Dienstag, 14. Juni 2016

Game over - Neue und ungewöhnliche Grabsteine

Coverbild von Benkel/Metzler,
Game over
Vor vier Jahren habe ich hier auf, wie ich glaube, das erste Friedhofsbuch der beiden Soziologen Thorsten Benkel und Matthias Meitzler hingewiesen und dabei am Schluss geschrieben, dass ich die Texte sprachlich ziemlich verschachtelt fand und sich daher mein Lesevergnügen in Grenzen hielt.

Jetzt halte ich ein neues Buch desselben Autorenduos in den Händen und das habe ich mit größtem Vergnügen durchgelesen, ja beim Betrachten der abgebildeten Grabsteine habe ich häufig geschmunzelt und manchmal sogar laut gelacht. Dabei ist das sogar schon das zweite Buch über ungewöhnliche Grabsteine der beiden Autoren. Das erste ist leider irgendwie an mir vorbeigegangen. Vielleicht habe ich den schönen Titel "Gestatten Sie, dass ich liegen bleibe : Ungewöhnliche Grabsteine - Eine Reise über die Friedhöfe von heute" nicht wirklich ernst genommen?

Auf jeden Fall gelingt es den Autoren mit diesem Folgeband bestens auf "unterhaltsame, aber auch lehrreiche Weise ... Einblicke in einen häufig übersehenen Bereich der Alltagskultur zu vermitteln" und dabei zugleich zu zeigen, wie sehr sich diese Alltagskultur gerade heute verändert und immer individuellere Züge annimmt. Es geht ihnen dabei um Texte, Symbole und Bilder auf ganz gewöhnlichen-ungewöhnlichen Grabsteinen überall auf deutschen Friedhöfen. Sie richten ihren Blick gerade nicht auf die künstlerische Avantgarde, sondern auf die Trauer der sogenannten kleinen Leute und ihre persönliche Art sich bzw. ihre pivate Erinnerung auf Grabsteinen zu inszenieren. Angenehm ist dabei, dass die Begleittexte zu den Bildern zwar manchmal ironisch klingen, aber nirgends zynisch wirken.

Kapitel "Auf immer gut Holz"
Den insgesamt zwanzig Kapiteln, die die Grabsteinbilder untergliedern, ist jeweils ein kurzer einführender Text vorangestellt. Es geht dabei der Reihe nach um private Poesien und Sinnsprüche, die zum Lebensmotto geworden sind (z.B. "Ich lebe so gerne! Ich glaube, ich lebe sogar noch gerne, wenn ich einmal gestorben bin."); um tierische Liebe und damit Darstellungen von Tieren auf Grabmalen, die für mich in einem vollplastischen Pferdekopf gipfeln; um "Zwichenmenschliches" mit so schönen Texte wie "Er hat uns immer wieder überrascht" oder "Laßt mich in Ruhe"; um Freizeitvergnügen, wo man u.a. einen Grabstein mit dem Bild des Verstorbenen sieht, der fröhlich einen Bierhumpen hebt: um Berufe und entprechende Bezeichnungen, wie Strandkorbvermieter oder Origamimeister; um Auto, Motor und Tod mit Bildern aller möglicher Fahrzeuge und Fahrzeugdetails, gefolgt von Fortbewegungsmitteln zu Lande zu Wasser und in der Luft ("Eisenbahn war sein leben"),

Es führt zu weit alle zwanzig Kapitel hier aufzuführen (das vollständige Inhaltsverzeichnis findet sich hier). Aber ich kann versprehen, dass jeder Abschnitt für sich neue Überraschungen und Einsichten birgt.

Benkel, Thorsten, Meitzler, Matthias, Game over : neue ungewöhnliche Grabsteine. Köln : Kiepenheuer & Witsch, 2016, 244 Seiten zahlreiche farbige Abbildungen.

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