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Samstag, 27. April 2019

Friedhofsgeflüster

Buchcover Garamond Verlag
Endlich komme ich dazu, etwas über das neue Buch "Friedhofsgeflüster. Von Totenkronen, Wiedergängern und der Angst vor dem Scheintod" von Dr. Anja Kretschmer zu schreiben, das im März auf der Leipziger Buchmesse vorgestellt worden ist. Ich habe diesem Blog ja schon öfter mal auf die Führungen hingewiesen, die die Autorin als "Schwarze Witwe" - inzwischen deutschlandweit - auf Friedhöfen veranstaltet. Jetzt hat sie ihr über die Jahre immer mehr vertieftes Wissen zum sepulkralen Brauchtum und dem zugehörigen (Aber-)Glauben zu einem Buch zusammengefasst.

Und sie hat eine Menge zu erzählen: Da geht es um Todesvorzeichen, ebenso wie um das schwere Sterben; um die Totenfrauen und Leichenbitter und das Herrichten der Verstorbenen; die Totenwache, bei dem Nachbarn und Angehörige sich nicht immer nur pietätvoll verhalten haben; die Beisetzung und den anschließenden Leichenschmaus; die unruhigen Toten in ihren unterschiedlichen Erscheinungen; das Trauerkleid, das besonders für die Witwen ein Muss war; den Kindertod; die Angst lebendig begraben zu werden und zum Schluss einen Ausblick auf die "Aufhocker", Geister, die sich unbemerkt an Grenzen auf die Schulter setzen können. Abgerundet wird das Thema durch den Abdruck jeweils passender Sagen und Märchen.

Durchmischt sind die Geschichten mit eigenen Erfahrungen der Autorin, die sich - auf den ersten Blick etwas irritierend, dann aber durchaus logisch - in blauer Farbe von den in schwarz gedruckten historischen Texten unterscheiden. Erfrischend und persönlich berichtet Anja Kretschmer darin davon, wie sie selbst ein Relikt der Glaubensvorstellungen, nämlich einen Schwamm, mit dem einstmals ein Toter gewaschen wurde, in einer Gruft entdeckt hat; wie wichtig es für sie war trotz ihrer Angst persönlich von einer verstorbenen Verwandten Abschied zu nehmen; von ihren Erfahrungen als Trauer-Rednerin und ihrer Arbeit in einem Bestattungsinstitut. Besonders berührend ist zu lesen, was die Autorin in diesem Zusammenhang über den Abschied von einem toten Kind schreibt. Offenbar liegen ihr auch die Totenkronen, die man verstorbenen Kindern aufgesetzt oder auf den Sarg gestellt hat, besonders am Herzen, denn es gibt am Ende des Buches eine Lister jener Orte, an denen diese Relikte einer vergangenen Kultur noch aufbewahrt werden.

Wissenschaftlich korrekt gibt die Autorin jeweils genau die Quellen an, aus denen sie die unterschiedlichen Formen des sepulkralen Brauchtum zusammengetragen hat. Natürlich stammen viele Angaben aus dem berühmten Handbuch des Aberglaubens, aber Anja Kretschmer hat auch regionale volkskundliche Untersuchungen und andere Quellen herangezogen. Neben dem Anmerkungsverzeichnis rundet ein Literaturnachweis die Arbeit ab. Mit diesem Buch gibt die Autorin - erstmals - einen gut lesbaren und reichhaltigen Überblick über die volkstümlichen Vorstellungen zu Sterben, Tod, Bestattung und Trauer.

Dankenswerter Weise bezieht dabei ein, dass Leser und Leserinnen eines solchen Buches zugleich auch mit ihren eigenen Erfahrungen zu diesem Thema konfrontiert werden und gibt immer wieder einmal Hinweise zu einem hilfreichen Umgang mit dem Abschiednehmen. Deshalb scheint mir dieses Buch - ebenso wie die Führungen der "Schwarzen Witwe" - als ein Einstieg in das schwierige und im persönlichen Bereich immer noch weitgehend tabuisierte Thema, das um das eigene Sterben und den Tod naher Angehöriger kreist, besonders geeignet.

