Dienstag, 2. April 2013

,,Diesseits - Jenseits - Gedenkkulturen der Weltreligionen auf dem Ohlsdorfer Friedhof"

Der Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof lädt zur Eröffnung seiner Freilicht-Ausstellung "Diesseits - Jenseits, Gedenkkulturen der Weltreligionen auf dem Ohlsdorfer Friedhof" am  14. April 2013 ein.

Zwei große internationale Ausstellungen finden in diesem Jahr in Hamburg auf der Elbinsel Wilhelmsburg statt. An diesem Wochenende wird die IBA 2013, die internationale Bauaustellung, eröffnet. Am 26. April folgt die igs 2013, die Internationale Gartenschau Hamburg.

Grabstätte der Familie Pohl auf dem Ohlsdorfer Friedhof
mit buddhistischer Gestaltung (Foto: Förderkreis Ohlsdorfer
Friedhof e.V.)
Auf der Internationalen Gartenschau, die den Untertitel "In 80 Gärten um die Welt" hat, wird unter anderem auch die "Welt der Religionen" zu sehen sein; ein gemeinsamer Garten aus fünf Teilgärten, die von Vertretern des Buddhismus, Christentums, Hinduismus, Islam und Judentums gestaltet werden. Sie haben einen Brunnen zum Zentrum, der die Bedeutung des Wassers für alle Religionen als Quell des Lebens symbolisiert. Ganz in der Nähe werden während der Ausstellungszeit über hundert Friedhofsgärtner und Steinmetze ihre Arbeiten präsentieren.

Passend dazu wird auf dem Ohlsdorfer Friedhof die neue Freilicht-Ausstellung zu sehen sein, die sich mit dem Titel direkt auf die "Welt der Religionen" in Wilhelmsburg beziehen wird. Gemeinsam projektiert vom Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof e.V. und der Hamburger Friedhöfe -AöR- wird dieses Garten-Projekt noch vor der igs ameröffnet. Ziel des Projekts ist es, die Besucher in die Rituale und Jenseitsvorstellungen der Weltreligionen einzuführen. Die Veranstalter schreiben dazu:

Muslimische Gräber auf dem Ohlsdorfer Friedhof
(Foto: Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof e.V.)
"Der Umgang mit Tod und Trauer ist ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal innerhalb der fünf
Weltreligionen Buddhismus, Christentum, Hinduismus, lslam und Judentum. Doch worin besteher
Gemeinsamkeiten, wo liegen die Unterschiede? Vertreter der Religionsgemeinschaften beantworteten dazu folgende Fragen zu den Bestattungsriten ihrer Religion:
- Gibt es eine Farbe der Trauer in lhrer Religion?
- Welche Vorstellungen hat das Jenseits in lhrer Religion?
- Was stellt der Tod in lhrer Religion dar?
- Welche Abschiedsrituale der Hinterbliebenen sind die wichtigsten?
Die Antworten werden auf Texttafeln vorgestellt. Sie sind eingebettet in den gärtnerisch einheitlich
Hauptstein der Grabstätte der Chinesen
in Hamburg (Foto: Förderkreis
Ohlsdorfer Friedhof e.V.)
gestalteten Platz und mit Symbolfahnen der Weltreligionen markiert. ,,Diesseits-Jenseits" bietet Einblicke in die unterschiedlichen Bestattungskulturen und ein emotionales Erlebnis durch den sakralen Ausstellungsort zwischen dem neuen Bestattungsforum und dem Mahnmal für die Verfolgten des Naziregimes 1933-45."

Dazu gibt der Förderkreis eine Broschüre mit dem Titel "Ohlsdorf - ein konfessionsoffener Friedhof" heraus und zeigt im Friedhofsmuseum eine Fotoausstellung, die ebenfalls bis Oktober 2013, also bis zum Ende der igs 2013, zu sehen sein wird.

Bei der Eröffnung am am Sonntag, den 14. April, um 15:00 Uhr in der Talstraße des Ohlsdorfer Friedhofs am Hamburger Bestattungsforum Ohlsdorf ( bei schlechtem Wetter in der Fritz-Schumacher-Halle des Bestattungsforums) wird  der  Religionswissenschaftler Prof. Dr. Wolfram Weiße von der Universität Hamburg, Akademie der Weltreligionen, in das Thema einführen und es werden Vertreter der fünf Religionen dazu erwartet.

Montag, 18. März 2013

Neues Restaurierungsprojekt auf dem Inneren Neustädter Friedhof in Dresden

Im Mai 2013 beginnt auf dem Inneren Neustädter Friedhof in Dresden ein Projekt mit dem schwer konservierbare und stark umweltgeschädigte Sandsteindenkmale mit dem sogenannten VKF-Verfahren gefestigt und die Risiken dieses Verfahrens geomechanisch simuliert werden sollen. Das Projekt hat eine Laufzeit von eineinhalb Jahren und wird von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gefördert.

Das VKF-Verfahren (Vakuum-Kreislauf-Festigungsverfahren nach Patent Vujasin) bedeutet, dass das zu behandelnde Objekt luftdicht in lösungsmittelresistente Folien eingeschweißt wird. Dann  wird die Luft mit einer Vakuumpumpe aus dem Foliensack gepumpt und das geeignete Festigungsmittel zugeführt. Theoretisch verteilt es sich sofort gleichmäßig und tiefreichend im Stein.

Wenn das Verfahren bei den Grabmalen erfolgreich ist, erwarten die Dresdener eine 'Musterlösung' für umweltgeschädigte Kleindenkmale aus Cottaer Sandstein. Das Projekt läuft in Zusammenarbeit mit der Firma Atelier Pummer. Dabei soll das Verfahren erstmals an einem barocken Grabmal aus Cottaer Sandstein  angewandt und seine Wirkung detailliert naturwissenschaftlich überprüft werden. Tatsächlich ist dieses Verfahren offenbar nicht umunstritten und bedarf der Prüfung, denn frühere Kunstharztränkungen haben bei Plastiken auch schon mehr Schaden als Nutzen gestiftet.




Samstag, 16. März 2013

Taphophil

Seit Neuestem weiß ich, wie man Friedhofsfreunde wissenschaftlich benennt! Sie liebe Leser sind wahrscheinlich und ich bin es ganz sicher, nämlich "taphophil".

Taphos heißt auf Griechisch einfach Grab oder auch Grabstein. Im englischen Wikipedia heißt es dazu, dass man unter "Taphophilen"  Grabstein-Touristen oder auch Friedhofs-Enthusiasten oder "Grabjäger" versteht; und damit Personen, die eine Passion für und Freude an Friedhöfen haben. Das schliesst Epitaphe, Abreibungen von metallenen Grabplatten auf Papier, Fotografie, Kunst und die Geschichte von (berühmten) Toten mit ein. Bekannt wurde der Begriff durch den Autor und Biographen Scott Stanton, der ihn für sein 2003 erschienenes Buch und seine ehemalige Website über das Leben und die Grabstätten berühmter Musiker benutzte. Auch wenn es diese Website nicht mehr gibt, so widmet sich doch die Seite "Taphophilia" historischen Grabstätten in aller Welt.

Ich habe diesen Ausdruck aus einem anderen Buch gelernt, nämlich aus dem Titel "Schöner als der Tod" von Boris Akunin, das der Autor schon vor einigen Jahren veröffentlicht hat und das ich zufällig auf dem Grabbeltisch einer Buchhandlung fand. In mehreren Episoden beschreibt Akunin so berühmte Friedhöfe wie den Londoner Highgate Cemetery oder den Greenwood Cemetery in Brooklyn. Aber er schildert nicht nur seine Besuche berühmter Gräber, sondern lässt auch sein alter Ego zu Worte kommen, den Schriftsteller Grigori Tschchartischwili. Unter diesem Namen ist Akunin als Krimiautor bekannt und als solcher unterbricht er seine literarischen Friedhofsbesuche mit Geschichten von Gespenstern, Vampiren und Mördern. Eine wirklich fesselnde Lektüre und sozusagen wie gemacht für Taphophile!



Mittwoch, 20. Februar 2013

Neue Bestattungskultur – Tod, Trauer und Friedhof im Wandel

Zum ersten Mal in diesem Blog kündige ich ein neues Buch an, das vor wenigen Tagen nicht in gedruckter Form, sondern als e-Book erschienen ist.

Passend zum Thema - nämlich dem Wandel von Tod, Trauer und Friedhofs durch das Aufkommen einer neuen Bestattungskultur - probiert Prof. Dr. Norbert Fischer, der ja durch zahlreiche Veröffentlichungen zur Friedhofskultur bekannt ist, diesen neuen Weg zum Leser aus. Einen Blick in das Buch kann man hier werfen und kaufen kann man es dann gleich auch, da man damit auf der Website des "größten Buchhändlers der Welt" gelandet ist.

In dem 156 KB starken Bändchen - sagt man so etwas noch zum e-Book? - sind vier Aufsätze versammelt, die aus unterschiedlichen Perspektiven die neueren Entwicklungen in der Bestattungs-, Trauer- und Erinnerungskultur zusammenfassen und zugleich versuchen diese historisch zu verorten.

