Dienstag, 1. November 2016

Totenbeinli und tanzende Skelette in Basel

Basler Totentanz, Aquarellkopie von 1806, Johann Rudolf Feyerabend : 
der Tod zum König. Historisches Museum, Basel.
By Vassil (Own work) CC0, via Wikimedia Commons
In Basel findet zur Zeit die Herbstmesse statt und in diesem Rahmen gibt es einen ganz besonderen Markt!

Schon 2013 hatte der Verein "Totentanz" am Originalschauplatz des berühmten Basler Totentanzes der Idee neuen Raum gegeben, dass jeder einmal sterben wird und im Tod alle gleich sein werden. Das Mittelalterliche Totentanzgemälde war auf die Friedhofmauer der Baseler Predigerkirche gemalt und wurde 1805 zerstört. Doch seine Bilder wurden in der Kunst überliefert und immer wieder neu gestaltet. So ist der Totentanz heute noch ebenso aktuell wie um 1440.

Vor drei Jahren hatte der Verein den berühmten Regisseur Peter Greenaway gewinnen können, das Thema neu zu gestalten. Er ließ einen Monat lang multimediale Grabmäler inner- und aus­serhalb der Predigerkirche erscheinen, auf deren Bildschirmen Vertreter der mittelalterlichen Ständepyramide ihrem Ende entgegentaumelten: Könige und Bettler, Geistliche und Laien. Und das Kino wurde gleich mit ins Grab geschickt ...

Montag, 31. Oktober 2016

Totentanz zu Halloween

Diesmal zu Halloween ein wunderbarer Film "Danse macabre" von Camille Saint-Saëns. Sein Op. 40 ist eine symphonische Dichtung, die ursprünglich als Kunstlied mit Klavierbegleitung nach dem Gedicht von Henri Cazalis erschien (1872).  Das Gedicht heißt "Égalité-Fraternité" und spielt damit in seinem Titel auf die historischen Totentänze des späten Mittelalters an. Es stammt aus den "Heures Sombres", dem vierten Teil seiner Sammlung L'Illusion.


Sonntag, 16. Oktober 2016

Mit Kindern Friedhöfe entdecken

Entdeckerheft Friedhöfe
an der Bergmannstraße in Berlin
In Berlin hat sich vor vier Jahren der Verein Pindactica gegründet, der Lehrmaterial für Kinder entwickelt. Die offensichtlich jungen und aktiven Mitglieder des Vereins - Medienleute, Kommunikationsdesigner, Pädagogen unterschiedlicher Richtungen u.a. - haben jetzt auch das Thema "Friedhof" in den Blick genommen. Das Ergebnis ist ein "Entdeckerheft für den Ausflugsspaß" zu den Berliner Friedhöfen an der Bergmannstraße, das gerade herausgekommen ist.

Ein stilisiertes Rotkehlchen lädt schon auf der Titelseite zu einer Rallye auf den zusammenhängenden historischen Friedhöfen der Bergmanstraße ein. Schlägt man das Heft auf, so werden die Kinder als erstes mit den Friedhofsregeln vertraut gemacht und an das Thema Erinnerung herangeführt, Sie dürfen dann Symbole suchen und den erklärenden Texten zuordnen, erfahren ein wenig über die Friedhofsgeschichte, sollen Namen auf Denkmalen finden und deren Alter errechnen, sich um die Tierwelt kümmern und bekommen in zweiten Teil eine ganze Reihe weiterer Aufgaben und Fragen über die Grabmale am Wegesrand gestellt. Ein Lageplan mit eingezeichneter Route soll helfen den vorgegebenen Entdeckerweg auf dem Friedhof zu finden.

Das 20seitige Heft in A5-Format ist auf festem Papier gedruckt und liebevoll illustriert. Es wurde, wie der Verein ausdrücklich vermerkt, "speziell für die Friedhöfe an der Bergmannstraße in Berlin Kreuzberg entwickelt und lässt sich auch nur dort sinnvoll einsetzen". Dazu hat man eine Handreichung für Eltern, Lehrer und Erzieher mit Tipps und Anregungen für die Rallye entwickelt, sowie zwei Arbeitsbögen als Kopiervorlage, die auch für den Besuch anderer historischer Friedhöfe verwendet werden können. Sie enthalten die Aufgaben aus dem Entdeckerheft zu Tieren und Pflanzen und leiten dazu an sich ein Grabmal näher anzusehen. 

Das Entdeckerheft kann man beim Verein bestellen oder vor Ort erwerben. Es ist kostenlos, allerdings wird der Versand berechnet. Insgesamt ist es sicher eine nachahmenswerte Initiative, die dazu einlädt sich als Familie oder mit Kindergruppen und Schulklassen spielerisch auf das Thema Friedhof und Erinnerung einzulassen. 

