Dienstag, 14. Juli 2015

Fotobuch "Die morbide Schönheit alter Friedhöfe"

Buchdeckel "Die morbide Schönheit
alter Friedhöfe" (Quelle: Mitteldeutscher Verlag)
Alte Friedhöfe und ihte Grabmale ziehen Fotografen und Fotografinnen magisch an. Viele veröffentlichen ihre Fotos inzwischen in speziellen Gruppen in den sozialen Netzwerken.

Giovanni Perna, Fotograf und Grafiker, arbeitet als Creative Director in einer Werbeagentur in der Nähe von Stuttgart. Er muss ein leidenschaftlicher Friedhofsbesucher sein, denn er hat seine interessantesten Friedhofsbilder jetzt in einem Buch zusammengefasst. Den Abbildungen geht ein einführender Essay (in Deutsch und Englisch, ebenso wie die Bildtitel) der Autorin Lena Rebekka Rehberger voraus, die zurzeit an der Humboldt-Universität Berlin in Kunstgeschichte promoviert und mit sensiblen Blick die besonderen Qualitäten der schwarz-weißen Fotografien herausarbeitet. (Man kann übrigens einen Aufsatz von ihr über die Darstellung der Nacht hier nachlesen.)

Mir fällt beim Betrachten auf, dass Pernas Bilder durchgehend relativ dunkel gehalten sind. Manche verströmen Düsternis und eine todesnahe Atmosphäre, wie zum Beispiel das Bild des Alten Friedhofs in Oberursel, bei dem große Grabkreuze, auf denen Krähen sitzen und auffliegen, aus einem nebelverhangenen Hintergrund aufsteigen. Andere Bilder verstärken die ästhetischen Qualitäten der Grabfiguren, indem sie ihre hellen Partien aus dem Dunkel aufsteigen lassen; während wieder andere mit einen - ich nenn das hier mal - "gothic touch" überarbeitet sind und zugleich geheimnisvoll und rätselhaft daherkommen.

Wer in diesem Buch allerdings realitätsnahe Bilder von Grabmalen und Friedhöfen sucht, hat sich vergriffen. Denn die ungeschönte Abbildung der Wirklichkeit liegt nicht in der Absicht des Künstlers. Er lässt den Betrachter vielmehr an seiner ganz eigenen Sichtweise auf Tod und Erinnerung, Grabmal und Friedhofsnatur, Schwarz und Weiß teilhaben und schafft damit einen eigenen sepulkralen Kosmos von besonderem Reiz. Deshalb ist der Titel, der von morbider Schönheit spricht, durchaus passend gewählt. Es geht in diesen Bildern immer wieder von Neuem darum, wie den Symbolen und Gestalten des Todes und der Erinnerung ihre eigene Schönheit abgerungen werden kann. Wenn dabei wahrscheinlich nicht alle Bilder nach jedermanns Geschmack sind, schmälert das nicht die Qualität dieses sehr individuellen und persönlichen Blicks auf historische Friedhöfe und ihre Grabmale.

Das Einzige, was mich persönlich an diesem Buch irritiert hat, ist, dass manche querformatige Bilder über eine Doppelseite laufen und die Bindung verhindert, dass diese Seiten vollständig und gerade aufgeschlagen werden können. Diese Bilder können also nur mit Einschränkung betrachtet werden und das ist schade. Aber möglicherweise ist das ein unlösbares Problem, wenn man nicht auf große Formate verzichten will.

Giovanni Perna, Die morbide Schönheit alter Friedhöfe/The morbid beauty of old cemeteries
Mit einem Essay von Lena Rebekka Rehberger. Bildband deutsch/englisch. mitteldeutscher Verlag Halle (Saale),  96 S., geb., s/w-Abb. ISBN 978-3-95462-518-5, 24,95 Euro

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