Norbert Fischer, Neue Bestattungskultur – Tod, Trauer und Friedhof im Wandel. Cover-Design: Sonja Jüde M.A. www.editing-escort.de e-book: Kindle Direct Publishing (KDP) 2013

Mittwoch, 23. Januar 2013

Bilder von der Ausstellung "Tula Nekropolis" in Ohlsdorf

Hier kommen jetzt auch noch einige  Bilder von der Ausstellung, die ich mir gestern ansehen konnte.
Ausstellungseinleitung (Foto Leisner)
 
Sarkophagartige Grabmale (Foto Leisner)

Sarkophagartiges Grabmal (Foto Leisner)

Vitrinen mit Fotos vom Friedhof (Foto Leisner)

Verschiedene Grabmale (Foto Leisner)

Grabrelief (Foto Leisner)


Freitag, 18. Januar 2013

Tula Nekropolis - eine Fotoausstellung im Ohlsdorfer Bestattungsforum


Zeitschrift Friedhofskultur 6/2012, S. 28
Die russische Stadt Tula liegt knapp zweihundert Kilometer südlich von Moskau und ist in Russland sowohl als Zentrum der russischen Rüstungsindustrie, wie durch seine Samoware und seine Lebkuchen bekannt.

Schon im 16. Jahrhundert entwickelte sich aufgrund des reichen Eisenerzvorkommens in der Umgebung von Tula die Metallverarbeitung.

Die drei großen historischen Friedhöfe dieser spiegeln auf einem  mehr als 50 ha umfassenden Gelände die den ehemaligen Reichtum der Bewohner in tausenden von Grabstätten wieder. Besonders die Grabmale aus dem 18. und 19. Jahrhundert sind mit außerordentlich fein gearbeiteten Reliefs auf hohem künstlerischen Niveau geschmückt.

Im Juni 2012 habe ich darüber einen Beitrag in der Zeitschrift Friedhofskultur veröffentlicht (von dem ich hier die erste Seite einfüge). Damals konnte ich schon darauf hinweisen, dass es zu einem Austausch von Fotoausstellungen zwischen dem Museum "Tula Nekropolis", das diesen Reichtum zu erfassen und zu erhalten sucht, und dem Ohlsdorfer Friedhof kommen sollte.

Jetzt ist es tatsächlich soweit: In der Ausstellung "Tula Nekropolis" im Hamburger Bestattungsforum Ohlsdorf kann man erstmals in Deutschland einen Blick auf die reiche historische Bestattungskultur dieser russischen Stadt werfen.

Die Ausstellung wird bis zum 12. Mai 2013 zu sehen sein. Der Eintritt ist frei. Öffnungszeiten: Montag-Freitag 9-17 Uhr, Samstag und Sonntag 10-15 Uhr

Hamburger Bestattungsforum Ohlsdorf, Fuhlsbüttler Str. 756, 22337 Hamburg

Dienstag, 15. Januar 2013

Der Tod und das Meer - Der Katalog zur Ausstellung

Anfang Dezember habe ich hier von der Flensburger Ausstellung berichtet, die 2013 auch in anderen Museen des Nordens zu sehen sein wird. Jetzt habe ich auch den Katalog dazu vorliegen und mit großem Interesse gelesen. Die neun Textbeiträge dieser Publikation haben mir persönlich zusammen mit dem ausführlichen Katalogteil einen ganz neuen Zugang zu den Phänomenen von Schifffahrt und  Meer eröffnet.

Gleich zu Anfang stellt Andreas Machemehl den Begriff der Katastrophe in seiner historischen Entwicklung dar und macht damit einführend klar, wie die Menschheit ihre Unglücksfälle begrifflich ganz unterschiedlich gefasst und damit auch beurteilt hat. Norbert Fischer erweitert seine bisherigen Forschungen zum Thema "Namenslosenfriedhöfe" mit seinem Beitrag zur Gedächtnislandschaft der Katastrophe um die maritimen Memorials entlang der Nord- und Ostseeküste, die er mit ihren Intentionen vorstellt. Martin Rheinheimer widmet sich besonders den Schiffsdarstellungen auf den Seemannsgrabsteinen der Inseln Amrum und Föhr. Dabei zeigt er auch die sozialgeschichtlichen Hintergründe auf und weist auf die verschiedenen Bedeutungsgehalte dieser Darstellungen, die sich sowohl auf echte Schiffe, mit den denen der Verstorbene zur See gefahren ist, wie auf die Lebensreise selbst beziehen lassen, die aber auch Zeichen für einen geglückten sozialen Aufstieg sein und damit der Selbstdarstellung dienen konnten. In die jüngste Vergangenheit führen dann die Interviews, die Svea Wendt mit Seemannsfrauen geführt hat, deren Leben durch die langfristige Abwesenheit den Mannes auf eigene Weise geprägt worden ist.

