Montag, 29. Juli 2013

Führung zum Ohlsdorfer Friedensfest in Hamburg


Das KZ-Opfer-Mahnmal auf dem Ohlsdorfer 
Friedhof. Foto: P. Schulze
Im Rahmen des Ohlsdorfer Friedensfestes lädt der Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof e.V. am Sonntag, den 4. August 2013, 10:30 Uhr zu einer Führung zu den Gedenkstätten des 2. Weltkriegs ein. 

Das Ohlsdorfer Friedensfest wird seit einigen Jahren zur Erinnerung an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft von mehreren Vereinen und Initiativen in Hamburg veranstaltet. Dieses Jahr hat es am 20. Juli begonnen und geht bis zum 4. August 2013. Dabei findet eine Reihe von Aktionen am Mahnmal für die Bombenopfer statt. 

Das ganz Programm findet man hier. Der Förderkreis unterstützt die Veranstaltung mit themengleichen Friedhofs-Führungen. Damit auch auf Gedenkorte in der Nähe des Haupteingangs aufmerksam gemacht werden kann, geht es von dort vornehmlich zu den Gräbern der hamburgischen Widerstandskämpfer und zum KZ-Opfer-Mahnmal. Gleichzeitig wird auch eine Führung mit dem Fahrrad angeboten. Diese Tour führt u. a. zu den Einzelgräbern von Bombenopfern bei Kapelle 10, zu den Gräbern britischer Soldaten, zu den Sammelgräbern der Bombenopfer und zur weitläufigen Grabanlage der Zwangsarbeiter aus verschiedenen Nationen. Die Fahrradgruppe wird gegen 11:00 Uhr beim Ohlsdorfer Friedensfest am Bombenopfer-Mahnmal eintreffen.

Treffpunkt und Beginn für beide Führungen ist hinter dem Verwaltungsgebäude Fuhlsbüttler Straße 756 um 10:30 Uhr. Ein Kostenbeitrag von 4 Euro wird erbeten, Kinder sind frei.









Bildunterschrift:





Das KZ-Opfer-Mahnmal auf dem Ohlsdorfer Friedhof. Foto: P. Schulze

Samstag, 27. Juli 2013

Alter Friedhof in Schwerin feiert 150jähriges Jubiläum

Seit Juni dieses Jahres feiert der Alte Friedhof in Schwerin mit einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm  sein 150jähriges Bestehen. Bis zum September läuft in der Trauerkapelle noch die Ausstellung „Symbole – Zeichen vom Ich“.

In wenigen Tagen - am 31. Juli - wird dann im Foyer der Stadtwerke dieAusstellung „150 Jahre Alter Friedhof - Ein Ort der Erinnerung und Ruhe" eröffnet, die dort und parallell im Stadthaus einen Monat lang zu sehen sein wird. Sie zeigt die vielen Gesichter dieses inmitten der Landeshauptstadt gelegenen Garten- und Landschaftsdenkmals, das - von Gartenbaumeister Theodor Klett gestaltet - am 28. Juli 1863 eröffnet wurde.

Zum Jubiläum gehörten und gehören außerdem eine ganze Reihe von Vorträgen, Sonderführungen und anderen Veranstaltungen: So eröffnet zum Beispiel der Landesinnungsverband des Steinmetz- u. Steinbildhauerhandwerks M-V und der Friedhofsgärtner der Treuhandstelle am 2. August eine eigene Ausstellung im Grabfeld VIII a, am 14.August wird der Film „Theodor Klett – Hofgärtner in Schwerin“ gezeigt und am 26. Oktober ist ein Konzert des Schweriner Gospel-Chors geplant. Mehr zu den Veranstaltungen kann man zur Zeit auch auf der Seite des SDS (Stadwirtschaftliche Dienstleistungen Schwerin) nachlesen.

Dazu ist ein neues Buch über den Friedhof mit dem Titel "150 Jahre Alter Friedhof Schwerin - 1813 - 2013 vom Gottesacker zum Gartendenkmal" erschienen, in dem Christine Reberg-Credé die historischen Aspekte der Anlage beleuchtet und der Landschaftsarchitekt Matthias Proske die denkmalpflegerische Zielstellung erläutert.


