friedhöfe übertragbar sind.

In den Begrüßungsansprachen wurde betont, dass es nicht nur um die Bewahrung von Grünflächen für die Zukunft und die Verstetigung des bürgerschaftlichen Engagements geht, sondern auch darum Konfliktpotentiale zwischen unterschiedlichen Nutzungsansprüchen zu erkennen. Dreh- und Angelpunkt ist dabei die Frage: Was sind Friedhöfe heute? Einige Antworten ergaben die anschließenden Vorträge, die in die vier Bereiche „Friedhöfe als kulturhistorische Orte“, „Zukünftige Friedhöfe“, „Erinnerung und Trauer verändern sich“ und „Aufbruch in Ohlsdorf“ gegliedert waren.

Freitag, 14. April 2017

OHLSDORF 2050 – NACHHALTIGE FRIEDHOFSENTWICKLUNG

Grabfeld aus den 50er Jahren auf dem Ohlsdorfer Friedhof
(Foto Leisner)
Ein kurzer Hinweis auf die Tagung "OHLSDORF 2050" im Forum Ohlsdorf am 27. und 28. April 2017. Die Anmeldefrist ist leider schon abgelaufen. Ich selbst werde dort sein und hier berichten.

Die Tagung mit internationalen Gästen gehört zur Entwicklung der "Nachhaltigkeitsstrategie Ohlsdorf 2050", die im Rahmen des Bundesprogramms „Nationale Projekte des Städtebaus“ gefördert wird. Dabei soll die Friedhofsentwicklung "auch mit einem Blick über die Grenzen Deutschlands" beleuchtet werden. Der aktuelle Stand der Strategie für den Ohlsdorfer Friedhof wird ebenfalls vorgestellt werden. Das Programm ist hier veröffentlicht.

Montag, 3. April 2017

Die Zukunft des Todes - Heterotopien des Lebensendes

Cover von
Benkel, Die Zukunft des Todes
Thorsten Benkel hat zusammen mit Matthias Meitzler inzwischen eine mehrere Bücher und eine Vielzahl von Beiträgen verfasst, in denen der Umgang mit dem Tod und besonders die Friedhöfe aus dem Blickwinkel soziologischer Forschung betrachtet werden. Über ihre Untersuchungen zum Wandel der Bestattungskultur berichten sie auf einer eigenen Website. Außerdem läuft seit noch nicht allzu langer Zeit am Lehrstuhl für Soziologie der Universität Passau ihr neues empirisches Forschungsprojekt mit dem Titel "Die Pluralisierung des Sepulkralen".

Für den von ihm herausgegebenen Sammelband zur Zukunft des Todes hat Thorsten Benkel eine Reihe von namhaften Persönlichkeiten um Beiträge gebeten (s. Inhaltsverzeichnis). Es geht ihm dabei, wie der Untertitel "Heterotopien des Lebensendes" deutlich macht um die Räume, in denen das Lebensende und das Abschiednehmen vor sich gehen. Im Rückgriff auf Foucault definiert er schon im Titel diese Räume als Heterotopien, grob übersetzbar als "Andersräume" oder (mit Wikipedia) als "Räume bzw. Orte und ihre ordnungssystematische Bedeutung" und das bedeutet zugleich Räume, die Normen, welche zu ihrer Zeit gelten, "nur zum Teil oder nicht vollständig umgesetzt haben oder die nach eigenen Regeln funktionieren".  

Donnerstag, 30. März 2017

Vor 25 Jahren wurde das Museum für Sepulkralkultur in Kassel eingeweiht

Ausstellungsbereich zum Tod in Mexiko
im Museum für Sepulkralkultur (Foto Leisner 2014)
Ist es wirklich schon 25 Jahre her? Oder sollte man besser fragen, gibt es das Museum wirklich erst seit so kurzer Zeit? Tatsächlich hatte der Tod lange keinen Stellenwert in der deutschen "Nachkriegswelt". Die Menschen hatten den Krieg erlebt. Sie hatten ihre Verwandten und Freunde verloren. Tod und Trauer wurden tabuisiert.

