Dienstag, 1. März 2022

Tagungen und Seminare der Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal

Die Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal in Kassel hat gerade ihr neues Jahresprogramm veröffentlicht. Besonders hingewiesen sei hier auf das Tagesseminar "Grabplastik" für Friedhofsführer*innen am Donnerstag, 9. Juni 2022, 10–17.30 Uhr! Aber natürlich ist in dem Programm auch die transmortale XI am Samstag, 26. März 2022 im Museum für Sepulkralkultur verzeichnet, das ausführlicher hier im Blog zu finden ist.
 

Sonntag, 27. Februar 2022

Fachtag "FOKUS FRIEDHOF Kunstvoll. Spirituell. Lebensnah"

Die Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers (Haus Kirchlicher Dienste) veranstaltet am 11. Mai 2022 von 10 bis 16:30 Uhr einen Fachtag mit dem Titel "FOKUS FRIEDHOF Kunstvoll. Spirituell. Lebensnah". Dabei soll es schwerpunktmäßig darum gehen, "den Friedhof als Schnittmenge von öffentlichem Raum und kirchlich-kultureller ‚Bespielung‘ und somit als Chance auch und gerade für Kunst und Kulturarbeit in den Blick zu nehmen." Dazu gibt es Workshops und Friedhofsexkursionen. Es sollen auch Fragen der Friedhofsgestaltung und des evangelischen Profils von Friedhöfen behandelt werden. Tagungsort sind Kirche und Gemeindehaus der Ev.-luth. Kirchengemeinde Herrenhausen-Leinhausen (Hegebläch 18, 30419 Hannover). Hier der Flyer mit dem Programm. Die Anmeldung geht über die Website: https://www.formulare-e.de/f/fachtag-friedhof



Übrigens wird es schon im März ein weiteres kirchliches Angebot zum Thema Friedhof und Kunst in Hannover geben, nämlich den Workshop-Tag Kulturkirchen mit dem Thema: "Endlich! Zeitgenössische Kunst auf dem Friedhof". Dort treffen sich Akteure (m/w/d) der ev.-luth.Kulturkirchen – und solche, die es werden möchten – zu Austausch, Infos und Impulsen und zwar am Mittwoch, 16. März 2022, 10:30 – 16 Uhr in der Ev. Kirchengemeinde Hannover Herrenhausen-Leinhausen. Referentinnen sind die Dresdener Künstlerinnen Susan Donath aus Dresden und Stephanie Link aus Hildesheim. Infos: www.kunstinfo.net/angebote/seminare (Das Angebot ist unter dem Obertitel "JAHRESPROGRAMM KUNST UND KULTUR 2022" zu finden).

Dienstag, 15. Februar 2022

Der Sankt Marxer Biedermeierfriedhof

Cover des Buches
Der Untertitel dieses Buches "Ein magischer Ort von Wien in Texten und Bildern" sagt eigentlich schon alles über seinen Inhalt aus. Der Autor hat sich nicht besonders in die Geschichte dieses Ortes vertieft und er hat auch nicht intensiv danach geforscht, welche interessanten Persönlichkeiten dort bestattet sind, oder welche Lebensgeschichten von ihnen erzählt werden könnten (wobei allerdings anzumerken ist, dass eine Liste mit den Namen, Lebensdaten und Berufen "Der bekannteren auf dem Sankt Marx bestattteten Personen" in der Mitte des Buches zu finden ist). Anstatt dessen ist er offenbar mit seiner Kamera über diesen verwunschenen Friedhof, der allerdings gleichzeitig neben einer Autobahn liegt, gewandert und hat versucht Stimmungen einzufangen. Seine Bilder hat er dann so bearbeitet, dass sie in dem Buch insgesamt oft weichgezeichnet und konturarm wirken. Diese Stimmungsbilder zusammen mit Detailaufnahmen von Grabmalen, bei denen der Focus auf der Beschriftung liegt, machen einen großen Teil dieses Buches aus. 