Donnerstag, 27. Juni 2013

Zum Umgang mit historischen Friedhöfen in Russland

Seitdem ich mich über die Friedhöfe in Tula informiert habe, stehe ich offenbar auf einer E-mail-Liste des Verbandes Russischer Beerdigungs- und Krematoriumsunternehmer. So habe ich auch eine Einladung mit dem Programm der Tagung und der Hauptversammlung der Union der Begräbnis- und Krematoriumsorganisationen (SPOC) erhalten, die vom 4. bis 6. Juli in St. Petersburg stattfinden. Nun gehört das Beerdigungsgeschäft in Russland eigentlich nicht wirklich zu meinen Hauptinteressen, aber neugierig, wie ich nun einmal bin, habe ich mir das Programm vom Google-Übersetzer denn doch einmal ins Deutsche übertragen lassen.

Grabmal des Kanzlers Nesselrode
auf dem Smolensker lutheraischem Friedhof
This file is licensed under the 
license Foto: Vitold Muratov.
Da geht es um professionelle Standards und staatliche Dekrete, aber auch um die Krise der Beerdigungs-industrie in Russland und "Die Zukunft der Bestattungskultur". In Workshops werden dann unter anderem "Aktuelle Probleme der Organisation der Friedhöfe", regionale und internationale Erfahrungen mit der Organisation von Friedhöfen und Probleme der ehemaligen Grabstätten, sowie um eine Analyse des Denkmalmarktes und die Ergebnisse einer Bestandsaufnahme der Friedhöfe der Stadt Ulyanovosk behandelt; der Stadt, in der Lenin geboren wurde.

Ich habe im Internet gesucht und gefunden, dass es in dieser Stadt mindestens einen aktiven Historiker gibt, der sich auch für Friedhöfe interessiert. Vyatcheslav Nikolayevitch Ilyin hat 2001 ein Buch über "Kirchen und Friedhöfe in Ulyanovosk" herausgegeben. Möglicherweise ist er die treibende Kraft hinter dieser Bestandsaufnahme. 

Abends besuchen die Teilnehmer den Serafim-Friedhof, auf dem auch die Toten der deutschen Belagerung St. Petersburgs im 2. Weltkrieg bestattet sind. Weitere Besuche führen am letzten Tag zum Alexander-Newski-Kloster mit seiner Nekropole aus dem XVIII. Jahrhundert, zur Nekropole der Künstler, zum orthodoxen Friedhof von Smolensk mit der Kapelle der Heiligen  Xenia, sowie zu dem lutherischen und dem armenischen Friedhof dieser Stadt, die zusammen mit orthodoxen Friedhof auf der Dekabristen-Insel liegen.

Der lutherische Friedhof ist einer der größten und ältesten nicht-orthodoxen Friedhöfe der Stadt. Bis in das frühe 20. Jahrhundert war er einer der wichtigsten Bestattungsplätze der deutschen Bevölkerung. Darauf, dass es dort Probleme gibt, weist eine kurze Nachricht auf der Website der oben genannten Organisation hin: Man glaubt es kaum, aber auf diesem berühmten Friedhof, dessen Ursprünge aus dem 12. Jahrhundert stammen, soll gerade ein Hotel errichtet werden! Der Friedhof ist heute aufgelassen, aber es sind noch Grabsteine mit Inschriften erhalten. Allerdings macht der Ort einen deprimierenden Eindruck. Eine russische Zeitung schreibt, dass er Obdachlosen und Liebhabern von Picknicks als Aufenthaltsort dient, wobei besonders die letzteren offenbar ihren Müll überall herum liegen lassen.

Immerhin scheint sich an diesem Bebauungsplan ein Konflikt zu entzünden. Vielleicht setzen sich ja auch die Beerdigungsunternehmer und Krematoriumsbetreiber nach ihrem Besuch für die Erhaltung dieses und anderer historischer Friedhöfe in Russland ein.


Dienstag, 25. Juni 2013

Friedhofsfreunde - eine neue "Community" auf google+

Friedhofsfreunde auf google+
Vor wenigen Tagen habe ich auf google+ eine neue öffentliche Community mit dem Namen dieses Blogs eingerichtet und dazu geschrieben, dass es in dieser virtuellen Gemeinschaft um historische Friedhöfe, ihre Geschichte und ihre Grabmalkultur gehen soll. Eingeladen sind alle, die gern auf Friedhöfe gehen und auch Fotos machen. Meine Begründung ist, dass ich selbst gern auf historische Friedhöfe gehe und deshalb denke, dass auch andere Menschen im Netz sind, die dieses Interesse teilen.

