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Samstag, 10. Oktober 2026

Ein neues Friedhofsmuseum in Tübingen

Grabmal für Friedrich Hölderin 
Im Frühjahr wurde auf dem Stadtfriedhof in Tübingen ein neues Museum feierlich eröffnet, das die Bestattungsschichte der Universitätsstadt zum Thema hat und ein Ableger des Stadtmuseums ist. Das Museum befindet sich im ehemaligen Haus des Friedhofsaufsehers direkt am Friedhofsrand. Der Stadtfriedhof ist seit 1829 der zentrale Begräbnisort Tübingens und ein Kulturdenkmal mit geschützter Parkanlage. 

Die Ausstellung des Museums beschäftigt sich anhand eines Friedhofsmodells mit der Geschichte der Anlage und stellt exemplarisch dort begrabene Persönlichkeiten vor. Unter ihnen sind zahlreiche Universitätsangehörige und so bekannte Dichter wie Friedrich Hölderlin (1770-1843) und Ludwig Uhland (1787-1862). Auch Schriftstellerinnen und Schriftsteller wie Ottilie Wildermuth (1817-1877), Hermann Kurz (1813-1873) und seine Tochter Isolde Kurz (1853-1944) sind hier bestattet worden. Daneben werden Formen der Trauerkultur vermittelt. Ein Rechercheraum widmet sich Menschen, die Opfer des nationalsozialistischen Regimes waren und zwischen 1933 und 1945 auf dem Gräberfeld X begraben wurden. Bis 1963 war dieses Gräberfeld der ein Bestattungsplatz des anatomischen Instituts der Universität und wurde in den 1980er Jahren in eine Gedenkstätte umgewandelt.

Das Museum Stadtfriedhof ist täglich während der Öffnungszeiten des Friedhofs zugänglich.Adresse und Kontakt: Stadtfriedhof-Museum, Gmelinstraße 20, 72076 Tübingen. Das Stadtfriedhof-Museum ist Teil des Stadtmuseums Tübingen: Telefon 07071 204-1711, E-Mail: stadtmuseum@tuebingen.de
https://www.stadtmuseum-tuebingen.de/dein-besuch/stadtfriedhof/


Donnerstag, 23. April 2026

Grün. Nah. Für immer da?! - Ausstellung über den Wandel der Friedhofskultur

In der Kreuzkirche in Dresden läuft seit dem 17. April 2026 die oben genannte Ausstellung zusammen mit einer Vortragsreihe. Hier der Flyer dazu: 



Sonntag, 2. November 2025

Echo des Unbekannten - Vom Umgang mit Tod und Vergänglichkeit

Cover des Ausstellungskataloges
 In der Kunsthalle "Talstraße" in Halle an der Saale findet bis zum 15. 2. 2026 eine Ausstellung zum Tod statt, die von zahlreichen Veranstaltungen begleitet wird. Dazu ist ein Katalog erschienen, den man per Video auf der Seite "Publikationen" des Kunstvereins durchblättern kann. 

Gezeigt werden Kunstwerke, die das Thema Tod vom Mittelalter bis in die Gegenwart in den Blick genommen haben. Darunter befinden sich zum Beispiel auch Frottagen - also Abreibungen von gravierten Bildern mit Ölwachs auf Papier -, die von mittelalterlichen Grabmalplatten in England gemacht worden sind, Graphiken von Albrecht Dürer, Plastiken des Bildhauers Ernst Barlach, aber auch Särge aus verschiedenen Zeiten, darunter ein plastisch als Turnschuh gestalteter Sarg aus Ghana, um nur einige der Kunstwerke zu nennen. 

Der Katalog versammelt Beiträge von ausgewiesenen Kennern der Materie, die das Thema aus ganz verschiedenen Blickwinkeln beleuchten. So geht es unter anderem um die Veränderungen der Gesellschaft, die auch den Umgang mit Sterben, Tod und Bestatten verändert haben. Dazu wird die Bestattungsgesetzgebung in Deutschland als Seismograph herangezogen und die Religion befragt, bevor es um einzelne Sonderthemen wie die mumifizierten (und gefährdeten) Toten in Palermo, Darstellungen des Todes in der internationalen Kunst, Trauerrituale und ihre Veränderung, die Ghanaische Bestattungskultur und zum Schluß um "Friedhof und Grabmal im bürgerlichen Zeitalter" geht. Biografien und eine Liste der ausgestellten Werke runden den Katalog ab, der die Objekte der Ausstellung mit zahlreichen Abbildungen wiedergibt. 

Insgesamt ist diese bunte Mischung besonders für Menschen zu empfehlen, die normalerweise eher selten mit dem Thema Tod und Vergänglichkeit zu tun haben. Die zahlreichen Werke und die inhaltlich ein breites Feld abdeckenden Beiträge regen zur Reflektion an; eine Reflektion, die vor Ort sicher durch die Begleitvorträge, Filmvorführungen und Ausstellungsführungen noch verstärkt wird. 

