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Sonntag, 21. Juli 2024

Die Eiche - das neue Kolumbarium in Lübeck wurde eröffnet

Blick auf die Urnenwände in der „Gelben" und der
,,Roten Galerie". Foto: Jörg Schwarze (aus der Pressemappe "DIE EICHE")
Am 20. Juni dieses Jahres wurde das neue Kolumbarium DIE EICHE in Lübeck eröffnet, das eigentlich schon vor zwei Jahren fertiggestellt war und dann lange auf die Betriebserlaubnis warten musste. Ich habe es in diesem Blog schon damals vorgestellt. Jetzt konnten die Initiatoren Peggy Morenz und Michael Angern mit Freunden und Partnern die Eröffnung feiern. Redner waren Dr. Dirk Pörschmann, Direktor des Museums für Sepulkralkultur in Kassel, Dr. Barbara Happe, Kulturwissenschaftlerin aus Jena, und der Philosoph Christoph Quarch aus Fulda. 

Das denkmalgeschützte Gebäude am historischen Hansahafen wurde nachdem vor zehn Jahren die erste Idee aufgekommen war, nun seiner neuen Bestimmung übergeben. Dazu mussten umfangreiche Umbauten in dem historischen Speicher durchgeführt werden, der trotz der unterschiedlichsten Nutzungen im Laufe der Zeit sein historisches Flair nicht eingebüßt hat.

Vorläufer für diese Form der Kolumbarien ist unter anderem die – als erstes innerstädtisches Kolumbarium 2014 eingeweihte – katholische Grabeskirche St. Bartholomäus in Köln. Demgegenüber hat DIE EICHE ein überkonfessionelles Konzept mit einem, wie die Initiatoren betonen, neuen seelsorgerischen und kuratorischen Ansatz. Die Trägerschaft des innenstädtischen Friedhofs liegt bei der Heilsarmee. Die Einrichtung des Friedhofs erfolgte privatwirtschaftlich. In dem ehemaligen Speicher ist Platz für die Aschen von rund 3400 Verstorbenen. Allerdings wird dieser Platz, wie auf anderen Friedhöfen auch, mit einer zeitlich begrenzten Ruhefrist erworben. Im Grabpreis ist anders als sonst die Endbestattung nach Ablauf dieser Frist in Form einer Seebestattung oder einer Verstreuung in einem Eichenhain enthalten.

Im Haus sollen stets ehrenamtliche Trauerbegleiter der Heilsarmee als Ansprechpartner für trauernde Hinterbliebene präsent sein. Daneben sollen Konzerte und Lesungen sollen, wie es in dem Pressetext, aus dem hier zitiert wird, heißt „das Lebendige mit dem Kontemplativen verbinden“. Das Haus ist während der Besuchszeiten für jeden offen und könnte damit auch zu einer Begegnungsstätte werden. Mögliche zukünftige Gewinne aus seinem Betrieb sollen in eine noch zu gründende gemeinnützige Stiftung mit dem Zweck der Förderung sozialer Aufgaben und der Abschiedskultur fließen.  

Weitere Informationen gibt es unter www.die-eiche.de.        



Sonntag, 26. Juli 2020

Wunderkammern des Lebens - ein Kolumbarium für Lübeck

Front des ehemaligen Kornspeicher "Die Eiche"
Der ehemalige Kornspeicher "Die Eiche"
(Von Garitzko - Eigenes Werk,
CC BY-SA 3.0, Quelle)

Eigentlich befasse ich mich hier mit historischen Friedhöfen, aber diesmal geht es um einen neuen Bestattungsplatz, auch wenn er in einem historischen Gebäude entstehen soll.

Von Anfang an: In Lübeck entsteht in dem historischen Kornspeicher, den Henry Mann, der Vater des berühmten Thomas, 1873 hat erbauen lassen, ein Kolumbarium, das zugleich ein neuer Ort der Sepulkralkultur werden soll. Initiatoren sind die Unternehmer Peggy Morenz und Michael Angern. Sie haben im Vorfeld ein Symposium veranstaltet, dessen Beiträge jetzt in einem ästhetisch aufwendig gestalteten Band veröffentlicht worden sind.

Einleitend wird die Idee des neuen Kolumbariums vorgestellt, mit dem der Tod sozusagen wieder mitten in das Leben der Stadt hineingeholt werden soll. Ein Überblick sowohl über die Tradition der Kolumbarien, als auch über den historischen Wandel der Bestattungskultur bilden sozusagen das Fundament für die zukünftigen Strukturen des neuen Beisetzungs- und Erinnerungsortes "Die Eiche". Dort sollen Kunst und Kultur neben Trauer und Erinnerung eine wichtige Rolle spielen. So werden Werden und Vergehen als durchgängiges Thema in Literatur, Musik und Film ebenso thematisiert, wie die Möglichkeit, dass moderne Kunstwerke Anregungen für tröstliche Räume und Rituale geben können. Verschiedene "Stile" - anonym, naturreligiös und ästhetisch - werden als Alternativen zur klassischen Erdbestattung definiert, um dann zuletzt einen Einblick in die Idee der "Wunderkammern des Lebens" zu geben, mit denen Trauer und Erinnerung, Urnenbeisetzung und Gedenken an vergangenes Leben so Raum gegeben werden soll, dass Trauernde Trost finden können und zugleich unbeteiligte Besucher zum Nachdenken und Bedenken der eigenen Sterblichkeit angeregt werden. Die Beiträge stammen von den Initiatoren selbst, sowie Gerline Klie, Alina Kokoschka, Norbert Fischer, Antje Mickan und Thomas Klie.

Die gemeinnützige Stiftung und das Kolumbarium "DIE EICHE" sollen im Winter 2020/21 eröffnet werden.

Michael Angern / Thomas Klie (Hrsg.): Wunderkammern des Lebens. Das Kolumbarium DIE EICHE wird zum Erinnerungsort für eine neue Abschiedskultur. Lübeck: Edition Die Eiche, 2020, 96 S. zahlreiche Abb., 12 Euro 
Michael Angern und Peggy Morenz – Quelle: https://www.shz.de/27215357 ©2020
Michael Angern und Peggy Morenz – Quelle: https://www.shz.de/27215357 ©2020