Mittwoch, 18. November 2015

International Cemeteries Project - Heritage of Death

Die "Friehofsrforscherin" Lydia Smith
vor dem Grabbau Gundlach auf dem Ohlsdorfer Friwdhof
Manchmal zieht eine Veröffentlichung Kreise, die ich gar nicht erwartet habe. Kaum hatte ich den Nachtrag zu der Tagung in Stockholm geschrieben und dabei auf das Blog von Lydia Smith hingewiesen, da erhielt ich eine Mail von ihr.

Sie hat in Amerika gerade ihr Studium in Kunst und Anthropologie abgeschlossen und reist zur Zeit mit Hilfe eines Watson Fellowship! um die Welt um Friedhöfe zu sehen. Ihr Projekt heißt: "A Final Resting Place for History: A Visual Investigation of Cemeteries" (Ein letzter Ruheplatz der Geschichte: eine visuelle Erforschung von Friedhöfen).

Seit Oktober 2015 ist sie unterwegs. Sie war schon in Schweden und hat dort auch an der oben genannten Konferenz teilgenommen, lebt zur Zeit in Berlin, wird bald nach Kairo fliegen und dann über Buenos Aires nach Australien und Japen gehen. Auf ihrem Blog berichtet sie jeden Tag mit Bildern, Zeichnungen und hauptsächlich Fotosvon ihren Eindrücken.

In der Mail fragte sie nach einem Treffen. Gestern waren wir zusammen auf dem Ohlsdorfer Friedhof.

Montag, 16. November 2015

Das Grab des Herrn Schefbek

Titel des Buches:
"Das Grab des Herrn Schefbeck" 
Schon als ich das Buch "Kunst und Memoria" von Claudia Denk und John Ziesemer las, stolperte ich über die amüsante Geschichte von dem "Grab des Herrn Schefbek". Damals las ich sie beim Projekt Gutenberg nach. Jetzt ist der Text in einem schmalen Bändchen von Claudia Denk und Michael Stephan neu herausgegeben worden und gewinnt dadurch noch einmal besondere Aktualität.

Worum geht es? Vordergründig geht es um eine Geschichte, die im München der vorletzten Jahrhundertwende für einen Skandal gesorgt hat: Eine Ehefrau hat ihren - wesentlich älteren - verstorbenen Gatten aus seinem opulenten Wandgrab auf dem Campo Santo des Südfriedhofs exhumieren und in einem schlichten Erdgrab auf einem anderen Münchener Friedhof wieder beisetzen lassen und zwar nur um das teure Grab zu Geld zu machen. Das gelang ihr auch bestens, da die Grabstätten an dieser Stelle sowohl außerordentlich rar wie hochbegehrt waren. Ruederer hat diese Geschichte zu einem Stück Münchener Literatur gemacht.

Claudia Denk verbindet in ihren genauen Erläuterungen und dem anschließenden Nachwort diese Erzählung mit der Realität des Münchener Südfriedhofs. Durch ihre genaue Kenntnis der Quellen kann sie kann aufzeigen, dass und wo sich die Geschichte in Wirklichkeit zugetragen hat, und wie eng sich der Autor an die Realität gehalten hat. Den Zeitgenossen kann es nicht schwer gefallen sein die Bezüge zu den Gräbern auf dem Südfriedhof zu verstehen und die Zusammenhänge zu rekonstruieren. Zugleich aber macht Denk dem heutigen Leser deutlich, warum gerade in einer Zeit, als das neureiche Bürgertum den alten Adel abzulösen begann, als Fabrikanten und Spekulanten über Unmengen von Geld aber noch nicht über das entsprechende gesellschaftliche Ansehen verfügten, die "Prachtwohnungen" auf dem Friedhof eine so wichtige Rolle spielten, dass ihr Verkauf als Skandal empfunden werden konnte.

In dem zweiten Nachwort erzählt Michael Stephan die Lebensgeschichte des Autors Josef Ruederer und würdigt sein Werk, das mit dem Ludwig Thomas in der Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit nicht Schritt halten konnte.

Das Grab des Herrn Schefbeck. Erzählung. Hg. und mit Erläuterungen und Nachworten versehen von Claudia Denk und Michael Stephan. Allitera Verlag edition monacensia, 128 S., Paperback
€ 12.90


"Friedhöfe - offene Museen" - eine Tagung in Turin


Logo der Sefitdieci
Unter dem Titel "Cimiteri: Musei Aperti - Valorizzazione culturale, monumentale e turistica del patrocinio cimiteriale italiano" (von mir zusammengereimt als: "Friedhöfe: offene Museen - zur kulturellen, monumentalen und touristischen Aufwertung des Schutzes italienischer Friedhöfe) sponsern das Utilitalia Sefit, AFC Torino S.p.A., die Stadt Turin und die ASCE am 11. Dezember 2015 in Turin eine Tagung. Das englischsprachige Programm verspricht eine Reihe von interessanten Vorträgen.

In einem ersten Block spricht Mauro Felicori, der ehemalige Präsident der ASCE, über die "Verbesserung der Friedhöfe: ein weiter Weg", und es folgen Vorträge zu den "Leitlinien einer Politik der Wiederherstellung und Verbesserung der italienischen Friedhöfe"; dem "Friedhof als das historische Gedächtnis einer Gemeinschaft. Zur Umstrukturierung von Friedhöfen: ein nationaler Plan zur Förerung der Aufrechterhaltung von Privatgräbern" und zu einem "Rahmenplan zur touristischen Entwicklung monumentaler Friedhöfe".

In dem zweiten Block stellen Sprecher der Friedhöfe der Metropolregionen Rom, Mailand, Genua, Bologna, Venedig und wahrscheinlich auch Turin ihre Anlagen unter der Fragestellung "Was wurde getan und was ist noch zu tun?" vor, Nachmittags geht es dann um Friedhöfe mittlerer Größe mit Beispielen aus Bozen, Ferrara, Trento, Gorizia und Parma. Zum Schluss wird dann ein Fazit gezogen, das den Regierungsautoritäten unterbreitet werden soll.

Das Forum findet in Turin im Congress Center -  Area Giolitti - via Nino Costa, 8, Sala Giolitti statt und ist Teil der "SEFITDIECI'15 - Cultural Heritage of the Cemeteries" des jährlichen Treffens der Mitglieder der Utilitalia-Sefit, der Leiter der größten Friedhöfe in Italien.


http://www.significantcemeteries.org/2015/11/sefitdieci15-cultural-heritage-of.html#more

Mittwoch, 11. November 2015

"Es ist an der Zeit. Für Frieden"

Ute Latendorf, deren Buch über den Buxtehuder Friedhof ich hier schon besprochen habe, hat ein neues Buch mit "Fotos vom Hamburger Parkfriedhof Ohlsdorf", wie der Untertitel heißt, herausgegeben.

Es ist ein Antikriegsbuch, das eigene Gedichte der Autorin, Antikriegsgedichte bekannter Autoren mit drei Texten aus dem Lebensbericht ihres Vaters versammelt, der in der Legion Condor in Spanien und im Zweiten Weltkrieg unter Waffen stand. Vorangestellt ist ein Aufruf zu einer neuen Friedensbewegung angesichts der kriegerischen Ereignisse besonders im Nahen Osten und dem Elend der Flüchtlinge. Verbunden mit Bildern von Soldatengräbern, dem Bombenopfermahnmal und Grabmalen, die mit dem Kriegsthema verbunden sind, ist ein sehr persönliches Buch entstanden, dem man wünscht es möge viele Aufrütteln in der Erinnerung an die Leiden und Zerstörungen der letzten beiden großen Kriege, die von Deutschland ausgingen und nicht nur auf dem Ohlsdorfer Friedhof in den Grabstätten der Opfer dokumentiert sind.

Ute Latendorf, Es ist an der Zeit. Für Frieden - Fotos vom Hamburger Parkfriedhof Ohlsdorf. Buxtehude 2015, 10 Euro + Porto. Das Buch kann nur bei der Autorin bestellt werden. Per mail ute.latendorf@outlook.de 

Nachtrag zur Tagung "Das kulturelle Erbe des Todes" in Stockholm

Titelseite der Abstracts der Tagung "Heritage of Death",
September 2015 in Stockholm
In meinem Post vom 23. März dieses Jahres habe ich auf die Tagung: "Das kulturelle Erbe des Todes: Landschaften, Empfindungen und Gewohnheiten" in Stockholm hingewiesen.