Dazwischen eingestreut sind verschiedene Kapitel. Im ersten versucht der Autor sich dem Umgang mit dem Sterben in der Biedermeierzeit anzunähern, wobei er allerdings nicht so sehr Wert auf die Bestattungsgeschichte als vielmehr auf die allgemeine technische und gesellschaftliche Entwicklung im ganzen 19. Jahrhundert legt, wenn er seitenlang die Errrungenschaften in Bezug auf Informationstechnik, Zeitungen, Verkehrswesen, Vereinheitlichung der Zeit und das Kulturleben aufzählt, auf konkretere historische Fakten zur Sepulkralkultur aber eher am Rande eingeht. Etwas peinlich wird es im folgenden Kapitel "Der Tod ein Wiener", wenn dort am Schluss das bekannte -  motivisch noch ältere, aber immerhin schon von den Brüdern Grimm und Ludwig Bechstein veröffentlichte - Märchen vom Gevatter Tod als Altwiener Sage nacherzählt wird. Darauf folgt ein Essay zum Thema "Den Sankt Marxer Friedhof entdecken" und eine kurze Geschichte des Friedhofs, sowie die oben erwähnte Aufzählung von Bestatteten. Danach geht es um den Friedhof und die Autobahn, sowie um die Auffassungen des Autors zur Gestaltung seiner Friedhofsfotografie. Ein Autorenporträt und ein Literaturverzeichnis schließen das Buch ab. 

Alexander Glück: Der Sankt Marxer Biedermeierfriedhof. Ein magischer Ort von Wien in Texten und Bildern. Gebunden, 124 Seiten, zahlr. schw.-w. Bilder, 19,90 Anthea-Verlag Berlin, 2021


Sonntag, 6. Februar 2022

Wenn Ewigkeit vergänglich wird

Der Untertitel "Londons viktorianische Gartenfriedhöfe gestern und heute" verrät, worum es in diesem Buch geht. Die Autorin stellt darin die "Magnificent Seven"  vor; jene sieben Gartenfriedhöfe, die im zweiten Viertel des 19. Jahrhunderts rund um London eingerichtet wurden, um der desolaten Lage der Bestattungen innerhalb der wachsenden Großstadt Herr zu werden. 

Den horrenden Zuständen auf den innerstädtischen Londoner Friedhöfen am Anfang des 19. Jahrhundert widmet die Autorin nach einer allgemeinen Einführung in das Thema Friedhof ein erstes Kapitel. Sie schildert, wie auf den mitten zwischen den Wohnhäusern gelegenen Friedhöfen der Stadt kaum noch Platz für die Toten übrig war und zudem noch der Diebstahl von Leichen die Menschen, die um ihre Angehörigen trauerten, beunruhigte. Eindrücklich unterlegt sind diese Ausführungen - nicht nur in diesem Kapitel, sondern im ganzen Buch - mit einer Vielzahl von historischen Illustrationen und Fotos, deren ausführliche Beschriftungen einen eigenen zum jeweiligen Kapitel passenden Subtext liefern. 

Samstag, 5. Februar 2022

Charta der Friedhofskultur

Im November 2021 wurde im Museum für Sepulkralkultur, Kassel, die „Charta Friedhofskultur“ in einem Festakt unterzeichnet und veröffentlicht. Diese Charta formuliert den Wert der Friedhofskultur für die Menschen und die Gesellschaft, definiert ein gemeinsames Begriffsverständnis für den öffentlichen Diskurs zum Thema Friedhofskultur, zeigt den Facettenreichtum dieses Kulturguts auf und setzt ein deutlich sichtbares Zeichen für den Erhalt und die Weiterentwicklung der Friedhöfe. Gemeinschaftlich aufgesetzt und unterzeichnet wurde die Charta von (in alphabetischer Reihenfolge) der Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal, dem Bund deutscher Friedhofsgärtner, Bundesverband Deutscher Bestatter, Bundesverband Deutscher Steinmetze, Kuratorium Immaterielles Erbe Friedhofskultur, der Stiftung Deutsche Bestattungskultur, dem Verband der Friedhofsverwalter Deutschlands, Verein zur Förderung der deutschen Friedhofskultur und dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. 
 

Donnerstag, 27. Januar 2022

Transmortale XI

Für alle Interessierten: 

