Freitag, 17. Januar 2014

Fegen und restaurieren in Berlin

Hans-Jürgen Schatz am 4.11.2013 in Hamburg (Foto Leisner)
Den Schauspieler Hans-Jürgen Schatz habe ich im letzten Jahr kennengelernt, als die geplante „Friedhofsapp“ vorgestellt wurde. Damals wusste ich noch nicht, dass er zu den Persönlichkeiten gehört, die sich mit großem Engagement und ebenso großem Erfolg für die Erhaltung historischer Friedhöfe und Grabmale einsetzen. 

Jetzt lese ich, dass er sich schon 2010 als Kuratoriumsmitglied des Berliner Vereins „Denk mal an Berlin e.V.“ um die Restaurierung der Grabanlage von August Wilhelm Iffland (1759-1814) gekümmert hat. Im letzten Jahr wurden auf seine Initiative hin bis Ende November weitere Grabstätten restauriert: Schon im Sommer wurden auf dem Friedhof Dreifaltigkeit II die Grabstätte des Malers Adolph von Menzel (1815-1905) und der Schauspielerin Amalie Wolff (1780-1851) der Öffentlichkeit übergeben. Im November dann luden die Stiftung Historische Kirchhöfe und Friedhöfe in Berlin und Brandenburg gemeinsam mit dem Friedhofsverband Berlin Stadtmitte zu einer Feierstunde auf den Friedhöfen Jerusalem I, Jerusalem III und Dreifaltigkeit I am Halleschen Tor ein. Dort wurde die Restaurierung der Gräber des Theologen August Neander (1789-1850), des Schauspielers Theodor Döring (1803-1878) und des Generalpostdirektors des Deutschen Reichs Heinrich von Stephan (1831-1897) präsentiert. Die Maßnahme wurde möglich durch die großzügige Unterstützung des Bundes in Höhe von 46.000 Euro sowie Beiträge des Bezirkes Friedrichshain-Kreuzberg (1.500 Euro), des Ev. Friedhofsverbandes (2.600 Euro) sowie Spenden über die Stiftung Historische Friedhöfe (3.100 Euro).

Aber Schatz sammelt nicht nur Geld zur Erhaltung von Grabmalen berühmter Persönlichkeiten in Berlin. Er sorgt auch dafür, dass die Bewohner der Stadt auf ihr kulturelles Erbe aufmerksam werden. So luden er und der Pfarrer Jürgen Quandt (Geschäftsführer des Evangelischen Friedhofsverbandes Berlin Stadtmitte) in den beiden letzten Jahren zusammen mit dem „Tagesspiegel“ zum Friedhofsputztag im November ein, um die Friedhöfe nicht unter dem Herbstlaub versinken zu lassen; natürlich mit der Hoffnung den einen oder anderen nicht nur für die Sauberhaltung der Wege, sondern auch für die Erhaltung der Gräber zu begeistern.

Montag, 9. Dezember 2013

Ausstellung "Himmelskinder aus Brandenburg - Vom vorzeitigen Ende der Kindheit 1500 - 1900"

Kindergrabmal aus Kottingworth im Altmühltal
(Foto Leisner)
Diese Ausstellung ist vom 22.11.2013 - 23.02.2014 im Stadt- und Regionalsmuseum Schloss Lübben in Brandenburg  zu sehen. Im Rahmen des Themas des Kulturland-Brandenburg-Jahres "spiel und ernst - ernst und spiel. kindheit in brandenburg" widmet sie sich dem Kindertod. Es geht dabei ebenso um die Kindersterblichkeit und ihre Ursachen wie um die Frage, wie Kinder früher bestattet und wie an sie erinnert wurde.

Dabei wird natürlich auch auf die Totenkronen hingewiesen, die früher Kindern und Ledigen mit ins Grab gegeben oder auf den Sarg gelegt wurden. Sie waren Stellvertreter jener Brautkronen, die den zu jung Verstorbenen verwehrt geblieben waren und künden von der "Hochzeit mit dem Himmel". Ein schönes Bild von einer Totenkrone aus der Dorfkirche von Herzberg (Gem. Rietz-Neuendorf, Brandenburg) findet sich übrigens hier. Aber nicht nur Totenkronen auch Briefe von trauernden Eltern, Gemälde, Fotos, Skulpturen, Grafiken und Hörbeiträge mit Kindertotenliedern sowie Predigten geben ein Einblick in den Umgang mit dem Kindertod seit dem 15. Jahrhundert und bis zum Ende des 19. Jahrhunderts. Dem Tod gegenübergestellt sind Exponate, die vom Leben und vom Spiel der Kinder erzählen.