Anja Kretschmer, Friedhofsgeflüster. Von Totenkronen, Wiedergängern und der Angst vor dem Scheintod. Garamond Der Wissenschaftsverlag. Reihe Post mortem, Bd. 1, Gera/Jena 2019, 152 Seiten, zahlr. Abb.

(P.S.: Eine kleine persönliche Anmerkung am Rande zu den Totenkronen: Schon auf dem Grabmal für Heinrich und Elisabeth von Nassau, gest. 1394, in der Elisabethkirche in Marburg sind die beiden verstorbenen Kinder mit Kränzen bekrönt. s. Barbara Leisner, Grabmale für Kinder. In: Grabkultur in Deutschland, S. 323) 

Freitag, 6. September 2013

Neue Veranstaltungen mit Anja Kretschmer im September und Oktober

Anja Kretschmer ist hier ja schon durch ihre Doktorarbeit (Ja, ich arbeite mich gerade durch das dicke Buch hindurch und werde es demnächst hier noch einmal etwas ausführlicher besprechen) und ihre diversen Aktivitäten für Friedhöfe in Mecklenburg-Vorpommern bekannt. (Einfach ihren Namen ins Suchfeld des Blogs eingeben, dann werden acht Posts aufgelistet.) Gerade weist sie mich auf eine Reihe neuer Veranstaltungen für diesen Herbst hin:

Am 13.9.2013 wird es in Greifswald anlässlich der Kulturnacht stündliche Führungen unter dem Motto "Friedhofsgeflüster" auf dem Alten Friedhof geben. Sie finden von 20.30 und 23.30 Uhr  und kosten 1,- Euro.

Einen Tag später, am 14.9.2013, führt Frau Kretschmer morgens um 10 Uhr zu den Grabkapellen und Mausoleen auf dem St. Jürgen Friedhof in Stralsund. Anlass ist der Tag des Friedhofs. Wieviel die Führung kostet, habe ich nicht erfahren und schätze darum mal, dass wahrscheinlich Spenden gern genommen werden. 
Greifswald, Dom St. Nikolai 
(Foto Kretschmer)

Eine Woche darauf gibt am 21.9.2013 abends um 19 Uhr "Friedhofsgeflüster" auf dem Neuen Friedhof Rostock. In dieser abendlichen Führung wird der Umgang unserer Vorfahren mit den Themen Sterben, Tod und Trauer im Mittelpunkt stehen.

Eine besondere Veranstaltung ist die Netzwerkveranstaltung am 19.10. von 10-16 Uhr. Dabei lädt das Netzwerk Bau & Forschung zur Exkursion ein. "Mit einer 1-tägigen Exkursion nach Greifwald möchten wir Ihnen die Gelegenheit geben, mit einer Expertin in Sachen Sepulkralkultur und -architektur einen Blick zu werfen in die Zeit nach dem Tod. Eine Zeit, die für die Menschen früher ein noch viel größeres Mysterium war als für uns heute.", schreibt das Netzwerk dazu und fährt fort: Dr. Anja Kretschmer, die sich bereits in ihrer Doktorarbeit intensiv mit diesem Thema auseinander setzte, hat ein interessantes Programm zusammen gestellt und wird Sie an diesem Tag durch den Dom und zu den Friedhöfen und Grablegen führen."

