Samstag, 11. Dezember 2010

"Kunst im Stillen" - Kunstschätze auf Leipziger Friedhöfen, Band 3

Buchcover (Foto Leisner, mit fr.
Genehmigung von Alfred E. Otto Paul)
Wie schon angekündigt, ist jetzt auch der dritte Band der als Reihe konzipierten Broschüren zu den Grabmalen auf den Leipziger Friedhöfen erschienen. Im selben Layout wie die beiden schon besprochenen Bände (vgl. Posts vom 2. Juni 21010 und 14.12.2009) erfreut auch dieser Band wieder durch sehr schöne Fotos von Grabmalen und informative Texte zu den einzelnen Grabstätten und den Persönlichkeiten, an die an dort jeweils erinnert wird. 

Darunter sind so interessante Lebensgeschichten wie die des Technikers und Industriellen Wilhelm von Pittler, der nach vielen Versuchen, im Leben Fuß zu fassen, mit einer Dampfmotorenfabrik und später mit der Maschinenfabrik "Invention" erfolgreich wurde. Dessen Werk aber dadurch, dass die Maschinenfabrik zur Aktiengesellschaft der Pittler-Werke wurde, sein Vermögen verliert und verarmt in London starb. Immerhin haben die Nachforschungen des Autors erbracht, dass es eine Geldsammelaktion deutscher Ingenieure gab, die dafür sorgten, dass der Verstorbene nach Deutchland gebracht und auf dem Kapellenfriedhof in Leipzig-Gohlis bestattet wurde.

Und hier kommt auch schon eine kritische Anmerkung: Von welchen Friedhöfen die vorgestellten Grabmale nämlich stammen, wird leider nur im "Dank" einmal kurz erwähnt, wenn es dort etwas unpräzise heißt, dass dieser Band "sich wichtigen Werken der Sepulkralkultur auf den kirchlichen Begräbnisplätzen unserer Stadt widmet". 

Nur wenn man jeden einzelnen Text gründlich liest, erkennt man, dass die am Anfang vorgestellten acht Grabmale im Stadtteil Gohlis zu finden sind. Wobei zur Verwirrung der mit Leipzig nicht vertrauten Leser beitragen dürfte, dass die Namen Friedhof der Gohliser Friedenskirchgemeinde, Gohliser Kapellenfriedhof und Friedhof der Gohliser Versöhnungskirche im Text auftauchen, aber nirgendwo erwähnt wird, ob es sich dabei um ein und denselben oder mehrere Kirchhöfe handelt.Zwar erfährt man mehrfach, dass dieser Friedhof 1858 geweiht worden ist, doch gibt es insgesamt zur Geschichte und Lage der behandelten Friedhöfe keine weiteren Information.

So muss man sich auch den Standort der darauf folgenden Grabmale aus den einzelnen Texten sozusagen erlesen: Genannt werden der kirchliche Friedhof in Lindenau mit dem Grabmal des Zeitungsverlegers Johann Friedrich Lindner, dessen Grabplastik der Verfasser aufbewahrt, die Kirche von Schönefeld - das Bild der Trauernden hier stammt von dem Grabmal des dortigen Mariannenstiftes - und der Plagwitzer Friedhof. Die Untergliederung des Inhaltsverzeichnisses wäre da sicher eine Hilfe gewesen!


Ein weiterer kritischer Kommentar sei erlaubt, der sich nicht auf die sorgfältig recherchierten Grabmalgeschichten bezieht, sondern auf den Beitrag "Zum Geleit" von Rainer Behrens, der den einzelnen Abhandlungen vorangestellt ist. Dieser Beitrag versucht die bisher fehlende geschichtliche Darstellung des Leipziger Friedhofswesens auf drei Seiten nachzuholen. Dabei macht er leider schon am Anfang den Fehler zu behaupten, dass auf den kirchlichen Friedhöfen bis zum 16. Jahrhundert "im Tode die einst Lebenden alle gleich" waren. Für diese Aussage, die durch neue Forschungen lange widerlegt ist (vgl. den Beitrag von Rainer Sörries in dem Buch "Grabkultur in Deutschland", hier besprochen am 30. Juli 2009), bezieht er sich auf die Darstellungen des Totentanzes in Kirchen und auf Friedhofsmauern, die - soweit ich informiert bin - gerade für Leipzig nicht belegt sind. Eine etwas intensivere Auseinandersetzung mit der Friedhofsgeschichte vor Ort wäre wünschenswert gewesen.

Im Übrigen wird auch dieser Band wieder beschlossen mit Abschnitten über zwei Leipziger Künstler: In diesem Fall über den Bildhauer Professor Felix Pfeifer und den Bildhauer Arthur Trebst, von denen einige Bildwerke im selben Band auch vorgestellt werden, sowie von einem Beitrag über die Rufglocke des Plagwitzer Friedhofes, deren Bild auch die Rückseite des Umschlags ziert.


Insgesamt würde ich mir wünschen, dass dem Autor ein kompetenter Lektor zur Hand gehen möchte, um die kleinen Schönheitsfehler dieses Bands beim schon angekündigten vierten Band von vorn herein auszumerzen. Dann würde es sicher auch nicht zu solchen sprachlichen Unebenheiten kommen, wie zum Beispiel bei der Tempelgrabstätte des Prof. Julius Zeitler, wo man innerhalb der ersten beiden Absätze das Wort "Tempelfassade" dreimal hintereinander lesen kann.


Abschließend aber soll dieser Band noch einmal ausdrücklich allen jenen ans Herz gelegt werden, die sich für die Grabmalkultur des 19. Jahrhunderts interessieren und einsetzen. Es werden großartige und bisher fast unbekannte Grabmalanlagen darin vorgestellt und die Informationen dazu sind mit großer Sorgfalt und Ausdauer recherchiert. Besonder positiv fällt dabei auf, dass der Autor am Schluss auch seine Quellen ausführlich benennt.

Alfred E. Otto Paul, Die Kunst im Stillen. Kunstschätze auf Leipziger Friedhöfen. No. 03. Leipzig 2010, 108 Seiten, zahlr. farbige Abbildungen. Die Broschüre hat leider keine ISBN-Nummer und kann nicht über den Buchhandel bezogen werden, sondern nur über die Paul-Benndorf-Gesellschaft zu Leipzig unter info@paul-benndorf-gesellschaft.de oder telefonisch unter 034297 –12305 zum Preis von ca. 9 Euro + Versandkosten.


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