Erstmal habe ich niemanden eingeladen, zu dieser Gemeinschaft hinzuzukommen. Doch hat sich schon ein neues Mitglied gemeldet und einige Fotos seiner Lieblingsplätze gepostet.

Mit diesem Post hier weise ich also meine Leserinnen und Leser auf diese neue Gemeinschaft hin. Vielleicht hat ja der eine oder die andere Lust auch seine/ihre Bilder, Eindrücke, Gedanken und Vorschläge zum Umgang mit historischen Friedhöfen dort zu posten.

Dienstag, 11. Juni 2013

Ohlsdorf - ein konfessionsoffener Friedhof

Bd. 12 Schriftenreihe des
Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof e.V.
(Foto Leisner)
Zum Ausstellungsbereich "Diesseits und Jenseits - Gedenkkulturen der Weltreligionen auf dem Ohlsdorfer Friedhof", über den ich hier schon berichtet habe, ist auch eine Broschüre mit dem Titel "Ohlsdorf - ein konfessionsoffener Friedhof" erschienen. Helmut Schoenfeld berichtet in diesem 12. Band der Schriftenreihe des Förderkreises Ohlsdorfer Friedhof e.V. über die zahlreichen Grabstätten von Angehörigen verschiedener christlicher und nichtchristlicher Religionen auf dem Friedhof.

Doppelseite mit Grab eines Buddhisten (Foto Leisner)
Nach einer allgemeinen Einleitung machen einzelne jüdische Bestattungen den Anfang. Sie haben  bewusst auf dem nichtkonfessionellen Friedhof und nicht auf dem angrenzenden jüdischen Friedhof stattgefunden. Weiter geht es zum frühen Isamlische Grabfeld, das schon 1941 für die Iranische Gemeinschaft in Hamburg angekauft wurde. Es folgen die Gräber der Baha'i, jene der Zarathustrier und der Chinesischen Gemeinschaftsgrabstätte sowie eine Reihe von weiteren Gräbern, wie zum Beispiel die der Katholischen Bruderschaft.

Insgesamt bietet der schmale Band mit seinen 30 Seiten einen eindrucksvollen Überblick über ganz unterschiedliche Religionsgemeinschaften und ihre Bestattungskultur. Zu erhalten ist die Broschüre beim Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof e.V.Fuhlsbüttler Strasse 756, 22337 Hamburg
Telefon: 040 / 50 05 33 87 | E-Mail: info@fof-ohlsdorf.de oder direkt im Friedhofsmuseum.

Samstag, 25. Mai 2013

tanz & tod - Eine Ausstellung in Kassel

Gestern abend wurde die neue Ausstellung "tanz & tod" im Kasseler Sepulkralmuseum mit der Tanzperformance des Butho-Tänzers und Choreografen Tadashi Endo eröffnet. Sie läuft bis zum 8. September und widmet sich dem spannenden Gegensatz zwischen  der Lebendigkeit des Tanzes, der immer den Einsatz des bewegten Körpers benötigt, und der Starre des Todes. Dem Butho-Tanz ist ein eigener Raum gewidmet.

Im Flyer wird beschrieben, dass die Ausstellung ausgehend von Totentanz-Grafiken aus der Museumssammlung den Bogen von den darstellenden und bildenden Künsten bis zu Phänomenen der Alltagskultur spannt. Damit wird eine "Collage aus ... dokumentarischem Filmaterial, Fotografien, Künstervideos, Künsterinstallationen, Tanzsequenzen und Viedoclips" vorgeführt, die zeigen in wie vielen Bereichen - vom Balett über Ausdruckstanz bis zum Tanztheater - der Tod eine allgegenwärtige Rolle spielt.

Zur Ausstellung gibt es in den nächsten Monaten eine Veranstaltungsreihe, in denen verschiedene Tänzer und Tanzgruppen ihre Interpretationen des Themas zeigen,  dazu gibt es Tanzworkshops für Kinder, Ausstellungsführungen und ein Filmprogramm.


