Mittwoch, 15. Oktober 2014

Garten der Erinnerung - 200 Jahre Nienstedtener Friedhof 1814-2014

Jubiläumsbuch für den Nienstedtener Friedhof, 
Nienstedten war einstmals ein Dorf weit vor den Toren der Hansestadt Hamburg. Heute ist es ein Stadtteil - genauer gesagt einer der teueren Stadtteile in der Kette der Hamburger Elbvororte. Nicht weit von der Nienstedtener Fachwerkkirche auf dem Elbhochufer liegt der Gemeindefriedhof, der in diesem Jahr sein zweihundertjähriges Bestehen feiert.

Die Jubiläumsveranstaltung fand im Mai statt; mit einem Abendvortrag von Prof. Dr. Franklin Kopitzsch über „Nienstedten, Altona und Hamburg vor 200 Jahren“ und mit Führungen, Angeboten für Kinder und einem kostenlosen Jubiläumskonzert. Leider habe ich das alles verpaßt!

Gleichzeitig erschien das gebundene Buch mit dem oben genannten Titel, das mir jetzt vorliegt. Zusammen mit zahlreichen Fotografien von Andreas Fromm sind darin Beiträge von insgesamt fünfzehn verschiedenen Autoren versammelt, die unter den Obertiteln "Unser Friedhof", "Gehen und Erinnern", "Zwischen Himmel und Erde", "Tod und Hoffnung" und schließlich "Zur Orientierung" zusammengestellt sind. Gleich zu Anfang referiert Tilmann Präckel die Geschichte des Friedhofes und beschreibt seine Entwicklung vom Begräbnisplatz in und um die Nienstedtener Kirche über die neue Anlage des Jahres 1814 bis zur Gegenwart. Ausführlicher geht er auf die erste prominente Beisetzung ein: die Gruft für den 1839 verstorbenen Baron Caspar Voght, dessen Landgut im nahen Klein Flottbek viele berühmte Gäste angezogen hatte. Diese erste große Grabanlage wurde zum Vorbild für das Hamburger Bürgertum, das immer mehr Villen am Elbhang errichtete und in Nienstedten seine letzte Ruhe fand.


Geschichtliches schließt auch das Buch ab, Im letzten Teil "Zur Orientierung" stellt Eberhard Kändler die Museumbereiche und die "Historischen Gräber" vor, an deren Auswahl und Neuaufstellung er maßgeblich mitgewirkt hat. Darauf folgt ein lexikalischer Teil mit den wichtigsten Begriffen und ein Teil mit Beschreibungen und Bilder der wichtigsten Grabstätten, darunter die von Heidi Kabel und Wilhelm Hagenbeck, sowie die Vorstellung der Friedhofsverwaltung.

Zwischen diese beiden mehr oder weniger historischen Teile eingespannt sind die übrigen Beiträge angeordnet, die in bunter Mischung Begegnungen auf dem Friedhof, den Friedhof als Ort der Trauer und des Abschiednehmens, Kinder und Tod, Friedhofsspaziergänge, Geschichten über Bestattete, noch einmal aus anderer Sicht die Anlage des Friedhofs und seine Bauten, die Pflanzenwelt des Friedhofs und christliche Glaubenshoffnungen thematisieren.

Insgesamt ist damit ein - darf man sagen "buntes"? - Friedhofslesebuch entstanden, das von Farbabbildungen "untermalt" wird, die den Friedhof in den verschiedenen Jahreszeiten zeigen. Ein herausnehmbarer Friedhofplan rundet das Buch ab, denn in ihm sind sowohl die wichtigsten Grabstätten, wie botanische Sehenswürdigkeiten, besondere Orte wie zum Beispiel die Gräber der Opfer des 1. und des 2. Weltkriegs, Mausoleen, Grabstätten besonderer historischer Persönlichkeiten und die Museumsbereiche eingezeichnet.

Tilmann Präckel / Hella Kemper (Hrsg.): Garten der Erinnerung - 200 Jahre Nienstedtener Friedhof 1814-2014, Klaas Jarchow Media, Hamburg 2013, 280 Seiten mit zahlreichen Abb. (farbig und schwarz-weiß), 24 Euro.
ISBN-10: 3000408665
ISBN-13: 978-3000408663



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