Montag, 22. September 2014

Grüfte retten!


Titelseiste Fachhochschulverlag
Dieses Buch ist zugleich eine grundlegende Informationsschrift und ein praktischer Ratgeber für alle, die mit historischen Grüften zu tun haben – also Friedhofsverwalter, Kirchengemeinden, Denkmalämter, Architekten, aber auch Historiker, Adelshäuser und Privatpersonen sollen damit angesprochen werden.
Hervorgegangen ist es aus einem Symposium, zu dem die Herausgeber Fachleute unterschiedlicher Disziplinen eingeladen hatten. Vierundzwanzig Beiträge sind in dem Buch versammelt. Damit werden alle wichtigen Aspekte abgehandelt, die im Umgang mit historischen Gruftanlagen zu beachten sind. Zu Recht heißt denn auch der Untertitel: "Ein Leitfaden zum pietätvollen Umgang mit historischen Grüften". 

Einführend wird ein Überblick über die Geschichte der Gruftbestattungen zusammen mit ihrer Einschätzung als äußerst wertvolles historisches Erbe gegeben. Leider werden Grüfte nur allzu oft von den Verantwortlichen nicht als bedeutende Kunstwerke anerkannt und manchmal sträflich vernachlässigt. Zu den besonders schweren Fehlern im Ungang mit diesen gemauerten unterirdischen Räumen zählt im Übrigen der Verschluss der Belüftungsöffnungen, wodurch der Luftaustausch verhindert wird und die Feuchtigkeit nicht mehr entweichen kann. Gruftbestattungen vereinen - wie Andreas Ströbl und Dana Vick formulieren - "mehrere kulturhistorische Aspekte in sich. Prachtvolle Gruftportale, Epitaphien für Familien oder Einzelpersonen, die Gruftgewölbe und die Särge mit den Leichnahmen reagieren miteinader und bilden den verdichteten Komplex einer Memorialkultur, welche die Zeit vom sptäen Mittelalter bis ins frühe 20. Jahrhundet entscheiden mitgeprägt hat" (S. 17).                    

Gründlich werden nach den einführenden Texten die rechtlichen Grundlagen für den Umgang mit Grüften und den darin geborgenen Leichnamen, bzw. Knochen und Mumien, dargestellt. Ein weiterer Beitrag setzt sich ausführlich mit den ethischen Frage eines pietätvollen Umgangs mit den Verstorbenen auseinander. Den größten Teil des Buches aber machen die praktische Kapitel aus. Zum einen geht es um die denkmalpflegerische Praxis und damit vorwiegend um bauliche Aspekte, wissenschaftliche Dokumentation, Grabbeigaben - bei denen speziell die Verwendung von Pflanzen eine besondere Rolle spielt -, sowie allgemeine Möglichkeiten der Konservierung und Restaurierung und speziell den Umgang mit Metallen, Holz und Textilien. Eine Besonderheit von Grüften ist ja, dass darin so viele unterschiedliche Materialien verwendet worden sind. Allerdings wird auch auf die Gefahren für Mensch und Material hingewiesen, die mit der Entstehung von Feuchtigkeit und Schimmelbildung in lange verschlossen gehaltenen Grufträumen verbunden sind. Zum anderen werden Fallbeispiele vorgestellt, mit denen die vielen Möglichkeiten des Umgangs und der sinnvollen Erhaltung von Grüften verdeutlicht werden. Prinzipiell lassen sie sich unterscheiden in musealie Präsentationen, konservatorische Sicherung mit eingeschränkter Besichtigungsmöglichkeit, Umnutzung zum Beispiel als Lapidarien und Kolumbarien, sowie Patenschaften mit und ohne Neubelegungen. 
Ein Glossar, denkmalpflegerische Fachbegriffe und das Autorenverzeichnis schließen diesen nützlichen 5. Band der Reihe "Friedhofskultur heute" ab, die von der Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal e.V. herausgegeben wird.  
Preuß, D., Ströbl, A., Ströbl, R., Vick, D. (Hg.), Grüfte retten! Ein Leitfaden zum pietätvollen Umgang mit historischen Grüften (Friedhofskultur heute, Bd. 5). Fachhochschulverlag Frankfurt/M. 2014,.ISBN: 978-3-943787-29-0, 156 Seiten, 16 Seiten farbig Abb., 18,00 Euro

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