Donnerstag, 13. November 2014

Friedhofsgeflüster auf dem Rostocker Friedhof

Jeden Monat bei Vollmond hat Anja Kretschner, deren Dissertation über die Mausoleen in Norddeutschland hier schon besprochen wurde, in diesem Jahr zu einer besonderen Friedhofsführung eingeladem, dem  "Friedhofsgeflüster". Beim letzten Vollmond vor einigen Tagen ging sie im Dunkeln mit ihren Besuchern zu verschiedenen historischen Gräbern auf dem Neuen Rostocker Friedhof und erzählte von den verstorbenen Persönlichkeiten, ebenso wie von Aberglauben und Bräuchen, die in Verbindung mit Tod und Bestattung stehen. Der Andrang war groß: Es kamen über hundert Besucher, die sich einmal so richtig gruseln wollten!

Dabei ist für Anja Kretschmer der Friedhof auch im Dunkeln einer der sichersten Orte in der ganzen Stadt, wie sie in dem Film sagt, den das Regionalfernsehen von dieser Führung gedreht hat. Durch ihn bekommt man einen schönen Eindruck von dieser besonderen Führung mit Kerzenschein und Taschenlampen. (Achtung der Link ist wahrscheinlich in den nächsten sieben Tagen aufzurufen, da die Fernsehanstalten ihre Filme nicht dauerhaft ins Netz stellen!)


Donnerstag, 26. Mai 2016

Friedhofsführungen

Engel auf dem Ohlsdorfer Friedhof während
der Rhododendronblüte (Foto Leisner)
Die schöne Jahreszeit ist endlich gekommen und damit die Zeit der Friedhofsführungen. Förderkreise und Friedhofsvereine bieten wie jedes Jahr Rundgänge über "ihren" Friedhof an. Zu finden sind die Themen und Daten auf den jeweiligen Websites der Vereine. Sie alle hier aufzulisten ist mir zu zeitraubend. Aber hier folgen ein paar Beispiele:

Eines ist das Friedhofsmuseum Berlin e.V., das im Juni zwei Führungen über den Alten Friedhofs St. Marien und St. Nikolai zu so unterschiedlichen Themen wie dem "
Mikrokosmos des Berliner Bürgertums im 19. Jahrhundert“ und zu der Ausstellung auf dem Friedhof „Lumen-Amen: Transformationen des Lichts” im Programm haben. Das Programm enthält außerdem weitere kulturelle und praktische Veranstaltungen wie die Aktion "(Kultur-) Gärtner" auf dem Alten Friedhof St. Marien – St. Nikolai, zu der jeder kommen kann, der Harke, Handschuhe und Lust am Gärtnern dabei hat. Das ganze Programm für 2016 findet man hier.

Als ein weiteres Beispiel soll der Freundeskreis Trinitatis- und Johannisfriedhof Dresden genannt sein, der morgen abend zu einer Führung mit dem Titel "Friedhofsgemunkel" einlädt. Das Gemunkel findet in der Dämmerung bei Fackelschein statt.
Facebookseite mit den Terminen von "Friedhofsgeflüster"

Auch soll hier einmal wieder auf Dr. Anja Kretschmer hingewiesen sein, die in Eigenregie mit ihrem "Friedhofsgeflüster" im Norden Deutschlands seit 2013 diese neue Form von Friedhofsführungen entwickelt hat und auf immer mehr Friedhöfen dazu einlädt. Zu ihnen gehören inzwischen auch der Ohlsdorfer Friedof in Hamburf und der Südfriedhof in Kiel. Als  "schwarze Witwe" erzählt Anja Kretschmer von den Bräuchen und Vorstellungen vergangener Zeiten und lädt dazu nicht nur am Tage, sondern auch im Dunkel der Nacht ein. Sie führt übrigens schon seit einer Reihe von Jahren während des großen Wave-Gotik-Treffens zu Pfingsten in Leipzig die schwarzgekleideten Besucher über den Südfriedhof und kiam damit auch in den Medien gut an. 

Montag, 2. März 2015

Friedhofsgeflüster 2015

Anja Kretschmer hat die Frühjahrstermine ihrer sehr speziellen Friedhofsführungen mit dem schönen Titel "Friedhofsgeflüster" fveröffentlicht. Sie finden im März, April und Mai auf Friedhöfen in Rostock, Stralsund, Wismar, Görlitz und Leipzig statt. Die Termine findet man hier!

