Dienstag, 6. August 2013

Der Alte Friedhof von Buttstädt - Neuauflage

Buchtitel 
 In Deutschland gibt es nur wenige Friedhöfe aus der Zeit der Reformation, die in der Form des Campo Santo erhalten geblieben sind. So handelt es sich bei allen diesen Begräbnisorten - neben dem Friedhof in Buttstädt gehört der Stadtgottesacker in Halle und der Kronenfriedhof in Eisleben heute noch zu diesem Typus - um echte Kleinode der Friedhofsgeschichte.

Einen Überblick und einen kleinen Führer zum Buttstädter "Gottesacker" gibt Nils-Christian Engel in dem ersten Bändchen seiner Reihe "destinatio planquadrat", das gerade in zweiter, deutlich erweiterter Auflage erschienen ist.

Am Anfang wird Buttstädt kurz vorgestellt, dessen einstiger Reichtum aus der Lage als Knotenpunkt von Fernverbindungen und damit zugleich dem Standort eines großen Ochsen- und späteren Pferdemarktes resultierte. Erst nach dem Bau einer Eisenbahnlinie im 19. Jahrhunderts verlor die Stadt ihre hervorgehobene Stellung. Den ehemaligen Reichtum der Bewohner aber erkennt man noch heute an den vielen barocken Grabmalen des Friedhofes.


Mit vierzehn Stationen stellt der kleine Führer einzelne Grabmale und Grabmalgruppen in ausgezeichneten Bildern - man muss warten können und den Friedhof kennen, damit man weiß, wann das Licht die Reliefs und Schriften so hervorhebt, dass man sie gut sehen kann - und mit knappen Texten vor dem Besucher vor. Dabei sind die Inschriften genau wiedergegeben, soweit sie lesbar sind, und bei den lateinischen Texten hilft eine deutsche Übertragung den Inhalt zu verstehen. Anmerkungen zur Gestaltung der Grabmale verdeutlichen dazu das jeweilige Bildprogramm. Überblicksfotos zeigen den Reichtum der Gesamtanlage, um deren Erhalt und Restaurierung sich  ein rühriger Förderkreis seit Jahrzehnten bemüht.

So verhiflt dieses Bändchen nicht nur den Besuchern sondern auch Lesern, die den Friedhof noch nicht kennen, zu einem informativen ersten Überblick über die Anlage und ihre Kulturschätze. Hat man es durchgelesen, so wünscht man sich eigentlich nur, dass ein umfangreicherer Band gleicher Machart den ganzen historischen Reichtum wiedergeben würde.

Nils-Christian Engel, Der Alte Friedhof von Buttstädt, destinatio planquadrat Nr. 1, 40 Seiten, zahlreiche Farbabbildungen, 14 x 15,4 cm, ISBN 3-938819-00-6, 4,50 €   

Donnerstag, 1. August 2013

Gedenken an die „Operation Gomorrha“

Schon beim diesjährigen Friedensfest, über das ich im vorigen Post berichtet habe, geht es um die Erinnerung an den Hamburger Feuersturm; jener Bombennächte vor jetzt genau 70 Jahren, in denen Hamburg so lichterloh brannte, dass das Feuer noch im 70 Kilometer entfernten Neumünster zu sehen war. Natürlich berichten die Medien, besonders der NDR, ausführlich über diesen Jahrestag. Aber es gibt auch andere Gedenkaktionen.
Bombenopferkreuz auf dem Ohlsdorfer Friedhof (Foto Rehkopf)
Die Arbeit des Bildhauers Axel Richter beschäftigt sich dabei direkt mit dem Bombenopfergrab auf dem Ohlsdorfer Friedhof. Er nutzt "Stadtteilbalken" von den Massengräbern auf dem Ohlsdorfer Friedhof, Marmorstücke aus dem Altar der zerstörten St. Nikolaikircheam Hopfenmarkt und Douglasienholz aus dem Skulpturenpark des Haus am Schüberg und verarbeitet sie zu einem temporären Mahnmal mit dem Titel "Erinnerungen aufbrechen" zum Gedenken an die „Operation Gomorrha“.

