Buchcover: Fischer, Gedächtnislandschaften in Geschichte und Gegenwart |
Mittwoch, 14. Dezember 2016
Gedächtnislandschaften in Geschichte und Gegenwart
Freitag, 18. November 2016
Stirbt der Friedhof?
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Sörries, Stirbt der Friedhof? Fachhochschulverlag |
In dieser Schrift geht Sörries daran, die Ursachen des von ihm antizipierten „Friedhofssterbens“ zu diagnostizieren. Rhetorisch fragt er in den Überschriften seiner Kapitel, ob es an Krankheit oder einem Unfall liegt, ob die Klimaveränderung schuld ist oder ein gewaltsamer Tod bevorsteht, ob die Umstände einfach nur so sind, ob es vielleicht sogar an der eigenen Unachtsamkeit liegt oder ob eventuell doch Rufmord am Friedhof begangen wird. Er erläutert kurz die Geschichte des „Kranken“ von der Verlegung der Bestattungsplätze seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert, über die Einführung der Feuerbestattung, die Friedhofsreform und die Veränderungen nach dem 2. Weltkrieg, als sich die Anonyme Bestattung durchzusetzen begann bis zum heutigen „Krankheitsbazillus“ in Form der Naturbestattung und anderer alternativer Bestattungsformen, die er ja gerade in seinem letzten Buch öffentlichkeitswirksam beschrieben hat.
Sörries macht dabei die - eigentlich ja wohl gesamtgesellschaftliche - Liberalisierung als gravierendes Krankheitsbild aus und beschreibt sie als Eiterblase, die mit der Aufhebung des Friedhofszwangs geplatzt sei. Die Heilungschancen gehen seiner Meinung nach gegen null (S.21). Allerdings widerspricht er seiner frühen Diagnose nach der ausführlichen Darlegung weiterer Gründe für das Sterben der Friedhöfe, wenn er am Schluss schreibt (S. 96): „Es mag schon sein, dass der Friedhof das eine oder andere Wehwehchen hat, doch die bringen ihn nicht um“ und das Fazit zieht, dass der Friedhof mehr von Trauer verstehen sollte.
Donnerstag, 10. November 2016
Vita Dubia - neue Ausgabe der Zeitschrift "Friedhof und Denkmal"
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Titelseite der Zeitschrift für Sepulkralkutur "Friedhof und Denkmal", 3/4-2016 |
Zusätzlich ist in dem neuen Heft ein Aufsatz über Vorrichtungen an Särgen abgedruckt, die möglicherweise auf die Angst vor dem Scheintod hinweisen, und in der Rubrik "Aus den Beständen des Museum" wird eine Lithografie mit dem Titel "Die Leichenessen" vorgestellt, auf der ein auferstandener Toter die Anwesenden erscheckt. Insgesamt liegt damit ein gut lesbares Kurzkompendium für die Thematik des Scheintodes vor, das jedem empfohlen ist, der sich mit dieser uns heute seltsam anmutenden Furcht beschäftigen will. Eine Leseprobe ist auf der Seite des Museums für Sepulkralkultur abrufbar.
Friedhof und Denkmal - Zeitschrift für Sepulkralkultur, Kassel 3/4-2016/61. Jg./ H 20682, 62 S. zahlreiche farbige Abbildungen, 8,00 Euro
Dienstag, 1. November 2016
Totenbeinli und tanzende Skelette in Basel
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Basler Totentanz, Aquarellkopie von 1806, Johann Rudolf Feyerabend :
der Tod zum König. Historisches Museum, Basel.
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Schon 2013 hatte der Verein "Totentanz" am Originalschauplatz des berühmten Basler Totentanzes der Idee neuen Raum gegeben, dass jeder einmal sterben wird und im Tod alle gleich sein werden. Das Mittelalterliche Totentanzgemälde war auf die Friedhofmauer der Baseler Predigerkirche gemalt und wurde 1805 zerstört. Doch seine Bilder wurden in der Kunst überliefert und immer wieder neu gestaltet. So ist der Totentanz heute noch ebenso aktuell wie um 1440.
Vor drei Jahren hatte der Verein den berühmten Regisseur Peter Greenaway gewinnen können, das Thema neu zu gestalten. Er ließ einen Monat lang multimediale Grabmäler inner- und ausserhalb der Predigerkirche erscheinen, auf deren Bildschirmen Vertreter der mittelalterlichen Ständepyramide ihrem Ende entgegentaumelten: Könige und Bettler, Geistliche und Laien. Und das Kino wurde gleich mit ins Grab geschickt ...
Montag, 31. Oktober 2016
Totentanz zu Halloween
Diesmal zu Halloween ein wunderbarer Film "Danse macabre" von Camille Saint-Saëns. Sein Op. 40 ist eine symphonische Dichtung, die ursprünglich als Kunstlied mit Klavierbegleitung nach dem Gedicht von Henri Cazalis erschien (1872). Das Gedicht heißt "Égalité-Fraternité" und spielt damit in seinem Titel auf die historischen Totentänze des späten Mittelalters an. Es stammt aus den "Heures Sombres", dem vierten Teil seiner Sammlung L'Illusion.
Sonntag, 16. Oktober 2016
Mit Kindern Friedhöfe entdecken
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Entdeckerheft Friedhöfe an der Bergmannstraße in Berlin |
Ein stilisiertes Rotkehlchen lädt schon auf der Titelseite zu einer Rallye auf den zusammenhängenden historischen Friedhöfen der Bergmanstraße ein. Schlägt man das Heft auf, so werden die Kinder als erstes mit den Friedhofsregeln vertraut gemacht und an das Thema Erinnerung herangeführt, Sie dürfen dann Symbole suchen und den erklärenden Texten zuordnen, erfahren ein wenig über die Friedhofsgeschichte, sollen Namen auf Denkmalen finden und deren Alter errechnen, sich um die Tierwelt kümmern und bekommen in zweiten Teil eine ganze Reihe weiterer Aufgaben und Fragen über die Grabmale am Wegesrand gestellt. Ein Lageplan mit eingezeichneter Route soll helfen den vorgegebenen Entdeckerweg auf dem Friedhof zu finden.
Das 20seitige Heft in A5-Format ist auf festem Papier gedruckt und liebevoll illustriert. Es wurde, wie der Verein ausdrücklich vermerkt, "speziell für die Friedhöfe an der
Bergmannstraße in Berlin Kreuzberg entwickelt und lässt sich auch nur dort
sinnvoll einsetzen". Dazu hat man eine Handreichung für Eltern, Lehrer und Erzieher mit Tipps und Anregungen für die Rallye entwickelt, sowie zwei Arbeitsbögen als Kopiervorlage, die auch für den Besuch anderer historischer Friedhöfe verwendet werden können. Sie enthalten die Aufgaben aus dem Entdeckerheft zu Tieren und Pflanzen und leiten dazu an sich ein Grabmal näher anzusehen.
Das Entdeckerheft kann man beim Verein bestellen oder vor Ort erwerben. Es ist kostenlos, allerdings wird der Versand berechnet. Insgesamt ist es sicher eine nachahmenswerte Initiative, die dazu einlädt sich als Familie oder mit Kindergruppen und Schulklassen spielerisch auf das Thema Friedhof und Erinnerung einzulassen.
Samstag, 15. Oktober 2016
Kunst im Stillen No. 6
Vor kurzem erreichte mich der 6. Band der Reihe "Kunst im Stillen" von Alfred E. Otto Paul, die sich den Leipziger Friedhöfen widmet. Wer dieses Blog schon länger verfolgt, weiß, dass ich auch die früheren Bände dieser Reihe hier vorgestellt habe: Genau gesagt, begleite ich seit 2009 die Publikationen dieses Autors (siehe: Band 1, Band 2, Band 3, Band 4, Band 5, sowie das Buch über den Leipziger Johannisfriedhof).
Wie für den 5. Band hat sich der Autor auch diesmal auf den Leipziger Südfriedhof beschränkt. Auf 204 Seiten werden insgesamt 34 Grabstätten und Denkmale vorgestellt. Auch wenn die Grabstätten von Honoratioren überwiegen - als Berufsbezeichnungen erscheinen z.B. Fabrikant, Porzellanhändler, Kaufmann, Kommerzienrat, Brandversicherungs-Oberinstpektor, Unternehmer, Mediziner Baurräte und viele andere, so sind doch auch eine Reihe von Frauennamen zu lesen und so ungewöhnliche Erinnerungsmale wie das Sammelgrab Eythra, das an ein ganzes durch den Braunkohleabbau verschwundenes Dorf erinnert. Wie in den vorangegangenen Bänden widmet sich der Autor nicht nur den teilweise sehr imposanten Grabmalen. Er hat zugleich für jede Grabstätte gründliche historiche Forschung betrieben und stellt so die Lebensgeschichte der Bestatteten den Lesern lebendig vor Augen.
Abgerundet wird auch dieser Band durch einen vorangestellten Friedhofsplan, auf dem die Grablage der vorgestellten Grabmale eingezeichnet sind und am Schluss durch die Vorstellung des Malers und Bildhauers Reinhold Carl, der zu Unrecht fast vergessen war, und dessen Lebensgeschichte der Autor akribisch genau wieder augegraben hat. Natürlich fehlen auch in diesem Band die ausführlichen Quellenangaben nicht und der Rücktitel ist auch hier einer Glocke vorbehalten, in diesem Fall der Anastasia-Glocke des Südfriedhofes, die 1993 in der Karlsruher Glockengießerei Carl Metz entstanden ist. Muss man noch hinzufügen, dass das Layout und die teilweise großformatigen Bilder wieder sehr ansprechend gestaltet sind und einen zusätzlichen Lesegenuß bieten? Das kleine Video oben gibt davon vielleicht einen aussagekräftigeren Eindruck, als es Worte können.
Alfred E. Otto Paul, Die Kunst im Stillen. Kunstschätze auf Leipziger Friehöfen No. 6. Selbstverlag Leipzig 2016. Zu bestellen ist der Band beim Autor über die Paul-Benndorf-Gesellschaft zu Leipzig e.V., Sonnenweg 10, 04288 Leipzig, Tel.: 034297 / 12305, Mail: info@paul-benndorf-gesellschaft.de
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