Die Ausstellung wurde von Dr. Sylvia Müller-Pfeifruck erarbeitet, die sich mit diesem Thema seit langem intensiv auseinandersetzt. Dazu wird noch eine Publikation erscheinen. Gefördert wurde dieses Projekt von einer ganzen Reihe von Institutionen, die mit Lübben verbunden sind.

Das Programm der Transmortale V ist herausgekommen

Die Transmortale wird zum 5. Mal am 15.3.2014 im Museum für Sepulkralkultur in Kassel stattfinden. Der Flyer mit dem Programm ist jetzt herausgekommen:
Programm der transmortale V

Und dazu noch ein Nachtrag, die Transmortale besitzt nun auch wieder ein Blog (nachdem das Blog auf Posterous seit einem Jahr geschlossen ist): transmortale.wordpress.com/

Donnerstag, 5. Dezember 2013

Religion und Landschaft - Ein neues Buch des Bund Heimat und Umwelt

Titelseite "Religion und Landschaft"
 Bildquelle
Eigentlich hat dieses Buch auf den ersten Blick nicht viel mit historischen Friedhöfen zu tun. Es geht darin um das reiche religiöse materielle und immaterielle Landschafts- und Kulturerbe in Deutschland und das sind zum Beispiel Kulturlandschaften in Deutschland, die durch Klosteranlagen, Pilgerrouten und Kleindenkmäler wie Wegekreuze und Bilderstöcke bestimmt sind. Dabei sind aber auch andere europäische Länder einbezogen, wenn der Jakobsweg in Spanien oder die europaweit wirkenden Zisterzienser und das Netzwerk ihrer Klöster thematisiert werden.

Ein Beitrag der insgesamt 18 Texte aber widmet sich den doch dem Friedhof. Norbert Fischer, der durch seine Friedhofspublikationen weit bekannt ist, schreibt über den "Friedhof als Gedächtnisland" in Geschichte und Gegenwart und überrträgt dabei das Konzept der Landschaft, in die die Geschichte der Menschen gleichsam eingeschrieben ist, auf den Ort der Bestattung. Er beschreibt wie sich im Laufe der Jahrhunderte seine sakrale Bedeutung gewandelt hat, wie sie einer säkularisierten Anschauung gewichen ist und der Bestattungsort zur Friedhofslandschaft wurde und welche Wandlungen er zur Zeit durchmacht. So bildet dieser Text mit seinen reichen Literaturanmerkungen eine gute Ausgangsbasis für das Verständnis der historischen Friedhofsentwicklung. 

Insgesamt ist das Buch mit Fotos reich bestückt. Es kann beim Bund Heimat und Umwelt bezogen werden. Um eine Spende wird gebeten. Kontakt: Bund Heimat und Umwelt in Deutschland (BHU), Bundesverband für Kultur, Natur und Heimat e.V., Adenauerallee 68, 53113 Bonn, Telefon: +49 228 224091, Fax: +49 228 215503, Internet: www.bhu.de, www.forum-kulturlandschaft.de, E-Mail: bhu@bhu.de 


Montag, 18. November 2013

Karlsruher Verein gibt sein Winterprogramm heraus

Mausoleum Bürklin, Hauptfriedhof Karlsruhe
(Foto Leisner 29.3.2011)
In meiner Linkliste fehlte er bisher, dabei kenne ich den Verein zur Pflege der Friedhofs- und Bestattungskultur bestimmt schon seit der Gründung des Mitte April 2002 eröffneten Info-Centers am Hauptfriedhof in Karlsruhe. Jetzt habe ich den Link endlich zur Liste auf der rechten Seite hinzugefügt.