Und ich füge noch ein Bild vom Leipziger Südfriedhof bei, um diesen Post etwas zu verschönern:
Ausschnitt vom Grabmal Familie Najork (Bildhauer Christian Behrens) auf dem Leipziger Südfriedhof
(Foto Leisner 2011)


Dienstag, 24. April 2018

Tod und Tourismus - Schwerpunkt der neuen Ausgabe von "Friedhof und Denkmal"

Die neueste Ausgabe der Zeitschrift der Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal in Kassel widmet sich dem Tourismus im Zusammenhang mit Tod und Friedhof.

Ich sitze in der Redaktion und verantworte in dieser Ausgabe sowohl das Editorial wie den ersten Beitrag "Friedhöfe als touristische Attraktionen und die Route der Europäischen Friedhofskultur", das heißt, ich mache hier auch Eigenwerbung.

Das hat sein Gründe. Es geht dabei nicht so sehr um meinen Beitrag, der die Überarbeitung des Vortrages ist, den ich nicht auf der Tagung in Irsee halten konnte.  Danach folgt eine ganze Reihe von interessanten Aspekten zum "Thana-Tourismus": Andreas Ströbl und Oskar Terč berichten über den Besuch von Grüften in Deutschland und in Wien; Stephan Hadraschek stellt das Seminar "Mythos Friedhof" der "Berliner Unterwelten e.V." vor und Anja Kretschmer berichtet über ihr "Friedhofsgeflüster", das im Lauf der letzten Jahre immer populärer geworden ist. Auch in Kassel selbst wird aktiv daran gearbeitet, das Interesse für historische Friedhöfe zu verstärken. Schon seit längerer Zeit gibt es dort die beliebten Seminare für Friedhofsführer, über die Gerold Eppler schreibt, während Ulrike Neurath, wie Eppler Mitarbeiterin des Kasseler Museums, den Aspekt der "Trauerreisen - Zwischen Verlustschmerz und Fernweh" behandelt.

Insgesamt ist damit meiner unmaßgeblichen Meinung nach ein ganz besonderes Heft dieser Zeitschrift entstanden, das ich allen jenen besonders empfehlen möchte, die sich mit der Erhaltung und Pflege historischer Friedhöfe und der Frage auseinandersetzen, wie man diesem Kulturgut in der Öffentlichkeit zu stärkerem Gewicht verhelfen kann.

Samstag, 26. Mai 2018

Ein Jubiläum und die Frage nach der Zukunft unserer Friedhöfe - Veranstaltungen in Kassel

Die Stadt Kassel und das Sepulkralmuseum laden zu einer Abendveranstaltung ein, die man sicher auch im Rahmen des 175-jährigen Jubiläums des Kasseler Hauptfriedhofs sehen kann, das am 10. Juni 2018 mit einem „Tag der offenen Tür“ begangen wird.  Hier das Programm:
Samstag, 09. Juni 2018, um 21:00 Uhr, Erlebnisführung „Friedhofsgeflüster“ mit Dr. Anja Kretschmer. Treffpunkt: Hauptfriedhof – Eingang Halitplatz, gegenüber Scheidemannhaus.

Sonntag, 10. Juni 2018, um 10:00 Uhr, Gottesdienst „Laudatio si – Sei gepriesen“ in der Auferstehungskirche Mombachstraße.