Echo des Unbekannten. Vom Umgang mit Tod und Vergänglichkeit, Katalog zur gleichnamigen Ausstellung,  hrg. von Matthias Rataiczyk, Kunstverein „Talstrasse“ e.V., 216 Seiten, zahlreiche Farbabbildungen, Halle Saale 2025,  35 Euro, Katalogbestellung

   

 

Samstag, 25. Januar 2025

Friedhofsausstellung und Vorträge in Dresden

 Hier ein kurzer Hinweis darauf, dass in Dresden in Kürze eine Ausstellung zum Thema Friedhöfe eröffnet wird https://www.zfbk.de/ und https://www.zfbk.de/programm/ausstellung-friedhof/:




Donnerstag, 10. Oktober 2024

Ausstellung in Zürich "TRAUERN. Wenn Raum und Zeit verloren gehen"

Das "Friedhof Forum" der Stadt Zürich bezeichnet sich als "Büro für die letzte Reise". Dort werden sowohl Informationen vermittelt, die helfen die ganz praktischen Fragen, die der Tod eines Zugehörigen aufwirft, zu beantworten. Zugleich werden dort auch "Ausflüge zu Momenten der Auseinandersetzung und Inspiration" angeboten. Dazu gehören auch Ausstellungen. So wird dort seit Mitte September am Eingang des Friedhofs Sihlfeld die Ausstellung "Trauern" gezeigt. 

Im Text auf der Website heißt es dazu, dass versucht wird zu "beschreiben, wie sich Trauer anfühlt – oder zumindest eine Ahnung davon zu vermitteln." Dazu wurden künstlerische Arbeiten aus den verschiedensten Kunstrichtungen ausgwählt, die sich jeweils auf eigene Weise mit dem Gefühl der Trauer auseinandersetzen. 

Anzusehen, zu begreifen, zu hören, wahrzunehmen sind Werke der Bildenden Kunst, eine Videoinstallation, Musik und die "Worte eines noch sehr jungen Menschen, die versuchen, die Ohnmacht dingfest zu machen" oder auch Objekte z.B. aus Keramik, die zum "Begreifen" auffordern. Weiter heißt es: ein "philosophischer Text, gemischt mit der brutalen Realität. Fotografie, die abzubilden versucht, was nicht da ist. Ein Garten, der entsteht und wächst, mal wild und bunt und dann wieder ruhend, um neue Kraft zu schöpfen." Es geht darum "zu sehen, zu ahnen und zu fühlen" und dabei neue Perspektiven einzunehmen.

Die Ausstellung läuft bis zum 10. Juli 2025 und ist Dienstag bis Donnerstag und Sonttag von 13.30 bis 17.30 Uhr geöffnet. Friedhof Forum – Museum über Leben und Tod,  Aemtlerstrasse 149, 8003 Zürich

Freitag, 3. Mai 2024

R.I.P. Die letzte Adresse - Tod und Bestattungskultur in Leipzig

Cover der Ausstellungsbroschüre
Im Stadtgeschichtlichen Museum in Leipzig findet zur Zeit - vom 20.3. bis 1.9.2024 - eine Sonderausstellung zu Tod und Bestattung in der eigenen Region statt. Dazu gibt es ein Begleitprogramm, bei dem neben Vorträgen, Musikdarbietungen zum Thema, auch Ausstellungs- und Friedhofsführungen angeboten werden.
 
Das Das Begleitbuch zu der Sonderausstellung geht auf die unterschiedlichen Aspekte der Bestattungskultur der Stadt näher ein. Doreen Zerbe, die sich schon in ihrer Dissertation mit den Denkmalen in der Stadtkirche Wittenberg als Zeugnisse lutherischer Memorialkultur befasst hat, zeichnet die Entwicklungsgeschichte der Leipziger Friedhöfe und der jeweiligen zeitgenössichen Bestattungskultur nach. Der folgene Beitrag geht auf die jüdischen Friedhöfe am Ort ein. Besonders interessant ist, dass die sozialistische Bestattungskultur in der Stadt in einem eigenen Kapitel thematisiert wird und ein weiteres speziell auf den Sozialistischen Ehrenhain auf dem Leipziger Südfriedhof eingeht. 

Die Themen „Menschen ohne Grabstein“, „Bestattung in einer globalisierten Welt“ und ein Interview mit einem Bestatter, sowie ein Hinweis auf die Paul-Benndorf-Gesellschaft zu Leipzig e.V., die sich der Erhaltung der Friedhofskultur verschrieben hat, runden das Buch ab. 

Zwischen den Beiträgen findet sich auf schwarzem Grund jeweils die Frage „Hätten Sie’s gewusst?“ und dazu werden kurze allgemeine Informationen zum Thema gegeben.    

Insgesamt ist es sehr zu begrüßen, dass gerade ein Stadtmuseum so ausführlich dieses besondere Thema bezogen auf die eigene Region untersucht und seinen Besuchern vorstellt. Ungewöhnlich ist dabei auch das Titelbild der Website, das ein Aquarell von Leipzigs erstem Bestattungsinstitut zeigt. 

