Sonntag, 25. September 2016

"Friedhofspflicht/Friedhofsflucht" - Thema der Funerale6 in Rostock

Flyer zur Funerale 2016
Programm der Funerale 2016
Zu dieser Tagung zitiere ich der Einfachheit halber aus dem Text des nebenstehenden Flyers:

"Bestattungs- und Friedhofsrecht sind Ländersache. Die deutschen Bundesländer gingen bisher im europäischen Vergleich im Blick auf Friedhofspflicht einen restriktiven Sonderweg. Mittlerweile gibt es in den einzelnen Bundesländern Diskussionen, diese typisch deutsche Friedhofspflicht aufzugeben, um sich rechtsförmig bspw. am schweizerischen und niederländischen Modell zu orientieren. In Nordrhein-Westfalen und in Bremen sind unlängst schon Veränderungen in Richtung auf eine (partielle) Freigabe der Friedhofspflicht vorgenommen worden. Werden bald weitere Bundesländer folgen? Welche Konsequenzen hat dies für Bestattung-, Trauer- und Erinnerungskultur?

Im Rahmen dieser Tagung sollen gesellschaftliche und kirchliche Chancen und Herausforderungen aus kulturwissenschaftlicher, soziologischer, juristischer und theologischer Perspektive ausgelotet werden. In einer Podiumsdiskussion werden Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Kirche ihre Standpunkte erläutern. Die funerale6 schließt an die in Rostock etablierte gleichnamige wissenschaftliche Tagungsreihe zur Bestattungskultur an und ist dieses Mal eine Kooperation mit der Universität Bern und Aeternitas e.V. Verbraucherinitiative Bestattungskultur/Königswinter."

Das Vortragsprogramm verspricht interessant zu werden. Rainer Wirz (Ltg. Friedhof Ohlsdorf, Hamburg) wird zum Beispiel über "Ursache und Wirkung von Friedhofsflucht und Friedhofspflicht am Beispiel des Ohlsdorfer Friedhofs" referieren; Dr. Thorsten Benkel (Soziologie, Universität Passau) spricht über "Flucht aus der Normativität? Probleme der Institutionalisierung von Emotionen am Beispiel der Trauer" und Prof. Dr. Norbert Fischer (Institut für Volkskunde und Kulturanthropologie, Universität Hamburg) stellt unter dem Titel "Jenseits des Friedhofs: Neue Orte der Bestattungs- und Gedenkkultur" vor.

Die Tagung findet in Rostock statt (Hörsaal 323, des Universitätshauptgebäudes = linker Flügel, 3. Etage, Universitätsplatz 1, 18055 Rostock). Der Flyer vermerkt dazu keinerlei Kosten.
Anmeldungen:Theologische Fakultät / Praktische Theologie, Prof. Dr. Thomas Klie, Universitätsplatz 1, 18055 Rostock, Tel.: 0381 498 8435

Donnerstag, 15. September 2016

„Raum für Erinnerung“ - Tag des Friedhofs 2016


Grabmal des Unternehmers August Borsig,
Berlin, Dorotheenstädtischer Friedhof
(Foto Leisner 2015)
Am 17. oder 18.9.2016 wird wieder der bundesweit der Tag des Friedhofs begangen.

Flyer zum Berliner Tag des Friedhof 
Programm des Berliner Tag des Friedhofs
Der Evangelische Friedhofsverband Berlin Stadtmitte richtet den Tag des Friedhofs am Sonntag, 18.9.2016, für alle Berliner Friedhöfe auf den Friedhöfen in der Kreuzberger Bergmannstraße aus. Schirmherr der Aktion ist Christian Stäblein, Propst der Evangelischen Landeskirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz. In der Pressemitteilung heißt es dazu: "Nach der Eröffnungsveranstaltung in der Kapelle des Friedrichswerderschen Friedhofs folgen Vorträge und ein Kinderprogramm mit Friedhofsrallye und Memory-Basteln. Erwachsene können bei einem literarisch-kulturgeschichtlichen Spaziergang oder einer Imkerführung über den Friedhof mitmachen oder sich bei weiteren Führungen über Symbolik und Heilkraft der Baum- und Pflanzenwelt auf Friedhöfen informieren. ... Anregungen für die Grabgestaltung bieten Mustergräber der Friedhofsgärtner und Steinmetze. Angehende Friedhofsgärtner bepflanzen während der Veranstaltung drei Gräber und geben Interessierten fachliche Auskunft. Trauerfloristik ergänzt diese Präsentation. Die Steinmetze richten eine Schauwerkstatt ein. An Ständen erfahren Besucher mehr über Bestattungsmöglichkeiten und Pflegeangebote, Hilfe und Beratung für Trauernde, Vorsorge, Dauergrabpflege sowie über Aus- und Weiterbildungsangebote für Friedhofsgärtner.