Am Sonntag, 10. Juni 2018, gibt es folgende Themenführungen:

9:00 Uhr          “Vogelkundlicher Spaziergang“ mit Herrn Teubert      Treffpunkt: Eingang Halitplatz

11:00 Uhr bis 15:00 Uhr stündliche Führungen im Krematorium    Treffpunkt: Eingang Krematorium

Führungen mit Treffpunkt am Brunnen auf der Wiese hinter der Trauerhalle:
13:00 Uhr        „Brüder Grimm – auch auf dem Hauptfriedhof“ mit Herrn Gerner
14:00 Uhr        „Ein Engel steht Dir zur Seite“ mit Frau Kuhle
14:30 Uhr        „Dendrologische Führung – Bäume und Sträucher“ mit Herrn Ebert
15:00 Uhr        „Sechs Frauen – sechs Ehrengräber“ mit Frau Dr. Wolff und Frau Kuhle
15:30 Uhr        „Pflegelose Grabarten“ mit Herrn Rehs oder Herrn Werner

Dazu gibt ein Kinderprogramm (Tontöpfe bemalen und mit Kressesamen bepflanzen; 11:00 Uhr  Kurzfilm „Lukas und Oma nehmen Abschied“ mit Frau Geipel

Außerdem Musikalische Höhepunkte:
14:00 Uhr Orgelmusik in der Trauerhalle mit Herrn Heger-Schöfthaler
15:00 Uhr Ensemble „Scharfes Blech“ mit bunten Melodiereigen (Mausoleum Hauptfriedhof)

Ab 11:00 Uhr können Sie die Grüfte im Mausoleum zu besichtigen.

Fahrten mit der Pferdekutsche über den Friedhof mit Infos zu Grabarten und Gräbern.

Würstchen und Kaffee, Kuchen und Waffeln.

Veranstaltungsort: Hauptfriedhof – Tannenheckerweg 6 / Karolinenstraße – 34127 Kassel – Wiese hinter der Trauerhalle

Sonntag, 15. März 2020

Absagen wegen der Corona-Pandemie

Protestantischer Friedhof, Rom (Foto Leisner)
Überall werden jetzt Versammlungsorte geschlossen. Die Sorge wegen der hohen Ansteckungsgefahr mit dem neuen Virus macht natürlich auch vor Veranstaltungen für Friedhofsfreunde nicht halt, obwohl diese ja ganz bestimmt mehr über den Tod nachdenken als viele andere Zeitgenossen.

Deshalb hier die Mitteilung, dass der Workshop am 20.-21.03.2020 in der Universität Rostock nicht stattfinden wird und dass auch die transmortale 10 zum selben Datum in Kassel abgesagt werden soll.

Sehr wahrscheinlich werden auch geplante Friedhofsführungen, wie z.B. das Friedhofsgeflüster in der nächsten Zeit nicht stattfinden. Wer also daran teilnehmen wollte, sollte sich vorher bei dem/der Veranstalter/in erkundigen. 

Update: 16.03.2020 Jetzt ist auch das Kasseler Sepulkralmuseum und das Friedhofsmuseum in Ohlsdorf geschlossen so wie alle Museen.

Dienstag, 14. September 2021

Tag des Friedhofs 2021

Veranstaltungen zum Tag des Friedhofs auf dem Alten-Zwölf-Apostelfriedhof in Berlin
Der Tag des Friedhofs wird in diesem Jahr wieder in vielen Städten unter dem Motto "Natürlich erinnern" am 19. November stattfinden.

Interessant finde ich die Aktion in Berlin, wo sich ein Arbeitskreis zusammengefunden hat, der mit seinen Ideen regelmäßig die Vorbereitung  begleitet. So wurde in diesem Jahr 2021 unter der Idee „Mein Kiez. Mein Friedhof.“ ein dezentrales Konzept entwickelt, an dem sich verschiedene Berliner Friedhöfe beteiligen. Alle Veranstaltungen finden sich auf der Webseite dieser Initiative: Es gibt Rundgänge, Installationen, eine Ausstellung von Friedhofsfotos und Informationen zur Stadtnatur. 