Auch in diesem Jahr wird wieder der Workshop zu neuen Forschungen zu Sterben, Tod und Trauer stattfinden, die "transmortale XI". Hintergrundinformationen gibt es beim Museum für Sepulkralkultur in Kassel, wo der Workshop angesiedelt ist. Das Programm für Samstag, 26. März 2022, ab 10.00 Uhr sieht folgende Vorträge vor: Nach der Begrüßung und Einführung: 10.15 –10.45 Anne Purschwitz (Halle), Was kostet der Tod in der Frühen Neuzeit? (1650–1850); 10.45 –11.15 Thomas Grunewald (Halle), Die Toten des Waisenhauses. Funeralkultur an den Glauchaschen Anstalten im 18. Jahrhundert; Kaffeepause; 11.45 –12.15 Burkhard Emme (Berlin), romana mors? Auffassungen und Bewertungen des Suizids im kaiserzeitlichen Rom; 12.15 –12.45 Sarah K. Becker (Berlin), Ins Wasser gehen. (Audio)visuelle Inszenierungen weiblicher Suizidalität; Mittagspause, 14.00 –14.30 Johanna Lessing (Göttingen), Tot und lebendig. Zur Darstellung von menschlichen Herzen in wissenschaftlichen Sammlungen; 14.30 –15.00 Karla Alex (Heidelberg), Das Sterben überzähliger Embryonen – Überlegungen zu aktuellen Entwicklungen aus Sicht der Philosophie; Kaffeepause; 15.30 –16.00 Stephan Scholz (Oldenburg), Zahlen, Namen, Schicksale – Zur Bedeutung des Totengedenkens im zivilgesellschaftlichen Engagement für eine humane Flüchtlingspolitik; 16.00 –16.30 Friedrich J. Becher (München), Modi des Ausstellens menschlicher Knochen am Beispiel der Aktion „Sucht nach uns!“ des Zentrums für politische Schönheit, 2019; 16.30 –17.00 Abschlussdiskussion.

Sonntag, 2. Januar 2022

Der Friedhof als Ort des Europäischen Gedächtnisses - eine Tagung in Murcia

Am 6. und 7. März 2020 wurde unter dem Titel "Der Friedhof als Ort des europäischen Gedächtnisses" von der "Gesellschaft für Anthropologie von Murcia (SOMA)" ein 2. internationales Symposium zur Bestattungskultur abgehalten. Die Beiträge von ForscherInnen aus Großbritannien, Deutschland, den Niederlanden und Spanien sind jetzt auf Spanisch und - zum großen Teil auch auf - Englisch in der Nummer 28 der Zeitschrift "Revista Murciana de antropologiía" der Universität dieser spanischen Stadt nachzulesen. Die Aufsätze thematisieren insgesamt die sozialen und kulturellen Dimension der Friedhöfe und ihre Bedeutung für die europäische Identität.

Die Grundlage dafür bildet die Zusammenarbeit der oben genannten Gesellschaft mit dem Stadtrat von Murcia. Hauptziel ihrer seit 2015 bestehenden Verbindung ist die Erforschung der heimischen Bestattungskultur. Seitdem wurde jährlich ein thematischer Führer über den städtischen Friedhof erarbeitet. Es wurden außerdem zahlreiche Friedhofsführungen organisiert, sowie 2018 ein erstes Symposium durchgeführt, dessen Ergebnisse in der Ausgabe 26 (2019) der oben genannten Zeitschrift veröffentlicht sind. Beide Veröffentlichungen bilden zugleich Ergebnisse des europäischen Projektes "Kulturelle Aspekte der europäischen Integration", das vom Lehrstuhl Jean Monnet der Universität unter der Leitung von Klaus Schriewer für den Zeitraum von 2019-2022 läuft.

Am Anfang dieses Bandes gibt Norbert Fischer von der Universität Hamburg eine Einführung in die Begrifflichkeit, die sich im Rahmen von Erinnerung und Gedächtnis in den letzten Jahrzehnten entwickelt hat. Dazu gehört die Definition des kollektiven Gedächtnisses als kultureller Speicher, der einen gesellschaftlichen Konsens über die zu bewahrenden Inhalte voraussetzt, wie z.B. Bibliotheken und Museen. Auch Friedhöfe mit ihrer jeweils spezifischen Landschaftsgestaltung können in diese Kategorie eingeordnet werden. Sie spiegeln die verschiedenen Wechselbeziehungen zwischen Tod, Gesellschaft und Erinnerung wider und sind räumlich gestaltete Ergebnisse des Alltagslebens einer jeden Gesellschaft. Im Rahmen des Konzeptes der Erinnerungslandschaft stellte Fischer nicht nur beispielhaft europäische Friedhöfe des bürgerlichen Zeitalters vor, sondern ging auch auf die politische und die regionale Einbettung dieser Orte ein, bevor er mit der Idee einer Kartografie der speziellen sepukral geprägten Erinnerungsorte und Landschaften schloss.