Der Gründungsvater des Museums aber, der damalige Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal Hans-Kurt Boehlke, setzte sich trotzdem beharrlich dafür ein ein Museum, das die Kultur des Todes bewahren und ausstellen sollte, in seiner Geburtsstadt Kassel einzurichten. Ihm war es 1960 gelungen den Sitz der Arbeitsgemeinschaft von Bonn nach Kassel zu verlegen. 1979 entstand dann parallel dazu ein neues Institut für Sepulkralkultur, aus dessen Arbeit und Sammeltätigkeit das Museum hervorging. Ein Ziel war es dabei den Besuchern die Berührungsängste mit dem Tod zu nehmen. Das scheint gelungen. Nachdem anfangs der Schwerpunkt auf der Ausstellung volkskundlich-thematischer Objekte lag, also Zeugnisse der Bestattungs- und Trauerkultur zu sehen waren, rückten nach der Jahrtausendwende der Tod und die Toten, ja das Sterben selbst weiter in den Focus. Mit aufsehenerregenden Ausstellungen wie z.B. "Noch mal Leben", in der die Fotografien von Walter Schels und die Texte von Beate Lakotta zu sehen waren, die Totgeweihte vor und nach ihrem Tod zeigen, kamen neue Besucherschichten in das Museum.

Jetzt wird geplant die Schausammlung komplett neu zu strukturieren. Und wenn das Museum endlich einen neuen Leiter hat, wird wahrscheinlich auch noch gefeiert!


Mittwoch, 29. März 2017

Kulturprogramm für die Zwölf-Apostel-Kirchhöfe in Berlin

Gerade habe ich eine Mail erhalten, die den Start des diesjähriges Kulturprogramm auf den Zwölf-Apostel-Kirchhöfen in Berlin mit zahlreichen Veranstaltungen ankündigt.

Leider finde ich im Netz kein Gesamtprogramm, aber ich möchte immerhin auf die erste Veranstaltung in diesem Jahr hinweisen. Mit dem Dokumentarfilm "PFARRERS KINDER- Punks, Politiker und Philosophen" von Angela Zumpe,wird die Reihe  „Kino in der Kapelle“ fortgesetzt und zwar am Freitag, den 7. April 2017, um 19 Uhr, Alter Zwölf-Apostel-Kirchhof, Kolonnenstraße 24-25, 10829 Berlin-Schöneberg. Die Regisseurin ist anwesend, der Eintritt frei. Für den Film wurde auch im Gemeindehaus von Zwölf Apostel gedreht. Nach dem Film gibt es die Möglichkeit zum Gespräch mit der Filmemacherin bei einem Glas Wein oder Saft.


Montag, 13. Februar 2017

Das Mittelmeer und der Tod

Titelseite von Das Mittelmeer und der Tod
In dem Band "Das Mittelmeer und der Tod. Mediterrane Mobilität und Sepulkralkultur" sind die Beiträge einer gleichnamigen Tagung im Jahr 2015 versammelt, in der ein interdisziplinärer Blick auf die sepulkrale Geschichte und Gegenwart des Mittelmeerraumes geworfen wurde.

Für das Thema "Historische Friedhöfe", dem dieses Blog gewidmet ist, sind allerdings nur wenige Beiträge relevant, da sich viele mit abgelegen archäologischen Einzelthemen befassen, wie man dem Inhaltsverzeichnis leicht entnehmen kann. Trotzdem sei hier auf einzelne Studien hingewiesen: So fasst Norbert Fischer in seinem einführenden Aufsatz seine Forschungen über den maritimen Tod und maritime Gedächtnislandschaften zusammen. Hans-Peter Laquer fragt nach den sozialen Aspekten, die die Wahl des Bestattungsortes in Istanbul hatte, und gibt dabei zugleich einen kenntnisreichen Überblick über die Friedhofsgeschichte dieser Weltstadt. Dieter Richter stellt an den in Italien angelegten „Cimiteri acattolici“ die Ausgrenzung Andersgläubiger im Sinne einer Schärfung der eigenen Identität dar, die sich historisch erst im Rahmen monotheistischer Religionen fassen lässt. Ihr ältestes Beispiel, der Friedhof für Protestanten in Rom, feiert übrigens gerade in diesem Jahr sein 300 jähriges Bestehen. Thorsten Kruse stellt dar, wie sich die zerrissenen politischen Verhältnisse auf Zypern nach der Teilung der Insel im Jahr 1974 im Umgang mit den Grabstätten der jeweils anderen Partei widerspiegeln. Jürgen Hasse berichtet über seine Forschungen über den Umgang mit Strandleichen im Mittelmeerraum, deren Bestattung kaum durch Quellen belegt ist. Dagegen wenden sich Nefeli Angeliki Bami und Reiner Sörries der Gegenwart zu und haben jeweils unter einer bestimmten Perspektive das Thema Migration in den Mittelpunkt ihrer Untersuchungen gestellt.