Im Rahmen dieses Tages findet auch die 140-Jahr-Feier des Zentralfriedhofes Friedrichsfelde stattt, die mit einem musikalischen Rahmenprogramm beginnt, gefolgt von Festreden u.a. von Herr Prof. Hofmann – Förderverein Gedenkstätte der deutschen Arbeiterbewegung Friedrichsfelde e.V. -, der Interessantes und Überraschendes zur Geschichte des Zentralfriedhofs vortragen wird. Es gibt Getränke und kleine Snacks und die Möglichkeit das Entwicklungskonzept für die Freiflächen Zentralfriedhof Friedrichsfelde 2030 kennenzulernen, welches erstmalig der Öffentlichkeit vorgestellt wird.

Auf dem Friedhof St. Pius & St. Hedwig findet eine Spezialausgabe des wöchentlichen Cafés mit dem Namen „Friedhofsgeflüster“ statt, wo neben den üblichen Kaffee-Gesprächen die Theatergruppe „grenzenlos barrierefrei“ Szenen aus dem Märchen „das Kalte Herz“ spielen wird und und Akteure von SchreibART e.V. eigene, literarische Werke vorlesen.

Was mich darauf bringt nachzuschauen, was die Erfinderin des "Friedhofsgeflüsters" Dr. Anja Kretschmer zu diesem Tag anbietet. Tatsächlich ist sie wieder mit ihren besonderen Führungen auf historischen Friedhöfen unterwegs, aber nicht zum Tag des Friedhofs! 

Den Tag des Friedhofs nutzt auch die "Initiative Raum für Trauer" um mit einer Pressemitteilung auf die existentiellen Bedürfnisse von Trauernden hinzuweisen, die bei der Wahl des Beisetzungsortes stärker Beachtung finden sollten. Sie machen damit darauf aufmerksam, dass zur Trauerbewältigung hilfreiche Rituale oft mit Regelungen an anonymen oder halbanonymen Beisetzungsorten ohne Grabpflege kollidieren - zum Beispiel auch bei Urnenreihengräbern oder bei Baumbeisetzungen. Und schicken dieses schöne und aussagekräftige Foto dazu mit: 

Urnenreihengrab auf dem Neustädter Friedhof in Magdeburg. Foto: Raum für Trauer/Günter Czasny. Kassel / Süßen.

Dazu heißt es in der Pressemitteilung, dass der eigentlich wichtigste gesellschaftliche Nutzen des Friedhofes im Zusammenhang mit der Diskussion über Artenvielfalt und urbanes Mikroklima auch diskutiert und besonders hervorgehoben werden muss: nämlich die grundlegenden psychologischen und wirkungsspezifischen Aspekte und Funktionen von Beisetzungsorten, deren Wert in der Regel erst in der Trauerphase - und damit oft viel zu spät - erkannt werde.

„Für eine gelingende Bewältigung ist der aktive Umgang mit Trauer von zentraler Bedeutung. Die Möglichkeiten dazu am Beisetzungsort sind neu zu betrachten und zu bewerten: Trauerhandlungen müssen unseren Erkenntnissen zufolge auch direkt am Trauer- und Beisetzungsort möglich sein – und das ist nicht überall gegeben“, so Dr. Dirk Pörschmann, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal e.V. und ideeller Träger der Initiative „Raum für Trauer“.

"Friedhöfe bieten hierfür zweifellos die besten Voraussetzungen, auch wenn sie sich darin wieder stärker als Orte für die Hinterbliebenen verstehen sollten“ ergänzt Günter Czasny, Initiator dieser Initiative. „Der optimale Friedhof ist ein Raum für die Lebenden, der ihnen, ohne Verpflichtungen aufzuerlegen, die Möglichkeit gibt, ihrer Trauer so Ausdruck zu verleihen, wie es ihnen gut tut – ein achtsamer Raum, der auch in anderen Lebenskrisen heilsame Wirkung haben kann.“ Wer mehr dazu erfahren möchte, sei auf die Website der Initiative hingewiesen. 