Eichenbalken auf dem
Bombenopferkreuz (Foto Rehkopf)
Vom 2. August bis Anfang November wird das Kunstwerk zwischen der Dietrich-Bonhoeffer-Statue und dem Kunstdruck „Guernica“ von Pablo Picasso der Hauptkirche St. Petri zu sehen sein.
Nach den verheerenden Bombenangriffen auf Hamburg im Sommer 1943 wurden etwa 35.000 Opfer in Massengräbern auf dem Ohlsdorfer Friedhof beigesetzt. Die Bestattungsarbeiten erfolgten durch KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter unter unvorstellbar harten Arbeitsbedingungen. Bereits 1944 wurden diese Massengräber mit Eichenbalken besetzt, die die Namen der 1943 stark zerstörten Stadtteile trugen. Nach Aussage des ehemaligen Friedhofsmitarbeiter Helmut Schoenfeld waren diese schon in den 1980er erneuert worden. Jetzt waren es wieder soweit, dass sie durch neue Balken ersetzt werden mussten.
Inschrift auf einem der Eichenbalken
(Foto Rehkopf)

Der Bildhauer Axel Richter ist Initiator des an verschiedenen Orten Hamburgs entwickelten Skulpturenprojektes "Netzwerk Sehnsucht" im Kirchenkreis Hamburg-Ost. Im Umfeld der Ausstellung wird es in der Hauptkirche St. Petri verschiedene Veranstaltungen geben, u.a. eine Lesung mit dem Schauspieler Rolf Becker am 20. August um 20 Uhr. Sie steht unter dem biblischen Motiv: „Wer das Schwert nimmt, soll durch das Schwert umkommen.“

Titelbild, Schriftenreihe des
Förderkreis Ohlsdorfer
Friedhof Bd. 5
Vielleicht passt in diesem Zusammenhang noch der Hinweis auf den kleinen Band 5 der Schriftenreihe des Förderkreises Ohlsdorfer Friedhof, in dem schon 1993 Zeitzeugentexte versammelt wurden, die damals in einer Veranstaltung vor dem Bombenopfermahnmal, vorgelesen bzw. von einem der Autoren, der inzwischen leider verstorben ist, selbst erzählt wurden.

Montag, 29. Juli 2013

Führung zum Ohlsdorfer Friedensfest in Hamburg


Das KZ-Opfer-Mahnmal auf dem Ohlsdorfer 
Friedhof. Foto: P. Schulze
Im Rahmen des Ohlsdorfer Friedensfestes lädt der Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof e.V. am Sonntag, den 4. August 2013, 10:30 Uhr zu einer Führung zu den Gedenkstätten des 2. Weltkriegs ein. 

Das Ohlsdorfer Friedensfest wird seit einigen Jahren zur Erinnerung an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft von mehreren Vereinen und Initiativen in Hamburg veranstaltet. Dieses Jahr hat es am 20. Juli begonnen und geht bis zum 4. August 2013. Dabei findet eine Reihe von Aktionen am Mahnmal für die Bombenopfer statt. 

Das ganz Programm findet man hier. Der Förderkreis unterstützt die Veranstaltung mit themengleichen Friedhofs-Führungen. Damit auch auf Gedenkorte in der Nähe des Haupteingangs aufmerksam gemacht werden kann, geht es von dort vornehmlich zu den Gräbern der hamburgischen Widerstandskämpfer und zum KZ-Opfer-Mahnmal. Gleichzeitig wird auch eine Führung mit dem Fahrrad angeboten. Diese Tour führt u. a. zu den Einzelgräbern von Bombenopfern bei Kapelle 10, zu den Gräbern britischer Soldaten, zu den Sammelgräbern der Bombenopfer und zur weitläufigen Grabanlage der Zwangsarbeiter aus verschiedenen Nationen. Die Fahrradgruppe wird gegen 11:00 Uhr beim Ohlsdorfer Friedensfest am Bombenopfer-Mahnmal eintreffen.

Treffpunkt und Beginn für beide Führungen ist hinter dem Verwaltungsgebäude Fuhlsbüttler Straße 756 um 10:30 Uhr. Ein Kostenbeitrag von 4 Euro wird erbeten, Kinder sind frei.









Bildunterschrift:





Das KZ-Opfer-Mahnmal auf dem Ohlsdorfer Friedhof. Foto: P. Schulze

Samstag, 27. Juli 2013

Alter Friedhof in Schwerin feiert 150jähriges Jubiläum

Seit Juni dieses Jahres feiert der Alte Friedhof in Schwerin mit einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm  sein 150jähriges Bestehen. Bis zum September läuft in der Trauerkapelle noch die Ausstellung „Symbole – Zeichen vom Ich“.