Damit sind die Beiträge zu historischen Friedhöfen benannt. Daneben enthält der umfangreiche Band natürlich noch eine Reihe von weiteren Beiträgen, die weit in die antiken Kulturen zurückreichen und sehr unterschiedliche Quellen untersuchen.

Insgesamt ergeben die unterschiedlichen thematischen Kombinationen und die interdisziplinäre Ausrichtung in diesem Tagungsband spannende Korrelationen bzw. Gegensätze zwischen einzelnen Aspekten und Herangehensweisen. Wie die Herausgeber anmerken, ist das Thema damit allerdings noch lange nicht abschließend behandelt, was bei der Fülle der zeitlichen, kulturellen und räumlichen Aspekte, die darin angerissen werden, auch nicht verwundert.

Alexander Berner, Jan-Marc Henke, Achim Lichtenberger, Bärbel Morstadt, Anne Riedel (Hg.)
Das Mittelmeer und der Tod. Mediterrane Mobilität und Sepulkralkultur. Verlag Wilhelm Fink, Paderborn 2016, 543 Seiten, zahlr. schw.-w. Abb.

Sonntag, 29. Januar 2017

Transmortality International: "Materiality and Spatiality of Death, Burial and Commemoration


In diesem Jahr findet zwar keine Transmortale in Kassel statt, dafür aber die "Transmortality International", die mit einem breiten Themenspektrum zur Materialität und Räumlichkeit von Tod, Bestattung und Erinnerung aufwartet, an dem auch deutsche Vortragende beteiligt sind. Das Programm und die Anmeldungsmöglichkeiten stehen im Flyer.

Flyer der Transmortality International




Dienstag, 17. Januar 2017

Bd. 5 "Großes Lexikon der Bestattungskultur" ist erschienen!


Bd. 5, Großes Lexikon der Bestattungskultur
Das Kasseler „Große Lexikon der Bestattungskultur“, herausgegeben vom Kasseler Zentralinstitut für Sepulkralkultur, ist jetzt um den Band 5 angewachsen. Allerdings steht der Band 4 noch aus. Das gerade herausgekommene Buch ist den Männern und Frauen – die Männer befinden sich auch hier einmal wieder eindeutig in der Mehrzahl – gewidmet, deren Wirken in den Bereichen der Sterbe-, Bestattungs-, Friedhofs-, Trauer- und Erinnerungskultur besonders bedeutsam war und ist. Es werden sowohl Persönlichkeiten der Gegenwart vorgestellt, die innovativ an der Entwicklung der Sepulkralkultur teil hatten und haben, wie historische Personen, die für die Geschichte der Bestattung bedeutsam waren.

Da ich selbst an diesem Buch mitgeschrieben habe, kann ich sagen, dass man darin eine Vielzahl von interessanten Charakteren kennen lernen kann. Gerade über die jüngste Vergangenheit mit ihren vielen neuen Ideen und Protagonisten kann man sich hervorragend informieren, besonders da das Stichwortverzeichnis am an Ende die unterschiedlichen Namen noch einmal unter verschiedenen Aspekten zusammenfasst. So kann man sich z.B. umfassend ebenso über die Friedhofsreformer im 20. Jh. wie über Extropianer der Gegenwart informieren. Extropianer sind übrigens Jünger von Thimothy Leary, der im letzten Jahrhundert durch seine Drogenexperimente auf sich aufmerksam machte. Er propagierte den Glauben an eine mögliche Lebensverlängerung bis zur Unsterblichkeit.

Querverweise auf die bisher erschienenen Bände 1-3 – sie decken die Bereiche Volkskunde und allgemeine Kulturgeschichte, Archäologie und Kunstgeschichte, sowie Gegenwart und Praxis ab – ermöglichen zudem einen breiten Zugang zu den unterschiedlichsten Themenbereichen. So ist mit dem neuen Band das groß angelegte Lexikon der Bestattungskultur noch umfassender geworden.

Zentralinstitut für Sepulkralkultur Kassel (Hg.), Großes Lexikon der Bestattungs- und Friedhofskultur. Wörterbuch zur Sepulkralkultur, Band 5: Biographien, bearbeitet von Reiner Sörries u.a., Fachhochschulverlag 2017, 265 S., zahlreiche schw.-w. Abb.  Preis: 44.00 €

Montag, 9. Januar 2017

"O Ewigkeit, du Donnerwort"

Unter diesem Titel lädt die Arbeitsgruppe Sächsische Gartengeschichte in Dresden zu seinem 10. Kolloquium im Jahr 2017 ein:


Programme und Kurzberichte der bisherigen Kolloquien sind hier veröffentlicht.