Samstag, 15. Oktober 2016

Kunst im Stillen No. 6


Vor kurzem erreichte mich der 6. Band der Reihe "Kunst im Stillen" von Alfred E. Otto Paul, die sich den Leipziger Friedhöfen widmet. Wer dieses Blog schon länger verfolgt, weiß, dass ich auch die früheren Bände dieser Reihe hier vorgestellt habe: Genau gesagt, begleite ich seit 2009 die Publikationen dieses Autors (siehe: Band 1, Band 2, Band 3, Band 4, Band 5, sowie das Buch über den Leipziger Johannisfriedhof).

Wie für den 5. Band hat sich der Autor auch diesmal auf den Leipziger Südfriedhof beschränkt. Auf 204 Seiten werden insgesamt 34 Grabstätten und Denkmale vorgestellt. Auch wenn die Grabstätten von Honoratioren überwiegen - als Berufsbezeichnungen erscheinen z.B. Fabrikant, Porzellanhändler, Kaufmann, Kommerzienrat, Brandversicherungs-Oberinstpektor, Unternehmer, Mediziner Baurräte und viele andere, so sind doch auch eine Reihe von Frauennamen zu lesen und so ungewöhnliche Erinnerungsmale wie das Sammelgrab Eythra, das an ein ganzes durch den Braunkohleabbau verschwundenes Dorf erinnert. Wie in den vorangegangenen Bänden widmet sich der Autor nicht nur den teilweise sehr imposanten Grabmalen. Er hat zugleich für jede Grabstätte gründliche historiche Forschung betrieben und stellt so die Lebensgeschichte der Bestatteten den Lesern lebendig vor Augen.

Abgerundet wird auch dieser Band durch einen vorangestellten Friedhofsplan, auf dem die Grablage der vorgestellten Grabmale eingezeichnet sind und am Schluss durch die Vorstellung des Malers und Bildhauers Reinhold Carl, der zu Unrecht fast vergessen war, und dessen Lebensgeschichte der Autor akribisch genau wieder augegraben hat. Natürlich fehlen auch in diesem Band die ausführlichen Quellenangaben nicht und der Rücktitel ist auch hier einer Glocke vorbehalten, in diesem Fall der Anastasia-Glocke des Südfriedhofes, die 1993 in der Karlsruher Glockengießerei Carl Metz entstanden ist. Muss man noch hinzufügen, dass das Layout und die teilweise großformatigen Bilder wieder sehr ansprechend gestaltet sind und einen zusätzlichen Lesegenuß bieten? Das kleine Video oben gibt davon vielleicht einen aussagekräftigeren Eindruck, als es Worte können.

Alfred E. Otto Paul, Die Kunst im Stillen. Kunstschätze auf Leipziger Friehöfen No. 6. Selbstverlag Leipzig 2016. Zu bestellen ist der Band beim Autor über die Paul-Benndorf-Gesellschaft zu Leipzig e.V., Sonnenweg 10, 04288 Leipzig, Tel.: 034297 / 12305, Mail: info@paul-benndorf-gesellschaft.de

Freitag, 30. September 2016

Am Fuße der Pyramide - 300 Jahre Friedhof für Ausländer in Rom

Flyer zur Ausstellung
Unter diesem Titel feiert der "Cimitero Acattolico di Roma" das Jubiläum seines dreihundertjährigen Bestehens mit einer großen Ausstellung in der Casa di Goethe in Rom. Kuratiert wurde sie von dem bekannten Historiker und Denkmalpfleger Nicholas Stanley-Price, zugleich Autor einer umfangreiche Publikation über den Friedhof, die gerade auch auf Deutsch erschienen ist.

In der Pressemitteilung heißt es dazu: "Zum ersten Mal vermittelt eine Ausstellung einen Überblick darüber, wie Künstler seit Ende des 18. Jahrhunderts bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts den sogenannten 'Protestantischen Friedhof' oder 'NichtKatholischen Friedhof bei der Pyramide' in ihren Bildern dargestellt haben. Mehr als vierzig Gemälde, Zeichnungen und Druckgraphiken zeigen die besondere Schönheit des Orts mit seinen hohen Bäumen, Grabdenkmälern und suggestiven Himmelsausschnitten. Gleichzeitig dokumentieren die Bilder die Geschichte und allmählichen Veränderungen des stillen Winkels im Schatten der im römischen Stadtteil Testaccio gelegenen Cestius-Pyramide." 

Zu den bekanntesten Grabmälern, von denen einige von so berühmten Künstlern wie z.B. Bertel Thorvaldsen entworfen worden sind, gehören die Ruhestätten von John Keats und Percy Bysshe Shelley, August von Goethe und dem Beat-Dichter Gregory Corso. 

Bartolomeo Pinelli (Naechtliche Bestattung an der Cestiuspyramide) 1831.jpg
Bartolomeo Pinelli, Nächtliche Bestattung an der Cestiuspyramide

 By Bartolomeo Pinelli - scanned by RTH, Public Domain, 

Die Ausstellungstexte sind auf Deutsch im Internet veröffentlicht. Sie bestehen aus einer Einführung und vier thematischen Bereichen: Die "Künstler und der Friedhof für Ausländer in Rom" werden zu Anfang vorgestellt; es folgen "Die Ersten Grabsteine und die Nächtlichen Begräbnisse"; "Die Protestantischen Gräber im Schatten der Pyramide", "Der neue Friedhof unter den Zypressen und Rosen" und "Die Gräber von Keats, Shelley, Goethe und Anderen". 

Der Ausstellungskatalog ist dreisprachig in Deutsch, Englisch und Italienisch erschienen und kostet in Deutschland inklusive Versand 21,00 Euro. Die Ausstellung läuft vom 23.9. bis zum 13.11.2016.

Hamburger Bauheft zur Soldatengedenkhalle auf dem Ohlsdorfer Friedhof

Hamburger Bauheft zur Soldatengedenkhalle
In dem kleinen Museum auf dem Ohlsdorfer Friedhof, das von Mitgliedern des Förderkreises betreut wird, wurde vor Kurzem das Heft Nr. 17 der Reihe "hamburger bauheft" vorgestellt, das der Soldatengedenkhalle auf dem Friedhof gewidmet ist. Sie steht in enger Verbindung zu den großen Flächen der Soldatengräber des Ersten und des Zweiten Weltkrieges.

Da es eine Kontroverse über den Umgang mit der Gedenkhalle und Bestrebungen zu einem Gegendenkmal gibt, hilft diese Publikation grundlegend dabei sich mit ihren Entstehungsbedingungen auseinander zu setzen.

Montag, 26. September 2016

Vita Dubia- eine neue Ausstellung im Sepulkralmuseum

Flyer zur Ausstellung
Am 7. Oktober 2016 lädt das Sepulkralmuseum in Kassel zur Eröffnung einer neuen großen Ausstellung mit dem Titel "Vita Dubia" ein. Genauere Auskunft über den Inhalt gibt der Untertitel "Über die Ungewissheit des Todes und die Angst, lebendig begraben zu werden". 

Der Begleittext weist darauf hin, dass die Angst vor dem Scheintod um 1800 n. Chr. zu einem weit verbreiteten Phänomen wurde. Damals verstärkten die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse und technischen Errungenschaften der Zeit der Aufklärung die Zweifel daran, ob die Grenze zwischen Leben und Tod immer richtig bestimmt wurde. Das Problem beunruhigte plötzlich europaweit die Gemüter. Es regte Wissenschaftler zu bizarren Experimenten an und veranlasste skeptische Erfinder zum Bau merkwürdiger Rettungsapparate. "Es entfachte auch eine Debatte darüber, welche Hinrichtungsmethode 'humaner' sei: Köpfen oder Hängen? Gleichzeitig löste die weit verbreitete Verunsicherung einen kreativen Impuls aus. Denn sie inspirierte die Dichter und Schriftsteller der Romantik zu großartigen, bisweilen düsteren und unheimlichen Gedichten, Novellen und Romanen. Zu den bekanntesten literarischen Werken zählen etwa ‚Schneewittchen‘ von den Brüdern Grimm oder auch Mary Shelleys ‚Frankenstein‘." 

Auch die neue Ausgabe der Zeitschrift "Friedhof und Denkmal" der Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal nimmt mit einem Doppelheft die Thematik der Ausstellung auf. Dabei geht es dann unter anderem um "Die große Angst", "Christoph Wilhelm Hufeland - ein Leben im Dienst der Lebensverlängerung", "Hufeland und der Mythos einer Maschine", "Scheintod, Galvanismus und Elektrizität", "Apparate" und "Särge mit Notausgang". 

Das ganze Thema ist übrigens auch sehr eng mit der Entwicklung der historischen Friedhöfe verbunden, denn gerade Hufeland hat sich intensiv dafür eingesetzt, dass überall auf den Begräbnisplätzen neue Leichenhäuser gebaut wurden, in den die Toten bis zur endgültigen Gewissheit des Todes aufgebahrt werden konnten. 

Die Ausstellung ist vom 8. Oktober 2016 bis zum 16. April 2017 zu sehen. Eröffnung am 7. Oktober 2016, um 19.30 Uhr, dann wird neben der Begrüßung eine Einführung in das Thema gegeben und die Autorin und Journalistin Petra Nagel wird sich "Literarische Gedanken zum 'Scheintod'" machen. Im Rahmen der Ausstellung findet ein umfangreiches Begleitprogramm statt.