In wenigen Tagen - am 31. Juli - wird dann im Foyer der Stadtwerke dieAusstellung „150 Jahre Alter Friedhof - Ein Ort der Erinnerung und Ruhe" eröffnet, die dort und parallell im Stadthaus einen Monat lang zu sehen sein wird. Sie zeigt die vielen Gesichter dieses inmitten der Landeshauptstadt gelegenen Garten- und Landschaftsdenkmals, das - von Gartenbaumeister Theodor Klett gestaltet - am 28. Juli 1863 eröffnet wurde.

Zum Jubiläum gehörten und gehören außerdem eine ganze Reihe von Vorträgen, Sonderführungen und anderen Veranstaltungen: So eröffnet zum Beispiel der Landesinnungsverband des Steinmetz- u. Steinbildhauerhandwerks M-V und der Friedhofsgärtner der Treuhandstelle am 2. August eine eigene Ausstellung im Grabfeld VIII a, am 14.August wird der Film „Theodor Klett – Hofgärtner in Schwerin“ gezeigt und am 26. Oktober ist ein Konzert des Schweriner Gospel-Chors geplant. Mehr zu den Veranstaltungen kann man zur Zeit auch auf der Seite des SDS (Stadwirtschaftliche Dienstleistungen Schwerin) nachlesen.

Dazu ist ein neues Buch über den Friedhof mit dem Titel "150 Jahre Alter Friedhof Schwerin - 1813 - 2013 vom Gottesacker zum Gartendenkmal" erschienen, in dem Christine Reberg-Credé die historischen Aspekte der Anlage beleuchtet und der Landschaftsarchitekt Matthias Proske die denkmalpflegerische Zielstellung erläutert.


Donnerstag, 27. Juni 2013

Zum Umgang mit historischen Friedhöfen in Russland

Seitdem ich mich über die Friedhöfe in Tula informiert habe, stehe ich offenbar auf einer E-mail-Liste des Verbandes Russischer Beerdigungs- und Krematoriumsunternehmer. So habe ich auch eine Einladung mit dem Programm der Tagung und der Hauptversammlung der Union der Begräbnis- und Krematoriumsorganisationen (SPOC) erhalten, die vom 4. bis 6. Juli in St. Petersburg stattfinden. Nun gehört das Beerdigungsgeschäft in Russland eigentlich nicht wirklich zu meinen Hauptinteressen, aber neugierig, wie ich nun einmal bin, habe ich mir das Programm vom Google-Übersetzer denn doch einmal ins Deutsche übertragen lassen.

Grabmal des Kanzlers Nesselrode
auf dem Smolensker lutheraischem Friedhof
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license Foto: Vitold Muratov.
Da geht es um professionelle Standards und staatliche Dekrete, aber auch um die Krise der Beerdigungs-industrie in Russland und "Die Zukunft der Bestattungskultur". In Workshops werden dann unter anderem "Aktuelle Probleme der Organisation der Friedhöfe", regionale und internationale Erfahrungen mit der Organisation von Friedhöfen und Probleme der ehemaligen Grabstätten, sowie um eine Analyse des Denkmalmarktes und die Ergebnisse einer Bestandsaufnahme der Friedhöfe der Stadt Ulyanovosk behandelt; der Stadt, in der Lenin geboren wurde.

Ich habe im Internet gesucht und gefunden, dass es in dieser Stadt mindestens einen aktiven Historiker gibt, der sich auch für Friedhöfe interessiert. Vyatcheslav Nikolayevitch Ilyin hat 2001 ein Buch über "Kirchen und Friedhöfe in Ulyanovosk" herausgegeben. Möglicherweise ist er die treibende Kraft hinter dieser Bestandsaufnahme. 

Abends besuchen die Teilnehmer den Serafim-Friedhof, auf dem auch die Toten der deutschen Belagerung St. Petersburgs im 2. Weltkrieg bestattet sind. Weitere Besuche führen am letzten Tag zum Alexander-Newski-Kloster mit seiner Nekropole aus dem XVIII. Jahrhundert, zur Nekropole der Künstler, zum orthodoxen Friedhof von Smolensk mit der Kapelle der Heiligen  Xenia, sowie zu dem lutherischen und dem armenischen Friedhof dieser Stadt, die zusammen mit orthodoxen Friedhof auf der Dekabristen-Insel liegen.

Der lutherische Friedhof ist einer der größten und ältesten nicht-orthodoxen Friedhöfe der Stadt. Bis in das frühe 20. Jahrhundert war er einer der wichtigsten Bestattungsplätze der deutschen Bevölkerung. Darauf, dass es dort Probleme gibt, weist eine kurze Nachricht auf der Website der oben genannten Organisation hin: Man glaubt es kaum, aber auf diesem berühmten Friedhof, dessen Ursprünge aus dem 12. Jahrhundert stammen, soll gerade ein Hotel errichtet werden! Der Friedhof ist heute aufgelassen, aber es sind noch Grabsteine mit Inschriften erhalten. Allerdings macht der Ort einen deprimierenden Eindruck. Eine russische Zeitung schreibt, dass er Obdachlosen und Liebhabern von Picknicks als Aufenthaltsort dient, wobei besonders die letzteren offenbar ihren Müll überall herum liegen lassen.

Immerhin scheint sich an diesem Bebauungsplan ein Konflikt zu entzünden. Vielleicht setzen sich ja auch die Beerdigungsunternehmer und Krematoriumsbetreiber nach ihrem Besuch für die Erhaltung dieses und anderer historischer Friedhöfe in Russland ein.


Dienstag, 25. Juni 2013

Friedhofsfreunde - eine neue "Community" auf google+

Friedhofsfreunde auf google+
Vor wenigen Tagen habe ich auf google+ eine neue öffentliche Community mit dem Namen dieses Blogs eingerichtet und dazu geschrieben, dass es in dieser virtuellen Gemeinschaft um historische Friedhöfe, ihre Geschichte und ihre Grabmalkultur gehen soll. Eingeladen sind alle, die gern auf Friedhöfe gehen und auch Fotos machen. Meine Begründung ist, dass ich selbst gern auf historische Friedhöfe gehe und deshalb denke, dass auch andere Menschen im Netz sind, die dieses Interesse teilen.

Erstmal habe ich niemanden eingeladen, zu dieser Gemeinschaft hinzuzukommen. Doch hat sich schon ein neues Mitglied gemeldet und einige Fotos seiner Lieblingsplätze gepostet.

Mit diesem Post hier weise ich also meine Leserinnen und Leser auf diese neue Gemeinschaft hin. Vielleicht hat ja der eine oder die andere Lust auch seine/ihre Bilder, Eindrücke, Gedanken und Vorschläge zum Umgang mit historischen Friedhöfen dort zu posten.

Dienstag, 11. Juni 2013

Ohlsdorf - ein konfessionsoffener Friedhof

Bd. 12 Schriftenreihe des
Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof e.V.
(Foto Leisner)
Zum Ausstellungsbereich "Diesseits und Jenseits - Gedenkkulturen der Weltreligionen auf dem Ohlsdorfer Friedhof", über den ich hier schon berichtet habe, ist auch eine Broschüre mit dem Titel "Ohlsdorf - ein konfessionsoffener Friedhof" erschienen. Helmut Schoenfeld berichtet in diesem 12. Band der Schriftenreihe des Förderkreises Ohlsdorfer Friedhof e.V. über die zahlreichen Grabstätten von Angehörigen verschiedener christlicher und nichtchristlicher Religionen auf dem Friedhof.

Doppelseite mit Grab eines Buddhisten (Foto Leisner)
Nach einer allgemeinen Einleitung machen einzelne jüdische Bestattungen den Anfang. Sie haben  bewusst auf dem nichtkonfessionellen Friedhof und nicht auf dem angrenzenden jüdischen Friedhof stattgefunden. Weiter geht es zum frühen Isamlische Grabfeld, das schon 1941 für die Iranische Gemeinschaft in Hamburg angekauft wurde. Es folgen die Gräber der Baha'i, jene der Zarathustrier und der Chinesischen Gemeinschaftsgrabstätte sowie eine Reihe von weiteren Gräbern, wie zum Beispiel die der Katholischen Bruderschaft.

Insgesamt bietet der schmale Band mit seinen 30 Seiten einen eindrucksvollen Überblick über ganz unterschiedliche Religionsgemeinschaften und ihre Bestattungskultur. Zu erhalten ist die Broschüre beim Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof e.V.Fuhlsbüttler Strasse 756, 22337 Hamburg
Telefon: 040 / 50 05 33 87 | E-Mail: info@fof-ohlsdorf.de oder direkt im Friedhofsmuseum.