Montag, 12. Januar 2009

Sensenmann und Engelsflügel


Buchcover (Foto veröffentlicht mit fr.
Genehmigung Mitteldeutscher Verlag)

"Sensenmann und Engelsflügel. Die Grabmalkunst des Merseburger Stadtfriedhofs St. Maximi" lautet der Titel eines neuen Buches von Maria Nühlen, das im Mitteldeutschen Verlag in Halle (Saale) erschienen ist. Der Autorin, die als Professorin an der Fachhochschule Merseburg lehrt, kommt das Verdienst zu diesen historischen Friedhof und seine ungewöhnlichen und seltenen Grabmale, die zum Teil aus dem Barock stammen, erstmals wieder in das Licht der Öffentlichkeit zu stellen.

Schade ist allerdings, dass es sich um einen kleinen Band handelt, in dem die Fotos in relativ geringer Größe wiedergegeben sind, selbst wenn eine Reihe von Detailaufnahmen ein wenig entschädigen. Schön wäre es auch gewesen, wenn wirklich alle Grabmäler im Bild vorgestellt worden wären. Die Texte zu den einzelnen Grabmalen bestehen häufig aus Zitaten aus älteren Abhandlungen. Dabei stellt die Autorin auch einmal zwei gegensätzliche Beschreibungen unkommentiert nebeneinander. So bei dem eindruckvollen Grabdenkmal Herzog, dessen Plastik der eine Autor „als auffahrenden Christus“ und der andere als Allegorie des Freimaurerordens ausmacht (S. 74f.). Auch die Zuweisung der großen Frucht, die der Jüngling auf dem Grabmal Maudrich trägt – es ist auch auf dem Buchtitel zu sehen – als Mohnkapsel übernimmt die Autorin unbesehen, obwohl weder die Frucht noch ihre Blätter dem Mohn ähneln.
Detail vom Grabmal Herzog (Foto Maria Nühlen)

Granatapfel. Ausschnitt aus dem Emblem-
buch von Daniel de la Feuille, Devises et
emblemes (1691), Beschriftung: Ein offener
Granatapfel - Ich trage meinen Reichtum
mit mir.
Wie die beiden Bilder zeigen handelt es sich um einen Granatapfel, der in der antiken Mythologie mit dem Hades verbunden wurde und auch als Symbol bei den Freimaurern zu finden ist. So merkt man an manchen Stellen, dass die Autorin sich anscheinend noch nicht allzu lange mit der Grabmal- und Kunstgeschichte befasst hat.
Trotz solcher kleinen Mängel ist das Buch von Maria Nühlen sehr verdienstvoll, trägt es doch nicht nur zur Kenntnis der großartigen Grabmale des St. Maximi-Friedhofes in Merseburg und ihrer Bildhauer bei, sondern erzählt auch von der Friedhofseinweihung, gibt eine Trauerpredigt von 1664 sowie die Schilderung eines Begräbnisses aus dem 18. Jahrhundert wieder.

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