Freitag, 24. Mai 2013

Wo München Ruhe findet - Festschrift 450 Jahre Alter Südlicher Friedhof

Titelbild der Broschüre zum Jubiläum des
Alten Südlichen Friedhofs in München
(Foto Leisner, Abbildung mit freundlicher
Erlaubnis v. Städtische Friedhöfe München)
Die Ausstellung und Festschrift zum Jubiläumsjahr des Alten Südlichen Friedhofs in München habe ich schon im meinem Post vom 5. Mai 2013 erwähnt. Jetzt liegt mir auch die umfangreiche Broschüre vor (vielen Dank an "Städtische Friedhöfe München").

Die 76 Seiten starke hochformatige Publikation besticht durch ihre vielen zum größten Teil farbigen Bilder, die stets ausführlich beschriftet sind, und durch ihren buntgemischten Inhalt, in dem selbstverständlich die Geschichte des Alten Südlichen Friedhofs einen wichtigen Platz einmimmt. Auch die weitere Friedhofsgeschichte hin zur Dezentralisierung der Münchener Friedhöfe unter dem Stadtbaumeister Hans Grässel bis in die Gegenwart wird im überblicksweise vermittelt. Daneben erklärt ein Fachbeitrag  die wichtigsten Bayrischen Grabmalgesteine und man erfährt etwas über Grabmalsymbolik und repräsentative Grabmale. Ein weiterer Fachbeitrag der Kunsthistorikerin Claudia Denk, die zusammen mit John Ziesemer - er schreibt über  wegweisende Friedhofsplanungen im 19. Jhr. - die Grabmale des Südlichen Friedhofs untersucht hat und im Jahr 2005 eine viel beachtete Tagung mit dem Thema "Der Bürgerliche Tod" (vgl. die Rezension auf Sehepunkte) durchführte, gibt über die frühe Bedeutung des Friedhofes für die Künstler und über die Rezeptionsgeschichte der Münchener Grabmalkunst im 19. Jahrhundert Aufschluss.

Dazu kommt ein Abriss der Münchener Bestattungsgeschichte und eine Vorstellung von historischen Gedenkorten und neueren Bestattungsorten, unter denen zum Beispiel die Anonyme Grabstätte mit dem Steinkreis der Künstlerin Karolin Bräg weit über München hinaus für Aufmerksamkeit gesorgt hat. Aber auch die Bedeutung von Friedhöfen und besonders des Südlichen Friedhofs als Rückzugsorte für Flora und Fauna wird beleuchtet. Mir gefiehl besonders gut der Beitrag eines Anwohners des Alten Südlichen Friedhofs, der seine Beziehung zu diesem besonderen Ort, seiner Natur und seiner heutigen kulturellen Nutzung lebendig schildert, denn der aufgelassene Friedhof hat sich inzwischen als Ort für Konzerte ebenso etabliert, wie als dunkler Raum, wo Kinder im Spätherbst auch in der Millionenstadt noch Laterne laufen können.

Nein, die letzte Information habe ich nicht aus der Broschüre, aber ich möchte hier zwei - ja was sind es? - E-Books? empfehlen. Man sie nicht herunterladen, sondern nur im Internet anschauen. Sie geben einen lebendigen Eindruck der heutigen Friedhofskultur in München und sind zudem schön anzuschauen und zu hören (man braucht dazu allerdings einen Computer mit Flash player, mein iPad machte da nicht mit!): Münchener Friedhöfe - Begegnungen und Münchener Friedhöfe - Ein Spaziergang.

Doch zurück zur Festschrift: Insgesamt bietet sie einen weitgefächerten und interessanten Überblick über Geschichte und Gegenwahrt der Bestattungs- und Friedhofskultur in München und, wenn ich dieses Jahr noch einmal dorthin kommen sollte, werde ich mir bestimmt auch die Ausstellung in der Karmeliterkirche anschauen. Dort wird die Festschrift übrigens in Einzelexemplaren kostenfrei abgegeben.

Ein letzter Hinweis noch zum Schluss: Die Sonderseiten zum Jubiläum in Internet sind jetzt auch fertiggestellt, da muss sich niemand mehr über fehlende Links beklagen.)