Der Grund ist, dass ich heute zum ersten Mal den neuesten Flyer mit den Veranstaltungen von November 2013 bis März 2014 per Post zugeschickt bekam. Man kann ihn sicher bald im Netz herunterladen. Aber im Augenblick sieht man dort noch den Flyer von 2013. Da ich mir nicht sicher bin, ob ich das Urheberrecht verletze, wenn ich den neuen Flyer hier abbilde, habe ich hier nur den Text des Winterprogramms ausgeschnitten, denn trotz Anfrage ist auf der Website immer noch nur das Herbstprogramm zu lesen (nachgeschaut habe ich am 9.12.2013 und ja, ich bin gerade abgemahnt worden wegen des fremden Fotos einer Pommesschale in einem Blog!).

In dem Info-Center in Karlsruhe läuft übrigens bis zum 29.3.2014 noch eine Ausstellung über Professor Josef Durm und das 100jährige Mausoleum  Bürklin, für dessen Errichtung er zuständig war. Er erforschte wenige Jahre zuvor das Theoderich-Grabmal in Ravenna und man sieht, dass es zum Vorbild wurde.
Programmausschnitt aus dem Flyer des Infocenters
am Karlsruher Hauptfriedhof

Mittwoch, 6. November 2013

Häuser der Ewigkeit - Buchbesprechung

Mausoeleum Kretschmer (ehemals Schröder)
auf dem Ohlsdorfer Friehof (Foto Marianne Didiér)
In diesem Blog habe ich schon auf das Buch von Anja Kretschmer "Häuser der Ewigkeit - Mausoleen und Grabkapellen des 19. Jahrhunderts. Eine Einführung in die Sepulkralarchitektur am Beispiel Mecklenburg-Vorpommerns." hingewiesen.

Inzwischen liegt mir das Buch vor und ich habe mich durch diese umfangreiche Arbeit "hindurchgefressen". Allerdings halte ich es nicht für empfehlenswert sie von vorn bis hinten durchzulesen, denn es handelt sich weniger um eine historische Abhandlung als vielmehr um einen umfangreichen Katalog der Grabbauten des 19. Jahrhundert in Mecklenburg-Vorpommern und in einzelnen Städten im Norden Deutschlands.

Als Ziel ihrer Arbeit formuliert die Autorin den Wunsch "die privaten Grabbauten als eigenständigen Architekturtyp innerhalb der Sepulkral- und Baugeschichte" denkmalpflegerisch zu würdigen und damit "innovative Nutzungskonzepte" zu verbinden. Es handelt sich also um eine Untersuchung, die sich vorwiegend mit der Baugeschichte der einzelnen Grabgebäude beschäftigt.

Am Anfang steht eine Begriffsbestimmung, die mit dem Titel "Mausoleum versus Grabkapelle" einen Gegensatz auftut, der so im Grunde nicht besteht. Letztendlich definiert die Autorin, die beiden Begriffe aufgrund ihrer unterschiedlichen Herkunft und legt sie auf spezifische stilistische Ausformungen fest. Unter Mausoleen versteht sie die mehr oder weniger klassisch gestalteten Grabbauten, die sich an die Antike anlehnen, und den Terminus Grabkapellen verwendet sie folgerichtig für alle jene Bauten, die sich stilistisch auf das Mittelalter beziehen. Den übrigen Bautypen, wie Gruftarkaden und -hallen, Grufthaus, Hanggruft, Grabgruft, Terrassen- und Reihen- und Portalgruft widmet sie den letzten Abschnitt dieses einleitenden Teils.

Die folgenden Kapitel behandeln allgemein die Begräbnisbauten auf den Stadtfriedhöfen in Mecklenburg-Vorpommern, sowie dann einzeln und im Besonderen die Grabarchitektur in verschiedenen Städten in Mecklenburg (genau gesagt in Parchim, Wismar, Schwerin und Boizenburg), in Vorpommern (Greifswald und Stralsund), sowie auf weiteren architektonisch herausragenden Friedhöfen  ebendort (Ludwigslust, Waren, Güstrow Neustrelitz und Rostock). Die Friedhöfe werden jeweils in ihrer Geschichte vorgestellt. Anschließend werden sowohl die nicht mehr existenten wie die vorhandenen Mausoleen mit ihrer Historie und jeweils ausführlicher Bestandsbeschreibung vorgestellt. An diesen Einzeldarstellungen wird deutlich, dass hinter diesem Werk eine umfangreiche Forschungsarbeit steckt, bei der unterschiedliches und teilweise bisher noch unbekanntes Quellenmaterial gesucht und ausgewertet worden ist. Allerdings scheint sich die Autorin dabei nur um die städtischen Friedhöfe gekümmert zu haben. Grabgebäude auf privatem Grund und Boden werden nur am Anfang und eher überblicksweise in der erwähnten Abhandlung zur Begriffsbestimmung dargestellt.

Abschließen werden die Erhaltenszustände sowie typische Schadensbilder thematisiert. Erst danach stellt die Autorin den in Mecklenburg-Vorpommern untersuchten Objekten Vergleichsstudien von Grabbauten auf Friedhöfen in Kiel, Hamburg und Berlin gegenüber.

Mit dem Kapitel "Nutzungskonzepte und Erhaltensmaßnahmen" kommt sie zu dem zweiten Ziel ihrer Untersuchung. Dabei wird der Friedhof als neuer Erlebnisraum vorgestellt und Möglichkeiten aufgezeigt, das Bewusstsein der Bevölkerung in diesem Sinne zu schärfen. Neue und schon bekannte Nutzungsvorschläge für Grabbauten werden beispielhaft vorgeführt und auch der Umgang mit entwidmeten Friedhöfen ist Thema. Bei Letzterem werden Konzepte wie das Grabmalfreilichtmuseum, das Friedhofsmuseum, Lehrpfad, Ausstellungsort und Wiederaufnahme der Bestattungen, Übernahme von Grabmalpatenschaften, Neueinrichtung als Tierfriedhof und Umwandlung zur öffentlichen Parkanlage genannt.

Leider merkt man dieser sehr ambitionierten Untersuchung an, dass sie als Doktorarbeit geschrieben und anscheinend vom Verlag nicht lektoriert wurde. Die sprachliche Qualität bzw. die grammatikalische Genauigkeit ließ mich so manches Mal die Stirn runzeln, da sitzt dann manches Wort ein wenig schief oder ganze Sätze stimmen nicht. Doch insgesamt bringt diese Studie einen wichtigen und positiven Zuwachs an Wissen über die historischen Grabbauten des 19. Jahrhunderts mit sich, die in Deutschland noch lange nicht ausführlich genug dokumentiert und wertgeschätzt sind.

Hier nochmal der Buchtitel: Anja Kretschmer: Häuser der Ewigkeit. Mausoleen und Grabkapellen des 19. Jahrhunderts. Eine Einführung in die Sepulkralarchitektur am Beispiel Mecklenburg-Vorpommerns. DOBU Verlag, Hamburg 2012.ISBN 3-934632-47-5, 367 S., 29,90 Euro.

Freitag, 1. November 2013

Grabmale - restaurieren und präsentieren

Die neue Ausgabe erscheint in Kürze
Gerade habe ich ein wenig weiter geforscht zum Thema, wie Stiftungen zur Erhaltung von Friedhöfen beitragen. Dabei fand ich auch diese Pressemitteilung der Deutschen Stiftung Denkmalpflege.

Ihr Ortskuratur überbringt gerade eine bronzene Erinnerungsplakette zum alten Friedhof in Nebel auf Amrum. Sie soll an die Restaurierung der historischen Grabdenkmäler erinnern und trägt den Hinweis “Gefördert durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz mit Hilfe der GlücksSpirale”. Damit soll das Engagement der privaten Förderer der Stiftung und der GlücksSpirale bleibend sichtbar gemacht werden (hoffentlich zieht die Bronze nicht den Diebstahl nach sich!) und zu weiterer Unterstützung motivieren. 40.000 Euro stellte man im vergangenen Jahr  für die Restaurierung und Wiederaufstellung der historischen Grabdenkmäler zur Verfügung.

Mir fiel diese Nachricht besonders auf, weil wir für die neue Ausgabe unserer Ohlsdorf-Zeitschrift das Thema "Grabmale - restaurieren und präsentieren" gewählt haben. Die Restaurierung des Friedhofs in Nebel wird darin ausführlich besprochen und die neuaufgestellten Steine zieren unser Titelbild.