Tod und Meer kommen auf besondere Weise zusammen in den Bildern, die Stefanie Knöll zum Ausgangspunkt ihrer Untersuchung über den "Schiffbruch als moralisch-didaktisches Schauspiel" macht. Auf ihnen erscheint der Knochenmann persönlich und beobachtet mehr oder weniger gelassen, wie Schiffe an Klippen zerschmettern und Seeleute im tosenden Meer versinken. Knöll geht dabei auch auf den Untergang der Titanic ein und kommt zu dem Schluss: "Wenn ... das Eismeer symbolisch für das Ende des Lebens steht und der Tod traditionell als letzter unvermeidlicher Schiffbruch imaginiert werden kann, dann scheinen beim Untergang der Titanic mehrere geläufige Sinnbilder in einem realen Ereignis aufeinadergetroffen zu sein. Dazu kommen die eng mit der Schifffahrt verknüpfte Kritik am Streben nach Luxus und Geld sowie die menschliche Hybris - Element, die in besonderen Maße auf den technisch gut ausgestatteten 'Luxusdampfer' passen."  (S. 40)

Nocheinmal wird das Motiv des Schiffbruchs von Michael Overdick aufgenommen, der entsprechende Bilder der Romantik untersucht und dabei auch zwei so unterschiedliche Werke wie "Das Eismeer" von Caspar David Friedrich und "Das Floß der Medusa" von Théodore Géricault miteinander vergleicht und dabei sowohl die historischen Hintergründe wie die Rezeptionsgeschichte und den Bildaufbau mit ins Spiel bringt. Torkild Hinrichsen dagegen führt den Leser ein in die Geschichte der Seenotrettung ein und zeigt, wie am Ende des 19. Jahrhunderts die Retter bildlich und verbal zu Helden des Meeres stilisiert wurden.

Einen ganz anderen Aspekt behandelt der Beitrag "Tod am Meer" von Jörg Vögele, der zeigt, wie gefährdet besonders die Unterschichten in den Hafenstädten durch Seuchen waren, die aus Übersee eingeschleppt wurden. In den armseligen Kellerwohnungen und Hinterhöfen der Quartiere der Hafenarbeiter wütete immer wieder die Cholera und auch die Kindersterblichkeit erreichte dort besonders hohe Zahlen. In "Tod auf dem Meer" widmet sich zum Schluss Matthias Seeberg dem Thema der Piraterie und bringt besonders die moderne Piraterie in Zusammenhang mit dem Terrorismus, zeigt aber auch, dass es ähnliche historische Phänomene gegeben hat.

Im Katalogteil sind die Ausstellungsstücke unter den Titeln: "Die Naturgewalt des Meeres", "Seefahrt als Lebensreise", "Wellenberg und Totentanz", "Vom Warten, Hoffen, Trauern und Erinnern" und "Rettung aus Sturm und Not" sinnvoll zusammengefasst. Der Leser profitiert dabei davon, dass zwei Gruppen von Studenten besonders ausführliche Informationstexte zu jedem einzelnen Exponat erarbeitet haben. Dadurch wird auch dieser - oft etwas trockene - Abschnitt zu einer spannenden Lektüre, durch die man auf viele Einzelheiten aufmerksam wird, die einem sonst sicher entgangen wären. Als Beispiel sei hier die Katalognummer 8 mit der Titelseite des Daily Sketch vom 3. Februar 1914 angeführt. Darauf ist der Untergang der Viermastbark Hera vor Falmouth dargestellt. Die wenigen Überlebenden sind darum herum im Porträts angeordnet. Ohne den zugehörigen Text, dass die Helfer nur durch eine Signalpfeife zum Schiff geführt wurden, würde man kaum genauer hinsehen, um die Signalpfeife zu erkennen, die einer der Geretteten am Mund hat.

Stefanie Knöll, Michael Overdick, Norbert Fischer, Thomas Overdick (Hg.): Der Tod und das Meer: Seenot und Schiffbruch in Kunst, Geschichte und Kultur. 168 Seiten, Hardcover, gebunden. 19,90 Euro
ISBN 978-3-943582-02-4 (Gedruckt mit Unterstützung des Lehrförderungsfonds der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf)