Samstag, 25. Juli 2026

Mausoleum von Schröder in Ohlsdorf - Rettung naht!

Das opulente Mausoleum der Bankiersfamilie von Schröder wurde 1906 von dem Architekten Edmund Gevert auf dem Ohlsdorfer Friedhof als großer Zentralbau errichtet. Sein historisierender Stil lehnt orientiert sich hauptsächlich an der Romanik. Für das Gebäude wurde roter Mainsandstein verwendet; eine Steinsorte, die der erste Friedhofsdirektor Wilhelm Cordes besonders bevorzugte. Man findet sie bei den Treppenanlagen des älteren Friedhofsteils ebenso wie bei einigen großen Grabmalen wieder. An den achteckigen Bau sind außen insgesamt 24 Gruftzellen angebaut, die mit Erde angeschüttet einen Hügel um die Rückseite des Gebäudes bilden. Die Kuppel ist aus Eisenbeton und hatte ursprünglich eine Eindeckung aus Kupfer. Sie wird von einem Tambour mit umlaufenden Fensteröffnungen getragen, die ehemals vollständig bunt verglast waren. Die Scheiben zeigten - und einige zeigen sie auch heute noch - Szenen aus dem Leben Jesu sowie Aposteldarstellungen. Der Tambour wird von Säulen und Pilastern getragen. Das Portal ist nach nach Südwesten ausgerichtet und reich geschmückt. Mit seiner gedrungenen Form und der flachen Kuppel auf einem hohen Tambour erinnert der Gruftbau der Familie von Schröder an das berühmte Mausoleum des Theoderich in Ravenna, das im 6. Jh. n. Chr. errichtet worden ist. 

Dadurch, dass die Abdeckung der Kuppel schon seit Jahrzehnten nicht mehr vorhanden ist und nur zeitweise durch eine Plane verhindert wurde, dass Regenwasser in die Kuppel eindringt und die Eisenarmierung im Beton rosten lässt, rottet das Gebäude schon lange vor sich. Putz fällt von der Decke und aufgrund von Einsturzgefahr wurde darf der Innenraum nicht mehr betreten werden. 

Vor fünfzehn Jahren kam schon einmal dann Hoffnung auf, dass das Gebäude gerettet werden könnte. Der Hamburger Kulturinvestor Klaus Martin Kretschmer übernahm das Objekt in Patenschaft und wollte es sanieren lassen. Doch er kam in finanzielle Schwierigkeiten, so dass ihm schließlich die Patenschaft wieder aberkannt wurde. 

Vor einem Jahr gab das Hamburger Denkmalschutzamt bekannt, dass eine kurzfristige Sicherung durch Bundes- und Friedhofsmittel vorgesehen sei. Jetzt ist die endgültige Zusage der notwendigen Mittel durch die Bundesrepublik Deutschland gekommen. Damit soll das Mausoleum so schnell wie möglich ein Schutzdach bekommen, um es endlich vor den witterungsbedingten Einflüssen zu bewahren und weitere Arbeiten vor Ort zu ermöglichen. Die Kosten für dieses "schwebende Schutzdach" mit extensiver Begrünung und die Sanierung des Innenraums werden mit 18 Millionen Euro angegeben. Das Geld kommt je zur Hälfte vom Bund und vom Hamburger Staat.

Fotos: Marianne Didié 2006

Donnerstag, 23. Juli 2026

Die Gräber der deutschen Romantik

Es gibt inzwischen Mengen von Büchern über Grabstätten berühmter Persönlichkeiten auf bestimmten historischen Friedhöfen. Demgegenüber ist die Zusammenstellung von Grabstätten von Schriftstellerinnen und Dichtern in Buchform eher selten. Christoph Palmer und Henning Kreitel legen mit ihrem Buch eine solche Zusammenstellung für die Zeit der Romantik vor; also für jene  literarische Epoche, die sich besonders intensiv dem Dunkel und den Nachtseiten des Lebens gewidmet hat. 

Am Anfang steht ein längerer Essay zum „Tod in der Romantik“ von Christoph Palmer. Dabei handelt es sich im Grunde um eine Auflistung und jeweils kurze Abhandlung der verschiedenen Aspekte des Todesgedankens. Vorgestellt werden – in dieser Reihenfolge – die Vorstellungen im Werk der Romantiker zum Thema der christlichen Auferstehungshoffnung, zum Tod als Weltflucht und als Teil des immerwährenden Naturkreislaufes, sowie als erotischer Wende- und Höhepunkt, zur unheimlichen Welt, zum Tod als Folge des idealisierten Leidens, zu Nihilismus und den Tod, sowie zum Suizid. 

Die Leser erhalten damit jeweils einen Überblick über die Themenvielfalt, die in der romantischen Literatur mit Sterben, Tod und Bestattung verbunden ist. In jedem Abschnitt werden die Dichter und Dichterinnen, Schriftsteller und Schriftstellerinnen zitiert, die dem jeweiligen Thema zuzurechnen sind. Da ich keine Spezialistin im Gebiet der Romantik bin, kann ich inhaltlich dazu nicht viel anmerken. 

(Irritiert hat mich allerdings die "Listenform" dieser Zusammenstellung. Das hat für mich die Frage aufgeworfen, ob hier KI die Recherche erleichtert oder sogar bestimmt hat. Die Nutzung von Künstlicher Intelligenz ist dabei ja solange nicht als "fragwürdig" einzuordnen, wie ein Autor sie als Erleichterung und Beschleunigung der Recherche genutzt hat. Allerdings erscheint mir die direkte Übernahme der Ergebnisse der Künstlichen Intelligenz ohne weitere Prüfung und Bearbeitung und ohne Hinweis auf die KI als Urheberin fragwürdig. Das aber nur als Anmerkung und keinesfalls als konkreter Vorwurf an den Autor. Wie gesagt: Ich kann das nicht wirklich beurteilen... )

Der zweite umfangreichere Teil besteht aus einer Zusammenstellung der stimmungsvollen Grabmalfotos von Henning Kreitel jeweils mit einem kurzen Lebenslauf der dort bestatteten Persönlichkeit und einem Auszug aus dessen oder deren Werk, der Bezug zum Thema Tod hat. Damit ermöglichen die Verfasser einen neuen Einblick in das Verhältnis dieser Epoche zum Tod und zeigen zugleich, dass unerwartet viele Erinnerungsstätten für diesen besonderen Personenkreis auf den deutschen Friedhöfen tatsächlich über die Jahrhunderte bewahrt worden sind, obwohl normalerweise die Gräber, wenn sich keine Angehörigen mehr darum kümmern, aufgehoben werden. Darüber, wo sich die Grabstätten finden und wer erwähnt wird, geben  ein Plan und ein Register der Grabstätten am Ende des Buches einen guten Überblick.

Christoph Palmer, Die Gräber der deutschen Romantik. Literarische Bilder mit Fotografien von Henning Kreitel. MitteldeutscherVerlag, 2026, Text-Bild-Band, 196 S., Farbabb. 24,00 Euro

Mittwoch, 22. Juli 2026

Virtuelles Kolloquium über Friedhöfe 2026: Call for Papers

Die Cemetery Research Group lädt ein, am "Virtual Colloquium on Cemeteries" teilzunehmen. Dieses Colloquium wird am 20. November 2026 vollständig online (über Zoom) stattfinden. Es wird von der englischen Cemetery Research Group veranstaltet. Thematisch soll es um Orte und Praktiken im Zusammenhang mit der Entsorgung der Toten gehen, einschließlich Bestattung, Einäscherung und anderer Bestattungsmethoden.

Dazu hat die Forschungsgruppe eine Call for Papers herausgegeben, mit dem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die in den Sozial- und Geisteswissenschaften arbeiten, sowie Doktoranden und Postdoktoranden eingeladen sind Beiträge einzureichen. Diese sollen möglichst theoretische Erkenntnisse mit empirischer Forschung zu dem vorgeschlagenen Thema kombinieren.

Jeder Präsentation wird ein 30-minütiger Slot zugewiesen, der etwa 20 Minuten für die Präsentation umfasst, gefolgt von Zeit für Fragen und Diskussionen. Die Veranstaltung ist offen für Mitwirkende aus der ganzen Welt, und die Panels werden für verschiedene Zeitzonen geplant. Alle Vorträge müssen in englischer Sprache gehalten werden.

Abstracts können über dieses Google-Formular bis zum 2. Oktober 2026 eingereicht werden.

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Dr. Julie Rugg unter julie.rugg@york.ac.uk.

Sonntag, 21. Juni 2026

25 Jahre "Garten der Frauen"

Der Garten der Frauen auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg gehet dieses Jahr am Sonntag, 5. Juli um 14 Uhr sein 25jähriges Bestehen mit einer Jubiläumsfeier. Sie beginnt mit der szenischen Darbietung „Das Patriachat lässt grüßen – wir grüßen nicht zurück!“, die von den Schauspielerinnen Herma Koehn und Andrea Gerhard präsentiert wird, Text und Moderation Dr. Rita Bake. Zu Wort kommen Frauen der alten und neuen Frauenbewegung, an die im Garten der Frauen erinnert wird. Musikalisch begleitet wird die Feier von der französischen Jazz- und Popsängerin Myra Maud und für Getränke und Kuchen ist auch gesorgt. 

Außerdem organisiert der Verein ein Sonderprogramm zum Jubiläum mit insgesamt 13 themenbezogenen Sonntagsführungen durch den Garten anlässlich des Jubiläums. (Daneben haben schon im Mai und Juni 2026 ab 15 Uhr die regulären Sonntagsführungen durch den Garten stattgefunden.) Themen und Daten kann man dem Jubiläumsheft des Vereins entnehmen, in dem die Frauen und Frauengruppen, um die es jeweils gehen soll, vorgestellt werden. 

Außerdem gibt es am 6. Juli 2026 um 15 Uhr eine szenische Darbietung zu den Frauen der
alten und neuen Hamburger Frauenbewegung; am Sonnanbend 22. August ebenfalls um 15 Uhr eine Lesung von Dr. Conelia Lipp, die aus ihrem neuen Buch "Gertrud und Ursula Falke - Klaus - Jean Weidt. Eine (Hamburger) Trilogie 1912-19147" lesen wird, und am Sonnabend 5. September um 15 Uhr in der Cordeshalle im Forum Ohlsdorf die Lesung von Gerturd Klemm "Abschied vom Phallozän. Eine Streitschrift". Näheres siehe hier

Wer sich für die Geschichte des Vereins und eine ähnliche Initiative in Berlin interessiert, sei hier auch auf das neue Heft von "Ohlsdorf - Zeitschrift für Trauerkultur" hingewiesen, das schon im Druck beim Ohlsdorfer Förderkreis zu erhalten ist und demnächst auf seiner Website erscheinen wird. 

Samstag, 23. Mai 2026

Grundsteinlegung auf dem Eliasfriedhof in Dresden

Grufthäuser auf dem Eliasfriedhof, 2017 (von SchiDD - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, Quelle)
Mit dem schon 1876 geschlossenen Eliasfriedhof ist in Dresden ein außerordentlich authentischer historischer Friedhof erhalten. Die barocke Camposantoanlage enthält einen über zwei Jahrhunderte gewachsenen fast unverändert erhaltenen Grabmalbestand.

Jetzt soll dieser Friedhof mit dem denkmalgerechten Wiederaufbau des ehemaligen "Totenbettmeisterhauses" ein Gebäude erhalten, in dem unter anderem ein Ausstellungsraum und ein Ort der Begegnung für den Förderverein des Friedhofs entstehen soll. Der Friedhof als „Freilichtmuseum historischer Grabmalkunst“ wird so für Besucherinnen und Besucher noch zugänglicher und sie können mehr über die Geschichte Dresdens und seiner Bewohner erfahren.

"Totenbettmeister" war der Name des obersten Totengräbers. In der Einladung des Fördervereins steht zu lesen, dass sein Häuschen sich bereits um 1690 an der Ziegelstraße befand. Es wurde 1864 abgetragen und durch einen Neubau an der Nordwestecke des Friedhofs ersetzt. Auch nach der Schließung des Friedhofs im Jahr 1876 wohnten hier Beschäftigte, die für die Anlage zuständig waren. Im Zuge der Bombardierung der Stadt im Februar 1945 brannte das Haus vollständig aus, die Ruine wurde später beseitigt. Wie es einst aussah, sieht man hier.

Der Förderverein Eliasfriedhof Dresden e.V. hat sich jahrelang für einen Neubau eingesetzt. Nun wird diese Vision Realität – unterstützt durch EFRE-Fördermittel, Mittel der Landeshauptstadt Dresden und Eigenmittel des Fördervereins.

Alle Beteiligten freuen sich jetzt auf die feierliche

Grundsteinlegung  

Mittwoch, 27. Mai 2026 – Ziegelstraße 22, 01067 Dresden
Einlass: 17:00 Uhr
Beginn: 17:30 Uhr 

Kostenlos



Donnerstag, 23. April 2026

Grün. Nah. Für immer da?! - Ausstellung über den Wandel der Friedhofskultur

In der Kreuzkirche in Dresden läuft seit dem 17. April 2026 die oben genannte Ausstellung zusammen mit einer Vortragsreihe. Hier der Flyer dazu: 



Fotoausstellung "Hamburger Friedhofskapellen"

Im Rahmen des 11. Hamburger Architektur Sommers 2026 stellen der Fotograf Nic Fey und das Architekturbüro Acollage Bilder von Hamburger Friedhofskapellen aus. Hier die Einladung zur Vernissage und folgenden Veranstaltungen:



Dienstag, 7. April 2026

Zum Umgang mit Friedhofsfreiflächen

 

Im Rahmen des Dresdner Modellprojekts „Vom
Parkfriedhof zum Friedhofspark“ auf dem Neuen Annenfriedhof der Stadt hat die Friedhofsverwalterin Lara Schink eine "Handreichung zum Umgang mit Friedhofs-Freiflächen" erstellt, die unter diesem Link zum kostenlosen Download bereit steht. Vorab möchte ich diesen Text schon einmal allen empfehlen, die mit der Entwicklung von Friedhöfen und besonders der Bewahrung historischer Begräbnisplätze zu tun haben. Oder wie es im Vorwort heißt: Die an dem Projekt Beteiligten "möchten mit dieser Publikation Mut machen, Friedhöfe mit anderen Augen zu sehen: ihre vielfältigen Potenziale zu erkennen, anzuerkennen und bedarfsgerecht weiterzuentwickeln - mit frischen Ideen, zugleich aber stets Hand in Hand gehend mit ihrer jahrhundertealten Kulturtradition".

Die Publikation ist als Teil des ExWoSt-Forschungsvorhabens1 „Green Urban Labs II“ entstanden. In diesem Projekt wurden die Potenziale von Friedhofsfreiflächen im Rahmen eines partizipativen Umgestaltungsprozesses unter Einbindung einer Vielzahl von Akteuren aus Bürgerschaft, Ämtern, Hochschul- und Vereinswesen erforscht. 

Montag, 12. Januar 2026

transmortale XV – 6. und 7. März 2026 in Kassel

Auch in diesem Jahr findet wieder die Tagung transmortale in Kassel im Museum für Sepulkralkultur statt, bei der es darum geht, dass - vorwiegend junge Forscherinnen und Forscher ihre Arbeiten aus dem Bereich Sepulkralkultur vorstellen und diskutieren. Am Freitagabend, dem 6. März, beginnt die Tagung diesmal mit einer als Symposium organisierten Buchvorstellung, wie es auf der Website des Museums heißt: "Die dann druckfrisch vorliegende Publikation '(Un-) Sichtbarkeit der Toten. Theologisches am Friedhof' (24 Textbeiträge, Springer VS / Wiesbaden) wird durch eine Einführung der Herausgeber, drei Vorträge sowie ein Podiumsgespräch vorgestellt." Der 7. März bietet eine thematisch offene Plattform für Nachwuchswissenschaftler und Wissenschaftlerinnen unterschiedlicher Disziplinen, die ihre Forschungsprojekte oder Qualifikationsarbeiten zum Thema Tod vorstellen. 

Veranstaltet wird das Treffen in Kooperation zwischen dem Zentralinstitut und Museum für Sepulkralkultur, Kassel, der Universität Hamburg, Institut für Empirische Kulturwissenschaft 
und der Stiftung Deutsche Bestattungskultur. Diesmal findet außerdem eine Zusammenarbeit mit dem Rudolf-Bultmann-Institut für Hermeneutik am Fachbereich Evangelische Theologie (Prof. Dr. Malte Krüger) sowie dem Katholisch-Theologischen Seminar (Prof. Dr. Tobias Hack) – beide Philipps-Universität Marburg – statt.

Das Programm kann unter diesem Link abgerufen werden. 

Anmelden sollte man sich bis zum 27. Februar 2026 bei der Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal e. V., Zentralinstitut und Museum für Sepulkralkultur, Weinbergstraße 25 – 27, 34117 Kassel, E-Mail: info@sepulkralmuseum.de, Tel.: 0561 9189340. Der Teilnahmebeitrag beträgt 50,- Euro / ermäßigt 25,- Euro (Studierende). Für den zweiten Tag kann für 30,- Euro pro Person Verpflegung (Mittagsimbiss, Kuchen, Obst, Getränke) gestellt werden. Ohne diese ist Selbstversorgung erforderlich.


Sonntag, 2. November 2025

Echo des Unbekannten - Vom Umgang mit Tod und Vergänglichkeit

Cover des Ausstellungskataloges
 In der Kunsthalle "Talstraße" in Halle an der Saale findet bis zum 15. 2. 2026 eine Ausstellung zum Tod statt, die von zahlreichen Veranstaltungen begleitet wird. Dazu ist ein Katalog erschienen, den man per Video auf der Seite "Publikationen" des Kunstvereins durchblättern kann. 

Gezeigt werden Kunstwerke, die das Thema Tod vom Mittelalter bis in die Gegenwart in den Blick genommen haben. Darunter befinden sich zum Beispiel auch Frottagen - also Abreibungen von gravierten Bildern mit Ölwachs auf Papier -, die von mittelalterlichen Grabmalplatten in England gemacht worden sind, Graphiken von Albrecht Dürer, Plastiken des Bildhauers Ernst Barlach, aber auch Särge aus verschiedenen Zeiten, darunter ein plastisch als Turnschuh gestalteter Sarg aus Ghana, um nur einige der Kunstwerke zu nennen. 

Der Katalog versammelt Beiträge von ausgewiesenen Kennern der Materie, die das Thema aus ganz verschiedenen Blickwinkeln beleuchten. So geht es unter anderem um die Veränderungen der Gesellschaft, die auch den Umgang mit Sterben, Tod und Bestatten verändert haben. Dazu wird die Bestattungsgesetzgebung in Deutschland als Seismograph herangezogen und die Religion befragt, bevor es um einzelne Sonderthemen wie die mumifizierten (und gefährdeten) Toten in Palermo, Darstellungen des Todes in der internationalen Kunst, Trauerrituale und ihre Veränderung, die Ghanaische Bestattungskultur und zum Schluß um "Friedhof und Grabmal im bürgerlichen Zeitalter" geht. Biografien und eine Liste der ausgestellten Werke runden den Katalog ab, der die Objekte der Ausstellung mit zahlreichen Abbildungen wiedergibt. 

Insgesamt ist diese bunte Mischung besonders für Menschen zu empfehlen, die normalerweise eher selten mit dem Thema Tod und Vergänglichkeit zu tun haben. Die zahlreichen Werke und die inhaltlich ein breites Feld abdeckenden Beiträge regen zur Reflektion an; eine Reflektion, die vor Ort sicher durch die Begleitvorträge, Filmvorführungen und Ausstellungsführungen noch verstärkt wird. 

Echo des Unbekannten. Vom Umgang mit Tod und Vergänglichkeit, Katalog zur gleichnamigen Ausstellung,  hrg. von Matthias Rataiczyk, Kunstverein „Talstrasse“ e.V., 216 Seiten, zahlreiche Farbabbildungen, Halle Saale 2025,  35 Euro, Katalogbestellung

   

 

Freitag, 31. Oktober 2025

Halloween

 Zu Halloween verlinke ich mal wieder auf einen frühen Zeichentrickfilm, der die spätere Verfilmung des uralten Stoffes vom Geisterhaus oder -schloss in Mickey-Mouse-Art vorwegnimmt. Mal wieder schreibe ich, weil in diesem Blog auch der großartige "skeleton-dance" von Walt Disney zu finden ist.  

Walt Disney Looney Tunes - The Haunted House (1929), by Walt Disney, Jack King 

Das Original stammt von der - von mir sehr geschätzten - amerikanischen Plattform  "archive org" (https://archive.org/details/looneytunesmickey7), die prall mit interessanten Büchern, Filmen, Musikstücken und Audioaufnahmen gefüllt ist. 

Samstag, 18. Oktober 2025

Abschaffung des Todes - Säkularistische Ewigkeiten vom 18. bis ins 21. Jahrhundert

Cover, Kosuch: Abschaffung des Todes
Mit diesem Buch, dessen Titel nur auf den ersten Blick etwas irreführend wirkt, legt die Autorin eine außerordentlich umfangreiche Studie zu der Frage vor, wie sich die Vorstellungen vom Überdauern der Toten seit der Aufklärung bis in die Gegenwart geändert und von der religiösen Vorherrschaft gelöst haben; bzw. im wissenschaftlichen Duktus der Autorin: Wie die handelnden Akteure – sie waren hauptsächlich männlich – „den Menschen nach der Überschreitung der Grenze des Todes dachten bzw. sinnhaft im Sein verankerten und welche historischen Hintergründe, welches Wissen, welche Techniken, Technologien und Praktiken mit ihrer Sinnstiftung verbunden waren.“ 

Die Hauptthese, die mit einer ungewöhnlich breiten Quellenkenntnis unterlegt wird, ist, „dass der nicht vergehende Mensch ein entscheidendes Signum des Säkularistischen darstellt“ und dass dabei technische und wissenschaftlich-medizinische Neuerungen sein Überdauern versprachen und auch heute noch versprechen. Säkularistisch bedeutet in der Definition der Autorin „die Ablehnung religiöser Weltbilder, Institutionen und Praktiken und ihren Ersatz durch solche, deren Basis Weltlichkeit, Wissenschaft, Rationalität und zivile Moralvorstellungen bilden.“ (S. 11, Anm. 10) 

Damit wendet sich die Arbeit solchen Konzepten und den damit verbundenen Praktiken zu, die einerseits nicht das christliche Glaubenssystem eingebunden sind, und andererseits trotzdem ein Fortbestehens der Toten, wenn auch in anderer Form, ermöglichen wollen. Die Untersuchung ist dabei zeitlich weit gefasst, geographisch übergreifend und wissenschaftlich interdisziplinär angelegt. Zwar werden hauptsächlich westeuropäische Beispiele interpretiert, doch es gibt auch Ausblicke auf die Verhältnisse in Amerika und Russland. Grundlage und Ausgangspunkt der Untersuchung sind hauptsächlich schriftliche Quellen zur Geschichte der neuzeitlichen Kremation. 

Donnerstag, 16. Oktober 2025

Call for papers - Transmortale XV

Eingang zum Gräberfeld für die Toten des Konzentrationslagers in Moorkaten (Foto Leisner) 
In diesem Blog wird seit Jahren über den Tagungsworkshop "transmortale" berichtet. Im kommenden Jahr findet er zum fünfzehnten Mal statt und zwar am 6./7. März 2026 im Museum für Sepulkralkultur (Kassel). Er beginnt am Freitagabend, 6. März mit einem Kolloquium im Rahmen einer Buchpräsentation. Der Samstag, 7. März, steht – thematisch offen – Nachwuchs-Wissenschaftler:innen zur Vorstellung ihres an Sepulkralkultur ausgerichteten Forschungsprojektes oder ihrer Qualifikationsarbeit zur Verfügung. Es können auch Vorschläge für Posterpräsentationen eingereicht werden. 

Die Themen rund um den Tod beschäftigen im Bereich von Friedhof und Grab schon immer Disziplinen wie Archäologie, Ethnologie, Kulturanthropologie oder Kunstgeschichte. Inzwischen interessieren sich jedoch ganz unterschiedliche Disziplinen für den Wandel der Trauer- und Bestattungskultur, zum Beispiel die Soziologie, Psychologie, Geschichte, Medizin(-Ethik), Gesundheits- und Pflegewissenschaften, Geschlechterforschung sowie Kultur- und Medienwissenschaften. Der Workshop transmortale richtet sich an junge Wissenschaftler:innen, die sich in der Abschlussphase einer Qualifikationsschrift befinden, aber auch an Postdocs und andere interessierte Forschende. Ihnen wird die Möglichkeit gegeben, neue Perspektiven zu entwerfen und sie in größerer Runde zu diskutieren. Ziel ist eine interdisziplinäre Auseinandersetzung, die empirische und theoretische Ansätze zusammenführt und einen intensiven Austausch eröffnet. 

Tagungssprache ist Deutsch, es sind aber auch englischsprachige Beiträge möglich. Für Referierende werden die Kosten für maximal eine Übernachtung und die Verpflegung während der Tagung übernommen.

Wer Interesse hat, sein Forschungsprojekt in einem Vortrag/einer Präsentation (max. 20 Minuten) oder in Form eines Posters vorzustellen, sendet bitte seinen Themenvorschlag bis zum 31. Oktober 2025 (mit Abstract von max. einer Seite inkl. Curriculum Vitae) an die folgende E-Mail-Adresse: niedermeyer@sepulkralmuseum.de
 

Weitere Informationen sind hier zu finden.

Sonntag, 5. Oktober 2025

HALT - Das Jahrbuch für Sepulkralkultur 2024 und 2025

Seit dem letzten Jahr hat die Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal die Herausgabe der seit 1956 erschienenen Zeitschrift „Friedhof und Denkmal“ eingestellt, in deren Redaktion auch ich eine ganze Zeit mitgearbeitet habe. Statt ihrer ist im selben Jahr zum ersten Mal das Jahrbuch mit dem sprechenden Titel „HALT“ erschienen, das in diesem Jahr zum zweiten Mal herausgegeben worden ist. 

Beide Jahrbücher versammeln Interviews und Gastbeiträge von und mit renommierten Gesprächspartnern und Wissenschaftlerinnen, Berichte aus der Forschung des Zentralinstituts für Sepulkralkultur, Neuigkeiten und Einblicke in die Sammlung, Artikel zu Themen aus der Friedhofs- und Bestattungskultur sowie künstlerisch-ästhetische Zwischenspiele. Dazu gibt es eine Fülle von illustrativen Bildern und Fotografien. Gestaltet wurden beide Jahrbücher von Pascal Kress (The Floor Show, Berlin), die künstlerischen Illustrationen stammen von der in Kassel lebenden Malerin Aliaa Abbou Khaddour.

In der zugehörigen Presseinformation zu diesem Jahrbuch heißt es, dass man darin transdisziplinär auf die Endlichkeit blickt und so den Dialog über dieses – für viele Menschen schwierige – Thema weiter führt. „Halt! So wie es bisher war, wird es nie wieder sein“, diese Einsicht und Erfahrung wird den Lesern schon mit der kräftigen Schrift und den sprechenden Titelbildern des Covers direkt vor Augen gehalten. 

Freitag, 3. Oktober 2025

Digitale Salongespräche zur Friedhofskultur

In diesem Herbst und Winter veranstaltet das  Kuratorium Immaterielles Erbe Friedhofskultur wieder die sehr beliebten Digitalen Salons mit interessanten Themen zur Friedhofskultur. Der nächste Salon findet schon

am 8.10. um 17 Uhr statt:

Kunst als Chance für Friedhof und Kirche

Mit  Alexander Ochs, Kurator Purple Path, Kulturhauptstadt Chemnitz; Ralf Günther, Friedhofsverwalter Lößnitz; Johann Hinrich Claussen, Kulturbeauftragter der EKD; Reto Bühler, Leiter Friedhof Forum Zürich – Museum über Leben und Tod

Über 15.000 Besucher werden in diesem Jahr die Friedhofskirche in der kleinen Stadt Lößnitz besucht haben. Angezogen hat sie eine Installation der weltweit renommierten Künstlerin Rebecca Horn im Rahmen von Purple Path, dem Kunst – und Kulturweg der Kulturhauptstadt Europas 2025 Chemnitz. 

Im Rahmen eines digitalen Salons des Kuratoriums Immaterielles Erbe Friedhofskultur spricht der Friedhofsexperte Tobias Pehle mit Purple Path Kurator Alexander Ochs über die Anziehungskraft der Horn-Installation und die von Kunst in Kirchen. Ralf Günther, der Friedhofs- und Kirchenverwalter von Lößnitz, berichtet über seine Erfahrung. Zudem bringen Johann Hinrich Claussen, Kulturbeauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), und Reto Bühler, Leiter des Friedhof Forum Zürich– Museum über Leben und Tod, ihre Expertisen zum Thema „Kunst als Chance für den Friedhof“ ein. Die Teilnahme an der einstündigen Veranstaltung über die Plattform Teams ist kostenfrei. Der Beitritt ist über folgenden Link möglich. (Dieser Text und die folgenden Zeilen sind der Pressemitteilung entnommen.)

Weitere Themen und Termine sind:

Freitag, 26. September 2025

Virtuelles Kolloquium der "Cemetery Research Group"

Die englische "Cemetery Research Group" lädt zu ihrem dritten englischsprachigen, virtuellen Kolloquium am 21. November 2025 ein und ruft zur Einreichung von Beiträgen auf. Diese sollten sich thematisch mit Orten und Praktiken im Zusammenhang mit der Bestattung von Verstorbenen, darunter Beerdigungen, Einäscherungen und anderen Technologien auseinandersetzen. Die Beiträge sollten aus den Bereichen Sozial- und Geisteswissenschaften stammen, theoretische Auseinandersetzungen enthalten und empirische Daten umfassen. Dabei bietet das Kolloquium ein besonders unterstützendes Umfeld für Doktoranden und Postdoktoranden. Für jeden Beitrag stehen 30 Minuten zur Verfügung: Die Referenten sollten etwa 20 Minuten sprechen, damit Zeit für Fragen bleibt.

Man freut sich über Einreichungen aus aller Welt und will die Panels so organisieren, dass sie verschiedenen Zeitzonen gerecht werden. Alle Vorträge müssen in englischer Sprache gehalten werden. Noch bis zum 1. Oktober kann man seine Zusammenfassung über dieses Google-Formular einreichen. Tickets sind ab dem 11. Oktober über die CRG-Website erhältlich.

Als Hauptrednerin wird Ruth E. Toulson (Maryland Institute College of Art) über das Thema sprechen:„Der letzte Friedhof: Wandelnde Todeslandschaften im heutigen Singapur”

Die Abstracts des virtuellen Kolloquiums im letzten Jahr sind unter dieser Website zu finden. 

Fragen zur Veranstaltung beantwortet: julierugg36@gmail.com

Sonntag, 3. August 2025

Jubiläum: 25 Jahre Förderverein Südwestkirchhof Stahnsdorf e.V.

Die Stabkirche auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf (Foto Leisner) 

Der Förderverein Südwestkirchhof Stahnsdorf e.V. hat 12.Juni ein großes Jubiläumsfest anläßlich seines 25jährigen Bestehens gefeiert. Wir vom Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof e.V. gratulieren natürlich sehr herzlich und freuen uns, dass dazu im Stadtblatt ein ausführlicher Artikel erschienen ist, der die Arbeit des Vereins würdigt. 

Darin heißt es u.a., dass der Verein mit europaweit fast 400 Mitgliedern zu den ­größten Vereinen der Region gehört und seit seiner Gründung nicht nur viel für die Erhaltung und Pflege des Friedhofs geleistet, sondern auch dazu beigetragen hat, aus dem historisch bedeutenden Ort ein kulturelles Highlight mit einer Ausstrahlung weit über Berlin und Brandenburg hinaus zu machen. 

Schon vor der Vereinsgründung hatte der Friedhofverwalter Olaf Ihlefeldt mit seinen Mitarbeitern begonnen, den während der Zeit der DDR verwilderten Friedhof wieder instand zu setzen. Seit 1991 hatte er außerdem in Eigenregie Konzerte, Führungen und Lesungen auf dem Friedhof veranstaltet. Mit der Vereinsgrünundung wurden diese Aktivitäten dann auf eine breitere Basis gestellt, sowohl, was die "manpower" betrifft als auch in Bezug auf die finanziellen Grundlagen. 

Zu Beginn gab es noch viele Probleme durch Vandalismus und Diebstahl (auch in diesem Blog wurde über den Kupferdiebstahl im Jahr 2011 berichtet, der zum Glück rasch aufgeklärt wurde). Das hat zum Glück nachgelassen und, seitdem das Gelände eingezäunt wurde, haben gibt es auch kaum noch Verwüstungen durch Wildschweine und andere Wildtiere. So können sich die Vereinsmitglieder ihren Hauptaufgaben widmen: Förderung des Denkmalschutzes, Herstellung und Verteilung von Broschüren, Sicherung der Brunnen, Bau von Unterständen, Veranstaltung von Führungen und Vorträgen sowie Konzerten, Betreuung des Infohäuschens im Eingangsbereich an Wochenenden, ­fachspezifischer Austausch mit internationalen Partnervereinen und vieles mehr. 

Zum Jubiläum wurde das bereits umfangreiche Veranstaltungsprogramm, das immer wieder viele Menschen auf dem Friedhof zusammenbringt, erweitert. Zum Beispiel findet am 31. August zum ersten Mal ein Klangspaziergang und Brunnenkonzert auf dem Friedhof statt. Und das bekannte Führungsangebot wird durch Fahrradführungen, abendliche und naturkundliche Rundgänge ergänzt. Den Höhepunkt bildete aber sicher das gut besuchte Jubiläumsfest im letzten Monat. Die kommenden Veranstaltungen finden sich natürlich noch auf der Website des Friedhofes.

Stadt und Tod

Weil ich leider im Augenblick kaum Zeit habe, kommt hier die Zusammenfassung der Herausgeber von einem sehr interessanten Themenheft, das man kostenlos herunterladen kann.

Gezeigt wir darin, dass die Beziehung zwischen Stadt und Tod durch das Zusammentreffen religiöser, hygienischer, technisch-industrieller und ästhetischer Diskurse geprägt ist. Die Beiträge konzentrieren sich auf den Tod unter Stadtbewohnern. Dazu gehören beispielsweise Stadtmagistrate oder religiöse Würdenträger, die in ländlichen Gebieten nicht in gleichem Maße vertreten waren. Die Toten werden als Teil der städtischen Umwelt verstanden. Dieses Umfeld bildet auch die Bühne für öffentliche Beisetzungen von Nationalhelden oder hochrangigen Politikern; die Art und Weise, wie diese durchgeführt werden und wie die Erinnerung an die Toten lebendig gehalten wird, entwickelt sich mit der städtischen Landschaft und drückt bestimmte Einstellungen und Werte aus. Der Tod und die Toten gehören untrennbar zur Stadt und müssen als zentraler Aspekt von Urbanität betrachtet werden. Reichtum, Status, Geschlecht, Alter und viele andere Aspekte, die für Stadtbewohner von entscheidender Bedeutung waren, spiegelten sich in der Art und Weise ihrer Bestattung wider. Die Beiträge dieser Sonderausgabe verstehen die städtischen Toten als Linse für die Stadtgeschichte im Allgemeinen. 

Beiträge: 
Martin Christ/Dieter Schott: Die Stadt und der Tod (Einleitung)

Norbert Fischer: Stadt, Friedhof und Natur: Zur Entwicklung landschaftlicher Friedhöfe im urbanen Raum vom 18. bis zum frühen 21. Jahrhundert 

Rüdiger Hachtmann: Zweierlei Tod in Berlin 1848 und 1849. Märzgefallene und Choleraopfer

Verena Kümmel: Die Stadt als Bühne öffentlicher Totenfeiern. Paris, London und Berlin

Benedikt Brunner: Sterben in der ‚Stadt ohne Gott‘. Säkularisierungsdeutungen, Urbanität und die Frage nach der Zukunft des christlichen Sterbens 

Carolin Kosuch: Die Ewige Stadt und der Tod im 19. Jahrhundert. Bestattungsorte Nichtreligiöser in Rom

Martin Christ: Die Etablierung des „Jewish Burial Ground“ in Wolverhampton, England
(1851) 

Bethany M Wade: A Cemetery Fit for a Cultured and Christian City: Religious Freedom, Cultural Diversity, and the Urban Landscape in the Late-19th-Century Spanish Caribbean

Dieter Schott: Leitrezension: Neue Perspektiven auf städtische ‚Todesräume‘ in der sozialwissenschaftlichen Forschung.  

Die Stadt und der Tod – Themenheft „Moderne Stadtgeschichte“, Jahrgang 2025, 1. Halbjahresband, Hrsg.: Martin Christ und Dieter Schott, Berlin 2025, 236 Seiten, mit zahlreichen, teils farbigen Abbildungen; ISSN: 2941-6159 online, kostenloser Download 

Mittwoch, 16. Juli 2025

transmortale XV - call for papers

Die 15. Tagung "transmortale - Neue Forschungen zu Sterben, Tod und Trauer" wird am 6./7. März 2026 im Museum für Sepulkralkultur (Kassel) stattfinden. 

Sie wird vom Zentralinstitut und Museum für Sepulkralkultur, Kassel, und dem Institut für Empirische Kulturwissenschaft der Universität Hamburg in Kooperation mit der Stiftung Deutsche Bestattungskultur veranstaltet und ist eine Präsenzveranstaltung. 

Am Freitagabend, 6. März, beginnt sie mit einem Kolloquium im Rahmen einer Buchpräsentation. Der Samstag, 7. März, steht – thematisch offen – Nachwuchswissenschaftler:innen zur Vorstellung ihres an Sepulkralkultur ausgerichteten Forschungsprojektes oder ihrer Qualifikationsarbeit zur Verfügung. Es können auch Vorschläge für Posterpräsentationen eingereicht werden. 

Die Auseinandersetzung mit dem Tod begleitet die Menschheit seit Anbeginn ihrer Tage. Er ist ein Problem der Lebenden, und deshalb weisen alle wissenschaftlichen Disziplinen, die sich mit dem (Zusammen-)Leben der Menschen befassen, auch Berührungspunkte zu Sterben und Tod, zu Abschied und Gedenken, zur Endlichkeit und zu den Versuchen auf, das Unvermeidliche zu bewältigen.
Die Themen Sterben, Tod und Trauer sind in den letzten Jahren verstärkt in den Fokus der fächerübergreifenden Forschung gerückt. Disziplinen wie Archäologie, Ethnologie, Kulturanthropologie oder Kunstgeschichte beschäftigen sich seit jeher mit Gräbern und Begräbnisplätzen. Inzwischen interessieren sich jedoch ganz unterschiedliche Disziplinen für den Wandel der Trauer- und Bestattungskultur, zum Beispiel die Soziologie, Psychologie, Geschichte, Medizin(-Ethik), Gesundheits- und Pflegewissenschaften, Geschlechterforschung sowie Kultur- und Medienwissenschaften.
Der Workshop transmortale bietet eine Plattform für das Forschungsfeld Sterben, Tod und Trauer. Er richtet sich an junge Wissenschaftler:innen, die sich in der Abschlussphase einer Qualifikationsschrift befinden, aber auch an Postdocs und andere interessierte Forschende. Ihnen wird die Möglichkeit gegeben, neue Perspektiven zu entwerfen und sie in größerer Runde zu diskutieren. Ziel ist eine interdisziplinäre Auseinandersetzung, die empirische und theoretische Ansätze zusammenführt und einen intensiven Austausch eröffnet. 

Tagungssprache ist Deutsch, es sind aber auch englischsprachige Beiträge möglich. Für Referierende werden die Kosten für maximal eine Übernachtung und die Verpflegung während der Tagung übernommen.

Wer Interesse hat, sein Forschungsprojekt in einem Vortrag/einer Präsentation (max. 20 Minuten) oder in Form eines Posters vorzustellen, sendet seinen Themenvorschlag bitte bis zum 31. Oktober 2025 (mit Abstract von max. einer Seite inkl. Curriculum Vitae) an die folgende E-Mail-Adresse: niedermeyer@sepulkralmuseum.de

Der Tagungsort, das Museum für Sepulkralkultur, befindet sich in der Weinbergstraße 25-27, 34117 Kassel. 

Donnerstag, 26. Juni 2025

Kultur auf dem Friedhof

Die letzten beiden Ausgaben unserer Ohlsdorf-Zeitschrift befassen sich mit der Frage, welche kulturellen Ereignisse auf Friedhöfen stattfinden. 

Wir haben dafür Beiträge sowohl aus Deutschland wie aus dem benachbarten Ausland zusammengetragen. Beide Hefte kann man inzwischen auch auf der Website des Förderkreises Ohlsdorfer Friedhof nachlesen bzw. anschauen kann. Man kann sie aber auch gedruckt beim Förderkreis direkt bestellen. 

Im Schwerpunkt der Ausgabe 168/2025 berichten wir über die "Herbstmondnacht – Eine Reise durch die Endlichkeit" auf dem Friedhof Wismar, die aber auch schon auf anderen Friedhöfen stattgefunden hat. Außerdem geht es um das "Ohlsdorfer Friedensfest" und das "Mexikanische Totenfest auf dem Ohlsdorfer Friedhof: Neue Perspektiven
der Erinnerung".

 In der Folge-Ausgabe 169/2025 wird dann über "Kultur auf Wiener Friedhöfen" und das Jubiläum des Zentralfriedhofes im letzten Jahr berichtet; "Das Friedhof Forum – die schweizweit einzigartige Kulturinstitution über Leben und Tod" wird vorgestellt; in dem Beitrag "Der lebendige Friedhof – Friedhöfe als Orte der Verbindung" kommt der Direktor des Museums "Tot zover" in Amsterdam zu Wort und der langjährige Vertreter der Öffentlichkeitsarbeit auf den Zwölf-Apostel-Friedhöfen in Berlin berichtet von seinen spannenden Aktivitäten. 

Da gibt es viele Anregungen zu den Möglichkeiten, die Friedhöfe haben um die Menschen in ihrer Umgebung einzuladen und auf sich als besondere Kulturorte aufmerksam zu machen.