In den meisten Städten findet der Tag des Friedhofs auch dort statt. In Dresden aber will man die Menschen offenbar nicht mit dem Friedhof konfrontieren. Dort hat die Veranstaltungen auf die Freifläche hinter der Kreuzkirche in die Innenstadt verlegt und somit abseits von Friedhofsmauern verlegt. Aber natürlich werden auch dort die "Themen Friedhof, Erinnerung, Trauer und Gedenken" auf unterschiedliche Weise den Besuchern nahe gebracht. Der Gartenbau und Friedhofsgärtner sind vor Ort, dazu auch Steinmetze, eine Holzbildhauerin und ein Kunstschmied, sowie Bestatter und Mitarbeiter von Friedhofsverwaltungen. Außerdem machen auch Hospizdienste mit und zeigen den Museumskoffer „Vergiss mein nicht“, Schüler haben einen Totentanz einstudiert, es gibt einen „Baum der guten Wünsche“, einen Vortrag über „Die Vielfalt der Dresdner Friedhöfe“ und ein Open Air-Mittagsgebet. Das Literaturtheater Dresden führt das Stück „Die besten Beerdigungen der Welt“ auf, der Comedian DER TOD zeigt Ausschnitte aus seinem aktuellen Soloprogramm „Mein Leben als Tod“ und die Gothic Band „Aurago“ gibt ein Konzert.



Dienstag, 13. September 2016

50 Jahre Öjendorfer Friedhof in Hamburg

Ausgabe von "Ohlsdorf Zeitschrift für Trauerkultur"
zum Jubiläum des Öjendorfer Friedhofs
Ist ein Friedhof, der vor fünfzig Jahren eröffnet wurde, schon historisch zu nennen? In der Denkmalpflege und in der Veteranenszene gilt, soweit ich weiß, die 30 Jahresfrist, nach der ein Objekt - sei es ein Gebäude oder ein Auto - als Veteran oder Denkmal eingestuft werden kann.

Der Öjendorfer Friedhof in Hamburg wurde am 14. Juli 1966 eröffnet und sein 50jähriges Jubiläum ist auf jeden Fall ein Anlass zum Feiern und zwar am Sonntag, den 18. September, dem Tag des Friedhofs, ab 11 Uhr.

Immerhin ist der "Jubilar" der zweitgrößte Friedhof Hamburgs. Da sich dort mehrere Grabanlagen verschiedener Religionen befinden, gehören zu dem bunten Programm aus Führungen, Vorträgen und Musik auch buddhistische und muslimische Feierlichkeiten, sowie eine evangelische Andacht und ein Engelsspaziergang. Das Veranstaltungsprogramm ist hier veröffentlicht.

Der Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof e.V. hat die letzte Ausgabe seiner Vierteljahresschrift dem Jubiläum gewidmet und wird mit einem Stand auf dem Friedhof vertreten sein.



Dienstag, 30. August 2016

"Schlaglicht auf den Tod" - internationales Forschungskolloquium in Bamberg

In Zusammenhang mit der Ausstellung "Der letzte Weg - Tod und Bestattung in Mittelalter und Neuzeit", die im vorhergehenden Post besprochen worden ist, findet an der Otto-Friedrich-Universität in Bamberg vom 28.-30. Oktober 2016 eine internationale Tagung des Lehrstuhls für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit statt, bei der Forscher aus Schweden, Estland, Tschechien, Frankreich, Österreich und Deutschland ihre neuesten Forschungen zu Tod und Bestattung vorstellen werden. Der Flyer dazu ist gerade erschienen:


Samstag, 20. August 2016

"Der letzte Weg" - Ausstellung im Diezösanmuseum Bamberg

Ausstellungsflyer
Leider werde ich diese Ausstellung in Bamberg nicht sehen können, doch verspricht sie einen interessanten Einblick in die Bestattungstraditionen der Vergangenheit.

Erarbeitet wurde sie unter der Ägide des Lehrstuhls für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit in mit dem Diözesanmuseum Bamberg. Der Lehrstuhl feiert übrigens in diesem Jahr sein 35-jähriges Bestehen. Laut Information des Lehrstuhls ist die Ausstellung ist in zwei „Abteilungen“ gegliedert: 

"Die erste befasst sich mit dem Kranksein und Dahinsiechen, mit dem Sterben in spiritueller und physischer Hinsicht, mit der Aufbahrung und dem Begraben-Werden. Eine szenische Darstellung visualisiert dabei eine (geschönte) Situation im Sarg, weitere Exponate sind Versehgarnituren, Särge, Urnen und Fotografien aufgebahrter Personen.

Mittwoch, 10. August 2016

Ein letzter Gruß - Neue Formen der Bestattungs- und Trauerkultur

Titelcover "Ein letzter Gruß"
  Verlag Butzon & Bercker
Man könnte natürlich als erstes fragen, wieso ein Buch über neue Formen der Bestattungs- und Trauerkultur auf einem Blog besprochen wird, das sich historischen Friedhöfen widmet.

Tatsächlich aber findet unsere zeitgenössische Bestattungs- und Trauerkultur ja hauptsächlich auf Friedhöfen statt, die zu einem großen Teil historisch gewachsen sind; jedenfalls wenn man die Friedwälder und Ruheforste oder, wie die Bestattungswälder noch euphemistisch genannt werden, draußen vor lässt. Da viele Friedhöfe aufgrund des Trends zur Urnenbestattung heute mit sogenannten Überhangflächen zu kämpfen haben, werden gegenwärtig kaum noch neue Bestattungsplätze in Deutschland angelegt. Wenn die neuen Formen der sepulkralen Kultur aufgefächert werden, geht es also auch um die zukünftige Entwicklung historischer Friedhöfe und es ist nicht unwichtig dabei die kulturellen Veränderungen zur Kenntnis zu nehmen, die sich seit den 1990er Jahren immer stärker ausdifferenzieren.


Dienstag, 2. August 2016

transmortale VII 2017 - call for papers

Grabmal Cohen auf dem Ohlsdorfer
Friedhof in Hamburg, Foto Leisner 1994
Die 8. transmortale wird 2017 nicht wie gewohnt im Museum für Sepulkralkultur in Kassel stattfinden, sondern in die Veranstaltung

"Transmortality 2017. The Materiality and Spatiality of Death, Burial and Commemoration" 

der Universität Luxemburg integriert sein, die vom 3.-4. März 2017 in der Stadt Luxemburg stattfinden wird. Der Internationalität geschuldet ist der Call for Papers (auch als PDF) auf englisch gehalten. Ich erspare es mir ihn zu übersetzen und übernehme ihn von der Website des Kasseler Museums:

Call for papers"Transmortality 2017: The Materiality and Spatiality of Death, Burial and Commemoration
Death, dying and burial produce artefacts and occur in a spatial context. The interplay between such materiality, spatiality and the bereaved who commemorate the dead yields interpretations and creates meanings that can change over time. In this conference, we want to explore this interplay by going beyond the consideration of simple grave artefacts on the one hand and graveyards as a space on the other to examine the specific interrelations between materiality, spatiality, the living and the dead.
We invite papers from all disciplines, from academics and professionals alike, to reflect on the materiality and spatiality of death, burial and commemoration – for example, concerning cemeteries and other spaces of remembrance. We suggest the following non-exhaustive list of themes: