Sonntag, 19. Dezember 2010

Der Melatenfriedhof und seine Zukunft

CD - Cover (Foto Leisner, mit fr. Genehmigung des Greven Verlag Köln)
Das Jubiläumsjahr geht zu Ende. Morgen findet die letzte öffentliche Veranstaltung dazu mit dem Vortrag von Dr. Dagmar Hänel „Stadtpunkte: Entwicklung der Kölner Friedhöfe von 1810 bis zur Gegenwart“ statt (vgl. die Festschrift zum Jubiläum). Dann wird der Friedhof wieder aus den Medien verschwinden.

Zurück bleiben die vielen erhaltenswerten Denkmäler, die - wie alles auf dieser Welt - dem "Zahn der Zeit" ausgesetzt sind. Doch die Kölner Denkmalpflege hat vorgebaut. Die Stadtkonservatorin hat ein Gutachten zum Zustand der erhaltenswerten Denkmäler des Friedhofs in Auftrag gegeben, das inzwischen als Buch mit zugehöriger CD vorliegt. In dem außen sehr schön gestalteten, leinengebundenen und hochformatigen Band wird als erstes die historische Entwicklung des Friedhofes nachgezeichnet. Nachdem sowohl auf die Beisetzungsgeschichte, wie auf die bauliche Ausgestaltung eingegangen worden ist, werden die Denkmäler in Hochbauten, Kleindenkmäler, Kriegerdenkmäler und Grabmäler ohne Nutzung untergliedert.

Nach einer Erläuterung ihrer Vorgehensweise, grenzen dann die beiden mit der Untersuchung beauftragten Autoren Marianne Vogt-Werling und Michael Werling ihr Untersuchungsgebiet ab, das sich auf die Zustandsaufnahme und Bewertung der als denkmalwert eingeschätzten Objekte auf dem Friedhof beschränkt. Darauf folgen die einzelnen Grabmaltypen des Friedhofes in ihrer geschichtlichen Entwicklung, wobei ihr Zustand nach den vorher ausgearbeiteten Kriterien eingeordnet wird. Die Autoren beziehen sich dabei auf die neueste Literatur und bieten eine auch für Untersuchungen auf anderen historischen Friedhöfen gut handhabbare Systematik der Grabmaltypen, auch wenn man über die Frage streiten könnte, welches Grabmal noch den Namen Stele verdient und welches schon als Grabwand einzuordnen wäre.

Auf der positiven Seite ziehen die Autoren das Fazit , dass "74% der Grabdenkmäler und denkmalwerten Grabanlagen sich in einem guten Zustand befinden, so dass auch mittelfristig hier keine Sanierungskosten zu erwarten sind." Die andere Seite aber ist, dass 433 Grabsteine in den nächsten zehn Jahren saniert werden müssen, um größere Kosten abzuwenden, und dass sogar 177 Denkmäler dringend restauriert werden müssen, darunter auch der wunderbare "Thanatos" auf der Grabstätte Hamm von 1818.

Ein Glossar der Grabmaltypen, sowie der symbolischen Darstellungen rundet zusammen mit einem Vertragsentwurf für die Vergabe von Patenschaften das Buch ab. Doch das ist noch nicht alles: Beigefügt ist eine CD mit dem Belegungsplan und digitalen Rundgängen zu allen denkmalwerten Gräbern, die sehr einfach zu handhaben ist, da man nur mit der Maus über die Zahlen oder Punkte in den Plänen gehen muss, um in einem Fenster auf der rechten Seite das zugehörige Bild und die entsprechenden Daten der Grabmalaufnahme und eine Beschreibung des entsprechenden Grabmals oder Objektes zu sehen. Die einzige Information, die mir dabei gefehlt hat, war die Aufnahme der Inschriften, die zwar für die Frage der Ehrhaltung nur am Rande bedeutsam ist, aber doch ein nicht unwichtiges Detail von Grabmälern bildet.

Insgesamt finde ich diesen Band, der reich mit schwarz-weiß Fotos ausgestattet ist, zusammen mit seiner CD mit ihren virtuellen Rundgängen beispielhaft und kann ihn nur als Muster für entsprechende Gutachten auf anderen historischen Friedhöfen empfehlen. Allerdings sollte man nicht erwarten hier mehr über die auf dem Melatenfriedhof beigesetzten Persönlichkeiten zu erfahren, sondern dafür andere Werke zu Rate ziehen.

Die Abbildungen hier stammen aus dem Buch, das auf den inneren Einbandseiten eine Plan der geschichtlichen Entwicklung von Melaten und den Gesamtplan zeigt, sowie von der CD.

Marianne Vogt-Werling/Michael Werling: Der Friedhof Melaten in Köln. Alle Denkmäler und ihre Zukunft. Mit einer DVD mit Belegungsplan und digitalen Rundgängen zu allen denkmalwerten Gräbern. Greven Verlag Köln 2010. 95 S., zahlr. schw-w. Abb. und CD, 15,00 Euro. ISBN 978-3-7743-0471-0 

Donnerstag, 16. Dezember 2010

Europäische Friedhofsroute zum Zweiten

Im Post vom 19.11.2010 habe ich behauptet, dass es keine Informationen im Internet zur Europäischen Friedhofsroute gibt. Ganz falsch!! Zum Glück gibt es nämlich aufmerksame Leserinnen und Leser dieses Blogs! Aus Berlin habe ich jetzt den richtigen Link bekommen und bedanke mich herzlich bei der Kirchhofsverwaltung der Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde für den freundlichen Hinweis.

Und hier kommt der Link auf die eigene Website der Europäischen Friedhofsroute, die allerdings nur auf englisch und spanisch erschienen ist. Dafür enthält sie alles, was das Herz begehrt: eine Landkarte mit allen Orten, deren Friedhöfe dazu gehören.(Die meisten liegen übrigens in Spanien und Italien und man sieht daran, dass diese Länder sehr viel aktiver in der ASCE mitarbeiten als der Norden Europas!!). Außerdem gibt es viele schöne Friedhofsbilder, eine Beschreibung, was mit der Route bewirkt werden soll, und einen Aktionsplan für die Zeit von 2010-2012, in der die Route im Bewusstsein der Öffentlichkeit verankert werden soll.


Um daran zu arbeiten findet am 13. und 14. Januar in Barcelona ein Workshop statt, an dem man auch teilnehmen kann, wenn man kein Mitglied der ASCE ist, bei der man sich dazu anmelden kann.


Also auf zu den Europäischen Friedhöfen!

Samstag, 11. Dezember 2010

"Kunst im Stillen" - Kunstschätze auf Leipziger Friedhöfen, Band 3

Buchcover (Foto Leisner, mit fr.
Genehmigung von Alfred E. Otto Paul)
Wie schon angekündigt, ist jetzt auch der dritte Band der als Reihe konzipierten Broschüren zu den Grabmalen auf den Leipziger Friedhöfen erschienen. Im selben Layout wie die beiden schon besprochenen Bände (vgl. Posts vom 2. Juni 21010 und 14.12.2009) erfreut auch dieser Band wieder durch sehr schöne Fotos von Grabmalen und informative Texte zu den einzelnen Grabstätten und den Persönlichkeiten, an die an dort jeweils erinnert wird. 

Darunter sind so interessante Lebensgeschichten wie die des Technikers und Industriellen Wilhelm von Pittler, der nach vielen Versuchen, im Leben Fuß zu fassen, mit einer Dampfmotorenfabrik und später mit der Maschinenfabrik "Invention" erfolgreich wurde. Dessen Werk aber dadurch, dass die Maschinenfabrik zur Aktiengesellschaft der Pittler-Werke wurde, sein Vermögen verliert und verarmt in London starb. Immerhin haben die Nachforschungen des Autors erbracht, dass es eine Geldsammelaktion deutscher Ingenieure gab, die dafür sorgten, dass der Verstorbene nach Deutchland gebracht und auf dem Kapellenfriedhof in Leipzig-Gohlis bestattet wurde.

Und hier kommt auch schon eine kritische Anmerkung: Von welchen Friedhöfen die vorgestellten Grabmale nämlich stammen, wird leider nur im "Dank" einmal kurz erwähnt, wenn es dort etwas unpräzise heißt, dass dieser Band "sich wichtigen Werken der Sepulkralkultur auf den kirchlichen Begräbnisplätzen unserer Stadt widmet". 

Nur wenn man jeden einzelnen Text gründlich liest, erkennt man, dass die am Anfang vorgestellten acht Grabmale im Stadtteil Gohlis zu finden sind. Wobei zur Verwirrung der mit Leipzig nicht vertrauten Leser beitragen dürfte, dass die Namen Friedhof der Gohliser Friedenskirchgemeinde, Gohliser Kapellenfriedhof und Friedhof der Gohliser Versöhnungskirche im Text auftauchen, aber nirgendwo erwähnt wird, ob es sich dabei um ein und denselben oder mehrere Kirchhöfe handelt.Zwar erfährt man mehrfach, dass dieser Friedhof 1858 geweiht worden ist, doch gibt es insgesamt zur Geschichte und Lage der behandelten Friedhöfe keine weiteren Information.

So muss man sich auch den Standort der darauf folgenden Grabmale aus den einzelnen Texten sozusagen erlesen: Genannt werden der kirchliche Friedhof in Lindenau mit dem Grabmal des Zeitungsverlegers Johann Friedrich Lindner, dessen Grabplastik der Verfasser aufbewahrt, die Kirche von Schönefeld - das Bild der Trauernden hier stammt von dem Grabmal des dortigen Mariannenstiftes - und der Plagwitzer Friedhof. Die Untergliederung des Inhaltsverzeichnisses wäre da sicher eine Hilfe gewesen!


Ein weiterer kritischer Kommentar sei erlaubt, der sich nicht auf die sorgfältig recherchierten Grabmalgeschichten bezieht, sondern auf den Beitrag "Zum Geleit" von Rainer Behrens, der den einzelnen Abhandlungen vorangestellt ist. Dieser Beitrag versucht die bisher fehlende geschichtliche Darstellung des Leipziger Friedhofswesens auf drei Seiten nachzuholen. Dabei macht er leider schon am Anfang den Fehler zu behaupten, dass auf den kirchlichen Friedhöfen bis zum 16. Jahrhundert "im Tode die einst Lebenden alle gleich" waren. Für diese Aussage, die durch neue Forschungen lange widerlegt ist (vgl. den Beitrag von Rainer Sörries in dem Buch "Grabkultur in Deutschland", hier besprochen am 30. Juli 2009), bezieht er sich auf die Darstellungen des Totentanzes in Kirchen und auf Friedhofsmauern, die - soweit ich informiert bin - gerade für Leipzig nicht belegt sind. Eine etwas intensivere Auseinandersetzung mit der Friedhofsgeschichte vor Ort wäre wünschenswert gewesen.

Im Übrigen wird auch dieser Band wieder beschlossen mit Abschnitten über zwei Leipziger Künstler: In diesem Fall über den Bildhauer Professor Felix Pfeifer und den Bildhauer Arthur Trebst, von denen einige Bildwerke im selben Band auch vorgestellt werden, sowie von einem Beitrag über die Rufglocke des Plagwitzer Friedhofes, deren Bild auch die Rückseite des Umschlags ziert.


Insgesamt würde ich mir wünschen, dass dem Autor ein kompetenter Lektor zur Hand gehen möchte, um die kleinen Schönheitsfehler dieses Bands beim schon angekündigten vierten Band von vorn herein auszumerzen. Dann würde es sicher auch nicht zu solchen sprachlichen Unebenheiten kommen, wie zum Beispiel bei der Tempelgrabstätte des Prof. Julius Zeitler, wo man innerhalb der ersten beiden Absätze das Wort "Tempelfassade" dreimal hintereinander lesen kann.


Abschließend aber soll dieser Band noch einmal ausdrücklich allen jenen ans Herz gelegt werden, die sich für die Grabmalkultur des 19. Jahrhunderts interessieren und einsetzen. Es werden großartige und bisher fast unbekannte Grabmalanlagen darin vorgestellt und die Informationen dazu sind mit großer Sorgfalt und Ausdauer recherchiert. Besonder positiv fällt dabei auf, dass der Autor am Schluss auch seine Quellen ausführlich benennt.

Alfred E. Otto Paul, Die Kunst im Stillen. Kunstschätze auf Leipziger Friedhöfen. No. 03. Leipzig 2010, 108 Seiten, zahlr. farbige Abbildungen. Die Broschüre hat leider keine ISBN-Nummer und kann nicht über den Buchhandel bezogen werden, sondern nur über die Paul-Benndorf-Gesellschaft zu Leipzig unter info@paul-benndorf-gesellschaft.de oder telefonisch unter 034297 –12305 zum Preis von ca. 9 Euro + Versandkosten.


Sonntag, 28. November 2010

Über das Leben hinaus - Sonderausstellung in Hannover



„Das Grab des Lederfabrikanten Söhlmann auf dem St. Nicolai-Kirchhof in Hannover“
von 1835. (auf Wikipedia: aus der Silke Gatenbröcker: Collection im Herzog Anton
Ulrich-Museum Braunschweig) Diese Bilddatei ist gemeinfrei und
United States public domain, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.
Die schon angekündigte Sonderausstellung im Historischen Museum in Hannover wurde am 15. September 2010 eröffnet und läuft noch bis zum 9. Januar 2011. Sie zeichnet die Entwicklung der Friedhöfe der Stadt vom Mittelalter bis in die Gegenwart nach . "Gleichzeitig wird der Wandel der Grabstätten und der Erinnerung an die Toten thematisiert. Der Besucher der Ausstellung kann in einer Art Spaziergang durch die Zeit und über verschiedene Friedhöfe gehen. Dabei wird am Beispiel verschiedener Personen und Personengruppen die Frage gestellt, was über das Leben hinaus vom Menschen bleibt. Die Spur eines Lebens zeigt sich zunächst in den Grabmalen, deren Gestaltung von der jeweiligen Zeit ebenso abhängig ist wie von der sozialen Schicht, der der / die Tote angehörte. Darüber hinaus wird das Leben ausgewählter Personen anhand von Objekten veranschaulicht."


Neben dieser Ausstellung sind auch die schon oft gezeigten Bilder der Journalistin Beate Lakotta und des Fotografen Walter Schels unter dem Titel "Noch mal Leben vor dem Tod" im selben Museum zu sehen. Das Paar hatte von schwerkranken Menschen die Erlaubnis erhalten, sie zu interviewen sowie sie lebend und als Tote zu fotografieren. Zu diesen Bildern gibt es einem umfangreiches Begleitprogramm mit Vorträgen, Lesung und Konzert.


Das Zitat stammt von der Internetseite der Ausstellung. Einen anschaulicheren Bericht über die Ausstellung gibt es in der Hannoverschen Allgemeinen vom 13.9.2010. 

Friedhofsjubiläen

In der Zeitschrift Friedhof und Denkmal, die von der gleichnamigen Arbeitsgemeinschaft in Kassel herausgegeben wird, ist gerade ein Artikel von Prof. Dr. Sörries zum Jubiläum des Kölner Melatenfriedhofes erschienen.

Der Direktor des Sepulkralmuseums in Kassel erinnert daran, dass nicht nur der Kölner Friedhofs, sondern auch eine ganze Reihe anderer Friedhöfe ihren zweihundertsten "Geburtstag" feiern können. Denn spätestens ab 1810 war das von Napoleon erlassene "decret sur les sépultures", das für die Verlegung der Kölner Friedhöfe aus der Stadt sorgte, in weiten Teilen Deutschlands von Bedeutung.


So feierte 2010 auch der Friedhof in Overberge, einem Ortsteil von Bergkamen, sein 200jähriges Jubiläum und lieh sich dafür eine passende thematische Ausstellung vom Sepulkralmuseum in Kassel aus. Auch die "friedhofskulturellen Kleinode in Derne, Gemeinde Kamen, und der Buschey-Friedhof in Hagen" feierten aus demselben Anlass.

Prof. Sörries schreibt in seinem Artikel: "Wer heute weiß, wie sehr Friedhöfe mit Friedwald & Co. in Konkurrenz stehen, wird solche Anlässe zu nutzen wissen, um ihren Stellenwert als Kulturort im Gegensatz zum Wert der Natur zu betonen. Jubiläen bieten die große Chance zur Öffentlichkeits- und Pressearbeit."

Ich finde das ist eine sehr wichtige Idee. Allerdings habe ich beim Recherchieren im Internet auf den Seiten der Gemeinde Overberge rein gar nichts zu dem Friedhofsjubiläum gefunden. Offenbar ist der Förderverein in der Gemeinde selbst nicht so stark verankert, dass man es wichtig genug findet, über ihn und seine Aktivitäten auf der eigenen Internetseite zu berichten.


Dagegen kann man über das Jubiläum des Friedhofs in Derne an dieser Stelle etwas nachlesen und auch über den Buschey-Friedhof wurde ein Jubiläumsartikel im Internet veröffentlicht. (Hier ist auch die Adresse des Fördervereins zu finden, der leider keine eigene Internetseite unterhält, und hier findet man einen interesssanten Artikel zur Geschichte des Friedhofs mit Bildern, aus dem das nebenstehende Bild einer großen Familiengrabanlage entnommen ist.)

Daraufhin habe ich ein wenig im Netz gesurft, welche Friedhöfe denn noch ihr 200jähriges gefeiert haben.

Hier meine Ergebnisse:
Im bayrischen Rosenheim wurde das Jubiläum schon im letzten Jahr begangen. Führungen sowie eine Ausstellung im Laubengang des Alten Leichenhauses über die Bau- und Kulturgeschichte des Friedhofe, ein Chorkonzert und eine Matinee unter dem Titel: „Der Tod g’hört zum Leben“standen auf dem Programm.
Eine Vorstellung des neuen Bandes der Reihe „Beiträge zur Rosenheimer Stadtgeschichte“ fand am 17.September um 18 Uhr im Stadtarchiv statt. Außerdem stellten die beiden Autoren Karl Mair und Tobias Teyke ihr Buch „’Hinaus zu den stillen Gräbern’ - der Rosenheimer Friedhof 1809-2009“ vor, das im Stadtarchiv, dem Städtischen Museum oder in der Friedhofsverwaltung für 15 Euro erhältlich ist.

In Österreich wurde der größte Alpin-Friedhof im Gesäuse im Ort Johnsbach in diesem Jahr ebenso alt. Er ist deswegen interessant, weil auf ihm 83 beim Bergsteigen und -wandern Verunglückte ihre letzte Ruhestätte fanden. Dort wurde am 13. Juni der Verstorbenen gedacht und es erschien schon 2009 eine Broschüre "Der Bergsteigerfriedhof in Johnsbach" von Josef Hasitschka in zweiter Auflage. Die Informationen stammen von dieser Website.

Im Münsterland feierte der Alte Friedhof von Rhede sein Jubiläum mit einer Fledermausnacht, sowie
Ausstellungen und Führungen zu den Themen Grabsteinkunst, Pflanzenwelt, Geschichte und Friedhof der Zukunft und am 30.10. mit einer Lichterführung und Lesung des Literaturkreises der Stadt.

Anscheinend wurde auch der Alte Friedhof in Titisee-Neustadt 1810 gegründet, doch weiß ich das nur aus Wikipedia. Weitere Informationen habe ich nicht gefunden, bin aber natürlich interessiert daran, wenn jemand noch weitere Jubiläen weiß.

Freitag, 19. November 2010

Europäische Friedhofsroute

Es es zwar schon etwas spät, um darauf hinzuweisen, aber sicher nicht zu spät: Im Mai dieses Jahres wurde die "Europäische Friedhofsroute" vom "Europäischen Institut für Kulturrouten" , das 1997 vom Europarat gegründet wurde, anerkannt. Diese Europäischen Kulturrouten folgen immer einem bestimmten Thema. Auf ihnen sollen Touristen Europa neu entdecken, zugleich soll damit Natur und Kultur geschützt und Einblicke in fremde Welten geboten werden.

Die "Association of significant cemeteries in Europe (ASCE)" hatte sich seit einiger Zeit um die Anerkennung dieser Friedhofsroute bemüht und sie damit begründet, das Friedhöfe es als sozusagen heilige Orte ermöglichen, die Fundamente des allgemeinen Europäischen Erbes zu verstehen.

Allerdings gibt es einen echten Wehrmutstropfen bei dieser Nachricht. Es ist nicht möglich mehr über diese Friedhofsroute zu erfahren. Die Website der ASCE hüllt sich, bis auf einen spanischen Zeitungsartikel zum Thema, in Schweigen und auf die Seite des Europäischen Instituts für Kulturrouten, muss man sich erst einloggen (30,-Euro für ein Jahr), um an die Dokumente zu kommen, die dort hinterlegt sind. Was das Ganze also bringen soll, ist mir zur Zeit ein Rätsel.

Achtung: Zu diesem Eintrag gibt es neue Informationen unter dem 16.12.2010

Donnerstag, 11. November 2010

"Un deit d'r Herrjot mich ens rofe"

Bei diesem Buch war es unumgänglich mit der Vorstellung auf ein bestimmtes Datum zu warten: Passend zum Jubiläumsjahr des Friedhofs Melaten in Köln hat der Marzellen Verlag nämlich einen sehr speziellen Friedhofsführer ganz neu bearbeitet und ergänzt in vierter Auflage wieder herausgebracht. 
Titelseite des Buches (Foto Leisner, mit
fr. Genehmigung des Marzellen Verlag Köln)
Der karnevalsbegeisterte Autor Wolfgan Oelsner, der sich für den Friedhof und den Erhalt von Grabstätten sehr engagiert einsetzt, hat darin seine kenntnisreichen Friedhofsführungen zu seinem Thema, dem Kölner Karneval, zusammengefasst. Der Verlag unterstreicht die merkwürdige Ernsthaftigkeit, die der Tod dem heiteren Thema der "verkehrten Welt" und des "carne vale" - Fleisch ade! - der Tage vor dem Aschermittwoch, an dem bekanntlich "alles vorbei ist", unter dem eigentlichen Buchtitel mit den Worten "pietätvoll, lehrreich und unterhaltsam", so als ob er sich nicht ganz sicher ist, ob man Tod und weltliche Lustbarkeit miteinander in Verbindung bringen darf.

Der Verfasser hat damit zu Recht keine Probleme. Er erinnert an den Grabstätten der unterschiedlichsten Vertreter des Kölner Karnevals an die spezielle Geschichte dieses ortgebundenen Brauchtums, das nach der Franzosenzeit am Anfang des 19. Jahrhunderts vom Bürgertum neu belebt wurde. In zahlreichen Einschüben erklärt er dazu einzelne Besonderheiten, wie zum Beispiel das "Lappenkostüm", das sich alle diejenigen aus Flicken zusammennähten, die zwar gern verkleidet sein wollten, aber dafür kein Geld ausgeben konnten. Mit einer roten Pappnase wurden sie zu "Lappenclowns", wie die nebenstehende kleine Grabfigur zeigt..

Dazu verweist er in vielen Details auf die Herkunft von Liedern und Evergreens, die teilweise weit über Köln hinaus ausgestrahlt haben, wie der schon fast klassische - oben zitierte - Liedtext von "Am Aschermittwoch ist alles vorbei", der von dem Kölner Heimatschriftsteller Hans Jonen stammt, zu dem der Führer natürlich noch viel mehr zu erzählen weiß.

Als "karnevalsabstinente" Norddeutsche habe ich in diesem vergnüglichen und interessanten Führer viel über den Karneval in Köln am Rhein, über seine einzelnen Protagonisten und auch über seine Organisation gelernt. Schön wäre es gewesen, wenn die Einleitung noch etwas tiefer in die Geschichte und die Frühzeit des bürgerlichen Karnevals geführt hätte, denn einer Nicht-Kölnerin  wie mir fehlt das Wissen um die innere Organisation, die historischen Wurzeln und die Entwicklung dieses Festes. Die einzelnen Stationen des Rundgang sind sowohl mit historischem Material wie mit Fotos der aktuellen Grabstätten reich bebildert, so dass man eine gute Vorstellung von der Vielfalt der "Karnevalserinnerung" auf Melaten erhält.

Verständlich ist, dass der Autor am Schluss ein Erinnerungsmal besonders hervorhebt. Er hat schließlich mit seinen Führungen und dem hier vorgestellten Buch die nötigen finanziellen Mittel für die Anfertigung und Aufstellung mitgesammelt: Johann Christoph Winters (1772-1862), dem Begründer des Kölner Hänneschen-Theaters, einer Puppenspielbühne mit feststehenden "köllschen" Typen, wie dem "Hänneschen" - auf Hochdeutsch dem "kleinen Hans" - war einst im Armengrab in einer Ecke des Melatenfriedhofs beigesetzt worden. Seine Grabstätte war lang vergessen. Nun wurde dem Puppenspieler eine eigene Plastik gewidmet, die seine Büste zusammen mit seinen typischen Stabpuppen zeigt.

Wolfgang Oelsner, "Un deit d'r Herrjot mich ens rofe". Eine Führung durch den Kölner Karneval auf dem Friedhof Melaten. Marzellen Verlag Köln, 2010, 144 S. zahlr. farb. Abb. und eine Karte, 12,90 (ISBN 798-3-937795-16-4). Hingewiesen sei an dieser Stelle auch auf ein weiterer Kölner Friedhofsbuch aus demselben Verlag: Günter Schwanenberg, "Em Himmel es d'r Düvel loss". Musikalisch-literarische Streifzüge über den Südfriedhof.