Freitag, 24. Mai 2013

Wo München Ruhe findet - Festschrift 450 Jahre Alter Südlicher Friedhof

Titelbild der Broschüre zum Jubiläum des
Alten Südlichen Friedhofs in München
(Foto Leisner, Abbildung mit freundlicher
Erlaubnis v. Städtische Friedhöfe München)
Die Ausstellung und Festschrift zum Jubiläumsjahr des Alten Südlichen Friedhofs in München habe ich schon im meinem Post vom 5. Mai 2013 erwähnt. Jetzt liegt mir auch die umfangreiche Broschüre vor (vielen Dank an "Städtische Friedhöfe München").

Die 76 Seiten starke hochformatige Publikation besticht durch ihre vielen zum größten Teil farbigen Bilder, die stets ausführlich beschriftet sind, und durch ihren buntgemischten Inhalt, in dem selbstverständlich die Geschichte des Alten Südlichen Friedhofs einen wichtigen Platz einmimmt. Auch die weitere Friedhofsgeschichte hin zur Dezentralisierung der Münchener Friedhöfe unter dem Stadtbaumeister Hans Grässel bis in die Gegenwart wird im überblicksweise vermittelt. Daneben erklärt ein Fachbeitrag  die wichtigsten Bayrischen Grabmalgesteine und man erfährt etwas über Grabmalsymbolik und repräsentative Grabmale. Ein weiterer Fachbeitrag der Kunsthistorikerin Claudia Denk, die zusammen mit John Ziesemer - er schreibt über  wegweisende Friedhofsplanungen im 19. Jhr. - die Grabmale des Südlichen Friedhofs untersucht hat und im Jahr 2005 eine viel beachtete Tagung mit dem Thema "Der Bürgerliche Tod" (vgl. die Rezension auf Sehepunkte) durchführte, gibt über die frühe Bedeutung des Friedhofes für die Künstler und über die Rezeptionsgeschichte der Münchener Grabmalkunst im 19. Jahrhundert Aufschluss.

Dazu kommt ein Abriss der Münchener Bestattungsgeschichte und eine Vorstellung von historischen Gedenkorten und neueren Bestattungsorten, unter denen zum Beispiel die Anonyme Grabstätte mit dem Steinkreis der Künstlerin Karolin Bräg weit über München hinaus für Aufmerksamkeit gesorgt hat. Aber auch die Bedeutung von Friedhöfen und besonders des Südlichen Friedhofs als Rückzugsorte für Flora und Fauna wird beleuchtet. Mir gefiehl besonders gut der Beitrag eines Anwohners des Alten Südlichen Friedhofs, der seine Beziehung zu diesem besonderen Ort, seiner Natur und seiner heutigen kulturellen Nutzung lebendig schildert, denn der aufgelassene Friedhof hat sich inzwischen als Ort für Konzerte ebenso etabliert, wie als dunkler Raum, wo Kinder im Spätherbst auch in der Millionenstadt noch Laterne laufen können.

Nein, die letzte Information habe ich nicht aus der Broschüre, aber ich möchte hier zwei - ja was sind es? - E-Books? empfehlen. Man sie nicht herunterladen, sondern nur im Internet anschauen. Sie geben einen lebendigen Eindruck der heutigen Friedhofskultur in München und sind zudem schön anzuschauen und zu hören (man braucht dazu allerdings einen Computer mit Flash player, mein iPad machte da nicht mit!): Münchener Friedhöfe - Begegnungen und Münchener Friedhöfe - Ein Spaziergang.

Doch zurück zur Festschrift: Insgesamt bietet sie einen weitgefächerten und interessanten Überblick über Geschichte und Gegenwahrt der Bestattungs- und Friedhofskultur in München und, wenn ich dieses Jahr noch einmal dorthin kommen sollte, werde ich mir bestimmt auch die Ausstellung in der Karmeliterkirche anschauen. Dort wird die Festschrift übrigens in Einzelexemplaren kostenfrei abgegeben.

Ein letzter Hinweis noch zum Schluss: Die Sonderseiten zum Jubiläum in Internet sind jetzt auch fertiggestellt, da muss sich niemand mehr über fehlende Links beklagen.)

Mittwoch, 22. Mai 2013

Krimilesungen auf dem Saarbrücker Hauptfriedhof

In der alten und der neuen Trauerhalle auf dem Saarbrücker Hauptfriedhof findet eine neuartige Lesereihe statt, die der Gollenstein Verlag zusammen mit den Saarbrücker Friedhöfen veranstalten.

Autoren des Verlages stellen ihre Bücher in bisher ungewohntem Ambiente vor, wobei die Themen durchaus zum Friedhöf passen dürften, denn es ging und geht zum Beispiel um Kriminalromane und Detektivgeschichten, aber auch um andere Geschichten von Leben und Tod. So findet auch der Leiter des Friedhofs- und Bestattungsbetriebes, dass auf einem "Friedhof aus einem Krimi zu lesen, ... naheliegend (sei) ... gelte doch für Krimis wie für den Friedhof: 'Der Tod kommt vor'.“ (Zitat aus der Saarbrücker Zeitung, die einen launigen Artikel dazu veröffentlicht hat.)

Die Lesungen sind bis zum Jahresende geplant und, wenn die Reihe Erfolg hat, soll sie fortgesetzt werden. Auf jeden Fall gibt es viele Geschichten von Leben und Tod, denn auf dem Friedhof findet sich das Leben und die Geschichte der Stadt wieder. So hat den Verfasser des Zeitungsartikels denn auch eine Geschichte auf einer Infotafel des Friedhofs besonders gefallen. Die Friedhofsmauer war nämlich 1935 auch Staatsgrenze und so ist es einigen von den Nazis Verfolgten gelungen als Friedhofsbesucher getarnt durch ein Loch in der Mauer nach Frankreich zu entkommen.

Montag, 13. Mai 2013

"Der Tod und das Meer" im Altonaer Museum in Hamburg

Die Ausstellung "Der Tod und das Meer" über die ich hier und hier schon ausführlich berichtet habe, ist jetzt bis zum 28.Januar 2014 im Altonaer Museum in Hamburg zu sehen. Hier folgen noch ein paar Bilder, die ich gerade im Museum gemacht habe.
Holzwimpel im Ausstellungraum (Foto Leisner)

Ausstellungsraum (Foto Leisner)

Haarbild 2. Hälfte 19. Jh., Dargestellt ist ein Erinnerungsmal
mit den Symbolen für Liebe, Glaube, Hoffnung,
überfangen von einem Trauerbaum, Altonaer Museum (Fotot Leisner)

Altländer Totenkrone, 18. Jh., Altonaer Museum (Foto Leisner)

Sonntag, 5. Mai 2013

Alter Südfriedhof in München feiert 450jähriges Jubiläum


Alter Südfriedhof München
(Quelle Wikipedia, Fotograf: Schlaier, This file is licensed under 
the Creative Commons Attribution-Share Alike 

2.0 Generic and 1.0 Generic license)
Am 12. April vor 450 Jahren wurde der Alte Südfriedhof eingeweiht. Er dürfte damit einer der ältesten kirchlichen Friedhöfe in Deutschland sein.

Die "Städtischen Friedhöfe München" haben aus diesem Anlaß ein umfassendes Festprogramm aufgelegt. So stellt die Ausstellung "Wo München Ruhe findet - 450 Jahre Münchner Friedhofskultur" in der ehemaligen Karmeliterkirche in der Münchner Innenstadt, mit historischen und aktuellen Bildern, Texten und  Exponaten die Geschichte dieses Friedhofs und der weiteren Münchner Friedhöfe vor. 

In der Karmeliterkirche ist auch die Festschrift mit demselben Titel käuflich zu erwerben, sowie  die Broschüre "Münchner Friedhöfe". 

