Samstag, 1. August 2009

Neu aufgelegt: Führer über den Melatenfriedhof in Köln

Cover Friedhofsführer (Foto Leisner, mit fr.
Genehmigung J.P.Bachem Verlag)
Friedhofsfreunde, die Köln besuchen, werden wahrscheinlich kaum "Melaten", den wichtigsten historichen Friedhof der Stadt, auslassen. Gut beraten sind sie, wenn sie sich dafür den schmalen aber gehaltvollen Führer von Ilona Priebe aus dem J.P.Bachem Verlag anschaffen.

Er enthält drei umfangreiche Führungen: zu den Prominenten und ihren Grabstätten, zu Musikern, Malern und Mäzenen und zu Grabstätten von Frauen und solchen Grabmalen, auf denen Frauen dargestellt sind. Dazu wird in einem vorangestellten Text die Geschichte des Friedhofes erzählt.

Gerade ist eine überarbeitete Neuauflage erschienen, die auch die jüngsten Grabstätten mit einbezieht. Mit 6,00 Euro ist die reich und farbig bebilderte Broschüre eine preiswerte Möglichkeit sich einen ersten Eindruck von der Kölner Geschichte und ihren deutschlandweit bekannten Persönlichkeiten zu verschaffen: zum Beispiel von Schwester Anna Maria Clementine Martin - jener Nonne, die das Produkt "Klosterfrau Melissengeist" auf den Markt brachte, oder dem ItalienerJohann Maira Farina, der das Eau de Cologne erfand.

125 Jahre Nordfriedhof Düsseldorf

Der Düsseldorfer Nordfriedhof ist in diesem Jahr 125 Jahre alt geworden. Die Friedhofsverwaltung hat aus diesem Anlaß neue Informationstafeln aufgestellt. Die Anlage steht unter Garten-Denkmalschutz, ein Parkpflegewerk wurde erarbeitet und inzwischen wird nach seinen Vorgaben die historische Substanz erhalten und in Teilen auch reaktiviert.

Das Jubiläums bildete auch den Anlaß den Friedhof in diesem Jahr zum Veranstaltungsort für den bundesweiten "Tag des Friedhofes" auszuwählen. Die Besucher ein informatives Programm, das am 12. September um 11 Uhr
mit der Übergabe einer Mustergrabausstellung beginnt. Es folgen in buntem Wechsel verschiedenene Friedhofsführungen, Musik- und Informationsveranstaltungen. Am Sonntag, den 13. September, endet das Programm um 17 Uhr mit einer ökumenischen Andacht zum Gedenken an die Verstorbenen, deren Gräber niemand besucht.

Wer mehr über das Programm und den Friedhof erfahren will, kann die Seiten des Stadtgrüns der Stadt Düsseldorf besuchen: Friedhofsgeschichte; Programm zum Tag des Friedhofs

Donnerstag, 30. Juli 2009

Grabkultur in Deutschland

Für den Frühling angekündigt und jetzt erschienen:
Das neue Buch des Reimer Verlages

"Grabkultur in Deutschland"
herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal in Kassel liegt frisch aus der Druckerpresse auf meinem Schreibtisch.

Da ich darin mit drei eigenen Beiträgen vertreten bin, will ich hier keine Rezension schreiben. Aber natürlich möchte ich das Buch allen Friedhofsfreunden wärmstens ans Herz legen. Ich halte es für das aktuellste und umfassendste Standardwerk zur Grabmalgeschichte der Neuzeit, das zur Zeit auf dem Markt ist. Das Inhaltsverzeichnis und die Autorennamen können hier für sich sprechen:

Inhalt
Vorwort
Zu diesem Buch

Zur Grabmalgeschichte
Reiner Sörries: Zu den Anfängen und zur Geschichte des gekennzeichneten Grabes auf dem Friedhof
Sascha Winter: Grabmalkultur und Gartenkunst um 1800
Sylvina Zander:
Das figürliche Grabmal vom Barock bis zum II. Weltkrieg
Barbara Leisner: Grabmalformen im 19. Jahrhundert
Grabmal Ree, Ohlsdorfer Friedhof Hamburg (Foto Leisner)


Gerold Eppler:
Die Auswirkungen der Industrialisierung auf die Grabmalkultur
Norbert Fischer:
Aschengrabmäler und Aschenanlagen der modernen Feuerbestattung im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert
Helmut Schoenfeld:
Reformgrabmale des frühen 20. Jahrhunderts
Barbara Happe:
Die Typisierung der Grabmäler im Zuge der Reformbewegung
Barbara Happe: Grabmalgestaltung in der DDR – Der erzwungene Abschied vom persönlichen Grabmal Barbara Happe: Vom zeichenlosen Rasenfeld zur zeichenhaften Gemeinschaftsanlage

Themen

Reiner Sörries
: Inschriften und Symbole auf Grabzeichen
Barbara Leisner: Das Gemeinschaftsgrabmal

Grabstätte für die Primusopfer auf dem Ohlsdorfer Friedhof in
Hamburg, historische Postkarte (Foto Leisner)

Helmut Schoenfeld:Grabzeichen für Soldaten
Kinderkopf mit Totenkrone, Detail von dem Grabmal des kleinen Gustav Matthiesen
in der Kirche Bruch-Aschwarden bei Bremen (Foto Leisner)
Stephan Hadraschek:: Politische Grabzeichen
Barbara Leisner:
Grabmale für Kinder


Dagmar Kuhle:
Gedenkzeichen auf Gräberfeldern und auf Gedenkstätten für totgeborene, nicht der Bestattungspflicht unterliegende Kinder
Norbert Fischer/Helmut Schoenfeld:
Regionale Grabmalkultur am Beispiel der Nordseeküste Gerhard Seib: Vorlagen für Grabmale – Muster- und Vorlagenbücher seit dem frühen 19. Jahrhundert
Gerhard Seib: Grabmale aus Holz und Metall - Materialikonografie und Materialikonologie

Schlussbetrachtung

Norbert Fischer
: Glasgrabmal – Urnenpyramide – Baumbestattung/Über neue Grabstättenkultur zu Beginn des 21. Jahrhunderts

Anhang

Ausgewählte Literatur

Das Autorenteam

Ortsregister


Das neue Buch hat 421 Seiten und kostet 39,00 Euro. Es ist reich illustriert, allerdings sind die Fotos nur in schwarz-weiß abgedruckt und meist klein gehalten ( :-( ).

Dienstag, 28. Juli 2009

Zwanzig Jahre Förderkreis Ohlsdorf

Am 29. August jährt sich zum zwanzigsten Mal jener Tag, an dem eine Handvoll Ohlsdorf-Enthusiasten einen Verein gründete, der die "Erhaltung und Pflege historischer Friedhofsanlagen mit ihren Grabmalen in Hamburg fördern und unterstützen sollte", wie es in seiner Satzung noch heute heißt.

Der Satzungstext schließt dabei "sowohl die Park- und Gartenanlagen, als auch die Werke der Grabmalkunst und solche Grabmale ein, die beispielhaft das Schaffen der Bildhauer und Steinmetze der Vergangenheit widerspiegeln. Gemäß seiner Bedeutung für die Geschichte Hamburgs soll das Hauptaugenmerk auf der Erhaltung des Gesamtkunstwerkes Hauptfriedhof Ohlsdorf liegen."

Außerdem setzte sich der Verein zum Ziel "im Rahmen dieser Aufgabe der Verdrängung des Todes aus dem Bewußtsein der Bewohner der Hansestadt" entgegen zu wirken und auf die "Geschichte der Hamburger Sepulkralkultur aufmerksam" zu machen.

In den zwanzig Jahren seines Bestehens hat unser Verein auf vielfältige Weise versucht diese selbstgestellten Ziele zu verwirklichen: Friedhofsführungen, Ausstellungen, Grabmalrestaurierungen und die Mitarbeit bei der Vermittlung von Grabmalpatenschaften,

Grabmal Lehmkuhl (Foto Leisner)

sowie Publikationen und auch Veranstaltungen wie Lesungen und Konzerte haben den Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof e.V. zu einer feststehenden Größe im kulturellen Leben der Hansestadt Hamburg gemacht.

Feiern werden die Vereinsmitglieder und ihre Freunde das Jubiläum im Rahmen des Tages des Friedhofes am Sonntag, 20. September 2009 in einem Zelt am Friedhofseingang. Dort hält um 13.00 Uhr der in Hamburg bekannte ehemalige Hauptpastor von St. Michaelis, Helge Adolphsen, den Festvortrag zu dem Thema "Friedhofskultur ist Lebenskultur".

Auch das Friedhofsmuseum wird geöffnet sein und passend zum Thema der aktuellen Ausgabe von "Ohlsdorf - Zeitschrift für Trauerkultur" alte und neue Friedhofsführer vorstellen.

Samstag, 11. Juli 2009

Ein Fliegergrab in Böblingen

Gräber erzählen Geschichten und Geschichte. Dafür ist diese gemeinschaftliche Grabstätte auf dem Friedhof in Stuttgarts Vorort Böblingen ein gutes Beispiel: Auf ihr steht ein Pfeiler mit einen plastischen Adler und den Worten "stirb und werde". Daneben liegen vier schlichte Grabplatten, die alle dasselbe Todesdatum tragen, den 18. September 1930.

Fliegergrab in Böblingen (Foto Reinhard Knoblich) 
An diesem Tag war ein großer Flugtag auf dem Flugplatz in Böblingen geplant, auf dem erstmals luftakrobatische Darbietungen gezeigt werden sollten. Der damals bekannte Flugkünstler Fritz Schindler aus Freiburg/Brsg. wollte in etwa 300 bis 400 Meter Höhe von einem Flugzeug zum anderen übersteigen. Die beiden dazu nötigen Maschinen befanden sich schon eine halbe Stunde in der Luft und hatten mehrfach versuchtin die geeignetste Lage zueinander zu kommen. Es schien alles gut zu gehen. Der Luftakrobat Schindler hatte die von oben herabkommende Leiter schon bestiegen. Da stürzten die beiden Maschinen ab. Alle vier Insassen waren sofort tot. Sie wurden in Böblingen beerdigt und der Württembergische Luftfahrtverband ließ das oben beschriebene Denkmal aufstellen, dessen Adler als Symbol für die damals neue Fliegerei steht.

Jetzt hat ein rühriger Böblinger Bürger einen Film aufgefunden, der von dem Unglück gedreht wurde. In seinem Blog kann man die ganze Geschichte ausführlich nachlesen und dazu die historischen Fotos ansehen. Den Film wird er am 20. Juli 2009 in Böblingen in einem öffentlichen Vortrag zeigen.

Er und seine Freunde haben sich auch darum gekümmert, dass die Grabstätte in diesem Sommer vom Friedhofsamt renoviert wird. Grabsteine und Denkmal wurden schon sandgestrahlt; die Inschriften müßten noch nachbearbeitet werden und eine neue Bepflanzung ist vorgesehen.

Der Link dazu: Fliegergrabstätte Böblingen

Samstag, 4. Juli 2009

Seminar für Friedhofsführer/innen

Friedhofsführung in Verden an der Aller (Foto Leisner)
Die AFD (Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal e.V.) in Kassel lädt Friedhofsfreunde ein zu einem Tagesseminar für alle die Menschen, die auf Friedhöfen Führungen anbieten. Im Wechsel von Impulsreferat, gemeinsamer Besichtigung des Kasseler Museums für Sepulkralkultur und des Kasslerer Hauptfriedhofes sollen Anregungen gegeben werden die eigene Führung noch interessanter und lebendiger zu gestalten.

Seminardaten: Samstag 19. September 2009, 10:00 bis 17:30 im Museum für Sepulkralkultur in Kassel. Kostenbeitrag 40 Euro für Mitglieder der AFD, 60 Euro für Nichtmitglieder. Weitere Infos und Anmeldung bei Dagmar Kuhle, E-Mail: kuhle@sepulkralmuseum.de.

Donnerstag, 25. Juni 2009

Besuch auf dem neuen Domherrenkirchhof in Hamburg

Der neue Domherrenfriedhof (Foto Leisner) 
Die Aktiven des Förderkreises Ohlsdorfer Friedhof e.V. waren im Juni zu einem ungewöhnlichen Besuch eingeladen: Sie haben zur Abwechslung einmal einen ganz neu eingerichteten Begräbnisplatz besichtigt, dessen gartenarchitektonische Gestaltung der Garten- und Landschaftsarchitekt Horst Lange - ein langjähriges Vereinsmitglied - entwickelt hat.


Es handelt sich dabei um den Domherrenfriedhof auf der Nordseite des St. Mariendomes in Hamburg, der Kathedralkirche des katholischen Erzbistums Hamburg. Die interessierten und natürlich in Sachen Friedhof auch fachkundigen Besucher wurden von dem Dompfarrer Georg von Oppenkowski persönlich durch die frisch renovierte Kirche geführt und besichtigten neben dem neuen Friedhof, der für sechszehn Grabstellen angelegt ist, auch die weitgehend unbekannte Krypta, die über Schlitze am Rand einer künstlerisch ausgestalteten Steinplatte mit dem darüber liegenden Altarraum verbunden ist.