Es gibt noch viel mehr Aktionen zum Tag des Friedhofs in diesem Jahr. Einige Beispiele finden sich auf der Website des Bundes der Friedhofsgärtner (es gibt auch eine Seite mit dem Namen "Tag des Friedhofs.de", doch sie wird  vom Browser als unsicher eingestuft undnicht geöffnet).

Dienstag, 13. Juni 2017

Neue Ideen - Friedhofsführungen und Veranstaltungen 2017

Grabmal auf dem Ohlsdorfer Friedhof (Foto Leisner)
Ich versuche immer mal wieder aus dem Internet neue Ideen zu fischen und darauf hinzuweisen, welche interessanten Aktivitäten die Fördervereine für historische Friedhöfe anbieten. Manchmal kann man ja auch von anderen etwas lernen!

Besonders phantasievoll ist diesem Jahr zum Beispiel das Programm des Stahnsdorfer Südwestkirchhofes. Dort gibt es Anfang Juli dreimal einen Musikalischen Sommerabend mit dem Titel "Ich liebe meines Wesens Dunkelstunden" zu erleben, in dem in einer Symbiose aus Poesie, Tanz, Musik und Videoprojektionen versucht wird, dem Geheimnis von Leben und Tod nachzuspüren. Verbunden ist diese Veranstaltung mit Kurzführungen, Jazzmusik & Catering in der norwegischen Holzkapelle, sowie einer Bilderausstellung im Mausoleum Caspary.

Aufgefallen ist mir auch das Programm der Gesellschaft der Freunde und Förderer des Alten Friedhofes in Bonn e.V., die 2017 bei ihren Führungen ausgesuchte Themen anbieten, so gibt es dort zum Beispiel eine Führung zu Frauengräbern, zu Ruhestätten von Musikerinnen und Musikern, es werden Grabstätten als Spiegelbild geistiger Strömungen des 19. Jahrhunderts besucht, Portrait-Darstellungen besichtigt, die Denkmalpflege als neue kulturpolitische Aufgabe des 19. Jhs. an neugotischen Grabmalen erläutert oder die Geschichte der Bonner Universität an Hand von Professorengräbern vorgestellt. Besonders ungewöhnlich finde ich aber, dass es nicht nur regelmäßig Konzerte und Lesungen auf dem Friedhof gibt, sondern auch zu einer musikalischem Führung mit dem Bläserquintett Eigelstein Brass und Mitgliedern des Philharmonischen Chores der Stadt Bonn eingeladen wird. Auf diesem Rundgang gibt es Wissenswertes zu den verschiedenen Kunst- und Grabdenkmälern ebenso zu hören wie musikalische Beiträge.

Die weibliche Seite der Bestattungskultur ist auch anderswo Thema. Hier nurnoch ein Beispiel: Die Freunde der Zwölf-Apostel-Kirchhöfe in Berlin werden zu einer Führung mit dem Titel "Weibliche Symbole in der Begräbniskultur" eingeladen. Dazu heißt es im Informationsstext unter anderem: Im 19. Jahrhundert waren Grabgestaltungen mit Frauenskulpturen weit verbreitet. Warum war das so? Welches Frauenbild vermitteln sie? Und warum gibt es erotische Darstellungen auf Friedhöfen? Besucht werden auch Gräber von interessanten Frauenpersönlichkeiten. Und es wird an Frauen erinnert, deren Gräber verschwunden sind.

Auf demselben Friedhof werden auch "Pflanzenerlebnisführungen" angeboten, bei denen man auf dem Friedhof Pflanzen entdecken, sich über ihre Heilwirkung informieren und sie sogar gleich vor Ort verkosten kann, da viele essbar sind. Und es gibt sogar Führungen zum Thema Honig, da sich auf diesem Friedhof eine Imkerin um die Bienen kümmert.

Natürlich veranstaltet auch Dr. Anja Kretschmer wieder ihr Friedhofsgeflüster, das inzwischen auf immer mehr Friedhöfen stattfindet. Aber darauf habe ich hier ja schon öfter hingewiesen.