Außerdem gibt es Führungen, Performances und als eines der Highlights des gesamten Programms am 11. Mai und 6. Juli eine Multimedia-Collage mit Text, Gesang, Tanz und Lichtspiel vor dem Lapidarium auf dem Alten Südfriedhof  und damit eine spannende Zeitreise auf dem ältesten Friedhof der Stadt. Im Lapidarium wird außerdem fast täglich ein Film gezeigt, der in 3D-Animation  die historische Entwicklung des unter Natur- und Denkmalschutz stehenden Alten Südlichen Friedhofes beleuchtet.

Freitag, 26. April 2013

Geocaching auf dem Friedhof - die Idee aus Osnabrück macht Schule

Im wahrsten Sinne des Wortes macht die Idee, das neue Gesellschaftsspiel Geocaching mit dem Friedhof zu verbinden, in diesem Sommer Schule.

Die igs (internationale Gartenschau) in Hamburg 2013 wird von einem umfangreichen Programm für Schulklassen begleitet und dort findet man auch das Angebot des Bundes Deutscher Friedhofsgärtner eine solche "moderne Schnitzeljagd" mit Klassen der Jahrgänge 6-9 durchzuführen.

In der aktuellen Pressemeldung des Verbandes heißt es dazu: „Im Rahmen des „Bunten Klassenzimmers“ auf der igs bietet der BdF zudem in Zusammenarbeit mit Erlebnis-Pädagoginnen und in Kooperation mit dem Verein zur Förderung der deutschen Friedhofskultur (VFFK) zwei unterschiedliche Projekte für Kinder und Schulklassen an: „Jedes Tier braucht ein Grab – wir beerdigen Insekten im Erinnerungsgarten“ und „Geocaching auf dem Friedhof“. Die beiden Projekte haben zum Ziel, den Kindern den Umgang mit dem Tod spielerisch näher zu bringen. Auch sollen der Umgang mit und die Bedeutung von Erinnerungssymbolen erlernt werden.“

In eigener Sache - mein Ratgeber "Abschied nehmen - Rat und Hilfe in den Tagen der Trauer"

Normalerweise berichte ich hier über historische Friedhöfe und die Aktivitäten zu ihrer Erhaltung.

Mit diesem Post allerding möchte ich auf meine eigene Arbeit hinweisen. Ich habe im letzten Jahr meinen Ratgeber zum Thema "Abschied nehmen", der 1998 im Herderverlag erschienen und lange vergriffen war, überarbeitet und aktualisiert. Vor wenigen Tagen habe ich das Manuskript als E-Book bei Amazon.de veröffentlicht, so dass man es kaufen und herunterladen kann.

Mein Pressetext dazu lautet: "Die Autorin Dr. Barbara Leisner forscht seit Jahren zur Kultur der Friedhöfe und der Trauer und hat eine Reihe von Publikationen zu diesem Thema veröffentlicht. Das neue E-Book ist die erweiterte Version ihres gleichnamigen Titels, der 1998 im Herder Verlag erschienen ist.

Was geschieht, wenn ein Mensch gestorben ist? Wer ist für den Toten zuständig? Wie verändert sich der Leichnam? Welche Bestattungsarten gibt es? Wie kann man eine Trauerfeier individuell gestalten? Wie sehen unsere Begräbnisplätze aus? Welche Grabarten gibt es, und was muss man beachten, wenn man ein Grabmal aufstellen will? Wer erbt und wie kümmert man sich um den Nachlass? Was passiert mit meinen Daten im Internet?

Wenn ein Mensch stirbt, sind viele Fragen zu beantworten. Dieser Ratgeber erklärt verständlich und kompetent, was nach dem Tod geschieht und was zu bedenken ist. Er ist nicht nur für trauernde Angehörige gedacht, sondern auch für Menschen, die sich mit dem Abschluss ihres eigenen Lebens auseinandersetzen wollen."

Natürlich gibt es in dem Buch auch einen längeren Exkurs Bestattungs- und Friedhofsgeschichte, insofern passt seine Erwähnung doch auch zum Thema dieses Blogs.

Dienstag, 2. April 2013

,,Diesseits - Jenseits - Gedenkkulturen der Weltreligionen auf dem Ohlsdorfer Friedhof"

Der Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof lädt zur Eröffnung seiner Freilicht-Ausstellung "Diesseits - Jenseits, Gedenkkulturen der Weltreligionen auf dem Ohlsdorfer Friedhof" am  14. April 2013 ein.

Zwei große internationale Ausstellungen finden in diesem Jahr in Hamburg auf der Elbinsel Wilhelmsburg statt. An diesem Wochenende wird die IBA 2013, die internationale Bauaustellung, eröffnet. Am 26. April folgt die igs 2013, die Internationale Gartenschau Hamburg.

Grabstätte der Familie Pohl auf dem Ohlsdorfer Friedhof
mit buddhistischer Gestaltung (Foto: Förderkreis Ohlsdorfer
Friedhof e.V.)
Auf der Internationalen Gartenschau, die den Untertitel "In 80 Gärten um die Welt" hat, wird unter anderem auch die "Welt der Religionen" zu sehen sein; ein gemeinsamer Garten aus fünf Teilgärten, die von Vertretern des Buddhismus, Christentums, Hinduismus, Islam und Judentums gestaltet werden. Sie haben einen Brunnen zum Zentrum, der die Bedeutung des Wassers für alle Religionen als Quell des Lebens symbolisiert. Ganz in der Nähe werden während der Ausstellungszeit über hundert Friedhofsgärtner und Steinmetze ihre Arbeiten präsentieren.

Passend dazu wird auf dem Ohlsdorfer Friedhof die neue Freilicht-Ausstellung zu sehen sein, die sich mit dem Titel direkt auf die "Welt der Religionen" in Wilhelmsburg beziehen wird. Gemeinsam projektiert vom Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof e.V. und der Hamburger Friedhöfe -AöR- wird dieses Garten-Projekt noch vor der igs ameröffnet. Ziel des Projekts ist es, die Besucher in die Rituale und Jenseitsvorstellungen der Weltreligionen einzuführen. Die Veranstalter schreiben dazu:

Muslimische Gräber auf dem Ohlsdorfer Friedhof
(Foto: Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof e.V.)
"Der Umgang mit Tod und Trauer ist ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal innerhalb der fünf
Weltreligionen Buddhismus, Christentum, Hinduismus, lslam und Judentum. Doch worin besteher
Gemeinsamkeiten, wo liegen die Unterschiede? Vertreter der Religionsgemeinschaften beantworteten dazu folgende Fragen zu den Bestattungsriten ihrer Religion:
- Gibt es eine Farbe der Trauer in lhrer Religion?
- Welche Vorstellungen hat das Jenseits in lhrer Religion?
- Was stellt der Tod in lhrer Religion dar?
- Welche Abschiedsrituale der Hinterbliebenen sind die wichtigsten?
Die Antworten werden auf Texttafeln vorgestellt. Sie sind eingebettet in den gärtnerisch einheitlich
Hauptstein der Grabstätte der Chinesen
in Hamburg (Foto: Förderkreis
Ohlsdorfer Friedhof e.V.)
gestalteten Platz und mit Symbolfahnen der Weltreligionen markiert. ,,Diesseits-Jenseits" bietet Einblicke in die unterschiedlichen Bestattungskulturen und ein emotionales Erlebnis durch den sakralen Ausstellungsort zwischen dem neuen Bestattungsforum und dem Mahnmal für die Verfolgten des Naziregimes 1933-45."

Dazu gibt der Förderkreis eine Broschüre mit dem Titel "Ohlsdorf - ein konfessionsoffener Friedhof" heraus und zeigt im Friedhofsmuseum eine Fotoausstellung, die ebenfalls bis Oktober 2013, also bis zum Ende der igs 2013, zu sehen sein wird.

Bei der Eröffnung am am Sonntag, den 14. April, um 15:00 Uhr in der Talstraße des Ohlsdorfer Friedhofs am Hamburger Bestattungsforum Ohlsdorf ( bei schlechtem Wetter in der Fritz-Schumacher-Halle des Bestattungsforums) wird  der  Religionswissenschaftler Prof. Dr. Wolfram Weiße von der Universität Hamburg, Akademie der Weltreligionen, in das Thema einführen und es werden Vertreter der fünf Religionen dazu erwartet.