                Screenshot der Ausstellungswebsite mit Aquarell des ersten Leipziger Beerdigungsinstitutes

 Allerdings würde ich die Aussage auf dieser Seite, dass heute der Tod weithin als größtes Tabuthema des modernen Menschen gilt, nicht unterschreiben.

R.I.P. – DIE LETZTE ADRESSE. Tod und Bestattungskultur in Leipzig. Begleitbuch zur gleichnamigen Sonderausstellung. Herausgegeben von Ulrike Dura, Anselm Hartinger, Steffen Poser im Auftrag der Stadt Leipzig. 2024 Leipzig, 119 Seiten, zahlr. Abb.

Freitag, 29. September 2023

"Zwischen:Welten"- Kunstausstellung auf dem evangelischen Friedhof Regensburg

Screenshot von der Webseite des ev. Zentralfriedhofs zur Kunstausstellung
Seit dem 11. Mai und noch bis zum 5. November 2023 ist auf dem evangelischen Zentralfriedhof in Regensburg die Kunstausstellung "Zwischen:Welten" von Martin Rosner zu erleben. 

Sie ist ein Teil der Veranstaltungen anlässlich des 125-jährigen Bestehens dieses Friedhofs. Allerdings konnte ich über weitere Veranstaltungen im Internet nur finden, dass es am 27.9.2023 einen Festakt zum Jubiläum und zur Einweihung des Gedenkortes für Sternenkinder auf dem Friedhof und dass eine Broschüre mit ausführlichen Informationen von Frau Bettina Bauer-Spandl mit dem Titel "Der Evangelische Zenralfriedhof in Regensburg" erschienen ist, die sowohl im Kirchengemeindeamt, als auch auf dem Friedhof selbst ausliegt.

Für seine Kunstausstellung hat der Regensburger Künstler über längere Zeit und in verschiedenen Jahreszeiten die Besonderheit dieses Friedhofs fotografisch erkundet. Dabei geht es ihm vor allem um Details, "die man oft übersieht und die mittels fotografischer Abstraktion sichtbar gemacht, verfremdet und in einen neuen Kontext gerückt werden." (aus dem Text der ELKB) Seine Werke sind in Schwarz-Weiß auf Acrylglasplatten gedruckt an zehn ausgewählten Orten auf dem Friedhof ausgestellt und treten dort in einen Dialog mit ihrer Umgebung. Dazu gibt es einen Lageplan der Fotos und einen Überblick über die Bilder.

Montag, 22. August 2022

Zu guter Letzt - eine Ausstellung zum (Weiter) Leben

Auf manche Friedhofsereignisse werde ich leider erst spät aufmerksam. Aber es ist noch nicht ganz zu spät, auf das diesjährige Jubiläum des Städtischen Friedhofs in Görlitz hinzuweisen, der vor 175 Jahren eröffnet wurde. Der Veranstaltungsplan des Jubiläumsjahres ist hier zu finden. 

Ein Höhepunkt hat gerade am letzten Wochenende stattgefunden: Die Ausstellung "Zu guter Letzt" wurde in der Alten Feierhalle des Friedhofs eröffnet. Kuratiert von Matthias Wenzel wird die Sammlung Jordan gezeigt, die mit Hilfe von Sponsoren angekauft werden konnte. In ihr spiegelt sich das Trauergedenken im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert wider. Ausgestellt sind unter Titeln wie "Zimmerdenkmale", "Dich riefen Gottes Engel", "Mir war der Heldentod beschieden" und "Lebensläufe an der Wand" Bilder, die mit Tod und Erinnerung zu tun haben, darunter befindet sich z.B. die Darstellung der Lebensalter von der Geburt bis zum Tod, aber auch gerahmte Kästen mit Bildern, die aus den Haaren Verstorbener oder aus Eufeuranken gefertigt sind, sowie Haarschmuck und andere Objekte. Die Ausstellung wird zukünftig öffentlich zugänglich sein, Termine werden auf der Website des Friedhofes veröffentlicht.



Auf eine besonderen Veranstaltung, die noch bevorsteht, kann hier immerhin noch verwiesen werden: Am Wochenende 3./4. September wird der Friedhof - in Erinnerung an den Kriegsbeginn am 1. September 1939 und mit dem aktuellen Bezug zu dem Krieg in der Ukraine - den Frieden in den Mittelpunkt stellen. Dann ist das Literaturtheater Dresden mit seiner szenischen Lesung „... und werde Dich immer lieben! Dein Stjopa“ auf dem Friedhof zu Gast, in der anhand von Briefen von der Front, an den deutschen Überfall der Sowjetunion und den darauf folgenden schrecklichen Krieg erinnert wird. In ihnen spiegeln sich Sehnsüchte, Hoffnungen und Ängste der Schreibenden, die oft nicht aus dem Krieg heimkehrten, ebenso wie ihr Wunsch nach dem Ende des Krieges und einem Leben in Frieden.