Inzwischen hat die Tagung stattgefunden. Ich wäre wirklich gern dabei gewesen, aber wenigstens ist inzwischen das Tagungsprogramm veröffentlicht und es gibt auch ein Dokument mit den Abstracts der auf englische gehaltenen Vorträge.

Eine sehr internationale Versammlung hat in Stockholm über das kulturelle Erbe diskutiert. Die Vorträge waren in verschiedenen Blöcken zusammengefasst; überschrieben mit  "Schwarzer Tourismus", "Memorials", "Epischer Tod und politischer Kontext",
"Neue Perspektiven", Religion und Emotion", "Friedhöfe", "Klänge des Todes" und "Königlicher Tod". Bilder von der Konferenz kann man übrigens hier und hier sehen.

Ich nehme an, dass die Vorträge der Tagung noch zu einem Tagungsband zusammengefasst werden.

Mittwoch, 4. November 2015

Friedhofskultur soll Weltkulturerbe werden!

Interview mit Barbara Leisner zum Wandel der Trauerkultur
(Seniorenratgeber Ausgabe November 2015, S. 76)
Zur Zeit sind Friedhöfe in den Medien und besonders im Fernsehen wieder einmal - wie jedes Jahr - Thema. Ich selbst durfte dazu dem Senioren-Ratgeber ein Interview geben, das sich auf den Wandel der Trauerkultur bezog. Das ist auch genau der Ausgangspunkt einer Initiative, die von einer ganzen Reihe von Institutionen getragen wird, die mit Friedhof und Bestattung zu tun haben.

Die Initiative Kulturerbe Friedhof  hat sich zum Ziel gesetzt, die Deutschte Friedhofskultur in die Unesco-Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit eintragen zu lassen. Am 29. Oktober wurde diese Initiative im Bestattungsforum des Ohlsdorfer Friedhofes der Öffentlichketi vorgestellt und natürlich gehört auch der Förderverein Ohlsdorfer Friedhof e.V. den Unterstützern dieses Ziels.

Ich persönlich hoffe, dass sich auch alle übrigen Vereine zur Erhaltung historischer Friedhöfe anschließen werden! (Das kann man hier tun!)

Der vollständige Text des Antrags bei der Unesco ist inzwischen veröffentlich worden. Darin wird die Friedhofskultur beschrieben, die vielfältige kulturelle Ausdrucksformen umfasst. Sie beziehen sich - wie der Antrag formuliert - "vor allem auf die gesamtgesellschaftliche Bedeutung zusammen mit der gestalterischen, künstlerischen und handwerklichen Dimension des Kulturraums Friedhof sowie auf individuelle Trauerverarbeitung und persönliches Gedenken."

Friedhöfe werden als Ausdruck der deutschen Erinnerungskultur verstanden und damit sozusagen als ortsgebundene Geschichtsbücher. Es wird auf den Wandel der "Rituale und Gestaltungskonzepte der Friedhöfe mit den zeitgeistlichen Strömungen" verwiesen. Und es heißt weiter: "Der Kulturraum Friedhof lässt sich nicht nur in Bezug auf Sitten und Gebräuche als gesamtgesellschaftlicher, integrativer Pfeiler unseres Landes verorten, sondern auch in gestalterischer Hinsicht. Unsere Friedhöfe sind als Gärten der Erinnerung einzigartig in Europa und zugleich Grün- und Kulturflächen mit hoher landschaftsarchitektonischer und städtebaulicher Bedeutung. Die individuell angelegten und geschmückten Gräber fügen sich zu einem facettenreichen Gesamtbild, das seit Jahrhunderten Zeitgeist und Geschmack unseres Landes widerspiegelt." Damit präsentiert sich die Friedhofskultur nach Meinung der Antragstellter "als äußerst lebendiges Kulturgut", das seine identitätsstiftende Kraft "nicht primär aus der materiellen Präsenz der Friedhöfe, sondern aus der hier erlebbaren, sich fortschreibenden Erinnerungskultur, die Menschen nach innen bewegt und Gesellschaft nach außen prägt" bezieht.

Es bleibt abzuwarten, ob die Unesco dem Antrag zustimmt. Auf jeden Fall aber ist die Initiative schon öffentlichkeitswirksam geworden und hat es sogar in die Nachrichtensendung des ZDF geschafft (Abendnachrichten vom 2.11.2015).